Die Betriebsarbeit. 15 sich dagegen ganz vom Stofflichen gelöst; sie hat es nur noch mit abstrakten Geldsummen zu tun und trägt dadurch in besonderer Weise das Merkmal der Rechenhaftigkeit (das Sombart der kapitalistischen Unternehmung zugrunde legt). Freilich: sieht man näher zu, dann stehen hinter den Wechseln, Effekten, Beleihungen und Forderungen doch wirkliche Dinge: Menschen, Waren, Grundstücke, Fabriken, Verkehrsmittel u. a. m.; aber sie erscheinen dem Bankmann in Geld, Kapital und Renten. 4. Die kaufmännische Nebenarbeit. Als eigentliche kaufmännische Arbeit haben wir das Kaufen und Verkaufen, das Verhandeln und Handeln kennengelemt. Mit dieser kaufmännischen Grundarbeit sind zahlreiche Nebenarbeiten verbunden, die die Grundarbeit teils unmittelbar unterstützen, teils ihr vorausgehen oder ihr nach- folgen. Sie heißen ebenfalls kaufmännische Arbeiten, weil sie von Anfang an eine Begleiterscheinung des Handelsbetriebs gewesen sind und sich mit diesem weiter entwickelt haben. Wir werden nachher noch sehen, daß sie auch in anderen Betrieben Vorkommen und hier oft von entscheidender Bedeutung werden. a) Unmittelbar mit der kaufmännischen Grundarbeit hängen Werbung, Lager verwaltung und Versand der Waren zusammen. Werbung ist die bewußte Beeinflussung von Menschen derart, daß sie sich — im Gefühl eigener freier Entschließung — den Gedankengängen des Werbenden anschließen und danach handeln. Es liegt in der Natur des Wirtsohaftsbetriebes, daß die Werbung hier vorwiegend Kundenwerbung ist; für die hergestellten oder beschafften Güter werden Abnehmer geworben, d. h. Menschen, die ihrer Zahlungsfähigkeit, ihrer inneren Einstellung, ihren persönlichen Ver hältnissen nach als Käufer in Frage kommen könnten; sie werden durch offene oder versteckte Mittel und Maßnahmen so beeinflußt, daß nicht nur der Wunsch in ihnen entsteht, gerade diese Brauchbarkeiten und gerade die des werbenden Wirtschaftsbetriebes zu besitzen, sondern daß sie auch diesem Wunsche nachgeben. So ist die Werbung ein fast unentbehrliches Hilfsmittel des Verkaufs. Ihre Ausgestaltung und Durchführung ist natürlich von der Art und dem Umfang des Betriebes und den zur Verfügung stehenden Mitteln wie den zu verkaufenden Waren abhängig. Aber es ergibt sich eine Fülle von Möglichkeiten. Schon durch die Wahl des Standortes (im Verkehrszentrum) oder die äußere Aufmachung des eigenen Gebäudes oder des Bürohauses, in dem gemietet wurde, durch die Gestaltung der Inneneinrichtung, vor allem soweit sie mit den zu beeinflus senden Menschen in Berührung kommt, wird geworben. Die Kleidung der Verkäuferinnen oder der Pförtner, Fahrstuhlführer und Boten, die Aufmachung der Fahrzeuge, der Packungen und Briefbogen, die Einrichtung besonderer Bequemlichkeiten oder Vorteile während des Kaufs, die geschmackvolle, saubere, gefällige Form der angebotenen Waren und ihre Zurschaustel lung, ferner Stiftungen, Wettbewerbe, Preisausschreiben usw. sind sämtlich als Formen ver deckter Werbung zu betrachten. Die offene Werbung kann mündlich (akustisch) — durch Ausrufer, Vertreter, Rundfunk ansage — oder schriftlich (optisch) erfolgen. Preislisten, Warenverzeichnisse, Werbebriefe, Einzelanpreisungen, Rundschreiben, Handzettel u. a. sind die mehr persönlichen, Anzeigen, Anschläge, Schaustellungen, Filme, Leuchtzeichen die unpersönlichen Mittel; Zugaben ver schiedener Art, ferner Probesendungen, Kostproben sollen darüber hinaus unmittelbare Er innerungen oder Vorstellungen erwecken. Alle diese Mittel und Formen der Werbung erfordern viel besonderes Wissen: einmal in Kenntnis des rein Handwerksmäßigen, daneben aber besonders auch Einblicke in das Wesen der menschlichen Beeinflussungsmögliohkeit, die nur zum Teil erlernbar, im übrigen mehr dem Gefühl zugänglich sind. Da der Erfolg der einzelnen Maßnahme meist nur schwer erkennbar ist, gehört die Feststellung, ob die Werbung hinsichtlich der Wirkung in einem günstigen Ver hältnis einerseits zu den aufgewendeten Mühen und Kosten und andererseits zu den Leistungs- mögliohkeiten des Betriebes steht, zu den schwierigsten Fragen des Kaufmanns. Den Werber selbst, der oft in der Freude des Werbeschaffens das wirtschaftliche Maß übersieht, brauchen solche Erwägungen bei seiner Arbeit nicht zu stören. Er hat zwar auf die geldlichen Mittel insofern Rücksicht zu nehmen, als ihm der auszugebende Betrag, welcher nach den Grundsätzen und der Möglichkeit der Rentabilität des Betriebes bemessen ist, zur Verfügung gestellt wird und er mit diesem Betrag wirtschaftlich, d. h. mit der größten Nutzwirkung, umzugehen hat. Bei der Schwierigkeit und dem Umfang der bei der Werbung zu leistenden Arbeit nimmt es nicht Wunder, daß sich bald auch selbständige Fachleute auf diesem Gebiet betätigten: Werbeberater oder Werbeunternehmungen mit großen Hilfsmitteln und besonderen Kennt nissen der Märkte und Käuferschichten und der psychologischen Wirkungen. Zeitungskataloge, Preistarife, Bevölkerungstabellen, Reklamemuster der Geschäftszweige, Plakatsammlungen — nach Entwerfern. Waren, Herstellern, Erscheinungsjahr geordnet —, Anschriftenkarteien u. a.