52 Die Menschen im Betrieb. schnell zurechtzufinden, die Verhältnisse zu beurteilen, die Folgen der eigenen Handlungen schnell zu übersehen, also über eine Kombinationsgabe zu verfügen. Zu den Fähigkeiten gehört vor allem die Kunst, im richtigen Augenblick zu han deln, aber mit Überlegung zu handeln: wagen, nicht ohne zuvor zu wägen. Der Entschluß zum Handeln ist die wichtigste Fähigkeit, über die der Unternehmer verfügen muß. Häufig muß eine Geschicklichkeit im Verhandeln hinzutreten, um den Partner zum Abschluß geneigt zu machen. Von Vorteil kann sein, aus fremden Gedankengängen das zu Verwirklichende schnell zu erkennen oder zur Verwirklichung eigener Einfälle die richtigen Personen auszuwählen und an zusetzen. Nicht immer verbürgen diese Dinge: Kenntnisse, Charaktereigenschaften und Fähigkeiten den Erfolg. Der Unternehmer muß überdies noch etwas haben, was er nicht meistern kann: Glück, worunter man alle die für den Erfolg menschlicher Tätigkeit maßgebenden Umstände zusammenfassen kann, deren Auftreten vom menschlichen Willen unabhängig ist. Hiermit hängt zusammen (wenn auch die geschichtliche Entstehung anders erklärt wird), daß von alters her die Geschäfts bücher des Kaufmanns auf der ersten Seite den Spruch aufweisen: Mit Gott! In der Praxis werden diese Voraussetzungen nicht immer und in ihrer größten Vollkommenheit in einer Person Zusammentreffen; in der Regel wird schon ein niederer Grad von Vollkommenheit genügen, um den Erfolg sicherzustellen. Das bedeutet freilich, daß sich tüchtige Untemehmernaturen um so leichter durch zusetzen vermögen; die Geschichte der großen Unternehmungen liefert hierzu zahlreiche Beispiele. Das trifft nicht nur auf die persönlichen Unternehmungen zu (wie Krupp, Borsig, Siemens), sondern auch bei den Aktiengesellschaften sind es in der Regel einzelne Personen gewesen, die weitausschauende Pläne entwickelt, schwerwiegende Entscheidungen getroffen und Schwierigkeiten aller Art über wunden haben. Es kommt hinzu, daß — geschichtlich gesehen — die eine oder andere Voraussetzung nach Zeit und Volk weniger oder mehr ausgeprägt gewesen ist, und daß sie auch heute noch innerhalb desselben Volkes nach Landschaften recht verschieden ausfallen können. Zum Unternehmer gehört eine Veranlagung, eine kaufmännische Begabung, die die für die Unternehmung wertvollen Geschäfte ahnt und ihren Ablauf gefühls mäßig erfaßt, eine Begabung, die über die möglichen Schwierigkeiten der prak tischen Durchführung mit einer gewissen Nachlässigkeit hinweggeht. Wer diese Begabung für kaufmännisches Denken und Handeln nicht mitbringt, sollte es sich sehr überlegen, ob er über den Weg des Lernens allein ein tüchtiger Unternehmer werden will. Wie überall, so gilt auch hier der Erfahrungssatz: nicht der Mensch ergreift einen Beruf, sondern der Beruf ergreift den Menschen. Man muß Unter nehmer sein, um es zu werden. Anders steht es mit den erforderlichen Kenntnissen; sie müssen und können erworben wer den. Nun gibt es freilich keinen vorgeschriebenen (oder ausgeprobten) Ausbildungsgang für Unternehmer. Wenn jemand Kaufmann werden will, so erlernt er die Handlung, wird Ange stellter und versucht es schließlich mit einem eigenen Wirtschaftsbetrieb oder mit der Erlan gung des Amtes eines Vorstandsmitgliedes bei einer Aktiengesellschaft. Doch sollte dieses Lernen nicht allein in der Ansammlung möglichst vieler Einzelkenntnisse bestehen, sondern worauf es ankommt ist: das Mit- und Naoherleben der Vorgänge wie ihrer Beweggründe und ihrer Erfolge. Die Schulung des eigenen Könnens an den miterlebten Erfahrungen anderer, das geistige Hineinwachsen in die Welt der kaufmännischen Dinge, die Weckung und Über prüfung des eigenen Unternehmerwillens soll gelernt werden. Nicht immer sind die Voraus setzungen für eine solche Ausbildung des Unternehmers so günstig, wie sie in Ereytags „Soll und Haben“ dargestellt werden, wo die Angestellten zugleich im Hause des Kaufmanns leben. Einen brauchbaren Ersatz für diese Art des Lernens bilden u. a. Lebensauf Zeichnungen erfolgreicher Unternehmer über ihre Zielsetzungen und Erfahrungen, über Irrtümer und Er folge vor allem, wenn die Schriften wirklich von ihnen selbst verfaßt sind und nicht auf der Sohreibkunst ihrer Sekretäre beruhen.