24 ausgearbeitet. Auch der Grundsatz der Allgemeinheit der Be steuerung ist durchgeführt; es werden neben den natürlichen anch die juristischen Personen besteuert. Man kann wohl mit Recht sagen, daß es keinen Menschen, keine Gesellschaft in Deutschland gibt, die nicht auf irgend eine Weise besteuert werden. Anders ist es hinsichtlich des Hauptgrundsatzes der Gerechtigkeit, d. h. der Gleichmäßigkeit der Besteuerung. Dieser unbedingt zu erhebenden Forderung wird das gegenwärtige Steuersystem durchaus nicht gerecht. Folgendes Beispiel möge dies veranschaulichen: Ein Aktienbesitzer besitzt für 1 Million Aktien zum Parikurse. Am Steuerstichtage steht der Kurs 400, demzufolge er, da sein Vermögen ja nun 4 Millionen beträgt, eine Vermögensabgabe von SO °/o, d. h. 2 Millionen zu leisten hat. Freilich wird ihm die Abzahlung in 30 Jahren erlaubt; aber bald darauf geht der Kurs aus pari zurück; er hat jetzt wieder 1 Million Mark Vermögen, aber dieses ist inzwischen ungeheuerlicher weise mit einer Abgabeverpflichtung von 2 Millionen belastet. Unsere derzeitige Steuergesetzgebung belastet ferner die größeren Kapitalien, ohne Rücksicht darauf, welchem volkswirtschaftlichen Zweck sie dienen, unterschiedslos relativ hoch. Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden, denn nach dem Grundsatz der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit soll und muß der Kapitalist stärker zur Steuer herangezogen werden, und zwar auch sogar relativ stärker bei progressiver Besteuerung, als der Nichtkapitalist, aber in der Art und in dem bis zur Uebertreibung ausgedehnten Maße, wie unser gegenwärtiges Steuerwesen es tut, muß eine steuerliche Ungerechtigkeit gegen die Kapitalisten erblickt werden, ganz abgesehen davon, daß ein derartiges Heranziehen auch den Vermögensstamm angreift, den Ertrag der Steuer herab mindert, und somit geradezu zweckwidrig wirkt; doch davon später! Zunächst mögen noch zwei Beispiele die Ungleichmäßigkeit und Un gerechtigkeit unseres derzeitigen Steuerwesens dartun: Legt jemand 100000 M. in einer mündelsicheren Hypothek an, so ist er gezwungen, stets die ganzen 100000 M. als Vermögen anzugeben. Kauft er sich dagegen für 100000 M. Maschinen und verschafft sich hiermit vielleicht noch größere Einnahmen als ein Hypothekenbesiher, so hatte er bisher das Recht, durch jährliche Abschreibungen diesen Teil seines Vermögens verschwinden zu lassen. Wenn jemand Jndustriepapiere besitzt, so muß er sein Vermögen auf Grund der am Stichtage notierten Börsenkurse angeben, und es kann passieren.