28 Die Grundlagen. lichkeiten genau kennen, sondern auch der Kaufmann muß einen Überblick haben. Schon bei der Einrichtung einer Maschinenfabrik, einer Apparate- oder Brückenbauan stalt, eines Preß- und Hammerwerks muß zunächst die Frage geklärt werden, welcher Kraft antrieb für die Arbeit Verwendung finden soll. Bewegte den mittelalterlichen Fabrikanten mehr die Frage, woher die Antriebskraft zu nehmen war, so handelt es sich heute mehr um die Entscheidung, welche von den vielen Möglichkeiten am zweckmäßigsten ist. Dies läßt sich durchaus nicht leicht entscheiden und liegt auch nicht immer eindeutig fest. Wir erinnern uns, daß in der Landwirtschaft der Kampf zwischen Pferd und Ochse und der Zugmaschine bis in die heutige Zeit nicht entschieden ist, wie überhaupt im Transportgewerbe der Antrieb noch häufig durch tierische Kraft erfolgt, was früher durchweg der Pall war. Für ortsfeste Kraftbedürfnisse waren früher ebenfalls tierische Antriebe —neben den menschlichen am Göpel oder am Triebrad ■— sehr verbreitet; daneben wurden eigentlich nur Wasser- und Windkräfte, wie die Natur sie darbot, in einfacher Weise durch unmittelbare Beaufschlagung ausgenutzt. Heute dagegen stehen nicht nur Wasser und Wind mit verbesserter Ausnutzung der Kräfte, sondern in großer Zahl die mittelbaren, durch die Technik umgewandelten oder hervorgebrach ten Naturkräfte zur Verfügung: die Verbrennung, die Elektrizität, die Ausdehnungskraft der Gase und Dämpfe. Der Unternehmer einer Maschinenfabrik, der einen Antrieb für seine Schneid- und Bohrmaschinen, Drehbänke und Hämmer sucht, der Textilfabrikant, der seine Schlag- und Krempelmaschinen, seine Selfaktoren und Webstühle antreiben will, muß wählen. Er kann Wasserkraft benutzen, wenn ihm Wasser genügend zur Verfügung steht, er kann über legen, ob er den Wind zusätzlich ausnutzen will, ob er elektrischen Strom von einem Überland werk beziehen oder vielleicht durch Wasser- und Windkraft erst selbst Strom erzeugen will, den er dann zum Antrieb von Elektromotoren benutzt. Aber er hat auch die Möglichkeit, den Generator, der ihm den elektrischen Strom liefert, durch eine Kolbendampfmaschine antrei ben zu lassen. Dann muß die Wahl der Feuerungsanlage zur Erzeugung des Dampfes wieder genau überlegt werden: sie kann eine Kostfeuerung (mit Hand- oder selbsttätiger Beschickung) sein, in der Steinkohle, Braunkohle, Torf, Sägemehl und andere Abfallstoffe verfeuert werden, oder eine Staubkohlenfeuerung, in der billige Steinkohle verbrannt wird; endlich kann die Feuerung auch eine Gas- oder Ölfeuerung oder sogar ein Gemisch von allen sein, etwa eine Rostfeuerung mit zusätzlicher Gas-, Öl- oder Staubkohlenfeuerung. Je nach den billig zur Verfügung stehenden Brennstoffen und den dadurch sich ergebenden Anlage- und Betriebskosten ist die Wahl zu treffen. Wer Dampf außer zum Antrieb von Ma schinen auch noch in großem Umfang zum Trocknen, Heizen und Kochen braucht, etwa Bri kettfabriken, chemische Betriebe, Papier- oder Zuckerfabriken, wird gern eine Dampfanlage wählen, da er den in den Maschinen entspannten Dampf immer noch für Heiz- und Koch zwecke benutzen kann, andererseits aber die Kraftmaschinen am vorteilhaftesten mit sehr hochgespannten und überhitzten Dämpfen arbeiten und auch die Dampferzeugung selbst Vor teile bietet, je höher die Dampfspannungen und Dampftemperaturen getrieben werden. Aber die Erzeugung von elektrischem Strom ist heute auch durch Motore möglich, die unmittelbar die Verbrennung ausnutzen, beispielsweise den Dieselmotor oder die Gasmaschine. Bei kleinen Betrieben wird der erstere vorgezogen, in Hochofenwerken, bei denen billiges Ab fallgas zur Verfügung steht, der letztere. Die Entscheidung über die Kraftquelle muß aber noch ergänzt werden durch die Wahl der Übertragung dieser Kraft auf die einzelnen Arbeitsmaschinen. Bei unmittelbarem An trieb durch eine Dampfmaschine, einen Diesel- oder Gasmotor muß eine Hauptantriebswelle, die durch die Arbeitsräume führt, von der Kraftquelle bewegt werden. Alle Einzelmaschinen übernehmen durch Riementriebe die benötigte Kraft von dieser Antriebswelle, wodurch das Gewirr von Lagern, Wellen und Riemen, die Transmissionen, notwendig wurde, das für den Maschinenbetrieb der Jahrhundertwende so kennzeichnend war. Durch den Elektromotor wurde der Einzelantrieb nicht nur jeder Maschine möglich, sondern sogar der von einzelnen Arbeitsgängen, so daß an einer Maschine je nach der Verrichtung mehrere Antriebsmotoren — für Längs-, Quer- und Hochfahren u. a. — angebracht wurden. Dies ergab nicht nur Ver billigungen, sondern auch eine größere Sicherheit gegen Bruch und Unfall und eine größere Beweglichkeit der Betriebsführung und der gesamten Betriebsanordnung, da erst dadurch die Möglichkeit geschaffen wurde, die „Maschinenställe“, in denen alle Maschinen schon allein des gemeinsamen Antriebs wegen beieinander standen, aufzulockern. Das Werkstück mußte nicht mehr ausschließlich zur Maschine geschafft werden, sondern die Maschine konnte zum Werk stück gelangen: der Grundgedanke der fließenden Fertigung. Die außerordentliche Einfachheit, mit der der elektrische Strom zu jeder Stelle geleitet werden kann, und die bequeme Entnahme durch einfaches Einstecken einer Stromverbindung haben den Elektromotor zur meist verwendeten Antriebsmaschine gemacht. Er kann so leicht hergestellt werden, daß er sogar an Einzelwerkzeugen, die früher von Menschenkraft bedient wer den mußten, angebracht wird, so daß nunmehr auch hier dem Menschen nur noch die Bedienung