Das Entgelt. 83 weder allgemein möglich noch einfach ist. Sehr häufig ist die Anwendung des reinen Zeitlohns nicht nur die billigere Art der Entlohnung, sondern sie hat auch den Vorteil, daß die beim Stücklohn immer notwendige scharfe Gütekontrolle des fertigen Stückes ganz oder doch teilweise in Fortfall kommen kann. Es kommt hinzu, daß vielfach die Arbeit mehr oder minder unabhängig von dem Arbeitenden seihst vor sich geht wie z. B. in Betrieben mit apparativer oder vollautomatischer Fertigung, wo die Arbeit in der Wartung und Bedienung der Maschinen und Apparate besteht. In der Fließfertigung wird daher die Zahlung von Stücklöhnen überflüssig, ja widersinnig, da der Arbeitstakt entweder durch die Geschwindig keit des Bandes zwangsläufig geregelt wird, oder aber doch die Arbeitsgeschwin digkeit des einzelnen durch die Leistungen der Vor- oder Nachmänner mitbe stimmt ist. Hier ist jedoch wieder, durch die Zusammenarbeit bedingt, eine be sonders gute Auslese der Arbeiter notwendig, da die Gesamtleistung von der Leistung des schlechtesten Arbeiters abhängt. Nicht der Einzelanreiz zur Höchst leistung, sondern die gleichmäßige allseitige Höchstleistung einer zusammen arbeitenden Arbeitsgruppe muß hier das Ziel sein. Die Koppelung der Leistung mit dem Entgelt ist in diesem Falle also nur durch die Festlegung der Lohnsumme für die Leistung der ganzen Gruppe mög lich: der Gruppenlohn. Dieser wird entweder im gleichen Verhältnis an alle An gehörige der Gruppe gezahlt oder aber auf Grund der Arbeitszeit und eines Lei stungskoeffizienten nach der Mischungsrechnung ermittelt. Neben der Fließ fertigung sind weite Gebiete, vor allem im Bergbau (Gedinge), beim Zusammen bau allgemein (Hochbau, Maschinenbau) und im Transportwesen dieser Lohn art zugänglich. Eine Zusammenstellung der Vor- und Nachteile der Zeit- und Stücklöhne ergibt, daß beim Stücklohn ein dauernder Anreiz zur Hergabe hoher Leistungen und damit gewisse Verein fachungen der Beaufsichtigung während der Arbeit, daneben aber auch vereinfachte Ab rechnung erzielt wird; außerdem ist die Vor- und Nachrechnung der Kosten erleichtert, wobei man sich jedoch darüber klar sein muß, daß die oben geschilderten Vorarbeiten, die oft schwierig und zeitraubend sind, im Grunde nur diese Arbeiten — verfeinert und gewissen hafter — vorwegnehmen. Für den Betrieb bedeuten die Stücklöhne eine sichere Kenntnis der Lohnkosten, daneben auch die Abwälzung gewisser Risiken, die in Leerarbeit, Materialfehlern, Werkzeugbruch oder Witterungseinflüssen bestehen können. Gerade diese Tatsache hat sich bald als schwerer Nachteil des Stücklohns herausgestellt, da ja für den Arbeiter diese Risiken, soweit sie von ihm nicht verschuldet waren, ungerecht und untragbar sind, es sei denn, daß sie in der Höhe des Stücklohns berücksichtigt sind, was wiederum fast unmöglich ist; aber selbst bei einem Verschulden verbietet die Höhe der Schäden oft eine Überwälzung auf die Arbeiter. Die entscheidenden Schwächen der Stüokentlohnung liegen einmal in der Schwierig keit der richtigen Festsetzung und ferner in dem Anreiz, aus Gründen der Zeitersparnis weniger achtsam bei der Bedienung und Wartung der Maschinen und Werkzeuge und weniger sorgfältig im Hinblick auf die Güteanforderungen zu sein; auch führt leicht ein zeitweiliger Arbeits mangel zu erhöhten Unfallziffern, weshalb aus allen diesen Gründen bei der Arbeiterschaft das Schlagwort: „Akkord ist Mord“ im Umlauf ist. Bei Arbeiten, die besondere Anforderungen an die Güte des Erzeugnisses und besondere Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit der Arbeitsweise (Revisoren, Fördermaschinisten im Bergbau) erfordern oder die hinsichtlich des zeitlichen Umfangs und der Güte der Ausführung besonders schwer zu übersehen sind, wird heute fast ausnahmslos der Zeitlohn angewendet. Ebenso wer den auch untergeordnete Arbeiten, deren Beaufsichtigung nur geringe Schwierigkeiten bereitet, fast durchweg im Zeitlohn (Stundenlohn, Tagelohn) ausgeführt. Dabei macht sich bei der Arbeiterschaft mehr und mehr das Bestreben geltend, von der Stunden- oder Tagesentlohnung zur Wochen- und Monatsentlohnung zu kommen, also vom Arbeiter zum Angestellten zu werden. Hier spielt natürlich vorwiegend die größere Sicherheit des Arbeitsplatzes mit, da mit den verlängerten Lohnzahlungsfristen sich die Kündigungsfristen verlängern. Jedoch bringt die monatliche Entlohnung neben einigen Vorteilen (Bezahlung bei kurzfristiger Krankheit o. ä.) auch wesentliche Nachteile für die Arbeiter (Schwierigkeit der Mehrarbeits bezahlung und der Leistungsentlohnung) und ist besonders aber für den Betrieb nicht allge mein durchführbar, weil die Beschäftigungsschwankungen eine gewisse Beweglichkeit er fordern. (Die Firma Siemens hat vor einiger Zeit den Versuch mit einer monatlichen Lohn abrechnung, also nicht monatlicher Entlohnung, gemacht — aus sozialpolitischen Gründen 6*