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Die  Lehre  vom  Wirtschaftsbetrieb.

des  20.  Jahrhunderts  immer  deutlicher  wurde,  daß  die  geforderte  kaufmännische
Ausbildung  und  wissenschaftliche  Bearbeitung  der  kaufmännischen  Praxis  nur
von  einer  Hochschule  erreicht  werden  konnten,  wurden  um  die  Jahrhundertwende
die  ersten  Handelshochschulen  errichtet.  Auch  hier  wurde  zunächst  noch  nicht
das  Hauptgewicht  auf  das  wissenschaftliche  Fachstudium  gelegt,  sondern  es  wurde
das  Ziel  verfolgt,  den  in  der  Praxis  stehenden  Wirtschaftern  und  Kaufleuten  die
Möglichkeit  zu  einer  Vertiefung  und  Erweiterung  der  Allgemeinbildung  zu  geben,
sowie  ihnen  eine  gründliche  Schulung  auf  einzelnen  Sondergebieten,  die  man  als
Handelstechnik  bezeichnete,  zu  verschaffen.  Der  Gedanke  der  alleinigen  kaufmännischen ­
  Sonderausbildung  trat  zunächst  noch  zurück.  Man  begnügte  sich
vielmehr  mit  einer  einfachen  Verfahrenslehre  der  Handelswissenschaft.
Das  Ziel  war  lediglich,  den  Kaufmann  aus  der  Enge  seines  Berufslebens  herauszunehmen ­
  und  ihn  in  die  Gedankenwelt  der  Volkswirtschaftslehre,  der  Sozialpolitik
sowie  der  Rechtslehre  einzuführen.  Diese  Art  der  Ausbildung  führte  zu  einer
Nebeneinandersetzung  von  verschiedenen  Sondergebieten,  so  daß  es  dem  Studierenden ­
  in  der  Regel  an  einer  einheitlichen  kaufmännischen  Denkweise  mangelte.
Entsprechend  der  Zielsetzung  der  Handelsschulen,  im  wesentlichen  den  Praktikern ­
  eine  erweiterte  Ausbildung  zu  verschaffen,  waren  die  Aufnahmebedingungen
nicht  den  Bestimmungen  der  anderen  Hochschulen  angepaßt.  Das  Studium  selbst
umfaßte  auch  nur  vier  Semester,  die  Abschlußprüfung  war  als  akademischer  Grad
nicht  anerkannt.
Die  Anforderungen  der  Praxis  nach  kaufmännischer  Ausbildung  ließen  die
Handelshochschulen  später  von  dem  Grundsatz  der  Allgemeinbildung  abgehen,
um  sich  mehr  und  mehr  der  kaufmännischen  Sonderausbildung  zu  widmen.  Diese
Entwicklung  wurde  besonders  durch  den  wissenschaftlichen  Ausbau  eines  Zweiges
der  Wirtschaftswissenschaft,  der  Handelstechnik  —  der  heutigen  Betriebswirtschaftslehre ­
  —  gefördert.  An  der  Entwicklung  der  Betriebswirtschaftslehre  (Wirtschaftsbetriebslehre) ­
  haben  die  Handelshochschulen  einen  entscheidenden  Anteil.
Da  sich  nach  dem  Kriege  das  Schwergewicht  der  Besucher  der  Handelshochschulen ­
  auf  die  eigentlichen  Studierenden  verlagerte,  verschob  sich  auch  die  Hauptaufgabe ­
  der  Hochschule  mehr  nach  der  wissenschaftlichen  Ausbildung  der  Hörer
hin.  Auf  Grund  dieser  Entwicklung  wurden  die  Zulassungshedingungen  grundsätzlich ­
  erschwert,  das  Studium  von  vier  auf  sechs  Semester  verlängert  und  somit
den  Studiengängen  an  den  Universitäten  angepaßt.  Diese  Änderungen  bildeten
die  Voraussetzungen  für  den  Erlaß  des  Ministeriums  im  Jahre  1924,  daß  den
Absolventen  der  Handelshochschulen  der  akademische  Grad  eines  Diplom-Kaufmanns ­
  (Dipl.-Kfm.)  verliehen  werden  durfte.
Das  Ziel  des  Studiums  für  Diplomkaufleute  ist  also,  einen  gebildeten  Kaufmann ­
  zu  erziehen,  der  die  Zusammenhänge  des  wirtschaftlichen  Lebens  erkennt
und  sich  der  Bedeutung  von  Handel  und  Industrie  in  der  Volkswirtschaft  bewußt
wird  mit  der  Zielsetzung  einer  einheitlichen  kaufmännischen  Denkweise.  Das
Studium  ist  ausgerichtet  auf  den  Wirtschaftsbetrieb,  womit  der  Kern  des  kaufmännischen ­
  Studiums  festliegt:  die  Wirtschaftsbetriebslehre  und  die  Wirtschafts-Verkehrslehre.
  Da  aber  ein  gut  ausgebildeter  Kaufmann  nicht  ohne  das  Verständnis ­
  für  volkswirtschaftliche  Zusammenhänge  auskommen  kann,  ohne  die
er  den  Betrieb  getrennt  von  anderen  Betrieben  sehen  würde,  ist  die  Volkswirtschaftslehre ­
  diesem  kaufmännischen  Studium  ergänzend  hinzugetreten.  Zur  Vervollständigung ­
  des  Lehrplanes  der  Wirtschaftswissenschaft  sind  von  der  Rechtswissenschaft ­
  noch  die  wirtschaftlich  wichtigen  Teile  hinzugezogen  worden.  Entsprechend ­
  dieser  Zielsetzung  umfaßt  die  Handelshochschulbildung  drei  hauptsächliche ­
  Gebiete:  Wirtschaftsbetriebslehre  —  Volkswirtschaftslehre  —  Rechtslehre. ­
  An  diese  drei  Hauptgebiete  gliedern  sich  weitere  Gebiete  an,  die  für  die