14 Die Grundlagen. Auf der anderen Seite verkauft der Handelsbetrieb die angeschafften Waren an die Verbraucher oder an die Weiterverarbeiter, wenn es sich um Roh- und Halbfertigerzeugnisse oder um Werkzeuge und Maschinen handelt. Hier tritt ihm die Aufgabe entgegen, den Bedarf ausfindig zu machen, eine kommende Nach frage zu erkennen oder ein vorhandenes Bedürfnis zu wecken, die Nachfrage nach irgend einem Gut lebendig zu machen. In dieser Arbeit leistet der Kaufmann Pionierdienste für den Hersteller, indem er die Nachfrage auf dessen Erzeugnisse lenkt. Insbesondere dem Kleinhändler fällt diese Aufgabe zu. Dieser sucht seine Abnehmer im schriftlichen und mündlichen Verkehr von der Güte oder Zweck mäßigkeit seiner Waren zu überzeugen, sucht also mit geistigen Waffen den Kunden zum Kaufen zu bewegen. Die Beeinflussung des Käufers spielt auch im Großhandel eine Rolle beim Verhandeln — daher Handel —, wobei es darauf an kommt, dem anderen den Abschluß eines Geschäftes so mundgerecht zu machen, daß dieser glaubt, durch Unterlassen des Geschäftes einen Schaden zu erleiden. Hierzu kommt noch die von der Wirtschaft her gebotene Notwendigkeit, bei dem Preisvergleich an die Gestaltung der eigenen Kosten zu denken, die kalkulato rischen Überlegungen mit dem Handeln, der Beeinflussung des Käufers, zu verbinden. Im Gegensatz zur landwirtschaftlichen und gewerblichen Arbeit ist also die kaufmännische Arbeit geistiger Art; sie haftet nicht an der Ware, sondern liegt in der Meisterung marktwirt schaftlicher Vorgänge und in der Beeinflussung der Willenshandlungen der Partner, mit denen die Handelsgeschäfte abgeschlossen werden sollen. Sie tritt daher auch nicht so wie die land wirtschaftliche Arbeit: Wachsen des Getreides, Füllen der Scheune, Ernährung des Menschen, oder wie die technische Arbeit: eine Uhr, ein Haus, eine Maschine, die Herstellung des Roh eisens, für jedermann sichtbar in die Erscheinung. Die Folge ist, daß die kaufmännische Arbeit, weil sie unsichtbar ist, leicht unterschätzt oder überhaupt nicht beachtet wird. Der Käufer hält es für selbstverständlich, daß die Waren in dieser oder jener Auswahl vorliegen; er denkt nicht daran, wieviel kaufmännische Arbeit angewendet worden ist, damit für ihn zum Frühstück der Kaffee oder der Tee auf dem Tisch steht. Im Gegenteil: weite Kreise sehen in der kaufmännischen Tätigkeit zumeist nichts anderes, als daß der Kaufmann billig einkauft und teuer verkauft, eben nur einen Gewinn machen will. Hieraus entsteht die weitere Vor stellung, daß der Handel zu nichts anderem tauglich sei, als die Ware für den Verbraucher zu verteuern. Die Besonderheit der Bankarbeit besteht in der Kreditgewährung. Hierzu ge hört die Abschätzung der Kreditfähigkeit des Schuldners und der von diesem zu hinterlegenden Sicherheiten, die Beurteilung der Persönlichkeit und der Geschäfts tüchtigkeit des Kreditsuchenden, gehört schließlich die richtige Einschätzung des Wirtschaftsbetriebes und dessen voraussichtlichen Weiterentwicklung innerhalb des Geschäftszweiges wie in der Gesamtwirtschaft. Insbesondere die großen Banken stehen in engen Beziehungen zu den Industriebetrieben; sie gewähren diesen Kredite für längere Fristen, übernehmen Aktien und Obligationen, müssen also mit der industriellen Tätigkeit vertraut sein, deren Entwicklungsmöglichkeiten beurteilen und ihrer Kreditgewährung zugrunde legen. Die Bankarbeit richtet ihr Augenmerk ferner auf die Bewegungen des Geld- und Kapitalmarktes, auf die Veränderung der hier geltenden Zinssätze, auf die internationalen Geld- und Käpitalströmungen, die wieder von den wirtschaft lichen, finanziellen und politischen Verhältnissen der einzelnen Länder abhängig sind. Im Börsenhandel kommt diese Beurteilung der Dinge in dem Handeln zum Ausdruck, sei es, daß die Banken selbst oder auf ihren Rat hin die Kundschaft Wertpapiere kaufen und verkaufen. Die Ausnutzung der Unterschiede in den Preisen — Effektenkurse, Wechselkurse, Zinssätze — wird sowohl bei der vor übergehenden Anlage von flüssigen Mitteln beachtet als auch als selbständiges Geschäft (Arbitrage) durchgeführt. Wenn die Handelsarbeit auch keine Arbeit am Stoff ist, so steht sie doch zumeist und in großem Umfang noch in engster Beziehung zu den betreffenden Waren. Die Bankarheit hat