Der Standort. 41 Das (selbständige) Importgeschäft (für Deutschland vorzugsweise für landwirtschaftliche und industrielle Rohstoffe) bevorzugt die Hafenstädte aus folgenden Gründen; 1. aus Überliefe rung, weil hier zuerst das Importgeschäft Fuß gefaßt hat; 2. weil das Importgeschäft mit dem Exportgeschäft verbunden werden kann (mehr als die Hälfte aller Exportgeschäfte in Ham burg sind zugleich Importgeschäfte); 3. weil sich in den großen Hafenstädten die Einrich tungen zur Nachprüfung und Beurteilung der Güte und Beschaffenheit der Waren befinden; 4. weil sich hier zugleich die Hauptverkaufsform, die Großhandelsversteigerung, abspielt; endlich 5. weil sich von den Hafenstädten die beste Verteilung der Waren (Verkehr) bewerk stelligen läßt, möglicherweise durch Weiterverschiffung nach anderen Ländern (London: Welthandelsplatz). Im einzelnen; Näheres bei Hellauer, Welthandelslehre. Anhangsweise sei hier der Standort der Banken gestreift: Im Grunde sind dieselben Überlegungen wie die bisher genannten wirksam. Die Banken rücken in die Nähe ihres Absatzes, wenn sie ihren Standort in die Nachbarschaft ihrer Kredit nehmer legen. Hier besteht die Möglichkeit, die Kreditnehmer nicht nur zu über prüfen, sondern auch laufend zu überwachen. Insbesondere bei den Privatbankiers und den Grundkreditinstituten ist dieses Bestreben anzutreffen. Bei den Groß banken ermöglicht die Ausbildung eines Filialsystems die Berücksichtigung des obigen Gesichtspunktes. Daneben ist auch das Bestreben vorhanden, möglichst in die Nähe derer zu kommen, die ihre Depositen den Banken anvertrauen. Außerdem wird der Standort bestimmt durch die Vertretung an dem Geld- und Kapitalmarkt. So sind die Hauptstädte, insbesondere die Börsenplätze, bevorzugte Standorte. In den Hauptstädten kann außerdem die Verbindung mit den Behör den hergestellt werden. Dies führt dazu, daß ein zentralistisch aufgezogener Groß bankbetrieb einen ganz anders zusammengesetzten Kundenkreis besitzt als etwa ein Privatbankier oder eine Großbank mit Filialen. 4. Die Betriebsstätte. Im allgemeinen wird unter dem Standort die Lage des Betriebes als Ganzes innerhalb der mehr oder minder eng begrenzten räumlichen Umwelt, mit der er in Beziehung tritt, verstanden. Es gibt jedoch daneben noch innerbetriebliche Standortsfragen, als welche zu kennzeichnen sind; die Lage der einzelnen Werkstätten zueinander und zu den Verwaltungsbüros, die Aufteilung der Werkstätten und Büros nach Arbeitsstätten, welche wiederum Maschinen- und Arbeitsplatzstandorte ergibt. Für die Anordnung und Ausgestaltung des innerbetrieblichen Standortes spielen der Verkehr nach der Länge der Verkehrs wege und dem Verkehrsumfang sowie die Kontrollmöglichkeit die Hauptrolle. Daneben aber sind natürlich andere Gesichtspunkte wirksam, so etwa die Not wendigkeit, Waren auszubreiten und darzubieten (im Verkaufsraum) oder die erforderliche Sicherheit (beim Kassen- und Tresorraum), die Helligkeit (im Zei chenbüro oder in der feinmechanischen Werkstatt), die Lärmvermeidung von außen (in den Büros oder in Aufnahmeräumen für Musik). Nicht alle Räume sind für jede Arbeit gleicherweise geeignet; schwere Pressen und mecha nische Hämmer können nur zu ebener Erde aufgestellt werden, ebenso Werkzeugmaschinen, die der Bearbeitung sehr schwerer Werkstücke dienen. Hochexplosible oder feuergefährliche Waren müssen nach Lago und Bauart besonders gesichert werden, frostgefährdete in Keller gewölben oder heizbaren Räumen untergebracht werden. Wärme und Feuchtigkeit der Um gebung spielen bei der Arbeit eine große Rolle und wirken unmittelbar auf die Leistungsfähig keit der Menschen, oft auch der Maschinen ein. Die zu bearbeitenden Erzeugnisse brauchen ebenfalls vielfach besondere Bedingungen: Kühlräume in Brauereien, Klimaräume bei der Tabakbearbeitung. Dazu kommt, daß die Baumausstattung jeweils dem zugedachten Zweck anzu passen ist: Ein Bunker, der nur der Lagerung oder ein Korridor, der nur dem Ver kehr dient, ist anders auszubilden als etwa ein Lagerraum, der neben der Lagerung noch dem Verkehr zugänglich sein muß oder ein Warteraum, der dem Verkehr und dem Aufenthalt von Menschen dienen soll. Jeder Arbeitsraum ist im Grunde ein Mittelding zwischen Lager-, Verkehrs- und Arbeitsraum. Die Entwicklung der Arbeitstechnik und der Baumanordnung geht jedoch dahin, die Bäume den