Die Stoffe und Kräfte. 25 benutzt werden, bei der von Metall wohl ebenfalls; aber schon die Art dieser Bearbeitung be dingt völlig andere Werkzeuge, andere Werkzeugmaschinen, andere Verbindungsarten und danach natürlich andere Bauformen überhaupt. Bei der Verwendung von künstlichem Preß- stoff treten wieder ganz andere Bearbeitungsfragen auf, die andere Maschinen und Werkzeuge und andere Verbindungsmittel erfordern. Immerhin zeigen schon die dazu benutzten Werkzeuge und Maschinen große Unterschiede nach Bauart, Haltbarkeit und Arbeitsgeschwindigkeit. Größer noch werden die Unterschiede beim Zusammenfügen der einzelnen Bauteile. Das Holz wird verschraubt und verleimt, das Metall verschraubt, vernietet und verschweißt, der Preßstoff verschraubt und verklebt, wobei wieder bis in die kleinsten Bauteilchen, hier die Schrauben und Meten oder die Kleb masse, der Werkstoff berücksichtigt werden muß: Metall- und Holzschräubchen sind nicht gleich nach der Gewindeform, die Frage, ob Versenkschrauben oder Kopfschrauben in Holz, Metall oder Preßstoff, ob Met oder Schraube in Metall und Preßstoff wird aufgeworfen. Greift der Betrieb aber sogar zur eigenen Herstellung auch des Halbstoffs über, so werden völlig verschiedenartige Betriebe nötig: Sägereien, Walzwerke, Preßwerke. Ganz andere Facharbeiter, andere Werkstoff- und Verfahrenskenntnisse, andere Erfahrungen im Verhalten der Stoffe bei der Bearbeitung und beim späteren Gebrauch sind erforderlich, eine ganznndere Lagerhaltung, ein anderer Einkauf, eine andere Maschinenausrüstung. ( Was hier an dem einfachen Beispiel eines Rundfunkgerätegehäuses gezeigt wurde, trifft weitgehend für die ganze Industrie zu. Selbst scheinbar geringfügige Ursachen haben tief gehende Umgestaltungen zur Folge. Schon sehen wir Becher und Gebrauohsgeschirre, die früher nur aus Holz oder Zinn, später aus Glas und Porzellan gefertigt waren, nunmehr aus anderen Stoffen hergestellt. Holz- und Zinngefäße können nicht hoch erhitzt werden, und daher brauchte man zum Kochen besondere Stein- oder Eisengeräte; auch Porzellan und Glas waren bis in die Neuzeit hinein nur wenig feuerbeständig. Heute kann die Hausfrau in Glas- und Porzellantöpfen backen und braten, so daß also vielfach Aluminiumgeschirr, Pfannen und Kessel überflüssig werden. Was das für die Hersteller dieser Waren bedeutet, ist klar. Ein anderes Beispiel für die aus den verschiedenen Stoffen sich ergebenden Möglichkeiten ist die heute so zeitgemäße Kraftwagenherstellung. Ursprünglich ein vom Stellmacher verfertigter Wagen mit eingebautem Motor, verändern sich Gestalt und stoffliche Zusammen setzung von Jahr zu Jahr und zwar nicht nur im großen, sondern bis in die kleinsten Einzel heiten hinein. Längst ist dem Stellmacher die Arbeit entglitten, da die Aufbauten nicht mehr aus Holz, sondern aus Stahl gefertigt werden; statt des mehr handwerklichen Aufbaus aus einzelnen, in mühevoller Kleinarbeit zusammengefügten Holzteilchen wird jetzt die Karosse rie aus einigen Blechteilen in wenigen Stufen unter riesigen hydraulischen oder Exzenter pressen gepreßt und durch Schweißung verbunden. Für die Sitze kann Leder, Kunstleder oder Stoff, für die Polsterung Stahlfedern, Kapok oder Seegras, für die Einbauten und Hilfs teile Holz, Metall oder Kunststoff u. ä. Verwendung finden. Aber nicht nur verschiedene Arten von Rohstoffen stehen für jeden Zweck zur Verfügung; oft ermöglichen kleine Verfahrensänderungen die Verwendung anderer Halbstoffe. Die Art der Verbindung machte bisher die Benutzung von Bohren als Baustoff, z. B. im Hochbau und Maschinen- und Apparatebau, fast unmöglich, obwohl die runde und noch dazu hohle Form bei gleichem Aufwand an Stoff die höchsten Beanspruchungen auf Zug und Druck zu läßt. Erst die Sohweißverfahren (autogen und elektrisch) brachten hier eine Wandlung. Heute werden beim Bau von Masten und Gerüsten von Dächern und Hallen selbst im Brückenbau Stahlrohren verwendet, weil durch Verschweißen eine einwandfreie Verbindung auf der Bau stelle möglich geworden ist. Im Maschinen- und Apparatebau werden Gehäuse und Grund platten oft nicht mehr gegossen, sondern aus einzelnen Blechen und Formeisen verschweißt. Man braucht also kein Gußeisen mehr, sondern Walzeisen, schmiedbares Eisen, was fast immer eine erhebliche Ersparnis an Gewicht bei gleicher, meist sogar vermehrter Festigkeit bedeutet. Gerade der Maschinenbauer hat eine umfassende Stoffkenntnis nötig, die sich natürlich auf das Verhalten nicht nur bei der Verarbeitung, sondern mehr noch beim späteren Gebrauch beziehen muß. Aber er muß auch das Aussehen und den Preis mit beachten, um immer wett bewerbsfähig zu bleiben. Stahl und Leichtmetalle sind heute im Hinblick auf die Verwendungs möglichkeit auf weiten Gebieten gleichwertig, vor allem in bezug auf die Festigkeitseigenschaf- ten. Aber sie unterscheiden sich sehr im Preis und im Gewicht; fast jeder Einzelfall muß daher genau untersucht werden. Oft kann durch die Verwendung eines anderen Stoffes ein ganz neues Gebiet erschlossen werden. So machte erst das Leichtmetall den Kraftwagen, das Flug zeug, das Luftschiff in der heutigen Form möglich. So sehen wir in den Maschinen- und Ajiparatebauanstalten eine Fülle von Stof fen im Gebrauch. Die verschiedenartigsten Zusammenstellungen sind für den jeweiligen Ver wendungszweck möglich und der Konstrukteur, aber damit auch der Unternehmer, muß mit ihnen rechnen. Er muß wissen, daß es nicht rostende Stähle gibt, die er für bestimmte Geräte und Zwecke heute nicht entbehren kann; aber es gibt auch andere Mittel gegen den Bost: das Vernickeln, das Streichen mit besonderen Rostschutzfarben, das Kupfern, die Her-