18 wirtschaft, derjenige Kapitalist aber, der den größten Teil seiner Gewinne aufspart, ist ein Vermehrer des Volksvermögens. Man kann wohl sagen, daß der Kapitalismus vor dem Kriege im großen und ganzen sehr anständig handelte und keine die gesamte Volkswirtschaft zu sehr belastende Verschwendung trieb. Die Kapi talisten waren in der Mehrzahl in gewissem Sinne Führer der gesamten Volkswirtschaft. Die Verwaltung des Volksvermögens ist freilich in seinen einzelnen Teilen an die Individuen gebunden, letzten Endes gehört aber aller persönlicher Besitz der gesamten Volkswirtschaft, und die Regierung hat nur die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Verwalter keinen Mißbrauch mit ihren Rechten treiben. Für einen gesunden Wirtschaftskörper ist eine gewisse Anzahl Kapitalisten nötig, und es ist unerheblich, ob diese ein mehr oder weniger großes Kapital besitzen, vorausgesetzt, daß solches nicht in einer verschwenderischen Weise benutzt wird und dadurch den Wirtschaftskörper für egoistische Zwecke einiger weniger Personen belastet. Dagegen kann ein Wirt schaftskörper es nicht tragen, wenn, wie es jetzt während des Krieges und der Revolution geschehen ist, eine zu große Anzahl kleiner und mittlerer Kapitalisten sich bildet, die dann die Volkswirtschaft durch ihre persönlichen Ansprüche erdrückt. Man braucht sich, um dies zu er kennen, ja nur den Fall vorzustellen, daß von 100 Personen 50 Kapitalisten wären. Ein undenkbarer Zustand, denn die übrigen 50 Arbeiter können die 50 Kapitalisten nicht ernähren. In solchem Falle gibt es nur das Heilmittel der sprunghaften Geldentwertung, wodurch die kleinen Kapitalisten sehr bald gezwungen sind, sich durch eigene Arbeit an der Volkswirtschaft wieder zu beteiligen, weil bei den ungeheuren Preissteigerungen ihre Zinseneinnahmen zur Deckung ihrer Lebensbedürfnisse nicht mehr ausreichen. Anders ist es, wenn von 100 Personen nur zwei Kapitalisten sind, diese können dann von den übrigen 98 leicht miternährt werden. Es steht somit fest, daß der Kapitalismus trotz seiner Schatten seiten und unverkennbaren Auswüchse für die gesamte Volkswirtschaft dennoch zweckmäßig und notwendig ist. Das Kapital als solches muß im Interesse der Volkswirtschaft erhalten bleiben. Es ist daher grundfalsch, wenn unsere gegenwärtige Steuergesetzgebung versucht, vor allem das Kapital steuerlich zu belasten, freilich von dem an sich richtigen Satze ausgehend, daß der Kapitalist als der leistungs fähigere stärker zur Steuer herangezogen werden muß als der Nicht-