Der Unternehmer und Betriebsführer. 49 Unternehmertyps: Industriekaufmann gibt, braucht nicht besonders betont zu werden. Erwähnt sei lediglich noch, daß Erfinder nicht zugleich auch gute Unter nehmer zu sein brauchen, während es nicht an Beispielen dafür mangelt, daß Kaufleute und Techniker es verstanden haben, die Ergebnisse der Erfindungen anderer über den Weg ihrer Unternehmungen der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Der Bankfachmann endlich, der alle Möglichkeiten und Formen des Kapitals kennt, ihre Vorzüge und Nachteile für dieses oder jenes Gebiet der Wirtschaft übersieht und die Erfordernisse der einzelnen Wirtschaftszweige durch die Wahl der geeigneten Gesellschaftsform mit den Gegebenheiten des Kapitalmarktes in Verbindung bringt, dieser Bankkaufmann weiß oft nur wenig von den eigentlichen Grundlagen technisch-kaufmännischer Arbeit: der Erzeugung und dem Verkauf. Aber er hat ein Gefühl für die wirtschaftlichen Möglichkeiten, er besitzt Weitblick genug, um zu erkennen, was aussichtsreich und was wenig erfolgversprechend ist. Er wägt die technischen und kaufmännischen Aussichten ab und prüft sie im Hinblick auf das erforderliche Kapital und dessen Gewinnmöglichkeit. Beschaf fung und Zusammenfügung von Kapital, Unternehmungs- und Konzerngründun gen, Fusionen, Sanierungen u. a. sind seine Tätigkeit; genaue Kenntnis und Ein fühlung in die Vorgänge an den Märkten für Kapital, den Börsen, ist gepaart mit dem Sinn für gute und finanztechnisch richtige Zusammenbringung der einzelnen Kapitalistengruppen, die er — oft ohne selbst Kapital zu besitzen — zusammen bringt und so erst die Ausbeute eines fruchtbaren Gedankens in die Wege leitet. Neben dem Bankier steht noch der Typ des Finanziers, der sich mit Finanzie rungen aller Art beschäftigt: Beschaffung von Kapital und Krediten (über den Bankier), Aufkauf von Aktien, Schaffung von Beteiligungen, Bildung von Kon zernen und Trusts oder auch Handel mit Aktienpaketen, Mehrheitsbeteiligungen und Konzemmehrheiten. Dieser Finanzier kann aus dem Bankenbereich stammen, früher selbst Bankier gewesen sein oder sich jetzt noch so nennen; es kann aber auch sein, daß ein (Waren-)Kaufmann oder ein Industriekaufmann in dieses Ge biet vorgedrungen ist und hier mit beträchtlichem Kapital tätig wird. Die vielen Fehlschläge (Stinneskonzern, Michael) lehren, daß die hochgesteckten und weit ausgreifenden Ziele nicht erreicht worden sind insbesondere dort, wo die Händler- und Bankier-Finanziers die betrieblichen (und technischen) Grundlagen und Zu sammenhänge mißachtet haben. Eine viel erörterte Frage (die hier angesohlossen werden soll, obwohl sie ebensogut unter C behandelt werden könnte) ist: wem die Führung industrieller Betriebe anvertraut werden soll: dem Kaufmann oder Techniker ? In kleinen Betrieben mit örtlichem Absatz ist der Unternehmer meist Techniker und Kaufmann zugleich. Er stellt die Güter — unter Mitwirkung von einigen Arbeitskräften — selbst her, und ebenso besorgt er selbst den Absatz an einen Stamm von Kunden, dessen Kreis er wenig geneigt ist zu vergrößern, weil sonst der Betrieb zu „kompliziert“ würde. Seine Buchführung besteht in der gelegentlichen Aufzeichnung von Geschäftevorfällen in einem Taschennotizbuch. Je größer aber der Betrieb wird, je mehr Güter hergestellt und abgesetzt werden, desto mehr macht sich das Bedürfnis geltend, eine Scheidung von anordnender und von ausführender Arbeit durohzuführen. Für die Erledigung der kaufmännischen Arbeit werden Hilfskräfte, der Buchhalter, der Kassierer, der Korrespondent, der Lagervqrwalter angestellt und ebenso wird die technische Arbeit auf Arbeiter, Meister, Ingenieur oder Che miker verteilt. Hierbei ist es aber immer noch möglich, daß der Fabrikant, der aus der Tech nik hervorgegangen ist, in seiner Person die Fäden der technischen und kaufmännischen Lei tung vereinigt, oder wie man gern sagt, den ganzen Betrieb im Kopf hat. Das setzt freilich Kenntnisse beider Gebiete, des kaufmännischen wie des technischen, voraus: aus dem Tech niker ist ein industrieller Unternehmer geworden, der aber noch mitten im Betriebe steht, alle Einzelheiten übersieht, selbst alle Anordnungen trifft und das Ganze überwacht. Man findet solcherart geleitete Betriebe besonders dort, wo sich ein kleines Unternehmen in der Hand eines tüchtigen Mannes langsam zu einem großen Betrieb entwickelt, wo der Inhaber die Ent wicklung in allen Teilen des Betriebes selbst mitgemacht hat und alle Winkel desselben aus Prion, Die Lehre vom Wirtachaftsbetrieb. III. 4