74 Die Menschen im Betrieb. zwungen sind, die höheren Kosten der älteren auf die jüngeren Angestellten um zulegen, wodurch sich noch Verschärfungen ergeben. Besonders wichtig ist die Frage der Altersstufen für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsbetriebe untereinander, insbesondere in stark arbeitsbetonten Wirtschaftszweigen wie Ban ken, Versicherungen, Einzel- und Großhandel, Verkehr u. a. Hat zum Beispiel der Betrieb A 20 junge und flinke Angestellte mit je 2000 EM Gehalt, so sind die Kosten im Jahre 40 000 EM; der Betrieb B dagegen mit 22 älteren und behäbigeren Angestellten zu je 3000 EM würde 66 000 EM jährlich aufzubringen haben. Der Unterschied von 26 000 EM würde bei einem Kapital von 200 000 EM schon 13% Jahresrente ausmachen. Aus diesen Ziffern werden die Hemmungen deutlich, die die Betriebe im Hin blick auf die Beschäftigung älterer Angestellten haben. Hier hat die in den letzten Jahren viel erörterte „Tragödie der Vierzigjährigen“ ihren Ursprung. In einzelnen Geschäftszweigen, wo die Verselbständigung noch leichter ist — im Einzel- und Großhandel — oder wo viele weibliche Kräfte arbeiten, die durch Heirat zum großen Teil freiwillig den Dienst aufgeben, ist die Belastung durch Überalterung nicht allzu groß. Sie ist besonders fühlbar in den Zweigen, die eine Selbständig keit erschweren, bei mechanischen Arbeiten und solchen, die durch Frauen ebenso gut oder besser gemacht werden können (Waren- und Kaufhäuser, Banken, In dustrie). Aus diesen Fragen hat sich sogar innerhalb der Angestelltenschaft selbst eine Ablehnung der Tarifverträge geltend gemacht, da diese häufig die Be triebe geradezu zwangen, die älteren und teureren Angestellten zu entlassen, weil eine Bezahlung unter Tarif nicht zulässig war. Die Unternehmungen haben durch Schaffung von Pensionsfonds und ähn lichen Rückstellungen die Lage der älteren Angestellten zu bessern versucht, wie ja auch die gesetzlich eingeführten Kranken-, Alters- und Arbeitslosenversiche rungen zu einem wesentlichen Teil von den Betrieben getragen wurden. Der Vor wurf eines unsozialen Verhaltens, der vielfach den Unternehmern aus deren Handlungsweise gegenüber alten Angestellten gemacht wurde, ist sicher all gemein nicht haltbar; die Kostenfrage kann eben, besonders in Zeiten schweren Wettbewerbs, nicht übersehen werden. Daß allerdings durch Änderung der Ein kommenstaffelung in den Tarifen und Lockerung des Tarifzwanges überhaupt sowie durch geschicktere Beitragsbemessung der Sozialabgaben manche Härten hätten vermieden werden können, wird nicht zu bestreiten sein. Im Zusammenhang mit den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (Bekämpfung der Arbeits losigkeit) wird besonderer Wert darauf gelegt, gerade den älteren, noch leistungsfähigen Angestellten wieder zu einem Arbeitsplatz zu verhelfen. Für zukünftige Notwendigkeiten der Entlassung hat der Unternehmer die Forderungen zu beachten, die ihm im neuen Staat durch die staatlichen Stellen (Arbeitsämter, Treu händer der Arbeit) und die der Arbeitsfront gestellt werden. Damit wird ein einheitliches Vorgehen innerhalb konkurrierender Wirtsohaftsbetriebe vorhanden sein, so daß aus Wett bewerbsrücksichten eine Entlassung in erster Linie der älteren Angestellten nicht mehr vertretbar ist. Die möglichen Wandlungen in der sozialen Haltung der Unternehmer und Betriebsführer werden in dieser Hinsicht einer Belastungsprobe gar nicht unterworfen. 3. Die Arbeitszeit. In unmittelbarem Zusammenhang mit dem Entgelt für die Tätigkeit der Angestellten steht die dafür abzuleistende Arbeitszeit. Für den Wirtschaftsbetrieb, für den aus der Beschäftigung der Arbeiter und Angestellten Kosten entstehen, ergibt sich die Notwendigkeit, diese Kosten in ein Verhältnis zu seinen übrigen Einnahmen und Ausgaben zu setzen, was meist bedeutet, daß er auf eine Erfassung höchster Leistung angewiesen ist. Für rein geistige oder wissenschaftlich und künstlerisch hochstehende Arbei ten sowie auch Arbeiten, die unregelmäßig anfallen, ist nun eine Bemessung der Leistung nach der Arbeitszeit undurchführbar. Dagegen ist der auf genauen Zeitmessungen beruhende Leistungsvergleich für regelmäßig durchführbare, ein fache Arbeiten in der Werkstatt und zum Teil auch im Büro möglich. In diesen