62 Die Menschen im Betrieb. die eigentlichen Buchhalter, Kassierer, Korrespondenten von den mechanischen Arbeiten entlastet wurden und sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren konnten. Zudem rückten sie in eine übergeordnete Stellung ein (Gruppen-, Ab teilungsleiter), häufig sogar mit der Vertretungsbefugnis nach außen (Handlungs bevollmächtigter, Prokurist, stellvertretender Direktor). Auf der anderen Seite bedeutete das Ausgliedern der mechanischen Arbeiten ein weiteres Absacken von der eigentlichen kaufmännischen Grundarbeit, für die Arbeitskräfte den Übergang zur Eintönigkeit (und Freudlosigkeit) ihrer Arbeit, für den Wirtschaftsbetrieb zugleich die neue Aufgabe, durch geeignete Maßnahmen den Beteiligten die Ein tönigkeit der Arbeit erträglich und für den Betrieb ungefährlich zu machen. Zum zweiten: die Massenhaftigkeit und die Eintönigkeit der Nebenarbeiten bildet die Grundlage zum Übergang zur Maschinenarbeit. Die Einführung der Maschine ruft im Bereiche der kaufmännischen Nebenarbeiten folgende Wir kungen hervor; 1. Die Maschine vollendet die Scheidung der mechanischen Arbeit von der mehr schöpferischen Arbeit. Das Beispiel: Die Schreibmaschine, die das Schreiben von dem Entwurf des Briefes trennt. Ein neuer Typ des kaufmänni schen Angestellten ist entstanden: der Maschinenschreiber (Stenotypistin), der nach Vorlagen oder Diktat schreibt und heute fast in jedem größeren Wirtschafts betrieb anzutreffen ist. 2. Die Maschine übernimmt die Erledigung der Arbeit des Kopierens, Vervielfältigens, des Adressierens u. a. m. Die Handhabung der Maschine setzt keinerlei kaufmännische Kenntnisse, wohl aber einige manuelle Geschicklichkeit voraus. 3. Die Maschine vereinfacht die Arbeit, setzt aber zur Ermöglichung dieser Vereinfachung eine genaue Kenntnis der Leistungsfähigkeit der Maschine voraus; Rechenmaschine (in ihren Abarten der schreibenden Re chenmaschinen). Hier ist die Methode der Arbeit geändert und die Leistungs fähigkeit des Angestellten gesteigert worden. 4. Ruft die Maschinenarbeit eigen artige Vorarbeiten und Gestaltungsaufgaben hervor; die einzelne Arbeit muß für die Maschinenarbeit reif gemacht werden. Das setzt genaue Kenntnis der zu leistenden Arbeit und Kenntnis der Leistungsfähigkeit der betreffenden Maschine voraus. In allem: die (sog. Büro-)Maschinen sondern die einförmigen Arbeiten ab, ersetzen vielfach die Handarbeit durch die Maschinenarbeit, steigern die Schnel ligkeit (und Ordnungsmäßigkeit) der geleisteten Arbeit und sie rufen zugleich neue Typen der kaufmännischen Nebenarbeit hervor. Eine besondere Erwähnung verdient noch die Verwendung von weiblichen Arbeitskräften zur Erledigung der kaufmännischen Nebenarbeiten. Die Erinne rung ist nicht unwichtig, daß es 1882 so gut wie keine weiblichen Angestellten gab, während 1933 1,578 Millionen männliche und 1,151 Millionen weibliche Angestellte gezählt wurden. Das Einströmen von Frauen in den kaufmännischen Beruf hängt zweifellos in erster Linie mit der durch den Großbetrieb bewirkten Aus- und Um gestaltung der kaufmännischen Nebenarbeiten zusammen. Für den Wirtschafts betrieb liegen verschiedene Gründe vor, die es nahe legen, von der Einstellung weiblicher Arbeitskräfte Gebrauch zu machen (wobei freilich zu berücksichtigen ist, daß auf der anderen Seite die Bevölkerungsentwicklung und die Politik der Gleichberechtigung der Frau diesen Gründen zur Seite standen): 1. Die weiblichen Arbeitskräfte übernehmen die mehr einförmigen Arbeiten gegen geringeres Ent gelt als ihre männlichen Berufsgenossen; für den Betrieb entstand eine Kosten ersparnis (vgl. III). 2. Es ist erwiesen, daß gewisse Arbeiten von Frauen zuver lässiger ausgeführt werden als von Männern; dazu gehören vor allem solche Ar beiten, die eine gewisse Fingerfertigkeit, Geduld und Aufmerksamkeit erfordern (Schreibmaschinenarbeit). 3. sind Frauen für bestimmte Arbeiten besonders ver anlagt: als Verkäuferinnen in den offenen Ladengeschäften (mehr als die Hälfte sämtlicher von der Statistik erfaßten Verkäufer sind Frauen). 4. Die Eigenarten