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        <title>Über asiatische Wechselkurse</title>
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            <forname>Walter</forname>
            <surname>Mahlberg</surname>
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        </author>
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            <idno>1014023343</idno>
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        <pb n="3" />
        ﻿Über

asiatische Wechselkurse

von

Dr. WALTER |MAHLBERG

Professor der Privatwirtschaftslehre an der Handels-Hochschule München

Mit 28 Diagrammen

2.	(Titel-) Auflage

1920

G, A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, Leipzig
        <pb n="4" />
        ﻿KJ*- y.

A. Inhaltsübersicht.

Vorwort

Seite 1—2

I.	Allgemeiner Teil.

1.	Einleitung: Die Bezeichnung der Kurse. — Historischer

Überblick.— Abwälzung des Kursrisikos im asiatischen Ver-
kehr, — Wechselkurse und Wirtschaftsverfassung. — Kurs-
charakter und Umfang der Edelmetallbewegung. — Bisherige
literarische Behandlung..................Seite 3—10

2.	Gemeinsame äußere Erscheinungen der asiatischen

Kurse: Inländische und ausländische Veröffentlichungsformen.
— Die Herkunft der Notizen und der Nachrichtendienst von
Asien her. — Das P ehlen von Original-Mark-Notizen. — Die
Quellen der untersuchten Kurse. — Die Notierungsform. —
Der Spiegelbildcharakter der direkten langen und der indirekten
langen Sicht. — Die Einteilung der asiatischen Wechselkurse:
Ankauf- und Verkaufraten und deren Marge. Bank-Paper und
Private-Paper. — Qualität des Wechselmaterials und Preisbil-
dung. -r Größe der Preisstufen .	.	.	. Seite 10—28

3.	Die angewandte Diagrammtechnik: Einheitlicher Maßstab

für die Kölner Wechselkursdiagramme. — Die Reduzierung
auf Goldeinheiten von J. Fr. Schär. — Einheitsmaßstab und
Wechselkursdreieck. — Die graphische Behandlung der Silber-
wechselkurse. — Das ungeheuerliche Größenverhältnis zwischen
Goldwechselkurs- und Silberwechselkursschwankungen. — Die
Beziehung der Mark t. t.-Notiz auf den Londoner Silberpreis.
— Der gleiche Abstand verschiedener Wechselkurse eines Sil-
berplatzes von der zugehörigen Parität	Seite 28—38

II.	Die asiatischen Wechselkurse im einzelnen.

1. Der indische Wechselkurs: Die Geldeinheit von Britisch-
indien. — Das pantopolische Moment in der indischen Wäh-
rungsgeschichte. — Der heutige Zustand. — Indiens Gold-
punkte und Goldbewegung. — Der Silberverkehr. — Die Edel-
metall-Thesaurierung. — Die Stellung des Indian-Council im
Wechselmarkt (mit einer graphischen Darstellung). — Unter-
        <pb n="5" />
        ﻿schied der t. t.-Notizen in Bombay und Kalkutta.— Derindische
Kurszettel. — Der Kursverlauf während der untersuchten
Periode. — Die Wirtschaftslage. — Außenhandelszahlen und
Wechselkurs. — Die englisch-indische Zinsdifferenz und die
Wechselkurse.............................Seite 39—57

2.	DerW echselkurs von Singapur: Die Wirtschaftsgeographie
der Straits Settlements. — Die Währungsgeschichte der Straits.
— Wirkung der Währungsreform. — Regelung der Gold-
bewegungen durch die Regierung. — Organisation des Singa-
purer Fremdwechselmarktes. — Der Kurszettel von Singapur.
— Kursniveau und periodischer Verlauf. — Jahresdurch-
schnittskurse und Verhältnis von Einfuhr zur Ausfuhr. —
Die Wirtschaftslage. — Die Zinsdifferenz London-Singapur.

Seite 58—69

3.	Der japanische Wechselkurs: Grundlagen der japanischen
Devisen-Notierung. — Die Tätigkeit der Regierung im Devisen-
verkehr. — Die Zahlen der Zahlungsbilanz des japanischen
Finanzministers. — Der Kurszettel von Yokohama. •—- Die
Stabilität des japanischen Wechselkurses. — Die Kursdurch-
schnitte und die Salden der Waren- und Metallbewegung. —
Die Zinsraten der Bank von Japan. — Die Wirtschaftslage.

Seite 69—76

4.	Der Silberhandel; Umfang und Verbreitung der Silber-

produktion. — Organisation des Effektiv- und Terminhandels
in Silber. — Technik des Londoner Silberverkehrs. — Die
Spesen in London. — Londoner Kursberichte. — Das Silber-
geschäft in Indien und China. — Die Preisbildung im inter-
nationalen Silbermarkt. — Der parallele Verlauf der Preis-
kurven für Silber, Zinn, Blei, Kupfer und Eisen seit 1891. —
Silberpreis, Diskont und Konjunktur. — Die Hamburger Parität
der Londoner Silbernotiz.................Seite 76—87

5.	Die Wechselkurse von Hongkong und Schanghai: Die
Währungsverhältnisse im chinesischen Binnenverkehr. — Die
Schwierigkeiten im Silbergroßverkehr der Hafenstädte und die
geplante Währungsreform. — Geldeinteilung und Geldumlauf.
— Die Parität der Wechselkurse von Hongkong und Schanghai.
— Chinesische Kurszettel. — Wechselkurs und Silberpreis. —
Das Agio der Hongkong t. t.-Notiz. — Die Abweichungen
der Wechselkurse vom Silberpreis. — Die Parallität dieser
Abweichungen zum umgekehrten V erlauf desSilberpreises. —
Die Wirkung der Kursspekulationen. —Verschiebungen in der
Paritätsstellung seit 1893. — Valuta-Schwankung und Außen-
handel. — Die Croßrate Hongkong-Schanghai. — Hongkong-
        <pb n="6" />
        ﻿Dollar und Mexican-Dollar. — Chinas Import- und Export-
punkte für Edelmetall.—■ Die Wirtschaftslage. — Waren- und
Metallbewegung. - -Nativeinterest in Schanghai über bezw. unter
Londoner Marktdiskont...............Seite 88—126

6.	Der Unterschied zwischen Mark- und pence-Notiz
in Asien: Die tatsächlich geltenden Markreduktionen. — Die
Parität der Dreieckskurse.—Direkte deutsch-asiatische Wechsel-
kurse. — Der Begriff des Einheitswechselkurses für jede Volks-
wirtschaft. •— Silberwechselkurse und Einheitskurs.

Seite 126—130

7.	Die Kurz-lang-Spannung im asiatischen Verkehr;

Die Marge zwischen Ankauf und Verkaufsätzen als Fehlerquelle.
— Die Posttage. — Die Kurz-lang-Differenzen der einzelnen
Plätze in 1910 und deren Verhältnis zu den asiatischen und
europäischen Diskontsätzen. — Die Anwendung des „aus-
ländischen“ Privatdiskonts u. das Valuta-Risiko. — DerWechsel-
zinsfuß im Verkehr nach Asien .	.	. Seite 130—135

III. Schlußbemerkungen: Das Zurücktreten der internationalen
Zinsdifferenz als Kursmaßstab. — Die Beeinträchtigung der
Preisbildung. — Die Übereinstimmung der Kurse der Deutsch-
Asiatischen Bank und der Hongkong &amp; Schanghai-Banking-
Corporation. — Die Vernachlässigung der deutschen Valuta.

Seite 136-138

B. Verzeichnis der Diagramme.

Nr. 1 — 4
Nr. 5—8
Nr. 9—12
Nr. 13-16
Nr. 17—20

Nr. 21—24

Nr. 25—28

Wechselkurs von	Indien	1907—1910

„	,.	Singapur	1907—1910

„	,,	Japan	1907-1910

„	Hongkong	1907—1910

„	„	Schanghai	1907—1910

(Abweichung derWechsel- 1
kurse vom Silberpreis in 11907—1910
Hongkong und Schanghai J

(Differenz Kurz-lang in |

Singapur, Japan, Hong- &gt; 1910
kong, Schanghai |

Alle Rechte sind Vorbehalten.
        <pb n="7" />
        ﻿Vorwort.

Die Anregung zu der Arbeit, die als Habilitationsschrift
für das Fach der Privatwirtschaftslehre an der Handels-
Hochschule Cöln verfaßt ist, verdanke ich dem liebenswür-
digen Rate meines verehrten Lehrers, Herrn Professor
Schmalenbach von der Handels-Hochschule Cöln, dessen
Untersuchungsreihe ausländischer Wechselkurse damit
fortgesetzt wird. Ihm und Herrn Professor Dr. Wieden-
feld von der gleichen Hochschule bin ich auch für manchen
sachlichen Ratschlag zu Dank verpflichtet.

Durch die sehr freundliche Vermittlung der Herren
Professor Dr. Wiedenfeld und Freiherr S, Alfred v. Oppen-
heim, in Firma Sal. Oppenheim jr. &amp; Co., Cöln, und durch
das überaus bereitwillige Entgegenkommen der Niederlas-
sungen der Deutsch-Asiatischen Bank in Berlin, Kalkutta,
Singapur, Schanghai, Hongkong und Yokohama war es dann
möglich, einen großen Teil des Tatsachenmaterials zu be-
schaffen. Für ihre tatkräftige Hülfe sage ich verbindlichen
Dank.

Dank schulde ich auch sonst manchem treuen Helfer
hier, in Amsterdam, in London und an asiatischen Plätzen,
ganz besonders aber Herrn Bankdirektor M. Gutschke, Kal-
kutta, dessen sachkundige Darlegungen die Untersuchung
wesentlich gefördert haben. Endlich darf ich meines
Freundes, des Herrn Abteilungschefs Adalbert E. Myrrhe,
Cöln, gedenken, dessen dankenswerte Unterstützung mir
schwer zu erlangendes Zahlenmaterial zugänglich gemacht
hat.

Mahlberg, Asiatische Wechselkurse.



1
        <pb n="8" />
        ﻿2

Bei der Drucklegung der Arbeit waren mir die von den
Herren Rezensenten Dozent Harzmann, Professor Schmalen-
bach und Professor Walb vorgebrachten wertvollen Erwei-
terungs- und Änderungsvorschläge außerordentlich nützlich;
ich darf deshalb den Herren auch an dieser Stelle ganz be-
sonderen Dank aussprechen.

Die Untersuchung beruht neben Literaturbenutzung auf
den Ergebnissen ausführlicher Rundfragen und der Ver-
arbeitung von etwa 47 000 Originalkursen oder Umrech-
nungen.

Walter Mahlberg.
        <pb n="9" />
        ﻿I,	Allgemeiner Teil.

1,	Einleitung.

Die Wechselkurse einer Reihe asiatischer Plätze —
Hongkong, Schanghai, Singapur, Yokohama, Kalkutta und
andere mehr — auf L o n d on bezeichnet man als asiatische
oder ostasiatische Wechselkurse, Diese Benennung ist nicht
ganz richtig, da unter dem Namen asiatische Wechselkurse
nicht nur die London-Kurse, sondern sämtliche Kurse
der genannten Plätze auf alle Länder bezw. Plätze der ganzen
Welt, vor allem auch die sehr wichtigen Wechselkurse der asia-
tischen Plätze untereinander zu begreifen sind. In Wirklich-
keit liegen die Verhältnisse aber so, daß im Verkehr mit
Europa nur den asiatischen Wechselkursen auf London eine
größere Bedeutung zukommt; die ungenaue, historisch leicht
zu erklärende Namengebung entspricht also noch immer der
Lage der Dinge, Dementsprechend wird in der vorliegenden
Arbeit hauptsächlich von den London-Kursen Asiens und im
Zusammenhang damit von den asiatischen Kursen auf
Deutschland die Rede sein.

Wie wenig genau man es mit dem Namen nimmt, geht
auch daraus hervor, daß die Kurse vielfach als o s t asia-
tische 1) Kurse bezeichnet werden, trotzdem nur ein Teil der
notierten Plätze im eigentlichen Ostasien liegt.

Die asiatischen Kurse weisen bereits äußerlich eine
Reihe von Eigentümlichkeiten auf, die sie von anderen
Wechselkursen unterscheiden. Da ist zunächst der Um-
stand, daß man nur selten den Kurs eines einzelnen Platzes

1)	So u. a. Hamburger Neueste Nachrichten, Hamburgischer Cor-
respondent, Sonndorfe r, Die Währungsreformen in Ostasien und
Ostafrika, Zeitschrift f. Handelswissenschaft und Handelspraxis, II, Jahr-
gang, Heft 10, Hanisch, Rothschilds Taschenbuch, 1910, Seite 796.
        <pb n="10" />
        ﻿4

antrifft, etwa in der Presse oder in der Literatur, sondern
daß die Kurse aller in Frage kommenden Plätze stets in
ihrer Zusammenfassung als asiatische Wechselkurse auf-
treten. Ein Grund, die asiatischen Notierungen zu einer
einheitlichen Gruppe zusammenzufassen, liegt darin, daß
die Kurse bis vor wenigen Jahren sämtlich auf Silber basiert
waren und als Silberkurse den Goldvaluten der übrigen
Welt gegenüberstanden. Begünstigt wurde die Gruppen-
bildung weiter durch den Umstand, daß die asiatischen
Wechselkurse nicht wie andere Wechselkurse unmittelbar
zu uns gelangen, sondern den Umweg über London machen
und von dort als geschlossene Gruppe der „rates on the far
East" nach Deutschland kommen.

Für Deutschland sind die Kurse deshalb merkwürdig,
weil an keinem der asiatischen Plätze Originalkurse auf
Deutschland notiert werden, sondern die drüben in Geltung
befindlichen Sätze durch Verrechnung der asiatischen No-
tizen auf London mit dem deutsch-englischen Wechselkurs
zustande kommen. Und selbst diese Sätze gelangen nicht
nach Deutschland, vielmehr verstehen sich sämtliche in
deutschen Zeitungen veröffentlichten Wechselkurse in eng-
lischer Währung, also in pence für die asiatische Einheit,
oder es sind in Deutschland vorgenommene Markumrech-
nungen der nach London gekabelten pence-Notizen, sodaß
wir im Zahlungsverkehr mit Asien völlig auf Notierungen
des Auslands auf das Ausland angewiesen sind.

Ein gemeinsames Merkmal der asiatischen Wechsel-
kurse gegenüber den uns geläufigeren europäischen Kursen
ist auch in dem Fehlen von Gegenkursen zu sehen. Wäh-
rend sich sonst der Wechselkurs an den Devisenmärkten
beider beteiligter Länder zu bilden pflegt, kommen die asia-
tischen Wechselkurse lediglich drüben zustande, sodaß stets
eins der jedesmal beteiligten Länder, und zwar praktisch
England, als unmittelbarer Faktor ausscheidet und die
Wechselkurse in gewissem Sinne einseitig festgesetzt wer-
den. Bei der Eigenart der Wechselpreisbildung, die in der
Weise sich vollzieht, daß Angebot und Nachfrage desselben
Objekts im Inland, im Ausland und noch einmal zwischen
Inland und Ausland gemessen werden, würde — zumal bei
        <pb n="11" />
        ﻿5

der besonderen Art des europäisch-asiatischen WechselveSr-
kehrs — in der einseitigen Preisbildung theoretisch alles
andere als ein Mangel liegen, praktisch zeitigt diese nach
unseren Maßstäben unvollkommene Organisation der Preis-
bildung jedoch Unzuträglichkeiten. Nach Swoboda1)
werden in der Royal Exchange in London außerhalb des
offiziellen Börsenkurszettels von anderen Plätzen häufig
notiert;

Bombay, Madras und Kalkutta in	Pence	für	1	Rupie,

Singapur	„	„	„	1	Dollar,

Hongkong	„	,,	„	1	Dollar,

Schanghai	,,	,,	„	1	Tael.

Abgesehen von der geringen Bedeutung der Royal Ex-
change lind davon, daß die gewöhnlich bei englischen Wechsel-
kursen nicht übliche „direkte“ Notierung bereits gegen allzu
große Selbständigkeit der Notiz spricht, weiß man an den
meisten Plätzen des Ostens von den Notierungen der Royal
Exchange nichts und streitet ihr außerdem übereinstimmend
jede Bedeutung oder Selbständigkeit für die Preisbildung
ab. Das gilt auch für die von Sonndorfer1 2) erwähnte
Londoner Notierung britisch-ostindischer Plätze.

Die Wechselkurse werden in Asien nicht offiziell no-
tiert, ein börsenmäßiger Verkehr findet nirgends statt. Sämt-
liche veröffentlichten Notizen sind private Preisangaben von
Banken oder Maklern, Der Umsatz vollzieht sich überall
nur von Bank zu Bank durch Vermittlung von Maklern.

Faßt man den Werdegang des asiatischen, insbesondere
des ostasiatischen Geschäfts ins Auge, so ergibt sich daraus
der Ursprung der Unterschiede zwischen asiatischen und
europäischen Wechselkursverhältnissen. Während die Han-
delsbeziehungen etwa zwischen Frankreich und Deutsch-
land sich von jeher beiderseits auf eine breite Grundlage
stützten, ist der Handelsverkehr mit dem Osten aus dem
Filialbetrieb an den wenigen, den Fremden geöffneten
Hafenplätzen entstanden. Ein direkter Verkehr zwischen
nur in Europa ansässigen Firmen und eingeborenen Händ-

1)	Swoboda, Arbitrage, 13. Aufl.

2)	Sonndorfer-Ottel, Lehrbuch der internationalen Handels-
kunde. Wien und Leipzig (Alfred Holder) 1912. S. 56.
        <pb n="12" />
        ﻿6

lern in Asien war nicht vorhanden, vielmehr handelte es
sich zwischen Europa und Asien zunächst immer nur um
den Verkehr zwischen europäischem Stammhaus und Aus-
landsniederlassung, Für diese Beziehungen war aber kein
Bedürfnis nach Wechselkursen gegeben, letzteres äußerte
sich vielmehr nur im Verkehr der Niederlassungen mit ihren
dortigen asiatischen Geschäftsfreunden, und die dabei sich
ergebenden Wechselkurse- waren anfangs lediglich Münz-
umwechslungskurse. Wenn auch heute noch die asiatischen
Wechselkurse bei vielen unbewußt die Vorstellung von Sor-
tenkursen erwecken, so liegt das wohl an geringem Ver-
trautsein mit den asiatischen Geschäftsbeziehungen; tatsäch-
lich sind es heute Wechselkurse wie alle anderen, also
Preise für Auslandsguthaben, und daneben steht das für
Europa nicht in Frage kommende Sortengeschäft. Je mehr
nämlich das Filialsystem nachließ und die Fremdenfirmen
im Osten von Europa unabhängig wurden, und je mehr, als
neueste Entwicklung, der direkte Verkehr zwischen asiati-
schen Importeuren und europäischen Exporteuren an Be-
deutung gewann, um so mehr ließ der Sortencharakter der
in Frage stehenden Kurse nach, sodaß es sich heute durch
das gleichzeitige Dazwischentreten der Überseebanken bei
den asiatischen Notizen auf Europa nur noch um Bewertun-
gen von Forderungen zwischen Asien und Europa handelt.
Eine Sonderstellung nehmen in diesem Zusammenhang die
chinesischen Kurse ein, da deren Gestaltung noch durch
eine Art Sortenspekulation beeinflußt wird, ohne jedoch im
Grundsatz ihren Charakter zu ändern.

In einem Punkte dagegen hat sich eigentlich nichts
gegen die früheren Verhältnisse geändert. Das ist der Um-
stand, daß auch heute noch regelmäßig nur der asiatische
Kontrahent ein Interesse an der Gestaltung der Wechsel-
kurse hat. Der europäische Asien-Exporteur pflegt nämlich
den Gegenwert seiner Verschiffungen nicht in ausländischer,
also asiatischer, sondern in einer europäischen Währung zu
entnehmen . Meistens ist das einstweilen noch die eng-

1) Siehe u. a. Wilh, Friedrich. Die Technik des Zahlungsver-
kehrs im Export mit China, Zeitschrift für handelswissensch. Forschung
IV, 340.
        <pb n="13" />
        ﻿7

lische Pfund-Währung. Dabei wird der Kurs, zu dem der
Bezogene die Abgabe einzulösen hat, durch Zusätze in der
Tratte festgelegt, die etwa so lauten:	. . Jl 1410 zahlbar

zum Ziehungskurse der Deutsch-Asiatischen Bank, Schang-
hai, für deren Sichtwechsel auf Hamburg, zuzüglich Zinsen
zum Satze von 7°/0 für das Jahr von heute bis zum wahr-
scheinlichen Ankunftstage des Gegenwerts in Hamburg."
Damit wird das Wechselkurs-Risiko auf den asiatischen
Kontrahenten abgewälzt. Auch in der entgegengesetzten
Verkehrsrichtung läßt der hiesige Importeur asiatischer
Waren ganz selbstverständlich nur in europäischer Wäh-
rung auf sich ziehen und wird dadurch den Kursschwankun-
gen gleichfalls entrückt. Diese eigenartigen Verhältnisse,
die in der historischen Entwicklung, verbunden mit der Vor-
machtstellung des Europäers und in den ungeheuerlichen,
dem europäischen Geschäft nicht geläufigen Schwankungen
der Silber-Wechselkurse begründet sind bezw, waren, er-
klären das gänzliche Fehlen eines Gegenmarktes und die
vollständig private Organisation der Wechselpreisbildung in
Übersee.

Hinsichtlich der Wirtschaf tsverfassung beziehen sich die
asiatischen Wechselkurse auf außerordentlich verschieden-
artige Verhältnisse, sodaß der Zustand der wirtschaftlichen
Entwicklung bei der Beurteilung der Wechselkurse beson-
ders berücksichtigt werden muß. Das bezieht sich nament-
lich auf die Bedeutung, die die Wechselkurse für das Wirt-
schäftsganze aufweisen. Da die Grundlage der Wechsel-
kurse die internationalen Schuldverhältnisse sind und diese
zum wesentlichsten Teil durch den effektiven Außenhandel
entstehen, so vermag die Höhe der auf den Kopf der Be-
völkerung reduzierten Ein- und Ausfuhr die Bedeutung dar-
zutun, die einLand an der Gestaltung der Wechselkurse hat.

Die nachfolgende Tabelle x) gibt hierüber Aufschluß:

1) Die Angaben der Tabelle sind entnommen aus Statistical Ab-
stract of the United Kingdom, Stat, Abstract for the foreign. countries
und Stat. Abstract for the colonies.
        <pb n="14" />
        ﻿8

Durchschnitt der Jahre 1905—09	Bevölkerung in Millionen	Ein- und Aust, in Millionen £	Ein- und Ausf. auf je 1000 Ein- wohner in £
Deutschland .	.	62,2	708,1	11384
England ....	44,1	984,6	22327
Frankreich ,	.	.	39,2	440,1	11228
Ver. Staaten von Nord-Amerika ,	85,8	611,2	7123
Indien ....	306,7	235,0	766
Japan ....	48,7	87,7	1801
Straits Settlements	0,7	70,6	10085
China ....	300 ')	101,3	337

Die Ziffern für die Straits Settlements treten aus dem
hier gezogenen Rahmen heraus, da der ■— hauptsächlich auf
den Hafen Singapur entfallende — Außenhandel in diesem
Zusammenhang größtenteils als Umschlagsverkehr anzu-
sehen ist 1 2).

Endlich ist an dieser Stelle noch auf einen Punkt kurz
einzugehen, dem bei einer Betrachtung der asiatischen
Wechselkurse besondere Bedeutung beigelegt werden muß.
Das ist die Frage der Edelmetallbewegung. Die Meinung
über den Zahlungsverkehr Asiens lautet vielfach dahin, daß
dort die Versendung von Bargeld größeren Umfang habe als
in den in dieser Beziehung wirtschaftlicher organisierten
Staaten Europas. Die nachstehenden Zahlen gehen hierauf
näher ein, Die Edelmetallbewegung (Einfuhr und Ausfuhr)

1)	Nach Professor Rathgen, Hamburg.

2)	Deutsches Handelsarchiv 1910, II, Bericht des Generalkonsulats
Singapur für 1908 ; „Die Straits Settlements sind weder ein Gebiet mit
einem großen Eigenverbrauch von europäischen Waren, noch ein Pro-
duktionsgebiet, sondern in der Hauptsache Verteilungsplatz für die
Waren europäischer Herkunft für die malaiische Halbinsel, den malai-
ischen Archipel und einige andere Nachbarländer, sowie Stapelplatz
für die Produkte der genannten Gebiete j jeder hier gehandelte Artikel
ist daher Ein- und Ausfuhrartikel zugleich. Der Handel der Kolonie
kann also überhaupt als Durchfuhrhandel angesprochen werden, bezüg-
lich der europäischen Waren allerdings nur insoweit, als sie von hier
aus wieder ausgeführt werden, bezüglich der aus den umliegenden Ge-
bieten stammenden Produkte aber durchweg.“
        <pb n="15" />
        ﻿9

stellte sich in Prozenten vom Gesamtaußenhandel im Durch
schnitt der Jahre 1905—1909	wie folgt:

	Gold	Silber
Deutschland ....	2,9 o/o	0.4 o/o
England 		9.3 „	2.9 ,.
Frankreich ....	6.8 „	3.2 „
Ver. Staaten von		
Nordamerika2) .	.	5.1 „	2.8 „
Indien		6.9 „	6.1
Straits Settlements	2.3 „	3.8 „
	Gold	und Silber
China			10.1 o/o

Japan 9)

6.2 „

Bei einem Vergleich sind gegenüberzustellen die Gold-
ziffern der 4 ersten Staaten und Gold und Silber für China
und Japan, während für Indien und die Straits eine Zusam-
menfassung beider Metalle, wie später darzulegen ist, nur
bedingt erfolgen kann. Die 4 ersten Silberziffern geben einen
Maßstab für die Silberbewegung Indiens. Die Silberziffer
der Straits ist durch die in dieser Zeit vor sich gehende
Währungsreform so groß. Für China ist in diesem Zusam-
menhang kein Unterschied zwischen Gold und Silber zu
machen.

Das Ergebnis der Berechnung stützt die erwähnte Mei-
nung von den relativ starken Edelmetallbewegungen im
asiatischen Verkehr nicht in dem Maße, wie man wohl er-
wartet hätte. Für China trifft die Meinung jedenfalls zu,
auch von Indien kann man sagen, daß seine Goldzahl von
nahezu 7% des Außenhandels unter Berücksichtigung des
außerdem noch vorhandenen Silberverkehrs von 6,l°/0 sehr
hoch ist, während die Zahlen der Straits und Japans nicht
sonderlich von europäischen Verhältnissen abweichen,
Schwierigkeiten bei der Vergleichung macht übrigens die
Frage, welche der vier nichtasiatischen Goldzahlen der Ta-
belle als Maßstab genommen werden soll, England scheidet

1| Dieselben Jahre wie in Tabelle Seite 8 und Berechnung nach
den dort verzeichneten Quellen,

2)	Einschließlich Erze,

3)	Silber ohne Bedeutung,
        <pb n="16" />
        ﻿10

hierbei wegen seiner besonderen Stellung von vorneherein
aus. Zu beachten ist der geringe Goldverkehr Deutschlands.

Was die bisherige privatwirtschaftliche Behandlung
der asiatischen Wechselkurse angeht, so ist die Zahl der er-
schienenen Arbeiten nur gering; sie beschränken sich auf
die eigentlichen Währungsverhältnisse oder begnügen sich
damit, Kurszettel wiederzugeben und zu erläutern, die nicht
in allen Fällen asiatische Originale sind. Lediglich
Schmalenbach* 2) geht auch auf die Wechselkurse als
solche und auf ihre Grundlagen näher ein, ohne jedoch eine
durchgreifende Untersuchung anzustellen, während Ma-
nisch3 4) namentlich Paritätsberechnungen gibt.

2.	Gemeinsame äußere Erscheinungen der
asiatischen Kurse.

Die Formen, in denen die hiesigen Zeitungen die asia-
tischen Kurs-Notizen veröffentlichen, gehen aus der folgen-
den Zusammenstellung, die die wichtigsten deutschen und
einige ausländische Blätter umfaßt, hervor*).

Kölnische Zeitung (1, Morgenausgabe; Notiz tägl.).

Hamburg. Asiatische Wechselkurse. Tel, Transfers ; Bombay
1s 4d, Kalkutta 1s 4d, Hongkong 1s 97/isd. Schanghai 1s 46/ied.
Jokohama 2s r,/lRd. Singapore 2s 43/:ä2d. Manila 2s 5/ißd.

\

Außerdem bringt die Kölnische Zeitung seit Februar 1911
in ihrer Mittagsausgabe noch folgende Notiz, und zwar nur
dann, wenn sich die Kurse ändern:

11 Siehe die in den Fußnoten angegebene Literatur.

2)	Schmalenbach, Münzverhältnisse in Hinterindien und Ost-
asien, Deutsche Handelsschul-Lehrer-Zeitung 1904.

3)	Hanisch, Die Technik des Handels in Rothschilds Taschenb.

4)	Siehe auch Mahlberg, Die Nachrichtengrundlagen des De-

visenmarkts. Zeitschrift f. handelswissenschaftliche Forschung, 7. Jahrg,

S. 516 ff.
        <pb n="17" />
        ﻿11

Hamburg, 23. Febr, Asiat. Wechsel. (90 Tage Sicht): Hong-
kong (1s 1013/ied) 1,9474 Jl für 1 $. Schanghai (2s 6IB/if,d) 2,637a Jl
für 1 Tael. Tientsin (2s 87ied) 2,7674 M. für 1 Tael. Jokohama
u, Kobe (1s ll18/iad) 2,033/4 für 1 Yen, Singapore, Penang,
Malacca. Ipoh, Kuala Lumpur und Johore (2s 3'7i6d) 2,353/4 Jl
für 1 $. Bombay, Kalkutta, Madras, Colombo und Rangoon
(1s 33/id) 1,347b für 1 Rupie,

Kölnische Volkszeitung (Mittagsausgabe; Notiz

täglich),

Ueberseelsche Wechselprelse auf London.

Valparaiso, 16. Aug., 90 T. P, 106/s
Rio de Janeiro, 16. Aug.. 90T,P,165/i6
Singapore, 16. Aug,*), Sh. 2,43/sa
Penang, 16. Aug.*), Sh. 2,43/3a
Bombay, 16. Aug.’), Sh, 1.4

Kalkutta, 16. Aug.*), Sh. 1.4’/ss
Hongkong, 16. Aug,*), Sh. 1.93/s
Schanghai, 16. Aug."), Sh. 2.4°/ic
Jokohama 16. Aug.*), Sh, 2.0s/s
*) telegraphische Auszahlung.

Frankfurter Zeitung (1. Morgenblatt; Notiz tägl.).

m London, 5. März 4.02 N. Wechsel a. London (in sh u, d).

Bombay . I 1 sh 473s d I Calcutta . I 1 sh 41/sed I Honkong . IlshllVsd
Shanghai. 12 sh 83/s djSingapore |2 sh 41/ied| Yokohama12 sh Vad

Berliner Börsenzeitung (Morgenausgabe; Notiz

täglich).

— Kurse für telegraphische Auszahlungen.

Die Deutsch-Asiatische Bank, hier, empfing gestern
Drahtmeldungen folgender Kurse für telegraphische
Auszahlungen (telegraphic transfer) auf London bezw.
Deutschland: Schanghai 2 sh. 43/8 d. = 2,42 M,
Hongkong 1 sh. 93/b d, = I.sbV^ Singapore 2 sh.
47is d. = 2,397a Jl, Kalkutta 1 sh, 4 d. = 1,367s
Yokohama 2 sh. 3/b d. = 2,ob Jl,

Gelegentlich findet sich seit einiger Zeit hierbei auch
eine Notiz von Bangkok, so z. B. im März 1913 Auszahlung
auf London 1 sh 63/8 d = 1.561/* M,
        <pb n="18" />
        ﻿12

Hamburgischer Correspondent (Morgenaus-
gabe; Notiz täglich).

Ueberseeische Wechselkurse.

Ostasiatische Wechselkurse auf London.

(Telegramme der Hongkong &amp; Shanghai Banking Corporation.)

Tel. Transf,:
Bombay .	.

Calcutta . .
Hongkong
Shanghai .	.

Yokohama
Singapore .	.

Manila .	.	.

22.	21.
sh d	sh d
1 4	1 4
1 4*/sa	1 4'/oä
1 97/ie	1 9-Vs
2 4%	2 47/is
2 a/s	2 Vs
2 4s/sa	2 4V»,
2 Ve	2 Vs

4 Mt. Sicht:
Hongkong
Shanghai . .
Yokohama

3	Mt, Sicht;
Singapore

4	Mt. Sicht;

Manila .	.	,

22,	21.
sh d	sh d
1 97/s	1 9’V.e
2 5	2 415/.e
2 13Ae	2	‘»/.e
2 4%	2 4%
2 ‘»/ae	2	‘»/re

Außerdem bringt der Hamburgische Correspondent als ein-
zige deutsche Zeitung seit kurzer Zeit folgende Notizen:

Hongkong, 20. Februar. Wechselkurs auf London 4 Monat
Sicht Bankwechsel 24V8 d.

Shanghai, 20. Februar, Wechselkurs auf London 4 Monat
Sicht Bankwechsel 34Vs d,

Bombay, 21. Februar. Wechselkurs auf London 3 Monat Kredit-
billets 1 sh. 46/ie d.

Calcutta, 21. Februar. Wechselkurs auf London 6 Monat Kredit-
billets 1 sh, 416/aa d.

Die Hamburger Nachrichten bringen täglich
dieselbe Notiz der Hongkong and Shanghai-Bank und außer-
dem in ihren Warenmarkt-Preisberichten aus dem Osten
gelegentlich direkt übermittelte Kurse, z. B.;

Hongkong, 6. Januar.

Importen ;

Manchesterwaren ; Fest,

Shirtings 8‘A®.........4.40	$

22/24 Water Twist ....1.60	,,

28/32 Western Twist ..1.80	„

Shanghai, 6. Januar.

Importen;

Manchesterwaren: Ruhig.
Dewhursts Shirtings 8‘/i® 3.45 T
7 U Mexican T.-Cloths.. 2.50 „

Exporten:

Tee. Total-Export bis dato—8
Wechselkurs auf London 4Mt.
Bankwechsel 21 3/* d,

Exporten:

Seide; Fest.

Tsatless best chopNr.3 4.30TaeIs
Vorrat unverkaufter 2000 Ballen
Wechselkurs auf London 4 Mt,
Bankwechsel 287/s d.

Bombay, 7. Januar. Baumwollmarkt: Ruhig aber stetig.
Verschiffungen der letzten. Woche 16.000 Ballen.
Wechselkurs auf London 3 Mt, Kreditbillets 1 s 45/i» d.
        <pb n="19" />
        ﻿13

Calcutia, 7. Januar.

Rup, pr, Ball.	Rup. pr. Maund

Jute Cracks loko.....32s/« Ktr. | Leinsaat (kl, Saat).7%

do. Janr.-Verschiff.337s bz. Raps (braun, Patna).....—

Salpeter..pr. Maund 7% (Reis (Ballam).................47s

Wechselkurs auf London 6 Mt. Kreditbillets 1 » 47m d.

Fracht fest.

Für Bremen bringt die Weser-Zeitung täglich die
Notizen der Hongkong and Shanghai Banking Corporation
in derselben Form wie der Hamburgische Correspondent.

The Times (Notiz täglich).

MONEY MARKET.

FOREIGN EXCHANGES.

—	August 18.	August 19.	August 21,
Paris, cheques ....	25f. 267i-7'/*c.	25f. 26'U-l'iC.  3°/o	25f. 263/*-73/lC.
Do., Bank Rate . . .	3(’/o		3%
Do,, Mkt. Discount .	27%	27%	27%
Bombay, T.T		1s. 4d.	1s. 47‘jd,	1s. 4d.
Calcutta, T.T		!s. 4d.	1s. 4d,	1s, 47sd.
Hong-kong, T.T. . . .	1s, 97d.	1s. 97d.	1s, 93„d.
Shanghai, T.T	  Singapore, T.T		2s, 43«d.	2s. 47d.	2s. 47i«d.
	2s. 4ss2d.	2s. 47-d,	2s. 43s2d.
Yokohama, T.T. . . . Alexandria		2s. 07d.	2s. 07d.	2s. 07d.
	Pi. 973e	Pi. 97 7	Pi, 977
'Rio de Jan., 90 dys. "Valparaiso, 90 days.	16 1 l-64d.	16 ll-64d.	16 ll-64d.
Bank		107d.	10%2d,	lO'bed.
'B. Aires, 90 days . .	487d,	487d.	487d,
'Montevideo 90 dys .	517d.	517d,	517d.
‘These rates are telegraphed on the day preceding 1			reir receipt.

The following were the buying rates on the East
yesterday:—

Drawn on	Demand.	30 days’ sight.	60 days' sight.	90 days’ sight.
Bombay	Calcutta, 2	s. d.	s. d.	s. d.	s. d.
Colombo,	Madras |				
Karachi, and Delhi	1 4	1 3%e	1 327S2	1 33&lt;
Rangoon 	 '				
Yokohama and Kobe $	2 07	2 0&lt;8	2 0	1 117
	fl. c.	fl. c.	fl. c.	fl. c.
Batavia and Surabaya i	12 10	12 16	12 22	12 28
	s. d.	s, d.	s, d.	s. d.
Singapore and Penang $	2 4	2 316m	2 316io	2 311!«
Hong-kong		1 97	1 9	1 87	1 87
Shanghai 		2 4sio	2 4	2 313m	2 37
Tientsin . , ,	1 5llie	2 57	2 5üiß	2 5&gt;,
        <pb n="20" />
        ﻿14

L e T e m p s (Notiz täglich).

Londres, 18 aoüt.

Changes: Calcutta 1 sh. 4 den.; Bombay 1 sh, 4 den.;
Hong-Kong 1 sh. 9 3/8 d,; Shanghai 2 sh. 4 3/8 d.;

Yokohama 2 sh. 0 3/8 den.; Valparaiso 10 3/4 den.;
Singapour et Penang 2 sh. 4 3/32 den.

Außerdem findet sich in der Spalte „Cours du Paris"
dieser Zeitung noch folgende Notiz:

Saigon; piastres com' 2 42,/,

Nach der Herkunft lassen sich drei Arten von Notizen
unterscheiden. Ein Teil der Zeitungen wird, wie ausdrück-
lich dabei erwähnt ist, von der Deutsch-Asiatischen Bank,
Berlin, ein anderer Teil von der Hongkong &amp; Shanghai Ban-
king Corporation, Filiale Hamburg, regelmäßig mit den asia-
tischen Notizen bedient. Eine dritte Gruppe bezieht die
Kurse direkt oder indirekt von Reuters Büro in London;
Frankfurter Zeitung, Kölnische Volkszeitung, Le Temps, Die
Notizen der Kölnischen Zeitung für Auszahlungen rühren
anscheinend auch von der Hongkong &amp; Shanghai Banking
Corporation her, wenigstens deuten die Ortsangabe Ham-
burg und die Reihenfolge und Auswahl der notierten Plätze
darauf hin. Die Deutsch-Asiatische Bank erhält ihrerseits
die Kurse auch nur via London, und dasselbe dürfte bei der
Hamburger Filiale der Hongkong &amp; Shanghai Banking Cor-
poration der Fall sein. (Eine Auskunft hierüber lehnte letz-
tere Bank ab.) Sieht man von den erst seit kurzer Zeit ver-
öffentlichten vier direkten Telegrammen des Hamburgischen
Correspondenten und von der unbedeutenden Notiz in den
Warenmarktberichten der Hamburger Nachrichten ab, so
ergibt sich die bemerkenswerte Tatsache, daß von Asien
kein Wechselkurs direkt, vielmehr nur auf dem Umwege
über London nach Deutschland gelangt und daß vor allem
die meisten hiesigen Kursveröffentlichungen insoweit bank-
abhängig sind, als den Zeitungen keine Kontrollmittel für
die Richtigkeit der Kurse zu Gebote stehen. Für die Presse
hat die Methode den Vorzug der Billigkeit, da kaum anzu-
nehmen ist, daß die Kursmitteilungen der Banken honoriert
        <pb n="21" />
        ﻿15

werden. Angesichts des weiteren Umstandes, daß Mark-
Notizen überhaupt nicht nach hier gelangen -— die Notizen
der Deutsch-Asiatischen Bank sind Umrechnungen der
Notizen auf London mit der Croßrate Berlin-London —,
kann man sagen, daß unsere Handelspresse hier nicht das
leistet, was man im allgemeinen von einer Kursnotiz er-
wartet.

Es mag sein, daß der bisherige Zustand dem Maß von
Interesse, das einstweilen die hiesige Handelswelt an den
asiatischen Wechselkursen hat, entspricht, für die Zukunft
dürfte sich aber das Verhältnis verschieben, wenn nicht die-
ser Fall bereits eingetreten ist. Zum mindesten müßten aber
die bankabhängigen Kurse verschwinden und durch die Lon-
doner Reuter-Kurse ersetzt werden. Da das Wolff-Büro im
Nachrichtenaustausch mit Reuters Büro steht, so bedarf es
dazu nur einer Anregung durch die Zeitungen, Auch eine
direkte Nachrichtenvermittlung von Asien her ließe sich
ohne große Unkosten einrichten, da durch die Anwendung
von zu diesem Zwecke angefertigten Telegraphen-Codes
und durch die Einführung einer Art von Sammeldepesche
die relativ hohen Gebühren bedeutend herabgemindert wer-
den könnten. Die Sammeldepesche ist so gedacht, daß die
Kurse sämtlicher asiatischen Plätze zunächst nach einem
asiatischen Platze, etwa Singapur, gekabelt werden, von
dort als ein Telegramm nach Hamburg bezw, dem Kabel-
anlaufplatz gelangen und von da aus an eine Reihe von Zei-
tungen und Banken verteilt werden. Welcher asiatische
Platz als Sammelstelle gewählt würde, müßte eine Gebüh-
ren-Arbitrage *) ergeben.

1) Die Telegrammgebühren in Franken Währung betrugen 1912;

	Hong-  kong	Shang-  hai	Manila	Kal-  kutta	Singa-  pur	Yoko-  hama	Deutsch-  land
Hongkong		,		—.80	1,05	3.—	2.45	2,35	5.50
Shanghai	—.80		.		1.85	3.—	3.—	1,20	5,50
Manila	1.05	1.85		&lt;		4.05	3.50	3.90	5.50
Kalkutta	3.—	3.—	4,05		(		2.325	5,05	2.50
Singapur	2,45	3,—	3,50	2.325		.		5.05	4.375
Yokohama	2,35	1.20	3,90	5.05	5.05		.		6,05
Deutschland	5.50	5.50	5.50	2.50	4.375	6,05	—.—
	15,15	15,35	19,85	19.925	20.70	23,60	29,425

Danach käme Hongkong als Vermittlungsplatz in Frage,
        <pb n="22" />
        ﻿16

Bei der vorliegenden Untersuchung, die sich auf die
Jahre 1907—1910 erstreckt, standen Originalkurse aus
Asien nicht zur Verfügung, es mußten deshalb die Notizen
hiesiger Zeitungen herangezogen werden. Gewählt wurden
die Veröffentlichungen der Berliner Börsenzeitung, da es
sich dabei um die Notizen einer deutschen Bank handelte
und da zunächst angenommen wurde, daß auch die Mark-
Notizen Originale seien. Aus der Art der Veröffentlichung
geht nicht hervor, daß es sich lediglich um Umrechnun-
gen der pence-Notiz handelt, es sei denn, daß man dem
Zeichen = diese Bedeutung beilegte. Erst nachdem die
Kurse der behandelten Plätze auf London und Deutschland
für die Jahre 1907—1910 in Diagramme gebracht waren, er-
gab sich, daß die Differenz der telegraphic transfer Notiz
auf London und der telegraphic transfer Notiz auf
Deutschland jeweils an allen asiatischen Plätzen gleich
war. Stand z. B. an irgend einem Tage der Kurs auf
Deutschland in Singapur 1 °/00 vom Pariwert gerechnet über
dem Kurs auf London, so stand der deutsche Kurs an die-
sem Tage auch in Kalkutta, Yokohama etc. 1 °/00 über dem
englischen Kurs, ganz gleichgültig, ob nun die beiden Singa-
pur-Kurse hoch und die beiden Yokohama-Kurse niedrig
lauteten. Oder waren etwa in Singapur der deutsche so-
wohl wie der englische Kurs gleich weit von der Parität ent-
fernt, dann war auch in Kalkutta, Yokohama etc, der deut-
sche Kurs soweit von der Parität entfernt wie der englische,
gleichgültig ob nun über, unter oder auf Pari. Oder ein
drittes Beispiel: stieg in Yokohama der englische Kurs über
den deutschen, so stieg auch in Singapur, Hongkong, Kal-
kutta etc, der englische Kurs genau soviel über den
deutschen.

Es war also hier eine für alle asiatischen Plätze gleich-
mäßige Bewegung vorhanden, die sich nach dem deutsch-
englischen Wechselkurs zu richten schien.

Eine unter Hinweis auf diese Beobachtung an die
Deutsch-Asiatische Bank gerichtete Frage ergab dann, daß
es sich nur um eine Umrechnung handelte. Trotzdem ist
auch die Mark-Notiz in den anliegenden Diagrammen bei-
behalten worden, da es sich um die an sich interessante
        <pb n="23" />
        ﻿17

Darstellung eines Wechselkurs-Dreiecks handelt und da fer-
ner die tatsächlich drüben in Geltung gewesenen Kurse
kaum viel anders gelautet haben (siehe Teil II, 7).

Die für die Untersuchung in Frage kommenden Silber-
notierungen sowie der Londoner Privatdiskont für die Jahre
1907—1910 wurden gleichfalls der Berliner Börsenzeitung
entnommen. Außerdem wurden für das Jahr 1910 die No-
tizen der Hamburger Nachrichten, also die Kurse der Hong-
kong &amp; Shanghai Banking Corporation, zur Kontrolle der
Notierungen der Deutsch-Asiatischen Bank und zur Unter-
suchung der langen Sichten herangezogen.

Es wurden mithin untersucht die Kurse für telegraphi-
sche Auszahlungen (telegraphic transfer, abgekürzt t. t.) in
London von Shanghai, Hongkong, Singapur, Kalkutta und
Yokohama für die Jahre 1907—1910, ferner die langen
Sichten dieser Plätze für das Jahr 1910, das Verhältnis der
t, t, Notiz in Kalkutta zu derjenigen in Bombay, das Ver-
hältnis der Kurse der Deutsch-Asiatischen Bank zu den
Kursen der Hongkong &amp; Shanghai Banking Corporation,
gleichfalls im Jahre 1910, und die Mark-Notizen. Nicht
untersucht wurde die nur von der Hongkong &amp; Shanghai
Banking Corporation veröffentlichte t. t. Notiz von Manila.

Bei den unter den langen Sichten der Kölnischen Zei-
tung seit kurzer Zeit aufgeführten weiteren asiatischen
Plätzen handelt es sich nicht um besondere Notizen, viel-
mehr sind zu den eigentlichen Kursplätzen noch die Plätze
hinzugefügt, für die die Kurse ebenfalls Geltung haben
könnten, also zu Yokohama noch Kobe, zu Singapur noch
Penang, Malacca, Ipoh, Kuala Lumpur und Johore, zu Kal-
kutta noch Bombay, Madras, Colombo und Rangoon. Hin-
sichtlich der zwar selbständigen, aber erst seit Februar 1911
erscheinenden langen Notiz von Tientsin dürfte es sich um
ähnliche Verhältnisse wie zwischen Hongkong und Shanghai
handeln, wovon noch die Rede sein wird. Im übrigen sind
diese langen Sichten der Kölnischen Zeitung keinesfalls
Originalkurse aus Asien, sondern, wie auch die langen Sich-
ten der Times, offenbar Offerten einer Bank.

Die Zeitungsnotizen beschränken sich, mit Ausnahme
der auch sonst ausführlicheren langen Sichten in der Kölni-

Mahlberg, Asiatische Wechselkurse.	2
        <pb n="24" />
        ﻿18

sehen Zeitung, auf die Wiedergabe des pence- bezw. Mark-
Betrages, ohne die asiatische Währungseinheit, die bei der
hier vorliegenden indirekten Notierungsmethode streng ge-
nommen den Preis darstellt, zu nennen. Beim Lesen sind
die Notizen wie folgt zu ergänzen:

T. T, Kursevom 20, August 1911.
Schanghai	2	sh	4s/8	d = M,	2,42	=	1	Schanghai Tael,

Hongkong	1	sh	93/g	d = M.	l,821/2 =	1	Hongkong Dollar,

Singapur	2	sh	47x6	d = M,	2,391/2 =	1	Straits Dollar,

Kalkutta	1	sh	4	d = M.	LSö1^ =	1	Rupie,

Yokohama 2 sh 3/g d = M, 2,08	= 1 Yen,

Die Notizen bedeuten, daß für die bare Hingabe einer
asiatischen Einheit an dem betreffenden asiatischen Platze
die telegraphische Auszahlung eines entsprechenden Schil-
ling-Betrages in London bezw. Mark-Betrages in Deutsch-
land erkauft wird.

Da telegraphische Auszahlung in London und Barzah-
lung in Asien hinsichtlich der Fälligkeit als gleich zu be-
werten sind, so läßt sich die indirekte Notiz ohne weiteres
als direkte Notiz benutzen; man kann also sagen: 1 Hong-
kong $ notiert l/93/g, sodaß keine Umdeutung erforderlich
ist und man die in den hiesigen Zeitungen mitgeteilten Kurse
so lesen kann, als ob es sich um in London oder Deutsch-
land getätigte Notierungen auf die asiatischen Plätze han-
dele. Trotzdem diese Form geläufiger und anschaulicher
ist, wird es aber im folgenden daneben sehr oft notwendig
sein, die t, t. Kurse indirekt und von Asien her als Aus-
gangspunkt zu betrachten.

Die indirekte Methode der Wechselkursnotierung, auch
Warennotiz (da man für die inländische Einheit viel oder
wenig ausländisches Geld erhält), oder Notiz mit der festen
Valuta im Inland genannt1), hat das Besondere, daß ein
Billigerwerden des Wechselkurses in einem Steigen der
Kurszahl und eine Verteuerung in einem Sinken der Notiz
zum Ausdruck kommt, indem man z, B. für 1 Tael mehr
bezw, weniger Shillinge und Pence erhält. Sieht man eine
der asiatischen Notizen von Europa aus an, so bedeutet ein

1) Siehe auch Manisch, Die Lehre von der Technik des Han-
dels, Rothschilds Taschenbuch S, 784.
        <pb n="25" />
        ﻿19

Steigen des Shilling- oder Mark-Betrages dagegen ein
Teurerwerden des Wechselkurses; man muß mehr Mark
aufwenden, um 1 $ zu erhalten. Eine Kursbewegung von
2/43/16 auf 2/41/g für Singapur hat somit in diesem Zusam-
menhang zwei entgegengesetzte Bedeutungen: von hier aus,
für England also, ist der Kurs um 1/18 d günstiger, für Singa-
pur Vied ungünstiger geworden. Es entspricht hier die Art
der Notierung bereits den tatsächlichen allgemeinwirtschaft-
lichen Verhältnissen, da bekanntlich ein für das Inland
günstiger Wechselkurs für das Ausland in gleichem Maße
ungünstig ist. Man kommt auf diese Weise mit einer ein-
fachen Gleichung aus, während bei beiderseitiger direkter
oder beiderseitiger indirekter Notiz die Wechselkurse hüben
und drüben nur durch eine Proportionx) zu vergleichen
sind.

Die Möglichkeit, indirekte Kurse ohne Umrechnung als
direkte Kurse zu lesen, gilt aber nur für die t, t, Notizen,
deren Wert sich ohne Zinsen versteht, und nicht für die
langen Sichten, Zunächst ist die Kurszahl der langen Sich-
ten stets höher als diejenige für t, t., da man bei dem An-
kauf einer 90 Tage Sicht-Tratte auf Deutschland für bare
Hingabe einer asiatischen Einheit, etwa eines Dollars, wegen
des Zinsverlustes mehr Mark erhalten muß, als wenn man
telegraphische Auszahlung, eine sofort fällige Forderung
erstände. Da bei direkter Notiz aus denselben Gründen der
lange Kurs niedriger als der kurze ist, so ergibt sich daraus,
daß die langen asiatischen Sichten nicht einfach als direkte
Notiz in der Richtung von hier nach drüben gelesen werden
können, vielmehr müßte rund gerechnet eine in Deutschland
erfolgende direkte Notierung von langer Sicht auf Yoko-
hama um denselben Betrag niedriger sein als t. t,, wie er in
Japan höher als t. t, ist.

Will man sich die Kursbewegung einer langen indirek-
ten Notiz nach direkter Methode vorstellen, etwa zum Ver-
gleich mit einer anderen direkten Notierung, so muß dies
in der Art eines Spiegelbildes, etwa nach folgendem
Schema, geschehen:

1) Mahlberg, Der Kurs des Frankenwechsels, Zeitschrift f. han-
delswissenschaftl. Forschung, Bd. III, S, 405,
        <pb n="26" />
        ﻿— 20 —

O

o

Juli 13
o

Hierbei ist der Einfachheit halber angenommen, daß die
5 t. t. Notizen unverändert geblieben sind.

Im asiatischen Wechselgeschäft lautet die hauptsäch-
liche Einteilung der Kurse nicht kurze und lange Sichten,
wie das in Europa die Regel ist, sondern Verkaufkurse und
Kaufkurse, oder, nach der englischen Ausdrucksweise, sel-
ling rates und buying rates. Tatsächlich ist dies aber an-
nähernd dieselbe Einteilung, da bei den Verkaufssätzen
Auszahlung, also kurze Sicht die wichtigste Notiz ist und
Kaufkurse fast nur für lange Sichten notiert werden. Auch
im europäischen Verkehr kennt man neben dem Durch-
schnittskurs Brief- und Geldkurse, die aber dann beide für
kurze und für lange Sichten festgestellt werden, während
man in Asien für t, t. nur den Briefkurs und für lange Sich-
ten nur Geldkurse regelmäßig notiert. Das hat den Nach-
teil, daß man beide Sichten nicht ohne weiteres vergleichen
kann, der Abstand der veröffentlichten Notizen ist im Ver-
hältnis zur Zinsdifferenz zu groß. Von Bedeutung ist die-
ser Umstand, wenn man die absolute Höhe der Zinsdiffe-
renz beobachten will, während ihre relative Gestaltung
dadurch nicht beeinträchtigt wird, da der Fehler dauernd
und durchschnittlich in gleichem Umfange bestehen bleibt.
Sehr beachtenswert ist dagegen bei dem Mangel jeder
Gegennotiz in Europa die Eigenschaft der Auszahlungs-
kurse als relativ hohe Verkaufkurse und der langen Sich-
ten als relativ niedrige Ankaufkurse dann, wenn man auf
Grund der asiatischen Notizen in Europa Geschäfte in asia-
tischen Wechseln macht. Eine t. t, Notiz von M. 2,24 in
Schanghai ist als Verkaufkurs (Briefkurs) zu teuer, da die
Schanghaier Banken einen Ankauf von t. t. nur zu einem
billigeren Satze vornehmen würden. Nimmt man den Auf-
schlag mit 1 Pfg, an, so könnte ein gedachter Durchschnitts-
kurs auf 2,241/2 M. lauten, da bei der indirekten Notiz ein

-O--------o—

14.	15.

16.

indirekte lange Sicht,
kurze Sicht [t. t.]
direkte lange Sicht,
        <pb n="27" />
        ﻿21

Billigerwerden eine Erhöhung der Kursziffer bedeutet.
Kauft man in Hamburg zu dem veröffentlichten Satze von
M, 2,24 Tael-Auszahlung auf Schanghai, so kauft man rela-
tiv billig, jedenfalls günstiger, als wenn der Gläubiger in
Schanghai seine Forderung auf Hamburg als Mark-Auszah-
lung drüben verkaufte. Verkauft man dagegen eine Tael-
Auszahlung auf Schanghai in Hamburg zur Notiz, so fährt
man relativ schlecht. Genau dasselbe Verhältnis waltet bei
den langen Sichten ob, die als Ankaufsraten relativ zu
niedrig sind, wie sich aus folgendem Beispiel, bei dem die
Differenzen zwischen wirklicher Notiz und gedachter Durch-
schnittsnotiz mit 1/18 d angenommen ist, ergibt.

Hongkong auf London.

4 Mte. Sicht . l/913/i« [Ankaufkurs]

| 1/918/i6 Durchschnittskurs teurer I

t- t..........1/976

| 1/9 Durchschnittskurs = Via teurer |

4 Mte, Sicht in London
direkt notiert l/815/xe [Ankaufkurs],

Wer also in London lange Dollarwechsel auf Hong-
kong kauft, bezahlt relativ wenig, wer verkauft, erhält
wenig, sodaß damit sowohl hinsichtlich der t. t. Kurse wie
der langen Sichten bei Zugrundelegung der asiatischen No-
tizen in Europa stets der Ankauf der günstigere Weg ist.
Man steht sich demnach auch hier — aber nur von Europa
aus — wie bei den europäischen Wechselkursen, was die
einmal festgestellten und veröffentlichten Notizen angeht,
beim Remittieren besser als beim Trassieren2). Das ent-
spricht durchaus den wirtschaftlichen Zuständen, da im
Verkehr mit dem Osten in noch viel stärkerem Maße tras-
siert wird, als es schon bei anderen internationalen Be-
ziehungen üblich ist.

Parallel zu der Einteilung der asiatischen Kurse in
Kauf- und Verkaufraten läuft eine Einteilung in Bank-
Paper (Bank-Bills) und Private-Paper (Private-Bills), also

1)	In Hongkong nimmt man 1/8 d als Marge zwischen An- und
Verkaufsraten an.

2)	Mahlt» erg, Der Kurs des Frankenwechsels, Zeitschr. f. han-
delswiss. Forschung. Bd, 3, S. 406.
        <pb n="28" />
        ﻿ytij&amp;H

- 22 -

Bankwechsel und Warenwechsel, wobei erstere das haupt-
sächliche Material für Verkaufsraten, letztere für Ankaufs-
raten bilden. Die Einteilung wird aber nicht immer streng
durchgeführt, vielfach werden für Bank- und Warenwechsel
An- und Verkaufkurse notiert.

Das wichtigste Objekt der Bank-Paper- und Verkauf-
raten-Gruppe ist die telegraphische Auszahlung, telegraphic
transfer, die modernste Form der Verfügung über Aus-
landsguthaben, Die t. t. Notiz bildet das Rückgrat der viel-
gestaltigen asiatischen Sichten. Sie ist dazu vor allen an-
deren Sichten befähigt, da ihr wegen der Einheitlichkeit
und gleichmäßig guten Qualität der zugrunde liegenden
Geschäftsabschlüsse — Gegenstand der Preisfestsetzung
sind telegraphische Überweisungen asiatischer Banken an
Banken in Europa und Nord-Amerika — und der durch
keine Zinsberechnung behelligten, bequemen technischen
Handhabung am meisten Marktcharakter zusteht. Hierzu
kommt als für die Preisbildung besonders bedeutsam der
Umstand, daß Auszahlung für die Banken das wichtigste
Mittel ist, um über freie Beträge in Europa zu verfügen,
daß also die „Spitzen", die sich aus dem Devisenkonto der
einzelnen Bank ergeben, für Angebot und Nachfrage nach
t. t. wesentlich entscheidend sind, und somit hier die letzte
Saldierung stattfindet.

Dem gegenüber sind die vereinzelten Ankaufnotizen
für t, t, von geringerer Bedeutung.

Von der technischen Seite der telegraphischen Aus-
zahlungen ist zu sagen, daß die Kosten der Überweisung
zu Lasten der Kommittenten gehen und daß der Größe der
Abschnitte nach beiden Seiten kein Limit gesetzt ist, was
auch von den anderen Sichten gilt.

Zur Gruppe der Verkaufkurse bezw, Bankwechsel ge-
hören auch die in Bezug auf Marktfähigkeit der Auszah-
lung ähnlichen Sichtwechsel auf Banken in Europa, Ame-
rika usw., Bank bills on demand genannt. Ein wichtiger
Zweck dieser Notiz ist, die von Europa usw. einlangenden,
in europäischer Währung mit dem Vermerk „Zahlbar zum
Ziehungskurse der X-Bank auf Hamburg" ausgestellten
Wechsel mit den dortigen Importeuren in Landeswährung
        <pb n="29" />
        ﻿23

abzurechnen, Da es sich dabei um Verkaulskurse handelt,
ist der Umrechnungssatz, den der Importeur bezahlen muß,
an sich bereits hoch. Man wird aber weiter nicht fehlgehen,
wenn man annimmt, daß er außerdem noch hoch ist, denn
da alle Banken in diesem Falle gleichmäßig an einem hohen
Kurse für Bank bills on demand ein Interesse haben, mag
bei dem Fehlen jeder offiziellen Preisfestsetzung oder
Preisveröffentlichung leicht der freie Wettbewerb an Wirk-
samkeit verlieren. Kontrollieren läßt sich das von hier aus
nicht, da diese Notizen nicht hierher gelangen, doch scheint
folgendes für diese Annahme zu sprechen. In einer Frage-
beantwortung von drüben wird nämlich gesagt, daß die
Preisdifferenz zwischen t. t. und Sichtwechseln der Banken
wohl meist nach dem Londoner Banksatz sich richte, wäh-
rend nach derselben Quelle die Preisdifferenz zwischen
kurzen und langen Warenwechseln, also bei schlechterem
Wechselmaterial, sich nach dem Londoner Privatsatz
richte.

Den Notizen für t. t. und Bank on demand gegenüber
kommen die zur selben Gruppe gehörenden Kurse für 3 und
4 M/S. Bankwechsel weniger in Frage; als ausgesprochenes
Zahlungsmittel, wie t. t. und on demand, sind sie nicht zu
gebrauchen und als Anlagepapiere sind die dokumentierten
Warenwechsel rentabler. Langes Bankpapier wird daher
wenig abgegeben, zumal Londoner Akzeptkommission und
unter Umständen, so in Indien, noch ein besonderer Wech-
selstempel darauf ruht. Diese Spesen müssen natürlich im
Kurse berücksichtigt werden.

Die andere Hauptgruppe sind die Ankaufraten, die
sich auch dadurch charakterisieren, daß es sich grundsätz-
lich um lange Sichten und um Warenwechsel (Private Pa-
per) handelt. Es wurde bereits erwähnt, daß die gelegent-
lich notierten Ankaufsraten für Bankwechsel oder für kurze
Sichten geringere Bedeutung haben. Die zu der zweiten
Hauptgruppe gehörigen Sichten sind ebenso vielgestaltig wie
die Qualität der hierbei umgesetzten Wechsel, Es handelt
sich um die Entnahmen der asiatischen Exporteure auf
Europa etc, (hauptsächlich London), die von diesen an die
Banken verkauft werden. Man unterscheidet dabei drei
        <pb n="30" />
        ﻿24

Klassen, und zwar erstens Wechsel, die gegen Bankkredit
gezogen sind, kurz Credits genannt, zweitens Ziehungen
auf Banken, Bankiers oder auch Warenhändler, bei denen
die Verschiffungsdokumente gegen Akzept ausgeliefert wer-
den, Documents against acceptance oder kurz D/A genannt,
und drittens Abgaben auf Kaufleute, bei denen die Doku-
mente gegen Zahlung ausgeliefert werden, Documents
against payement oder kurz D/P genannt. Vielfach unter-
scheidet man nur die beiden letzten Arten, faßt also Cre-
dits und D/A zusammen; auch sonst ist die Notiz für Cre-
dits und D/A häufig gleich hoch. Die Wechsel mit der Vor-
schrift Dokumente gegen Zahlung, die D/P Tratten, haben
in längerer Sicht einen Unterwert gegenüber D/A, da sie
als in London nicht diskontierbar bis zur Bezahlung im
Portefeuille der Banken bleiben müssen und vielfach die
Vorschrift Dokumente nur gegen Zahlung durch eine ge-
ringere Qualität der Wechsel bedingt sein wird1). Die
Preiseinbuße gegenüber D/A schwankt; in Kalkutta beträgt
sie bei 3 und 4 Monate Sicht 1/32 d, für 6 Mts.-S. 1/ie d,
während man in Yokohama 1ji—1/2°/0 rechnet. Kürzere
D/P Wechsel als 3 Mte,-S, werden dagegen meist zur ent-
sprechenden Rate der D/A Wechsel genommen. Das Nor-
malpapier ist die D/A Tratte.

Im übrigen ist das Trattenmaterial aller drei Klassen
in keiner Weise einheitlich. Das gilt namentlich von der
inneren Qualität der Wechsel, sodaß die Preisbildung sich
nicht auf vertretbaren Papieren aufbaut. Die Banken re-
servieren sich, wenn sie Wechsel kaufen, nur das Recht,
ihnen nicht zusagende Stücke, d, h, solche, deren Bezogener
nicht paßt, bei der Lieferung zurückzuweisen, während auf
der anderen Seite natürlich zu beachten ist, daß die ver-
öffentlichten Notizen keine offiziellen Kurse, sondern
eigentlich Offerten sind, deren Höhe von Fall zu Fall der
besonderen Güte einzelner Wechsel angepaßt werden kann.
Der Größe der Abschnitte ist hier noch weniger eine Grenze

1)	So die allgemeine Ansicht; es ist aber darauf hinzuweisen, daß
die Zahlungsbedingungen im überseeischen Großverkehr meistens durch
die Usancen der betreffenden Branche bestimmt werden.
        <pb n="31" />
        ﻿25

gesetzt, vielmehr handelt es sich im Gegensatz zu einer
börsenmäßigen Preisbildung als Regel um krumme Beträge,
so wie sie fallen. Auch die für die Kurse geltenden Sich-
ten werden nicht streng eingehalten; falls andere als die
beim Geschäftsabschluß vereinbarten oder offiziell notier-
ten Sichten geliefert werden, wird ein besonderer Kurs
zwischen den Beteiligten festgesetzt, jedoch sind längere
Papiere als 6 Monate Sicht nicht lieferbar.

Die Zahl der Sichten ist außerordentlich groß, was den
Marktcharakter der Umsätze noch mehr einengt. Notiert
werden nur Sichtwechsel bezw. Nach-Sicht-Wechsel, und
zwar einfache Sicht, 30, 60, 90 Tage und 3, 4 und 6 Monate
Sicht, Wechsel mit vollständig begrenzter Laufzeit kom-
men nicht in Frage, Alle Sichten werden für London stets
notiert, während für andere Plätze bezw, Länder in der
Regel neben Verkaufsätzen für t, t. und Bank on demand
nur ein Kaufkurs 4 Mte.-S,, für Singapore und Kalkutta
3 Mte,-S, veröffentlicht wird. Dem entsprechen die von der
Hongkong &amp; Shanghai Banking Corporation ausgehenden
hiesigen Zeitungsnotizen, während die langen Kurse der
Kölnischen Zeitung, die anscheinend einer anderen Quelle
als die t, t. Notizen desselben Blattes entstammen, den Ein-
druck von in Hamburg hergestellten Kursen machen, da sie
für alle asiatischen Plätze gleichmäßig auf 90 T/S basiert
sind. Als Offerten einer bestimmten Bank wären diese No-
tizen sehr dankenswert, nur müßte die Bank dabei genannt
werden, während die vorliegende Art der Veröffentlichung
die Form eines objektiven Kursberichtes hat. Die langen
Sichten der Times sind ähnlich zu bewerten.

Bei der Berechnung der Sichten bedient man sich an
allen asiatischen Plätzen der englischen Methode, man
rechnet das Jahr zu 365 Tagen und die Monate nach dem
Kalender. Endlich unterscheidet man in Asien Ready-
(Kassa) Kurse für effektive Lieferung, mitunter auch Lie-
ferung innerhalb eines Monats, und Forward- (Termin)
Kurse für Abschlüsse auf Zeit, etwa „Credits und D/Accep-
tance 6 Mte,-S. 1 Mt, Forward“ oder 2 oder 3 Mte, For-
ward. Forward-rates sind in der Regel eine Kleinigkeit
billiger als effektive Lieferung; nach einer Mitteilung von
        <pb n="32" />
        ﻿26

drüben bewirken Geldversteifungen in London mitunter ein
Steigen der Forward- über die Ready-Sätze. Nach Europa
gelangen die Forward-Sätze nicht, außerdem werden sie
vielfach nicht offiziell bekannt gegeben und haben noch
mehr die Eigenschaft der Einzelvereinbarung1),

Zur gemeinsamen Charakteristik der asiatischen Wech-
selkurse gehört die im Verhältnis zum Pariwert außer-
ordentliche Größe der üblichen Kurszu- und Abschläge,
Während im europäischen, etwa dem deutschen, Verkehr
in der Regel die Preise für 100 Währungseinheiten mit
Preisstufen von 5 Pfg, gelten, lauten die Notizen in Asien
auf nur eine Währungseinheit, die Stufen dagegen auf x/lß
bis 1/32 d oder x/2—x/4 Pfg, Dabei handelt es sich nicht
etwa um große Einheiten wie das Pfund Sterling; die
größte Einheit ist der Schanghai-Tael, also 2—3 M, Bei
der Berliner Notiz für 100 Frs.-Scheck Paris machen 5 Pfg,
0,6°/00, der neuerdings auftretende Zu- bezw, Abschlag von
2*/2 Pfg, nur 0,3°/00 aus. Für die asiatischen Kurse stellen
sich diese Sätze wie folgt:

	Sterling-	Kleinste  Preisstufe	0/00 der	Mark-	Kleinste  Preisstufe	0/00 der
	Parität	in Pence	Parität	Paritat	in Pfennig	Parität
Schanghaix)	2/6	Vre'	2,1	2,50	V« '	1,0
Hongkong xj	m	Vre	2,9	1,83	Vr	1.4
Singapore	2/4	Vre	2,2	2,38	1U	1,1
Kalkutta	1/4	V 32	2,5	1,36	Vr	1,8
Yokohama	2/0,58	Vre	2,5	2,09	Vr	1,2

Für sich genommen sind Preisstufen von 1jZ2 penny
gewiß klein, die nächst kleinere Einteilung von x/64 d läßt
sich kaum noch übersehen, aber im Verhältnis zur Höhe des
ganzen Preises handelt es sich, an modernen Verhältnissen
gemessen, um sehr grobe Skalen, grob auch deshalb, weil
das wertvollste Gut, nämlich Geld, und ferner nicht nur
einer oder der andere Abschluß, sondern der ganze Umsatz
eines Tages danach abgeschätzt wird. Es kann keinem
Zweifel unterliegen.daß die Feinheit der Preisbildung hier-
durch beeinträchtigt wird und zunächst privatwirtschaft- 1 2

1)	Siehe auch die Rückseite des Kurszettels von Hongkong.

2)	Wegen der schwankenden Silberparität ist hier ein rundes Pari
gewählt.
        <pb n="33" />
        ﻿— 27 —

lieber Nachteil die Folge ist. Die meisten von drüben auf
diese Frage erteilten Antworten bestreiten einen Nachteil,
man hält vielmehr, „angesichts der ganz anderen Geschäfte,
solche minimalen Unterschiede wie in Deutschland nicht
für denkbar". Wie aber allgemein der extensive Charakter
des asiatischen Geschäfts immer mehr nachläßt und die
exotischen Gewinnzuschläge aufgehört haben, so wird auch
hier auf die Dauer eine Änderung eintreten müssen, was
sich aus folgender Antwort aus Kalkutta ableiten läßt; „Die
hiesigen Kurszu resp. -abschläge betragen für die Rupie
1/32 d = 1/6°/0 des resp, Gegenwerts in anderen Währungen,
Da die Differenz allgemein streng eingehalten wird und
jeder Beteiligte damit kalkuliert, so kann diese im Ver-
hältnis zum Wert groß erscheinende Differenz kaum als
störend für die genaue Preisbildung bezeichnet werden, ob-
gleich zugegeben werden muß, daß bei der heutigen schar-
fen Konkurrenz der die Arbitrage betreibenden Banken
Kurswechselgeschäfte nur unter Konzessionen möglich sind
und dadurch häufig 1/32 d zugestanden werden muß, was oft
den Gewinn aus solchen Kurswechselgeschäften illusorisch
macht, da es sich ja bei dem Nachlaß von 1/32 d, wie oben
angegeben, gleich um 1/B°/0 handelt,“

Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die nach hiesigen
Verhältnissen großen Kursschwankungen Asiens — siehe
Diagramme — zu einem Teil wenigstens durch die zu
wenig feinen Preisstufen bedingt sind. Wenn der Franken-
kurs in Berlin und der Pfund-Sterlingkurs in Yokohama
auf Pari stehen und auf beiden Plätzen kurssenkende Mo-
mente von verhältnismäßig gleicher Stärke auftreten —
etwa ausreichend um den Pariser Kurs um eine Stufe herab-
zusetzen — so ist nicht anzunehmen, daß in Yokohama der
Kurs wegen der größeren Preisstufe stehen bleibt, vielmehr
wird auch hier der sinkenden Tendenz durch den geringst
möglichen Abschlag Rechnung getragen werden. Wieder-
holt sich dasselbe am folgenden Tage, so beträgt das Agio
der Währung in Japan bereits 5°/00, in Berlin erst 1,2 oder
gar nur 0,6%0. Exakt beweisen läßt sich das natürlich nicht,
aber ganz unwahrscheinlich dürfte der behauptete Mangel
nicht sein; den darin liegenden allgemeinwirtschaftlichen
Nachteil spürt natürlich auch der Einzelne,
        <pb n="34" />
        ﻿28

Im übrigen ergibt sich aus der mitgeteilten Tabelle,
daß die Markpreise zwar feiner eingeteilt sind als die
pence-Sätze, was mit dem Unterschied in den Größen der
kleinsten Einheiten zusammenhängt, daß aber auch sie noch
das Doppelte bis Dreifache deutscher Sätze betragen.

3.	Die angewandte Diagrammtechnik.

Der Kursdarstellung durch Diagramme wurde bei der
vorliegenden Arbeit besondere Beachtung hinsichtlich der
Größenverhältnisse zugewandt. Während man bei den
meisten statistischen Diagrammen, etwa bei graphischen
Darstellungen von Produktionsziffern, verlangen muß, daß
das Verhältnis zwischen Linienführung und Diagrammhöhe
gleich ist dem Verhältnis zwischen Ziffernbewegung und
Gesamtproduktionsgröße, und daß neben der Bewegung
auch die absolute Höhe sichtbar wird, kann man diesen
Grundsatz auf die Darstellung von Wechselkursen nicht an-
wenden, Einmal steht nämlich nicht so sehr das Verhält-
nis einer Schwankung zur ganzen Höhe des Kurses im
Vordergründe, als vielmehr die Abweichung der Kurse von
der Parität, wobei der Unterschied, ob ein Pari einen hohen,
das andere einen geringeren Wert hat, zurücktritt; es ist
hier die Bewegung als solche das Wichtigere, Auf der an-
deren Seite würde wegen der außerordentlichen Kleinheit
der Preisstufen — im Durchschnitt nicht mehr als 1%0 des
Gesamtwertes — ein Diagramm, das z. B. beim Franken-
kurs auf der Grundlinie mit 0 Mark beginnen sollte, in
Buchgröße kaum eine Bewegung zeigen. Man muß deshalb
die Bewegungen vergrößert darstellen, wobei das Maß der
Vergrößerung bisher willkürlich nach der Größe der Qua-
drierung oder des verfügbaren Raumes etc, gewählt
wurde Man kann hier die notwendige Willkür dadurch

1) So sind z. B. die jedes Jahr von der Deutschen Überseeischen
Bank, Berlin, veröffentlichten „5 vergleichenden Tabellen der Bewegung
der Wechselkurse" in folgenden verschiedenen Maßstäben gezeichnet;

1 °/oo des Durchschnittskurses 1911 wurde dargestellt
für Bolivien durch 0,34 m/m Diagrammhöhe
für Rio de Janeiro durch 0,62 m/m Diagrammhöhe
„	Buenos Aires	„	7,28	„	„

„	Valparaiso	„	0,18	„	„

„	Barcelona	„	0,30	„	„

Bei solchen Unterschieden kann man nicht mehr von vergleichend
sprechen, die Diagramme ergeben ein falsches Bild.
        <pb n="35" />
        ﻿29

mindern, daß man stets bei allen Kursdarstellungen genau
das gleiche Maß von Vergrößerung anwendet. Damit er-
reicht man, daß solche Kursdarstellungen ohne weiteres
vergleichbar sind. Bei der vorliegenden Arbeit ist mit die-
ser Methode der Anfang gemacht worden, indem nicht nur
die Kurse aller behandelten Plätze im selben Maßstab (eine
Kursbewegung von beispielsweise 5°/00 wird beim einen wie
beim anderen durch einen gleichgroßen Millimeterabstand
vom Pari dargestellt), gezeichnet sind, sondern außerdem
der Maßstab derselbe ist, der bei der früherenUntersuchung
des Frankenkurses ’) angewandt wurde. Da auch S c h ma-
le n b a c h 1 2) für den englischen Kurs annähernd gleiche
Größenverhältnisse — seine Vergrößerung ist um 1/5 stär-
ker — angewandt hat, so sind die Kölner privatwirtschaft-
lichen Wechselkursuntersuchungen in diesem Punkte ein-
heitlich.

Es ist damit dasselbe erreicht, was Schär3) durch
seine „Reduzierung verschiedener Wechselkurse auf 10 000
Geldeinheiten" bezweckte, nämlich Wechselkurse gewisser-
maßen gleichnamig und unabhängig von den verschiedenen
Münzparitäten vergleichbar zu machen. Schär erreichte
dies, indem er die Wechselkursbewegungen in lOOOOstel
Abweichung von der Parität umwandelte,• für die Wahl der
Teilung durch 10 000 war dabei kein innerer Grund, son-
dern nur das Moment einer ganz runden und feinen Teilung
maßgebend. In einer Besprechung des Buches wies bereits
damals Schmalenbach4) darauf hin, daß man in Kurs-
diagrammen durch entsprechende Raster den gleichen Er-
folg herbeiführen könne.

1)	Mahlberg, Der Kurs des Frankenwechsels, Zeitschrift f. han-
delsw. Forschung, Bd, III, S. 397.

2)	Schmalenbach, Der Kurs des Pfund-Sterling-Wechsels, eben-
da Bd. I, S. 241.

3)	Schär, Zahlungsbilanz und Diskont, Berlin 1908.

4)	Zeitschrift f. handelsw, Forschung, Buchbesprechungen, Bd, III,
Seite 118.
        <pb n="36" />
        ﻿30

Der Maßstab der in der vorliegenden Arbeit gewählten
Vergrößerungen leitet sich, wie bereits gesagt, von früher
angefertigten Frankenkursdiagrammen her. Damals wur-
den bei dem deutsch-französischen Pari, 100 frs, = 81 M,
jeder Pfennig Kursveränderung durch einen Millimeter
Höhe dargestellt. Der Maßstab ist also 1 mm pro Vsioo der
Parität, Schwierigkeiten ergaben sich dadurch, daß die
mehr oder minder krummen Preisstufen P/ie'Vsa d, V4 Pfg.)
nie genau in SlOOstel vom Pari verwandelt werden konnten
und auf der anderen Seite unter 1 mm Höhe praktisch sich
nicht zeichnen läßt. Es traten dann entsprechende Korrek-
turen ein; betrug der Fehler z, B, */8 mm, so wurde bei der
achten Stufe 1 mm mehr oder weniger genommen.

Hält man die Diagramme der asiatischen Kurse neben
diejenigen des Pfund-Sterling- und Frankenkurses — die
wichtigsten europäischen Wechselkurse also — so genügt
nunmehr ein Blick, um z, B. den gänzlich anderen Charakter
der ersteren Gruppe erkennen zu lassen, weil die Linien
jetzt ohne weiteres verglichen werden können. Unbedingt
notwendig war die Einheitlichkeit der Kursvergrößerung
bei der Zusammenfassung des englischen und des deut-
schen Kurses der einzelnen Plätze in einem Diagramm,
Sie erfolgte ebenfalls nach dem Maßstab Vsioo = 1 mm- Ist
danach der Kalkutta-Kurs auf London 4°/00 von der Parität
entfernt und derjenige auf Deutschland gleichfalls 4°/00, so
fallen die Linien im Diagramm zusammen. Das bedeutet,
daß der zugrunde liegende deutsch-englische Umrechnungs-
kurs auf Pari stehen muß. Entfernen sich die beiden Kurs-
linien um 5 mm von einander, so hat sich auch der für die
Umrechnung angewandte deutsch-englische Kurs um 6/8100
von der Parität entfernt. Handelte es sich daher bei den
gezeichneten deutsch-asiatischen Kursen um Original- und
nicht, wie es der Fall ist, um in Berlin umgerechnete No-
tizen, so würde man von dem Kursdreieck Kalkutta-Lon-
don, Kalkutta-Deutschland, London-Berlin den dritten Kurs
London-Berlin mit dem Zirkel von dem Diagramm ab-
greifen können. Bildlich ausgedrückt heißt das: Wenn man
in den Diagrammen von Kalkutta die Londoner oder die
deutsche Kurslinie als gerade Linie und unter Wahrung der
        <pb n="37" />
        ﻿— 31	-

jeweiligen Abstände von der zweiten Linie straff anziehen
könnte, so würde die ihre Bewegung behaltende Linie einen
deutsch-englischen Wechselkurs, die angezogene die Pari-
tätslinie ergeben. Wie sich dieser zum tatsächlich zwischen
Berlin und London vorhanden gewesenen Kurse stellt,
wird später zu behandeln sein. Einstweilen sei nur darauf
hingewiesen, daß eine exakte Beobachtung der auf Seite 16
angegebenen Erscheinung nur mittels des benützten einheit-
lichen Maßstabes möglich war.

Bei der gewählten Methode fallen natürlich die Preis-
stufen der englischen regelmäßig nicht mit denjenigen der
deutschen Sichten zusammen; auch die Paritäten befinden
sich meistens nicht auf einer Preisstufe, Letzteres trifft
nur zu für die englischen Paritäten von Kalkutta und Sin-
gapur und die deutsche von Yokohama.

Besondere Schwierigkeiten ergaben sich bei der gra-
phischen Darstellung der Wechselkurse von Hongkong und
Schanghai, da diese nicht auf Goldparität gestellt, sondern
als Silberkurse an die Schwankungen des Silberpreises ge-
bunden sind und dadurch gegenüber Goldvaluten ein
schwankendes Pari haben. Mit den Wechselkursen der
beiden Plätze war also der Silberpreis, und zwar der Lon-
doner, zu vergleichen und Kurse wie Silberpreise als ein-
heitliche Größen in ein Diagramm zu bringen. Der Hong-
konger Dollarkurs wie der Taelkurs Schanghais beziehen
sich je auf ein bestimmtes Gewicht Silber, das natürlich
verschieden ist von dem der Silberpreis-Notiz zugrunde
liegenden. Letztere versteht sich in pence für eine Unze
Standard-Silber, Der Wechselkurs sagt also in diesem
Falle, wieviel der Feinsilbergehalt der Münzgewichtseinheit
Hongkongs oder Schanghais in Goldgeld (£ bezw, Jl]
wert ist; die Silbernotiz gibt den Preis für eine Unze Stan-
dard-Silber in £ bezw, pence an. Sieht man von der ver-
schiedenen Feinheit ab, so kommt man zu vergleichbaren
Zahlen, indem man entweder den pence-Preis pro Unze in
einen solchen pro asiatische Münzgewichtseinheit umwan-
delt, oder indem man den auf dem Silbergehalt der Münz-
gewichtseinheit basierenden Wechselkurs in einen Kurs
pro Unze Silber umrechnet. Gewählt wurde, als das Näher-
        <pb n="38" />
        ﻿32

liegende, der erste Weg: Die Londoner Silberpreise der
Jahre 1907—1910 wurden durch Kettensätze unter gleich-
zeitiger Anwendung von Tabellen in pence-Preise pro Fein-
silbergehalt des Hongkong-Dollars und des Schanghai-Taels
reduziert. Hätten die Wechselkurse der beiden Plätze nun
stets dem Wert ihres Silbergehalts zur Londoner Notiz ent-
sprochen, so wären sie dauernd mit den umgerechneten
Silberpreisen zusammengefallen, sie hätten dauernd auf
Münzparität gestanden. Da sich der Londoner Silberpreis
ändert, ist diese Parität eine schwankende; die dadurch
hervorgerufene Bewegung der Wechselkurse verläuft paral-
lel zum Silberpreis, Daneben machen diese Wechselkurse
aber eine zweite Bewegung, die eigentliche Wechselkurs-
bewegung, durch, die sich als ein Schwanken um die Pari-
tätslinie darstellt und bewirkt, daß Wechselkurs und um-
gerechneter Silberpreis meistens nicht zusammenfallen. Der
Wechselkurs vonHongkong und Schanghai windet sich viel-
mehr in eigenen Kurven um den selbst in der Bewegung
befindlichen Silberpreis, wie dies die Diagramme der Sil-
berpreisreduktionen und der t, t, Notizen deutlich machen.

An sich lassen sich die Linien der t, t, Notiz wie die
der umgerechneten Silberpreise nach derselben Zahlenleiste
lesen, da aber die letztere Linie nicht nur Reduktion des
Silberpreises ist, sondern gleichzeitig den Verlauf des Lon-
doner Silberpreises regelrecht und ohne Einschränkung dar-
stellt, ist eine weitere, die Nominal-Preisstufen des Lon-
doner Silberpreises angebende Zahlenleiste zur Kontrolle
hinzugefügt.

Durch das Gebundensein der Silber t. t. Notizen an den
Silberpreis und durch die großen Schwankungen des Silber-
werts, die in dem untersuchten Zeitraum rund 25 Prozent
betragen und daher zu Wechselkursschwankungen von Pro-
mille-Größe in keinem Verhältnis stehen, war es bei diesen
Kursen nicht möglich, den Vergrößerungsmaßstab von
Vsioo Parität pro mm anzuwenden. Die Diagramme müß-
ten nämlich dann ca. 3 bezw, 4 Meter hoch sein. Sie
wurden deshalb zunächst so groß gezeichnet, daß sich alle
Einteilungen bequem machen ließen, und nachher durch
Photographieren derartig verkleinert, daß sie in der vor-
        <pb n="39" />
        ﻿33

liegenden Form nach Umfang und Verhältnis von Preisstufe
zu Parität rund 1/20 der anderen Diagramme betragen.
Bei einem Vergleich muß man sich demnach alle Abmes-
sungen 20 mal so groß vorstellen. Das gilt namentlich
für die Abweichungen der t, t. Notizen vom Silberpreis,
während eine gedachte Vergrößerung der auf den Silber-
preis zurückzuführenden Schwankungen deutlich werden
läßt, welch ein ungeheuerliches Ding eine Silberwährung
heute ist. Braucht man für den Frankenkurs ein Diagramm
von 10 cm Höhe, um obere und untere Goldpunkte, die nor-
malen Schwankungsgrenzen also, darin unterbringen zu
können, so müßte ein im gleichen Maßstab hergestelltes
Diagramm des Hongkonger Kurses für 1907—1910 3,60 m
Höhe aufweisen.

Über die Größenverhältnisse der Abweichungen der
t. t, Notizen vom Silberpreis, also der eigentlichen
Wechselkurse von Hongkong und Schanghai, die mit der
Silberbasis als gerader Linie in Diagramm Nr, 21—24
nochmals besonders dargestellt sind, wird später gesprochen
werden.

Die größten Schwierigkeiten bot die Einfügung der
Mark t, t, Notiz in die Diagramme von Hongkong; bei
Schanghai wurde die Marknotiz weggelassen, da aus deren
Darstellung Neues nicht zu erwarten war. Für Hongkong
handelte es sich darum, die Markkurse im selben Größen-
verhältnis wie die pence- und reduzierte Silbernotiz zu
zeichnen, da auch der Markkurs von dem Londoner, in
pence notierten Silberpreis, nicht aber von dem in diesem
Zusammenhang bedeutungslosen Hamburger Silberpreis x)
abhängig ist. Zweitens war die Linie der Marknotiz so in
das Diagramm hinein zu bringen, daß ihr Verlauf in rich-
tigem Verhältnis zu den beiden anderen Linien stand. Zu
dem Zwecke wurde die obere und die untere Stufe der auf
sh/d lautenden Zahlenleiste mittels der deutsch-englischen
Parität in Mark verwandelt und der dazwischen liegende
Raum in soviel 1/4 Pfg,-Abschnitte (= kleinste Preisstufe

1) Nach übereinstimmenden Angaben von drüben kommt die
Hamburger Silbernotiz für die asiatischen Silberkurse nicht in Be-
tracht.

Mahlberg, Asiatische Wechselkurse.	3
        <pb n="40" />
        ﻿34

der Marknotiz) eingeteilt, wie die Differenz zwischen dem
umgerechneten oberen und unteren Markbetrag um-
faßte, Dadurch ist Folgendes erreicht:

Will man die Höhe der Hongkonger Notiz für Mark-
Auszahlung und ihren Abstand vom Silberpreis unter-
suchen, so ist das in einem konkreten Falle ohne weiteres
möglich; man kennt den t, t. Kurs und den Silberpreis in
London, und man weiß ferner, welchen deutsch-englischen
Wechselkurs man für die Umrechnung des Londoner Sil-
berpreises in Mark benutzen kann. Man reduziert also den
Silberpreis auf Dollar-Silbergewicht, rechnet diesen Betrag
in Mark um und kann dann vergleichen. Für eine allge-
mein gültige Untersuchung wie die vorliegende ist dieser
Weg nicht gangbar, da man nicht weiß, welcher deutsch-
englische Wechselkurs angemessen ist. Vielleicht ist das
der tatsächlich notierte Scheckkurs, vielleicht aber auch
irgend ein anderer gar nicht notierter Wechselkurs, ähnlich
wie kurze und lange deutsche Sicht in Paris um einen Zins-
fuß auseinander sind, der in dieser Höhe nirgends notiert
wird1). Man könnte sich nun helfen, indem man zur Um-
rechnung den Berliner Scheckkurs auf London nähme. Das
würde natürlich nicht genau, verbot sich aber vor allem
wegen der damit verbundenen ungeheuerlichen Arbeit, da
mit der fixen Zahl, die dem Verhältnis zwischen einer Unze
Standard-Silber und dem Feinsilbergehalt des Hongkong-
Dollars entspricht, für jeden Tag der untersuchten 4 Jahre
der schwankende Silberpreis und der gleichfalls schwan-
kende Berliner Scheckkurs hätte verrechnet werden müssen
und die Benutzung von Tabellen ausgeschlossen gewesen
wäre.

Da bot sich in dem Goldgehalt der zu vergleichenden
Beträge ein gemeinsamer Maßstab, um Mark t. t. mit Lon-
doner reduziertem Silberpreis und auch mit pence t, t. —
da die beiden letzteren bereits vereinheitlicht sind — zu
vergleichen, da man das Goldgewicht beispielsweise von
1/9 reduzierter Silberpreis, 1/10 t. t. London und M. L871/,,
t. t. Deutschland kennt. Es ließen sich also die Kurse im

1)	Mahlberg, Der Kurs des Frankenwechsels, Zeitschrift für
handelswissensch. Forschung, Bd. III, Seite 413 ff.
        <pb n="41" />
        ﻿35

Verhältnis ihres Gehalts an Feingold in ein Diagramm
bringen. Da die beiden ersten Kurse bereits zusammen
passend gezeichnet waren, mußte nur noch der Markkurs
im Verhältnis des Goldgehalts dazu gebracht werden. Da
ferner der Goldgehalt sich in der Parität ausdrückt, ent-
spricht z, B. einem t. t. Kurs von 1/10 ein Mark t, t. Kurs
von rund 1,871/4, und beim Zeichnen war es nur nötig, den
Kurs von M.	da einzusetzen, wo 1/10 seinen Platz

hat. Praktisch wurde das, wie bereits gesagt, durch Um-
rechnen der Zahlenleiste zur deutsch-englischen Parität
durchgeführt. Somit haben die 3 Kurslinien einen einheit-
lichen Maßstab.

Zunächst hat das für die pence t, t. und die Mark t, t,
Notiz den Vorteil, daß man ihr Verhalten zu einander be-
obachten kann. Das Bild, das sich dabei ergibt, entspricht
— abgesehen von dem Gebundensein an den schwankenden
Silberpreis — dem beobachteten Verlauf des deutschen zum
englischen Kurse an den anderen Plätzen Asiens, d. h. die
beiden Kurse schwanken zueinander, entsprechend der
Croßrate Berlin-London, Steht also in Yokohama der deut-
sche Kurs über, unter oder auf dem englischen, dann ist es
auch so in Hongkong. Natürlich kann es nicht anders sein,
da es sich um Berliner Umrechnungen handelt.

Hier muß nun, um die Wirkung der angewandten Dia-
grammtechnik ganz darzustellen, vorweg genommen wer-
den, daß der Verlauf der Originalkurse zueinander, wie sie
draußen auf England und Deutschland in Geltung waren,
nicht viel anders gewesen sein kann, als der Verlauf der in
Berlin durch Umrechnung gewonnenen Kurse, und daß die
pence- und Marknotiz nur um den deutsch-englischen
Wechselkurs verschieden sein können, FürHongkong könnte
man demnach durch Abgreifen mit dem Zirkel den im Vor-
stehenden entbehrten angemessenen deutsch-engli-
schen Wechselkurs gewinnen, mit ihm den auf Dollar-Ge-
wicht reduzierten Londoner Silberpreis in Mark umwandeln
und diese Mark-Parität des Hongkong-Dollars ebenfalls
organisch in das Diagramm einfügen. Die pence-Paritäts-
linie (reduzierter Silberpreis) und diese neue Mark-Pari-
tätslinie würden dann untereinander genau in derselben
        <pb n="42" />
        ﻿Weise verlaufen, wie die gezeichneten pence t.t.undMarht.t.
Linien des Diagramms. Steht z. B. Markauszahlung 5%0
über pence-Auszahlung, so bedeutet das, daß der deutsch-
englische Wechselkurs ebenfalls 5%0 über Pari steht; rech-
net man zu diesem Kurse den Londoner Silberpreis in Mark
um, so ergibt sich für das Hongkonger Mark-Pari ein Mark-
betrag, der nach Goldgehalt größer ist als das zugehörige
Hongkonger Pfund Sterling-Pari; das Mehr an Goldgehalt
beträgt 5°/00, Somit würde sich eine in das Diagramm ein-
zufügende Linie der Hongkonger Mark-Parität in derselben
Weise um die englische Silberpari-Linie schlängeln, wie sich
die Mark t. t. Notiz um die pence t. t. Notiz windet.

Nimmt man folgendes Kursbeispiel:

Reduzierter Londoner Silberpreis (Hongkong
pence-Pari)	1/8

pence t, t. Kurs	1/813/i8

Mark t. t. Kurs	l,773/4,

so stehen diese Kurse im Diagramm etwa in der Weise über-
einander, wie in dem nachstehenden Schema diejenigen
Punkte, neben denen ein einfach unterstrichener Kurs
sich befindet.

sh/d Mark *)

(1/8 7/s) '	1,77 V* t. t. Deutschland

t. t. London l/813/io

(177 V.)

(l/S'/ia) (i 1,703/i berechnete Parität Hong-
kong-Deutschland

Parität Honkong-London 1/8 n (1,70 Vi)

Die Skala für sh und d ist die gegebene Ausgangslinie;
M. l,773/4 ergibt zur Parität gerechnet l/87/g und ist dort
eingezeichnet, wo die englische Skala l/87/8 anzeigt. Bei
1/81s/ib —	1,77s/4 ist 1 £ = M. 20,49, rund gerechnet; der

in diesem Falle angemessene deutsch-englische Kurs ist
also 20,49 und ergibt, angewandt auf die Hongkong-London-
Parität von 1/8, eine Hongkong-Mark-Parität von M. l,703/4.
Würde man die letztere Zahl unabhängig von der hier an-
gewandten Methode, etwa durch Umrechnen von 1/8 zum

1) Die Umrechnungen lauten auf runde Beträge.
        <pb n="43" />
        ﻿37

Berlin-Londoner Tageskurs von 20,49 gewonnen haben, und
man wollte nun 1/8 und M. l,703/4 in ein Diagramm bringen,
so müßten sie so zueinander gezeichnet werden, wie dies
oben geschehen ist, d. h. im Verhältnis des Goldgehalts der
beiden Beträge, Da ferner Mark- und pence-Skala bereits
in diesem Verhältnis zueinander stehen, so würde der
Markt, t, Kurs von l,773/4 an die Stelle kommen, wo er
oben bereits angedeutet ist. Somit ist durch die Zeichnung
der Kurse nach Goldgehalt nicht nur eine einheitliche Ver-
gleichsbasis geschaffen, sondern der Mark t, t. Kurs ver-
läuft im Diagramm an der Stelle, wo er tatsächlich ver-
laufen muß. Die fehlende Linie der Hongkonger Mark-
Parität läßt sich dazu aus der Bewegung der beiden t. t,
Kurse ablesen.

Aus dem obigen Schema ergibt sich weiterhin, daß die
t, t, Kurse stets gleichweit von ihren zugehörigen
Paritäten {1/813/16 ./. 1/8 entspricht M. l,773/4 ./. 1,703/J ent-
fernt sind, In anderer Formulierung heißt das, daß der
Wertunterschied der Wechselkurse zum Silberpreis für alle
Wechselkurse eines Silberplatzes bezw. Silberlandes einheit-
lich und nicht etwa — wie man anzunehmen versucht sein
könnte — länderweise verschieden ist. Führt man nämlich
die Abweichungen der t. t, Kurse von der Silberparität auf
dieselben Ursachen, die den Verlauf gewöhnlicher Gold-
wechselkurse bedingen, zurück, sieht man also den Umfang
der Abweichungen nach oben und unten als den eigent-
lichen Wechselkurs an, so müßten hier wie dort die Ab-
weichungen vom Pari länderweise verschieden sein. Daß
dies für Silberwechselkurse nicht möglich ist, letztere viel-
mehr dem gesamten Auslande gegenüber in dieser Bezie-
hung nur einen Wechselkurs haben, beruht auf der Wirk-
samkeit des noch zu begründenden Satzes: Je zwei Wech-
selkurse eines Platzes (Berlin auf St. Petersburg und Ber-
lin auf Stockholm) können immer nur um den Kursunter-
schied zwischen den bezogenen Plätzen (St. Petersburg auf
Stockholm) differieren.
        <pb n="44" />
        ﻿38

II. Die asiatischen Wechselkurse.

1. Der indische Wechselkurs.

Die Währung *) des Kaiserreichs Britisch-Indien ist ein
eigentümliches Gebilde, Sie ist weder Gold- noch Silber-
noch Doppelwährung im üblichen Sinne, sondern ein Sys-
tem, das einzelne Züge aller drei Währungen in sich ver-
einigt, im übrigen aber in seinem Aufbau der Wirtschafts-
verfassung Indiens kongruent ist. Die Geldeinheit ist be-
reits seit 1835 die silberne Rupie (Rp.) = 16 Annas = 12
Pie oder 4 Pesas 1 2), Die Rupie wiegt 180 Troygrains =
11,664 g bei einer Feinheit von 11/12, Sie ist das eigentliche
Umlaufsmittel Indiens und für die Eingeborenen mit ihrem,
an europäischenVerhältnissen gemessen, niedrigen Standard
of life das „große11 Geld; die kleinste, technisch noch umlaufs-
fähige Goldmünze wäre in diesem Sinne noch zu groß. Die
daneben in geringem Umfange vorhandenen alten indischen
Goldmünzen (Mohur of Bombay, Gewicht 11,6638 g, Fein-
gehalt 0,920, Stücke von 1, 1j2 und J/4 Mohur), dienen nicht
dem Umlauf, sondern Thesaurierungs- und Schmuckbedürf-
nissen, Ihr ursprünglicher Wert war 15 Rp., was bei dem
gleichen Feingewicht der Rupien einer Wertrelation des
Silbers zum Golde von 1:15 entsprach. Dem Zustand, daß
heute noch wie stets die Rupie, also eine bestimmte Menge
Silbers, nicht nur Umlaufsmittel, sondern für die Masse der
indischen Bevölkerung auch tatsächlich der Maßstab aller
Werte ist, wird dadurch Rechnung getragen, daß die Rupie
unbeschränkt gesetzliches Zahlungsmittel ist. Zur reinen
Silberwährung fehlt das Merkmal der freien Ausprägung,
die im Jahre 1893 mit der Maßgabe aufgehoben wurde, daß
die Münze in Bombay und Kalkutta Silberrupien nur noch
gegen Einlieferung von Gold, und zwar pro Rupie 7,53344

1)	Ausführliches über die indische Währung — das Schulbeispiel
für Währungsprobleme — siehe die bekannten nationalökonomischen
Sonderschriften von Arnold, Heyn, Bothe, namentlich aber Singer
Motive der indischen Geldreform, ferner die erwähnten Arbeiten von
Schmalenbach, Sonndorfer und die Angaben in S w o -
b o d a.

2)	Für größere Geldbeträge hat man; 1 Croce = 4 Arel = 100 Lac
= 10 000 000 Rupien.
        <pb n="45" />
        ﻿39

grains troy = 0,4882 gr Feingold, verausgabte. Während
bis dahin der Goldwert der Rupie mit dem Silberpreis sich
bewegte, oder genauer, der Rupienkurs um die Goldparität
herum und mit ihr geschwankt hatte, wurde durch die De-
kretierung von 7,53344 grains troy Gold = 1 Rupie für den
ausländischen Zahlungsverkehr Indiens ein fester Punkt
nach oben, ein Kursmaximum geschaffen, denn diese Geld-
menge entspricht dem Goldgehalt von 1/1B £ , also 16 d.
Wer für 16 d Gold einlieferte, mußte dafür 1 Rp, oder für
je 1 £ Sterling 15 Rp, erhalten, gleichgültig, wie hoch der
Silberpreis stand. Die Goldparität der Rupie war somit
auf 16 d festgesetzt. Die Lage war im Durchschnitt des
Jahres 1893 folgende:

Silberpreis	d	35,375

Silberwert der Rupie	in	d	13,15

Rupienkurs in	d	14,82

Um das gewählte Pari von 16 d zu erreichen, mußte der
Rupienkurs sich völlig von seinem Silberwert loslösen, ent-
sprechend steigen und sich auf ungefähr diesem Punkte
halten. Der Kursverlauf während der Reformperiode war
nach den Ziffern von Schmalenbach1) folgender:

Im Jahresdurchschnitt	1893	1894	1895	1896	1897	1898

Silherpreis	d	35 a/8	2816/io	29 7/s	30 SU	27 °/16	26 15/,e

Silberwert der Rupie in	d	13,15	10,75	11,10	11,43	10,24	9,99

Rupienkurs in	d	14,82	13,31	13,31	15,4P)	15sl/s2!) 16l/s!,3)

Am 25, Juni 1893, dem Tage des Inkrafttretens des
Währungsgesetzes, hatte der Rupienkurs bereits die Parität
von 16 d erreicht, da die Spekulation das mutmaßliche Stei-
gen des Kurses vorweggenommen hatte. Schon im folgen-
den Monat begann der Kurs indessen wieder zu fallen, und
endgültig erreicht wurde die Parität erst 1897, Durch das
Währungsgesetz vom 15. September 1899 wurde der eng-
lische Sovereign zum legal tender,, zum gesetzlichen Zah-
lungsmittel erklärt, der Silber-Rupie aber die volle Zahl-
kraft belassen, während bereits 1897 die freie Ausprägung
von Gold eingeführt worden war. Das indische Silbergeld
ist so mit dem englischen Goldgelde zu einer Einheit ge-
ll a. a. O,

2)	Ultimo Februar 1898.

3)	Am Jahresende 1896,
        <pb n="46" />
        ﻿40

worden, die sich durch die Rupie dem Wirtschaftsleben der
Eingeborenen, mit dem Sovereign dem europäisch organi-
sierten Großhandel anpaßt und das Silberland Indien mit
der Goldwelt organisch verbindet.

Erwägt man, auf welche Weise es möglich war, den
Wert der Rupie von ihrem Silbergehalt loszulösen und ihn
willkürlich auf 16 d zu normieren, so ist inländischer und
ausländischer Zahlungsverkehr scharf auseinander zu hal-
ten, Nach innen konnte die indische Regierung einen be-
liebigen Wert dekretieren, es bedurfte dazu, um mit
Knapp1) zu reden, nur des rekurrenten Anschlusses, der
neue Wert muß zum alten durch Regierungsanordnung ins
Verhältnis gesetzt werden. Da zudem die Regierung an dem
Umlaufswert der Rupie in Indien selbst nichts änderte, so
bestanden nach innen keine Schwierigkeiten, Diese lagen
vielmehr darin, den Auslandswert der Rupie, den Wechsel-
kurs auf London also, auf 16 d zu bringen. Hätte Indien
umgekehrt für sich die Pflicht anerkannt, für 15 Rp, 1 £
Gold herzugeben, so hatte man es mit einer glatt sich durch-
setzenden Goldwährung zu tun. Das geschah aber nicht.
Die Meinung ging nun dahin, man könne durch Einengung
des Umlaufs von Rupienstücken deren Auslandswert bis
auf die gewählte Parität steigern, eine Kontraktion des
Münzen Umlaufs sollte den Wert der Auslands forde-
r u n g e n entsprechend ändern, Singer* 2) hat überzeu-
gend nachgewiesen, daß der wirkliche Verlauf der Dinge
während der Reformperiode ein anderer war und daß —
mit dem Ausdruck Knapps — pantopolische Momente, die
Gesamtheit der allgemein den Wechselkurs bestimmenden
Faktoren es waren, die das endgültige Erreichen der neuen
Parität bedingt haben.

Noch höher steigen kann der Kurs nur um die Gold-
beschaffungskosten, Auf der anderen Seite kann er heute
praktisch auch nicht mehr ins Ungemessene, etwa wieder
auf den Silberwert fallen, da die indische Regierung zwar

t) Knapp, Staatliche Theorie des Geldes, Leipzig (Duncker
u, Humblot), 1905,

2) Singer, Die Motive der indischen Geldreform, Straßburg
(Karl J. Trübner), 1910.
        <pb n="47" />
        ﻿41

nicht die absolute Einlösbarkeit von Rupien in Gold an-
erkennt, die Einlösbarkeit aber tatsächlich durch verschie-
dene Maßnahmen sicher gestellt hat und zudem die Ent-
wicklung des Geldumlaufs in der gleichen Richtung vor sich
gegangen ist. Näheres hierüber wird unten bei der Be-
sprechung der indischen Goldpunkte anzuführen sein.

Durch die Bewertung des Sovereign zu 15 Rupien ent-
spricht dieser dem alten Werte des Mohurs. Außerdem
weist Singer auf eine weitere rechnerische Beziehung hin;
da der Sovereign gleich 15 Rp, zu je 16 Anna’s gilt, so ent-
spricht die Anna als 240ster Teil des Sovereigns vollständig
dem englischen Penny.

Geht man bei der Betrachtung der indischen Währung
nicht von ihrer historischen Entwicklung, sondern von ihrem
heutigen Zustande aus, so stellt sie sich wesentlich ein-
facher dar. Sie unterscheidet sich von der Währung
Deutschlands zunächst äußerlich dadurch, daß die Rupien
indischer und die Goldmünzen englischer Prägung 1) sind,
und theoretisch durch die volle Zahlkraft von Gold und
Silber, Weiter hat die Rupie einen relativ größeren Silber-
gehalt als die deutschen Münzen, ihr Unterwert ist geringer,
wie sich aus folgenden Zahlen ergibt.

1 Rp = 16 d = Jl 1,37.

Silberwert von 1 Rp=0,8233&lt;/# 1 Bei einem Silberpreis
„	„ ^1,37=0,5269 „ /	von 26 d.

Steigt der Silberpreis stark, so wird infolgedessen der Sil-
berwert der Rupie eher den Nominalwert erreichen als etwa
die Mark; dieser Punkt liegt nach einer Berechnung von
Schmalenbach2) bei einem Silberpreis von 42B/16 d,
ein Preis, der seit 1891 nicht entfernt mehr erreicht worden
ist. Endlich unterscheiden sich die indischen von deutschen
Verhältnissen durch den relativ größeren Silberumlauf.

Der Goldimportpunkt für Indien unterscheidet sich
nicht von den Verhältnissen anderer Goldländer; der Kurs
der Rupie muß um mehr als die Versendungskosten über

1)	Nach A. Lansburgh, „Eine währungspolitische Lektion",
Aprilheft der „Bank" 1910 - (zitiert bei Singer S. 41) finden seit 1906
Sovereign-Prägungen auch in den indischen Münzen statt.

2)	a, a. O.
        <pb n="48" />
        ﻿42

(„über", wegen der indirekten Notierung) die Parität von
1/4 steigen, um eine Remittierung von Gold lohnend zu
machen. Diese Kosten *) beziffern sich heute für Gold (und
Silber) von London nach Kalkutta auf

Fracht V2 %	=	°&gt;50 °/o

Versicherung 3/4 %0	=	0,075 „

Kurtage Vs °/o	=	0,125 „

Nebenspesen	=	0,05 „

0,75 0/0,

und zwar für Barrengold und für Sovereigns, da letztere ln
Indien kurant sind und ein Verlust für Fehlgewicht nicht zu
berücksichtigen ist. Hierzu muß für die lange Reisedauer
je nach Zinsfuß ein Zinsverlust von im Durchschnitt 1/4 °/0
gerechnet werden.

Der indische Goldexportpunkt ist insofern anders, als
die indische Regierung, wie schon erwähnt, zwar verpflich-
tet ist, gegen Einlieferung von Gold Rupien herzugeben,
aber eine umgekehrte Pflicht, gegen Rupien, also gegen das
Uralaufsmittel des Landes, Gold oder Sovereigns zu liefern,
nicht besteht. Bei dem ursprünglich im Verkehr befindlichen
geringen Geldvorrat Indiens glaubte man befürchten zu
müssen, daß deshalb bei entsprechender Gestaltung der in-
dischen Zahlungsbilanz der Wechselkurs bis auf den Silber-
wert fallen könne. Die Entwicklung der Dinge und die tat-
sächlich verfolgte Währungspolitik der indischen Regierung
haben diese Befürchtung ausgeräumt, Der Geldvorrat im
Verkehr nimmt dauernd zu, und die Regierung, die aus wäh-
rungs- und ebenso gewichtigen finanzpolitischen Gründen
an der Aufrechterhaltung der Parität interessiert ist, gibt
freiwillig 2) Gold zum Parikurse, also 1/4, her und außerdem
in Pfund zahlbare Tratten auf London — sie hält dort eine
in englischen Konsols angelegte sogenannte Goldreserve —
zum Kurse von ca. l/37/s- Daneben hat die indische Regie-
rung nach Singer bei der Bank von England ein depositum
reguläre von. Gold als Deckung für die in Indien ausgegebe-
nen Kassenscheine und ferner in Indien selbst eine Gold-
reserve von 5 Mill, £.

1)	Die Angaben von Swoboda sind zu niedrig,

2)	Paul George, Die Bewegung des Silberpreises seit 1873,
Jena (Fischer) 1908, S. 65.
        <pb n="49" />
        ﻿43

Im geschäftlichen Verkehr gelten als Goldpunkte von
und nach England die Kurse l/41/8 und l/3T/8, dagegen sind
Sovereigns-Importe nach Indien von anderen Ländern, z. B,
von Australien mit seinen günstigeren Zahlungsbedingungen,
schon bei einem Kurse von 1/41/16, von Ägypten bei einem
Kurse'von l/43/S2 an möglich und üblich. Da das ägyptische
Gold auch von London kommt, so ergibt sich die eigenartige
wirtschaftliche Erscheinung, daß die Transportkosten durch
das Anhalten des Goldstromes an einer Zwischen Station für
Indien verbilligt werden.

Zum Vergleiche seien in Deutschland mögliche Gold-
exportpunkte für Frankreich und England hier beigefügt,
Berlin-London M 20,498 ,/. Parität = 3.3773°/00 der Parität
Berlin-Paris „ 81.35 ./.	„	= 4,3209°/oo „	„

Indien-London 1ja d von 1/4	= 7.8125°/00 „	„

Singer kommt mit einem Schwingungsspielraum von
l,55°/0 für die indische Währung zu dem gleichen Satze,

Die deutsche Rupien-Parität ergibt sich aus dem Ster-
ling-Wert der Rupie:

1 Rupie = (1 £ : 15) = [Jl 20,42946 : 15) = M 1,36196.
Da ein Edelmetallverkehr zwischen Deutschland und
Indien nicht üblich ist, kennt man auch keine bestimmten
Goldpunkte; man kann sie natürlich an Hand der genannten
Angaben berechnen. Im übrigen bezieht Indien sein Barren-
gold fast gleichmäßig von London und Australien, während
Barrensilber zum weitaus größten Teil von London kommt1).

1) Die Verteilung der Herkunft zeigt folgende Tabelle:
Indiens Goldbewegung.

Einfuhr in 1000 £	1905/06	1906/07	1907/08	1908/09	1909/10
England	4016	5457	5879	3335	7642
Österreich-Ungarn	6	3	2	1	24
Frankreich	11	26	24	4	1017
Ägypten	405	192	1658	99	4691
Kapkolonie und Natal	36	716	100	89	62
Aden	145	136	138	99	181
Asiatische Türkei u, Arabien 405		342	489	370	341
Ceylon	29	60	16	62	52
China einschließl, Hongkong	556	528	680	529	581
Straits Settlements	(	10	624	104	19	141
Australien	4209	4289	4735	978	1948
Einfuhr im Ganzen	9833	12356	13835	5603	16687
Ausfuhr im Ganzen	9527	2452	2257	2699	2234
davon nach England	8363	2013	2201	2406	2190
        <pb n="50" />
        ﻿44

Die große Rolle, die die Silbereinfuhr und Ausfuhr in
Indien spielt, ist heute anders anzusehen als vor der Wäh-
rungsreform. Bis dahin war der Silberverkehr Indiens der
Edelmetallbewegung des Landes im üblichen, auf dem Stand
der Zahlungsbilanz abzielenden Sinne zuzurechnen, da Sil-
ber frei ausprägbares Währungsmetall war. Heute ist der
Silberverkehr eigentlich der Warenbewegung anzugliedern,
da in den internationalen Beziehungen Indiens — abgesehen
von China — Silber nur noch eine Ware, nicht mehr un-
mittelbares Zahlungsmittel ist, Der Bedarf an Silber ist
zwar kaum geringer geworden, aber es wird nur noch als
Ware von der Regierung für Münzzwecke1), seitens der
indischen Bazare zu Luxuszwecken importiert, wenn es auch
noch immer vor gewöhnlichem Kaufmannsgut Hochwertig-
keit, große Wertbeständigkeit, schnelle Realisierbarkeit usw,
voraus hat und deshalb die sogenannte Zahlungsbilanz
schnell und nachdrücklich verschieben kann. Auch der Um-
stand, daß die Träger der indischen Edelmetalltransaktio-
nen noch immer ausschließlich Banken sind und nicht der
reguläre Handel, hat keine grundsätzliche Bedeutung mehr.
Zwar sind es Banken, die u n m i 11 e 1 b a r in Besitz der
durch Silberverschiffungen entstehenden internationalen
Forderungen kommen; die Banken können Silber versenden
oder sich senden lassen, um Wechselforderungen auszu-
gleichen, — wenn sonst die Umstände es erlauben, etwa die
Silberpreise in London und in Indien nicht paritätisch sind.
Aber hierzu wäre dann auch der Handel in der Lage, und der
Umweg, den die entstehende Auslandsforderung zu machen
hätte, ehe sie an eine Bank käme, ist nicht von grund-
sätzlicher Bedeutung und dazu heute sehr klein. Die er-
wähnten Eigenschaften des Silbers, vor allem dessen inter-
nationale Vertretbarkeit und die ausgedehnten Beziehungen
zum nahen China ermöglichen es den indischen Banken,

1) Von der indischen Regierung wurden in den Jahren 1896—1910
an Silbermünzen in Verkehr gebracht:

Jahr	1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906

Milk Rp 10,5 19,7 58,2 55,6 92,0 194,1 113,1 185,8 208,3 161,4 200,5
Jahr	1907 1908 1909 1910

Milk Rp 260,9 185,6 44,1 37,2,

Statistical Abstract for the colonies, 1911.
        <pb n="51" />
        ﻿45

ihre historische Rolle weiter zu führen. Im übrigen ist der
Zu- und Abfluß des Silbers in Indien nicht mehr Ausdruck
der Zahlungsbilanz, sondern wird von anderen Gründen be-
dingt, Daran ändert auch nichts der Umstand, daß die
Indier Silberbarren nicht nur zu Ornamenten und sonstigem
Schmuck verwenden, sondern auch zur Vermögensanlage
benutzen, denn die umgekehrte Transaktion der Umwand-
lung der Barren in Geld stellt sich nur noch als Verkauf von
Metallmengen dar. Im Verkehr mit dem Silberlande China
ist die Sache etwas anderes, ohne jedoch das Bild grund-
sätzlich zu ändern, denn auch England z, B. verschifft Sil-
ber nach China, ohne daß man diesen Export anders als
eine Warentransaktion ansieht.

Über Art und Umfang des indischen Silberbedarfs und
die sogenannte Thesaurierung läßt sich ein Berichtdes
Handelssachverständigen beim Generalkonsulat Bombay
näher aus; „Den Gegenwert, welchen der Bauer für seine
Landesprodukte in klingender Münze sich auszahlen läßt,
benutzt er nicht etwa zur Verbesserung seiner Lebenshal-
tung, wie z, B, für den Bau einer besseren Hütte, zur An-
schaffung besserer Kleidungsstücke etc. oder noch viel weni-
ger zur Verzinsung durch Anlage in Sparkassen und der-
gleichen, sondern er behält im allgemeinen das Geld in Mün-
zen bei sich oder behängt damit in Gestalt von Schmuck-
sachen seine Frau und seine Kinder, Der bislang dem Han-
del auf diese Weise entzogene Wert ist verschiedentlich auf
300 Millionen Pfund geschätzt worden. Man behauptet so-
gar, daß die jährlich dem Verkehr entnommenen Summen
sich auf 11 Millionen Pfund belaufen sollen. Dieser Betrag
dürfte in früheren Jahren, als die Zustände des Landes
noch unsicherer waren, erreicht worden sein, doch ist kaum
anzunehmen, daß derartige Summen noch jetzt sozusagen
vergraben und versteckt werden, und viele Zeichen sprechen
dafür, daß auch der indische Sparer sich immer mehr dazu
versteht, seinen Reichtum in den Postsparkassen zu hinter-
legen oder auch in guten mündelsicheren Papieren, auch
selbst in Industriebetrieben wie z, B, Baumwollfaktoreien,
Kohlenzechen usw, zur Verzinsung anzulegen. Fernerhin

1) Deutsches Handelsarchiv, 1909, II, Teil, Seite 303.
        <pb n="52" />
        ﻿ist zu erwähnen, daß der durchschnittliche Überschuß der
Einfuhr über die Ausfuhr der Edelmetalle während der
letzten 5 Jahre den Betrag von ungefähr 21 Millionen
Pfund erreichte, sodaß mehr als die Hälfte dieser Summe
absorbiert werden müßte,“

Den Silberbedarf Indiens macht sich die Regierung
durch Belegung der Einfuhr mit einem Silberzoll nutzbar,
der im März 1910 von 5% des Wertes auf 4 Annas pro
Unze erhöht worden ist; bei dem damaligen Silberpreis ent-
spricht das einem Zoll von 17% des Wertes 1),

Ein besonderes Gepräge verleiht dem internationalen
Zahlungsverkehr Indiens der Umstand, daß die indische
Regierung mit großen Überweisungen an ihm beteiligt ist.
Indien hat alljährlich in London für Zinsen1 2), Tilgungs-
raten und Pensionen für die zahlreichen britisch-indischen
Beamten die sogenannten home charges, etwa 17 Mill. £ 3)
zu zahlen.

Volkswirtschaftlich wird dieser Betrag natürlich durch
den indischen Ausfuhrüberschuß gedeckt, finanztechnisch
kann die Abdeckung auf den zwei Wegen geschehen, die
jeder Privatwirtschaft zur Verfügung stehen; die indische
Regierung kann remittieren, d. h, den dortigen Exporteuren
oder den dahinter stehenden Banken ihre Londoner Über-
schüsse abkaufen und dem Indian Council in London über-
weisen lassen, oder sie kann von London aus auf die indi-
schen Staatskassen trassieren und diese Abgaben in London
verkaufen. Gewählt wird der letzte Weg,

Der Indian Council in London läßt4) durch die Bank
von England regelmäßig im offenen Geldmarkt auf Rupien
lautende Wechsel, sogenannte council drafts, oder Kabel-
überweisungen auf die Schatzämter in Kalkutta, Bombay
oder Madras, je nachdem welcher Zahlungsort verlangt
wird, verkaufen. Früher stellte die Bank von England die
Council drafts nur jeden Mittwoch zum Verkauf; es ist

1)	Über die Bedeutung der Maßregel siehe auch Volkswirtschaft-
liche Chronik 1910 S. 200.

2)	Nach Schilling, London als Anleihemarkt der englischen
Kolonien (Münchener Volksw, Studien 110/1911), belief sich Indiens
Anleiheschuld 1908 auf rund 250 Mill, £.

3)	Nach dem deutschen Handelsarchiv betragen die home
charges 25,75 Mill. £ jährlich,

4)	Nach S w o b o d a , Arbitrage,
        <pb n="53" />
        ﻿47

jedoch üblich geworden, daß sie sie auch Donnerstags mit
einem geringen Aufschlag gegen den Preis vom Tage vorher
abgibt. Die Bank macht jeweils im Geldmarktbericht der
Zeitungen bekannt, wie der Mindestpreis ist, welche Beträge
zum Verkauf kommen und wieviel verkauft wrurde, (Siehe
auch den Kurszettel von Kalkutta), An den übrigen Tagen
finden ebenfalls Verkäufe, sogenannte Extra-Allotements
statt, aber nur, wenn der gebotene Kurs genehm istJ),

Es ist klar, daß ein solcher großer Verkäufer auch eine
entsprechend bedeutsame Rolle am englisch-indischen
Devisenmarkt spielt, aber diese Rolle unterscheidet sich
nicht grundsätzlich von den Verhältnissen, die bei einem
privaten Händler obwalten würden; auch wird per Saldo der
Rhythmus des indischen Wechselkurses nicht gestört, da
der Forderungsbestand hüben und drüben gegeben ist,
gleichviel in welchen Händen er sich befindet. Nur der
Umstand, daß der Inhaber so großer indischer Forderungen
eine staatliche Verwaltung und nicht eine ausschließlich
von dem „Gewinnstreben“ beherrschte Privatwirtschaft ist,
bedeutet einen Unterschied, Der Indian Council ist durch
größere Öffentlichkeit, Regelmäßigkeit der fälligen Zahlun-
gen und nicht zuletzt durch die mehr oder weniger schema-
tische Handhabung nicht so frei in seinen Abgaben, wie
dies eine Bank sein würde, die im Besitz so großer Posten
den Kurs nach Gutdünken in gewissem Umfange werfen
oder steigern, etwa aus Anlaß eines höheren indischen
Zinssatzes zeitweise nicht am Markt sein könnte. Am
meisten fällt hier die größere Öffentlichkeit der Abgaben
ins Gewicht; der ganze Jahresbedarf ist im voraus durch
das Budget festgelegt, man weiß, wieviel bereits verkauft
ist, wieviel noch im ganzen und wieviel noch zum nächsten
Termin zum Verkauf kommt. Bei der Beurteilung der
preisbildenden Wirkung der Council drafts sind daher zwei
Momente zu beachten, der hohe Betrag — es handelt sich
bei 17 Mill,£ um rund 8 % des gesamten indischen Außen-
handels 2) oder um rund die Hälfte des seit Havenstein ver-
doppelten Devisen-Umsatzes der Reichsbank — und die
vorherige Abschätzungsmöglichkeit,

li) Die Frankfurter Zeitung berichtet regelmäßig über die Allote-
ments von Council Bills,

2) Singer schätzt den Betrag der Council Bills sogar auf
aller ungebetenen indischen Wechsel.
        <pb n="54" />
        ﻿Die allgemeine Wirkung der Council drafts auf den
Wechselkurs ist gegen Indien und seine währungspoliti-
schen Interessen, Im übrigen bilden der Verkauf der Re-
gierungstratten in London und der eigentliche Devisen-
handel in Indien einen einheitlichen Markt,

Der Erfahrungssatz, daß sonst Remittieren günstiger
ist als Trassieren, legt die Frage nahe, ob nicht auch die
indische Regierung besser fahren würde, wenn sie in Indien
als Käufer für Tratten oder Kabelüberweisungen aufträte.
Der Satz selbst, der nur für bereits festgesetzte Kurse und
nicht für A rbitragen während der Börsenpreisbildung
Gültigkeit hat, läßt sich hier wegen der vorherigen Limitie-
rung nicht anwenden. Für den Modus des Trassierens
spricht äußerlich gesehen, die Eigenschaft Londons als der
große Geldmarkt, „an dem ohne Schwierigkeit jede Summe
untergebracht werden kann". Aus dem nachfolgenden
Schema ergibt sich, daß bei Remittierung weder darin
noch in der Größe, Organisation oder Finanzierung des in-
dischen Geldmarktes eine Änderung eintreten müßte.

-&lt;illllilllllllimillima Weg des Geldes

-&lt;♦♦♦♦♦♦♦♦♦■ Weg der Tratte	^ Preisbildung der Tratte

&lt;	■ Weg der Rimesse

O Preisbildung der Rimesse.
        <pb n="55" />
        ﻿

Formular 1.	No. 1. Mission Row, Calcutta.

PIGOTT, CHAPMAN &amp; CO.’S EXCHANGE REPORT FOR MAIL OE 21ST SEPIEMPER 1911.

	F.  15™ Sept.  iqi 1	S,  16™ Sept.	M.  18™ Sept,	T,  19™ Sept.	W.  20™ Sepk.	JH.  21ST Sept.
						
	s. d.	s. d.	«, d.	s. d.	s. c/.	Opening Rate  s. d.
On London.	Bank Bills, 4 M/S	1-4 Vs	1-4 Vs	P4 Vs	1-4 Vs	1-4*8	1-4 Vs
11	^	1,	•••	1.4 »/„	1-4 %S	P4 3/3s	1‘4 Vs2	1-4 V32	1-4 %2
„	Demand	1-4 Vis	L4 Via	P4 Vie	1-4 •/««	1-4 s/ä2	1-4 ä/31
„	Ready Wire	1-4 i/n	1‘4 1/a2	1’4 Vs2	1.4 Vie	1-4 */,a	1‘4 V.*
„	Forward „	L4 Vie	1-4 Vio	1-4 Vis	1.4 l/ia	1-4 V«	1-4 Vie
Credits &amp; D/Acceptance 6 M/S ...	P4 %«	1-4 Vis	1-4 Vie	1.4 7/lß	1-4 Vis	1 415/32
11	^	11	1*4'V 32	1'411/s2	1*4'‘/ui	1.4'V*a	1-4“ '32	1-4 Vs
„	3	„	...	1-4 »/äs	1-4 •/«	1-4 %s	1-4 %2	1-4 Vs2	1-4 5 'le
„ 6 M/S 1 M/Forw. ...	1 "415/32	14 ••/„	l’4'5/32	1.4*5/»s	1.4*5 32	1-4*5/32
„ 2 		1-4“/.,	1‘4i8/w	1’4'5/si	1‘4*8/88	1-4*5/33	1.4*5%
3			1 Ais/gs	L415/32	1'415/3i	1.4‘Vb2	1‘4'8/b	1-45/si
Documents for Payement Ct '/32nd higher for 3 &amp; 4 M/S ...  «VisUi	„	„	6  On France,	Private Bills 6 M/S. D, A....	1-72 %	1-72 V*	1-72 V*	1-72 V4	1-72 */*	1-72 V,
tf	3	„	11	•**	L71	1-71	1-71 V*	1.71 V*	1-71 */&lt;	1-71 */,
On. France,	Bank Bills on Demand	1-67	1-67	1 67	1-67	1-67	1 67
On Germany,	Private Bills, 3 M/S D, A.	P39 1/4	1-39 l/s	1-39 V*	1-39 */«	1-39 Vs	1-39 */s
On Germany.	Bank Bills, on Demand	1-36	1-36	1.36	1.36	1-36	1-36
On Hongkong.	Private Bills 30 D/S	Rs. 132 p 100$	Rs.l32‘Mp 100$	Rs. 132 p 100$	Rs.l313Mp 100$	Rs.l313Mp 100$	Rs.l313Mp 100$
On Shanghai.	Rs. 175 V*	Rs 176 lU	Rs. 175 %	Rs. 175 V&lt;	Rs, 175 */4	Rs. 175 */4
Mauritius.	Private Bills 60 D/S	2 % Dis,	2 o/0 Dis.	2 % Dis.	2 % Dis,	2 % Dis.	2 % Dis.
Melbourne.	60 D/s	1  Natal.	3 M/S	|	1-4 u/ie	P4 “/„	l-4u/.e	1-4‘Vn	1'4TT/ia	1-42
On Bombay,	Bank Bills T. T.	Par.	Par	Par,	Par.	Par.	Par,
„	60 D/S	99	99	99	99	99	99
Govt. Securities,	3% %	Rs 95-8-0	Rs 95-8-0	Rs. 95-8-0	Rs. 95-8-0	Rs. 95-7-0	Rs. 95-7-0
Enfaced Rupee Paper. 3*/s %	£ 64-0-0	£ 64-0-0	£ 63-17-6	£ 63-17-6	£ 63-17-6	£ 63-17-6
Bank of Bengal, Minimum	4%	40/0	4%	4° 0	4 0 0	4%
QUOTATIONS FROM LONDON.  Bank Bills, 30 D/S. on Calcutta	P3-V.6	l-3i5/.6	1-3 13 ,6	1-3 15/io	1-3 *3/,6	1.3 *5/,„
Silver, per oz in London.	243/inrf.	24% d.	24 Vie d.	24 3/.od.	24 a/,6 d.	24 % d.
„	„	„	America	523/sc.	52 '/sc.	52 % c.	52 3/s c.	52 8/g c.	52 */s
Paris on London	2520	25.16	25.16 */s	25-18	25 19	25-19 */s
New York on London	4 86	4-861/,	4.86 V»	4 86 V*	4-86 */t	4 86 V8
Bank of England rate of Discount.	3 %	3	®/0	3	%	3	%	3 %	3 %
Rate in open Market for 3 M/S.	3*/8 %	3'/s %	3s/i«%	3 6	0/0	3 */•« °/o	3 s/4 %
	6	3% °/o	3%°/o	3% %	35 s %	33/4°/o	3 ’/s %
ßank of France,	3	°/o	3 %	3	%	3 %	3	«/«	3	o/0
Deutsche Reichs-Bank.	4	0/0	4	°/o	4	%	5	%	5	°/o	5	%

Couacil Dralls of 4th September 1911

Bills	Rs.	47,30,000	Tenderers	at l"4*/32	Received	7%	Average	16 03

T. T.	„	12,70,000	„	„ 1-4Vi6	„	7%	,.	1607

Total Rs. 60,00,000

Extra allotments for week ending 20th September 1911.

Nil.

Council Drafts of 21st September 1911.

~ büü

Calcutta
Bombay
Madras
T. T.

Allotted Rs. 45,70,000 i Tenderers at l.d'/ig

10,80,000

1,60,000

, Received 93°/o
' Average 16,06

Calcutta

Bombay

Madras

Allotted Rs,

| Tenderers at 1.43/32
&gt; Received 93%
1,90,000 ’ Averags 16,09

Total Rs. 60,00,000

Extra allotments of 21st September 1911.

Rs. 30,000 O. D, at l'43/32 Calcutta.

Next week Rs. 60 les.

w ö

2 «a

	O ro			
	O	CO	ro O	OO	
	O	OO	ro O	OO	
	to cn	rj! vo	OO	
&lt;	^	0	OO ON	00	
H			nO	
O	(NJ		Tf	
H	CN	Ol	Ol	
	T-H	Ol	01	
				

Amount of Council drafts budgeted for_19i 1-1912

Ü

£	17,158,300

Amount of Council Drafts drawn from Ist April 1911 to date 11,638,397* = Rs. 18,38,67,500
Do. do. do. same date to 22nd September 1910	£ 10,712,409 = Rs. 16,04,77,200

Balance to be drawn	£ 5,519,903	l'43/82	= Rs. 8,23,15,872

Do. do.	per week	£ 204,440	1’43/3i	= Rs. 30,48,736

Amount of Govt. Demand Drafts drawn by the Comptroller
General upon the Secretary of State. London, from Ist April to 2oth
September 1911.

Amount of Govt. Demand Drafts drawn by the Comptroller
General upon the Secretary of State. London, on 21st September 1911,

£ Nil,

£ Nil.

SPECIES ShIPMENT— of 9th September 1911.
Silver to Calcutta	£	30,000

Gold to do.	£	.

Silver to Bombay	£	280,000

Gold to do.	£	50,000

a 1*4Vi6

Silver Rs. 46,31,906
Gold „	7,47,081

Total Silver shipped	from London,	from	Ist April	1911 to	date

Do. Gold	do.	do.	do. do.

Rs. 3,64,66.117
„	4,54,85,784

Total Silver shipped from London. Ist April up to 22nd September 1910	... Rs. 3,52,60,611

Do. Gold	do. do. do. do,	do.	...	4,71,44,929

■	GENERAL summary.

lednesday Evemng^he20t^eptemb^J9JL—The^mai\iet ^has been very firm al[ the week with a fair amount of bills offering both for near and forward. There is not much mquiry
I^ay M°rninS' the 2Ist September 1911.-Market onens firm,'"Bank of Bengal rate remains unchanged at 4%.

Of this sum £ 1,333 300 has been placed to the account of the Currency Reserve for Investment in Consols,

%
        <pb n="56" />
        ﻿49

Während der Weg der Tratte umgekehrt verläuft wie
derjenige der Rimesse, bleibt der Weg der effektiven Zah-
lung für beide Methoden bestehen, nämlich die indi-
schen Staatskassen zahlen den Betrag an private Unter-
nehmungen in Indien, und in England sind es wiederum
private Unternehmungen, die den Betrag an den Indian
Council zurückführen. Das für die indischen Staatszahlun-
gen notwendige Kapital muß sich demnach in beiden Fällen
in Indien und in London befinden, es ist nicht so, als ob
man es dem „großen Geldmarkt" London als einem uner-
gründlichen Reservoir entnähme. Wichtig für die Entschei-
dung der Frage sind dagegen die Spesen, die in beiden
Fällen der indischen Regierung entstehen.

Zur Untersuchung des indischen Wechselkurses sind
die Notizen von Kalkutta herangezogen worden; der
nachstehend wiedergegebene ausführliche Kurszettel einer
dortigen Maklerfirma (Formular 1) zeigt ein anschauliches
Bild des indischen Devisenverkehrs,

Als Preisstufen sind üblich V32 d und */4 Pfennig. Die
Kurse von Kalkutta und Bombay differieren höchstens um
eine Preisstufe, also um 1/32 d. Über die Frage, welcher der
beiden Plätze der tonangebende sei, wird berichtet: „Ob-
gleich Kalkutta der etwas größere Geldmarkt und meist
der tonangebende Platz ist, gibt Bombay bei der Preis-
bildung doch manchmal den Ausschlag, z. B. im Mai, Juni
und Juli, wenn die Exportzeit für Saaten und Weizen ist,
da das Exportgeschäft in Kalkutta dann dort kleiner als
dasjenige in Bombay ist". Aus den zur Verfügung stehen-
den t. t. Notizen der Hongkong &amp; Shanghai Banking Corpo-
ration für Kalkutta und Bombay ergibt sich, daß die
Notierung in Kalkutta im Jahre 1910 sich bei 300 Notie-
rungstagen rund 50 mal änderte. In Bombay änderte sich
die Notiz zwar nicht ganz so oft, rund 45 mal, dafür waren
aber unter den 50 Änderungen Kalkuttas 28, die 1—4, sogar
bis zu 9 Tagen vorher bereits in Bombay eingetreten waren,
während es sich bei den anderen Fällen meistens um
gleichzeitige Änderungen handelte. Da aber der Unter-
schied niemals mehr als 1/32 d betrug, wird die Untersuchung
dadurch nicht beeinträchtigt. Der Devisenumsatz in
Kalkutta, der in außergewöhnlichen Fällen % Mill. £ pro

Mahlberg, Asiatische Wechselkurse.	4
        <pb n="57" />
        ﻿50

Tag und mehr betragen kann, wird im Durchschnitt auf
75000 £ täglich geschätzt; der Anteil an Markwechseln
dürfte dabei kaum 1 % ausmachen-

In den Diagrammen 1—4 ist der Verlauf der t. t, Notiz
für London und deren Umrechnung in Mark für die Jahre
1907—1910 nach den Veröffentlichungen der Deutsch-
Asiatischen Bank dargestellt.1) Zu beachten bleibt, daß die
Kurse vom Standpunkte Indiens aus wegen der indirekten
Notiz umgekehrt zu lesen sind; so wie sie dastehen, sieht
ihr Verlauf von England bezw, Deutschland her aus und
zwar bei direkter Notierungsweise. Von letzterem Stand-
punkte sollen der Übersichtlichkeit halber die folgenden
Ausführungen gelten.

Das Jahr 1907 eröffnete im ersten Viertel mit einem
Kurs von l/45/32—1 /41/s, das ist über bezw. auf englischem
Goldexportpunkt; von April bis September fiel der Kurs —
mit einer Unterbrechung im Mai, Juni — andauernd bis auf
l/331/32. Nach einer kurzen Erhöhung Ende September fiel
er im November rapide bis auf den unerhörten Satz von
l/323/32, d, i, eine Entfernung vom Pari, die das Doppelte
der Goldverschiffungskosten von Indien nach England aus-
macht, Dieser Satz dauerte nur wenige Tage, Ende No-
vember bis Ende Dezember stieg der Kurs wieder auf
1/3 15/i6. Wesentlich ruhiger war der Verlauf 1908, indem
der Kurs dauernd unter Pari und meistens auf der für
England günstigen, für Indien ungünstigen Goldgrenze
blieb oder diese überschritt. Im einzelnen war der Verlauf
dieser: erstes Vierteljahr hoher Kursstand, von da ab
Fallen der Notiz mit geringer Steigerung im April, Tief-
punkt im 3, Quartal, kurze Erhöhung im September, dann
abermaliges Fallen und zum Jahresschluß Steigen des
Kurses. Auch in den ersten drei Quartalen von 1909 war
der Kurs noch unter Pari, also für England günstig, für
Indien ungünstig, wenn auch nicht mehr so stark wie 1908;
im letzten Quartal steigt die Notiz schnell und bleibt hoch
bis zum Jahresende, Die Einzelbewegungen erscheinen
gegen die Vorjahre etwas verschoben, vorhanden ist die

1) Bei allen Diagrammen ist zu beachten, daß es sich um tägliche
Notierung handelt; infolgedessen sind die Diagramme der asiatischen
Kurse doppelt so breit wie die früher erwähnten Frankenkurs-Diagramme,
die nur 3 Notizen pro Woche enthalten.
        <pb n="58" />
        ﻿51

Steigerung im Mai—Juni, der Tiefstand im 3, Quartal, die
Steigerung im September—Oktober und zum Jahresende.
Die scharfe Spitze im Oktober, die einen Kurs von l/48/16
und Ji l,383/4 darstellt,beruht wohl auf einer irrtümlichen
Veröffentlichung, die richtigen Kurse waren an dem Tage
in Kalkutta 1/41/10 und M. 1,361/2, Das Jahr 1910 endlich
zeigt im Durchschnitt wieder einen Verlauf über Pari und
für Indien günstig, so daß die im Herbst 1907 beginnende
Baisse, bezw. für Indien Hausse, 1910 ihr Ende erreicht.
Das Jahr 1910 kann hinsichtlich der absoluten Kurshöhe als
normal angesehen werden, es entspricht etwa der Kurshöhe
1905 und 1906. An einzelnen Zügen ergeben sich; Hoher
Stand im ersten Viertel, Abschwächung April, Mai, An-
steigen im Juni, relativer Tiefstand im Juli, August, Steige-
rung im Herbst. Die in den anderen Jahren sich zeigende
Aufwärtsbewegung zum Jahresende tritt nicht so scharf hervor.

Die tatsächlichen Schwankungsgrenzen der 4 Jahre sind;
höchster Kurs	niedrigster Kurs

sh. d Ji	sh. d 4

1907	1/4	5/32	1,38i/4 ./.	1/3	23/32	l,34J/4

1908	1/3	31/32	1,361/4	1/3	27/32	l,34»/s

1909	1/4	1/8	1,371/2	1/3	27/32	l,34«/4

1910	1/4	3/16./. l,37i/2	1/3	29/32	1,35»/4

Diese Kurse wiederholten sich mehrfach mit Ausnahme der
mit dem Zeichen ,/. versehenen. Die Jahresdurchschnitte
der Kurse stellten sich ungefähr auf:

1907	1908	1909	1910

I/41/32	l/37/s	I/3S1/32	1/41/32

Über die Wirtschaftslage Indiens in den untersuchten
Jahren sei nach den Konsularberichten des Deutschen Han-
dels-Archivs 1907—1911 folgendes erwähnt:

Noch 1906 war die allgemeine Lage günstig; Geld stellte sich
sehr teuer, im Jahresdurchschnitt auf 7,8 °/n, im Dezember 1906 sogar
auf 9 °/0, Mit 1907 trat ein Umschwung ein. Zwar erreichte der
Außenhandel noch eine Rekordziffer, aber dennoch lag das Ge-
schäft sehr ungünstig. Der schlechte Ausfall der Regenzeit in Nord-
und Zentralindien ließ große Mengen Waren, die in Erwartung eines
guten Monsums bezogen worden waren, unverkauft, und in der ein-
geborenen Händlerschaft kam es zu zahlreichen Zahlungseinstellun-
gen. Auch für die Ausfuhr trat im Herbst ein starker Rückgang ein.
Die schlechten Ernten hatten in weiten Teilen Indiens eine Hungers-
not hervorgerufen, und zudem wirkte der plötzliche Rückschlag auf
        <pb n="59" />
        ﻿52

dem Weltmarkt ungünstig ein. Bemerkenswert ist eine starke Geld-
nachfragc gegen Jahresende bis Februar 1908, die sich bei der Finan-
zierung der Baumwollernte ergab.

Die Ereignisse von 1907 kamen erst 1908 durchdringend zum
Ausdruck. Die etwas bessere Ernte konnte den Ausfall des Vorjahres
nicht ausgleichen, während gleichzeitig die europäische Nachfrage für
wichtige indische Produkte unzureichend blieb. Auf die Einfuhr
drückten die noch aus 1907 vorhandenen und zu hohen Preisen herein-
genommenen großen Vorräte, Nebenumstände verschärften die Lage.
So herrschte eine nach dem Glauben der Hindus besonders ungünstige
Konstellation der Gestirne, es unterbleiben daher sämtliche Hoch-
zeiten, die einzige Gelegenheit, bei denen der sonst genügsame und
sparsame Hindu sich zu größeren Ausgaben versteht. Gegen Jahres-
ende wurde der Handel eine Zeit lang lahm gelegt durch einen Streit
zwischen Importeuren und einheimischen Händlern über die Abfas-
sung und die Bedingungen der Indents. Endlich machte sich die Agi-
tation zu Gunsten heimischer Fabrikate, die sogenannte Swadeshi-
Bewegung, störend bemerkbar.

Bezeichnend für die allgemeine Lage in 1908 sind die
folgenden Ausführungen des deutschen Handelssachver-
ständigen in Bombay: „Die indische Regierung konnte
1908/09 (April-März) nicht in der üblichen Weise mit Coun-
cil drafts regulieren, da die Ausfuhr beträchtlich zurück-
gegangen war. Hätte der Staatssekretär von Indien in Lon-
don den Versuch gemacht, seine ganzen Forderungen auf
Indien von London aus zu trassieren, so würde der Wechsel-
kurs sofort beträchtlich heruntergegangen sein. Um das zu
verhüten, wurde trotz heftiger Einsprüche der Banken und
Handeltreibenden Gold aus Indien seitens der Regierung
remittiert. Der hierdurch dem indischen Handel entzogene
Betrag belief sich auf 3 607 000 Rp. Die Goldausfuhr hätte
vermieden werden können, wenn den Wünschen der indi-
schen Interessenten Rechnung getragen worden wäre, ein
Teil der indischen Goldreserve statt in London in Gold in
Indien selbst zu halten." Wie das Diagramm ausweist, hielt
sich der Kurs trotz dieser Maßregel den größten Teil des
Jahres auf und sogar unter (indirekte Notiz!) dem indischen
Goldexportpunkt, sodaß die Einsprüche gegen die indische
Regierung als nicht durchschlagend angesehen werden kön-
nen. Ohne diese Maßregel wären die Kurse noch ungünsti-
ger und der Goldexport für jedermann rentabel gewesen,
während so die Regierung den Goldabfluß begrenzen konnte.
Der Forderung, die Goldreserve teilweise in Indien zu hal-

ti
        <pb n="60" />
        ﻿ten, ist in diesem Zusammenhang ebenfalls zu widersprechen,
denn dann hätte der größere indische Goldvorrat bei Unter-
bleiben der Regierungsrimesse lediglich einen absolut größe-
ren Goldabfluß ermöglicht. Die relative Bedeutung des
Goldexports wäre dabei vielleicht geringer gewesen.

Das Jahr 1909 war für Indien günstiger; die besonders reiche
Ernte konnte im Ausland zu wesentlich gestiegenen Preisen unter-
gebracht werden, sodaß die Ausfuhr Rekordziffern ergab. Die Ein-
fuhr blieb jedoch noch hinter 1908 zurück, ohne daß besondere
Gründe hierfür festgestellt werden konnten.

Auch in diesem Jahr griff die indische Regierung in die
Wechselkursgestaltung ein, indem sie in der Zeit vom 2.-9.
September, als der Kurs den Goldexportpunkt erreichte,
bezw. überschritt, auf dem indischen Markt als Ver-
käufer für Sterling-Tratten (im ganzen 156 000 £), also
ihrer sonstigen Zahlungsrichtung entgegengesetzt, auftrat*),
Da erfahrungsgemäß — sogar im Jahre 1907 — der Wech-
selkurs im letzten Jahresviertel sich stets für Indien günsti-
ger stellt, konnte sich der Staatssekretär später wieder ein-
decken, Daß diese Operation einer Goldverschiffung vor-
zuziehen ist, ist selbstverständlich.

Aus dem Wirtschaftsbericht 1910 ist Nachstehendes zu
erwähnen:

Die Witterungsverhältnisse waren im allgemeinen günstig, Regen
fiel reichlich und regelmäßig über den ganzen Kontinent, sodaß die
Ernten wiederum ausgiebig ausfieleh. Als natürliche Folge der vor-
züglichen landwirtschaftlichen Lage nahm der Ausfuhr- wie der Ein-
fuhrhandel einen weiteren Aufschwung; die Plazierungsmöglichkeiten
waren ebenfalls günstig und somit konnte die ersehnte Besserung
endlich eintreten.

Die Ziffern des indischen Außenhandels sind für
bis 1910 folgende:

Indiens Außenhandel
Einfuhr nach Indien
Gesamteinfuhr
davon aus
England

1) Nach Angaben eines von der Firma Page u. Gwyther, Discount
u, Exchange Brokers, Gracechurch Street 17, London E. C,, veröffent-
lichten Diagramms über Indian Council Bills; ein Exemplar des Dia-
gramms befindet sich im Archiv der Cölner Hochschulen,

zur	S e e i n	MUL
1907	1908	1909
1618	1788	1515
1105	1166	1000
        <pb n="61" />
        ﻿54

Deutschland	58	52	49	42
Australien	83	90	35	46
davon				
Silber für Private	87	121	142	124
„	„ die Regierung	173	94	1	0,8
Gold für Private	185	207	84	250
,,	„ die Regierung	0,6	0,2	0,0	0,1
Ausfuhr aus Indien im ganzen	1827	1829	1595	1943
davon nach				
England	510	491	405	527
Deutschland	198	203	156	179
Ver, St. von Nord-Amerika	158	136	132	143
China mit Hongkong 1)	191	155	192	194
davon				
Silber für Private	20	21	23	30
,,	„ die Regierung	0,0	0,0	0,0	0,0
Gold 1 2) für Private	37	34	37	33
Gold für die Regierung	—	—	3,6	0,0
Die Einfuhr Indiens verhielt sich		in den untersuchten		
Jahren zur Ausfuhr:				
1907	1908	1909	1910	
wie 100 zu	113	102	107	121	

Vergleicht man damit die Jahresdurchschnittskurse von
S. 51, so wird eine gewisse Übereinstimmung zwischen Kurs-
niveau und allgemeiner Wirtschafts- bezw. Außenhandels-
lage, die sich bereits aus den angeführten Berichten ergab,
auch zahlenmäßig deutlich.

Von nennenswerten Investierungen europäischen Kapi-
tals ist in den vier Jahren nicht zu berichten.

An Zinssätzen wird in Indien nur die Rate der Bank
of Bengal, die als Staatsbank angesehen wird, offiziell no-
tiert, während die in den Zeitungen veröffentlichten Zins-

1)	Die Wechselkurse für die Exporte nach China werden nicht
in Indien gesichert, sondern in China, ähnlich wie von Europa nach
dem Osten durch die Kursklausel in der Tratte.

2)	Hierin ist die indische Eigenproduktion von Gold (1908/09
31,5 Mill, Rp.) enthalten, die regelmäßig von den indischen Berg-
werken nach London zur Feststellung des wirklichen Goldgehalts ge-
sandt wird; ein gleicher Betrag ist auch bei der Einfuhr zu berück-
sichtigen. (Deutsches Handelsarchiv, Berichte aus Bombay 1910.)
        <pb n="62" />
        ﻿55

raten für tägliches Geld und Depositen auf kurze Kündi-
gung meist nur ungefähr den Satz, zu dem Geldgeschäfte
abgeschlossen wurden, angeben. Einen Privatsatz im Sinne
des Londoner oder Berliner Privatdiskonts kennt man in
Indien nicht; bei Wechseldiskontierungen wird der Zins zwi-
schen den Beteiligten von Fall zu Fall festgesetzt, offizielle
Notierungen werden darüber nicht veröffentlicht. Immer-
hin nimmt man drüben an, daß Platzwechsel meist zu 1%
unter der Rate der Bank of Bengal gehandelt werden, die
sich im Jahresdurchschnitt wie folgt stellte:

Bank of Bengal	1907	1908	1909	1910

Durchschnittlich 6,105°/0	5,83°/0	5,243°/0	5,326°/0

abzüglich l°/0	5,105%'...4,83%	4,243%	T,326%

Londoner Marktsatz 4, 53%	2,31 %	2, 31%	3, 18%

Kalkutta über LondoiTo,575%	2,52%	1,933%	U46%

t.t. London/Kalkutta	l/4%2	1/3%	1/331/s2	l/4%2

Die Höhe der Zinsspannung Kalkutta-London bewegt
sich zwar in einem ganz ähnlichen Rhythmus wie die Jahres-
durchschnitte der t, t, Notiz, aber dennoch sind beide Be-
wegungen als durchaus gegensätzlich anzusehen, da höherer
indischer Geldstand indische Forderungen auf London im
Werte mindert, während z. B, 1/3% für 1908 ein hoher
Wechselkurs ist, (Sieht man die t. t. Notiz als direkte No-
tierung Englands auf Indien an, so macht der höhere Zins
Indiens indische Wechsel wertvoller, während die t, t, Notiz
einen namhaften Preisfall zeigt.) Das Kursniveau im g a n-
z e n kann daher nicht von der Zinsspannung bestimmt sein,
der ähnliche Rhythmus beruht vielmehr darauf, daß durch
die allgemeine Weltkonjunktur der indische Wechselkurs
und der englische Marktdiskont beeinflußt wurden, wäh-
rend der indische Banksatz im Jahresdurchschnitt ziemlich
unverändert blieb, sodaß die Spannung der beiden letzteren
lediglich die Bewegung des englischen Satzes deutlich wer-
den läßt. Einer ähnlichen Täuschung könnte man sich hin-
geben, wenn man die später folgenden Linien des Londoner
Silberpreises mit der Kalkutta t. t, Notierung vergleicht.
Hier zeigt sich auf lange Strecken eine so ausgesprochene
Parallelität, daß man glauben könnte, Silberpreis und indi-
scher Wechselkurs bedingten einander, Indien sei also noch
        <pb n="63" />
        ﻿56

immer im Banne des Silbers, während auch hier die Welt-
konjunktur für beide die Ursache ist.

Wie im einzelnen Wechselkurs und britisch-indische
Zinsspannung sich zueinander verhalten, zeigt Diagramm
Nr. 1—4, wobei unter Platzdiskont in Kalkutta der um 1 °/0
verminderte Satz der Bank von Bengalen zu verstehen ist.
Die gestrichelte Linie zeigt an, wieviel Prozent der letztere
Satz über (-f) oder unter (—) dem Londoner Marktdiskont
sich jeweilig befand. Bei dem Verlauf der Kurve sind zwei
Bewegungen zu unterscheiden, und zwar die von Änderun-
gen des Londoner und die von Änderungen des indischen
Diskonts ausgehenden Bewegungen. Da der indische Satz
als Banksatz sich stets nur um ganze Prozente geändert hat,
zeigt die Kurve an diesen Stellen ein senkrechtes Fallen
oder Steigen um rund 1 °/0, während jedes Schwanken der
Kurve um kleinere Beträge von London ausgeht.

Der Verlauf der Zinsdifferenz-Linie zum Wechselkurs
bestätigt im wesentlichen das Ergebnis der Jahresdurch-
schnitte; nur für 1907 könnte man von einem in etwa gleich-
mäßigen Verlauf für längere Zeit sprechen, während die
anderen Jahre im ganzen einen fast gegensätzlichen Ver-
lauf zeigen. Auch der Zusammenhang bei den Linien auf
kurze Strecken, der sich z. B, bei dem deutsch-französi-
schen Wechselkurs noch sehr deutlich und regelmäßig zeigt,
ist hier nur schwach ausgeprägt. Die von London aus-
gehenden Veränderungen wirken fast gar nicht auf den Kurs
— Ausnahme 1907 —, und auch die prozentweisen indi-
schen Zinsänderungen setzen sich vielfach nicht durch.
Äußerlich betrachtet erscheint bereits die Schwerfälligkeit
der indischen Wechselkursnotiz und des — im Gegensatz
zum Londoner — tägliche Schwankungen nicht berücksich-
tigenden indischen Diskonts einer engeren Anpassung hin-
derlich zu sein. Das heißt nichts anderes, als daß die Geld-
marktverhältnisse in Indien lange nicht so scharf organisiert
sind wie in London, daß so feine Wertunterschiede, wie sie
in Europa geläufig sind, drüben noch nicht die Regel bilden
und daß sich vielmehr die Preisbildung in groben, nur ganz
starke Einflüsse berücksichtigenden Bahnen bewegt. Viel-
leicht liegt darin schon eine Erklärung für die geringe Ein-
        <pb n="64" />
        ﻿57

Wirkung der Zinsdifferenz auf den Wechselkurs *). Daß das
Jahr 1907 sich in diesem Sinne als Ausnahme darstellt,
spricht ebenfalls für die Annahme, denn 1907 stand überall
die Gestaltung der Geldverhältnisse weitaus im Vorder-
gründe. Im übrigen darf man aus der geringen Parallelität
von Wechselkurs und Zinsdifferenz folgern, daß für Indien
der Außenhandel hauptsächlich den Wechselkurs bestimmt
und die Gestaltung der Zinsverhältnisse an Bedeutung zu-
rücktritt. Das paßt zu dem agrarischen Charakter des Lan-
des, zu seiner Handelsorganisation und zu den drüben als
üblich angesehenen Schwankungen des Wechselkurses. Man
berichtet hierüber: „Die hiesigen Wechselkurse auf Europa
zeigen meist periodische Schwankungen; dieselben sind ge-
wöhnlich, d. h, in normalen Jahren, Dezember-Februar,
wenn die große Burma-Reisernte und die Baumwollernte in
den westlichen Provinzen in vollem Schwünge sind, am
höchsten, schwächen sich im März-April, wenn diese Ernten
vorüber sind, meist etwas ab, steigen Ende April-Juni wie-
der, wenn der Export in Saaten und Weizen stattfindet,
erreichen im Juli und Anfang August, da dann in fast ganz
Indien das Exportgeschäft ruht, ihr niedrigstes Niveau und
steigen Mitte August wieder aus Anlaß der Jutesaison.‘‘

Da sich diese Schwankungen ebenfalls aus den Dia-
grammen ablesen lassen, ist man berechtigt, auch für prak-
tisch-geschäftliche Zwecke mit ihnen zu rechnen. Von dem
Einfluß der Diskontsätze ist zu behalten, daß vielfach die
Diskontänderungen der Bank von Bengalen den Wechsel-
kurs mit sich ziehen, während die Londoner Änderungen in
der Regel wirkungslos bleiben, und daß zudem teurer Geld-
stand in Europa mit starker Geldnachfrage in Indien und
umgekehrt auch die Zeiten des leichtesten Geldstandes
hüben und drüben zusammen fallen.

1) Herr Professor W a 1 b, Cöln, weist mich darauf hin, daß bei
diesen Verhältnissen die Anlagemöglichkeiten für ausländisches Kapi-
tal besonders zu beachten sind; es fehle hier die Einrichtung der
Privatdiskonten.
        <pb n="65" />
        ﻿58

2.	Der Wechselkurs von Singapur.

Die britische Kronkolonie Straits Settlements (Straßen-
siedlungen), 39 509 qkm groß mit 612 000 chinesisch-malayi-
schen Einwohnern1), besteht aus den Gebieten Singapur,
Malakka, Penang und Wellesley; als natürliches Hinterland
kommen hierzu die ebenfalls unter britischer Herrschaft
stehenden Vereinigten Malayenstaaten mit 88 000 qkm und
830 000 Einwohnern. Die Hauptstadt der Straits, Singapur,
auf der gleichnamigen, dem südlichsten Ende der Halbinsel
Malakka vorgelagerten Insel mit 184 000 Bewohnern ver-
dankt ihre Stellung als erster Markt im malayischen Archi-
pel einer auch für den fremden Handel liberalen Handels-
politik der Regierung, vor allem aber der natürlichen Lage.
Etwa gleichweit von Ceylon und Hongkong und von Kal-
kutta und Australien entfernt, schließt Singapur den Ein-
gang zum chinesischen Meer; ein Kreis mit dem Mittelpunkt
Singapur und einem Radius von 1000 englischen Meilen
schneidet oder schließt ein: Siam, Borneo, die Philippinen,
Cochinchina, die holländischen Besitzungen in Java, Suma-
tra und den malayischen Archipel. Singapur ist daher zu
einem großen Stapelplatz für einen wichtigen Teil des
Ostens geworden, nach dem die Erzeugnisse dieser Länder
zusammenfließen und von dem aus die europäischen Waren
verteilt werden, Vielfach ist dieser Verkehr noch reiner
Tauschhandel, der von indischen, arabischen und chinesi-
schen Händlern betrieben wird. So besteht z, B. zwischen
Singapur und seinem größten Abnehmer europäischer Manu-
fakturwaren Siam — Siam bezieht rund 70% seines Imports
von Singapur und gibt dafür namentlich Reis — fast aus-
schließlich chinesischer Tauschhandel großen Stils. Der
Handel mit Europa, Amerika undAustralien wird vonEuro-
päem beherrscht, während der Verkehr mit Indien und
China in den Händen von Indiern und Chinesen ruht.
Allerdings hat die Stellung Singapurs als Umschlagsplatz

I) Nach „Zur Handelsorganisation in den Straits-Settlements und
den Vereinigten Malayenstaaten", Berichte über Handel und Indu-
strie, Bd. XI, 1908, Heft 9, ebenso Bd. X, 1907, Heft 10, und Hein-
rich XXXII., Prinz Reuß j. L.: „Die Vereinigten Malayenstaaten",
in Schmollers Jahrbuch 1910.
        <pb n="66" />
        ﻿59

durch den immer größer werdenden direkten Verkehr be-
reits gelitten, doch bietet sich eine gleichwerte Entschädi-
gung durch die stark fortschreitende wirtschaftliche Erschlie-
ßung des Hinterlandes, namentlich der Malayen-Staaten.

Die Straits-Settlements hatten ursprünglich wie alle
Länder des Ostens eine reine Silberwährung x), die in der
Weise geregelt war, daß durch Ordre in Council vom 2, 2.
1895 der mexikanische Silberdollar, der britische und der
alte Hongkong-Dollar als legal tender erklärt worden
waren. Seit dem 22, November 1906 ist das Pfund-Ster-
ling gesetzliches Zahlungsmittel, zu dem das eigentliche
Umlaufsmittel, der Straits Settlements Dollar, mit unbe-
schränkter Zahlkraft in eine feste Relation gebracht wurde,
so daß die Regelung ähnlich wie in Indien ist. Da die eng-
lische Regierung aus den Erfahrungen in Indien gelernt
hatte, so gestaltete sich die Durchführung des Anschlusses
der Straits an die Goldwelt wesentlich einfacher; allerdings
ist dies auch wohl auf die kleineren Verhältnisse zurück-
zuführen. Man schuf zunächst eine eigene Münze, den er-
wähnten Straits Settlements Dollar, der dem britischen
Dollar ähnlich ist, und verordnete am 24, August 1904, daß
innerhalb 8 Tagen die bisherigen Münzen gegen den neuen
Dollar umgetauscht sein müßten und daß danach nur noch
der neue Dollar Zahlungskraft besitze. Zwei Jahre später
wurde durch eine Ordre in Council (22.10,06) der Sovereign
zu dem Satze von 7 £=60 Straits Dollar = 2/4 per $ als ge-
setzliches Zahlungsmittel erklärt unter Aufrechterhaltung
letzterer Eigenschaft für den Dollar und am 1, August 1907
der Umlauf aller fremden Münzen verboten. Der Straits
Dollar ist 800 fein und wiegt 20,28 g; dasselbe gilt für die
halben Dollarstücke, während durch Gesetz vom 4, De-
zember 1909 der Feingehalt der Scheidemünzen zu 20,10,
5,1, x/2 und J/4 Cent, auf 600 verringert wurde.

1) Über die Währungsgeschichte der Straits siehe ausführlicher
Sonndorfer, Währungsreformen in Ostasien und Ostafrika, Zeit-
schrift für Handelswissenschaft und Handelspraxis, 1910, Heft 10,
ferner die genauen Angaben in Statistical abstract of the colonies,
1911, Abschnitt 5, und Die Währung in den Straits-Settlements, Kolo-
nialpolitische Studie von * , * in Schmollers Jahrbuch. 1912, II.
        <pb n="67" />
        ﻿60

Über die Wirkung der Währungsreform schreibt der
Kaiserliche Generalkonsul in Singapur am 25, Juni 1908
(Nachrichten für Handel und Industrie 1908Nr, 107): „Auch
die Festsetzung des Goldwertes der Dollars auf 2 sh. 4 d
im Jahre 1906 hat ungünstige Wirkungen nach sich
gezogen. Die nächste Folge des hohen Dollarkurses war
eine erhebliche Verteuerung der Lebenshaltung und eine
Erhöhung der Produktionskosten aller Rohprodukte. Trotz
des höheren Goldwertes des Dollars trat keine Reduzierung
der Löhne ein; vielmehr konnten die Kulis bei den hohen
Zinn- und Kautschukpreisen sogar noch Lohnerhöhungen
durchsetzen, während die Weltmarktpreise sich nach der in
den Straits festgesetzten hohen Währung richteten. Würde
bei den heutigen geringen Preisen (Juni 1908) der Wechsel-
kurs niedrig stehen, so würde die Krisis nicht so schwer
auf der Kolonie lasten. Noch in anderer Hinsicht hat sich
der hohe Dollarkurs als verderblich erwiesen, indem die
Chinesen zu Kursspekulationen auf chinesische Plätze ver-
leitet wurden, die früher nicht in ihrer Sphäre lagen und
zu denen lediglich der feste hohe Dollarkurs die Hand-
habe bot. Vor der Festsetzung des Dollarkurses standen
die Notierungen in Singapure mit denen in China ungefähr
gleich, so daß Kursspekulationen beinahe ausgeschlossen
waren. Wenn gleichwohl Kurstransaktionen schon seit
vielen Jahren auf China gemacht wurden, so waren sie
lediglich auf Warenbezügen von und nach China basiert,
teils dienten sie zur Überweisung der von den zahlreichen
in den Vereinigten Malayenstaaten und in Niederländisch-
Indien lebenden Kulis gemachten Ersparnisse in die Hei-
mat, Der feste hohe Dollar brachte größere Kursschwan-
kungen zwischen Singapur und China mit sich, die von den
Chinesen zu umfangreichen Kursspekulationen benutzt wur-
den, Als Ende vorigen Jahres (1907) Silber im Preise fiel,
wurden ganz enorme Summen aufs Spiel gesetzt. Die
Hoffnung auf baldige Erholung der Silberpreise verwirk-
lichte sich nicht, vielmehr fiel das Metall infolge der ameri-
kanischen Krisis und der indischen Hungersnot um fast
25°/0, so daß Millionen verloren wurden. Dann hatte auch
die Regierung vorübergehend, um die durch den niedrigen
Silberpreis bedrohte Währung zu stützen, durch Zurück-
        <pb n="68" />
        ﻿61

Ziehung ihrer Überschüsse von den Banken die Geldknapp-
heit vermehrt."

Während die hier geschilderte Wirkung der Reform
nur von vorübergehender Dauer ist und sich allmählich
ausgleicht oder ausgeglichen hat, brachte die Einführung
der Standard Währung den endgültigen wirtschaftlichen
Nachteil, daß der Kolonie dadurch der Zahlungsverkehr
zwischen Siam, Sumatra und dem holländischen Archipel
auf der einen Seite und Europa, praktisch London, auf der
Gegenseite verloren gegangen ist. Der Wechselkurs Sin-
gapurs auf London ist heute nur noch der Ausdruck für die
Zahlungsverpflichtungen der Straits Settlements und der
Vereinigten Malayenstaaten im Verkehr mit Europa,

Im übrigen hat sich jedoch die Einführung der neuen
Währung glatt vollzogen, und das Ziel, Aufrichtung einer
festen Goldparität von 2/4 = 1 $, ist im erstrebten Umfange
erreicht worden, wie sich aus den Diagrammen 5—8, die
grade mit dem Jahr 1907 beginnen, ergibt: Der Kurs
schwankte in den untersuchten Jahren, abgesehen von der
Krisis in 1907 und Anfang 1908 nur innerhalb der Gold-
punkte; die Herabsetzung des Dollarfeingehalts am 11, Fe-
bruar 1907 blieb auf den Wechselkurs ohne Einfluß,

Gleichzeitig mit der Einführung der Sterling-Währung
wurden die „Currency Commissioners" ermächtigt, Noten
zu verausgaben gegen telegraphische Auszahlung von Gold
in London zu Gunsten der Kronagenten, Über den Umfang
der Notenausgabe überhaupt wie über den Betrag solcher
Überweisungen, die in London zinstragend angelegt sind,
unterrichten folgende Zahlen:

Notenumlauf Ende Juni 1911	$ 35 648 960.—

Deckung bar Gold £ 1285195.9,—	„ 11 015960.97

Deckung Silbercoins (legal tender)	„ 11 377 559.98

Deckung Gold Stocks Kaufwert 14,08 Mill $„ 11 955 870.86
Kurswert 30/6.

Während die Ausgabe von Noten in den Straits gegen
Geldüberweisung in London mehr den Sinn hat, die Straits-
Noten in den Verkehr zu bringen, sind die Currency Com-
missioners nach einer Mitteilung des Handelsarchivs 1908
II. Teil auch zur umgekehrten, auf den Schutz der Währung
abzielenden Transaktion berechtigt, d, h. sie können, wenn
        <pb n="69" />
        ﻿62

der Wechselkurs sich entsprechend ungünstig gestaltet,
Auszahlungen auf London verkaufen, also praktisch Gold-
zahlung in England gegen Silberwährungsgeld in den
Straits. Die Straitsregierung hat im Oktober 1907 von
dieser Ermächtigung Gebrauch gemacht. Ein bestimmter
Kurs, bei dem die Maßregel eintreten müßte, ist nicht fest-
gesetzt.

Die deutsche Parität des Straits Settlements Dollars läßt
sich nur auf dem Wege über den Sovereign gewinnen, und
zwar, da 60 $ = 7 £, durch die Rechnung.

7 .	20,42946

60

sodaß 1 $ = Ji 2,383437 ist. Die Goldverschiffungspunkte
zwischen Deutschland und Singapur werden theoretisch
bestimmt durch die Versendungskosten zuzüglich Beschaf-
fungs- bezw. Verwertungskosten von Pfund-Sterling, jedoch
sind Edelmetalltransaktionen weder mit Deutschland noch
mit England verkehrsüblich, „da die Regierung es vorziehe,
unter Abzug von 3/16 d für Verschiffungskosten Gold
in London in Empfang zu nehmen“. Da 3/16 d zirka
6,78°/00 der Parität ausmacht, so entspricht der Satz un-
gefähr den Kosten für das etwas weiter liegende Kalkutta
mit 7,81°/oo- Durch diese Gepflogenheit der Regierung, die,
wie erwähnt, als Gegenwert Noten hergibt, wird der Gold-
importpunkt für die Straits auf 2/43/16 festgelegt. Einen be-
stimmten Goldexportpunkt kennt man nicht, man wird ihn
jedoch ebenfalls 3/16 d von der Parität entfernt, also bei _
2/313/16 suchen dürfen, da die Spesen in der umgekehrten
Richtung kaum andere sind. Nach Ausweis des Diagramms
hat sich denn auch der Kurs, abgesehen von der Herbst-
krisis 1907 und den folgenden Monaten nie unter ?/313/10
bewegt. Nach der neuesten Veröffentlichung über die
Straitswährung*) soll die Straitsregierung gegebenenfalls
Silber zum Satze von 2/31 11/16 in Singapur aufnehmen gegen
Auszahlung von Gold in London, Im Oktober 1907 ist dies
tatsächlich geschehen.

1) Die Währung in den Straits-Settlements, Kolonialpolitische Stu-

die von * , *, Schraoller’s Jahrbuch, 1912, II.
        <pb n="70" />
        ﻿63

Die Edelmetallbewegung	stellte	sich in	den	Jahren
1907—1910 wie folgt:				
Millionen £	1907	1908	1909	1910
Einfuhr Gold in Barren	0,7	0,4	0,5	0,8
„ gemünzt	0,5	0,2	0,4	0,9
Davon aus England	0,4	0,0	0,0	0,1
Einfuhr Silber in Barren	0,0	0,0	0,0	0,0
„ gemünzt	2,0	1,7	0,5	0,4
Davon aus England	1,0	0,6	0,0	0,0
Ausfuhr Gold in Barren	0,3	0,3	0,3	0,2
„ gemünzt	0,2	0,3	0,2	0,2
Davon nach England	0,2	0,3	0,1	0,1
Ausfuhr Silber in Barren	—	—	—	0,0
„ gemünzt	2,2	0,7	1,2	1,6
Davon nach England	1,0	0,0	0,0	0,0

Danach ist namentlich die Ausfuhr von Goldmünzen
von geringer Bedeutung, während diejenige von Silber-
münzen mit der Währungsreform zusammenhängt.

Von der Organisation des Singapurer Fremdwechsel-
markts ist zu sagen, daß sie außerordentlich wenig aus-
gestaltet ist und daß von den behandelten asiatischen
Plätzen das Geschäft in Singapur am meisten privaten Cha-
rakter trägt, was namentlich hinsichtlich der Qualität des
Wechselmaterials gilt. Die Umsätze in Devisen bauen sich
fast ausschließlich auf dem effectiven Bedarf des Waren-
handels auf, „Firmen, bei denen man vermutet, daß sie
Zinsunterschiede ausnützen wollen, verweigert man in
solchen Fällen Rimessen auf Kredit“, und regelrechte
Wechselarbitragen sind nicht üblich. Die bereits erwähn-
ten Arbitragen der Chinesen mit Hongkong und Schanghai
haben seit dem Silbersturz in 1907 fast aufgehört; auch hier
beruht heute das Geschäft lediglich auf dem effektiven
Bedarf. Dazu paßt die außerordentliche Größe der Preis-
stufen, die mit Vie d rund 2°/00 der Parität ausmachen und
in keiner Weise als zu groß empfunden werden, Singapur
ist eben in erster Linie Warenhandelsplatz, die Gelegenheit
        <pb n="71" />
        ﻿zu Kapitalanlagen ist am Orte selbst wie in seinem Hin-
terlande nur gering, so daß ein eigentlicher Kapitalverkehr
größeren Umfanges nicht existiert, und z. B, Kapitalüber-
weisungen, die 1910 zur Anlage von Kautschukplantagen
von London aus erfolgten, den Wechselkurs fast während
des ganzen Jahres auf dem Satze von 2/41/8, also dicht am
Goldimportpunkt festhielten. Der Wechselkurs bildet sich
hauptsächlich durch die Umsätze in 3 Monatsaccept, der
Verkehr in t. t. ist geringer als an den anderen Plätzen.
Ein durch Angebot und Nachfrage hervorgerufener direkter
Kurs auf Deutschland existiert ebenfalls nicht; er wird
vielmehr nur auf Grund einer Croßrate berechnet. Ähnlich
ist es mit den anderen europäischen Wechselkursen, sodaß
aus der langen Liste des nachstehenden Kurszettels (Form,
2) nur die Londoner Notizen größere Bedeutung bean-
spruchen können.

An periodischen Erscheinungen des Kursverlaufs ist
aus den Diagrammen nicht viel herauszulesen, da von den
untersuchten vier Jahren 1907 und 1910 ausscheiden, 1907,
weil es das erste Jahr der neuen Währung und das Jahr
der Herstkrisis ist, 1910 wegen der erwähnten Störung
durch Kapitalinvestierungen, Die einzige drüben bekannte
periodische Kursschwankung — Steigen der Notiz (also
Billigerwerden) in der ersten Hälfte des zweiten Semesters
auf die verschiedenen Ernten hin — läßt sich Jedoch auch
im Diagramm nachweisen. Außerdem kennt man noch eine
Belebung des Importgeschäfts nach dem chinesischen Neu-
jahr, also etwa Februar—März, die in den untersuchten
Kursen aber nicht zum Ausdruck kommt. Der Verlauf des
allgemeinen Kursniveaus der einzelnen Jahre wird wieder
durch die Zeichnung deutlich; Normaler Verlauf bis Herbst
1907, dann scharfer Umschwung, der sich in das Jahr 1908
fortsetzt, letztes Quartal 1908 leichte Besserung, die in 1909
wieder zu günstigen Kursen führte; auch 1910, trotz der Be-
harrung auf einen Punkt, günstiger Kurs. Die ungefähren
Durchschnittskurse waren

im	Jahre	1907	1908	1909	1910

für t. t.	2/4	2/313/ie	2/331/82	2/4»/g

,. 3 m/s	2/41/2	2/43/le	2/43/8	2/4»/a
        <pb n="72" />
        ﻿65

Formular 2.

AD1S &amp; EZEKIEL.

BROKERS.

SINGAPORE.

RATES OF EXCHANGE.

18‘h August 1911.

Selling Rates.

London 4 m/s
Do. 3 „

Do. 60 d/s
Do. 30 „

Do, demand
Do. T.T.

Lyons demand
Marseilles demand
Paris demand
Hamburg „

New York „

Batavia „

Sourabaya „

Samarang ,,

Penang „

Calcutta „

Bombay „

Rangoon „

Madras „

Colombo „

Hongkong „

Saigon ,,

Manila „

Bangkok „

Shanghai „

Yokohama „

Melbourne „

Sydney „

Amoy „

Bar Silver in London.

Hongkong Bank.	N, T. Society,
2-4 »/16	2-411/32
2-49/32	
2-41/4	
2-47/32	
2-48/32	2-43/32
2-4ä/32	2-43/32
2941/2	2941/s
2381/a	2381/a
56s/8	
1401/a	1406/8
I4OV4	1401/i,
i/8°/0 pm	1/4°/o P‘n
1743/4	1743/4
1741/2	1748/8
1741/2	174 s/8
227/s°/o dis	
227/8°/o	„	
115	115
647/8	65
981/t	
1143/4	1143/4
2-43/32	2-43/32
23i/s°/0 dis	
24	24

Mahlberg, Asiatische Wechselkurse.

5
        <pb n="73" />
        ﻿Die Kursgrenzen stellten sich wie folgt:

Kurs für t, t, höchster niedrigster

1907	2/43/16	2/35/8

1908	2/315/18	2/3b/8

1909	2/41/8	2/313/18

1910	2/41/8	2/41/16

Die in 1909 und 1910 vorkommenden extremen Kurse
sind Veröffentlichungsfehler, Hingewiesen sei noch darauf,
daß die den asiatischen Wechselkursen allgemein anhaf-
tende Stetigkeit bei Singapur besonders stark hervortritt.

Die Außenhandelsziffern *) der Kolonie sind diese:

Einfuhr Mill.	1907	1908	1909	1910
Insgesamt	40,9	36,9	36,6	42,5
Davon aus England	5,8	4,4	3,9	4,6
Britisch-Indien	4,9	4,0	4,0	6,5
Ver, Malayen-Staaten	8,7	8,2	7,8	8,3
Deutschland	0,7	0,6	0,5	0,6
Ausfuhr insgesamt davon nach	35,6	31,9	32,8	37,8
England	8,8	7,6	7,5	10,2
Britisch-Indien	2,1	1,9	2,0	1,9
Verein. Malayen-Staaten	4,9	5,0	4,7	5,0
Deutschland	0,8	0,7	1,0	1,6
Einfuhr z, Ausfuhr wie 100 zu 87		86	89	89

Die allgemeine Wirtschaftslage in den Straits Settle-
ments gestaltete sich nach den deutschen Konsulatsberich-
ten wie folgt:

Das Jahr 1907 nahm für die Straits-Settlements und ihr Hinter-

land, die Vereinigten Malayenstaaten, einen ungünstigen Abschluß,
wenngleich die Außenhandelsstatistik höhere Ziffern aufwies. Es
begann mit einem überfüllten Markt in Einfuhrwaren. Hierzu kamen
schädigende Wirkungen der Währungsreform, die im letzten Quartal
durch den unheilvollen Ausgang wilder Spekulationen in Kursver-
trägen auf China und in Zinn2) auf Europa äußerst verschärft wurden.
Die Folge war die Zahlungseinstellung von über 30 Firmen und ein 1 2

1)	Die amtliche Statistik ist nicht zuverlässig, da die Waren nicht
nach Herkunft aufgenommen werden, sondern dem Lande des Platzes
zugezählt werden, wo sie zum ersten Mal ein- bezw. ausgeladen wer-
den, Handelsarchiv 1910, II.

2)	Die Straitshäfen liefern über 60°/o des Weltzinnkonsums; Zinn
fiel damals von £ 197.—.— per ton auf 122.—.— in wenigen Monaten
        <pb n="74" />
        ﻿67

Losschlagen großer Warenvorräte zu Schleuderpreisen. Der Im letz-
ten Quartal einsetzende Preissturz von Zinn und Kautschuk, der ein
überwiegen der Einfuhr über die Ausfuhr herbeiführtc, wirkte im
Verein mit den hohen Geldsätzen in Europa auf den Wechselkurs,
Hierzu kam der niedrige Silberpreis, die Ungewißheit über die Ab-
sichten der niederländisch-indischen Regierung mit Bezug auf die in
Sumatra in großen Beträgen in Umlauf befindlichen Straits-Dollars
und schließlich die in Singapur selbst infolge der Auszahlung des
Kaufpreises für eine große Dockanlage in Umlauf gesetzten Geld-
beträge,

Im Oktober 1907 sah sich die Regierung veranlaßt, hel-
fend einzuspringen, indem sie telegraphische Überweisungen
auf London zu 2/33/4 ausgab, die später auf 2/311/16 herab-
gesetzt wurden; außerdem gab sie Gold gegen Silber her.
So kam es, daß gegen Ende des Jahres die Banken
487 000 £ in Überweisungen und 335 000 £ in Gold aufge-
nommen hatten. Die dadurch herbeigeführte Verminderung
des Umlaufs besserte den Kurs gegen Ende des Jahres um
ein geringes. Im ganzen ließ der Handel in den Straits im
ersten Vierteljahr 1908 gegen den gleichen Zeitraum 1907
um 12,4 Mill, $ nach. Der Singapurer Aktienmarkt zeigte
den gleichen Niedergang. Am 27. Juni 1907 war der Durch-
schnittskurs für die 26 dort notierten Zinn-Minen 12,43 $
pro Aktie, am 25, Juni 1908 6,70 $.

Auch das Jahr 1908 war wirtschaftlich außergewöhnlich ungün-
stig. Niedrigere Produktenpreise, Verlust von Frachten, verminderte
Kaufkraft und große Vorräte von Einfuhrwaren ließen ein Geschäft
nicht aufkommen. Erst das Jahr 1909 brachte dann für die Kolonie
die Besserung, Der Produktenhandel gestaltete sich bei guten Prei-
sen lebhaft und war nur zeitweise etwas eingeschränkt durch man-
gelnde Tonnage für „schmutzige Frachten'1, wie Kopra, Gambir, Jelu-
tong-Öl. Auch die Lage des Einfuhrmarktes war gesund, und die Um-
sätze in „rough goods", namentlich Bedarf für Kautschukplantagen
und in „piece goods" zeigten einen großen Aufschwung. Dazu kam
Kapitalzufluß zur Anlage zahlreicher Kautschukplantagen.

Für 1910 liegen Berichte nicht vor; ein Zusammenhang
mit dem Wechselkurs wäre daraus auch nicht zu erwarten,
da durch die erwähnten Kapitalinvestierungen der Kurs fast
das ganze Jahr hindurch auf der gleichen Höhe gehalten
wurde.

Im großen und ganzen stimmen diese Berichte mit dem
allgemeinen Kursniveau, wie es auf Seite 64 dargestellt
        <pb n="75" />
        ﻿68

wurde, überein, während die Außenhandelsziffern kein
deutliches Bild geben.

Wie wenig in Singapur der Kapitalverkehr ausgebildet
ist, geht daraus hervor, daß irgendwelche Zinssätze nicht
notiert, sondern von Fall zu Fall je nach der Güte des Geld-
nehmers — nicht nach der Größe des Vorrats — festgesetzt
werden. Als allgemein gültigen Satz kennt man nur den
„Zinsfuß für tägliche Überziehungen erstklassiger Firmen",
für den aber seit Jahren Schwankungen nicht zu verzeichnen
waren, der vielmehr in der hier untersuchten Zeit unver-
ändert 5% betragen hat. „Und zwar hielt sich der Satz auf
5°/0, selbst wenn London höher war, nur wurden keine
Transfers gemacht, bei denen eine Zinsgewinn-Absicht ver-
mutet wurde.“ Das schließt natürlich nicht aus, daß das
Verhalten der Banken selbst im Devisenmarkt von der Zins-
entwicklung beeinflußt worden ist und der Wechselkurs
dennoch durch die Zinsdifferenz bedingt wurde; jedoch zei-
gen sowohl die Jahresdurchschnitte wie das Diagramm im
einzelnen, daß die Geldmarktorganisation zu primitiv ist,
um derartig feine Faktoren zu berücksichtigen. Der Jahres-
durchschnitt des Londoner Privatdiskonts stand unter 5°/0

im Jahre	1907	1908	1909	1910
um %	0,47	2,69	2,69	1,82
Durchschnittskurs	1.1, 2/4	2/313/i6	2/331/32	2/4i/8

Eine kleine Diskontdifferenz fällt also mit einer großen
Kurszahl und eine große Differenz mit einer kleinen Kurs-
zahl zusammen, während es umgekehrt sein müßte, wenn
der Zinsfußgestaltung ein Einfluß zukäme. Von dem Rhyth-
mus der beiden Zahlenreihen ist dasselbe zu sagen wie bei
Indien; die Gleichartigkeit ist bei beiden Ausdruck der
Weltkonjunktur. Die gestrichelte Diskontdifferenz-Linie im
Diagramm ist nichts anderes als der umgekehrte Londoner
Marktdiskont; 1% in London entspricht +4°/0 imDiagramm,

5°/0 fällt auf -|-0°/0 und 6°/0 in London auf —1°/0, Ein

nennenswerter Zusammenhang zwischen Zins und Wechsel-
kurs findet sich nur im Flerbst 1907, wo eben die Diskont-
verhältnisse kein feiner, sondern der alles beherrschende
Faktor waren.

Als Zeit regelmäßigen Geldmangels gilt in Singapur
        <pb n="76" />
        ﻿69

der Herbst mit seinen verschiedenen Ernten; außerdem sind
übergroße Nachfragen nach Zinn, die natürlich jederzeit ein-
treten können, meistens mit Geldknappheit verbunden.

3,	Der Japanische Wechselkurs.

Japan hat seit 1897 Goldwährung1), jedoch sind die
von der Nippon Ginko {Nationalbank) ausgegebenen Bank-
noten das eigentliche Zahlungsmittel. Münzeinheit ist der
Gold-Yen1 2) ä 100 Sen ä 10 Rin = 0,75 g Feingold, Ge-
prägt werden Goldstücke zu 20, 10 und 5 Yen, während
1 Yen-Stücke auch nicht in Silber geprägt werden, sodaß
auf 5 Yen als nächst kleinere Münze das silberne 50 Sen-
Stück folgt. Eine genaue Wiedergabe des japanischen
Münzgesetzes unter Berücksichtigung der Änderungen von
1906 und 1907 findet sich im Deutschen Handelsarchiv
1909, I, Seite 752.

Als Paritäten ergeben sich aus dem Goldgehalt folgende;
1 Yen = 2,0925 Ji
1	„ = 2 sh 0,58 d.

Als Preisstufen sind bei der Devisennotierung 1/4 Pfg,
und 1/16 penny üblich, das ist 1,2 bezw. 2,5°/00 der Parität.
Als Goldpunkt gegenüber England gelten die Kurse 2/0B/16
für Exporte und 2/011/16 für Importe, doch handelt es sich
dabei lediglich um theoretische Angaben, da Goldverschif-
fungen fast stets nur im Verkehr mit den näherliegenden
Vereinigten Staaten von Nord-Amerika stattfinden. Die Spe-
sen eines — in keiner Weise üblichen — Goldexports von
Yokohama nach Berlin schätzt man auf ca. 1/2°/0, während
in umgekehrter Richtung überhaupt keine Angaben zu
machen sind.

Die japanische Regierung sucht durch die teilweise zu
diesem Zwecke gegründete Yokohama Speziebank regel-
mäßig den Wechselkurs, namentlich aber die Goldbewegung

1)	Sonndorfer, Die Währungsreformen in Ostasien und
Ostafrika, Zeitschrift für Handelswissenschaft und Handelspraxis 1910,
Heft 10.

2)	Yen = runde Scheibe, vergl, Kussäka, Das japanische Geld-
wesen, Berlin 1890.
        <pb n="77" />
        ﻿70

zu regulieren. Nach dem zwar nicht objektiven, aber als
staatliche Propagandaleistung hervorragenden „Finanziellen
und wirtschaftlichen Jahrbuch von Japan" 5) verfolgt die
Speziebank als Hauptzweck die Förderung des auswärti-
gen Handels. Sie gilt als Regierungsorgan, ihre Form ist
die einer Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 24 Mill.
Yen (50,2 Mill. M). Von der Regierung wird sie nament-
lich dadurch begünstigt, daß ihr die Bank von Japan (Nippon
Ginko) auf Verlangen ausländische Wechsel bis zum Be-
trage von 20 Mill, Yen (41,8 Mill. Ji] gegen eine Zinsrate
von 2% rediskontieren muß. Der Betrieb der Bank umfaßt
folgende Geschäfte: Ausländischer Wechselverkehr, heimi-
scher Wechsel verkehr, Vorschüsse, Inkasso, Depositen,
Geldwechselgeschäfte, An- undVerkauf von Staatspapieren,
Edelmetallen und Sorten, „Auch kann sie mit Angelegen-
heiten, die sich auf ausländische Anleihen beziehen, und mit
der Verwaltung öffentlicher Gelder im internationalen Ver-
kehr betraut werden." Diese letztere Aufgabe, „mit der sie
betraut werden kann", in Verbindung mit dem Auslands-
wechselgeschäft geben der Bank die Mittel an die Hand,
auf die Wechselkurse des Landes regulierend einzuwirken.

Einzelheiten über diese Tätigkeit der Yokohama Spezie-
bank ergeben sich aus folgendem Bericht1 2) des Kaiserl,
deutschen Generalkonsulats in Yokohama für das Jahr
1907: „Als die hohen europäischen Kabeltransferskurse auf
New-York die Gefährdung der europäischen Goldbestände
anzeigten und die Rate der Bank von England in der Zeit
vom 30. Oktober bis zum 7. November dreimal, zuletzt auf
7°/0 erhöht wurde, waren an sich auch für Japan die Be-
dingungen für einen starken Goldabfluß nach Amerika ge-
geben, wie er hier schon einmal, kurz vor dem Beginn und
in der ersten Zeit des Krieges mit Rußland, vorgekommen
war. Die fremden Banken, die sich auf die Seidensaison
eingerichtet und dafür Kurskontrakte geschlossen hatten,
sahen sich durch das plötzliche Stocken des Seidengeschäf-
tes in die Lage gebracht, für die in Europa dringend ver-

1)	Das Buch erscheint in den wichtigeren Kultursprachen und
wird von der japanischen Regierung in großem Umlange verbreitet,

2)	Deutsches Handels-Archiv, 1909, II, Teil, Seite 853,
        <pb n="78" />
        ﻿71

langte Deckung in anderer Weise als durch Seidenverschif-
fungen zu sorgen, und da in der ersten Zeit der Krisis in
Amerika dort ein Agio auf Gold bezahlt wurde, so boten
sich den Banken als bestes Mittel Goldverschiffungen nach
den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Tatsächlich
machten die fremden Banken auch Anstalten dazu, wirk-
lich verschifft aber wurde nur sehr wenig, und zwar deshalb,
weil die Yokohama Speziebank den fremden Banken zu Vor-
zugsraten Kabeltransfers auf London verkaufte. Damit ent-
fiel das Motiv zu Goldverschiffungen aus Japan nach Ame-
rika, Wohl wurde dadurch das japanische Guthaben in
London bedeutend geschwächt, indessen wurde dieser Ab-
.gang reichlich dadurch aufgewogen, daß Rußland am 23.
November, zu sehr gelegener Zeit für Japan, in London mit
4,8 Mill. Livre Sterling die Entschädigung für den Unterhalt
der russischen Kriegsgefangenen zahlte,"

Daß auch sonst die japanische Regierung Anteil an der
Gestaltung der Wechselkurse nimmt, zeigt die von dem ja-
panischen Finanzminister aufgestellte „Zahlungsbilanz" Ja-
pans für das Jahr 1906 1), die die nicht durch den Waren-
handel entstehenden internationalen Schuldverhältnisse Ja-
pans zu erfassen sucht und als Aktiva und Passiva zahlen-
mäßig einander gegenüberstellt. Zweifelhaft in ihrer Be-
deutung sind bei dieser Aufstellung die Posten, die sich auf
Kapitalinvestierungen beziehen, während die Bilanz selbst
wegen des der japanischen Regierung zur Verfügung stehen-
den Apparats als Versuch beachtenswert ist. Praktische
Ergebnisse sind natürlich aus solchen Aufstellungen nicht
zu gewinnen, der Versuch ist denn auch nicht wiederholt
worden.

Die Wechselpreisbildung vollzieht sich in Yokohama;
eine Börse oder sonst eine offizielle Einrichtung besteht
auch hier nicht. Die Art des Verkehrs ergibt sich aus dem
beifolgenden Kurszettel (Form, 3) 1 2),

1)	Siehe Deutsches Handelsarchiv, 1909, II, S. 849.

2)	Ein Kurszettel der Firma Bennett, Daniel u. Co,, Yokohama,
notiert am selben Tage außerdem: Switzerland private 4 m/s 2611/s,
Australia private 30 d/s 2/1.
        <pb n="79" />
        ﻿72

Engert, de Cuers &amp; Brady,

DAILY QUOTATIONS.

	BANK PAPER.	PRIVATE PAPER
London. T. T,		2/-%	2/-%
On Jemand 		2/-3/8-%6	2/-9/i6 Crs.
30 d/s		2/-7/l6	2/-%
60 d/s. 			2/-V.	2/-%
90 d/s		2/-9/l6	2/-U/16	«
4 m/s		2/-9/l6	2/-%
6 m/s. 				2/-1B/iu	„
France.—T. T		2.56	
On Jemand 		2.56%	2.58
4 m/s			2.61
Germany.—T. T		2.07	£09%
On demand .......	2.07%	
4 m/s			...	2.12
America,—T. T		49%	
On demand		49%	50
4 m/s, 			„.	51
India. T.T		1.52	
30 d/s		...	i .54-1.54%
Hongkong.— On demand.	. .	89	
10 d/s. .	.	,		...	87
Shanghai.—On demand ,	.	.	841/4	86%
10 d/s		...	

Silver in London ,	,	,	. July 1—24% ; July 3—245/18

London on Yokohama, 60 days.....................2/-

Paris on London . ..............................25.29

Berlin on London................................20.44

New York on London	4,86%

Bank of England ;—Rate of discount ,	,	.	•	• 3 per Cent.

Bank of France ;—Rate of discount ......	3 per Cent.

Bank of Germany :—Rate of discount..............4 per cent.

Market rate ,	. London ; 3 m, 2%% 4 m. 23/e°/o—hm- 31/8°/0

Market rate.......................... . Paris: 2 m, 21/s°/o

Market rate...........................Berlin : 4 m, 3%°/0

Hongkong—T. T.............................July 3—1 /91/2

Shanghai—T. T.............................July 3—2/4%

Consols................................... 79%

5 per cent. Japanese Loan.......................£104%

Nr. 72.	TELEPHONE No, 3377,

Yokohama, July 4th, 9.30 a.m,, 1911.
        <pb n="80" />
        ﻿73

Aus den Diagrammen Nr, 9—12 ergibt sich als Be-
sonderheit der japanischen t. t. Notiz auf London eine
außerordentlich große Stabilität des Kurses, der Monate
hindurch, eigentlich sogar — mit Ausnahme 1909 — wäh-
rend der ganzen untersuchten Periode ungefähr auf der
gleichen Höhe sich gehalten hat. Der Kurs änderte sich in
der Regel jedes Jahr nur wenige mal um höchstens eine
Preisstufe und bewegte sich im übrigen in der Nähe des
Goldexportpunktes, Man erklärt diese Erscheinung drüben
wie folgt: „Der t, t. Kurs richtet sich im allgemeinen nach
der Warenbewegung und hält sich, da meist mit größerem
Import zu rechnen ist, nahe am Goldexportpunkt, Die Yoko-
hama Speziebank als Regierungsorgan sorgt dafür, daß die-
ser nicht überschritten wird, um Goldexporte zu verhüten,
sodaß sich daraus die Stabilität des Kurses zum Teil er-
klärt.“ Da auch die Ziffern der folgenden Zusammenstel-
lung für diese Annahme sprechen, so wird man diese Er-
klärung als richtig ansehen dürfen, zumal unter solchen Um-
ständen jeder Einfluß der Zinsverhältnisse ausgeschlossen
erscheint.

Der Wechselkurs (t. t.) in Yokohama auf London war

im Jahre	1907	1908	1909	1910
höchster Kurs	2/07/l6	2/OVi,	2/OS/s	2/03/g
niedrigster Kurs durchschnittlicher Kurs in	2/03/s	2/03/8	2/03/g	2/05/i6
pence  Die Parität 2/0,58 =100 gesetzt, so ergeben diese	24,406	24,406	24,513	24,365
Durchschnitte  Die Gesamt-Einfuhr nach Japan verhielt sich zur	99,283	99,283	99,719	99,117
Ausfuhr wie 100 zu  Die Einfuhr von England nach Japan verhielt sich zur Ausfuhr nach Eng-	87	87	105	99
land wie 100 zu  Saldo der Gold- u. Silber- Einfuhr ( + ) und Aus-	19	23	31	27
fuhr {—) Milk Yen Wechseldiskont in Japan über d. Londoner Markt-	—10,5	+ 13,7	+73,0	-7,5
diskont in °/0	2,08	4,99	4,06	1,99
        <pb n="81" />
        ﻿74

Mit Ausnahme der Diskontdifferenz stimmen innerhalb
der einzelnen Jahre die Ziffern in ihrer Bewegung unge-
fähr überein; das gilt namentlich für 1909 mit seinen, von
den anderen Jahren abweichenden Kursen.

Daß die Diskontdifferenz als der beweglichste Faktor
keinen Zusammenhang mit einem fast wagerecht verlaufen-
den Wechselkurs haben kann, liegt auf der Hand, und selbst
im Herbst 1909, wo man aus der größeren Beweglichkeit des
Wechselkurses auf Diskonteinflüsse schließen könnte, würde
sich die Zinslinie umgekehrt bewegen wie die Kurslinie, Von
einer Einfügung der Zinslinien in die Diagramme ist daher
abgesehen worden. Im übrigen wird in Japan kein irgend-
wie gearteter Marktzins notiert, als Basis dienen die Sätze
der Bank von Japan, die für die Jahre 1907—1910 hier-
unter folgen. Ein Privatdiskont, von dem die deutschen
Konsulatsberichte 1908 sprechen, besteht nicht.

	R	a t e n der	Bank von	Japan.	
	1907	Vorschuß	Vorschuß	Wechsel-	Conto-Über-
		gegen Regie- rungsbonds	gegen andere Bonds	diskont	zichung
1/1—	-3/12	6.57%	6.935%	6.57%	7.665%
4/12-	-31/12	7.30%	8.03%	7.30%	8.395%
	1908				
1/1—	31/12	7.30%	8.03 %	7.30 %	8.395%
	1909				
1/1 -	-3/5	7.30%	8-03 %	7.30 %	8.395%
4/5—	12/8	6.57%	7.30%	6.57 %	7.655%
13/8-	-31/12	5.84%	6.57%	5.84%	6.935%
	1910				
1/1-	-10/1	5.84%	6.57%	5.84%	6.935%
n/i-	-6/5	5.11%	5.84%	5.11%	6.205%
7/5-	-31/12	4.745%	5.11%	4.745%	5.475%

Die krummen Beträge dieser Sätze sind dadurch zu
erklären, daß der Zins nicht in Prozenten, sondern in Sen
pro 100 Yen täglich ausgedrückt wird; z, B. entspricht die
Ziffer 3,44 als Angabe des Zinsfußes einem Jahreszins von
12,556% (Handelsarchiv Sept. 1908 II),

Die Bewegung der Edelmetalle (roh und gemünzt) für
Japan war folgende (Zahlen in Mill. Yen):
        <pb n="82" />
        ﻿75

Export aus Japan (Gold u.	1907	1908	1909	1910
Silber zusammen)	—18,8	—3,8	—6,6	—25,2
darunter Silber	0,0	0,1	0,1	2.6
Gold nach China u. Hongkong	18,3	3,1	6,4	17,0
dgl. nach Großbritannien	0,0	—	—	6,0
dgl, nach Vereinigte Staaten  Import nach Japan (Gold	0,4  U,	0,4	—	—
Silber zusammen)	+8,3	+ 17,5	+79,6	+ 17,7
darunter Silber	1,3	0,6	0,8	0,2
Gold aus China	1,5	1,9	4,1	0,4
„	„ Korea	5,4	4,9	6,4	10,8
„	„ Großbritannien	—	2.9			0,0
„	„ Vereinigte Staaten	—		54,1	6,3
„	„ Australien	—	6,8	14,2	

Die allgemeine Wirtschaftslage Japans in der Zeit von
1907—1910 gestaltete sich nach den Berichten des „Finan-
ziellen und wirtschaftlichen Jahrbuchs von Japan“ wie folgt:

„Das Wirtschaftsleben in 1907 stand unter dem Zeichen des Bör-
sen-Rückschlags 1) auf die Gründerperiode, die nach dem Kriege plötz-
lich im ganzen Lande eingesetzt hatte. Trotz der auf dem Geldmärkte
herrschenden Flauheit konnte die landwirtschaftliche Bevölkerung
dank der günstigen Seiden- und Reisernte eine Zunahme ihrer Ein-
künfte verzeichnen, Der auswärtige Handel machte anfangs Fort-
schritte, aber mit dem September begannen die Silberpreise zu fallen
und Japans Handel mit China erfuhr dadurch einen schweren Schlag.
Die Kupferausfuhr geriet wegen sinkender Preise in Stockung und
hierzu kam noch die amerikanische Panik, die Japans Seidenausfuhr
nach Nordamerika beträchtlich zurückgehen ließ.

Die wirtschaftliche Lage zu Beginn des Jahres 1908 zeigte noch
keine merkliche Besserung, Die Preise für Silber und Kupfer hielten
ihre gedrückte Tendenz bei und der immer größer werdende Über-
schuß der Einfuhr ließ die Vorräte an Rohseide, Baumwollgarn, Tex-
tilwaren und allen anderen Gütern anwachsen, Namentlich der Han-
del mit China, der im März-April am schwersten daniederlag, zeigte
das ganze Jahr hindurch eine große Flauheit1 2), Auch der Ausfuhr-
handel mit den Vereinigten Staaten konnte sich noch nicht erholen.

Das Jahr 1909 brachte einen ungemein flauen Geldmarkt, sodaß

1)	Nach einem Bericht des Kaiserl. Konsulats in Kobe (Nachrich-
ten für Handel und Industrie, 1908, Nr, 94) betrugen die Börsen-
umsätze in Tokio 114,3 Milk Yen im Jahre 1906, während sie in den
vorhergehenden 10 Jahren sich um etwa 20 Mill. Yen bewegt hatten.

2)	Das ist zurückzuführen auf den im März 1908 beginnenden
Boykott japanischer Waren in China, der das ganze Jahr anhielt.
Deutsches Handelsarchiv, 1910, II„ Seite ,273.
        <pb n="83" />
        ﻿76

die Banken vielfach keine Verwendung für ihre flüssigen Fonds hat-
ten, Im Gegensatz dazu stand der Außenhandel; die Ausfuhr über-
traf die Einfuhr um 18,9 Mill, Yen (M, 39,6 Mül.), Das Anwachsen des
Exports beruhte namentlich auf dem Wiedererwachen des Handels
mit China und einem lebhaften Absatz von Rohseide, Die Abnahme
des Imports hing zusammen mit der Lähmung der inländischen Pro-
duktion, zu der dann dank der guten Reisernte eine Verminderung
des Reisimports kam.

Die Wirtschaftslage des Jahres 1910 wird dahin gekennzeichnet,
daß bei leichtem Geldstande Handel und Industrie sich von der
Stockung erholen konnten. Geld war dauernd so stark angeboten,
daß die Regierung begann, fünfprozentige Anleihen in vierprozentige
zu konvertieren. Der Verkehr auf den Staatsbahnen nahm rapide zu,
und in neuen Unternehmungen wurden nicht weniger als 487 Mill.
Yen, d. i. über eine Milliarde Mark, angelegt,“

Als Resultat der Untersuchung ist festzuhalten die
überaus große Stetigkeit des japanischen Wechselkurses,
seine für Europa meistens günstige Stellung und seine Ab-
hängigkeit von der Gestaltung des Außenhandels. Letzterer
zeigt für die Einfuhr keine periodischen Schwankungen,
während die Ausfuhr im Herbst ihren Höhepunkt erreicht,
was auch in den Diagrammen durch ein geringes Ansteigen
der Linien, also Günstigerwerden für Japan, zum Ausdruck
kommt.

4.	Der Silberhandcl.

Mit Rücksicht auf die im nächsten Abschnitt erfolgende
Behandlung der Silber-Wechselkurse Chinas ist es ange-
bracht, zunächst mit einigen Ziffern Aufbau und Bedeutung
des Silberhandels darzulegen und kurz auf die Preisbildung
des Metalles einzugehen. Auch die hervorragende Stellung,
die Indien in diesem Verkehr inne hat, macht eine solche
Untersuchung erwünscht.

Es sei ausgegangen von der Welt-Silbergewinnung, die
dem Gewichte nach seit Beginn des Jahrhunderts rund das
Neunfache der Goldgewinnung jährlich ausmacht. Umfang
und Verteilung der Produktion zeigt folgende Tabelle, die
nach den Angaben des Statistischen Jahrbuches für das
Deutsche Reich und der Metallgesellschaft in Frankfurt
a, M. zusammengestellt ist.
        <pb n="84" />
        ﻿77

nung, der Welt
in 1000 kg

Produktionszu-
nahme gegen-
über 1901 in o/o

Preisänderung
gegenüber 1901
in O/o

Durchschnitts-
preis in London
in pence, per
Standard Unze

Gesamtwert der
Pi oduktion in
Milk Mark

	We	1 t S i	Iber	g e w	Innung,				
1901	1902	1903	1904	1905	1906	1907	1908	1909	1910
5464	5783	5647	5503	5625	5650	6113	6603	6570	6774
—	5,8	3,3	0,7	2,9	3,4	11,8	20,8	20,2	23,9
		-11,3	-9,0	-3,0	+2,2	+13,2	+ 11,0	-10,6	-12,7	-8,8
273/ie	24%	243/„	26%	27%	30Vs	30s/16	24%:	233/4^73,299	
436	362	380	400	434	469	511	457	461	490

Zu diesem neugewonnenen Silber sind die nicht ab-
schätzbaren alten Vorräte hinzuzurechnen, die zum Teil
immer wieder in den Verkehr kommen, während umfang-
reiche, jährlich steigende Mengen in der Industrie endgül-
tig verbraucht werden, und ein gleichfalls beträchtlicher
Teil dauernd oder doch für längere Jahre in Indien ver-
schwindet. Außerdem befindet sich in London stets ein
großer Stock von Barrensilber,

Es ist nun nicht leicht, einen Überblick darüber zu ge-
winnen, wo diese Silbermengen bleiben. Einen Anhalt bietet
eine Zusammenstellung der Metallgesellschaft in Frank-
furt a, M, in ihrem Bericht für das Jahr 1910. Die wich-
tigste Stellung im Silberhandel nehmen danach ein die Ver-
einigten Staaten von Nord-Amerika und Mexiko als Erzeu-
gungsländer, England als Land des Zwischenhandels und
Indien als Verbrauchsland, während Chinas Verhältnis von
Einfuhr zu Ausfuhr wechselt. Diesen Ländern gegenüber
ist die Beteiligung der anderen Staaten am Silberhandel von
geringer Bedeutung, Im Durchschnitt der Jahre 1904—1908
beträgt allein die Ausfuhr Englands an Silber 15,3 Milk £;
das macht rund 2/s der Weltproduktion in dieser Zeit aus.
Aus Amerika stammten davon 10,7 Milk £. Auf der an-
deren Seite ergibt sich die Bedeutung Indiens aus den Zif-
fern auf Seite 54, aus denen hervorgeht, daß der indische
Verbrauch einen wesentlichen Teil der jährlichen Silber-
produktion ausmacht.

1) M. per kg fein.
        <pb n="85" />
        ﻿78

Diesen Verhältnissen entsprechend ist denn auch der
Silberhandel organisiert. Der internationale Mittelpunkt,
der sichtbare Ausdruck des Welt-Silberhandels, ist London,
das überall Silber kauft und verkauft; daneben steht mit
Bombay, nach Stern ') der bedeutendste Silbermarkt der
Welt, und Kalkutta Indien als größter Effektiv-Käufer und
Schanghai als Vertreter des chinesischen Silbergeschäfts.
Als Repräsentant des wichtigsten Erzeugungsgebietes ist
der New-Yorker Silbermarkt anzusehen. Die anderen Plätze,
an denen Silber notiert wird, sind von geringerer Bedeu-
tung, so Paris, Amsterdam, Hamburg, Yokohama usw. Her-
vorzuheben ist, daß Hamburg namentlich die Silbergeschäfte
Rußlands in London ausführt. Wie bereits früher erwähnt
und wie auch aus den Ziffern hervorgeht, kauft Indien vor-
nehmlich in London; China bezieht sein Barrensilber über
San Franzisko, gelegentlich — wenn dessen Parität unter
der Londoner ist — auch von Indien, während das Silber,;
das für chinesische Rechnung effektiv von London heraus-
gesandt wird, vielfach nach Bombay dirigiert wird, also in
ähnlicher Weise Station macht wie das englische Gold in
Ägypten,

Die Organisation des effektiven Silberhandels ist gleich-
zeitig Träger eines außerordentlich umfangreichen Termin-
geschäftes in Silber, nur daß in dieser Beziehung die Be-
deutung Londons als Zentrum des Silberverkehrs noch über-
ragender hervortritt. Die Londoner Bullion-Brokers sind die
Gegenkontrahenten für die Silberspekulation der ganzen
Welt, namentlich aber für die Termingeschäfte Asiens, wo
das Silber das wichtigste Spekulationsobjekt darstelit. Zu
dieser Rolle gelangt das Silber in Asien aus mehreren
Gründen. Einmal hat Silber in weiten Gebieten Asiens
Geldqualität, während es im internationalen Verkehr eine
Handelsware darstellt, die einen schwankenden Goldpreis
besitzt. Für Länder mit Silberwährung, also für China,
wird dadurch der Wechselkurs, der für sich genommen und
ohne diese Komplizierung bereits ein ergiebiges Objekt für
Spekulationen aller Art ist, noch dazu mit den Schwankun-
gen des Silberpreises verbunden. Auf der anderen Seite

1) Rob, Stern, Die Arbitrage, 2, Aufl., Leipzig 1911.
        <pb n="86" />
        ﻿79 —!

sind diese Schwankungen dauernd groß und das Silber ist
als Handelsobjekt so geartet, daß ungefähr alles, was sich
irgendwo in der Welt auf wirtschaftlichem oder auch poli-
tischem Gebiete ereignet, als Grund für eine zu erwartende
Preisveränderung sich ausschlachten läßt. Hierzu kommt,
um das Silber zum Spekulationsobjekt par excellence zu
machen, die bekannte starke Hinneigung aller Asiaten, na-
mentlich aber der Chinesen, zum Börsenspiel.

Weiter ist zu bedenken, daß in China Silbertermin-
deckungen in großem Umfange für den Warenhandel zur
wirtschaftlichen Notwendigkeit werden, um das Wechsel-
kursrisiko auszuschalten. Wenn beispielsweise ein Impor-
teur in China auf heutiger Preisbasis Waren in Europa be-
stellt, so kann er sich bis zur Fälligkeit des Betrages leicht
einer Kursveränderung von 10°/o gegenüber sehen, die er als
vorsichtiger Kaufmann durch ein Gegengeschäft in Silber
für sich wirkungslos machen muß, Auch hier verursacht
eine persönliche Eigenschaft der Chinesen eine größere Aus-
dehnung des Silberterminhandels, wie sich aus folgenden
typischen Ausführungen im Geschäftsbericht der Hongkong
&amp; Shanghai Banking Co, ergibt: „ . . . Die Chinesen haben
wiederum ihre kaufmännische Tüchtigkeit bewährt, indem
sie zum größten Teil bei Bestellung ihrer Waren zugleich
den Wechselkurs kontrahierten und sich hierdurch gegen
Verluste aus dem Rückgang des Silberpreises gesichert
haben.“ Für China steht somit das Termingeschäft im
Vordergründe, während für Indien seit seiner Währungs-
reform die effektive Lieferung das Wichtigere ist.

In der deutschen Handelspresse findet der Silberhandel
nur geringe Berücksichtigung; man beschränkt sich in der
Regel auf die tägliche Mitteilung des Silberpreises von Lon-
don, New-York und Hamburg, während von andern Plätzen
nichts berichtet wird. Hierzu kommen, so z. B. in der Köl-
nischen Zeitung, in den Berichten vom Londoner Geldmarkt
gelegentlich Mitteilungen über die Gestaltung des Silber-
marktes in London, Die Preisnotizen verstehen sich für
London in d per Standard Unze, für New-York in Cents für
1 Unze fein und für Hamburg in Mark per kg fein Silber.

Zur Darstellung der Technik'des Silberhandels in Lon-
        <pb n="87" />
        ﻿80

don seien hier die Angaben von Stern1) über Silberarbi-
tragen verwendet und ergänzt. Von den Londoner Bullion-
Brokers (BarrenMakler), die namentlich mit den im Osten
operierenden Banken und mit Firmen auf dem Kontinent
arbeiten, werden die Silberkurse täglich offiziell festgesetzt,
und zwar für sogenanntes Bar-Silber, gewöhnlich Standard-
Silber genannt, und für fein Silber. Für beide Arten wird
ein Kassakurs (für Lieferungen innerhalb 7, zum Teil inner-
halb 10 Tagen) und ein Zeitkurs (für Lieferungen innerhalb
zwei Monaten „Forward delivery") notiert. Die Notizen für
Standard Silber sind die wichtigsten, sie lauten etwa 2 d
billiger als die Notizen für fein Silber, Terminsilber ist
fast immer teurer als Kassasilber; der Preisunterschied, in
dem man eine Art von Zins sehen kann, schwankt zwischen
1/16—d. Die Silberbarren haben die Form von Prismen,
wiegen zwischen 900 und 1200 Unzen (28—37 kg) und sind
995—999 Tausendteile fein. Jeder Barren ist von einer
eine viertel Unze wiegenden Probe und einem Probier-
(Wardier)schein begleitet; dem Barren selbst sind Gewicht,
Feinheit und Firma des Probierers auf gedruckt. Die Spesen
des letzteren betragen 12/6 pro kg für das Schmelzen und
1/6 pro Barren für Porto,

Für die Preisbildung ist der Zeitunterschied zwischen
London und Asien, dem größten Abnehmer, wichtig; Bom-
bay ist London um 5 Stunden, Schanghai um 8 Stunden
voraus, so daß deren Telegramme, die Silberpreis und
Wechselkurs melden, schon um 10 Uhr morgens in London
sind und einen Anhaltspunkt für die Preisgestaltung im
Osten bieten. Wegen derselben Zeitdifferenz können sich
nämlich die asiatischen Notizen nur nach dem Londoner
Preis des vorhergehenden Tages richten, während London
den Vorteil hat, zu sehen, wie weit dies geschehen ist. Man
hat einen kleinen Anhaltspunkt an den Kursen, wie sie
morgens vom Osten und von Indien kommen; sind die No-
tierungen draußen z. B. höher, so erwartet man auch in

1) Stern a, a. O., Arbitrage in Silber. Siehe ferner Koch, Der
Londoner Goldverkehr, Münchener Volkswirtschaft!, Studien (73.
Stück), dessen ausführliche handelstechnischen Angaben vielfach auch
für den Silberverkehr zutreffen.
        <pb n="88" />
        ﻿81

London kein Fallen des Preises. Bis zur Fixierung des
Kurses um 2 Uhr Nachmittags gelangen jedoch regelmäßig
noch zahlreiche Kauf- bezw, Verkaufsaufträge von China
und Indien an den Markt, die auf die Preisfeststellung
natürlich einwirken.

Von den Spesen, mit denen bei Silberverschiffungen zu
rechnen ist, beträgt die Fracht nach Indien und China 1I2°I0
auf den Wert, während für Versicherung bestimmte Ziffern
nicht zu geben sind, da diese je nach den mit den Versiche-
rungsgesellschaften getroffenen Vereinbarungen schwan-
ken, Die Courtage beträgt im allgemeinen 1/8°/0 und nicht,
wie Stern angibt, 1%, sie wird nur auf Kaufaufträge gerech-
net. Hierzu kommen noch kleinere Spesen wie Stempel
für die „bill of lading", „port of London duties" und Klei-
nigkeiten, die den kontinentalen Kunden meistens nicht
berechnet werden, während man annimmt, daß letztere
diese Spesen ihrerseits dennoch in Rechnung stellen. Die
Fracht für von London nach Hamburg zu verschiffendes
Silber wird mit 1/3 pro £ 100.-— Wert berechnet; bei Ver-
schiffungen über 10000 £ ermäßigt sich die Fracht auf 1/—
(Stern gibt 1/6°/00 für Fracht und Verzinsung an). Endlich
ist auch der Zinsverlust zu berücksichtigen, der je nach
Zinsfuß und Reisedauer verschieden groß ist. Als Ver-
sendungszeit rechnet man gewöhnlich von London nach
Singapur, Kalkutta 3—4 Wochen, nach Hongkong, Schang-
hai, Yokohama 5—6 Wochen.

Die normale Verschiffungsgelegenheit bietet sich wöchent-
lich einmal durch die Dampfer der Peninsular &amp; Oriental
Steamship Company; ebenso gut könnten auch die via
Southampton auslaufenden Dampfer des Norddeutschen
Lloyds benutzt werden.

Neben den Londoner Umsätzen in Barrensilber hat das
Geschäft in mexikanischen Dollars, seit deren Umlaufs-
gebiet auf den chinesischen Kleinverkehr beschränkt ist,
so gut wie keine Bedeutung mehr; dagegen sind vielfach
reine Differenzgeschäfte in t. t. Mexican Dollar von
Europa aus üblich. Die mexikanischen Dollars werden nach
Gewicht gehandelt, die Notiz versteht sich in pence per
Unze fein und ist in der Regel nur nominell.

Die nachfolgenden Kursberidhte von zwei Londoner

Mahlberg, Asiatische Wechselkurse.	6
        <pb n="89" />
        ﻿82

Maklerfirmen mögen die vorstehenden Angaben ergänzen,
(Formular 4—5) 1),

Telegraphie Address.	Formular 4.

“ATTACOM". LONDON.

LONDON Ist SEPTEMBER 1911.

sd

Bar Gold 17/9 p. Oz. Std. Bar Silver	243/ig p. Oz. Std.l__925

Do. Parting „	„	„ Do. 2 mths Forwd246/16	„	,, ( fine

Bank Rate 3%.

Gentlemen,

Further good rains in India have caused a distinctly harder tone
to prevail in the Silver Market, and although the effect on prices has
been very small so far, to-day’s quotation, 243/jed. is */s d. higher than
when we wrote last week, and is the highest quoted for nearly a
month.

Surprise has been expressed in some quarters that quotations
have failed to respond more sharply to the much improved crop pro-
spects. It must be remembered however that when the reports were
most unfavourable, the fall in quotations was small, because many
operators realised that there was still time for the Situation to be sa-
ved. It is also an undoubted fact that the large stock both here and
in Bombay discourages fresh purchases for a rise unless operators can
see their way very clearly,

With China a fairly constant buyer, and no encouragement to
bears, there seems ground for anticipating some further slight impro-
vement in quotations.

GOLD: —

There is no Continental demand for Bar Gold and the require-
raents of India are very small so practically the whole of this week's
arrival is being taken to the Bank of England where £ 764,000 in Bars
and Coin has been received. Düring the week £ 730,000 in Sovereigns
has been withdrawn for South America and £200,000 for Constanlinoplc.
We are, Gentlemen,

Your obedient servants,

Mocatta &amp; Goldsmid.

7, Throgmorton Avenue,

E. C.

1) Vergleiche auch die Zirkulare von Pixley u. Abeil und von
Sharps &amp; Wilkins im Archiv der Cölner Hochschulen.
        <pb n="90" />
        ﻿83

Telegraphie Adress—

“SHARPS, LONDON,“

Registered for Transmission Abroad.

Formular 5.

Jiliarps Sc pfilfems’ ^üulltou |Jrice Current.

September Isf, 1911,

Bar Silver		243/'xe p. oz. Standard	
Bar Silver, Delivery 2 monihs	24 ®/le	
Fine Silver , .		26Vs	P- oz.	
Fine Silver, Delivery 2 monihs	26V4	
Mexican Eagle Dollars .	.	.	24»/u	Nominal,
South American Dollars .	.	.	233/xe	
Five Franc Pieces		3/1 P/i p, 5 francs	Nominal.
Bar Gold		77/9 p. oz. Standard	
Japanese Yens ,		76/4	p. oz.	Nominal.
American Eagles		76/4	»1
French Gold Coin		76/4	11
German 20 Marks . ... .	76/4	M
Russian Imperials		76/4	11
Brazilian Gold Coin ....	77/6	11
Mexican 20 Dollars ....	73/7	11
Chilian $5 Pieces		77/8	11
Turkish Sovereigns		77/9	11
Spanish Doubloons		73/6	11
South American Doubloons .	.	73/5	«
Quicksilver .... per Bottle	£9	1  Discount 3per cent j	

Bank Rate of Discount 3 per Cent.

SHARPS &amp; WILKINS,

0n&gt;orn Broker«,

19 Great Winchester Street,
s	LONDON.
        <pb n="91" />
        ﻿84

Über den indischen Silberhandel und dessen Spesen
wurden in einem früheren Abschnitt bereits die wichtigsten
Angaben gemacht. Gehandelt wird Silber in Bombay, neben
dem Kalkutta an Bedeutung zurücktritt, sowohl per Kassa
als per Liquidation zu bestimmten Terminen, die für das
ganze Jahr im Voraus festgesetzt sind. Der Preis versteht
sich in Rupien pro 100 Tola. 1 Tola zu 12 Masha zu 8 Ruttee
zu 4 dhan ist gleich 0,375 englische Troy Unzen oder gleich
180 Troy grains oder gleich 11,6678g (Swoboda), Zu be-
achten ist bei dem indischen Silbergeschäft der Importzoll
von 4 Annas pro Unze,

In China ruht das Silbergeschäft, wie auch in Indien, in
den Händen der Banken; der reguläre Warenhandel betei-
ligt sich an dem effektiven Geschäft nicht, sondern schließt
nur zur Wechselkurssicherung Silberdifferenzgeschäfte ab.
Die Banken ihrerseits pflegen Silber „zur Abdeckung ihrer
Goldvaluten-Engagements“ zu importieren, wobei das von
San Franzisko kommende Silber meistens an die Kanton-
Münze geht, während die Londoner Zufuhren vielfach nur
bis Bombay gelangen. Über den Zusammenhang zwischen
Wechselkurs und Silberbewegung kann erst später ge-
sprochen werden. Der wichtigste chinesische Markt für Sil-
ber ist Schanghai. Das vom Ausland in Barren bezogene
Silber wird nach Kanton-Taels (37,57 g = 1,208 Troyoz) ge-
wogen und in Schanghai-Kurant-Taels für 100 Kanton-Ge-
wicht-Taels notiert, während im kleineren Verkehr das Sil-
ber nach Chouping-Taels (36,65 g = 1,178 Troyoz) gewogen
wird. Eine Notiz des Großhandels lautet z. B. so: „Shang-
hai price of silver Bars (weight Tis, 100 [Canton] 199 touch)
Tis, 111,20,“ Gehandelt wird Silber in Schanghai ebenfalls
per Kassa und per zwei Monate Lieferung. An Spesen auf
Silbergeschäfte mit London rechnet man in Schanghai mit
B/g°/o, in Hongkong mit 3/4— 1%.

Hinsichtlich des bekannten Silberverkehrs, der in China
selbst stattfindet, sowie des interessanten Münzprüfungs-
und Umrechnungswesens sei auf die ausführlichen Angaben
in Swoboda „Die Arbitrage“ verwiesen.

Für die Preisentwicklung des Silbers ist der Londoner
Kassakurs für Standard-Silber der maßgebende Ausdruck,
        <pb n="92" />
        ﻿85

Auf Seite 39 und 77 finden sich die Jahresdurchschnittssätze
seit 1893 und in den später folgenden Wechselkursdiagram-
men von Hongkong und Schanghai graphische Darstellun-
gen des Silberpreises in den Jahren 1907—1910. Aus
beiden Angaben ist die Kursentwicklung hinreichend zu er-
sehen. Für die hier behandelte Periode ist namentlich der
große Preisfall im Herbst 1907 von rund 241/2°/0, zu beachten.

Als wichtigste Preisfaktoren sieht man in London die
von Indien, China und Amerika erfolgenden Abgaben und
Ankäufe bezw. deren vielgestaltige Ursachen an. Nament-
lich wirken der Ausfall der Ernten und die Regenentwick-
lung in Indien auf die Stimmung des Londoner Marktes ein.
So wird z. B. der erwähnte große Preissturz im Jahre 1907
in allen vorliegenden Berichten übereinstimmend auf die
schlechte Regenzeit, Mißernten und Hungersnot in vielen
Distrikten Indiens zurückgeführt; dadurch sei die indische
Regierung zur Einstellung ihrer Silberankäufe zu Münz-
zwecken veranlaßt worden und auch sonst habe sich der
Silberimport automatisch verringert. Dem ist in solcher Aus-
schließlichkeit nicht beizustimmen. Der indische Import hat
zwar nachgelassen, aber in größerem Umfange erst von 1909
an. Außerdem ergibt, sich aus den Münzausgabeziffern auf
Seite 44, daß das Jahr 1907 einen Rekord in der Ausgabe
von Rupien aufstellt f261 Mill. Rp. gegen 180—200 Milk in
den Vorjahren), und daß auch in 1908 mit 168 Mill, Rp, ein
sehr hoher Betrag in LImlauf gebracht wurde. Erst 1909
werden die Ziffern sehr klein; dazu paßt das Nachlassen der
Importe für Regierungsrechnung in diesem Jahre.

Der wichtigste Grund jedoch gegen die Annahme, daß
der indische Bedarf die Preisgestaltung von 1907 bedingt
habe, ist in der fast parallelen Entwicklung des Silberpreises
zu den Preisen anderer Metalle zu sehen. Aus einem ge-
druckt vorliegenden umfangreichen Preisdiagramm der Me-
tallfirma Vivian, Younger &amp; Bond, London, Leadenhallstr.

1) Die Linie stellt zwar die Reduktionen der Londoner Silber-
Preise auf das Feinsilbergewicht des Hongkonger Dollars bezw.
Schanghai-Taels dar, also zwei Münzparitäten zum Londoner Kurs,
doch würde eine einfache Zeichnung des Londoner Silberpreises ge-
nau so verlaufen, da es sich stets um dieselbe Reduktion handelt.
        <pb n="93" />
        ﻿86

27, Baltic House, von dem sich ein Exemplar im Archiv der
Kölner Hochschulen befindet, ist die Preisentwicklung von
Silber, Zinn, Blei, Kupfer und Eisen während der Jahre
1893—1909 ersichtlich. Darin zeigen die Preiskurven für
Blei, Kupfer und Silber eine außerordentlich starke Paralle-
lität, während die Linie für Eisen flacher, diejenige für Zinn
in ihren Bewegungen schärfer betont verlaufen, im übrigen
aber auch noch eine weitgehende Gleichmäßigkeit aufweisen.
Und zwar zeigt sich dieser nahezu parallele Verlauf der
verschiedenen Metalle sowohl bei kleineren Schwankungen
wie vor allem bei Preisänderungen, die sich im Laufe län-
gerer Perioden vollzogen haben. Gerade der große Preis-
sturz im Jahre 1907 findet sich nicht nur für Silber, sondern
ebenso stark oder noch stärker für Blei, Zinn, Kupfer und
Eisen, nur daß bei den beiden letzten Metallen die Baisse
schon einige Monate vorher einsetzte.

Im ganzen geben die Bewegungen dieser Preise den
Verlauf der Weltkonjunktur wieder; auf den Höhepunkt zu
Beginn des Jahrhunderts folgt der Abfall, von 1903 an die
neue Aufwärtsbewegung, bis 1907 die letzte Depression ein-
setzte. Seit 1898 — das ist das Jahr, in dem in Indien der
Relationskurs von 16 d erreicht wurde — erscheint der Sil-
berpreis fest in das Auf und Ab der Konjunkturbewegung
eingespannt, während er von 1893—1898 zwar eine Eigen-
bewegung zeigt, aber dennoch, wenn auch schwächer, von
den Schwankungen der anderen Metalle beeinflußt zu sein
scheint. Diese Eigenbewegung zeigt sich zunächst in einem
dauernden Preisfall von 541/2 d im Jahre 1891 auf 271/2 im
Jahre 1894 als Rückschlag der auf die Sherman-Bill folgen-
den Spekulation; gleichzeitig weisen aber auch die vier an-
deren Metalle einen ebenso lange dauernden Rückgang auf.
Von Herbst 1896 bis September 1897 fiel der Silberpreis
unabhängig von anderen Preisen stark, um im nächsten Mo-
nat bereits das Meiste wieder aufzuholen; diese Eigen-
bewegung dürfte auf die indische Währungsreform zurück-
zuführen sein. Am 16. September 1897 wurden die indischen
Münzstätten für die freie Ausprägung von Gold geöffnet,
und damit war allen Hoffnungen auf ein Fiasko der Reform
der Boden entzogen. Da außerdem ein Vergleich mit den
        <pb n="94" />
        ﻿87

Diskontsätzen ergibt, daß hohe Silberpreise mit hohem Zins,
niedrige Silberpreise mit niedrigem Zins im allgemeinen zu-
sammenfallen, so wird man sagen können, daß für die Höhe
des Silberpreises je länger um so mehr die allgemeine Wirt-
schaftslage und nicht allein die Verhältnisse in Indien oder
China entscheidend sind; sind diese und jene ungünstig, wie
das 1907 der Fall war, so verstärken sie sich natürlich gegen-
seitig. Auch die auf Seite 77 aufgeführten Weltproduk-
tionsziffern sprechen nach Zu- und Abnahme für die hier
vertretene Auffassung. Der Meinung Singers1), daß der
Silberpreis durch die Wechselkurse der Silberländer und
nicht umgekehrt deren Wechselkurs durch den Silberpreis
bestimmt werde, kann heute nicht mehr beigetreten werden.
Der Vollständigkeit halber sei auf die jährlichen Be-
richte der Volkswirtschaftlichen Chronik über den Silber-
markt verwiesen.

Rechnet man, alles in Jahresdurchschnitten, den Lon-
doner Silberpreis zum Sichtkurs Berlin-London um und ver-
gleicht damit die Hamburger Silbernotiz, so ergibt sich fol-
gendes Bild;

Jahresdurch-

schnitt

1900	1901	1902	1903	1904	1905	1906	1907	1908	1909

Silber in London	28&gt;/4	24*/M	24,09	241 2 3/4	26%	27,84	30%	303/j6	24%	243/4

Berlin auf „	20,46	20,41	20,45	20,42	20,41	20,44	20,46	20,47	20,42	20,44

Umrechnung 8) M	83,69	80,36	71,33	73,18	78,02	82,40	91,47	89,48	72,15	70,29

Silber in Han.bg	.,	83,37	80,16	71,—	73,03	77,81	82,26	91,34	89,42	71,95	70,01

Differenz jß 0l32	0,20 0,33	045	021	044	043	0^06	0,20 0,28

Die Größe der Differenz, um die Silber in Hamburg
dauernd billiger ist als in London, nimmt ungefähr den um-
gekehrten Verlauf wie der Silberpreis und der Londoner
Diskont. Bei der im Statistischen Jahrbuch für das Deutsche
Reich angestellten Preisvergleichung scheint der Londoner
Silberpreis stets nur zu 20,40, also niemals zur Parität,
umgerechnet zu sein, während die Ziffer für 1907 nicht stim-
men kann, da sie einen Wechselkurs von 20,76 ergäbe.

1)	Singer a. a. O.

2)	Umgerechnet nach der Stern'sehen Fixzahl 0,1448 X Silber-

preis X Deckungskurs.	\
        <pb n="95" />
        ﻿88

5,	Die Wechselkurse von Hongkong und Schanghai.

Die Republik China umfaßt noch immer ungefähr alle
Stufen wirtschaftlicher Entwicklung, was in ganz besonde-
rem Maße von den Währungsverhältnissen 1) des Riesen-
reiches gilt. Man kann nicht einfach sagen, China besitzt
Silber- oder Kupferwährung, man kann überhaupt nicht von
einer einheitlichen Währungsform sprechen, vielmehr laufen
Kupfergeld und Silbermengen nebeneinander her, ohne
durch ein anderes System als das schwankende Verhältnis
des Metallwertes miteinander verbunden zu sein.

Weiterhin sind auf der einen Seite die gebräuchlichen
Mengeneinheiten des Silbers von Ort zu Ort nach Menge
und Feinheit verschieden, bedürfen also bereits für sich einer
Wertrelation im Verkehr zwischen zwei Orten, Auf der an-
deren Seite ist für das geprägte Kupfergeld das gleiche der
Fall; die vielen, örtlich verschiedenen Käsch-Arien (kleinste
Kupfermünze) stehen ebenfalls in bestimmtem Verhältnis
zueinander, nur tritt hier erschwerend hinzu, daß ausge-
dehnte Fälschungen und minderwertige Prägungen für die
einzelne Münze ein Disagio bedingen, das wiederum für jede
Käsch-Art womöglich noch innerhalb derselben Art ver-
schieden ist, wenn es sich etwa um zweierlei Ausprägungen
handelt. Um den Wert eines Käsch in A, gegenüber dem
Wert eines Käsch in B. nach dem Maßstabe unseres Gold-
geldes zu bestimmen, bedürfte es infolgedessen einer langen
Reihe von Proportionen. Außerdem werden seitens der
Münzausgabestellen vielfach durch eine künstlich herbei-
geführte Geldkontraktion die Werte abermals geändert.
(Letzteres geschieht durch die Mandarinen, um unterwerti-
ges Geld in den Verkehr zu pressen.)

Ferner existiert in weiten Gebieten Chinas noch reiner
Tauschverkehr, während gleichzeitig zwischen diesem und
der Kupferwährung die mannigfaltigsten Übergänge be-
stehen. Ein Bild des Tauschverkehrs ergibt sich aus folgen-

1) Über die Währungsverhältnisse Chinas siehe besonders Sonn-
dorfer, Swoboda und Frankfurter Zeitung 1911 Nr, 221, F. W.
Hack, Bank- und Geldwesen in China.
        <pb n="96" />
        ﻿89

dem Berichtx) des Dolmetscheraspiranten Tigges beim deut-
schen Konsulat in Kanton über die Geldverhältnisse in
Woutschou, einer Stadt von 60—80 000 Einwohnern an der
Mündung des Fuflusses in den Westfluß, die den Ruf hat,
der Haupthandelsplatz und der reichste Ort der Provinz
Kuangsi zu sein. ,,In Woutschou sind hauptsächlich Kanto-
ner 20 Centstücke und Hongkonger 10 Centstücke im Um-
lauf; Silberdollars und Notengeld sind wenig bekannt. Im
Binnenland ist Bargeld selten; die Landleute pflegen gegen
ihre Bodenerzeugnisse Waren — hauptsächlich Baumwoll-
waren —■ eänzutauschen; der Geldverkehr zwischen Wout-
schou und Kanton-Hongkong wird durch chinesische Ban-
kiers in Futschan und Kanton vermittelt," Nach derselben
Quelle ist die Stadt Woutschou das natürliche Zentrum des
Handelsverkehrs für Kuangsi, Kueitschou und das nordöst-
liche Yünnan, ein Gebiet, das etwa der Bodenfläche des
Deutschen Reiches gleich kommt; alle nach Kanton und
Hongkong führenden Handelsstraßen dieser großen Land-
flächen vereinigen sich in Woutschou.

Gegenüber diesen Verwicklungen, mit denen der kleine
Binnengeldverkehr Chinas zu rechnen hat, erscheint der
Silbergroßverkehr der Hafenstädte als relativ einfach ge-
staltet, Bei ihm handelt es sich um drei Schwierigkeiten, die
jedoch von dem Chinesen nicht als solche empfunden wer-
den, da ihm die erforderliche Technik geläufig ist und sich
aus den Schwierigkeiten für ihn dauernd Gewinngelegen-
heiten ergeben. Die erste Schwierigkeit besteht darin, einen
bestimmten Betrag in der entsprechenden Menge Silbers
auszuzahlen: der Betrag muß gewogen werden, sofern man
sich nicht mit ausländischen Silbermünzen behilft, die dann
aber nur als feststehende, bereits bequem abgeteilte Mengen
Silbers gelten. Letzteres geht soweit, daß man die Münzen
zerbricht, um einen entsprechendenTeilbetrag zu bekommen,
und daß vielfach die Münzen nicht auf ihre Prägung hin ge-
nommen werden, sondern stückweise einer Nachprüfung
unterliegen, wobei Gewicht und Feinheit von den chinesi-
schen Probierern darauf vermerkt werden. Die Münzen wer-
den „geschopt“. Die Europäer untereinander nehmen natür-

1) Bericht über Handel und Industrie, Bd. 14, Heft 6, Mai 1910.
        <pb n="97" />
        ﻿



lieh die Münzen lediglich auf die Prägung hin, und dem fol-
gen auch die Chinesen da, wo der Umlauf größeren Umfang
besitzt, also in den Hafenstädten,

Handelt es sich um interlokalen Verkehr, so tritt zu der
Schwierigkeit des Abwägens die Umrechnung der örtlichen
Gewichtseinheit in die des fremden Platzes nach Menge und
Feinheit; soll das Silber außerdem an dem fremden Platze
tatsächlich umlaufen, so muß es umgeschmolzen werden, um
als Umlaufsstück der dort üblichen Menge und Feinheit zu
entsprechen. Hack führt das zähe Festhalten der Chinesen
an diesen Unbequemlichkeiten des Barrengeldes zurück auf
die große Zahl derer, die dabei verdienen, und auf die jedem
Barrengeld innewohnende Unmöglichkeit einer obrigkeit-
lichen Geldverschlechterung.

Die dritte und unangenehmste Schwierigkeit ergibt sich
im Verkehr Chinas mit dem Auslande durch die Verbindung
des chinesischen Silberumlaufs mit dem internationalen
Goldgelde, also durch den Wechselkurs, Das Störende da-
bei sind nicht die Schwierigkeiten der Kurstechnik oder die
Häufigkeit der Kursänderungen — diese Schwierigkeiten
sind hier kaum größer als bei jeder anderen Währung —,
sondern die Größe der auftretenden Schwankungen, die die
Preisgestaltung aller Waren durch ein außerhalb der Sache
liegendes Moment beeinträchtigen. Wer heute von Europa
Waren kauft, muß gewärtigen, daß es seinem Nachbar mor-
gen möglich sein kann, ihn durch einen inzwischen um 10°/o
gestiegenen Silberpreis um ebenso viele Prozente zu unter-
bieten, ohne daß der Weltpreis der Ware sich geändert hat
oder die Verhältnisse des betreffenden chinesischen Marktes
sich verschoben haben. Umgekehrt kann der Exporteur theo-
retisch um den Betrag jedes Silberfalles unter Weltpreis
offerieren oder über chinesischem Marktpreis einkaufen. Das
Maß und die Schnelligkeit, mit der Silberschwankungen in
den Preisen anderer Waren zur Wirkung kommen, ist jedoch
je nach der Richtung verschieden: ehe ein Silberfall in den
Preisen der Exportwaren am chinesischen Produktions-
orte, also im Innern, wirksam wird, dauert länger und setzt
sich in geringerem Maße durch als die Wirkung einer Silber-
preissteigerung auf den Importhandel. Letzterer wird da-

I
        <pb n="98" />
        ﻿91

zu auch von jedem Sinken des Silberkurses empfindlich
getroffen, da die Warenverkaufspreise im Innern niemals
im selben Maße steigen 1),

An dieser größten Schwierigkeit des chinesischen Geld-
wesens, von der namentlich der europäisch-amerikanische
Fremdhandel getroffen wird, wird durch die geplante Wäh-
rungsreform nichts geändert werden, da nur eine einheitliche
Silberwährung eingeführt werden soll. Allerdings wäre die
Einführung eines wirklichen Einheitsgeldes bereits ein
großer Fortschritt für China gegenüber den heutigen chao-
tischen Zuständen, und zudem muß man sich in China zu-
nächst einmal an ein regelrechtes Geldsystem gewöhnt
haben, ehe man daran denken kann, den weiteren Schritt
zu tun und die umlaufenden Münzen gegenüber dem Golde
unterwertig zu prägen. An einer für den kleineren Ver-
kehr handlichen Goldmünze wird es alsdann nicht fehlen,
wie der von Schmalenbach1 2) bereits 1904 gemachte
Vorschlag dartut, Goldmünzen von nur 250 fein und etwa
der Größe des 50Pfg,-Stückes mit einem Goldwert von
2,04 cM auszuprägen.

Auf die Einzelheiten der geplanten Reform und die zu
ihrer Durchführung in Aussicht genommene Anleihe braucht
hier nicht eingegangen zu werden.

Im einzelnen ist der Kupfer-Käsch als der tausendste
Teil des Silber-Taels, der chinesischen Unze, eigentlich
auch nur Gewichtsgeld. Die zu Grunde liegende Gewichts-
einteilung ist folgende, wobei die chinesischen Bezeichnun-
gen in Klammern zugesetzt sind;

1 Tael (Liang) = 10 Mace oder Mehs,

1 Mace (Tsien) = 10 Candareen oder Kandorin,

1 Candareen (Fen) = 10 Li (Käsch).

Die Benennungen der höheren Gewichte lauten:

16 Tael = 1 Catty (Tsin),

100 Catty = 1 Picul (Tan),

1)	Siehe hierüber besonders Helfferich, Außenhandel und
Valutaschwankungen, Conrads Jahrbuch XXI, 2 und von Kries,
Seezollverwaltung und Handelsstaiistik in China, Probleme der Welt-
wirtschaft, Schriften des Instituts für Seeverkehr und Weltwirtschaft
in Kiel, Jena 1913,

2)	a. a. O,	s
        <pb n="99" />
        ﻿92

Während nun die Dezimaleinteilung gleichmäßig durch-
geführt ist, ist das Gewicht eines Taels fast überall verschie-
den, so daß man über 100, nach anderen sogar mehrere 100
Arten kennt, deren wichtigste der Kanton-, der Haikuan-
(für das Seezollamt) und der Schanghai-Tael sind. In ähn-
licher Weise sind, wie bereits erwähnt, die Käscharten ört-
lich verschieden; die Wertrelation zwischen den einzelnen
Käscharten und zwischen Käsch und Silber pflegt täglich in
den Städten durch die chinesische Bankiergilde festgestellt
zu werden. Für den in dieser Arbeit zu berücksichtigenden
internationalen Verkehr kommen die Relationen nicht in
Betracht; ebenso interessiert in dem hier gezogenen Rahmen
die Bewertung der Silbertaels untereinander nur insoweit,
als es sich um die Feststellung handelt, ob diese Bewertung
nur eine Umrechnung oder eine wechselkursartige Preis-
bildung darstellt. Es kann daher wegen weiterer Einzel-
heiten auf die Handbücher (besonders S w o b o d a) und
die Literatur verwiesen werden.

Hinzuzufügen bleibt nur noch, was neben den schuh-
ähnlichen Barren an Münzen geschont oder als Münze
schlechthin umläuft. Es sind dies Silberdollars der Münze
zu Kanton und der Münze zu Wouschang, beide mit Unter-
teilungen von 20,10 und 5 Centstücken, der berühmte Mexi-
candollar, der stets geschont wird, weiter britische Hong-
kong- und alte Straits Dollars, und endlich in geringerem
Umfange Yen-Stücke und französische Tonkindollars. Dazu
kommen mit wachsender Bedeutung die von den chinesi-
schen und fremden Banken ausgegebenen Noten; die Noten
der ersteren sind durch die zwar nicht formelle, tatsächlich
aber doch solidarische Bürgschaft der Bankgilden so gut wie
gedeckt, während die Noten der Fremdbanken — wie ein-
mal der Geschäftsbericht der Hongkong &amp; Shanghai Banking
Corporation sagt, — Dollar für Dollar bar gedeckt sind.
Diese Noten bedingen vielfach wegen ihrer bequemen Hand-
habung ein Agio,

Nach „The China Year-Book 1912" wird der Geldum-
lauf Chinas für 1911 wie folgt geschätzt:

Ausländische Dollars.................Dollars 114 Mill,

Silberscheidemünzen (20, 10,5 Cents) „	1500 „
        <pb n="100" />
        ﻿93

kupferne 10-Käschstücke..............Taels	100 Mill.

chinesische Dollars..................Dollars 43 ,,

Die international wichtigen Wechselkurse Chinas sind
diejenigen von Hongkong und Schanghai, wozu in neuerer
Zeit Tientsin getreten ist. Davon ist Hongkong *) englische
Besitzung, der Geldumlauf besteht zur Hauptsache aus bri-
tischen Hongkong-Dollars, die in der Münze von Bombay
geprägt werden. Die politische Trennung bedeutet jedoch
hier keine wirtschaftliche, und Hongkong ist in diesem Zu-
sammenhang als ein Teil Chinas anzusehen. Was die Stel-
lung Hongkongs und Schanghais im Zahlungsverkehr Chinas
mit dem Auslande angeht, so wird von drüben berichtet, daß
Schanghai den Zahlungsverkehr von ganz China vermittle,
während Hongkong auf seinen eigenen beschränkt sei.
Wörtlich ist das richtig. Da aber Hongkong den Handels-
verkehr Südchinas ausschließlich beherrscht, so fällt auch
dessen Zahlungsverkehr ihm und nicht Schanghai zu,
Schanghai ist vielmehr das Verkehrszentrum für das mittlere
China, die Jangtsze-Ebene und für Gebiete noch weiter
nördlich. Außerdem wird in einem Bericht des Deutschen
Handelsarchivs 1908/H Hongkong als Mittelpunkt des Geld-
verkehrs für das südliche China bezeichnet.

In Schanghai wird der Wechselkurs London auf der Basis
des Schanghai-Taels notiert. Die Münz-Parität gegenüber
dem englischen Goldgelde ergibt sich aus folgender Kette:

J =	1 Shanghai Tael	I

111,4	=100 Haikwan Tael

1	=	584,85 grains	fein Silber

222 fein	=	240 Standard

480	=	1 Q2	|

=	.......(Silberpreis in London.)

Das Umrandete ergibt als „fixe Zahl“ 1,182432, mit der
der jeweilige Silberpreis zu multiplizieren ist. So ergibt
z. B, ein Silberpreis von 22 d umgerechnet 26 1/100 bezw.
2 sh 21/100 d, 25 d = 29BO/100 d, 28 d = 3311/10« d etc.

1) Insel Hongkong mit der Stadt Viktoria.
        <pb n="101" />
        ﻿94

Die vorstehende, von Manisch1) übernommene Kette
wurde bei den vorliegenden Untersuchungen benutzt, wäh-
rend in Schanghai die nachstehende Umrechnung, die jedoch
zur selben Fixzahl führt, üblich ist.

? d =	1 Schanghai Tael

111,20	=	100 Kanton-Taels

82,7815	=	100 troy oz,

100	=	100,9 pence charges

100	=	107,8829 oz. Standard

______1	—........Silberpreis London_______________

feste Zahl = 1,182 X Silberpreis.

In Hongkong notiert man den Wechselkurs auf London
pro 1 Hongkong-Dollar, dessen Parität wie folgt zu berech-
nen ist:

J| =	1 Hongk. Dollar

t 24,26112 graram fein2)

=	1 oz fein

___= 40 oz Standard Silber___

J =.........Silberpreis in London

? d

1

31,1035

37

1

Das Resultat der umrandeten Ziffern ergibt die feste
Zahl 0,843257, mit der der jeweilige Silberpreis zu multipli-
zieren ist.

Der Kurs auf Deutschland wird in Schanghai und
Hongkong durch Umrechnen des englischen Kurses zur Rate
Berlin-London, die täglich von London gekabelt wird, er-
mittelt; eine selbständige Preisbildung für deutsche Wech-
sel findet also nicht statt. Die deutsche und auch jede
andere Parität ist nur auf dem Umwege über die engli-
sche zu ermitteln; ausführliches darüber wurde bereits auf
Seite 33 ff, gesagt. Im übrigen vollzieht sich der Devisenver-
kehr im wesentlichen in der früher geschilderten, in Asien
allgemein üblichen Form, Weitere Einzelheiten sind aus den
nachstehenden Kurszetteln (Formular 6—7) ersichtlich. Der

1)	Hanisch, Die Lehre von der Technik des Handels, Roth-
schilds Taschenbuch 1911, Seite 796,

2)	Entstanden aus 26,9568 gramm rauh, da 900/1000

minus 2,69568

24,26112 fein.
        <pb n="102" />
        ﻿95

in dem Kurszettel von Maitland &amp; Fearon angegebene Satz
für Native Interest {Eingeborenenzins) ist ein Jahresprozent-
satz, während Native Interest gewöhnlich in mace und can-
dareen für 1000 Tael und für den Tag festgesetzt werden,

Mittels der angegebenen Fixzahlen wurden die Londo-
ner Silberpreise der Jahre 1907 bis 1910 für Hongkong und
Schanghai reduziert, in den Diagrammen Nr, 13 bis 16 und
17 bis 20 als Münzpari eingetragen und die entsprechenden
t, t .Notizen dazu gesetzt. Dabei war zu beachten, daß wegen
des Zeitunterschiedes zur t, t, Notiz jedesmal der reduzierte
Silberpreis des vorhergehenden Tages gehörte. (Näheres
über die Diagramme siehe Kapitel I, 3.)

Die Diagramme zeigen, wie die beiden chinesischen
Wechselkurse mit dem Silberpreis verlaufen, wie also die
wichtigste Bewegung dieser Wechselkurse durch den Silber-
preis verursacht wird. Ein steigender Silberpreis bedeutet
eine Steigerung des Wechselkursbetrages, d, h. für China
einen fallenden Wechselkurs, für Europa auf China einen
steigenden, während ein Fallen des Silberpreises die Wech-
selkurse Chinas „ungünstig“ gestaltet. Als zweite Bewegung
treten hierzu die Abweichungen der t. t. Kurse von dem
Silberpreis, die Abweichungen also von der Parität, die
durch die selbst schwankende Linie des Silberpreises gebil-
det wird. In der Literatur hat man bisher diesen Abweichun-
gen der chinesischen Wechselkurse von dem Silberpari keine
größere Beachtung geschenkt und, bewogen durch die ab-
solute Kleinheit der Differenzen — Bruchteile eines Penny —
die Schwankungen um das Münzpari als bedeutungslos, von
gelegentlicher starker Nachfrage oder dringendem Angebot
verursacht angesehen. Aus den früheren Angaben der
Größenverhältnisse der Diagramme und aus Diagramm Nr.
21—24 geht hervor, daß es sich bei den Abweichungen von
der Parität jedoch um Schwankungen handelt, die ein Viel-
faches der im europäischen Verkehr zwi-
schen oberen und unteren Goldpunkten möglichen
Schwankungen ausmachen.

S
        <pb n="103" />
        ﻿Mahlberg. Asiatische Wechselkurse.

1911—No, 35

Formular Nr, 6,

No. 25, Szechuen Road,
Shanghai.

MAITLAND and FEARON’S

Exchange Circular for week ending Wednesday, August 30th, 1911,

Exchange:—Düring the week, the London price of Silver for early delivery has moved between 24‘/ic d. and 247g d,, the
quotation for two months forward delivery has however remained steady at 243/16 d, throughout the week. Our
local rates of exchange have remained at 2/47ad, for T/T on London. Exchange Settlements have been on a small
scale and the market generally has been easy for early delivery and steady forward. At the dose a steady feeling
prevails, ‘‘Deliveries” in connection wilh Imports are poor, this however may be accounted for by the stormy
weather we have experienced. The local stock of Sycee and Bar Silver Stands at about Tis 28,000,000,

	Thursday	Friday	Saturday	Monday	Tuesday	Wednesdey
	August 24th	August 25th	August 26th	August 28th	August 29th	August 30th
Bank s selling rates.	opening closing	opening closing	opening closing	opening closing	opening closing	Qpening closing
T/T. on London ...				2/4»/16	2/41/2	2/41/,	2/4i/2	2/41/,	2/41/,
D/Dfts,	„			2/48/g	l/49/l6	2/49/ie	2/49/is	2/49/ie	2/49/ls
4 m/s.			2/43/4	2/411/16	2/4ii/16	l/4n/l8	2/4ii/16	2/4»/,.
T/T. on India ...			178	1773/4	1773/4	1773/4	1773/4	1773/4
T/T. on France 		300V2	300	300	300	300	300
T/T. on Germany ...	...	...	...	...	2437,	243	243	243	243	243
T/T. on New York ...	...				57 Vs	573/4	•	573/4	. 573/4	573/4	573/4
T/T. on Hongkong ...			753/4	753/4	753/4	753/4	753/4	753/4
T/T. on Japan 		85 V,	856/s	855/g	846/g	858/g	855/g
T/T. on Batavia					1433/g	143	143	\ 143	143	143

Formular Nr, 6,

Bank’s buying rates.

4 m/s Bills on London

Credit«, &amp; D/A

6 m/s ,,	„	„

4 m/s Bills on London, D/P
6 m/s ,,	,,	„

4 m/s Bills on France

Credits. D/A. or D/P
4 m/s „ „	Germany

4 m/s „ „	New York ...

}	2/5Vi6	2/5	-  2/5	2/5	2/5	2/5
	2/55/ie	2/5V4	2/5 V4	2/57,	2/574	2/574
...	2/53/16	2/5‘/g	2/5/ig	2/51/g	2/51/g	2/57s
	2/5Vi6	2/53/8	2/53/g	2/53/8	2/53/g	2/53/g
}	305V,	305	305	305	305	305
	248V,	248	248	248	248	248
	593/4	596/g	595/g	59»/„	596/g	595/g

Bullion.  * London Price of Bar Silver per oz. (English Standard 925 touch) ... Pence Shanghai Price of Gold Bars (weight Tis. 10  (Chauping) 98 touch)	  do,	Silver Bars (weight Tis. 100 (Canton)  999 touch)	... ...			  „do.	Mexican Dollar per $ 100	...	...  Money  Native Bank Rate of Interest (Call money) ...  * Closing Price in London for Previous day.	Aug. 24th		Aug. 25th	Aug. 26th	Aug. 28th	Aug, 29th	Aug. 30th
	247s  Tis, 4081»  Tis. in20 Tis. 75.2  17,7o		247s  Tis. 40860  Tis. Hl2« Tis. 75.1375  17»%	247is  Tis. 40840  Tis. 11120 Tis. 75,1625  1%	247s  Tis. 40825  Tis. 111® Tis. 75.1375  2%	247,6  Tis. 40875  Tis, lll20 Tis. 75,15  l‘/,%	247s  Tis. 40885  Tis. lll20 Tis. 75,1375  2%
Bank of England rate of discount	3%		London on	Paris	T/T	25.26	
Bank of France „	„	3%		London on	Germany	T/T	20.4874	
Bank of Germany ,,	„	3%		New York	on London	T/T	4.867,6	
London open Market rate of Discount 3 m/s.	27g%		Bombay on	London	T/T	1/47«	
„	„	4 m/s.	33/g°/o		Hongkong	on London	T/T	l/9Vie	
,.	„	6 m/s.	37.6%		Yokohama	on London	T/T	2/03/8-7.6	

N. G. MAITLAND,

R. I. FEARON,

Exchange and Ballion Brokers

Telephone No, 2077,
        <pb n="104" />
        ﻿98

Vorderseite,	Formular 7,

OPENING

EXCHANGE QUOTATIONS.

HONGKONG, SATURDAY, 26th AUGUST, 1911.

SELLING.

T/T....................................................l/97/16

Demand....................................................1/9%

30 d/s ................................................1/98/i6

60 d/s.................................................l/99/i6

4 m/s.....................................................1/9%

T/T.	Shanghai.........................................75%

T/T.	Singapote........................................76%

T/T.	Japan............................................87%

T/T.	India.............................................. 133%

Demand India...........................................134

T/T.	San Franzisco and New York....................... 433/a

T/T.	Java................................................107%

T/T.	Marks............................................183

T/T,	Francs...........................................   225%

BUYING.

4 m/s,	L/C,	. .......................................1/9%

4 m/s.	D/P.......................................1/10

6 m/s.	L/C.	......................................1/10

30 d/s.	Sydney	and	Melbourne .....................1/10%

„	San Francisco	and	New York ....... 44%

4 m/s. Marks...........................................

4 m/s.	Francs.................................. 2.30 .

6 m/s.............................................2'32

30 d/s. on India .................................

Bar Silver....................................24%6

Bank of England Rate..................2%

With the Compliments of

A, &amp; S. Hancock, Stewart Bros.,
Th. Christian!, Lay ton &amp; Co.,
0. von der Heyde, A. W. Schellhass,
        <pb n="105" />
        ﻿BANK'S SELLING: —

Sterling T.T.

BANK'S BUYING:

Sterling Credits 4 m/s. . .
Francs	4 m/s. , .

26/8/11.

August

August

TO JüLY 1912 (4 MONTHS RUNNING.)

September

OCTOBER

November

December

Rückseite,	Formular 7.
        <pb n="106" />
        ﻿100

Die Abweichungen erfolgen nach oben und unten; in
ihnen ist der eigentliche Wechselkurs im üblichen Sinne,
„der Ausdruck der Zahlungsbilanz“, zu sehen. Steht der t. t.
Kurs unter dem Silberpari, so handelt es sich um einen
hohen, für China ungünstigen Wechselkurs, steht die t, t,
Notiz über der Silberlinie, so hat China für seine Zahlungen
nach London weniger aufzuwenden. Von London aus ge-
sehen verhält sich die Sache umgekehrt, die Diagramme sind
in diesem Falle so zu lesen, wie sie gezeichnet sind; über
Pari hoher Kurs, unter Pari billiger Kurs,

Für China kann sich demnach der Wechselkurs zu
gleicher Zeit auf zwei Wegen günstig oder ungünstig gestal-
ten: der Kurs kann mit dem Silberpreis steigen oder fallen
und kann ferner gleichzeitig von der Parität sich entfernen.
Beide Bewegungen können großen Umfang annehmen. Gehen
sie in derselben Richtung, so stärken sie sich gewissermaßen
gegenseitig, während umgekehrt eine Abschwächung eintritt,
wenn die beiden Bewegungen gegeneinander verlaufen. Das
deutlichste Beispiel für eine solche Abschwächung bietet
der große Silberfall in 1907, Die vorher weit unter Pari
verlaufende Linie des t, t, Kurses Schanghai bewegt sich
mit fortschreitendem Silberfall immer mehr zur Parität hin,
sie bremst, wenn man so sagen darf, mildert also durch ihre
Eigenbewegung den aus dem Silberpreis sich ergebenden
Wechselkurs,

Als eine Eigenbewegung der t. t, Notizen ist es auch
anzusehen, wenn sie bei steigendem oder fallendem Silber-
preis selbst stehen bleiben, da sich auch dann ihr Abstand
von der Parität ändert und diese Abstandsänderung, als
Linie gezeichnet, eine umgekehrt zum Silberkurs verlaufende
Bewegung ergibt. Mit anderen Worten gesagt, heißt das,
daß sehr oft die t, t. Notiz ihren eigenen Weg geht, steigt,
fällt oder stehen bleibt, gewissermaßen ohne sich um den
Verlauf des Silberpreises zu kümmern. Sieht man den Ver-
lauf des Silberpreises als das Absolute, die Abweichungen
der t. t, Notizen als das Relative an, so liegt in diesem Sich-
nicht-kümmern eine eigenwillige Bewegung des Wech-
selkurses, Da aber die absolute Kurshöhe der t, t. Notiz
das Entscheidende ist, so ist eine solche zum Silberpreis
        <pb n="107" />
        ﻿101

gegensätzliche Eigenbewegung nur als Ausdruck der Silber-
schwankung zu werten.

Diese Neigung zur Stetigkeit und Beständigkeit zeigen
beide t. t. Notizen häufig und in gleichem Maße, die auf
eine geprägte Münze basierte Notiz in Hongkong hat darin
kaum etwas vor der Notiz Schanghais voraus, die nur die
Bewertung eines Gewichtes Silbers darstellt. Sieht man in
der Eigenbewegung der t. t. Notizen den „Ausdruck der
Zahlungsbilanz“, so bedeutet jede als Reaktion auf Silber-
preisänderungen erfolgende Eigenbewegung eine Verdunk-
lung der Kursgestaltung.

Vergleicht man die Stellung der Hongkonger Notiz zum
Silberpreis mit derjenigen der Schanghaier Notiz, so ergibt
sich ein wichtiger Unterschied zwischen beiden. In Hong-
kong steht die t. t, Notiz, am Silberpreis gemessen, dauernd
beträchtlich höher als in Schanghai, der Wechselkurs ist
mithin in Hongkong dauernd günstiger und billiger als in
Schanghai, oder mit anderen Worten, der in Hongkong die
Basis bildende Dollar erfreut sich eines Agios, Um 100
Pfund London zu erstellen, bedarf man relativ mehr unge-
münzten Schanghai-Silbers, als man nach dem Silbergehalt
Hongkong-Dollar aufzuwenden hat; von London aus als
direkte Notiz gesehen, ist die Dollarbewertung relativ höher
als die Taelbewertung, die geprägte Münze wird bevorzugt.
Wenn demgegenüber Sonndorfer von einem 3—5°/0igen
Diskont spricht, den der Hongkong-Dollar bedinge, so ist
dabei vielleicht die indirekte Notierungsweise übersehen
worden, die ein Agio durch eine niedrige Kursziffer aus-
drückt.

Um den Verlauf der beiden t. t, Kurse zur Silberparität
genauer übersehen und vergleichen zu können, wurden die
Abweichungen von der Parität nach oben und unten in
lOOstel Pence ermittelt und im Diagramm Nr. 21—24 auf
eine gerade Linie bezogen; die Silberparitätslinie wurde also
für beide Wechselkurse zur geraden Linie straff angezogen.
Das sich dabei ergebende Bild zeigt den eigentlichen chine-
sischen Wechselkurs, den Ausdruck der Zahlungsbilanz in
den Abweichungen von der Parität, Erst jetzt lassen sich
die beiden Kurse untereinander und mit den anderen asia-
        <pb n="108" />
        ﻿mmmc



102

tischen Wechselkursen vergleichen. Hierbei war aus tech-
nischen Gründen nicht zu vermeiden, daß die Kurse von
Hongkong und Schanghai sowohl untereinander wie gegen-
über den anderen asiatischen Kursen in verschiedenem
Maßstab gezeichnet wurden. Nach dem Verhältnis der auf
Seite 93/94 berechneten Paritätsfixzahlen (1,182:0,843) hätte
man, um für Hongkong wie für Schanghai denselben Maß-
stab zu erhalten, für jedes Vioo d Abweichung von der
Parität für Schanghai 1 mm, für Hongkong 0,7 mm Höhe
nehmen müssen; statt dessen wurde in Diagramm 21—24 für
beide Plätze 1 mm genommen, sodaß man sich die Kurven
von Schanghai etwas flacher vorstellen muß. Störend ist
der Unterschied kaum.

Eine Beziehung des Diagramm-Maßstabes auf die Dar-
stellungen der anderen asiatischen Kurse ist schwieriger,
da sich mit dem stark schwankenden Silberpreis die Basis
der Verhältnisse ändert. Das gilt namentlich für den Preis-
fall in 1907. Der Kürze halber seien nur die Jahre 1908
bis 1910 berücksichtigt und als ganz runder Durchschnitts-
wert ein Silberpreis von 241/2 d = 28,97 d Parität Schanghai
und 20,65 d für Hongkong angenommen. Im Maßstab von
1 mm Höhe pro 1/8100 der Parität ergibt das für 1/100stel d
Abweichung von der Parität für Schanghai 2,8 mm, für
Hongkong 3,9 mm, während in beiden Fällen nur 1 mm ge-
nommen wurde. Bei einem Vergleich mit den übrigen asia-
tischen Wechselkursen muß man sich also die Abweichungs-
kurven von Hongkong und Schanghai (Diagramm Nr, 21—24)
um dies Maß vergrößert denken.

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich, daß man beim
Lesen der Diagramme Nr, 21—24 stets auch die Diagramme
Nr. 13—20 gleichzeitig berücksichtigen muß, um den Cha-
rakter einer Schwankung kennen zu lernen. Es ist jedesmal
festzustellen, wieweit es sich um Eigenbewegungen des
Wechselkurses und wieweit um solche Änderungen im
Paritätsabstand handelt, die auf ein Schwanken des Silber-
preises, auf eine Änderung der Parität selbst zurückzufüh-
ren sind, Ganz allgemein kann gesagt werden, daß alle
scharfen Spitzen und extremen Bewegungen in Diagramm
Nr, 21—24 regelmäßig durch eine Veränderung der Parität,
des Silberpreises, entstanden sind.
        <pb n="109" />
        ﻿103

Der Hauptbewegung der chinesischen Wechselkurse
braucht im einzelnen hier nicht nachgegangen zu werden, da
es sich dabei um den Verlauf des Silberpreises handelt, die
Bewegung mithin nicht das ist, was man unter Wechselkurs
eigentlich versteht. Die sonst auf den Wechselkurs ein-
wirkenden Faktoren, wie Zins, Gestaltung des Zahlungs-
verkehrs usw. stehen zu dieser größten Bewegung in keiner
Beziehung. Wichtig ist jedoch der erwähnte Zusammenhang
des Silberpreises mit der Weltkonjunktur und deren allge-
meiner Preis- und Zinsentwicklung.

Aus den Diagrammen Nr. 21—24 ergibt sich ein Zu-
sammenhang zwischen der Bewegung der Paritätsabweich-
ung und der des Silberpreises, und zwar ist die eine Be-
wegung das genaue Spiegelbild der anderen. Geht die
Silberlinie hinauf, so fällt die Linie der Paritätsabweichung
und umgekehrt, Hält man die Diagramme der letzteren
(Diagramm Nr. 21-—24) mit dem Kopf nach unten und mit
der Schrift gegen das Licht, so verlaufen die durchscheinen-
den Linien parallel zum Silberpreis, Die Parallelität besteht
bei allen Schwankungen innerhalb kleinerer Zeitabschnitte,
etwa innerhalb der einzelnen Monate; nur ganz geringe
Ausnahmen zeigen sich hier, so für den März 1907. Für
Schwankungen innerhalb größerer Fristen, etwa eines Quar-
tals, ist der Zusammenhang ebenfalls gegeben, jedoch schon
etwas abgeschwächter; so zeigt namentlich das 2. Quartal
der Jahre 1907 und 1908 eine weitergehende Abweichung.
Es ist klar, daß große Stellungsänderungen des Silber-
preises, die sich im Laufe einer längeren Zeitspanne voll-
ziehen, nicht von einer entsprechenden Änderung in der
Paritätsstellung begleitet sein können, denn der Abweichung
der Wechselkurse von der Parität sind Grenzen gezogen,
dem Silberpreis nicht.

Diese augenscheinliche Parallelität kann nicht Zufall
sein, man wird eine Gesetzmäßigkeit darin sehen dürfen,
die dahin zu formulieren ist, daß- der Wechselkurs das Be-
streben hat, sich von den Bewegungen des Silberpreises frei
zu halten, indem er entweder den Bewegungen gar nicht
folgt, also stehen bleibt (die früher erwähnte Stetigkeit),
oder indem er der Silberbewegung, wenn er sich ihr nicht
        <pb n="110" />
        ﻿104

entziehen kann, wenigstens nur zögernd folgt (die Bewegung
also bremst). Die Erscheinung läßt sich gewissermaßen als
natürliche Reaktion des Wechselkurses gegenüber den
Schwankungen des Silberpreises ansprechen. Vergegen-
wärtigt man sich, was diese Neigung des Wechselkurses für
die am chinesischen Fremdhandel Beteiligten bedeutet, so
ergibt sich, daß deren Interesse an möglichster Stetigkeit
des Wechselkurses durch die tatsächliche Gestaltung ge-
wahrt wird. Sucht man nach Erklärungen für die Erschei-
nung, so wird man sie nur in wirtschaftlichen Vorgängen
suchen dürfen, die sich auf ganz breiter Basis vollziehen,
während denkbare Einzelmaßnahmen einer oder auch aller
Banken, etwa zu dem Zwecke, dem Warenhandel einen ste-
tigen Kurs zu verschaffen, nicht jahrelang eine solch
weitgehende Wirkung auszuüben vermögen.

Die Erklärung ist in den Kursspekulationen zu sehen,
die in der Umwandlung von Silberguthaben in Goldguthaben
und umgekehrt zum Tageswechselkurs bestehen und die
entsprechend der Meinung über den künftigen Verlauf des
Silberpreises vorgenommen werden. Solche Geschäfte fin-
den in großem Umfange und regelmäßig statt. „Stillhalter"
sind die Fremdbanken, die sich ihrerseits durch ent-
sprechende Silbertermingeschäfte in London glattstellen und
grundsätzlich keine ungedeckten Silberpositionen unterhal-
ten. Die Wirkung der Spekulation ist bei diesen Geschäften
stets dem Verlauf des Silberpreises entgegengesetzt, sodaß
sich so der spiegelbildartige Charakter der Erscheinung er-
klärt. Ein Hinweis auf die Kurswirkung dieser Geschäfte
findet sich auch bei D u b o i s *), der für Silberwechselkurse

1) Joseph Dubois, L'Empire de l'Argent. Etüde sur la Chine
financiere, Paris (Guilmoto) 1906, Seite 5; „Un autre element de de-
termination du change, en dehors du cours marchand du metal et de
la cote du papier, est fourni par ce qu'on peut appeller la ,tendance‘.
Les banquiers europeens se montrent, en effet, plus ou moins em-
presses ou plus ou moins reserves ä l'egard des especes chinoises
selon qu'ils croient prevoir une hausse ou une baisse prochaine du
metal argent. Cet element pour ainsi dire ,psychologique’ n'influe,
en fait, que sur la cote change proprement dite ä laquelle il s'incor-
pore, le tael brut restant immuable fixe ä la valeur commerciale du
        <pb n="111" />
        ﻿105

drei Elemente aufzählt: den Silberpreis, die Zahlungsbilanz
und ,,la tendance“, die Meinung von dem Fallen oder Stei-
gen des Silberpreises. Die Wirkung der Spekulation wird
aber nicht nur, wie D u b o i s meint, durch Umsätze in bar
(especes chinoises) ausgelöst, sondern in weit stärkerem
Maße durch die nur buchmäßigen Umwandlungen der einen
Währung in die andere.

Schließt man sich der D u b o i s ’ sehen Unterscheidung
von drei Elementen der Silberwechselkurse an, so zeigen
die Diagramme, daß neben dem Silberpreis und der Mei-
nung über dessen künftigen Verlauf für das eigentliche
Wechselkurselement, die Forderungen und Schulden Chinas
im internationalen Verkehr, nicht viel Einfluß übrig bleibt,
da die t, t. Kurse fast völlig im Bann der beiden ersten Fak-
toren zu stehen scheinen. Daß Zahlungsbilanzeinflüsse doch
vorhanden sind, ergibt sich aus den später folgenden Zif-
fern des chinesischen Außenhandels.

Wie stark im übrigen die Wirkung der Kursspekulatio-
nen sein kann, zeigt die auffallendste Erscheinung der Dia-
gramme, die große Stellungsänderung der t. t. Notizen nach
dem Silberpreisfall im Herbst 1907. Bis zu diesem Zeit-
punkt schwankt die Hongkong-Dollar-Linie dauernd um
ihre Münzparität. Mit dem Einsetzen des Silberfalles ver-
größert sich jedoch ihre Abweichung nach oben, sodaß die
Differenz zu Beginn 1908 fast einen ganzen Penny ausmacht
und bis zum Schluß der untersuchten Periode bestehen
bleibt. Für Schanghai ist das Bild so; Im Jahre 1907, bis
zum Silberpreisfall, steht der t. t, Kurs stets stark unter der
Silberparität; von dem Preisfall ab steigt der Kurs dagegen
bis zur und über die Silberparität; von Ende 1907 an bewegt
er sich so, wie man es theoretisch erwarten sollte.

Die Erscheinung ist für beide Kurse einheitlich: sie
stehen seit Ende 1907 relativ höher als vorher im Verhält-
nis zum Silberpreis. Faßt man die gezeichneten Linien als

metal. II s'ensuit que l'ecart existant entre le prix du tael argent et
le prix du tael de banque, ecart constitue düne pari, par la demande
et l'offre en papier, et de l'autre, par la ,tendance1, est interprete par
les commercants d'Extreme-Orient comme un tres serieux indice des
prix futurs du metal."

i
        <pb n="112" />
        ﻿106

Darstellung von Bewegungen auf, so kann man, wie bereits
erwähnt, den Verlauf der Wechselkurslinien als einen
Bremsvorgang ansehen; die t, t, Linien versuchen sich ge-
wissermaßen der allzuscharfen Bewegung der Silberlinie zu
entziehen. Der Vergleich ist berechtigt, denn das wirt-
schaftliche Ergebnis der Kursgestaltung in jener Zeit besteht
in einer Abschwächung des Silberfalls in den Wechsel-
kursen oder durch die Wechselkurse.

Irgend eine besondere Erklärung dieser auffallenden
Erscheinung konnte von den befragten, sachlich zuständigen
Stellen in Schanghai, Hongkong, Amsterdam, London und
Berlin nicht gegeben werden, man führt sie vielmehr ledig-
lich auf die Formel von Angebot und Nachfrage zurück.
Dazu paßt, daß maßgebende Bankberichte von drüben über-
einstimmend erwähnen, der Silberpreis sei um 241/2°/0 ge-
fallen und „dementsprechend habe sich auch der Wechsel-
kurs am Jahresende um 21 °/n niedriger gestellt“. Während
aber die Berichte nach Erklärungen für den Silberrückgang
suchen, scheint man die 31/?°/0"Änderung in der Paritäts-
stellung der Wechselkurse nicht als anormale Entwicklung
anzusehen, trotzdem die 31/2°/0 soviel bedeuten wie eine Ver-
schiebung der Frankenparität von Ji 81.— auf Jl 83,84 oder
M 78,16.

Wenn man will, kann man für die außerordentlich
starke Paritätsverschiebung auch noch folgenden Grund mit
heranziehen. Von Europa aus gesehen, bedeutet der Silber-
fall in 1907 eine rund 25°/0 betragende Entwertung des in
China investierten europäischen Kapitals. Wer mit seinem
Gel de hieran beteiligt war, und in der Lage sind alle chinesi-
schen Fremdbanken, hatte natürlich ein Interesse daran,
das Fallen des Wechselkurses, soweit es irgend ging, zu ver-
hindern; die Möglichkeit für ein derartiges Eingreifen ergibt
sich aus der Organisation der chinesischen Wechselmärkte,

Die Verschiebung in der Paritätsstellung der Wechsel-
kurse von 1907 dürfte damit in ihrer Ursache erklärt sein,
nicht aber auch das exorbitant hohe Maß der Verschiebung,
das die bei Metallverschiffungen entstehenden Spesen um
ein Vielfaches überschreitet. Da ist zu beachten, daß die
Paritätsstellung der Wechselkurse, so wie sie nach dem
        <pb n="113" />
        ﻿— 107

Formul;

Datum d.  M	»1	höchsten Süberpreises  niedrigsten	,,	Silber- preis in London	-m T3 lg g  'SH  &lt;ö cd  a J3 n «ao s G	inghai 1.1.  diesen Tagen  in d	Shanghai^tiji  unter (—) über ( “f*)  Silberparität	
			^ c/3	t/5 a	■f d	— d
1893	4, Mai	3813/i6 d	45,87	46,38	0,51	
	30, Dezember	315/g	37,37	37,37	0,0	0,0
1894	19, Januar	31ls/is	37,61	37,75	0,14	
	3. März	27	31,93	31,88		0,05
1895	12, Oktober	315/ie	37,03	36,88		0,15
	17, Januar	273/16	32,15	32,37	0,22	
1896	12, März	317/ie	37,18	37,06		0,12
	14, Oktober	29'Aji	35,18	34,63		0.55
1897	4. Januar	2918/16	35,25	35,12		0,13
	2, September	233/4	28,08	27,25		0,83
1898	19, Dezember  4. März	27 »/„ 25	32,59  29,56	32,82  29,37	0,23	0,19
1899	18. Dezember	275/ie	32,30	33,06	0,76	
	5, Oktober	266/8	31,48	31,-		0,48
1900	24, Oktober	303/ie	35,62	35,25		0,37
	9. Februar	275/16	32,30	32,—		0,30
1901	3, Januar	299/i6	34,96	34,50		0,46
	3, Dezember	251/ie	29,63	29,-		0,63
1902	4, Januar	261/s	30,89	30,50		0,39
	28. November	2111/ie	25,64	25,50		0,14
1903	20, Oktober	28i/a	33,70	31,50		2,20
	23. Januar	2111/ie	25,64	25,75	0,11	
1904	31, Dezember	289/iß	33,77	33,13		0,64
	12. April	246/g	29,12	27,88		1,24
1905	29. November	305/16	35,85	35,25		0,60
	7* April	257/i6	30,08	30,25	0,17	
1906	19, November  12, März	33i/a  29	39,16  34,29	37,88  33,63		1,28  0,66
        <pb n="114" />
        ﻿108

Silber stürz sich ausgebildet hat, theoretisch als normal an-
zusehen ist, während sie vorher als ungewöhnlich gelten
muß. Von 1908 ab schwankt der Schanghai-Tael-Kurs in
mäßigen, noch näher zu untersuchenden Grenzen um seine
Parität, während der ein Agio bedingende Dollar-Kurs
Hongkongs um dieses Agio über dem Silberpari, im übrigen
aber wie der Tael -Kurs schwankt. Bis Herbst 1907 standen
beide Kurse dagegen weit unter Parität, auch der im Dia-
gramm sich um die Silberlinie windende Dollarkurs wegen
seines Agios. Zur Untersuchung der Paritätsstellung der
chinesischen Wechselkurse während eines längeren Zeit-
raumes stehen nur die höchsten und niedrigsten Silberpreise
und die dazu gehörigen t, t. Kurse Schanghais zur Verfü-
gung. Durch Reduzierung der Silberpreise wurde die Diffe-
renz zwischen Parität und t. t. Kurs am Tage des höchsten
und des niedrigsten Silberpreises in lOOstel pence ermittelt
und als Plus oder Minus in der vorstehenden Tabelle (For-
mular 8) eingetragen.

Wenn es sich auch bei diesen Ziffern jedesmal um die
Silberpreisextreme der einzelnen Jahre handelt und hier-
bei, wie ausgeführt wurde, durch das Beharrungsvermögen
des 1.1. Kurses leicht und häufig eine Verdunklung der Pari-
täfsstellung eintritt, so ist dennoch aus der Tabelle zu ent-
nehmen, daß eine so große Verschiebung in der Paritäts-
stellung, wie sie 1907 stattfand, nichts Ungewöhnliches ist.
Um genau das Vorsichgehen solcher Verschiebungen unter-
suchen zu können, müßte man für längere Jahre die ge-
nauen Jahresdurchschnitte der t, t, Kurse haben und mit
den Durchschnittssilberpreisen vergleichen 1),

Das aus den Diagrammen sich ergebende Streben des
Wechselkurses, sich den Schwankungen des Silberpreises
zu entziehen, bringt auch Licht in die nationalökonomische
Frage des Einflusses von Valuta-Schwankungen auf den
Außenhandel, Während nach Helfferich langsam sich
vollziehende Schwankungen, selbst sehr großen Umfanges,
keine Beeinflussung des Außenhandels herbeizuführen ver-

1) Die Durchschnittskurse des Haikuan-Taels sind für eine der-
artige Untersuchung nicht brauchbar; siehe auch von Kries a. a, 0.

S. 111.
        <pb n="115" />
        ﻿109 —

mögen, ist bei plötzlich einsetzenden scharfen Steigerungen
oder Rückgängen der Valuta eine Einwirkung auf den
Außenhandel denkbar. Ein Silberfall kann in diesem Sinne
namentlich Importeinschränkungen, also Verminderung der
Wechselnachfrage nach sich ziehen, während eine Vermeh-
rung des Wechselangebots von der Seite des Exports her
weniger durch eine Vermehrung der doch unabhängig davon
gegebenen Exportquantitäten verursacht wird, als vielmehr
dadurch, daß der Ertrag in Landessilber relativ vergrößert
wird. Tatsächlich brachte der Herbst 1907 erhebliche Im-
porteinschränkungen, während die theoretisch zu erwar-
tende Besserstellung des Exports dadurch aufgehoben
wurde, daß im Zusammenhang mit der Weltkrisis die chine-
sischen Exportartikel Preiseinbußen erlitten, die über die
Valutaschwankung hinausgingen. Auch in der Folge ge-
staltete sich das Importgeschäft so schlecht, daß — wie es
in einem Berichte heißt — in diesem Jahre große Mengen
Silber von London nach China importiert werden mußten.
Auf der anderen Seite aber dehnte sich das Exportgeschäft
von Jahr zu Jahr aus, sowohl nach der Menge der Waren,
als der Zahl der Artikel,

Die Verhältnisse des Jahres 1907 sprechen also, abge-
sehen von der Bedeutung der außergewöhnlichen Paritäts-
verschiebung, nicht gegen Helfferich, es darf aber nicht
übersehen werden, daß der Preisfall dieses Jahres einer der
größten war, die das Silber bisher erlitten hat. Bei weniger
krassen Preisveränderungen wird man aber nunmehr sagen
dürfen, daß durch die Silberspekulationen die Preisbildung
des regulären Warenhandels vor allzu plötzlichen Silber-
schwankungen im gewissen Umfange geschützt ist.

Zu erwähnen bleibt, daß die große Paritätsabweichung
im Juli 1910 nach den Diagrammen gleichfalls als Reaktion
auf die Silberbewegung anzusehen ist, trotzdem in diesem
Monat eine tiefgehende Finanzkrisis in Schanghai eingetre-
ten war; anscheinend hat man damals am Londoner Silber-
markt die Wirkung der Krisis überschätzt.

Die höchsten und niedrigsten t. t, Kurse in den unter-
suchten Jahren stellten sich auf:
        <pb n="116" />
        ﻿		- 110 —			
		1907	1908	1909	1910
	höchster	2/3+i6	1/H+	1/9+	1/10+
	niedrigster	1/9+	1/8	1/8+8	1/8+8
Hongkong	Differenz	■/613/l6	-/3y4	-/1%	-/2+
	in % vom				
	höchsten Kurs	24,9%	13,9%	5,7%	9.6%
	höchster	3/1	2/7	2/5%	2/6n/i6
	niedrigster	2/5%	2/2+	2/3%	2/3%
Shanghai	Differenz	-/?%	-/45/	-12	-/3+a
	in % vom				
	höchsten Kurs	19,6%	14,9%	6,6%	10,3%
An Jahresdurchschnittskursen			waren	nur diejenigen	
von Hongkong zu beschaffen; diese lauten:					
		1907	1908	1909	1910
t, t, Jahresdurchschnitt		r 2/1%	1/9+	1/9	1/9+6
Prozentualer Rückgang					
gegenüber 1907		—	16,0%	18,5%	16,3%
1.1. Jahresdurchschnitt in					
pence umgewandelt		_ 25,75	21,63	21.—	21,56 d

Münzparität z. durchschnittl.

Londoner Silberpreis 25,45	20,55	20,03	20,92 „

t, t, über Silberparität	+0,30 +1,08 +0,97 +0,64 d

Die Durchschnittskurse für Schanghai mußten aus dem
vorhandenen Zahlenmaterial berechnet werden. Ausgegan-
gen wurde dabei von dem Abstand der beiden Paritäts-Ab-
weichungslinien in Diagramm Nr, 21—24 von einander, weil
dieser Abstand und weniger der Jahresdurchschnitt Schang-
hais von besonderem Interesse ist, die Berechnung sich ein-
facher gestaltete und, als wichtigster Grund, das häufige
Fehlen namentlich extremer Kurse für die Feststellung des
Abstandes geringere Bedeutung hat.

Im Jahresdurchschnitt betrug der Abstand der beiden
Paritäts-Abweichungslinien in Diagrammen Nr, 21—24:

1907	1908	1909	1910

in Millimeter	102	110	105	96

Davon bedeutet jedes Millimeter über der wagerechten Pa-
ritätslinie 0,01 d Abweichung von der Hongkong-Parität,
jedes Millimeter unter der Linie 0,01 d Abweichung von der
        <pb n="117" />
        ﻿111

Schanghai-Parität, Beide Werte sind untereinander ver-
schieden und der Millimeterabstand muß zerlegt werden.
Nach der Tabelle auf Seite 110 stand der t, t, Kurs in Hong-
kong über der Parität um

	1907	1908	1909	1910
Pence bezw. Dezimeter	0,30	1,08	0,97	0,64 d
Gesamter Dezimeter (Pence)- Abstand	1,02	1,10	1,05	0,96 d

Mithin Schanghai unter Parität

Dezimeter bezw.	Pence	0,72	0,02	0,08	0,32	d

Abgezogen von der Münzparität
Schanghai z. Londoner Silber-
preis	35,70	28,82	28,08	29,34	d

Jahresdurchschnitt t. t, in

Schanghai	34,98	28,80	28,00	29,02	d

oder 2/1049/50 2/44/5	2/4	2/5V5o d

Um das Agio der Hongkong-Dollar-Notiz in Prozenten
auszurechnen, wurden folgende Proportionen aufgestellt
und die Ergebnisse auf Prozente gebracht:

_____I._____

| Shanghai- i i Hongkong-

Shanghai- 1 _ (Hongkong- t __ &lt; 1,182	0,843

Parität  | ' I Parität	j I Fixzahl	I I Fixzahl

T~

Die Multiplikation der inneren Glieder ist gleich der-
jenigen der äußeren, während die Gleichheit bei Einsetzung
der Jahresdurchschnitts- t. t. Kurse nicht vorhanden ist;

II

t, t. in 1 I t, t. in I
Shanghai I ' (Hongkong]

1,182 : 0,843

III.

Auf die Zahlen von 1910 angewandt ergibt das z. B,:

I	= 24,72

Paritäten d 29,34 : 20,92 = 1,182 ; 0,843

I	= 24,72

II	— 25,48

1.1, Durchschnitte d 29,02 ; 21,56 = 1,182 ; 0,843

III	= 24,46
        <pb n="118" />
        ﻿— 112

Setzt man I = 100%, so ergeben sich folgende Sätze:

II.

I.

in.

[Umgewandelterl
iShanghai-Kurs )

25,48 = 103,03%
24,73 = 100,- „
24,46 = 98,91 „

IV, Differenz
= 4,12%

Die relative Mehrbewertung der Hongkonger t, t. Notiz,
das „Agio des Hongkong-Dollars“, beträgt demnach für 1910
4,12% im Durchschnitt. Zu annähernd denselben Ziffern
kommt man, wenn man ohne Umwandlung die Silberparität
= 100% setzt und die Abweichung der Durchschnitts t. t.-
Kurse dann darauf bezieht.

Im übrigen kann man nunmehr auch die Münzparität
des Hongkong-Dollars um das Agio verschieben, um damit
zu einer richtigen Beurteilung des Kurses zu kommen. So
wie der Kurs in den Diagrammen, namentlich in Diagramm
Nr, 21—24, sich zeigt, macht er den Eindruck, als ob er
außerordentlich und dauernd günstig für Hongkong in den
letzten Jahren gestanden, „das Angebot von Forderungen
auf London bei weitem die Nachfrage überstiegen hätte“.
Verschiebt man dagegen die wagerechte Paritätslinie um das
Agio, für 1910 z. B. um 4,12% von d 20,92 (Parität) = d0,86
(Bezeichnung hierfür: V) oder im Diagramm um 86 mm nach
oben, so ist das Bild wesentlich anders. Die Hongkong-Pari-
tät lautet nunmehr für 1910:
theoretische Parität d 20,92
+ Agio	„ —,86

wirkliche Parität
,/. 1.1. Durchschnitt

1.1. unter Parität

d 21,78 (Bezeichnung hierfür VI)

„ 21,56

d —,22, also ähnlich wie in Shanghai.

Wichtig ist eine solche Berechnung zur Bestimmung der
Silberimport- bezw. Exportpunktc,

Für die untersuchten Jahre stellen sich diese Zahlen
wie folgt;
        <pb n="119" />
        ﻿113

	1907	1908	1909	1910
II, Umgewandelter Hongkong				
t. t. Durchschnitt	30,44	25,57	24,82	25,48
I, Gleichnam. Silberparität	30,09	24,30	23,67	24,73
III, Umgewandelter Schang-				
hai t, t. Durchschnitt	29,49	24,28	23,60	24,46
IV. Agio der Hongkong-Notiz	3,15 %	5,30%	5,15%	4,12 %
V, Paritätslinie 1. Hongkong				
zu erhöhen um	80 m/m	109 m /	m 103 m/r	m 86 m/m
VI. Hongkong Parität				
+ Agio	26,25	21,64	21,06	21,78 d
,/. t. t. Durchschnitt	25,75	21,63	21,—	21,56,,
t, t. Hongkong unter  Parität	0,50	0,01  Letztere Zahlen sind mit denjenigen			0,06	0,22 d  von Schanghai auf	

Seite 111 zu vergleichen; als Prozente auf die Silberpari-
täten bezogen, sind beide gleich.

Nach den Durchschnittskursen für telegraphische Aus-
zahlung auf London waren in den Jahren

1907	1908	1909	1910

100 Hongkong-Dollar = 73,61	75,10	75.— 74,26

Schanghai-Tael gegenüber 71,30 nach dem Silbergehalt1).
Auch hierbei tritt die Überbewertung des Dollars, gewisser-
maßen sein Faponwert, in die Erscheinung. Im übrigen stel-
len die Ziffern die „Croßrate“ Hongkong-Schanghai dar, die
in den früher wiedergegebenen Kurszetteln beider Plätze
als t, t. Kurs aufgeführt wird; Schanghai notiert den Kurs
direkt, Hongkong indirekt.

Sieht man die Ziffern als Wertverhältnis zwischen ge-
münztem und ungemünztem Silber an, so liegt es nahe, den
Kurs des mexikanischen Dollars damit zu vergleichen. Durch
freundliches Entgegenkommen einer Kölner Firma stehen
die Schanghaier Taelnotizen für 100 mex. Dollar seit Ende
1907 zur Verfügung. Es wurden danach hier die Jahres-
durchschnitte berechnet, die sich wie folgt stellen;

1) Berechnet man die prozentuale Abweichung nach dem Silber-
gehalt, so ergibt sich ungefähr dasselbe Agio wie als Wert IV, er-
mittelt wurde; die Abweichung betrug

1907	1908	1909	1910

3,24%	5,33»/o	5,19%	4,15%

8

Mahlberg, Asiatische Wechselkurse.
        <pb n="120" />
        ﻿114

1910

74,48 Schanghai-Tael

1908	1909

100 mexic. I = 73,90	74,47

gegenüber ---------------- 71,65

nach dem Silbergehalt, der ParitätJ) also.

Der Überwert gegenüber der Parität betrug
1908	1909	1910

3,14%	3,93 °/0	3,95%

Die höchsten und niedrigsten Kurse waren:

höchster	niedrigster Kurs

1907	(1/8—31/12)	76,7	72,—

1908	75,7	73,—

1909	76,6	73,1

1910	76,4	73,1

Der höchste erreichte Kurs von 76,7 im Dezember 1907
bedeutet ein Agio von 7,05% und erreicht damit die von
Schmalenbach berechneten Beschaffungskosten von
rund 7% bei einem Silberpreis von 25 d. Nach einer Mit-
teilung von berufener holländischer Seite hat das effektive
Mexican-Dollar-Importgeschäft in den letzten 5—6 Jahren
fast ganz nachgelassen.

Der Verlauf des Mexican-Dollar-Kurses zeigt periodi-
sche Schwankungen1 2 *). Der Kurs fällt zu Anfang des Jah-
res bis etwa Ende Februar, steigt dann bis Ende Mai, um
nach einer abermaligen Abschwächung von Juli-August ab
bis zum Jahresende sich wieder zu befestigen. Der Novem-
ber-Dezember zeigt den höchsten Stand. Diese Bewegung
des Dollarkurses verläuft ähnlich wie der Zinsfuß (native
interest) in Schanghai, sodaß hohe Zinssätze von hohen
Dollarkursen, niedriger Zins von niedrigen Kursen begleitet

1)	Die Parität ergibt sich aus der Kette von Schmalenbach
(a. a. O.) :

? Schanghai Tael = 100 mex, $

1 = 27 g rauh
1000 = 902 7I„ g fein
0,0648 = 1 grain
584,85 = 1 Haikuan Tael

100 = 111,4 Schanghai Tael,

71,65 Schanghai Tael = 100 mex. $.

2)	Beobachtet in Diagrammen derselben Quelle wie die Kurse

von August 1907 bis Juni 1912.
        <pb n="121" />
        ﻿115

sind und damit zwei Wirkungen von Änderungen in der Ka-
pitalnachfrage in Erscheinung treten: Änderung des Kapi-
talwertes (Zins) und des Zahlungsmittelwertes (Dollarkurs),
Für den Verkehr bedeutet das, daß in Zeiten teuren Geldes
die starke Nachfrage zweimal bezahlt werden muß, einmal
als erhöhter Zins und weiter als erhöhter Preis für die Her-
gabe gemünzter Zahlungsmittel, In Zeiten großer Geld-
fülle liegen die Verhältnisse nicht einfach umgekehrt, etwa
so, daß eine Art von Deport berechnet wird, sondern der
niedrigste Dollarkurs steht noch immer beträchtlich über
Parität, und unter den häufig notierten Zinssatz „nil“, d. h,
ohne Zinsvergütung, kann füglich nicht gegangen werden.

Hier seien die im wesentlichen zutreffenden Ausfüh-
rungen Swobodas über den mexikanischen Dollar hinzu-
gefügt: „Das Wertverhältnis des Dollars zum Tael schwankt
in den Grenzen von 71 bis 78 Schanghai-Taels für 100 mex.
$, Gewöhnlich gelten in Schanghai:

100 $ = 74 Schanghai-Taels,
also 1 „ = 74 Kandareens,

Der Preis fällt in der stillen Geschäftszeit und steigt,
wenn der örtliche Bedarf wieder größere Nachfrage herbei-
führt und auch fast regelmäßig zu der Zeit, wenn die Seiden-
ausfuhr beginnt, weil diese Münzen zu dem Einkauf von
Seide in den südlichen Provinzen verwandt werden.“

Vergleicht man nunmehr die Jahresdurchschnitte des
mexikanischen Dollars mit denjenigen der berechneten Croß-
rate Hongkong-Schanghai und ferner die beiderseitigen Agio-
sätze miteinander, so ergibt sich, daß zwischen beiden eine
Übereinstimmung nicht besteht. Die ersteren Ziffern sind
Sortenkurse, die mit der Gestaltung des internationalen
Zahlungsverkehrs Chinas nichts zu tun haben, sondern an-
deren, lokalen Einflüssen unterliegen, während die Ziffern
der Hongkong-Dollar-Notiz eine Croßrate darstellen.

Nach dem Eindruck, den die Diagramme Nr, 21—24
hervorrufen, verlaufen die t, t, Notizen in Hongkong und
Schanghai parallel, die Croßrate müßte also gleich bleiben,
während die Jahresdurchschnitte eine Verschiebung zeigen,
die 1907 besonders groß war. Diese gegensätzliche Erschei-
nung, augenscheinliche Parallelität der Linien bei gleich-
        <pb n="122" />
        ﻿116

zeitiger Verschiebung der Jahresdurchschnitte, ist nicht etwa
auf den verschiedenen Maßstab zurückzuführen; eine vor-
genommene diagrammatische Untersuchung der Millimeter-
abstände von t. t. Hongkong und t. t. Schanghai nach Monats-
durchschnitten ergab vielmehr, daß die Parallelität noch
stärker sein würde, wenn beide Linien im gleichen Maßstab
gezeichnet wären. Die trotzdem vorhandene Verschiebung
im Jahresdurchschnitt dürfte auf die Änderungen im Silber-
wert und in der Paritätsstellung der t. t. Kurse zurückzufüh-
ren sein und sich nur allmählich vollziehen. Jedenfalls ist
man aber berechtigt, zu sagen, daß die t. t. Kurse von Hong-
kong und Schanghai auf London paritätisch, Hongkong und
Schanghai also trotz der politischen Grenzen als ein Wirt-
schaftsgebiet anzusehen sind. Dieser Meinung ist man auch
drüben mit der Einschränkung, daß gelegentlich Störungen
in der Parität eintreten können.

Nach S w o b o d a (13. Auflage) rechnet man in Hong-
kong selbst den Dollar als Münze gleich 72 Hongkong-Taels.

Die Edelmetall-Import- bezw. Exportpunkte sind bei
Silberwechselkursen grundsätzlich nicht anders anzusehen,
als bei Goldwechseln. Der Stand der Wechselkurse wird
dann Edelmetallbewegungen verursachen können, wenn sich
die Kurse um mehr als den Betrag der Spesen von der Pari-
tät entfernen. Daß dabei die Silberparität selbst schwankt,
hat keine weitere Bedeutung, als daß mit ihr der aus-
machende Betrag der Spesen und damit die Entfernung der
„Silberpunkte“ von der Parität gleichfalls dauernd schwankt.
Als Prozentsatz der Parität schwanken die Spesen natürlich
nicht mit dem Silberpreis, Ein Unterschied nicht grundsätz-
licher Art gegenüber europäischen Goldwechselverhältnissen
liegt in folgendem Umstande, Wenn schon hinsichtlich der
viel gleichmäßigeren und einheitlicheren Verhältnisse euro-
päischer Devisenmärkte Schmalenbach1) mit Recht
darauf hinweisen konnte, daß es keinen bestimmten Gold-
punkt gäbe, daß vielmehr die Spesen je nach den Verhält-
nissen des Arbitrageurs verschieden seien und daß man
deshalb richtiger von möglichen Goldpunkten reden müßte,
so gilt dies für die chinesischen Silberkurse in weit stärke-

1) Schmalenbach, Der Kurs des Pfund Sterling Wechsels, Zeit-
schrift f. handelsw, Forschung Bd. I.
        <pb n="123" />
        ﻿117

rem Maße, Hier ist die Einheitlichkeit der Geschäftsbezie-
hungen und Geschäftsbedingungen innerhalb der beteiligten
Banken nicht entfernt so groß, wie dies innerhalb der am
europäischen Devisenhandel beteiligten Kreise der Fall ist,
erstens weil allgemein die Organisation des Verkehrs in
Europa vollkommener ist und zweitens in Europa das bör-
senmäßige Devisengeschäft nur auf große, erste Firmen be-
schränkt ist, während man in Ostasien auf der ganzen Linie,
vom kleinsten Geldwechsler bis zur größten Bank unmittel-
bar am eigentlichen Devisenmarkt beteiligt ist. Wesentlich
ist das z, B, für die Frage der möglichen Gewinnhöhe, die
ihr Aussehen ändert, je nachdem man sie mit an exotische
Gewinne gewöhnten Augen ansieht oder sie mit europäi-
schen Maßstäben — Steigerung des ausmachenden Betrages
durch Einsetzen großer Summen — mißt. Damit hängt zu-
sammen, daß anscheinend für China das theoretische Wirt-
schaftsgesetz: „Überschreitung der Metallpunkte hat Metall-
bewegungen zur Folge“, des zwingenden Charakters in weit
stärkerem Maße entbehrt, als dies bereits für europäische
Verhältnisse gilt. In der Regel werden in China Silber-
transaktionen nicht gemacht, weil die Kurse es erlauben,
sondern erst dann, wenn außerdem der Stand der Gold-
valuten-Engagements der einzelnen Bank dies wünschens-
wert erscheinen läßt. Die nachstehenden Angaben sind dem-
nach noch mehr als europäische Goldpunkte als Durch-
schnittsmöglichkeiten einer einzelnen Bank anzusehen. Im
übrigen spricht man drüben nicht von Silberpunkten, son-
dern bezeichnenderweise von dem Handelspreis für Silber
und meint damit den Londoner Silberpreis plus/minus Trans-
portspesen.

In Schanghai rechnet man mit ca. B/8°/0 für sämtliche
Spesen, dazu „komme die gewöhnliche Marge zwischen An-
und Verkauf im t. t. Kurs von 1/8 d". Diese Sätze gelten
nach beiden Richtungen, für Importe und Exporte. Die Pari-
tät stellte sich in Schanghai auf

1907	1908	1909	1910

Münzparität	35,70	28,82	28,08	29,34

•A (V/o+Vs d)	0,35	0,31	0,30	0,31

Silberexportpunkt	35,35	28,51	27,78	29,03

t. t. Durchschnittskurs 34,98	28,80	28,—	29,02
        <pb n="124" />
        ﻿118

Somit überschritt der t. t. Kurs 1907 im Durchschnitt
den Silberexportpunkt um rund 1%, stand 1910 auf diesem
Punkt, während in den beiden anderen Jahren diese Grenze
nicht erreicht wurde. In den Diagrammen ist die Silber-
export-Linie 30—35 mm unter Parität zu denken, wobei zu
beachten ist, daß sie in Wirklichkeit wegen des veränder-
lichen ausmachenden Betrages von Tag zu Tag schwanken
müßte.

Für Hongkong ist die Stellung der Silberpunkte da-
durch etwas anders, daß der Dollar ein beträchtliches Agio
genießt, welches einen Export überhaupt ausschließt. Da-
gegen würde, wenn sich etwa in London Hongkong-Dollars
in beliebiger Menge zum Silberwert beschaffen ließen,
die Differenz zwischen den Importspesen und dem Agio
immer einen Nutzen von mehreren Prozent erlauben. In
London sind aber Hongkong-Dollars, wenn überhaupt, dann
nur zum Kurswerte zu haben, sodaß es nur der englischen
Kolonialregierung, die die Geldmünze in Bombay schlagen
läßt, möglich ist, das Agio auszunützen; dafür fallen ihr aber
die Prägekosten und sonstige Spesen zur Last. Da, wie auf
Seite 113 ff, ausgeführt wurde, das Agio in der Taelbewer-
tung des Dollars ebenfalls zum Ausdruck kommt, so ist es
auch auf dem Umwege über Barrentransporte nicht möglich,
das Agio auszunützen. Im übrigen folgt aus diesen Ver-
hältnissen, daß für Silbertransaktionen nur Barrensilber in
Frage kommt. Zur Bestimmung der Silberpunkte kann man
dabei nicht von der Münzparität des Dollars allein aus-
gehen, sondern man muß dessen Taelbewertung oder das
Agio mit berücksichtigen. Bei einem Silberexport nach Lon-
don ist unter Zugrundelegung der Durchschnittsziffern von
1910 folgendes zu erwägen;

100 $ = 74,26 Schanghai Taels
1 Sch.Tael bei 24,81 d Silberpr.=29,34d Silberwert in London
29.34 X 74.26	=2178,78 d Ertrag in London

abzüglich 1% Spesen	=	21,78,,

Hongkong 1.1, 21,56 d = 1 $,	mithin 2157,— d =?

2157 : 21,56 = 100.04 $.

Mithin Verdienst auf 100 Dollars 4 Cent. Anschaulicher
wird die Stellung der Silberpunkte, wenn man von der um
        <pb n="125" />
        ﻿119

das Agio erhöhten Parität, dem an früherer Stelle als VI be-
zeichnten Werte ausgeht. Von ihm sind die Spesen abzu-
setzen und das Ergebnis mit dem t. t. Kurs zu vergleichen.

Erhöhte Hongkong-Parität 1910	21,78	d

Minus 1% Spesen	0,22	d

ergibt	21,56	d

t. t. im Durchschnitt 1910	21,56	d

Unter Annahme dieses Spesensatzes stand demnach der
Hongkong t, t. Kurs im Jahre 1910 durchschnittlich auf dem
Silberexportpunkt. Das Mehr von 4 Cent auf 100 Dollars
der ersten Berechnung kommt hier, wo es sich nur um 1 Dol-
lar handelt, nicht zum Ausdruck.

Für die untersuchten Jahre stellen sich diese Ziffern auf:

1907	1908	1909	1910

erhöhte Hongkong-Parität 26,25	21,64	21,06	21,78 d

./. 1% Spesen	0,26____0,22	0,21	0,22„

„Silberexportpunkt“	25,99	21,42	20,85	21,56,-,

t. t, Durchschnittskurs	25,75	21,63	21,—	21,56,,

Münzpari des $	25,45	20,55	20,03	20,92,,

Nach Angaben von drüben betragen die Spesen auf Sil-
bergeschäfte 3/4-—1 %■

Äußerlich betrachtet scheint der t. t. Kurs von Hong-
kong den Silber-Importpunkt um ein Mehrfaches zu über-
schreiten, während er sich tatsächlich in der Nähe des Ex-
portpunktes bewegt. Im Diagramm Nr, 21—24 wird das
deutlich, wenn man sich die Paritätslinie Hongkongs für
jedes Jahr um das entsprechende Maß in die Höhe gehoben
denkt, in dem man etwa einen Faden darüber legt.

Im übrigen ergibt sich aus den obigen Ziffern, daß die
Stellung des Hongkonger t. t, Kurses zum Silberexportpunkt
die gleiche war, wie in Schanghai, Vielleicht werden die
Silberpunkte allgemein dadurch verschoben, daß das nach
London gesandte Silber per Lieferung und nicht per Cassa
in London verkauft wird. Der dauernd bestehende Mehr-
wert des Terminsilbers von 1/16—1/4 d würde die Spesen ent-
sprechend ermäßigen.

Außerdem läßt sich der Zweck der chinesischen Silber-
transaktionen auch durch die Versendung von Gold er-
reichen; tatsächlich finden dauernd Goldverschiffungen
        <pb n="126" />
        ﻿120

statt. Die Export- bezw. Importpunkte für Gold fallen un-
gefähr mit denjenigen für Silber zusammen, da letztere den
Abstand der Kurse vom Goldwert der Geldeinheit, also auch
den Kursabstand von dem Wert einer entsprechenden Geld-
menge angeben, und da ferner die Spesen für Goldtrans-
porte nicht wesentlich anders sind.

Zur Beurteilung der Wirtschaftslage in China während
der Jahre 1907—1910 sei den bereits an anderer Stelle über
die allgemeine Wirtschaftslage im Osten gemachten Aus-
führungen folgendes ’) hinzugefügt.

Schon 1906, also vor Beginn der behandelten Periode, sind
mancherlei ungünstige Ereignisse zu verzeichnen. Die Silberpreis-
bewegung vollzog sich in außerordentlichen und rasch wiederkehren-
den Schwankungen, deren größte 129s °/o betrug. In Hongkong wurde
anfangs das. Geschäft durch die im Süden Chinas durch eine Miß-
ernte des Hauptnahrungsmittels Reis verursachte Hungersnot ge-
lähmt; im September brachte ein Taifun dem Handel starken Ab-
bruch, indem große Mengen beschädigter Güter auf dem Auktions-
wege den Markt für längere Zeit verdarben. Weiterhin brachten
umfangreiche Kontrakte auf Garn und Baumwollwaren, die auf
niedriger Silberbasis abgeschlossen waren und dazu einem flauen
Markt begegneten, viele chinesische Händler zu Fall, Endlich
drückte in immer stärkerem Maße die jede Grenze überschreitende
Prägung von Kupferkäsch und Silberaushilfmünzen seitens der chine-
sichen Provinzialregierungen auf den gesamten Markt, während der
Geldmangel in Europa mit einem ausnahmsweise leichten Geldstand
in China zusammenfiel.

Das Jahr 1907 ist als eins der denkwürdigsten in der wirt-
schaftlichen Entwicklung zu bezeichnen. Es begann mit bedeutenden
Lagerbeständen, die schwer Absatz fanden. Dazu kamen der uner-
wartet und plötzlich einsetzende Silbersturz von rund 25 °/o und die
Weltkrisis. Unter dem ersteren Ereignis litt namentlich der Import,
während gleichzeitig der Export durch die stockende Kaufkraft der
amerikanischen und europäischen Märkte beeinträchtigt wurde. Für
die bedeutendsten Exportartikel Chinas, wie Seide, Wolle, Kuhhäute
und Ziegenfelle ergaben sich Preisrückgänge bis zu 40 °/o, also mehr,
als der in Einzelfällen denkbare Gewinn aus dem Silberrückgang.

Das Jahr 1908 stand unter den Einwirkungen des Vorjahres. Das
Geschäft litt unter Zahlungseinstellungen, einer mehr als unbefriedi-
genden Lage des Seidenmarktes und Krediteinschränkungen im
Norden Chinas. Die weiter fortgesetzte Ausgabe ungeheurer Mengen
unterwertiger Kupfermünzen und die Ausgabe erheblicher Papier-
geldbeträge ohne entsprechende Barreserve seitens der chinesischen
Banken erhöhten die Schwierigkeiten. Im Gegensatz dazu stand die

1) Nach den Geschäftsberichten der Hongkong and Schanghai
Banking Corporation und denjenigen der Deutsch-Asiatischen Bank,
        <pb n="127" />
        ﻿121

fortschreitende günstige Entwicklung des Exportgeschäfts, dessen
Anwachsen die Einnahmen der chinesischen Seezoll-Verwaltung von
33,8 Millionen Haikuan Tael auf 34,8 Millionen steigerten.

Auch im folgenden Jahre 1909 setzte sich die Zunahme der
chinesischen Ausfuhr fort; namentlich machten sich neue Ausfuhr-
artikel bemerkbar, wie Erdnüsse von Tsingtau, Soya-Bohnen von der
Mandschurei, während der Umsatz in anderen Artikeln, z, B, Saaten
von Hankow immer größeren Umsatz annahm. Das Importgeschäft
zeigte dagegen noch keine durchgreifende Besserung; für einzelne
Märkte hatte sich zwar die Lage günstiger gestaltet, die Vorräte in
Manufakturwaren hatten etwas normaleren Umfang angenommen,
aber auf anderen Gebieten stagnierte das Geschäft noch immer.

Das Jahr 1910 brachte endlich auch dem chinesichen Import-
geschäft günstigere Bedingungen, Die großen Warenvorräte waren
soweit reduziert, daß der Bestand sich in einzelnen Artikeln niedriger
als seit 8 Jahren stellte. Die allgemeine Erholung verzögerte sich
etwas durch eine Finanzkrisis, die im August auf dem chinesischen
Geldmarkt in Schanghai einsetzte. Anscheinend auf die damalige
ungewöhnliche Preissteigerung für Rohgummi hatte eine wilde Speku-
lation in Gummi-Aktien eingesetzt, die weite, mit dem Wesen der-
artiger Unternehmungen nicht vertraute Kreise ergriff. Durch den
Zusammenbruch dieser Spekulation wurden umfangreiche, gegen
Gummi-Aktien geleistete Vorschüsse notleidend, eine Anzahl der
native-Banken geriet in Zahlungsschwierigkeiten und der Zahlungs-
verkehr kam ins Stocken, Sofort wurden seitens der chinesischen
Behörden, der chinesischen Bankgilde und der Handelskammer die
Hilfe der Fremdbanken angerufen. Letztere stellten dem Toatai von
Schanghai insgesamt 6,5 Millionen Schanghai-Taels zur Verfügung,
gegen die, von der Peckinger Zentral-Regierung genehmigt, zins-
tragende Obligationen zur Ausgabe gelangten, so daß das Schlimmste
abgewendet wurde. (Im Diagramm deutet die starke Abbiegung der
Kurslinien im August 1910 auf diese lokale Krisis hin; zu beachten
ist, daß es sich dabei aber um eine Veränderung der Parität handelt.)
Das Exportgeschäft wurde durch gute Ernten in seiner aufsteigenden
Entwicklung weiter gestärkt.

Die Lage während der untersuchten Jahre läßt sich da-
hin zusammenfassen, daß durch den jähen Umschwung in
1907 die bereits seit 1905 latent vorhandene Depression voll
zum Durchbruch kam, 1908 und 1909 weiter wirksam blieb
und erst 1910 gesunderen Verhältnissen Platz machte. Dem
entspricht in etwa die Paritätsstellung der Wechselkurse.
Die außerordentlich günstige und gleichmäßig fortschrei-
tende Entwicklung des Exports entspricht ebenfalls der Ge-
staltung der Wechselkurse, sodaß Import und Export pa-
rallel auf die Kurse wirkten.
        <pb n="128" />
        ﻿122

Der Außenhandel Chinas von 1907—1910 geht aus der
nachstehenden Tabelle hervor, wobei zu bemerken ist, daß
Hongkong entsprechend seiner politischen Stellung in der
Statistik als Ausland angesehen wird. Wirtschaftlich ist es
als ein Teil Chinas zu betrachten; der chinesische Verkehr
nach und von Hongkong ist demnach auf die anderen in der
Tabelle genannten Länder im wesentlichen zu verteilen.
Mangels einer amtlichen Statistik war der Eigenverkehr
Hongkongs nicht festzustellen1).

Chinas Außenhandel in Millionen
Haikuan-Tael2),

Einfuhr abzügl. Wiederausfuhr	1907	1908	1909	1910
Von				
Hongkong	154	148	148	167
Großbritannien	77	71	68	71
Deutschland	16	14	15	21
Japan	55	50	58	74
Britisch-Indien	32	30	40	43
Verein. Staaten von Nordamerika	35	41	32	24
Gesamt-Netto-Einfuhr	416	395	418	463
Gesamt-Ausfuhr	264	277	339	381
Davon nach				
Hongkong	92	92	97	109
Großbritannien	12	13	20	19
Deutschland	6	7	8	13
Japan	39	37	52	62
Verein. Staaten von Nordamerika	27	24	32	32
Frankreich	31	32	39	39
Rußland und Russisch-Asien	16	30	40	45

1)	Über die Mängel der chinesischen Statistik siehe ausführlich
Schumacher, Die chinesischen Vertragshäfen, ihre wirtschaft-
liche Stellung und Bedeutung, Conrads Jahrbücher, III. Folge,
16, Band, 1898, Seite 745 f. Ferner von Kries, a. a. 0,

2)	Nach Returns of trade and trade reports of the Inspectorate
General of customs 1910, Schanghai 1911.
        <pb n="129" />
        ﻿123

Danach verhielt sich Gesamteinfuhr zur Gesamtausfuhr

1907	1908	1909	1910

wie 100 zu	63	70	81	82

Schanghai t, t, unter Parität 0,72 d 0,02 d 0,08 d 0,32 d

Über die Edelmetallbewegung geben folgende Ziffern
Auskunft,

Gold und Silber zusammen.

Mill. Haikuan-Tael	1907	1908	1909	1910
Gesamt-Einfuhr	15	22	32	48
Gesamt-Ausfuhr	44	45	32	27
Mehr-Ausfuhr — 1 Mehr-Einfuhr -f- /	—29	—23	+ 0	+21

Der Anteil, den England an diesem Verkehr hat, stellt
sich nach Statistical abstract of United Kingdom wie folgt;
bei einem Vergleich sind die Beträge nach den unten ange-
gebenen Werten des Haikuan-Taels umzurechnen:

E d e 1 m e t a 11 v e r k e h r Chinas mit England
in 1000 £.

1907	1908	1909	1910

Goldeinfuhr v, England —	—	0,0	1

Silbereinfuhr v.	„	559	822	3133	1349

Goldausfuhr n,	,,	50	2	88	—

Silberausfuhr n,	„	377	—	—	18

Wert des Haikuan-Tael 3/3	2/8	2/7 3/,6 2/85/,6

Die Ziffern des Silberverkehrs mit England stimmen in
ihrer Bewegung nach der Ausfuhr in etwa mit der Bewegung
in der Paritätsstellung der Wechselkurse überein. Zu be-
achten sind daneben die großen Importe von England, die
vor sich gegangen sind, ohne daß die Wechselkurse ent-
sprechend über Pari gestanden und ohne daß die Import-
spesen aus der Wechselkursdifferenz hätten gedeckt werden
können. Nach „The China Year-Book 1912“ *) verteilte sich
die chinesische Edelmetallbewegung auf folgende Länder:

1) The China Year-Book 1912 von H, T. Montague Bel!, B, A,
und H. G. W, Woodhead, M. J, I., London, George Rontledge &amp; Sons.
        <pb n="130" />
        ﻿T



Chinas Edelmetalibewegung 1907—1910 in 1000 Haiknan Tael,

	1907		1908		1909		1910	
Import von	Gold	Silber	Gold	Silber	Gold	Silber	Gold	Silber
Europa		1 144	392		4063		10 313		14 799
Amerika		79	157	37	2691	—	4 335	—	4 868
Indien		—	34	—	—	—	1 388	—	4 772
Hongkong und Makao .	,	.	,  Japan einschl, Korea und For-	43	5 989	143	12 583	94	13 441	202	17 974
mosa		6 992	451	1 335	504	876	1 033	3 358	1469
Total-Import		8 274	7 070	1 514	20 117	1014	30 864	3 559	44 599
„ Export , 			5 824	38 278	33 032	32 381	7 835	24 024	4 536	22 804
davon nach								
Europa		 ,	4 740	3 027	11 246	1 962	5 531	1 413	4 154	138
Amerika		—	0	4	60	—	50	—	117
Indien		21	10 479	0,8	1 005	—	1 676	—	5 149
Straits Settlements		—	220	25	343	—	607	—	8
Hongkong und Makao .	.	.	,  Japan einschl. Korea und For-	299	23 863	374	26 427	187	20 770	55	16 801
mosa ,	.	,				757	541	981	1 844	2 291	320	326	192

124
        <pb n="131" />
        ﻿125

Zur Untersuchung der Frage, inwieweit Zinseinflüsse
auf die chinesischen Wechselkurse eingewirkt haben, stehen
nur die erwähnten native interest-Sätze vom April 1908 an
zur Verfügung, die von einer deutschen Firma in Schanghai
durch vielfältige, dankenswerte Vermittlung beschafft wer-
den konnten. Bei dem Mangel jeglicher Statistik — „weil
zu unwesentlich“ — waren weitere Ziffern trotz vieler Mühe
nicht zu erlangen. Zu den native interest ist zu bemerken,
daß sie nur für den Verkehr zwischen den Chinesen und den
chinesischen Banken in Frage kommen, daß sie trotz der
Veröffentlichung keine bindende Wirkung haben, und daß
vielmehr die chinesischen Banken gewöhnlich mehr als ver-
öffentlicht zuzüglich einer hohen Kommission berechnen.
Für den hier verfolgten Zweck dürften die Ziffern trotzdem
ausreichen, da es dabei weniger auf die absolute Höhe als
auf die Bewegung der Sätze ankommt und diese durch die
Fehlermöglichkeiten, weil dauernd vorhanden, nicht ver-
dunkelt wird. Auch von den für den Verkehr der Fremden
untereinander geltenden Sätzen dürften sich die native
interest hinsichtlich ihrer Bewegung nicht wesentlich unter-
scheiden, denn wenn nach Schumacher1) die Chinesen
es verstehen, auf die europäischen Wechselkurse einen maß-
gebenden Einfluß auszuüben, so wird dies bei der Zinsgestal-
tung noch stärker der Fall sein.

Die von drüben in mace und candareen pro 1000 Tael
und einen Tag gemachten Angaben wurden für jeden Tag
in Prozente pro Jahr umgerechnet, die Differenz gegenüber
dem Londoner Marktsatz des betreffenden Tages ermittelt
und als über ( + ) bezw. unter (—) London in die Diagramme
eingetragen,

Die Jahresdurchschnittsberechnung der chinesischen
Sätze ergibt für die Jahre 1907	1908	1909	1910

native interest in Schanghai	-—- 4,75% 3,63% 4,38%

Gegenüber London	4,53%_ 2,31 % 2,31% 3,18%

Schanghai über London	— +2,44% +1,32% +1,20%

Schanghai t, t. unter Parität 0,72 d 0,02 d 0,08 d 0,32 d

1) Schumacher, Die Organisation des Fremdhandels in
China, S, 271: ‘Selbst auf die Wechselkurse mit Europa und Amerika
hat die chinesische Kaufmannschaft — wie mir ein maßgebender
Geschäftsmann Schanghais versicherte — zum mindesten ebenso viel
Einfluß wie die fremde.’
        <pb n="132" />
        ﻿126

Dabei ist zu bemerken, daß 1908 zu hoch erscheint, weil
das meistens billige Sätze aufweisende erste Quartal in der
Durchschnittsberechnung fehlt; die Differenz von 2,44% ist
demnach in Wirklichkeit vermutlich kleiner. 1907 dürfte
die Differenz Schanghai über London nur klein gewesen sein,
denn im Gegensatz zu dem hohen Londoner Durchschnitts-
zins von 4,53% ist in keinem vorliegenden Bericht von be-
sonders teurem Gelde in China die Rede, 1906 war sogar
das Gegenteil der Fall. Schließt man sich dem an, so er-
scheint eine geringe Übereinstimmung zwischen Paristellung
des Wechselkurses und Zinsdifferenz gegeben. Auch im
einzelnen kann man aus dem Diagramm einen gleichmäßigen
Verlauf von Wechselkurs und Zinsdifferenz herauslesen,
aber nur für so kurze Strecken, daß man nicht sagen darf,
die beiden Linien seien grundsätzlich von einander abhängig.

Periodisch auftretende Wechselkursschwankungen sind
in China nicht bekannt; auch aus den Diagrammen läßt sich
nichts derartiges herauslesen. Als regelmäßig wiederkeh-
rende Operation kennt man nur die Finanzierung der Seiden-
und Tee-Ernte, ohne daß dies in den Wechselkursen auf
Europa seinen Ausdruck fände.

6,	Der Unterschied zwischen Mark- und pence-Notiz

in Asien.

Wie früher ausgeführt, sind die in den Diagrammen ge-
zeichneten t, t. Kurse der verschiedenen asiatischen Plätze
auf Deutschland keine Originale, sondern Umrechnungen,
die durch Behandlung der pence-t. t. Notizen mit einer
Croßrate in Berlin entstanden sind. Dabei ist anscheinend
ein Kurs benutzt worden, der sich etwas höher als der Ber-
liner Scheckkurs auf London stellt. In der Regel sind die
pence-t. t,-Kurse aller fünf asiatischen Plätze zum gleichen
Satze umgerechnet worden, nur ganz vereinzelt zeigen die
Diagramme, daß ein Platz anders behandelt worden ist. Da
nun an keinem Platze Asiens eine auf Angebot und Nach-
frage gestellte Preisbildung für Markwechsel vor sich geht,
vielmehr überall deren Wert durch Umrechnung der pence-
Notiz zum deutsch-englischen Wechselkurs festgestellt wird,
        <pb n="133" />
        ﻿127

so dürften die tatsächlich drüben in Geltung gewesenen
Markkurse nicht viel anders gelautet haben, als die Dia-
gramme zeigen. Vielleicht hat dauernd eine gleichbleibende
Differenz dadurch bestanden, daß man drüben stets einen
höheren oder niedrigeren Satz als in Berlin angewandt hat.
Auch insofern waren die Kurse vielleicht anders, als nicht
anzunehmen ist, daß man den pence-t. t.-Satz Monate hin-
durch auf derselben Preisstufe stehen ließ und den viel ge-
ringere Bedeutung besitzenden Mark-t, t.-Satz fast täglich
änderte, wie das in Berlin entsprechend dem deutsch-eng-
lischen Wechselkurse geschehen ist.

Diese Verhältnisse, die Deutschland ziemlich zu ver-
nachlässigen scheinen, drängen die Frage auf, wie wohl die
Mark-Notiz ausgefallen sein würde, wenn eine wirkliche
Preisbildung für Mark-Wechsel vor sich gegangen wäre. So
wie die Dinge bis jetzt liegen, kann man die Mark-Notiz
überhaupt nicht als Wechselkurs im gewöhnlichen Sinne an-
sprechen; es ist gewissermaßen ein Verrechnungspreis, der
sich aber nach außerhalb der Sache liegendenVerhältnissen,
nach den Zahlungsbilanzen England/Asien und England/
Deutschland richtet, dem Verhältnis Asien/Deutschland an-
scheinend also nicht gerecht wird. Das kann für den
deutsch-asiatischen Zahlungsverkehr allgemein ausgedrückt
günstig, ungünstig oder gleichgültig sein, günstig, wenn z. B,
pence-t, t. und Berlin-London in der Nähe der Parität stehen
und gleichzeitig das Forderungsverhältnis zwischen Deutsch-
land und Asien einen extremen Kurs bedingen würde, un-
günstig im umgekehrten Falle und gleichgültig, wenn nir-
gends Extreme vorliegen.

An dieser Stelle muß nun auf ein Ergebnis der Wechsel-
kursuntersuchung von Schär1) eingegangen werden, das
durch die Technik der hier beigefügten Diagramme beson-
ders deutlich geworden ist. Schär hat die Wechselkurse
einer Reihe von Plätzen, wie schon früher erwähnt, gleich-
namig und dadurch unmittelbar vergleichbar gemacht und
kommt durch eine Untersuchung der Ziffern zu folgendem
Ergebnis: „Hieraus ergibt sich die hochinteressante Tatsache,
daß die internationalen Wechselkurse sich im Gleichgewicht

1) Schär, Zahlungsbilanz und Diskont, Berlin o, J, (Sept, 1908).
        <pb n="134" />
        ﻿128

befinden; denn sobald dieses Gleichgewicht gestört ist, hat
die Arbitrage eine lohnende Operation, die erst aufhört,
wenn das Gleichgewicht wieder hergestellt ist“ Mit anderen
Worten und auf die Plätze Berlin-London-Paris angewandt
heißt das, daß — abgesehen von Spesen — es gleich ist, ob
man von Berlin nach London bezw, Paris direkt oder auf
dem Umwege über Paris bezw. London zahlt, direkt wie in-
direkt muß derselbe Markbetrag aufgewandt werden. Steht
z. B. der Frankenkurs in Berlin hoch, der Pfundkurs niedrig,
so liegt die Korrektur in der Croßrate London-Paris. Das
gilt nicht nur für einzelne Tage, sondern dauernd, wie die
Schär’schen Kurszusammenstellungen zeigen. Nach der
Tabelle auf S. 64 des Schär’schen Buches stellen sich die
Wechselkurse der verschiedenen Länder im Durchschnitt
des Jahres 1907 so, daß es bis auf 0,0001—0,0002 der Pari-
tät gleichgültig ist, ob man nach irgend einem Platze direkt
oder über einen oder1) mehrere, anscheinend billigere Plätze
bezahlt.

Wie bereits früher (S. 37) geschehen, kann man das Er-
gebnis der Untersuchung von Schär folgendermaßen formulie-
ren: „Je zwei Wechselkurse eines Platzes können nur um den
Kursunterschied zwischen den bezogenen Plätzen differie-
ren.“ Der Satz gilt, wie auch der Satz von der Parität der
Gegenkurse 1 2), nur für bereits festgestellte Kurse und ent-
hebt den Warenhandel, dem nur diese Kurse zur Verfügung
stehen, von jeder Arbitragerechnung. Während der Börsen-
preisbildung sind natürlich für die unmittelbar Beteiligten
Zweiplatz- und Mehrplatzarbitragen möglich. Die Börsen-
arbitrage greift aber nicht, wie Schär sagt, ein, um ein ge-
störtes Gleichgewicht wieder herzustellen, sondern sie sorgt
dauernd dafür, daß bei der Notierung das Gleichgewicht
vorhanden ist.

Wendet man das Ergebnis auf den deutsch-asiatischen
Zahlungsverkehr an, so würde, wenn eine wirkliche Preis-
bildung für Mark-Wechsel stattgefunden hätte, die Mark-

1)	Zu ähnlichem Ergebnisse kommt Schmidt, Die Wechsel-
kurse Argentiniens, Zeitschr, f, Handelswissenschaft und Handels-
praxis, 1909.

2)	Mahlberg, Der Kurs des Frankenwechsels, Zeitschr, f,
Handelswissenschaftl. Forschung, Bd, III,
        <pb n="135" />
        ﻿129 —

t. t.-Notiz, der direkte Weg also, stets soviel gekostet haben,
wie der indirekte Weg von Asien über London nach Berlin,
Ob der indirekte Weg und damit auch die Mark-Notiz sich
dann so gestaltet haben würde, wie die Diagramme aus-
weisen, ist damit natürlich nicht gesagt. Wahrscheinlich ist
jedoch, daß sich die Kursverhältnisse nicht wesentlich ge-
ändert haben würden, denn der Anteil der Mark-Wechsel
am Zahlungsverkehr Asiens dürfte zu klein sein, um die
pence-Notiz und noch viel weniger den Scheckkurs Berlin-
London stark von ihren Bahnen abzulenken, und das wäre
nötig, um andere Mark-Kurse möglich zu machen. In Kal-
kutta wird der Anteil der Markwechsel auf 1% der Pfund-
wechsel geschätzt; weitere Angaben konnten nirgends ge-
macht werden, einen Anhalt bieten in beschränktem Maße
die Außenhandelsziffern,

Die deutsch-asiatischen Wechselkurse würden somit
stets im Einklang mit dem Berlin-Londoner Scheckkurs und
den asiatischen pence-Notizen stehen; günstige wie ungün-
stige Entwicklungen auf einer der beiden Strecken des in-
direkten Weges würde auf den direkten Weg gleichfalls ein-
wirken und umgekehrt. Kämen dazu etwa noch Paris oder
New-York als in Asien selbständig notierte Plätze, so hätte
deren Kursgestaltung dieselbe Wirkung, bezw, die Entwick-
lung der Kurse müßte sich außerdem auch noch nach diesen
Plätzen richten. Jeder deutsche Wechselkurs wird also von
allem Günstigen undUngünstigen aller deutschen Kurse und
von den besonderen Verhältnissen des bezogenen Platzes
beeinflußt, wobei für letzteren dasselbe gilt. Damit kommt
man zu dem Begriff des Einheitswechselkurses für jede
Volkswirtschaft, den manche Nationalökonomen schon län-
ger als gegeben erachten 1j. Der Begriff sagt, daß jeder bei
seinen internationalen Beziehungen soviel erhält oder be-
zahlen muß, wie nach dem Stande der gesamten „Zah-
lungsbilanz“ des eigenen Landes und dem Einheitskurs des
anderen Landes angemessen ist; extreme Verhältnisse nach
einer Einzelrichtung können sich nicht oder nur sehr abge-
schwächt durchsetzen. Das Verdienst für diese Wirtschafts-
organisation gebührt der Börsenarbitrage,

1) So W i e d e n f e 1 d in seinen Vorlesungen an der Handels-
Hochschule Cöln,

Mahlberg, Asiatische Wechselkurse.	9
        <pb n="136" />
        ﻿130 —

Der Einheitswechselkurs läßt sich weder berechnen noch
sonst darstellen; das von Schär gezogene arithmetische
Mittel der wichtigeren deutschen Wechselkurse reicht nicht
aus, wie gerade das hier behandelte Beispiel zeigt.

Dagegen lassen die Silberwechselkurse eine Art Einheits-
kurs deutlich werden. Wie auf S. 36 festgestellt wurde, ist
der Abstand der verschiedenen t. t. Notizen von der zuge-
hörigen Parität stets gleich; die pence-t. t, Notiz steht
dauernd so weit von der pence-Silberparität wie die Mark-
t, t, Notiz von der Mark-Silberparität, während absolut ge-
nommen die beiden t. t. Notizen um die Croßrate auseinan-
derfallen, Würde der relative Paritätsabstand nicht gleich
und in derselben Richtung sein, etwa pence-(-l d und Mark
— 12 Pfg,, so hätte die Arbitrage eine bequeme Gewinnmög-
lichkeit. In dem für alle Länder gleich großen Abstand der
Wechselkurse eines Silberlandes von den entsprechenden
Paritäten kann man also eine Art von Einheitskurs sehen.

Wie im übrigen der Einfluß von Diskontdifferenzen sich
in das System des Einheitskurses einpaßt, müßte noch näher
untersucht werden,

7.	Die kurz-lang-Spannung im asiatischen Verkehr.

Bei einer Untersuchung der asiatischen Wechselkurse
interessiert auch der Verlauf der langen Sichten, wobei es
hauptsächlich auf deren Abstand von den kurzen Sichten
ankommt. Für eine Untersuchung dieses Verhältnisses
waren die Kurse der Deutsch-Asiatischen Bank nicht
brauchbar, da lange Sichten von ihr nicht veröffentlicht
werden. Es wurden deshalb hier die Kurse der Hongkong
&amp; Shanghai Banking Corporation für das Jahr 1910 heran-
gezogen1), und zwar sowohl in langer wie in kurzer Sicht,
um in beiden Fällen Kurse derselben Bank zu haben. Im
einzelnen handelte es sich dabei um folgende Sichten:
Singapur t. t, und 3 Monate Sicht
Yokohama t.	t,	und	4	„	,,

Hongkong t.	t.	und	4	„	„

Schanghai t.	t.	und	4	„	„

1)	Quelle; Hamburger Nachrichten und Hamburger Correspondent,
Jahrgang 1910,
        <pb n="137" />
        ﻿131

Für Indien finden sich auch hier nur die t. t. Kurse von
Bombay und Kalkutta.

Da die t. t, Kurse Verkaufsraten, die Sichtkurse dagegen
Ankaufsraten sind, so enthält der Unterschied zwischen
beiden Sichten nicht nur die Zinsvergütung für die spätere
Fälligkeit der langen Sichten, sondern es liegt darin die be-
reits erwähnte Marge zwischen Ankaufs- und Verkaufs-
kursen. Die Marge wird gewöhnlich mit rund % d ange-
nommen; sie wurde bei der Berechnung nicht ausgeschaltet,
sodaß die errechneten Sätze sämtlich zu hoch sind.

Der Fehler beträgt in runden Zahlen für Singapur l,4°/0,
Yokohama 1,3%, Hongkong l,4°/0 und Schanghai 1,1%.

Die Differenz zwischen t. t. und 3 bezw. 4 M/S, wurde
in der Weise in Jahresprozente umgewandelt, daß bei den
beiden ersten Plätzen die Parität, bei den chinesischen
Plätzen der Jahresdurchschnittskurs als Kapital angesetzt
wurde. Das Jahr ist dabei nach englischer Methode zu 365
Tagen gerechnet. Als Posttage zur Berechnung der langen
Sichten sind üblich *): Singapur 23, Yokohama 16, Hongkong
30, Schanghai 20 und Kalkutta 20 Tage.

Die hierbei gewonnenen Jahresprozentsätze wurden mit
dem Londoner Marktdiskont und den Zinssätzen verglichen,
die von den einzelnen asiatischen Plätzen beschafft werden
konnten. Dies sind der Wechseldiskont der Bank von Japan,
der Satz für tägliche Überziehungen erstklassiger Firmen in
Singapur und die erwähnten native interest in Schanghai.
Von Hongkong war kein Zinssatz zu beschaffen. Der Ver-
lauf der umgerechneten Differenz kurz-lang sowie der ver-
schiedenen Zinssätze ergibt sich aus Diagramm Nr. 25—28.
Beim Lesen des Diagramms ist zu beachten, daß die Diffe- 1 2

1) Zum Vergleiche seien hier die Laufzeiten für Briefe von
Berlin nach dem Osten aus der amtlichen Leittabelle für August
1912 angegeben. Die Laufzeit beträgt nach;

30—33 Tage Io, ,
26—30	„	( Suezkanal

26—28 „ über Amerika
13—17 "	) Suezkanal

1)	Abfahrt der Züge ab Berlin: Montags, Dienstags, Donnerstags, Samstags.

2)	Kürzeste Beförderungsdauer,

Schanghai 13—14 Tage 1
Hongkong 18—20	„	'

Yokohama 14	„ 2)

Singapur
Kalkutta

via
f Sibirienl)
        <pb n="138" />
        ﻿132

renz kurz-lang um das oben angegebene Maß zu vermin-
dern ist.

Das Ergebnis des Diagramms ist folgendes: Die kurz-
lang-Differenzen der verschiedenen Plätze zeigen eine weit-
gehende Gleichmäßigkeit sowohl hinsichtlich ihrer Höhe wie
ihrer Bewegung. Das Aufhören der Übereinstimmung für
kurze Zeiträume an einem oder dem anderen Platze stellt
sich als eine Ausnahme dar, die sich am stärksten bei den
Silberkursen bemerkbar macht und für letztere auf die häu-
figeren, durch die Silberpreisbewegung hervorgerufenenVer-
änderungen dieser Kurse zurückzuführen sein dürfte. Da
sämtliche Kurse von der Hongkong &amp; Shanghai Banking
Corporation herrühren, so kann man aus der Gleichmäßig-
keit der Spannung schließen, daß die Bank bei der Berech-
nung oder Preisfestsetzung der langen Sichten für alle in
Betracht kommenden asiatischen Plätze denselben Satz als
Grundlage benutzt bezw, von ihren Filialen benutzen läßt.
Die gemeinschaftliche Grundlage dürfte, schon aus betriebs-
technischen Gründen, in dem Londoner Marktdiskont ge-
geben sein, der, wie aus den verschiedenen Kurszetteln her-
vorgeht, täglich nach dem Osten gelangt. Hinzuzutreten
scheinen als mitbestimmend die Geldverhältnisse an den
einzelnen Plätzen, während für sich allein weder der Lon-
doner noch die betreffenden asiatischen Sätze ausschlag-
gebend sind. Im allgemeinen ist man drüben der Ansicht,
daß der Wertunterschied zwischen t. t, und Sichtwechseln
nach dem Londoner bezw. Berliner oder Pariser Privatdis-
kont zu bemessen sei, ohne daß jedoch dieser Maßstab genau
angewandt werde; jede Bank folge darin ihrer eigenen An-
sicht über die Gestaltung des Diskontmarktes, Bei der Vor-
herrschaft der Hongkong &amp; Shanghai Banking Corporation
wird sich vermutlich diese eigene Ansicht nicht sehr weit
von den in dem Diagramm wiedergegebenen Sätzen der ge-
nannten Bank entfernen.

In runden Ziffern handelt es sich dabei um einen Zins-
fuß, der zwischen 4—5°/0, bezw, nach Abrechnung der er-
wähnten Marge zwischen 3—4°/n schwankte. Demgegen-
über betrug im Jahresdurchschnitt der

Londoner Marktsatz	3,18°/0

Bank von England	3,72°/0
        <pb n="139" />
        ﻿133

Berliner Privatdiskont	3,54°/0

Reichsbankdiskont	4,35%

Bank von .Japan	5,17%

Singapur f, Überziehungen	5,0 %

Native Interest Schanghai	4,38%

Wenngleich es nicht angeht, für die asiatischen kurz-
lang-Spannungen irgend eine Gesetzmäßigkeit herauszufin-
den, weil, wie schon früher gesagt, die Preisbildung der lan-
gen Wechsel am meisten des Marktcharakters entbehrt und
damit noch stärker als die der telegraphischen Auszahlung
der Willkür unterworfen ist, so steht doch soviel fest, daß
auch hier nicht der „ausländische“ Diskontsatz mechanisch
als Maßstab gebraucht wird. Sieht man die hier untersuch-
ten Kurse als einseitige Preisfestsetzungen einer Bank an,
die sich lediglich nach ihren privatwirtschaftlichen Inter-
essen richtet, so ist es klar, daß diese Bank den „ausländi-
schen“ Satz nur dann anwendet, wenn er ihr Rechnung läßt
und die eigenen Geldbestände dazu passen. Daß es all-
gemeinwirtschaftlich nicht viel anders ist, ergab sich in ge-
wissem Umfange bereits früher aus der Untersuchung des
Frankenkurses *), doch bedarf das damalige Ergebnis der
Richtigstellung. In dieser Untersuchung war angeführt wor-
den, daß lange Pariser Sicht in Berlin um den französischen
Privat diskont zuzüglich der Zinsspannung zwischen Deutsch-
land und Frankreich billiger sei als kurz Paris, daß also
nicht stets der ausländische Privatsatz maßgebend sei, son-
dern. der inländische dann, wenn der inländische Satz der
höhere sei. Die Zweifel, die Schmalenbach damals
in einer Anmerkung geltend machte, stellen sich als berech-
tigt heraus, da der Satz nur bedingte Gültigkeit hat, und
zwar dann aufhört, wirksam zu sein, wenn der Wechselkurs
an sich niedrig ist.

Ein Beispiel mag dies näher erläutern. Wenn Paris
3%, Berlin 4% für Diskonten rechnet, dann wird man in
Berlin geneigt sein, bei Geldbeschaffungen Ziehungen auf
Pariser Freunde zu dem nur um 3% p, a, vom kurzen Kurs
entfernten Satze zu begeben, anstatt für deutsche Wechsel

1) M a h 1 b e r g a. a. O,
        <pb n="140" />
        ﻿134

einen Abzug von 4°/0 p, a. zu erleiden1). Das vergrößerte
Angebot langer Wechsel wird deren Kurs solange drücken,
bis die kurz-lang-Spannung dem deutschen Privatsatz ent-
spricht, Da für diese Valuten bei Verfall Deckung zu be-
schaffen ist, so werden solche Geschäfte — abgesehen von
allen Spesen und von Termineindeckungsmöglichkeiten —
nur dann Rechnung lassen, wenn bis zur Fälligkeit der kurze
Kurs sich entweder auf derselben Höhe gehalten hat oder
gefallen ist, da ein Kursaufgeld den Gewinn aufwiegen oder
gar überschreiten kann. Mithin wird man bei niedrigem
Wechselkurs, der ein baldiges Steigen wahrscheinlich macht,
auf derartige Geschäfte verzichten, der geschilderte Einfluß
auf den langen Kurs tritt nicht ein, die kurz-lang-Spannung
richtet sich nach dem ausländischen Diskont.

Für diese Fassung des Satzes kann das Diagramm1 2)
des Frankenkurses der Jahre 1904—1907 nunmehr als ein
voller Beweis gelten. Bei hohem Kursstand zeigt die Ab-
weichung der Berliner kurz-lang-Spannung vom französi-
schen Privatdiskont deutlich den Zusammenhang mit der
deutsch-französischen Zinsdifferenz, mit dem höheren deut-
schen Privatdiskont also. Sobald der französische Wechsel-
kurs dagegen niedrig steht, hört der Zusammenhang sogleich
auf. Letzteres zeigt sich am deutlichsten in der zweiten
Hälfte des Jahres 1904, wo der Frankenkurs selbst fast
dauernd in der Nähe der Parität sich bewegte. Trotz eines
höheren deutschen Diskonts folgt die kurz-lang-Spannung
dennoch dem Pariser Satz,	—

Man kann das Ergebnis so formulieren; „Die Differenz
zwischen kurzer und langer Sicht richtet sich nach dem aus-
ländischen Privatdiskont; ist der inländische Privatdiskont
mindestens um das Valutarisiko höher, so richtet sich die
Differenz nach dem inländischen Diskontsatz.“ Unter Be-
nutzung der von Suntych3) aufgestellten Formeln läßt
sich das Valutarisiko hierbei auf

1)	Über Umfang und Technik dieser und ähnlicher Geschäfte
siehe Suntych, Technik der Wechselpensionen, Zeitschr. f, handels-
wissenschaftl, Forschung, Bd,VI,, und Prion, Das deutsche Wechsel-
diskontgeschäft, Schmollers Forschungen Heft 127.

2)	Ebenda S. 410, Diagramm II.

3)	a, a. O
        <pb n="141" />
        ﻿135 —

400

Go—Sch,

beziffern,

Go

Sch

P

wobei, dreimonatliche Laufzeit vorausgesetzt,

= oberer Goldpunkt,

= Scheckkurs bei Begebung des langen Wechsels,
= Parität

ist.

Sobald also der inländische Privatsatz um 400

Go—Sch.
P

höher steht als der ausländische, hört letzterer auf, die
Spannung kurz-lang zu bestimmen.

Hinsichtlich des asiatischen Verkehrs bleiben noch die
Wechselzinsverhältnisse in der umgekehrten Richtung für
Ziehungen von Europa nach Asien zu erörtern.

Man rechnet von hier nach drüben mit ganz runden
Zinssätzen, die in längeren Zeitabschnitten von den euro-
päischen Filialen der Überseebanken durch Zirkular der
Kundschaft mitgeteilt werden, wobei die Hongkong &amp; Shang-
hai Banking Corporation ausschlaggebend ist. Im allgemei-
nen beträgt der Satz 6%; benutzt wird er im geschäftlichen
Verkehr in der früher erwähnten Zinsklausel der europäi-
schen Tratten auf den Osten. Der Zinssatz, beruhend auf
Übereinkommen der am östlichen Verkehr beteiligten Ban-
ken und hauptsächlich den Intentionen der Hongkong &amp;
Shanghai Banking Corporation entsprechend, kann keinen
besonderen Anspruch auf Angemessenheit erheben, beson-
ders da er für verschiedene asiatische Plätze gilt und dazu
nicht häufig genug festgesetzt wird, jedoch dürfte für den
regulären Warenhandel ein solch summarisches Verfahren
vollauf genügen. Für größere Geschäfte nach dem Osten
gibt der Satz eine schlechte Kalkulationsbasis ab. Vielleicht
läßt sich praktisch eine bessere finden, indem man vom
jeweiligen Londoner Marktsatz ausgeht und für die einzel-
nen Plätze einen entsprechenden Zuschlag berechnet, dessen
Höhe sich in etwa aus den hier gegebenen Diagrammen
schätzen läßt.
        <pb n="142" />
        ﻿136

III. Schlußbemerkungen,

Der allgemeine Charakter der untersuchten asiatischen
Wechselkurse läßt sich dahin zusammenfassen, daß von den
sonst auf die Wechselkurse Wirkung ausübenden Faktoren
die internationale Zinsdifferenz an Einfluß wesentlich ein-
geschränkter erscheint, als man dies bei europäischen Kur-
sen gewohnt ist, und daß statt dessen das Verhältnis von
Import zu Export bei der Kursgestaltung im Vordergrund
steht. Daraus darf man schließen, daß hier die kreditwirt-
schaftliche Verflechtung auch relativ geringer und daher das
Drängen nach tatsächlicher Ausgleichung der internationa-
len Schuldverhältnisse stärker ist als etwa im deutsch-eng-
englischen Verkehr, der, wie die Untersuchungen S c h m a-
lenbachs1) dargetan haben, die Forderungen hüben und
drüben so sehr nach dem Zins bewertet, daß Wechselkurs
und Zinsdifferenzlinie fast parallel verlaufen. Zu dem Drän-
gen nach tatsächlicher Ausgleichung paßt auch der größere
Anteil, den die Edelmetallbewegung vom Gesamtverkehr
Asiens ausmacht. Hierher gehört auch der Umstand, daß
die Banken, die den Kurs machen, ganz regelmäßig hüben
und drüben mit eigenen Niederlassungen vertreten sind; an
sich müßte daraus eine relativ stärkere Berücksichtigung
von Zinsdifferenzen folgen, aber es scheint, daß durch das
Prinzip des Selbstgenügens das Drängen nach tatsächlicher
Ausgleichung verstärkt wird.

Eine andere gemeinsame Besonderheit der asiatischen
Kurse ist darin zu sehen, daß vielfach die freie Preisbildung
beeinträchtigt erscheint. In Indien, den Straits und in Japan
sind es die Regierungen, die in dieser oder jener Weise auf
den Kurs einwirken, auf der ganzen Linie aber wirken die
aus der Kleinheit und der völlig privaten Organisation des
Wechselmarktes folgenden Mängel, die das richtige Funk-
tionieren der Preisbildung gefährden. Namentlich sagt man
der Hongkong &amp; Shanghai Banking Corporation nach, daß
sie in der Lage sei, die Kurse ihrem Interesse entsprechend
zu beeinflussen, und daß sie von dieser Möglichkeit auch

1) Schmalenbach, Der Kurs des Pfund Sterling Wechsels,
Zeitschr, f. Handelswissenschaftl, Forschung, Bd. 1,
        <pb n="143" />
        ﻿137

ausgiebigen Gebrauch mache. Die Mittel zu entscheidendem
Eingreifen auf dem Wechselmarkt stehen der Bank neben
ihrem Kapital von 15 Mill. $ und ihrem Reservefonds von
31 Mill, $ in dem Notenrecht und den fremden Geldern zur
Verfügung, die sich nach der Bilanz vom 30. Juni 1911 auf
156 Mill, $ Kreditoren in laufender Rechnung und 116 Mill.
$ feste Depositen, beides Gold- und Silberkonten zusammen-
gerechnet, beliefen. Die Deutsch-Asiatische Bank kann dem-
gegenüber nur 7x/2 Mill, Schanghai-Taels Kapital, U/2 Mill,
Taels Reserven und rund 40 Mill, Taels Kreditoren für 1910
aufführen.

Eine Untersuchung darüber, ob etwa die Kurse der bei-
den genannten Banken größere Verschiedenheiten aufwei-
sen, führte zu folgendem Ergebnis: Die sämtlichen 1.1,Kurse
des Jahres 1910 stimmten im großen und ganzen überein,
Differenzen bestanden in

Kalkutta

Hongkong

Schanghai

Yokohama

Singapur

an einzelnen Tagen von

1/32 d
1/16 „

1/16—3/16 c
1/16 d
1/32—1/8 d.

Dagegen ergab sich für die Deutsch-Asiatische Bank im
Gegensatz zur Hongkong &amp; Shanghai Banking Corporation,
daß die von der ersteren herrührenden Kursnotizen sehr
häufig, mitunter mehrere Tage in der Berliner Börsenzeitung
fehlten, und zwar vielfach gerade dann, wenn in der Zwi-
schenzeit größere Kursveränderungen vor sich gegangen
waren.

Als für unsere nationalen Wirtschaftsinteressen wich-
tige Erscheinung ist endlich das außerordentliche Über-
wiegen der englischen Valuta zu beachten, neben der sich
die Markwährung und der direkte deutsch-asiatische Zah-
lungsverkehr im asiatischen Geschäft noch sehr stark, jeden-
falls stärker im Hintertreffen befindet, als es das Verhältnis
der Warenumsätze angemessen erscheinen läßt. Das mag
man bedauern, ohne jedoch hierin durch irgendeine bewußt
vorgenommene Maßnahme auf einmal eine Änderung herbei-
führen zu können. Der Errichtung eines, bei der mangelhaf-
        <pb n="144" />
        ﻿— 138 —

ten Preisbildung vielleicht sehr nützlichen Marktes asiati-
scher Wechsel in Deutschland steht nach Ansicht von Be-
teiligten namentlich der Umstand entgegen, daß „ein börsen-
mäßiger Verkehr in asiatischen Wechseln deshalb nicht in
Frage kommt, weil der Wechselverkehr nach und von dem
Osten auf der Basis von Warenverschiffungen erfolgt, deren
Gegenwert von der Zahlung des Wechsels bis zu seiner Ein-
lösung in den Händen der betreffenden Bank verbleibt“.
        <pb n="145" />
        ﻿A. MARCUS &amp; E. WEBERS VERLAG BONN

Moderne Wirtschaftsgestaltungen

Veröffentlichungen des Kölner Museums für Handel und Industrie
herausgegeben von Dr. Kurt Wiedenfeld
Prof, der Staatswissenschaften an der Handelshochschule Köln.

HEFT I

Das rheinisch-westfälische Kohlensyndikat

von

Prof. Dr. Kurt Wiedenfeld

Textband und Beilagenheft zusammen 7.50 M.

Die Beschäftigung mit der Wiedenfeld'schen Arbeit kann ganz beson-
ders denjenigen nur dringend angeraten werden, die an der Regelung wirt-
schaftlicher Fragen nach irgend einer Richtung beteiligt sind.

Marine-Rundschau Januar 1913.

So darf es als ein Verdienst um unsere Wirtschaftsgeschichte und
unsere Wirtschaftspolitik bezeichnet werden, wenn uns in klarer und bündiger
Form eine Darstellung von den Kämpfen dieses Organismus gegeben wird,
wie es durch Kurt Wiedenfeld in seinem neu erschienenen Werke geschehen ist.
Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen 15.2.13.

Das mit zahlreichen Tabellen ausgestattete und klar geschriebene Buch
darf wohl als die bisher beste wissenschaftliche Arbeit über das volkswirt-
schaftlich so bedeutsame deutsche Syndikat gelten.

Frankfurter Zeitung 15. 5. 1913.

Die wissenschaftlich durchgeführte Arbeit wird, trotzdem sie einen in
der letzten Zeit mehrfach behandelten Gegenstand betrifft, in den Kreisen
aller, die sich für volkswirtschaftliche Fragen interessieren, um so willkom-
mener aufgenommen werden, als die schwebende Frage der Erneuerung des
Rheinisch-westfälischen Kohlensyndikats mehr und mehr auch die Allgemein-
heit zu beschäftigen beginnt und dabei jeder die Bedeutung des Syndikats be-
leuchtende Beitrag, zumal aus berufener Feder nur dankbar begrüßen kann.

Zeitschrift für das Berg-, Hütten- S alinen-W es en
im Preußischen Staate. Heft 3, Band 60.

Ein besonderer Band von Karten und zeichnerischen Darstellungen ver-
anschaulicht noch die verschiedenen Entwicklungsvorgänge, die in der natio-
nalökonomischen Literatur bisher noch nicht in der Schärfe und Reinheit
herausgearbeitet worden sind, wie dies Wiedenfeld gelungen ist.

Kölnische Zeitung 4. 10. 12.

HEFT II

Die Ruhrhäfen, ihre Industrie und ihr Handel

Von Dipl.-Handelslehrer JOH. KEMPKENS.

Mit Diagrammen und einem großen Hafen- und Industrieplan.

Preis 5.60 Mk.
        <pb n="146" />
        ﻿A. MARCUS UND E. WEBERS VERLAG BONN

Das preußische Gewerkschaftsrecht

unter Berücksichtigung der übrigen deutschen Berggesetze,

kommentiert von

Wilhelm Westhoff,

Rechtsanwalt in Dortmund,

in zweiter Auflage bearbeitet von

Fritz Bennhold,

Geheimer Bergrat und Vortragender Rat im Ministerium für Handel und Gewerbe.

1912. In Leinen gebunden 7 Mark.

Allgemeines Berggesetz

für die preußischen Staaten.

Von Dr, jur. H. Brassert.

Zweite Auflage bearbeitet von

Dr. jur, Hans Gottschalk,

Rechtsanwalt in Dortmund.

Der jetzt vorliegende Teil des Gesamtwerkes kann einzeln nicht
erworben werden. Seine Abnahme verpflichtet vielmehr auch zum
Kauf des im Herbst 1913 erschienenen zweiten Teils. Preis des voll-
ständigen broschierten Exemplares 22 Mark. Nach Ausgabe des
zweiten Teiles kosten in Halbfranz gebundene vollständige Exemplare

24 Mark 50 Pf.

Das preußische Wassergesetz

auf Grund der Verhandlungen des Landtags erläutert

von

Dr, Hans Gottschalk,

Rechtsanwalt in Dortmund.

24 Bogen. Preis gebunden 7 Mark,
        <pb n="147" />
        ﻿
        <pb n="148" />
        ﻿
        <pb n="149" />
        ﻿
        <pb n="150" />
        ﻿Hongkong.

m.L n

Schanghai.
        <pb n="151" />
        ﻿Abweichungen der chinesischen Wechselkurse vom Londoner Silberpreis
        <pb n="152" />
        ﻿Dr. WALTER MAHLBERG

Professor der Privatwirtsehaftslehro an der Handels-Hoclisckalö Mönchen

Bilanztechnik und Bewertung

bei schwankender Währung

(Betriebs- und Finanz wirtschaftliche Forschungen. Herausgegeben von
Prof. Dr. F. Schmidt. Heft 10.) VIII und 67 Reiten. Geheftet M. 12.—
Die Untersuchung wendet sich an fachmännisch geschulte Leser aüs der Bilanz-
praxis. Sie Tersucht, eine Berechnungs- und Bewertungstechnik aufzustellen, wie
sie rein betriebswirtschaftlich, zunächst ohne Rücksicht auf andere Einflüsse
etwa juristischer, steuerlicher oder volkswirtschaftlicher Art, sich gestaltet.

Der Zweck der Buchhaltung

IV und 26 Seiten.	Geheftet M. 4.—-

„Der Verfasser bringt Zweck und Organisation der doppelten Buchhaltung
in ein neues, sicherlich geistreiches System. Für den Lehrer der Handelswissen-
schaften darf die Darstellung, namentlich in Verbindung mit Schmalenbachs
dynamischer Bilanzlehre genossen, erhöhtes Interesse mit liecht beanspruchen.“

Mitteilung d. Verb. bayr. Lehrer für Haudelswissenschaften, München.

Dr.F. SCHMIDT

ordentl. Professor an der Universität Frankfurt a. M.

Band I:

Der nationale Zahlungsverkehr. 2. erweiterte Auflage.

VIII und 240 Seiten.	Gebunden M. 22.—

„Der Verfasser hat mit hervorragender Fachkenntnis und Gründlichkeit
die im Deutschen Reiche herausgebildeten Zahlungsmöglichkeiten wissen-
schaftlich untersucht, auf deren Schäden hingewieseu und zur Beseitigung
derselben geeignete Vorschläge gemacht.“	JurUtisohes Literatur« att,

Band II:

Internationaler Zahlungsverkehr u.W echselkurse

X und 406 Seiten.	Gebunden M. 20.—*

„Dieses Buch zeigt, von unten aufbauend, dem Praktiker die theoretischen
Zusammenhänge, dem Theoretiker die Verfahrensweisen der Praxis und gelangt
auf diesem Wege schließlich zu Beweisen für die vertretenen Ansichten, die an
Lückenlosigkeit das Ergebnis der bisherigen Forschungen ttbertreffen.“

Bankbeainten-Zeituag.

„Will man schließlich eie Gesamtnrteil über das Schmidtsche Werk abgeben,
so möchte ich es als das beste und umfassendste der bisher vorliegenden ein-
schlägigen AVerke bezeichnen,“ Zeitschrift für Handelawilsenschaft tmd Handelspraxis.

*) Hierzu 30*/o Verlags-Teuerungs-Aufschlag.

6. A. GLOECKNER, VERLAGSBUCHHANDLUNG IN LEIPZIG
        <pb n="153" />
        ﻿57

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ansdifferenz auf den Wechselkurs 1). Daß das
h in diesem Sinne als Ausnahme darstellt,
ills für die Annahme, denn 1907 stand überall
ig der Geldverhältnisse weitaus im Vorder-
ihrigen darf man aus der geringen Parallelität
:urs und Zinsdifferenz folgern, daß für Indien
adel hauptsächlich den Wechselkurs bestimmt
dtung der Zinsverhältnisse an Bedeutung zu-
s paßt zu dem agrarischen Charakter des Lan-
Handelsorganisation und zu den drüben als
henen Schwankungen des Wechselkurses. Man
über: „Die hiesigen Wechselkurse auf Europa
periodische Schwankungen; dieselben sind ge-
ll. in normalen Jahren, Dezember-Februar,
Je Burma-Reisernte und die Baumwollernte in
m Provinzen in vollem Schwünge sind, am
vächen sich im März-April, wenn diese Ernten
meist etwas ab, steigen Ende April-Juni wie-
sr Export in Saaten und Weizen stattfindet,
Juli und Anfang August, da dann in fast ganz
Aportgeschäft ruht, ihr niedrigstes Niveau und
August wieder aus Anlaß der Jutesaison."
diese Schwankungen ebenfalls aus den Dia-
:sen lassen, ist man berechtigt, auch für prak-
liche Zwecke mit ihnen zu rechnen. Von dem
Hskontsätze ist zu behalten, daß vielfach die
angen der Bank von Bengalen den Wechsel-
ziehen, während die Londoner Änderungen in
kungslos bleiben, und daß zudem teurer Geld-
&gt;pa mit starker Geldnachfrage in Indien und
i Lieh die Zeiten des leichtesten Geldstandes
üben zusammen fallen.

fessor W a 1 b, Cöln, weist mich darauf hin, daß bei
ssen die Anlagemöglichkeiten für ausländisches Kapi-
^u beachten sind; es fehle hier die Einrichtung der
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