40 Die Grundlagen. denen sich vielfach sogar gleichartige Geschäfte zusammenhallen. Hier spielt die Kaufbequemlichkeit des Verbrauchers eine große Rolle; die Möglichkeit eines Preis- und Gütevergleichs der verschiedenen Geschäfte, die in der Nähe beiein ander liegen, lockt Käufer an; einzelne weitab liegende Läden, selbst große Häuser, werden wenig beachtet. Alle großen Waren- und Kaufhäuser und die Spezial geschäfte liegen in den Brennpunkten des Verkehrs mehr oder minder dicht beiein ander und bewirken so oft unvorstellbar hohe Preise für Grundstücke und Mieten, die aber trotzdem tragbar und lohnend sind, weil nur an diesem Standort die Käu fer in Massen angelockt werden können. Diese Möglichkeit des Anlockens der vorbeiströmenden Menschenmassen, welche vorwiegend durch eine hervorste chende äußere Aufmachung, durch werbende Schaufensterauslagen u. a. unter stützt wird, fällt bei Versandgeschäften und oft auch bei den sog. Etagengeschäften weg. Diese beiden Arten arbeiten mehr durch Zeitungswerbung, Anschläge in Verkehrsmitteln, Postwurfsendungen oder persönliche Empfehlung. Besonders das reine Versandgeschäft verzichtet völlig auf alle vorgenannten Vorzüge der Lage; ihm kommt es nur auf Billigkeit der Mieten oder Grundstücke und auf gute Lage zu den Transportmitteln an, mit denen der Versand erfolgt. Kleine Unter schiede ergeben sich beim Stadtversand gegenüber dem außerörtlichen Versand. Der Großhandel, soweit er einzelne oder nur wenige, meist gleichartige Erzeug nisse vom Erzeuger sammelt, prüft, sortiert und nach den Bedarfsländern zum Versand bringt, sitzt inmitten der Erzeugungsgebiete (Übersee). Die verteilenden Großhändler wiederum sitzen an den Brennpunkten des Welt- oder Binnenver kehrs, an den großen Umschlags-, Lager- und Börsenplätzen, die meist in diesen Verkehrsmittelpunkten, an denen Binnen- und Seeschiffahrt, Straßen und Eisen bahnen Zusammentreffen, sich gebildet haben. Oder sie suchen einen bestimmten, örtlich begrenzten Kreis von Abnehmern möglichst vollzählig mit möglichst vielen Waren zu beliefern und schlagen dann ihren Sitz inmitten ihres Absatzgebietes auf. Zwischen beiden Gruppen arbeitet der Zwischenhändler, der in der Lage sein muß, gleichmäßig nach der Seite des Einkaufs und des Absatzes die Verbindung aufzunehmen. Überflüssige Transporte, die seine Ware verteuern oder seinen Ge winn schmälern würden, müssen vermieden werden; er wird also zum mindesten seine Warenläger, wenn er überhaupt solche hält, in Orte mit günstigen Verkehrs verhältnissen nach den beiden Seiten des Einkaufs und Absatzes legen. Die guten Möglichkeiten der telephonischen, brieflichen und telegraphischen Verständigung machen es möglich, daß seine Büros und damit der Sitz des Unternehmens an völlig anderen Orten liegen. Bei allem spielt natürlich auch die Art des Erzeugnisses eine gewisse, wenn auch meist untergeordnete Rolle. Leicht verderbliche, sperrige, sehr billige oder sehr schwere Erzeugnisse sind transportempfindlicher als andere, die hochwertig oder leicht sind. Für Spekulationshändler spielen oft die Möglichkeiten guter und um fassender Benachrichtigung mit. Im ganzen jedoch kann gesagt werden, daß der Absatz für den Standort des Handels der beherrschende Gesichtspunkt ist. Eine besondere Stellung nehmen das Export- und Importgeschäft ein. Das (selbständige) Exportgeschäft macht von zwei Möglichkeiten Gebrauch. Wenn es auf eine Ware oder Waren art eingestellt ist (Spezialexporteur), wird es seinen Standort in die Nähe der Industrie rücken, die diese Erzeugnisse herstellt: Exportgeschäfte für Kleineisenwaren in Solingen, für Metallwaren in Iserlohn und in Lüdenscheid, für Beleuchtungskörper, Konfektion u. a. m. in Berlin. Die Nähe ermöglicht den Überblick über die Erzeugnisse, die Fühlungnahme mit den Herstellungsbetrieben und entsprechende Absatzmöglichkeiten nach allen Richtungen. Die Hälfte aller selbständigen Exportgeschäfte in Deutschland dürfte ihren Sitz in den Industrie städten des Binnenlandes haben. In den Hafenstädten sitzen mehr die Exporteure, die mit allen Waren handeln und sich nach einzelnen Ländern spezialisiert haben (Allgemeinexporteure). Sie verschaffen sich (und ihren überseeischen Auftraggebern) die Kenntnis von den Waren durch Musterläger und Exportagenten, die die Waren in den Hafenstädten zur Schau stellen.