30 stellen, daß, abgesehen von einzelnen Werken, die nationale Bedeutung haben, all diese Gegenstände in der jetzigen Zeit für unsere Volks wirtschaft ohne Bedeutung sind. Wenn nun die Regierung kluger weise den Besitzern dieser Sachen sagen würde: „Gebt mir eure Juwelen usw., ich zahle euch dafür die Tageswerte mit der gleich zeitigen Garantie, daß der gezahlte Betrag steuerfrei bleibt," so könnte die Regierung diese Juwelen usw. mit Vorteil an das Aus land liefern und damit sehr rasch eine enorme Besserung der Valuta herbeiführen, was sicherlich im Interesse der deutschen Volkswirtschaft liegt. Wenn die Regierung aber vorher erklärt, daß sie von diesem Besitz 70 bis 80 Prozent wegsteuern will, so wird selbstverständlich jeder es vorziehen, die Sachen zu behalten. Man sieht also, daß durch die gegenwärtige Steuerpolitik, die das Kapital, das Vermögen in seinem Stamm angreift, der Anreiz zu Steuerhinterziehungen in mehr als gefährlichem Maße gegeben ist. Das führt naturgemäß dazu, daß die Steuer in ihrem Ertrag weit hinter den Veranschlagungen zurückbleibt. Es wäre deswegen besser, große Einkommen zunächst, wenigstens zu einem Teil, unbesteuert zu lassen. Eine solche Forderung hört sich zuerst zwar vielleicht un geheuerlich an, und ihre Berechtigung und volkswirtschaftliche Zweck mäßigkeit wird — leider — von der Masse des Volkes kaum einge sehen werden. Wer aber heute einmal einen Einblick in die Verhältnisse von Personen getan hat, die mehr oder weniger viel verdienen, der weiß, daß die jetzigen Konfiskationssteuern eine sehr unglückliche Wirkung haben. Besonders bei kleineren, vielleicht aber auch bei manchen größeren Unternehmen werden vielfach Geschäfte über Konto „Rocktasche" gemacht, also Geschäfte, bei denen dem Staat die Steuer entgeht. Das ist aber noch nicht das schlimmste; viel schlimmer ist vom Standpunkt der Volkswirtschaft aus, daß diese Konfiskations steuern nicht nur keine Veranlassung sind, Kapital zu ersparen, sondern ganz im Gegenteil, das Kapital dazu reizen, seine Ergebnisse in An sprüche umzusetzen. Wie oft hört man z. B. heutzutage die Redensart: „Ich gehe diesen Sommer mit meiner Familie ins Bad. Es kostet zwar 80 M. pro Person täglich, aber in Wirklichkeit kostet es eigent lich nur 40 M., denn wenn ich das Geld spare, so wird mir ja doch die Hälfte weggesteuert." Mit genau derselben Begründung werden alle möglichen Luxusartikel angeschafft, die dadurch im Preise in die Höhe getrieben werden, und gleichzeitig wird das eigentliche