34 Die Grundlagen. auf die alte Weise hergestellt wird, nicht abbauen wollen oder können, neue Ma schinen, neue Rohstofflager, neue Facharbeiter u. a. zu beschaffen. Es kommt hinzu, daß die neue Erzeugung meist in heftigem Wettbewerb mit Spezialfabriken, welche aber über eine längere technische Erfahrung bereits verfügen und auch schon Verkaufserfolge aufweisen können, abgesetzt werden muß. Das Verbot der Verwendung von Blei für Plomben und der Übergang zu Stahlblechplomben macht eine Umstellung vom Gießen auf Stanzen nötig, was natürlich, abgesehen von den Kapitalaufwendungen für die neuen Maschinen und Rohmaterialien, neue Kosten für die Einarbeitung erfordert. Darüber hinaus müssen andere Zangen verwendet werden; die bisherigen Zangen werden für die Plombenverbraucher wertlos und in den Zangenfabriken entwerten sich die Fertig waren und oft auch die Rohstoffläger (da für Stahlblechplomben stärkere Zangen nötig sind — also Schmiedestahl gegenüber Temperguß) von einem Tag zum andern; daneben werden sämtliche Modelle, Preßwerkzeuge, Gesenke, Stempel u. a wertlos oder müssen umgearbeitet werden. Auf fast allen Gebieten, auf denen neue Rohstoffe in Gebrauch genommen werden müssen, ist diese Vernichtung von bisherigem Kapital, das Erfordernis von Neuanlagen, hohe Umstellungs- und Einarbeitungskosten, andere Verkaufsmetho den und Verkaufsmittel, andere Kostenrechnungen zu beobachten. Selbst wenn nicht eine völlige Umstellung, sondern nur eine Verknappung des bisher verwen deten Rohstoffs eintritt, werden Überlegungen in bezug auf den Übergang zu anderen Arbeitsverfahren nötig. Die Abfälle und Materialverluste sind je nach dem Bearbeitungsverfahren: ob Gießen (Sandformguß, Kokillenguß oder Spritzguß) oder Schmieden (Freiform- oder Gesenkschmieden) sehr verschieden; auch die einzelnen Zerspanungsbearbeitungen erfordern mehr oder weniger Rohstoff zugaben. Ob es sich um die Herstellung und Verwendung von künstlichem Treibstoff und Öl (aus Kohle), ob es sich um chemisch hergestellten Kautschuk oder Faser stoff handelt, ob neue natürliche Faserstoffe stärkere Verwendung finden sollen (Hanf, Flachs) oder andere Metalle (Aluminium, Magnesium), immer sind schwer wiegende Umwälzungen nicht nur bei den Erzeugern, sondern ebensolche bei den Verarbeitern und Verbrauchern nötig. Gerade der Widerstand der Verbraucher erfordert oft besondere Anstrengungen der Verkaufsorganisation und Entgegen kommen in den Preisen, so daß vielfach außer den höheren Anlage- und Betriebs kosten geringere Erlöse und Umsatzschmälerungen in Kauf genommen werden müssen. Man wird diesen Rückwirkungen auf die einzelnen Betriebe und ihren Ausstrahlungen auf die Gesamtwirtschaft ernste Beachtung schenken müssen; es gibt nicht nur ein volkswirtschaftliches, sondern ein ebenso großes wirtschafts betriebliches Rohstoffproblem in Deutschland, dessen ganze Auswirkung im Hin blick auf Kapitalbedarf, Vermögensentwertung und Kostensteigerungen erst in einiger Zeit fühlbar werden wird. IV. Der Standort. 1. Der „Produktionsfaktor“ Natur. Es ist (in der Volkswirtschaftslehre) üblich, die Wirtschaftstätigkeit auf das Zusammenwirken von drei Grunddingen (Produk tionsfaktoren) zurückzuführen: Natur, Kapital und Arbeit. Wir haben dem Kapital (und dem Vermögen) das zweite Buch gewidmet; im vorliegenden Buch soll das andere Grundding, die Arbeit (als zum Betrieb gehörig), dargestellt werden. Das dritte Grundding, die Natur, scheint bei dieser Einteilung und Abgrenzung des Stoffes zu kurz zu kommen. In der Tat, wenn man die Dinge vom Standpunkt der Wirtschaftsbetriebe betrachtet, so spielt die Natur eine sehr verschiedene Rolle. Man kann nämlich unter Natur folgendes verstehen: 1. Die Kräfte, die in