46 Die Menschen im Betrieb. sehen Grundrechnung denkt. Er hat sodann zu überlegen, für welche Güter diese oder jene Einrichtungen erforderlich sind, welches (eigene oder fremde) Kapital aufzuwenden ist, wenn er bei bestimmten Preisen und Kosten diesen oder jenen Umsatz mit einem bestimmten Gewinn erzielen will, und nicht zuletzt: welches Risiko er bei all diesem errechnen soll und muß. Diese gedanklichen Überlegungen hat er (zugleich als Betriebsführer) in die Tat umzusetzen und sie im Betrieb zu berücksichtigen, d.h. die erforderlichen Einrichtungen zu schaffen, die Güter her zustellen, den Absatz derselben zu besorgen und in allem bewußt zu sein, daß er diesen Betrieb nicht allein bewältigen kann, sondern hier mit anderen Menschen eine Gemeinschaft bildet, mit deren Hilfe es ihm allein möglich ist, seine Über legungen und Absichten als Unternehmer zu verwirklichen. Gegenüber der allgemeinen Aussage: daß der Unternehmer die drei Produktionsfaktoren: Natur, Kapital und Arbeit vereinige, ist die Umschreibung, was ein Unternehmer ist und was er tut, bei Sohmoller (Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre, 1923) von farben reicher Lebensnahe: „Die Unternehmer stehen heute als die verantwortlichen Lenker der Produktion und des Handels zwischen den übrigen Klassen der an der Produktion Mitwirkenden und den Konsu menten. Sie sind es, die auf der einen Seite heute ein-, auf der anderen morgen verkaufen; sie verlangen bestimmte Mengen von Land, Gebäuden, Maschinen, von Rohstoff und Hilfsstoff, von Kapital und Arbeit, sie suchen diese so billig als möglich zu erhalten; sie haben zu rechnen, welche Mengen von Produktionsmitteln und halbfertigen Waren sie an die Produzenten der weiteren Verarbeitungsstadien, von fertigen Waren an die Händler und Konsumenten des In- und Auslandes künftig absetzen können und zu welchen Preisen. In den stets sich fort setzenden ungeheuren und wechselvollen Prozessen der Gütererzeugung und des Güterumsatzes haben die Unternehmer stets die aus der Vergangenheit stammenden Produktionsmittel, Rohstoffe usw. mit ihren heutigen Preisen und den zukünftigen Bedarf mit seinen ungewissen zukünftigen Preisen zu überblicken und nun spekulierend zu überlegen, wie sie es einrichten können, daß ihr verkäufliches Produkt ihnen mehr eintrage, als ihre Kosten ausmachen. Sie haben in der Regel weder die Preise ihrer Auslagen noch die ihrer Verkaufsprodukte in der Hand; beide bilden sich auf dem Markte, sie müssen ihre Produktenmenge, ihren inneren Be trieb, die auszuwählenden Mittel und Wege, die Methoden diesen ihnen gegebenen Faktoren anpassen. Ihr Einkommen hängt 1. ab von dem Maße, in dem sie die Preise der Produktionsmittel und die der verkäuflichen Produkte richtig erkennen und voraussehen; sie müssen hohe kauf männische Fähigkeiten haben, Quellen, Bedarf, Konkurrenzverhältnisse genau kennen oder vielmehr immer neu richtig zu schätzen vermögen. Und es ist 2. bedingt von dem Maße, wie sie nach innen verstehen, die rechten Leute auszuwählen und in rechte Verbindung zu bringen, die bestmöglichen Maschinen und Methoden zu verwenden, ihr Geschäft an den passendsten Ort zu legen, jede unnötige Ausgabe zu vermeiden. Beides sind schwierige Funktionen, der kleinste Fehler auf beiden Gebieten bringt Verlust, das Verharren in hergebrachten Gleisen genügt immer weniger, je komplizierter der Weltmarkt und die Technik werden. Das kauf männisch organisierende und das organisatorisch technische Talent muß unausgesetzt nach Verbesserungen ausspähen, wenn die Konkurrenz nicht das Geschäft vernichten soll. Der Händler und Unternehmer muß einerseits eine umfassende Kenntnis des Bedarfs, des Geschmacks, der Absatzwege und eine technische Beherrschung der möglichen Produktions methoden, andererseits Organisationstalent, Menschenkenntnis, Kombinationsgabe, eine ge wisse geschäftliche Phantasie, die sich ein Bild von der Zukunft machen kann, vor allem aber Mut, Energie, Tatkraft und Rücksichtslosigkeit besitzen. Es sind nicht die höchsten sittlichen Eigenschaften, aber Qualitäten, welche nur in bestimmter gesellschaftlicher Umgebung und Schulung erlernt werden. Es sind zu einem Teil dieselben Eigenschaften, die für einen Trup penführer, einen Bürgermeister, einen Landrat oder Minister nötig sind. Die Unternehmer sind die Offiziere und der Generalstab der Volkswirtschaft.“ Diese allgemeinen Kennzeichnungen der Aufgaben des Unternehmers und Betriebsführers zwingen zu zwei Ergänzungen, wenn man den wirklichen Unter nehmer, wie er uns heute in der Praxis entgegentritt, ins Auge faßt. Das erste ist: daß sich nur in den kleinsten Wirtschaftsbetrieben alle aufgezählten Tätigkeiten in einer Person (des Unternehmers) vereinigen lassen. Wir haben gesehen (A II), wie sieh von der kaufmännischen und industriellen Grundarbeit die Nebenarbeiten absplittern, die von gegen Entgelt angestellten Mitarbeitern geleistet werden. In den neuzeitlichen Großbetrieben geht diese Absplitterung der ausführenden von