Die Stoffe und Kräfte. 29 des Werkzeugs, nicht mehr die Kraftleistung übrig blieb. Mit elektrisch betriebenen tragbaren Bohrern, Meißeln, Schleifscheiben kann der Arbeiter heute schwer bewegliche oder ortsfeste Werkstücke bearbeiten; besonders für Reparaturen im Bauwesen und beim Zusammenbau ganzer Anlagen ist dies von großem Vorteil. Allerdings sind ihm auch hier Wettbewerber erwachsen: der Preßluftmotor und der Verbrennungsmotor, ­ die Anwendung finden, wo elektrischer Strom nicht zur Verfügung steht. So finden wir im Bauwesen die Luftkompressoren, welche durch Dieselmotoren betrieben werden und ihrerseits Preßlufthämmer und Bohrmaschinen betreiben. Auch der kleinste und abgelegenste ­ Betrieb hat heute im Dieselmotor eine billige, zuverlässige und leistungsfähige Kraftquelle ­ zur Verfügung, die weder an die Wartung noch an die Betriebskosten besondere Anforderungen ­ stellt. Ist so die Wahl der Kraftquelle bei den vielfachen Möglichkeiten nicht einfach, so zeigt sich die gleiche Entwicklung bei den Arbeitsmaschinen und Apparaten. Seitdem die Dampfmaschine erstmalig zum Antrieb von Hämmern benutzt wurde und in der Folge nicht nur sehr große, sondern auch sehr feine Kraftleistungen durch die verschiedenen Krafterzeuger möglich wurden, konnten auch die Werkzeugmaschinen und Werkzeuge, die Zerkleinerungsund ­ Mahlapparate, Biege-, Preß- und Schneidemaschinen u. a. m. verbessert werden. Eine große Zahl von Maschinen ist es, die heute einem Wirtschaftshetrieb zur Verfügung stehen muß, wenn er den Anforderungen an Feinheit, Billigkeit und Schnelligkeit genügen will, die der Markt an seine Erzeugnisse stellt. Die mechanische Arbeit in den Werkstätten der Verarbeitungsbetriebe ist zu kennzeichnen als ein Formen und Zusammenfügen von Einzelteilen. Der Konstrukteur wie der Betriebsleiter und Unternehmer hat aber zu überlegen, wie er diese Formung und das Zusammenfügen ­ vornehmen soll. Die einzelnen Teile, die hei den Zusammenfügungsarbeiten verwendet werden, sind unter dem Begriff: Masohinenelemente bekannt. Die Verschiedenheiten der Verbindung von beweglichen und sich drehenden Teilen und der Übertragung von Kräften und Geschwindigkeiten ­ durch Ketten, Seile, Riemen, Zahnräder, Reibräder usw., die Unterschiede zwischen festen und löslichen Verbindungen (Niet, Schweißung, Lötung; Keil, Schraube), der Zusammenfügung ­ von drehenden und festen Teilen (Lager) oder von löslichen und unlöslichen, starren und elastischen Verbindungen, von Achsen (die Kräfte übertragen), Wellen (die Drehung übertragen) durch Kupplungen, ferner die hewegungsumformenden Getriebe und die ahsperrenden Ventile, Schieber, Hähne, Stopfbüchsen, Kolben u. a. machen die Grundlagen der allgemeinen ­ Lehre vom Maschinenbau aus. Auch hier stellt die ständige Verbesserung der Verfahren ­ und der dargebotenen Mittel die Betriebe immer wieder vor neue Fragen. So sind zum Beispiel durch die autogenen und elektrischen Schweißverfahren bereits große Umwälzungen im Bau von Maschinen, Apparaten, Kesseln und Eisenhauten hervorgerufen worden. Nicht nur läßt sich bei der Schweißverbindung die Arbeit verbilligen, sondern auch das Gewicht der Stücke kann verringert und Stoff eingespart werden (Fortfall der Nieten, Knotenbleche, Laschen u. a.); darüber hinaus aber hat das Schweißen ganz neue Möglichkeiten ­ der Formung erschlossen, die früher nur durch Gießen erreichbar erschienen. Einzelteile, ­ Ständer und Gehäuse von Maschinen werden immer mehr durch schmiedeeiserne Schweißkonstruktionen ersetzt, Gießereien mit Formereien und Modellschreinereien werden dadurch überflüssig. Diese Entwicklung ist den kleineren Betrieben günstig, da sie hierdurch von eigenen oder fremden Gießereien unabhängig werden und die oft — bei wenigen oder nur einzelnen Ausführungen — sehr teuren Modellkosten fortfallen. Die autogenen Schneidverfahren, die es ermöglichen, mit leichten und billigen Apparaten Stahl und Eisen, aber auch andere Metalle von großer Stärke (100 mm und darüber) schnell und einwandfrei nach den verschiedenartigsten Mustern zu zerschneiden, haben ebenfalls in vielen Fällen eine völlige Änderung der Verfahrenstechnik in der Werkstatt und auf der Baustelle, ­ besonders aber in der Ausbesserung und im Abbruch und Abwracken hervorgerufen. Vorwiegend kleinere Betriebe vermögen sich dieses Verfahren zunutze zu machen. Bei der Formung müssen eingehend die Vor- und Nachteile der spanlosen und der spanenden Formung gegeneinander abgewogen werden. Oft führt erst eine sehr gründliche Untersuchung zu dem Ergebnis, etwa ein Lager oder Kupplungsteil zu gießen, zu schmieden oder aus dem vollen Stück herauszuarbeiten. Die spanende Formung bringt viel Abfall an Stoff mit sich, aber auch beim Gießen und Schmieden gibt es Stoffverluste (durch die Gießköpfe ­ — verlorener Kopf — und den Grat). Meist wird es so sein, daß die Grobbearbeitung durch Gießen, Schmieden oder Pressen, also spanlos erfolgt und die weitere Feinbearbeitung durch Drehen, Fräsen, Hobeln, Bohren, Sägen, also spanend vor sich geht. In der Gießerei ist zu überlegen, ob und für welche Teile Sand- oder Lehmguß, Hand- oder Maschinenformung angewendet werden soll; werden sehr feine Formen oder sehr dichtes Stoffgefüge verlangt, so kann das Spritzgußverfahren benutzt werden, das heute für Rohre und Ringe, ja selbst für Zahnräder und sonstige feingegliederte Stücke, die sonst nur gefräst und geschnitten wurden, Verwendung findet. In der Schmiede ist zu entscheiden zwischen Frei-