15 dürfen. Es liegt zwar, besonders für den Laien, sehr nahe, zu sagen: Die Steuern müssen in erster Linie und hauptsächlich von den leistungsfähigsten Leuten, also vom Kapital, aufgebracht werden. Dieser Gedanke enthält zweifellos einen richtigen Kern, darf aber auch nicht überspannt werden durch eine allzu starke steuerliche Erfassung des Kapitals. Die Notwendigkeit und wirtschaftliche Zweckmäßig keit des Kapitals anzuzweifeln, bedeutet einen schweren Fehler. Es ist bekannt, daß die Sozialdemokratie seit über 50 Jahren bestrebt ist, den Haß gegen den Kapitalismus großzuziehen, und daß sie hiermit nur allzustarken Erfolg hatte. Bedauerlich hierbei war, daß nicht nur der Haß gegen den Kapitalismus großgezogen wurde, sondern leider auch der Glaube, daß Geld alles bedeutet. Es steht ja außer Zweifel, daß dieser Satz für den einzelnen richtig ist; für die Gesamtheit ist er es aber nicht. Wenn z. B. jemand in den Besitz einer Million gelangte, so könnte er sich gewiß bedeutend mehr leisten als die einzelnen der großen Masse. Hätte dagegen jeder einzelne eines Tages eine Million erhalten, was technisch durchaus durch das Drucken einer entsprechendeu Menge Papiergeld durch führbar gewesen wäre, so wäre die Gesamtlage die gleiche geblieben, denn alle Dinge hätten mit Naturnotwendigkeit eine kolossale Preis steigerung erfahren, und niemand hätte sich auch nur um einen Deut besser gestanden als bisher. Es wäre zu wünschen, daß den Massen endlich das Verständnis beigebracht würde und beizubringen wäre, daß nicht Geld, sondern nur ihre eigene Arbeit ihre Lebenslage ver bessern kann. Hier möchte ich einschalten, daß meine Auseinander setzungen sich nicht auf die jetzige, anormale, sondern auf die nor male Zeit vor dem Kriege beziehen. Abgesehen von seinen gewiß vorhandenen schlechten Seiten, die aber eingeschränkt werden können, ist der Kapitalismus in seinen Gesamtleistungen sicherlich der Freund der Masse. Sehen wir einmal ganz von Geld und Kapitalismus ab und betrachten die Sache nur vom Standpunkt des aus der Sozialdemokratie folgerichtig entstandenen und heute in den Groß städten so weit verbreiteten Kommunismus mit seiner Hauptforderung: gleichmäßige Verteilung aller Produkte auf alle Mitglieder des Volkes. Um zu leicht verständlichen Zahlen zu kommen, wollen wir uns wieder einen Wirtschaftskörper von nur 100 Personen vorstellen, die hundert Tonnen lebenswichtige Massenartikel (Getreide, Fleisch, Fett usw.) herstellen. Bei kommunistischer Verteilung hätte jeder