Die Stoffe und Kräfte. 21 anlagen steht unter der Überlegung, ob das herzustellende Gut einer dauernden Nachfrage am Markt begegnet, ob der Preis für diese Güter die Tilgung und Ver zinsung der zu schaffenden Anlagen ermöglicht. Neben die technische Durch führung der in Aussicht genommenen Leistung tritt später die Überlegung des weiteren Ausbaus oder der Anpassung an einen neuen oder veränderten Bedarf — alles Überlegungen, die letzten Endes mit dem Absatz der Erzeugnisse am Markt Zusammenhängen, also kaufmännischer Art sind. Daneben aber sind in den Industriebetrieben, die heute vielfach zu ungeheuren Gebilden mit vielen Tausenden von Arbeitern und Angestellten geworden sind, die kaufmännischen Nebenarbeiten des Rechnungswesens, der Organisation, der Ver waltung und der Sozialpolitik zu besonderen Aufgaben mit großer Bedeutung und Dringlichkeit herangewachsen. Gerade diese Aufgaben sind ohne die verbindende Kenntnis und Übersicht kaufmännischer und technischer Arbeit nicht zu lösen. Jede Maßnahme des Organisators ist sowohl auf die kaufmännische als auch auf die technische Auswirkung hin zu beobachten; ob Einzel-, Serien- oder Massenferti gung, ob Strang- oder Fließfertigung, ob Vorrats- oder Einzelauftrag, ob kleine oder große Auftragsmengen, kurze oder lange Lieferfristen, immer ergeben sich Über legungen für den Organisator, die ohne Kenntnis beider Zweige, der technischen und kaufmännischen Seite, nicht lösbar sind. Die Vermählung der technischen Arbeit mit der kaufmännischen Arbeit ist im Industriebetrieb in starkem Maße anzutreffen. Man kann für dieses Ineinander- Aufgehen die Bezeichnung: industrielle Arbeit wählen, wie es in der Überschrift geschehen ist, womit gesagt sein soll, daß eine Verbindung von technischer Arbeit mit kaufmännischer Arbeit zu etwas Neuartigem vorliegt. III. Die Stoffe und Kräfte. 1. Vorbemerkungen. Der Wirtschaftsbetrieb will Güter für die menschliche Bedürfnisbefriedigung herstellen. Wir haben gesehen, daß es mannigfache Be dürfnisse gibt und daß die Zahl und Arten von Gütern, die diesem Zweck mittelbar und unmittelbar dienen (Verbrauchs-, Gebrauchs- und Erzeugungsgüter), fast un übersehbar groß sind. Die Her- und Bereitstellung dieser Güter setzt — wie wir in II gesehen haben — Arbeit voraus, die an oder mit den Stoffen vorgenommen wird, aus denen die Güter entstehen sollen. Hierbei kann die Arbeit unmittelbarer Art sein, indem die Menschenhand zur Gutwerdung genügt (Pflücken von Obst), oder mittelbar sein, indem sie sich zunächst auf die Fertigstellung von Mitteln erstreckt, mit deren Hilfe (Hilfsmittel) dann die Stoffe bearbeitet oder das Gut bereitgestellt wird. Zu den Hilfsmitteln gehören: der umbaute Raum, in dem sich der Betrieb abspielt, die Verkehrseinrichtungen, mit denen die Stoffe und Güter bewegt werden, gehört vor allem das Werkzeug (die verbesserte Hand des Men schen) sowie die Maschine als vervollkommnetes Werkzeug oder als Ersatz der menschlichen Kraft: insgesamt die Sachmittel des Betriebes. Wir haben früher festgestellt, daß ein gewisser Vorrat von Stoffen, Hilfsmitteln und sonstigen Einrichtungen zum Bestände eines jeden Wirtschaftsbetriebes ge hört und daß alle diese Dinge vom Standpunkt der Wirtschaft aus das Vermögen (genauer: Wirtschaftsvermögen oder Kapital in der kapitalistischen Unterneh mung) genannt werden. Im Betrieb gibt es weder Vermögen noch Kapital. Hier werden Grundstücke und Gebäude benutzt, diese und jene Stoffe verwendet oder verarbeitet, Werkzeuge und Maschinen gebraucht sowie Verkehrseinrichtungen und -mittel zu Hilfe gezogen. Hier kommt es auf die körperlichen Dinge, ihre Beschaffenheit und Brauchbarkeit an. Wie sind Baulichkeiten am besten zu gestalten, wenn sie die Einrichtungen einer Brauerei oder die Maschinen einer Spinnerei auf nehmen sollen 1 Welche Raumanordnung gibt man einem