8 Die Grundlagen. In vieler Hinsicht greift die Steuergesetzgebung noch stärker in die betriebliche Arbeits gestaltung ein als die übrigen Reohtsge biete: Die Biersteuern beispielsweise haben nach Form und Höhe mehrfach umwälzend auf die Brauereitechnik und die Herstellungs- und Absatz organisation eingewirkt, ganz abgesehen von den Vorschriften über die Führung bestimmter Bücher über die handelsrechtlichen Vorschriften, hinaus: Zuckerbuch, Sudbuch, Biersteuer buch, Haustrunkverzeichnis zur mengenmäßigen Überwachung. Filialsteuern führen zur Auf lösung ganzer Verkaufsnetze, Art und Auslegung der Umsatz- und Kapitalverkehrssteuem zur Änderung des Konzernaufhaus, Stempelsteuern (z. B. der Bestellscheine) zur Umwälzung des Vordruckwesens oder sogar der ganzen Einkaufs- und Bestelltechnik, Fusionssteuern wir ken auf das Zustandekommen und Lösen von Betriebszusammenfassungen ein. (Vgl. hierzu A. Siegert: Der gestaltende Einfluß der Steuern auf Produktionstechnik und Betriebsorga nisation, 1935.) Das Gesetz über die Wirtschaftswerbung mit seinen weitgehenden Auswirkungen greift tief in die Werbungstätigkeit ein, ist natürlich besonders für das Druckerei- und Verlagsgewerbe bedeutsam und hat hier viele Verschiebungen gebracht. Bei Banken und Außenhandelsfirmen wirken besonders die Devisen- und Rohstoffüberwachungsverordnungen und Gesetze um wälzend auf die innere Gestaltung der Arbeit, besonders auf die Formular- und Zahlungstech nik, ganz abgesehen davon, daß bei den Import- und Exportfirmen die Art des Ein- und Ver kaufs völlig verändert wird (oft sind heute über 20 Arbeitsgänge und entsprechend viel Formu lare notwendig, um den bei einem einzigen Auftrag nötigen Behördenverkehr zu bewältigen). Sehr weitgehend sind die Auswirkungen der Tätigkeit der im Zusammenhang mit der Devisenknappheit Deutschlands errichteten 25 Überwachungsstellen für Rohstoffe und Fertig waren. Von einzelnen Überwachungsstellen sind Anordnungen über die beschränkte Ver wendung ausländischer Rohstoffe und Halbwaren ergangen, welche durch einheimische Stoffe ersetzt werden mußten. Die betroffenen Betriebe müssen sich in ihren Herstellungs- und Be- arbeitungsverfahren darauf umstellen, was einschneidende Änderungen mit sich bringt. Es sei die Ersetzung des Kupfers durch Aluminium in der Elektroindustrie, die Verwendung in ländischer Gerbstoffe bei der Lederherstellung, die Verarbeitung von Kunstwolle und Kunst fasern in der Textilindustrie erwähnt; durch die andersgearteten technischen Eigenschaften wird die Verarbeitungstechnik zur Umstellung gezwungen, wird die Anschaffung anderer Ma schinen erforderlich, muß die Gestaltung der Fertigerzeugnisse geändert werden (vgl. die weiteren Ausführungen in A III). Ganze Gebiete werden ausgeschaltet (fahrende Verkaufsfirmen des Kleinhandels, z. B. das Migrossystem in Berlin) oder zum mindesten stark behindert (Warenhäuser, Kleinpreisgeschäfte, Versand- und Großfilialbetriebe). Kurz: es ist festzustellen, das hinter der betrieblichen Leistung eine un geheure Vielzahl von gesetzlichen Maßnahmen und Unwägbarkeiten steht, die zwar im einzelnen nicht sämtlich zur Darstellung kommen können, aber, im Hintergrund stehend, doch für das Verständnis der betrieblichen Arbeit be griffen werden müssen. II. Die Betriebsarbeit. 1. Vorbemerkung. Unter Arbeit wird im Schrifttum verstanden: jede mensch liche Kraftleistung, die die Erreichung eines äußeren Erfolges zum Ziele hat, oder jede menschliche Tätigkeit, die ihren Zweck außer sich selbst hat (Bücher). Nach der letzteren Auffassung unterscheidet sich die Arbeit vom bloßen Spiel (das auch eine Kraftäußerung oder Tätigkeit in sich schließt) dadurch, daß beim Spiel der Zweck in der Tätigkeit selbst, eben im Spiel, liegt. Die Zwecke, denen die Tätigkeit zu dienen bestimmt ist, können freilich sehr verschieden sein. So liegt Arbeit in diesem Sinne vor, wenn der Spaziergänger etwas für seine Gesundheit tut, die Be rufsspielerin im Spielsaal ihren Lebensunterhalt zu verdienen sucht, der Maler ein Gemälde fertigstellt, der Arzt seinen Beruf ausübt oder der Gelehrte ein Buch schreibt. Die Tätigkeit, die die Wirtschaft erfordert und sich im Betriebe vollzieht, ist die Betriebsarbeit, gewöhnlich auch Arbeit schlechthin genannt. Im folgenden ist immer die Betriebsarbeit gemeint, wenn von Arbeit schlechthin die Rede ist. Man erkennt aus dieser Begriffserklärung, daß die Arbeit so alt (und notwendig) ist wie die Wirtschaft, und sie solange einen wichtigen Bestandteil des menschlichen Lehens ausmaoht, als nicht wieder ein Paradies auf Erden kommt. Man darf allerdings nicht übersehen, daß sich die Notwendigkeit der Arbeit nur auf die Menschen als solche bezieht und nicht unbedingt für