63 Arbeit vom Staate rücksichtslos weggesteuert wird?! Es ist aber die Aufgabe jeder wahren Staatskunst, sich der Steuerpolitik nicht nur als eines Mittels zu bedienen, wodurch der Geldbedarf des Staates gedeckt wird, sondern die Steuern sollen auch der Volkserziehung, der Schärfung des Volksgewissens, der Hebung der all gemeinen Moral dienen. In dieser Hinsicht aber glaube ich meinem System Vorzüge zuschreiben zu dürfen, um derentwillen es Annahme finden müßte, auch wenn es selbst in manchem materiellen Punkte schwache Stellen zeigen sollte. Es dürfte jedoch der Beweis erbracht sein, daß sich bei diesen Steuerarten Vorteile materieller und ideeller Art harmonisch miteinander vereinigen. Nichts ist schädlicher für die Moral, als Schulden zu haben und keinen Weg vor sich zu sehen, aus dem man zu einer ordentlichen Tilgung seiner Verpflichtungen gelangen kann. Wer aber seine Schulden bezahlt, verbessert nicht nur seine äußeren Güter, sondern er verbessert sich selbst, und darum ist es eine hohe Ausgabe, die Straße zu ebnen, auf der eine Abzahlung der Schulden ohne allzu große Mühe ermöglicht wird. Das deutsche Volk, dessen Gemütsverfassung offenbar im Augenblick stark erschüttert ist, wird sich erst dann wieder aus sich selbst besinnen, seine alte Tüchtigkeit und Strebsamkeit entfalten können, wenn es eine Zukunft vor sich sieht, in der jedem einzelnen wieder die Möglichkeit eröffnet wird, durch Fleiß und Sparsamkeit zu einem ruhigen und gesicherten Dasein zu gelangen! Denen, welchen meine vorstehenden Gedanken der Neuordnung unseres Steuerwesens vollkommen absurd erscheinen, rufe ich — viel leicht gleichzeitig mir selbst zum Troste, für den Fall, daß meine Schrift einen Mißerfolg haben wird, — das Wort zu: „Neue Ideen werden in der Regel zunächst verlacht, dann bekämpft und schließlich für selbstverständlich gehalten!"