50 Die Menschen im Betrieb. eigener Anschauung kennt. Auf den ersten Blick erscheint eine solche Ordnung als die denkbar beste. In der Praxis arbeitet sie jedoch in der Begel nur eine Zeitlang gut; denn der Allein herrscher hält nur seine Maßnahmen für richtig, sieht infolge der angestrengten Beschäftigung mit allen Einzelheiten nicht, was um ihn herum vor sich geht, wie die Wettbewerber zu ver besserten Einrichtungen übergehen; er kann nicht mehr die technischen und wirtschaftlichen Fortschritte verfolgen: kurz, sein Betrieb schreitet nicht mit vorwärts. Von selbst tritt dann die Notwendigkeit der Arbeitsteilung ein, die sich in der Regel so vollzieht, daß die laufenden kaufmännischen Arbeiten einem kaufmännischen Direktor (An gestellten oder Teilhaber) übertragen werden, die letzten Entscheidungen in der Führung — auch in kaufmännischen Angelegenheiten — jedoch dem von der Technik herkommenden Unternehmer verbleiben. Diese Verselbständigung der kaufmännischen Seite in kaufmännisch vorgebildeten Personen, mit der Unterordnung letzten Endes doch unter den Techniker als Unternehmer ist eine weit verbreitete Erscheinung, für die eine Erklärung nicht schwer zu finden ist. Auf der einen Seite kann sich der Techniker leicht gewisse kaufmännische Kennt nisse aneignen, besonders aber, wenn er eine kaufmännische Begabung, einen kaufmännischen Blick (der mehr wert ist, als Kenntnisse allein) mitbringt. Auf der anderen Seite fehlt dem Kauf mann meistens die genaue Kenntnis der technischen Vorgänge, insbesondere dort, wo es sich um weitverzweigte technische Grundlagen, physikalische oder chemische Kenntnisse handelt. Er wird sich zwar leicht die Warenkenntnisse aneignen, die nötig sind, um sich im Betrieb zureohtzufinden und den Absatz der Erzeugnisse in die Hand zu nehmen. Aber dort, wo — wie gesagt — die technischen Grundlagen verwickelter werden, herrscht in der Regel der Tech niker; er bestimmt Einkaufsmengen, Art der Rohstoffe, Ausdehnung der Produktion und trifft insbesondere naturgemäß alle Anordnungen, die sich auf den technischen Betrieb beziehen. Diese Stufe der Führung kann befriedigende Ergebnisse liefern. Voraussetzung ist aber auch hier noch: verhältnismäßig kleiner Betrieb, möglichst feste Preise der Rohstoffe und eine gewisse Unabhängigkeit der Verkaufspreise vom Markt. Verändern sich diese Voraussetzun gen, wachsen die Markteinflüsse (vgl. AI), so können leicht durch eine vorwiegend technische Führung Störungen im Betrieb auftreten: die Erzeugung wird ohne Rücksicht auf die Lage des Marktes ausgedehnt, Konjunkturen, Geld- und Kapitalverhältnisse werden außer acht gelassen usw. Der Fabrikant muß dann unter Umständen sehen, wie seine technisch vorzüg lichen Erzeugnisse unverkäuflich bleiben, oder erfahren, daß die Einkaufspreise zu hoch, die Einrichtungen zu kostspielig oder nicht mehrleistungsfällig sind, daß sich mit anderen Worten seine Fabrik nicht mehr rentiert. Oder aber: der gute Techniker muß zugleich ein guter Kauf mann sein, eine Vereinigung, die in einer Person nur schwer zu finden ist. Und vollends gar auf der letzten Stufe: im Großbetrieb. Hier wird es ganz unmöglich, daß eine Person sowohl die technischen, als auch die kaufmännischen Einzelheiten beherrscht. Die Zahl der Einzelvorgänge wächst, weitestgehende Arbeitsteilung wird nötig, eine Überwachung der Arbeitsleistung der beschäftigten Personen ist erforderlich, die einzelnen Betriebe kommen unter selbständige Verwaltung, neben dem kaufmännischen Leiter steht der technische Be triebsleiter •— und über allem steht der eigentliche Unternehmer. Ist er Kaufmann oder Techniker? Antwort: Beides; aber nicht mehr in dem bisherigen Sinne, daß er sich um die letzten Einzelheiten des Betriebs kümmert. Er muß jetzt soviel von kaufmännischen und technischen Dingen verstehen, daß er die entscheidenden Anregungen geben kann, die dann von den ihm unterstellten Abteilungen auszufiihren sind. Angabe der Produktionseinriohtun g, Auswahl der richtigen Personen für die einzelnen Posten, Abgrenzung der Machtbefugnisse, stramme Zusammenfassung des Ganzen, Ineinandergreifen der einzelnen Teile durch zweck mäßige Organisation und endlich letzte Entscheidung in der obersten Führung des Betriebes, das ist die Aufgabe des Großunternehmers nach innen. Gleichzeitig muß er seinen Blick nach außen richten und die Entwicklungen in der Volks wirtschaft verfolgen, wenn er sein Schifflein richtig durch die Fährnisse des Weltmarktes mit seinen Konjunkturen, seinen Wettbewerbskämpfen bringen will. In einer Zeit, wo man durch Kartellierungen und Zusammensohlußbewegungen die Preise zu beeinflussen sucht, wo man immer erheblichere Kapitalien gebraucht, um sich im Wettbewerbskampfe zu behaupten, wo die Finanzierung der Unternehmungen eine wichtige Rolle spielt, da tritt das eigentlich Tech nische immer mehr in der Führung zurück: auf die kaufmännische und organisatorische Füh rung kommt es hauptsächlich an. Wie man für die Erledigung der täglichen kaufmännischen Arbeiten kaufmännische Hilfskräfte hat, so dient der technischen Herstellung ein Stab von wissenschaftlich vorgebildeten Ingenieuren und Technikern, welche die unsäglich mühevolle, notwendige und wichtige Kleinarbeit ausführen und die technische Entwicklungsarbeit leisten, aber mit der eigentlichen Führung und Leitung des Unternehmens in keinem oder nur losem Zusammenhang stehen. Bei vielen der größeren Unternehmungen tritt dies sogar äußerlich dadurch in die Erscheinung, daß der technische Betrieb, die Fabrik, auch örtlich von der Generaldirektion getrennt ist. Letztere befindet sich dann meist dort, wo man leicht Fühlung mit den großen Abnehmern, Lieferanten, Behörden, Interessenten, mit der Finanz welt, ja schließlich auch mit den Wettbewerbern gewinnen kann, wenn es gilt, Kartellierungen