89 dem Bericht x ) des Dolmetscheraspiranten Tigges beim deut schen Konsulat in Kanton über die Geldverhältnisse in Woutschou, einer Stadt von 60—80 000 Einwohnern an der Mündung des Fuflusses in den Westfluß, die den Ruf hat, der Haupthandelsplatz und der reichste Ort der Provinz Kuangsi zu sein. ,,In Woutschou sind hauptsächlich Kanto- ner 20 Centstücke und Hongkonger 10 Centstücke im Um lauf; Silberdollars und Notengeld sind wenig bekannt. Im Binnenland ist Bargeld selten; die Landleute pflegen gegen ihre Bodenerzeugnisse Waren — hauptsächlich Baumwoll- waren —■ eänzutauschen; der Geldverkehr zwischen Wout schou und Kanton-Hongkong wird durch chinesische Ban kiers in Futschan und Kanton vermittelt," Nach derselben Quelle ist die Stadt Woutschou das natürliche Zentrum des Handelsverkehrs für Kuangsi, Kueitschou und das nordöst liche Yünnan, ein Gebiet, das etwa der Bodenfläche des Deutschen Reiches gleich kommt; alle nach Kanton und Hongkong führenden Handelsstraßen dieser großen Land flächen vereinigen sich in Woutschou. Gegenüber diesen Verwicklungen, mit denen der kleine Binnengeldverkehr Chinas zu rechnen hat, erscheint der Silbergroßverkehr der Hafenstädte als relativ einfach ge staltet, Bei ihm handelt es sich um drei Schwierigkeiten, die jedoch von dem Chinesen nicht als solche empfunden wer den, da ihm die erforderliche Technik geläufig ist und sich aus den Schwierigkeiten für ihn dauernd Gewinngelegen heiten ergeben. Die erste Schwierigkeit besteht darin, einen bestimmten Betrag in der entsprechenden Menge Silbers auszuzahlen: der Betrag muß gewogen werden, sofern man sich nicht mit ausländischen Silbermünzen behilft, die dann aber nur als feststehende, bereits bequem abgeteilte Mengen Silbers gelten. Letzteres geht soweit, daß man die Münzen zerbricht, um einen entsprechendenTeilbetrag zu bekommen, und daß vielfach die Münzen nicht auf ihre Prägung hin ge nommen werden, sondern stückweise einer Nachprüfung unterliegen, wobei Gewicht und Feinheit von den chinesi schen Probierern darauf vermerkt werden. Die Münzen wer den „geschopt“. Die Europäer untereinander nehmen natür- 1) Bericht über Handel und Industrie, Bd. 14, Heft 6, Mai 1910.