Die Stoffe und Kräfte. 31 dem Förderbunker, zwischen der Seil- und Kettenbahn und der Lokomotivförderung im Berg bau, zwischen den Baggern und Förderbrücken im Braunkohlentagebau zeigt die Schwierig keit der Auswahl. Ob filtriert oder verdampft, getrocknet oder gekühlt, destilliert oder erhitzt werden soll, stets stehen mehrere Verfahren zur Auswahl, von denen jedes für jeden Fall seine Vor- und Nachteile hat. Nur so erklärt sich die dem Nichttechniker oft so schwer verständliche Tat sache, daß die Technik trotz der im Grunde nicht allzu zahlreichen technischen Vorgänge eine kaum übersehbare Zahl von Geräten und Maschinen zur Verfügung stellt; ein Gewirr von Kesseln, Rohrleitungen, Rührwerken, von sich drehenden und hin- und hergehenden Stangen und Rädern, das zu erkennen dem Kaufmann schwer wird, aber notwendig ist, sofern er auf diesem Gebiet zu arbeiten sich entschließt. 4. Betrieb und Pflege der Maschinen und Apparate. Mit der steigenden Ver wendung der Maschinen ist natürlich auch die Frage ihrer Bedienung und Pflege, ihrer Instandhaltung und Ausbesserung eng verbunden. Die handwerkliche Ge schicklichkeit und persönliche Erfahrung, die zu jeder Arbeitsausführung gehört, hat sieh mit der Einführung der maschinellen und apparativen Arbeit in vieler Hinsicht gewandelt. Noch die alte Drehbank, bei der der Drehstahl von Hand gehalten und geführt wurde, war eine Maschine, die große handwerkliche Geschicklichkeit erforderte. Schon die Einfüh rung des Supports, der den Drehstahl hielt und durch eine von Hand bediente Spindel bewegt wurde, verminderte nicht nur die Kraftleistung (des Stahlhaltens), sondern auch die notwen dige Geschicklichkeit; immerhin erfordert der Vorschub des Supports eine gewisse Weiche der Hand, ein Gefühl für Beanspruchungen, um sofort durch Rüokdrehen Brüchen oder Reißen des Werkzeugs oder Macken und Rissen im Werkstück begegnen zu können. Auch erforderte die eigene Herstellung der Werkzeuge — der Drehstähle — eine hohe Fertigkeit im Schmieden, Feilen und Härten. Der Dreher war ein vollständiger Werkzeugmacher und damit von allen Metallhandwerkern einer der bestleistungsfähigen. Als dann die Leitspindeldrehbank auch die mechanische Führung der Leitspindel über nahm, blieb dem Dreher im wesentlichen nur das richtige Einspannen der Werkzeuge, das An setzen des Supports und die Wahl der Geschwindigkeiten; während des eigentlichen Schnitts hat der Dreher nur beobachtende Aufgaben, ist er nur Maschinenwärter. Jetzt konnte die gleichzeitige Bedienung mehrerer Maschinen durch einen Mann durch geführt werden, aber zum mindesten nur für die Einstellung der Maschine ein hochbezahlter Fachmann, für die Wartung und andere Hilfsgriffe aber geringer bezahlte, jugendliche und weibliche Kräfte herangezogen werden. Mit der Revolverdrehbank, bei der im Revolverkopf mehrere Stähle und Bohrer eingesetzt werden, die dann je nach dem Arbeitsgang — zunächst noch von Hand, später selbsttätig — durch entsprechende Drehung des Werkzeughalters („revolve“) nacheinander zum Arbeitseingriff kommen, ist dann die letzte Stufe erreicht: der Revolverautomat. Der Dreher ist zum Einrichter geworden, den eigentlichen Drehvorgang besorgt die Maschine selbsttätig, das Revolvermädchen setzt durch einen Hebeldruck die Ma schine in Gang und stellt sie ab; sogar die Ausschaltung wird noch von der Maschine häufig selbst besorgt; nur der Nachschub des Materials ist als wesentliche Bedienungsarbeit übrig geblieben. Diese, die ganze Werkzeugarbeit kennzeichnende Entwicklung der Drehbank kann in ähn licher Weise bei allen anderen Vorgängen beobachtet werden. Ganze Arbeitssäle, ja ganze Unternehmungen — Preß- und Stanzwerke u. a. — hängen oft nur von einem Mann ab: dem Einrichter, der oft auch noch der Werkzeugmacher und der Reparaturschlosser ist. Die übrige Belegschaft ist ungelernt, angelernt. Es ist im Grunde die gleiche Entwicklung, die bei der Ausgestaltung der Hebezeuge vor sich ging: der Werkstättenkran übernimmt alle Hebe- und Transportarbeiten der Werkstatt; von der Bedienungsgeschicklichkeit des Kranmaschinisten hängt ein großer Teil des reibungslosen Arbeitsfortschritts im Arbeitssaal ab. Durch diese Gestaltung der Arbeit, die auch in der chemischen und apparativ arbeitenden Industrie gleichartig verlaufen ist — man denke nur an den Hochofenprozeß, an die Kessel befeuerung, an die Zucker- und Glasindustrie — ist natürlich die Kenntnis der Maschinerie und Apparatur zum wesentlichen Bestandteil der technischen Arbeit geworden. Damit ist aber auch die Instandhaltung und Ausbesserung sowie die Bereithaltung von Ersatzteilen zu einer brennenden betrieblichen Angelegenheit geworden. Während bei einfachen Werkzeugen, Maschinen und Apparaten eine Ausbesserung im eigenen Betrieb durch besondere Reparaturabteilungen möglich ist und durchweg stattfindet, ist dieses Verfahren für Spezialmaschinen oft nicht mehr zweckmäßig. Man läßt jetzt größere Ausbesserungen außerhalb des Betriebes oder aber im Betriebe durch besondere Fachleute, die von außerhalb herangezogen werden, vornehmen; der Betrieb beschränkt sich darauf, eine größere Anzahl leicht auswechselbarer Ersatzteile oder ganze Maschinen und Apparate vor