26 Die Grundlagen. Stellung aus Hart- und Stahlguß u. ä. Er muß die Eigenschaft von Guß- und Walzeisen, von Aluminium und Kupfer, von Säuren und Basen, von Kohle und Gas, von Schweißeisen und Flußeisen, von Glas, Porzellan und Ton, von Gummi und Leder kennen, um sie richtig und zweokgerecht verwenden zu können. Er muß wissen, welche Festigkeits- und Dehnungs- eigensohaften sein Werkstoff besitzt, welche Bearheitungsschwierigkeiten auftreten können, welches Verhalten und welche Lebensdauer im Betrieb verlangt werden; er muß die Formen (Profile) und Abmessungen kennen, die normal im Handel zu erhalten sind, muß warmgewalzte von kaltgewalzten Profilen und Blechen nach Aussehen und Eigenschaften unterscheiden kön nen, um nur einiges zu nennen. Auf allen Gebieten der Fertigung ist diese Stoffkenntnis nötig, um entscheiden zu können, welche Möglichkeiten mit gegebenen Einrichtungen und gegebenen Geldmitteln auszuschöpfen sind. Besonders groß sind die Anforderungen auch in der Textilteohnik. Neben pflanz lichen und tierischen organischen Rohstoffen gibt es künstlich hergestellte und sogar einen an organischen, mineralischen (den Asbest). Wer sich auf dem Gebiete der Textilindustrie betätigen will, sieht sich einer ungeheuren Vielfalt von Rohstoffen mit den mannigfachsten Möglichkeiten der Weiterverarbeitung gegenüber. Er muß sich entscheiden, ob er Wolle oder Baumwolle verspinnen und verweben will; greift er zur Baumwolle, so sieht er sich einer großen Zahl von Qualitäten (bis zu 9 Stan- dardnummem) aus den verschiedensten Gegenden der Erde gegenüber. Die Vereinigten Staaten, Brasilien, Ägypten, Indien u. a. Länder bieten ihm ihre Erzeugnisse an; jedes hat seine Vorzüge und Nachteile, seine besonderen Feinheiten, seine besonderen Bearbeitungsprobleme. Der Hersteller von Seilerwaren und Sackgeweben steht vor der Frage, ob heimischer Flachs und Hanf, ob Ramie oder Jute, ob neuseeländischer Flachs oder Manila- oder Sisalhanf benutzt werden soll. Aus der Kokosfaser können Matten und Teppiche, aus der Kapokfaser Polsterstoffe erzeugt werden. Die tierischen Fasern des Hasen und Kaninchens, des Bibers und Bisams eignen sich zur Herstellung von Filzen, die des Kamels und Lamas zu Treibriemen, mit denen er gegen Leder und Gummi in Wettbewerb treten muß. Er muß wissen, welche Tierhaare die Eigenschaft aufweisen, zu filzen, womit sie zur Wolle werden, daß diese Verfilzung gefördert werden kann und daß es im wesentlichen die Wieder käuer sind, welche filzende Haare, also Wolle liefern. Feine, kürzere, gut filzende Wollen er geben Streichgarne und Tuche, langfaserige die Kammgarne und weiter die Cheviot- und Lü sterstoffe. Er muß in der Lage sein, einen Stapel durch mehrmaliges Herausziehen von Bü scheln aus der Fasermasse zu bilden und einen Handelsstapel von einem Spinnerstapel zu unterscheiden verstehen; aus der Mengenverteilung der Faserlängen im Stapel muß er seine Schlüsse auf die spinntechnische Eignung ziehen können. Er weiß, daß die als Kunstwolle im Handel befindlichen Erzeugnisse keine künstlichen Wollen sind, sondern aus Abfällen zurück gewonnene Fasermassen wie z. B. Munko aus neuen, Sohoddy aus gebrauchten Lumpen, Tybet aus tuchartigen Geweben, und er weiß ferner, daß auch bei den Seiden die echten (vom Seiden spinner bomby mori), die wilden (Tussa, Kursumshi, Anapheseiden), die Spinnenseiden (der Madagaskarspinne) und die Muschelseiden (der Steckmuschel) zu unterscheiden sind. Und sogar die Kunstseiden, künstliche, durch Düsenpressung erzeugte endlose Fäden oder Stapel fasern mit verschiedener chemischer Zusammensetzung und vor allem verschiedenen Ausgangs stoffen, nämlich Holzzellstoff (Viskoseseide) und Baumwoll-Linters (Kupferseide, Glanzstoff), sind mit sehr unterschiedlichen Feinheiten, Webeeigenschaften und Festigkeiten am Markt. Daneben gibt es Kunstseiden aus tierischen Rohstoffen (Gelatine, Kaseinfäden), erstere als Vanduraseide bekannt. Glas- und Metallfäden (für Litzen, Tressen, Theater- und Phantasie kleidung, Vorhänge) und Papiergarne vervollständigen die Auswahl, die noch durch neue Stapelfasermarken, wie Vistra, Wollstra, Cellanese, Lamisetta u. ä. erweitert wird. Da die einzelnen Stoffe je nach dem Urstoff sich bei der Nachbehandlung verschieden verhalten, muß der Hersteller natürlich schon beim Einkauf auf die beabsichtigte Wirkung achten. Nicht alle Gewebe können gewalzt werden, was besondere Glanzwirkungen (Moire, Cloque) ergibt, und die Färbung und Äppretierung ist ebenfalls sehr unterschiedlich je nach den Aus gangsstoffen. Für Azetatseide hat man besondere Farbstoffe aus bilden müssen, wodurch aber teilweise ihre sonstigen besseren Eigenschaften gegenüber den anderen Kunstseidenarten, wie hohe Zerreißfähigkeit auch bei Feuchtigkeit, beeinträchtigt wurden. Bei der Wolle des Angora kaninchens ist die starke Neigung zum Verfilzen und die Flüchtigkeit auf den Maschinen ein Hinderungsgrund für die breitere Verwendung; bei der neuerlichen Verspinnung von Wolle oder Baumwolle mit künstlichen Stapelfasern mußten diese nach Faserfeinheit und Kräuselung den anderen natürlichen Rohstoffen anzupassen versucht werden, da sonst die Verarbeitungs- masohinen nicht einwandfrei arbeiteten. Durch die Einführung von Kunstspinnfasern in die Baumwoll- und Wollindustrie werden sogar besondere Anforderungen an den Baustoff der Maschinen und an die Färbereigeräte gestellt. Diese müssen nun sowohl gegen Säuren als auch gegen Alkalien unempfindlich sein. Oder um noch ein Beispiel eines weiteren Gebietes zu geben: der Ölindustrie, von der wir wieder die Industrie der organischen öle herausgreifen, da die Mineralöle nach Herkunft