Der Unternehmer und Betriebsführer. 51 4* und Zusammenschlußbestrebungen zu fördern oder zu verhindern. Die Bildung großer Kar telle, die zwar für die beteiligten Einzelunternehmen vielfach eine Beschränkung ihrer Selb ständigkeit und damit ihrer kaufmännischen Beweglichkeit bedeuten, erfordert neue Fähig keiten: wirksame Vertretung der Interessen der eigenen Unternehmung, geschickte Behand lung der sich bekämpfenden Gruppen und zuletzt richtigen Gebrauch der durch die Kartelle erlangten Macht. Auf dieser Stufe ist der Unternehmer zum Organisator der Volkswirtschaft geworden (Sohmoller). Die Beherrschung der technischen und kaufmännischen Fertigkeiten tritt zurück gegenüber der Fähigkeit, das Ganze der Wirtschaft zu übersehen und seinen sinn vollen Zusammenhang mit dem Gemeinschaftsleben des Volkes zu vollenden. 3. Die Voraussetzungen. In der klassischen Darstellung von Sohmoller (S. 46) sind bereits die Voraussetzungen erwähnt worden, von denen die erfolgreiche Arbeit des Unternehmers abhängig ist. Am Anfang der Voraussetzungen steht der Erwerbstrieh, d.h. für sich und die Seinen mit Hilfe des Wirtschaftsbetriebes ein Geldeinkommen zu erzielen und daraus nach Möglichkeit ein Vermögen anzu sammeln. Dahinter steht der Drang nach Selbständigkeit, soweit dies im Rahmen der bestehenden Staats- und Wirtschaftsordnung möglich ist. Der Unternehmer nimmt die Fährnisse des Wirtschaftsbetriebes auf sich, nicht nur weil die Chance des Gewinnes lockt, sondern auch die Möglichkeit reizt, durch selbstverant wortliches Handeln den Wirtschaftsbetrieb aufzubauen, zu gestalten und zu ent wickeln. Die erfolgreiche Führung des Wirtschaftsbetriebs gewährt Befriedigung, verschafft dem Unternehmer Ansehen sowohl bei seinen Mitarbeitern als auch in der Öffentlichkeit. Alles dieses vermag den Erwerbstrieb zurücktreten zu lassen, ihn naturgemäß nicht ganz auszuschalten. Ein weiteres Kennzeichen des Unter nehmers ist das Handeln, d. h. durch Geschäftsabschlüsse die Absichten des Wirt schaftsbetriebes zu verwirklichen. Zu allem diesen muß der Unternehmer (als Kaufmann, Industrieller, Bankier oder Finanzier) in erster Linie über die erforderlichen Fachkenntnisse, sowohl über die allgemeinen kaufmännischen (technischen) als auch die besonderen Kenntnisse verfügen, die die einzelnen Arbeitsbereiche betreffen — Kenntnisse, die einmal mehr auf den Warenverkehr, das andere mal mehr auf die technische Herstellung oder den Zahlungs- und Kreditverkehr abzielen. Dazu gehört die Kenntnis von den rechtlichen Bedingungen und Zusammenhängen des betrieblichen Tuns, gehört nicht zuletzt die Kenntnis von den Voraussetzungen und Notwendigkeiten der Beschäftigung von Mitarbeitern im Betriebe. Neben den Kenntnissen erfordert die Durchführung der Unternehmertätigkeit bestimmte geistige Eigenschaften und Fähigkeiten. An erster Stelle steht die Unternehmungslust, d.h. solche Geschäfte abzuschließen, die ein — wenn auch abgewogenes — Wagnis in sich schließen. Dazu gehört der Wille, einen gefaßten Plan in die Tat umzusetzen, an der Durchführungeineseinmal aisrichtigerkannten Planes festzuhalten, gehört endlich eine gewisse Zähigkeit in der Verfolgung be stimmter Absichten und Ziele, aber auch der Entschluß, sich rechtzeitig von uner füllbaren Möglichkeiten loszusagen. Man bezeichnet diese Fähigkeit als die Ini tiative, die nach wirtschaftlichen Gelegenheiten Ausschau hält und zum erfolg versprechenden Handeln bereit ist. Mit Recht wird diese Initiative als eine be sondere Fähigkeit betont, über die gerade der Unternehmer verfügen muß. Sie läßt neue Wirtschaftsbetriebe, neue Verfahren, neue Leistungen und neue Arbeits gelegenheiten entstehen. Der Unternehmer hat endlich als Betriebsführer die Auf gabe, seinen Mitarbeitern ein Führer zu sein, d.h. Entschließungen zu fassen, Verantwortlichkeiten zu tragen und in der Ausführung der betrieblichen Arbeit ein Vorbild zu sein. An Fähigkeiten kommen insbesondere in Betracht: die Kunst, die Kenntnisse zu gegebener Zeit anzuwenden, also richtig zu rechnen, rechtzeitig einzukaufen oder zu verkaufen, die Menschen zur Arbeit anzuspornen, die Kunst, sich in allen Lagen