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        <title>Über asiatische Wechselkurse</title>
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            <forname>Walter</forname>
            <surname>Mahlberg</surname>
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        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>1014023343</idno>
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        Über
asiatische  Wechselkurse

von

Dr.  WALTER  |MAHLBERG
Professor  der  Privatwirtschaftslehre  an  der  Handels-Hochschule  München

Mit  28  Diagrammen

2.  (Titel-)  Auflage

1920
G,  A.  Gloeckner,  Verlag  für  Handelswissenschaft,  Leipzig
        <pb n="2" />
        KJ*-  y.

A.  Inhaltsübersicht.

Vorwort

Seite  1—2

I.  Allgemeiner  Teil.
1.  Einleitung:  Die  Bezeichnung  der  Kurse.  —  Historischer
Überblick.—  Abwälzung  des  Kursrisikos  im  asiatischen  Verkehr, ­
  —  Wechselkurse  und  Wirtschaftsverfassung.  —  Kurscharakter ­
  und  Umfang  der  Edelmetallbewegung.  —  Bisherige
literarische  Behandlung  Seite  3—10
2.  Gemeinsame  äußere  Erscheinungen  der  asiatischen
Kurse:  Inländische  und  ausländische  Veröffentlichungsformen.
—  Die  Herkunft  der  Notizen  und  der  Nachrichtendienst  von
Asien  her.  —  Das  P  ehlen  von  Original-Mark-Notizen.  —  Die
Quellen  der  untersuchten  Kurse.  —  Die  Notierungsform.  —
Der  Spiegelbildcharakter  der  direkten  langen  und  der  indirekten
langen  Sicht.  —  Die  Einteilung  der  asiatischen  Wechselkurse:
Ankauf-  und  Verkaufraten  und  deren  Marge.  Bank-Paper  und
Private-Paper.  —  Qualität  des  Wechselmaterials  und  Preisbildung. ­
  -r  Größe  der  Preisstufen  .  .  .  .  Seite  10—28
3.  Die  angewandte  Diagrammtechnik:  Einheitlicher  Maßstab
für  die  Kölner  Wechselkursdiagramme.  —  Die  Reduzierung
auf  Goldeinheiten  von  J.  Fr.  Schär.  —  Einheitsmaßstab  und
Wechselkursdreieck.  —  Die  graphische  Behandlung  der  Silberwechselkurse. ­
  —  Das  ungeheuerliche  Größenverhältnis  zwischen
Goldwechselkurs-  und  Silberwechselkursschwankungen.  —  Die
Beziehung  der  Mark  t.  t.-Notiz  auf  den  Londoner  Silberpreis.
—  Der  gleiche  Abstand  verschiedener  Wechselkurse  eines  Silberplatzes ­
  von  der  zugehörigen  Parität  Seite  28—38
II.  Die  asiatischen  Wechselkurse  im  einzelnen.
1.  Der  indische  Wechselkurs:  Die  Geldeinheit  von  Britischindien. ­
  —  Das  pantopolische  Moment  in  der  indischen  Währungsgeschichte. ­
  —  Der  heutige  Zustand.  —  Indiens  Goldpunkte ­
  und  Goldbewegung.  —  Der  Silberverkehr.  —  Die  Edelmetall-Thesaurierung. ­
  —  Die  Stellung  des  Indian-Council  im
Wechselmarkt  (mit  einer  graphischen  Darstellung).  —  Unter-
        <pb n="3" />
        schied  der  t.  t.-Notizen  in  Bombay  und  Kalkutta.—  Derindische
Kurszettel.  —  Der  Kursverlauf  während  der  untersuchten
Periode.  —  Die  Wirtschaftslage.  —  Außenhandelszahlen  und
Wechselkurs.  —  Die  englisch-indische  Zinsdifferenz  und  die
Wechselkurse  Seite  39—57
2.  DerW  echselkurs  von  Singapur:  Die  Wirtschaftsgeographie
der  Straits  Settlements.  —  Die  Währungsgeschichte  der  Straits.
—  Wirkung  der  Währungsreform.  —  Regelung  der  Goldbewegungen ­
  durch  die  Regierung.  —  Organisation  des  Singapurer ­
  Fremdwechselmarktes.  —  Der  Kurszettel  von  Singapur.
—  Kursniveau  und  periodischer  Verlauf.  —  Jahresdurchschnittskurse ­
  und  Verhältnis  von  Einfuhr  zur  Ausfuhr.  —
Die  Wirtschaftslage.  —  Die  Zinsdifferenz  London-Singapur.
Seite  58—69
3.  Der  japanische  Wechselkurs:  Grundlagen  der  japanischen
Devisen-Notierung.  —  Die  Tätigkeit  der  Regierung  im  Devisenverkehr. ­
  —  Die  Zahlen  der  Zahlungsbilanz  des  japanischen
Finanzministers.  —  Der  Kurszettel  von  Yokohama.  •—-  Die
Stabilität  des  japanischen  Wechselkurses.  —  Die  Kursdurchschnitte ­
  und  die  Salden  der  Waren-  und  Metallbewegung.  —
Die  Zinsraten  der  Bank  von  Japan.  —  Die  Wirtschaftslage.
Seite  69—76
4.  Der  Silberhandel;  Umfang  und  Verbreitung  der  Silberproduktion. ­
  —  Organisation  des  Effektiv-  und  Terminhandels
in  Silber.  —  Technik  des  Londoner  Silberverkehrs.  —  Die
Spesen  in  London.  —  Londoner  Kursberichte.  —  Das  Silbergeschäft ­
  in  Indien  und  China.  —  Die  Preisbildung  im  internationalen ­
  Silbermarkt.  —  Der  parallele  Verlauf  der  Preiskurven ­
  für  Silber,  Zinn,  Blei,  Kupfer  und  Eisen  seit  1891.  —
Silberpreis,  Diskont  und  Konjunktur.  —  Die  Hamburger  Parität
der  Londoner  Silbernotiz  Seite  76—87
5.  Die  Wechselkurse  von  Hongkong  und  Schanghai:  Die
Währungsverhältnisse  im  chinesischen  Binnenverkehr.  —  Die
Schwierigkeiten  im  Silbergroßverkehr  der  Hafenstädte  und  die
geplante  Währungsreform.  —  Geldeinteilung  und  Geldumlauf.
—  Die  Parität  der  Wechselkurse  von  Hongkong  und  Schanghai.
—  Chinesische  Kurszettel.  —  Wechselkurs  und  Silberpreis.  —
Das  Agio  der  Hongkong  t.  t.-Notiz.  —  Die  Abweichungen
der  Wechselkurse  vom  Silberpreis.  —  Die  Parallität  dieser
Abweichungen  zum  umgekehrten  V  erlauf  desSilberpreises.  —
Die  Wirkung  der  Kursspekulationen.  —Verschiebungen  in  der
Paritätsstellung  seit  1893.  —  Valuta-Schwankung  und  Außenhandel. ­
  —  Die  Croßrate  Hongkong-Schanghai.  —  Hongkong-
        <pb n="4" />
        Dollar  und  Mexican-Dollar.  —  Chinas  Import-  und  Exportpunkte ­
  für  Edelmetall.—■  Die  Wirtschaftslage.  —  Waren-  und
Metallbewegung.  -  -Nativeinterest  in  Schanghai  über  bezw.  unter
Londoner  Marktdiskont  Seite  88—126
6.  Der  Unterschied  zwischen  Mark-  und  pence-Notiz
in  Asien:  Die  tatsächlich  geltenden  Markreduktionen.  —  Die
Parität  der  Dreieckskurse.—Direkte  deutsch-asiatische  Wechselkurse. ­
  —  Der  Begriff  des  Einheitswechselkurses  für  jede  Volkswirtschaft. ­
  •—  Silberwechselkurse  und  Einheitskurs.
Seite  126—130
7.  Die  Kurz-lang-Spannung  im  asiatischen  Verkehr;
Die  Marge  zwischen  Ankauf  und  Verkaufsätzen  als  Fehlerquelle.
—  Die  Posttage.  —  Die  Kurz-lang-Differenzen  der  einzelnen
Plätze  in  1910  und  deren  Verhältnis  zu  den  asiatischen  und
europäischen  Diskontsätzen.  —  Die  Anwendung  des  „ausländischen“ ­
  Privatdiskonts  u.  das  Valuta-Risiko.  —  DerWechselzinsfuß
  im  Verkehr  nach  Asien  .  .  .  Seite  130—135
III.  Schlußbemerkungen:  Das  Zurücktreten  der  internationalen
Zinsdifferenz  als  Kursmaßstab.  —  Die  Beeinträchtigung  der
Preisbildung.  —  Die  Übereinstimmung  der  Kurse  der  Deutsch-Asiatischen
  Bank  und  der  Hongkong  &amp;amp;  Schanghai-Banking-Corporation.
  —  Die  Vernachlässigung  der  deutschen  Valuta.
Seite  136-138

B.  Verzeichnis  der  Diagramme.

Nr.  1  —  4
Nr.  5—8
Nr.  9—12
Nr.  13-16
Nr.  17—20
Nr.  21—24

Nr.  25—28

Wechselkurs  von  Indien  1907—1910
„  ,.  Singapur  1907—1910
„  ,,  Japan  1907-1910
„  Hongkong  1907—1910
„  „  Schanghai  1907—1910
( Abweichung  derWechsel-  1
kurse  vom  Silberpreis  in  11907—1910
Hongkong  und  Schanghai  J
( Differenz  Kurz-lang  in  |
Singapur,  Japan,  Hong-  &amp;gt;  1910
kong,  Schanghai  |

Alle  Rechte  sind  Vorbehalten.
        <pb n="5" />
        Vorwort.

Die  Anregung  zu  der  Arbeit,  die  als  Habilitationsschrift
für  das  Fach  der  Privatwirtschaftslehre  an  der  Handels-Hochschule
  Cöln  verfaßt  ist,  verdanke  ich  dem  liebenswürdigen ­
  Rate  meines  verehrten  Lehrers,  Herrn  Professor
Schmalenbach  von  der  Handels-Hochschule  Cöln,  dessen
Untersuchungsreihe  ausländischer  Wechselkurse  damit
fortgesetzt  wird.  Ihm  und  Herrn  Professor  Dr.  Wiedenfeld ­
  von  der  gleichen  Hochschule  bin  ich  auch  für  manchen
sachlichen  Ratschlag  zu  Dank  verpflichtet.
Durch  die  sehr  freundliche  Vermittlung  der  Herren
Professor  Dr.  Wiedenfeld  und  Freiherr  S,  Alfred  v.  Oppenheim, ­
  in  Firma  Sal.  Oppenheim  jr.  &amp;amp;  Co.,  Cöln,  und  durch
das  überaus  bereitwillige  Entgegenkommen  der  Niederlassungen ­
  der  Deutsch-Asiatischen  Bank  in  Berlin,  Kalkutta,
Singapur,  Schanghai,  Hongkong  und  Yokohama  war  es  dann
möglich,  einen  großen  Teil  des  Tatsachenmaterials  zu  beschaffen. ­
  Für  ihre  tatkräftige  Hülfe  sage  ich  verbindlichen
Dank.
Dank  schulde  ich  auch  sonst  manchem  treuen  Helfer
hier,  in  Amsterdam,  in  London  und  an  asiatischen  Plätzen,
ganz  besonders  aber  Herrn  Bankdirektor  M.  Gutschke,  Kalkutta, ­
  dessen  sachkundige  Darlegungen  die  Untersuchung
wesentlich  gefördert  haben.  Endlich  darf  ich  meines
Freundes,  des  Herrn  Abteilungschefs  Adalbert  E.  Myrrhe,
Cöln,  gedenken,  dessen  dankenswerte  Unterstützung  mir
schwer  zu  erlangendes  Zahlenmaterial  zugänglich  gemacht
hat.
Mahlberg,  Asiatische  Wechselkurse.

1
        <pb n="6" />
        2

Bei  der  Drucklegung  der  Arbeit  waren  mir  die  von  den
Herren  Rezensenten  Dozent  Harzmann,  Professor  Schmalenbach
  und  Professor  Walb  vorgebrachten  wertvollen  Erweiterungs-
  und  Änderungsvorschläge  außerordentlich  nützlich;
ich  darf  deshalb  den  Herren  auch  an  dieser  Stelle  ganz  besonderen ­
  Dank  aussprechen.
Die  Untersuchung  beruht  neben  Literaturbenutzung  auf
den  Ergebnissen  ausführlicher  Rundfragen  und  der  Verarbeitung ­
  von  etwa  47  000  Originalkursen  oder  Umrechnungen. ­


Walter  Mahlberg.
        <pb n="7" />
        I,  Allgemeiner  Teil.

1,  Einleitung.
Die  Wechselkurse  einer  Reihe  asiatischer  Plätze  —
Hongkong,  Schanghai,  Singapur,  Yokohama,  Kalkutta  und
andere  mehr  —  auf  L  o  n  d  on  bezeichnet  man  als  asiatische
oder  ostasiatische  Wechselkurse,  Diese  Benennung  ist  nicht
ganz  richtig,  da  unter  dem  Namen  asiatische  Wechselkurse
nicht  nur  die  London-Kurse,  sondern  sämtliche  Kurse
der  genannten  Plätze  auf  alle  Länder  bezw.  Plätze  der  ganzen
Welt,  vor  allem  auch  die  sehr  wichtigen  Wechselkurse  der  asiatischen ­
  Plätze  untereinander  zu  begreifen  sind.  In  Wirklichkeit ­
  liegen  die  Verhältnisse  aber  so,  daß  im  Verkehr  mit
Europa  nur  den  asiatischen  Wechselkursen  auf  London  eine
größere  Bedeutung  zukommt;  die  ungenaue,  historisch  leicht
zu  erklärende  Namengebung  entspricht  also  noch  immer  der
Lage  der  Dinge,  Dementsprechend  wird  in  der  vorliegenden
Arbeit  hauptsächlich  von  den  London-Kursen  Asiens  und  im
Zusammenhang  damit  von  den  asiatischen  Kursen  auf
Deutschland  die  Rede  sein.
Wie  wenig  genau  man  es  mit  dem  Namen  nimmt,  geht
auch  daraus  hervor,  daß  die  Kurse  vielfach  als  o  s  t  asiatische ­
  1 )  Kurse  bezeichnet  werden,  trotzdem  nur  ein  Teil  der
notierten  Plätze  im  eigentlichen  Ostasien  liegt.
Die  asiatischen  Kurse  weisen  bereits  äußerlich  eine
Reihe  von  Eigentümlichkeiten  auf,  die  sie  von  anderen
Wechselkursen  unterscheiden.  Da  ist  zunächst  der  Umstand, ­
  daß  man  nur  selten  den  Kurs  eines  einzelnen  Platzes

1)  So  u.  a.  Hamburger  Neueste  Nachrichten,  Hamburgischer  Correspondent,
  Sonndorfe  r,  Die  Währungsreformen  in  Ostasien  und
Ostafrika,  Zeitschrift  f.  Handelswissenschaft  und  Handelspraxis,  II,  Jahrgang, ­
  Heft  10,  Hanisch,  Rothschilds  Taschenbuch,  1910,  Seite  796.
        <pb n="8" />
        4

antrifft,  etwa  in  der  Presse  oder  in  der  Literatur,  sondern
daß  die  Kurse  aller  in  Frage  kommenden  Plätze  stets  in
ihrer  Zusammenfassung  als  asiatische  Wechselkurse  auftreten.
  Ein  Grund,  die  asiatischen  Notierungen  zu  einer
einheitlichen  Gruppe  zusammenzufassen,  liegt  darin,  daß
die  Kurse  bis  vor  wenigen  Jahren  sämtlich  auf  Silber  basiert
waren  und  als  Silberkurse  den  Goldvaluten  der  übrigen
Welt  gegenüberstanden.  Begünstigt  wurde  die  Gruppenbildung ­
  weiter  durch  den  Umstand,  daß  die  asiatischen
Wechselkurse  nicht  wie  andere  Wechselkurse  unmittelbar
zu  uns  gelangen,  sondern  den  Umweg  über  London  machen
und  von  dort  als  geschlossene  Gruppe  der  „rates  on  the  far
East"  nach  Deutschland  kommen.
Für  Deutschland  sind  die  Kurse  deshalb  merkwürdig,
weil  an  keinem  der  asiatischen  Plätze  Originalkurse  auf
Deutschland  notiert  werden,  sondern  die  drüben  in  Geltung
befindlichen  Sätze  durch  Verrechnung  der  asiatischen  Notizen ­
  auf  London  mit  dem  deutsch-englischen  Wechselkurs
zustande  kommen.  Und  selbst  diese  Sätze  gelangen  nicht
nach  Deutschland,  vielmehr  verstehen  sich  sämtliche  in
deutschen  Zeitungen  veröffentlichten  Wechselkurse  in  englischer ­
  Währung,  also  in  pence  für  die  asiatische  Einheit,
oder  es  sind  in  Deutschland  vorgenommene  Markumrechnungen ­
  der  nach  London  gekabelten  pence-Notizen,  sodaß
wir  im  Zahlungsverkehr  mit  Asien  völlig  auf  Notierungen
des  Auslands  auf  das  Ausland  angewiesen  sind.
Ein  gemeinsames  Merkmal  der  asiatischen  Wechselkurse ­
  gegenüber  den  uns  geläufigeren  europäischen  Kursen
ist  auch  in  dem  Fehlen  von  Gegenkursen  zu  sehen.  Während ­
  sich  sonst  der  Wechselkurs  an  den  Devisenmärkten
beider  beteiligter  Länder  zu  bilden  pflegt,  kommen  die  asiatischen ­
  Wechselkurse  lediglich  drüben  zustande,  sodaß  stets
eins  der  jedesmal  beteiligten  Länder,  und  zwar  praktisch
England,  als  unmittelbarer  Faktor  ausscheidet  und  die
Wechselkurse  in  gewissem  Sinne  einseitig  festgesetzt  werden. ­
  Bei  der  Eigenart  der  Wechselpreisbildung,  die  in  der
Weise  sich  vollzieht,  daß  Angebot  und  Nachfrage  desselben
Objekts  im  Inland,  im  Ausland  und  noch  einmal  zwischen
Inland  und  Ausland  gemessen  werden,  würde  —  zumal  bei
        <pb n="9" />
        5

der  besonderen  Art  des  europäisch-asiatischen  WechselveSrkehrs
  —  in  der  einseitigen  Preisbildung  theoretisch  alles
andere  als  ein  Mangel  liegen,  praktisch  zeitigt  diese  nach
unseren  Maßstäben  unvollkommene  Organisation  der  Preisbildung ­
  jedoch  Unzuträglichkeiten.  Nach  Swoboda 1 )
werden  in  der  Royal  Exchange  in  London  außerhalb  des
offiziellen  Börsenkurszettels  von  anderen  Plätzen  häufig
notiert;
Bombay,  Madras  und  Kalkutta  in  Pence  für  1  Rupie,
Singapur  „  „  „  1  Dollar,
Hongkong  „  ,,  „  1  Dollar,
Schanghai  ,,  ,,  „  1  Tael.
Abgesehen  von  der  geringen  Bedeutung  der  Royal  Exchange ­
  lind  davon,  daß  die  gewöhnlich  bei  englischen  Wechselkursen ­
  nicht  übliche  „direkte“  Notierung  bereits  gegen  allzu
große  Selbständigkeit  der  Notiz  spricht,  weiß  man  an  den
meisten  Plätzen  des  Ostens  von  den  Notierungen  der  Royal
Exchange  nichts  und  streitet  ihr  außerdem  übereinstimmend
jede  Bedeutung  oder  Selbständigkeit  für  die  Preisbildung
ab.  Das  gilt  auch  für  die  von  Sonndorfer 1  2 )  erwähnte
Londoner  Notierung  britisch-ostindischer  Plätze.
Die  Wechselkurse  werden  in  Asien  nicht  offiziell  notiert, ­
  ein  börsenmäßiger  Verkehr  findet  nirgends  statt.  Sämtliche ­
  veröffentlichten  Notizen  sind  private  Preisangaben  von
Banken  oder  Maklern,  Der  Umsatz  vollzieht  sich  überall
nur  von  Bank  zu  Bank  durch  Vermittlung  von  Maklern.
Faßt  man  den  Werdegang  des  asiatischen,  insbesondere
des  ostasiatischen  Geschäfts  ins  Auge,  so  ergibt  sich  daraus
der  Ursprung  der  Unterschiede  zwischen  asiatischen  und
europäischen  Wechselkursverhältnissen.  Während  die  Handelsbeziehungen ­
  etwa  zwischen  Frankreich  und  Deutschland ­
  sich  von  jeher  beiderseits  auf  eine  breite  Grundlage
stützten,  ist  der  Handelsverkehr  mit  dem  Osten  aus  dem
Filialbetrieb  an  den  wenigen,  den  Fremden  geöffneten
Hafenplätzen  entstanden.  Ein  direkter  Verkehr  zwischen
nur  in  Europa  ansässigen  Firmen  und  eingeborenen  Händ1) ­
  Swoboda,  Arbitrage,  13.  Aufl.
2)  Sonndorfer-Ottel,  Lehrbuch  der  internationalen  Handelskunde. ­
  Wien  und  Leipzig  (Alfred  Holder)  1912.  S.  56.
        <pb n="10" />
        6

lern  in  Asien  war  nicht  vorhanden,  vielmehr  handelte  es
sich  zwischen  Europa  und  Asien  zunächst  immer  nur  um
den  Verkehr  zwischen  europäischem  Stammhaus  und  Auslandsniederlassung, ­
  Für  diese  Beziehungen  war  aber  kein
Bedürfnis  nach  Wechselkursen  gegeben,  letzteres  äußerte
sich  vielmehr  nur  im  Verkehr  der  Niederlassungen  mit  ihren
dortigen  asiatischen  Geschäftsfreunden,  und  die  dabei  sich
ergebenden  Wechselkurse-  waren  anfangs  lediglich  Münzumwechslungskurse.
  Wenn  auch  heute  noch  die  asiatischen
Wechselkurse  bei  vielen  unbewußt  die  Vorstellung  von  Sortenkursen ­
  erwecken,  so  liegt  das  wohl  an  geringem  Vertrautsein ­
  mit  den  asiatischen  Geschäftsbeziehungen;  tatsächlich ­
  sind  es  heute  Wechselkurse  wie  alle  anderen,  also
Preise  für  Auslandsguthaben,  und  daneben  steht  das  für
Europa  nicht  in  Frage  kommende  Sortengeschäft.  Je  mehr
nämlich  das  Filialsystem  nachließ  und  die  Fremdenfirmen
im  Osten  von  Europa  unabhängig  wurden,  und  je  mehr,  als
neueste  Entwicklung,  der  direkte  Verkehr  zwischen  asiatischen ­
  Importeuren  und  europäischen  Exporteuren  an  Bedeutung ­
  gewann,  um  so  mehr  ließ  der  Sortencharakter  der
in  Frage  stehenden  Kurse  nach,  sodaß  es  sich  heute  durch
das  gleichzeitige  Dazwischentreten  der  Überseebanken  bei
den  asiatischen  Notizen  auf  Europa  nur  noch  um  Bewertungen ­
  von  Forderungen  zwischen  Asien  und  Europa  handelt.
Eine  Sonderstellung  nehmen  in  diesem  Zusammenhang  die
chinesischen  Kurse  ein,  da  deren  Gestaltung  noch  durch
eine  Art  Sortenspekulation  beeinflußt  wird,  ohne  jedoch  im
Grundsatz  ihren  Charakter  zu  ändern.
In  einem  Punkte  dagegen  hat  sich  eigentlich  nichts
gegen  die  früheren  Verhältnisse  geändert.  Das  ist  der  Umstand, ­
  daß  auch  heute  noch  regelmäßig  nur  der  asiatische
Kontrahent  ein  Interesse  an  der  Gestaltung  der  Wechselkurse ­
  hat.  Der  europäische  Asien-Exporteur  pflegt  nämlich
den  Gegenwert  seiner  Verschiffungen  nicht  in  ausländischer,
also  asiatischer,  sondern  in  einer  europäischen  Währung  zu
entnehmen  .  Meistens  ist  das  einstweilen  noch  die  eng-1)

  Siehe  u.  a.  Wilh,  Friedrich.  Die  Technik  des  Zahlungsverkehrs ­
  im  Export  mit  China,  Zeitschrift  für  handelswissensch.  Forschung
IV,  340.
        <pb n="11" />
        7

lische  Pfund-Währung.  Dabei  wird  der  Kurs,  zu  dem  der
Bezogene  die  Abgabe  einzulösen  hat,  durch  Zusätze  in  der
Tratte  festgelegt,  die  etwa  so  lauten:  .  .  Jl  1410  zahlbar
zum  Ziehungskurse  der  Deutsch-Asiatischen  Bank,  Schanghai, ­
  für  deren  Sichtwechsel  auf  Hamburg,  zuzüglich  Zinsen
zum  Satze  von  7°/ 0  für  das  Jahr  von  heute  bis  zum  wahrscheinlichen ­
  Ankunftstage  des  Gegenwerts  in  Hamburg."
Damit  wird  das  Wechselkurs-Risiko  auf  den  asiatischen
Kontrahenten  abgewälzt.  Auch  in  der  entgegengesetzten
Verkehrsrichtung  läßt  der  hiesige  Importeur  asiatischer
Waren  ganz  selbstverständlich  nur  in  europäischer  Währung ­
  auf  sich  ziehen  und  wird  dadurch  den  Kursschwankungen ­
  gleichfalls  entrückt.  Diese  eigenartigen  Verhältnisse,
die  in  der  historischen  Entwicklung,  verbunden  mit  der  Vormachtstellung ­
  des  Europäers  und  in  den  ungeheuerlichen,
dem  europäischen  Geschäft  nicht  geläufigen  Schwankungen
der  Silber-Wechselkurse  begründet  sind  bezw,  waren,  erklären ­
  das  gänzliche  Fehlen  eines  Gegenmarktes  und  die
vollständig  private  Organisation  der  Wechselpreisbildung  in
Übersee.
Hinsichtlich  der  Wirtschaf  tsverfassung  beziehen  sich  die
asiatischen  Wechselkurse  auf  außerordentlich  verschiedenartige ­
  Verhältnisse,  sodaß  der  Zustand  der  wirtschaftlichen
Entwicklung  bei  der  Beurteilung  der  Wechselkurse  besonders ­
  berücksichtigt  werden  muß.  Das  bezieht  sich  namentlich ­
  auf  die  Bedeutung,  die  die  Wechselkurse  für  das  Wirtschäftsganze
  aufweisen.  Da  die  Grundlage  der  Wechselkurse ­
  die  internationalen  Schuldverhältnisse  sind  und  diese
zum  wesentlichsten  Teil  durch  den  effektiven  Außenhandel
entstehen,  so  vermag  die  Höhe  der  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung ­
  reduzierten  Ein-  und  Ausfuhr  die  Bedeutung  darzutun, ­
  die  einLand  an  der  Gestaltung  der  Wechselkurse  hat.
Die  nachfolgende  Tabelle  x )  gibt  hierüber  Aufschluß:

1)  Die  Angaben  der  Tabelle  sind  entnommen  aus  Statistical  Abstract
  of  the  United  Kingdom,  Stat,  Abstract  for  the  foreign.  countries
und  Stat.  Abstract  for  the  colonies.
        <pb n="12" />
        8

Durchschnitt  der
Jahre  1905—09

Bevölkerung
in  Millionen

Ein-  und  Aust,
in  Millionen  £

Ein-  und  Ausf.
auf  je  1000  Einwohner ­
  in  £

Deutschland  .  .

62,2

708,1

11384

England  ....

44,1

984,6

22327

Frankreich  ,  .  .

39,2

440,1

11228

Ver.  Staaten  von
Nord-Amerika  ,

85,8

611,2

7123

Indien  ....

306,7

235,0

766

Japan  ....

48,7

87,7

1801

Straits  Settlements

0,7

70,6

10085

China  ....

300  ')

101,3

337

Die  Ziffern  für  die  Straits  Settlements  treten  aus  dem
hier  gezogenen  Rahmen  heraus,  da  der  ■—  hauptsächlich  auf
den  Hafen  Singapur  entfallende  —  Außenhandel  in  diesem
Zusammenhang  größtenteils  als  Umschlagsverkehr  anzusehen ­
  ist  1  2 ).
Endlich  ist  an  dieser  Stelle  noch  auf  einen  Punkt  kurz
einzugehen,  dem  bei  einer  Betrachtung  der  asiatischen
Wechselkurse  besondere  Bedeutung  beigelegt  werden  muß.
Das  ist  die  Frage  der  Edelmetallbewegung.  Die  Meinung
über  den  Zahlungsverkehr  Asiens  lautet  vielfach  dahin,  daß
dort  die  Versendung  von  Bargeld  größeren  Umfang  habe  als
in  den  in  dieser  Beziehung  wirtschaftlicher  organisierten
Staaten  Europas.  Die  nachstehenden  Zahlen  gehen  hierauf
näher  ein,  Die  Edelmetallbewegung  (Einfuhr  und  Ausfuhr)

1)  Nach  Professor  Rathgen,  Hamburg.
2)  Deutsches  Handelsarchiv  1910,  II,  Bericht  des  Generalkonsulats
Singapur  für  1908  ;  „Die  Straits  Settlements  sind  weder  ein  Gebiet  mit
einem  großen  Eigenverbrauch  von  europäischen  Waren,  noch  ein  Produktionsgebiet, ­
  sondern  in  der  Hauptsache  Verteilungsplatz  für  die
Waren  europäischer  Herkunft  für  die  malaiische  Halbinsel,  den  malaiischen ­
  Archipel  und  einige  andere  Nachbarländer,  sowie  Stapelplatz
für  die  Produkte  der  genannten  Gebiete  j  jeder  hier  gehandelte  Artikel
ist  daher  Ein-  und  Ausfuhrartikel  zugleich.  Der  Handel  der  Kolonie
kann  also  überhaupt  als  Durchfuhrhandel  angesprochen  werden,  bezüglich ­
  der  europäischen  Waren  allerdings  nur  insoweit,  als  sie  von  hier
aus  wieder  ausgeführt  werden,  bezüglich  der  aus  den  umliegenden  Gebieten ­
  stammenden  Produkte  aber  durchweg.“
        <pb n="13" />
        9

stellte  sich  in  Prozenten  vom  Gesamtaußenhandel  im  Durch
schnitt  der  Jahre  1905—1909  wie  folgt:

Gold

Silber

Deutschland  ....

2,9  o/o

0.4  o/o

England

9.3  „

2.9  ,.

Frankreich  ....

6.8  „

3.2  „

Ver.  Staaten  von

Nordamerika 2 )  .  .

5.1  „

2.8  „

Indien

6.9  „

6.1

Straits  Settlements

2.3  „

3.8  „

Gold

und  Silber

China

10.1  o/o

Japan  9 )

6.2  „

Bei  einem  Vergleich  sind  gegenüberzustellen  die  Goldziffern ­
  der  4  ersten  Staaten  und  Gold  und  Silber  für  China
und  Japan,  während  für  Indien  und  die  Straits  eine  Zusammenfassung ­
  beider  Metalle,  wie  später  darzulegen  ist,  nur
bedingt  erfolgen  kann.  Die  4  ersten  Silberziffern  geben  einen
Maßstab  für  die  Silberbewegung  Indiens.  Die  Silberziffer
der  Straits  ist  durch  die  in  dieser  Zeit  vor  sich  gehende
Währungsreform  so  groß.  Für  China  ist  in  diesem  Zusammenhang ­
  kein  Unterschied  zwischen  Gold  und  Silber  zu
machen.
Das  Ergebnis  der  Berechnung  stützt  die  erwähnte  Meinung ­
  von  den  relativ  starken  Edelmetallbewegungen  im
asiatischen  Verkehr  nicht  in  dem  Maße,  wie  man  wohl  erwartet ­
  hätte.  Für  China  trifft  die  Meinung  jedenfalls  zu,
auch  von  Indien  kann  man  sagen,  daß  seine  Goldzahl  von
nahezu  7%  des  Außenhandels  unter  Berücksichtigung  des
außerdem  noch  vorhandenen  Silberverkehrs  von  6,l°/ 0  sehr
hoch  ist,  während  die  Zahlen  der  Straits  und  Japans  nicht
sonderlich  von  europäischen  Verhältnissen  abweichen,
Schwierigkeiten  bei  der  Vergleichung  macht  übrigens  die
Frage,  welche  der  vier  nichtasiatischen  Goldzahlen  der  Tabelle ­
  als  Maßstab  genommen  werden  soll,  England  scheidet

1|  Dieselben  Jahre  wie  in  Tabelle  Seite  8  und  Berechnung  nach
den  dort  verzeichneten  Quellen,
2)  Einschließlich  Erze,
3)  Silber  ohne  Bedeutung,
        <pb n="14" />
        10

hierbei  wegen  seiner  besonderen  Stellung  von  vorneherein
aus.  Zu  beachten  ist  der  geringe  Goldverkehr  Deutschlands.
Was  die  bisherige  privatwirtschaftliche  Behandlung
der  asiatischen  Wechselkurse  angeht,  so  ist  die  Zahl  der  erschienenen ­
  Arbeiten  nur  gering;  sie  beschränken  sich  auf
die  eigentlichen  Währungsverhältnisse  oder  begnügen  sich
damit,  Kurszettel  wiederzugeben  und  zu  erläutern,  die  nicht
in  allen  Fällen  asiatische  Originale  sind.  Lediglich
Schmalenbach *  2 )  geht  auch  auf  die  Wechselkurse  als
solche  und  auf  ihre  Grundlagen  näher  ein,  ohne  jedoch  eine
durchgreifende  Untersuchung  anzustellen,  während  Manisch ­
 3  4 )  namentlich  Paritätsberechnungen  gibt.

2.  Gemeinsame  äußere  Erscheinungen  der
asiatischen  Kurse.

Die  Formen,  in  denen  die  hiesigen  Zeitungen  die  asiatischen ­
  Kurs-Notizen  veröffentlichen,  gehen  aus  der  folgenden ­
  Zusammenstellung,  die  die  wichtigsten  deutschen  und
einige  ausländische  Blätter  umfaßt,  hervor*).
Kölnische  Zeitung  (1,  Morgenausgabe;  Notiz  tägl.).
Hamburg.  Asiatische  Wechselkurse.  Tel,  Transfers  ;  Bombay
1s  4d,  Kalkutta  1s  4d,  Hongkong  1s  9 7 /isd.  Schanghai  1s  4 6 /ied.
Jokohama  2s  r, / lR d.  Singapore  2s  4 3 /: ä2 d.  Manila  2s  5 /ißd.
\
Außerdem  bringt  die  Kölnische  Zeitung  seit  Februar  1911
in  ihrer  Mittagsausgabe  noch  folgende  Notiz,  und  zwar  nur
dann,  wenn  sich  die  Kurse  ändern:

11  Siehe  die  in  den  Fußnoten  angegebene  Literatur.
2)  Schmalenbach,  Münzverhältnisse  in  Hinterindien  und  Ostasien, ­
  Deutsche  Handelsschul-Lehrer-Zeitung  1904.
3)  Hanisch,  Die  Technik  des  Handels  in  Rothschilds  Taschenb.
4)  Siehe  auch  Mahlberg,  Die  Nachrichtengrundlagen  des  Devisenmarkts. ­
  Zeitschrift  f.  handelswissenschaftliche  Forschung,  7.  Jahrg,
S.  516  ff.
        <pb n="15" />
        11

Hamburg,  23.  Febr,  Asiat.  Wechsel.  (90  Tage  Sicht):  Hongkong ­
  (1s  10 13 /ied)  1,9474  Jl  für  1  $.  Schanghai  (2s  6 IB /i f ,d)  2,637a  Jl
für  1  Tael.  Tientsin  (2s  87ied)  2,7674  M.  für  1  Tael.  Jokohama
u,  Kobe  (1s  ll 18 /iad)  2,03 3 / 4  für  1  Yen,  Singapore,  Penang,
Malacca.  Ipoh,  Kuala  Lumpur  und  Johore  (2s  3'7i6d)  2,35 3 /4  Jl
für  1  $.  Bombay,  Kalkutta,  Madras,  Colombo  und  Rangoon
(1s  3 3 /id)  1,347b  für  1  Rupie,

Kölnische  Volkszeitung  (Mittagsausgabe;  Notiz
täglich),

Ueberseelsche  Wechselprelse  auf  London.

Valparaiso,  16.  Aug.,  90  T.  P,  10 6 /s
Rio  de  Janeiro,  16.  Aug..  90T,P,16 5 /i6
Singapore,  16.  Aug,*),  Sh.  2,4 3 /sa
Penang,  16.  Aug.*),  Sh.  2,4 3 / 3 a
Bombay,  16.  Aug.’),  Sh,  1.4

Kalkutta,  16.  Aug.*),  Sh.  1.4’/ss
Hongkong,  16.  Aug,*),  Sh.  1.9 3 /s
Schanghai,  16.  Aug."),  Sh.  2.4°/ic
Jokohama  16.  Aug.*),  Sh,  2.0 s /s
*)  telegraphische  Auszahlung.

Frankfurter  Zeitung  (1.  Morgenblatt;  Notiz  tägl.).

m  London,  5.  März  4.02  N.  Wechsel  a.  London  (in  sh  u,  d).
Bombay  .  I  1  sh  473s  d  I  Calcutta  .  I  1  sh  4 1 /sed  I  Honkong  .  IlshllVsd
Shanghai.  12  sh  8 3 /s  djSingapore  |2  sh  4 1 /ied|  Yokohama12  sh  Vad

Berliner  Börsenzeitung  (Morgenausgabe;  Notiz
täglich).

—  Kurse  für  telegraphische  Auszahlungen.
Die  Deutsch-Asiatische  Bank,  hier,  empfing  gestern
Drahtmeldungen  folgender  Kurse  für  telegraphische
Auszahlungen  (telegraphic  transfer)  auf  London  bezw.
Deutschland:  Schanghai  2  sh.  4 3 / 8  d.  =  2,42  M,
Hongkong  1  sh.  9 3 /b  d,  =  I.sbV^  Singapore  2  sh.
47is  d.  =  2,397a  Jl,  Kalkutta  1  sh,  4  d.  =  1,367s
Yokohama  2  sh.  3 /b  d.  =  2,ob  Jl,

Gelegentlich  findet  sich  seit  einiger  Zeit  hierbei  auch
eine  Notiz  von  Bangkok,  so  z.  B.  im  März  1913  Auszahlung
auf  London  1  sh  6 3 / 8  d  =  1.56 1 /*  M,
        <pb n="16" />
        12

Hamburgischer  Correspondent  (Morgenausgabe; ­
  Notiz  täglich).

Ueberseeische  Wechselkurse.
Ostasiatische  Wechselkurse  auf  London.
(Telegramme  der  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking  Corporation.)

Tel.  Transf,:
Bombay  .  .
Calcutta  .  .
Hongkong
Shanghai  .  .
Yokohama
Singapore  .  .
Manila  .  .  .

22.

21.

sh  d

sh  d

1  4

1  4

1  4*/sa

1  4'/oä

1  9 7 /ie

1  9-Vs

2  4%

2  4 7 /is

2  a /s

2  Vs

2  4 s /sa

2  4V»,

2  Ve

2  Vs

4  Mt.  Sicht:
Hongkong
Shanghai  .  .
Yokohama
3  Mt,  Sicht;
Singapore
4  Mt.  Sicht;
Manila  .  .  ,

22,

21.

sh  d

sh  d

1  9 7 /s

1  9’V.e

2  5

2  4 15 /.e

2  13 Ae

2  ‘»/.e

2  4%

2  4%

2  ‘»/ae

2  ‘»/re

Außerdem  bringt  der  Hamburgische  Correspondent  als  einzige ­
  deutsche  Zeitung  seit  kurzer  Zeit  folgende  Notizen:

Hongkong,  20.  Februar.  Wechselkurs  auf  London  4  Monat
Sicht  Bankwechsel  24V8  d.
Shanghai,  20.  Februar,  Wechselkurs  auf  London  4  Monat
Sicht  Bankwechsel  34Vs  d,
Bombay,  21.  Februar.  Wechselkurs  auf  London  3  Monat  Kreditbillets
  1  sh.  4 6 /ie  d.
Calcutta,  21.  Februar.  Wechselkurs  auf  London  6  Monat  Kreditbillets
  1  sh,  4 16 /aa  d.

Die  Hamburger  Nachrichten  bringen  täglich
dieselbe  Notiz  der  Hongkong  and  Shanghai-Bank  und  außerdem ­
  in  ihren  Warenmarkt-Preisberichten  aus  dem  Osten
gelegentlich  direkt  übermittelte  Kurse,  z.  B.;

Hongkong,  6.  Januar.
Importen  ;
Manchesterwaren  ;  Fest,
Shirtings  8‘A®  4.40  $
22/24  Water  Twist  1.60  ,,
28/32  Western  Twist  1.80  „
Shanghai,  6.  Januar.
Importen;
Manchesterwaren:  Ruhig.
Dewhursts  Shirtings  8‘/i®  3.45  T
7  U  Mexican  T.-Cloths  2.50  „

Exporten:
Tee.  Total-Export  bis  dato—8
Wechselkurs  auf  London  4Mt.
Bankwechsel  21  3 /*  d,
Exporten:
Seide;  Fest.
Tsatless  best  chopNr.3  4.30TaeIs
Vorrat  unverkaufter  2000  Ballen
Wechselkurs  auf  London  4  Mt,
Bankwechsel  28 7 /s  d.

Bombay,  7.  Januar.  Baumwollmarkt:  Ruhig  aber  stetig.
Verschiffungen  der  letzten.  Woche  16.000  Ballen.
Wechselkurs  auf  London  3  Mt,  Kreditbillets  1  s  4 5 /i»  d.
        <pb n="17" />
        13

Calcutia,  7.  Januar.
Rup,  pr,  Ball.  Rup.  pr.  Maund
Jute  Cracks  loko  32 s /«  Ktr.  |  Leinsaat  (kl,  Saat)  7%
do.  Janr.-Verschiff  337s  bz.  Raps  (braun,  Patna)  —
Salpeter  pr.  Maund  7%  (Reis  (Ballam)  47s
Wechselkurs  auf  London  6  Mt.  Kreditbillets  1  »  47m  d.
Fracht  fest.
Für  Bremen  bringt  die  Weser-Zeitung  täglich  die
Notizen  der  Hongkong  and  Shanghai  Banking  Corporation
in  derselben  Form  wie  der  Hamburgische  Correspondent.
The  Times  (Notiz  täglich).
MONEY  MARKET.

FOREIGN  EXCHANGES.

—

August  18.

August  19.

August  21,

Paris,  cheques  ....

25f.  267i-7'/*c.

25f.  26'U-l'iC.
3°/o

25f.  26 3 /*-7 3 / lC .

Do.,  Bank  Rate  .  .  .

3 ( ’/o

3%

Do,,  Mkt.  Discount  .

27%

27%

27%

Bombay,  T.T

1s.  4d.

1s.  47‘jd,

1s.  4d.

Calcutta,  T.T

!s.  4d.

1s.  4d,

1s,  47sd.

Hong-kong,  T.T.  .  .  .

1s,  97d.

1s.  97d.

1s,  9 3 „d.

Shanghai,  T.T
Singapore,  T.T

2s,  4 3 «d.

2s.  47d.

2s.  4 7 i«d.

2s.  4 s s 2 d.

2s.  47-d,

2s.  4 3 s2 d.

Yokohama,  T.T.  .  .  .
Alexandria

2s.  07d.

2s.  07d.

2s.  07d.

Pi.  97 3 e

Pi.  97  7

Pi,  977

'Rio  de  Jan.,  90  dys.
"Valparaiso,  90  days.

16  1  l-64d.

16  ll-64d.

16  ll-64d.

Bank

107d.

10% 2 d,

lO'bed.

'B.  Aires,  90  days  .  .

487d,

487d.

487d,

'Montevideo  90  dys  .

517d.

517d,

517d.

‘These  rates  are  telegraphed  on  the  day  preceding  1

reir  receipt.

The  following  were  the  buying  rates  on  the  East
yesterday:—

Drawn  on

Demand.

30  days’
sight.

60  days'
sight.

90  days’
sight.

Bombay  Calcutta,  2

s.  d.

s.  d.

s.  d.

s.  d.

Colombo,  Madras  |

Karachi,  and  Delhi

1  4

1  3%e

1  3 27 S2

1  3 3 &amp;lt;

Rangoon  '

Yokohama  and  Kobe  $

2  07

2  0&amp;lt; 8

2  0

1  117

fl.  c.

fl.  c.

fl.  c.

fl.  c.

Batavia  and  Surabaya  i

12  10

12  16

12  22

12  28

s.  d.

s,  d.

s,  d.

s.  d.

Singapore  and  Penang  $

2  4

2  3 16 m

2  3 16 io

2  3 11 !«

Hong-kong

1  97

1  9

1  87

1  87

Shanghai

2  4 s io

2  4

2  3 13 m

2  37

Tientsin  .  ,  ,

1  5 ll ie

2  57

2  5 ü iß

2  5&amp;gt;,
        <pb n="18" />
        14

L  e  T  e  m  p  s  (Notiz  täglich).
Londres,  18  aoüt.
Changes:  Calcutta  1  sh.  4  den.;  Bombay  1  sh,  4  den.;
Hong-Kong  1  sh.  9  3/8  d,;  Shanghai  2  sh.  4  3/8  d.;
Yokohama  2  sh.  0  3/8  den.;  Valparaiso  10  3/4  den.;
Singapour  et  Penang  2  sh.  4  3/32  den.
Außerdem  findet  sich  in  der  Spalte  „Cours  du  Paris"
dieser  Zeitung  noch  folgende  Notiz:

Saigon;  piastres  com'  2  42,/,

Nach  der  Herkunft  lassen  sich  drei  Arten  von  Notizen
unterscheiden.  Ein  Teil  der  Zeitungen  wird,  wie  ausdrücklich ­
  dabei  erwähnt  ist,  von  der  Deutsch-Asiatischen  Bank,
Berlin,  ein  anderer  Teil  von  der  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking ­
  Corporation,  Filiale  Hamburg,  regelmäßig  mit  den  asiatischen ­
  Notizen  bedient.  Eine  dritte  Gruppe  bezieht  die
Kurse  direkt  oder  indirekt  von  Reuters  Büro  in  London;
Frankfurter  Zeitung,  Kölnische  Volkszeitung,  Le  Temps,  Die
Notizen  der  Kölnischen  Zeitung  für  Auszahlungen  rühren
anscheinend  auch  von  der  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking
Corporation  her,  wenigstens  deuten  die  Ortsangabe  Hamburg ­
  und  die  Reihenfolge  und  Auswahl  der  notierten  Plätze
darauf  hin.  Die  Deutsch-Asiatische  Bank  erhält  ihrerseits
die  Kurse  auch  nur  via  London,  und  dasselbe  dürfte  bei  der
Hamburger  Filiale  der  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking  Corporation ­
  der  Fall  sein.  (Eine  Auskunft  hierüber  lehnte  letztere ­
  Bank  ab.)  Sieht  man  von  den  erst  seit  kurzer  Zeit  veröffentlichten ­
  vier  direkten  Telegrammen  des  Hamburgischen
Correspondenten  und  von  der  unbedeutenden  Notiz  in  den
Warenmarktberichten  der  Hamburger  Nachrichten  ab,  so
ergibt  sich  die  bemerkenswerte  Tatsache,  daß  von  Asien
kein  Wechselkurs  direkt,  vielmehr  nur  auf  dem  Umwege
über  London  nach  Deutschland  gelangt  und  daß  vor  allem
die  meisten  hiesigen  Kursveröffentlichungen  insoweit  bankabhängig ­
  sind,  als  den  Zeitungen  keine  Kontrollmittel  für
die  Richtigkeit  der  Kurse  zu  Gebote  stehen.  Für  die  Presse
hat  die  Methode  den  Vorzug  der  Billigkeit,  da  kaum  anzunehmen ­
  ist,  daß  die  Kursmitteilungen  der  Banken  honoriert
        <pb n="19" />
        15

werden.  Angesichts  des  weiteren  Umstandes,  daß  Mark-Notizen
  überhaupt  nicht  nach  hier  gelangen  -—  die  Notizen
der  Deutsch-Asiatischen  Bank  sind  Umrechnungen  der
Notizen  auf  London  mit  der  Croßrate  Berlin-London  —,
kann  man  sagen,  daß  unsere  Handelspresse  hier  nicht  das
leistet,  was  man  im  allgemeinen  von  einer  Kursnotiz  erwartet. ­

Es  mag  sein,  daß  der  bisherige  Zustand  dem  Maß  von
Interesse,  das  einstweilen  die  hiesige  Handelswelt  an  den
asiatischen  Wechselkursen  hat,  entspricht,  für  die  Zukunft
dürfte  sich  aber  das  Verhältnis  verschieben,  wenn  nicht  dieser ­
  Fall  bereits  eingetreten  ist.  Zum  mindesten  müßten  aber
die  bankabhängigen  Kurse  verschwinden  und  durch  die  Londoner ­
  Reuter-Kurse  ersetzt  werden.  Da  das  Wolff-Büro  im
Nachrichtenaustausch  mit  Reuters  Büro  steht,  so  bedarf  es
dazu  nur  einer  Anregung  durch  die  Zeitungen,  Auch  eine
direkte  Nachrichtenvermittlung  von  Asien  her  ließe  sich
ohne  große  Unkosten  einrichten,  da  durch  die  Anwendung
von  zu  diesem  Zwecke  angefertigten  Telegraphen-Codes
und  durch  die  Einführung  einer  Art  von  Sammeldepesche
die  relativ  hohen  Gebühren  bedeutend  herabgemindert  werden ­
  könnten.  Die  Sammeldepesche  ist  so  gedacht,  daß  die
Kurse  sämtlicher  asiatischen  Plätze  zunächst  nach  einem
asiatischen  Platze,  etwa  Singapur,  gekabelt  werden,  von
dort  als  ein  Telegramm  nach  Hamburg  bezw,  dem  Kabelanlaufplatz ­
  gelangen  und  von  da  aus  an  eine  Reihe  von  Zeitungen ­
  und  Banken  verteilt  werden.  Welcher  asiatische
Platz  als  Sammelstelle  gewählt  würde,  müßte  eine  Gebühren-Arbitrage
  *)  ergeben.

1)  Die  Telegrammgebühren  in  Franken  Währung  betrugen  1912;

Hongkong ­


Shanghai ­


Manila

Kalkutta ­


Singapur ­


Yokohama ­


Deutschland ­


Hongkong

,

—.80

1,05

3.—

2.45

2,35

5.50

Shanghai

—.80

.

1.85

3.—

3.—

1,20

5,50

Manila

1.05

1.85

&amp;lt;

4.05

3.50

3.90

5.50

Kalkutta

3.—

3.—

4,05

(

2.32 5

5,05

2.50

Singapur

2,45

3,—

3,50

2.32 5

.

5.05

4.37 5

Yokohama

2,35

1.20

3,90

5.05

5.05

.

6,05

Deutschland

5.50

5.50

5.50

2.50

4.37 5

6,05

—.—

15,15

15,35

19,85

19.92 5

20.70

23,60

29,42 5

Danach  käme  Hongkong  als  Vermittlungsplatz  in  Frage,
        <pb n="20" />
        16

Bei  der  vorliegenden  Untersuchung,  die  sich  auf  die
Jahre  1907—1910  erstreckt,  standen  Originalkurse  aus
Asien  nicht  zur  Verfügung,  es  mußten  deshalb  die  Notizen
hiesiger  Zeitungen  herangezogen  werden.  Gewählt  wurden
die  Veröffentlichungen  der  Berliner  Börsenzeitung,  da  es
sich  dabei  um  die  Notizen  einer  deutschen  Bank  handelte
und  da  zunächst  angenommen  wurde,  daß  auch  die  Mark-Notizen
  Originale  seien.  Aus  der  Art  der  Veröffentlichung
geht  nicht  hervor,  daß  es  sich  lediglich  um  Umrechnungen ­
  der  pence-Notiz  handelt,  es  sei  denn,  daß  man  dem
Zeichen  =  diese  Bedeutung  beilegte.  Erst  nachdem  die
Kurse  der  behandelten  Plätze  auf  London  und  Deutschland
für  die  Jahre  1907—1910  in  Diagramme  gebracht  waren,  ergab ­
  sich,  daß  die  Differenz  der  telegraphic  transfer  Notiz
auf  London  und  der  telegraphic  transfer  Notiz  auf
Deutschland  jeweils  an  allen  asiatischen  Plätzen  gleich
war.  Stand  z.  B.  an  irgend  einem  Tage  der  Kurs  auf
Deutschland  in  Singapur  1  °/ 00  vom  Pariwert  gerechnet  über
dem  Kurs  auf  London,  so  stand  der  deutsche  Kurs  an  diesem ­
  Tage  auch  in  Kalkutta,  Yokohama  etc.  1  °/ 00  über  dem
englischen  Kurs,  ganz  gleichgültig,  ob  nun  die  beiden  Singapur-Kurse ­
  hoch  und  die  beiden  Yokohama-Kurse  niedrig
lauteten.  Oder  waren  etwa  in  Singapur  der  deutsche  sowohl ­
  wie  der  englische  Kurs  gleich  weit  von  der  Parität  entfernt, ­
  dann  war  auch  in  Kalkutta,  Yokohama  etc,  der  deutsche ­
  Kurs  soweit  von  der  Parität  entfernt  wie  der  englische,
gleichgültig  ob  nun  über,  unter  oder  auf  Pari.  Oder  ein
drittes  Beispiel:  stieg  in  Yokohama  der  englische  Kurs  über
den  deutschen,  so  stieg  auch  in  Singapur,  Hongkong,  Kalkutta ­
  etc,  der  englische  Kurs  genau  soviel  über  den
deutschen.
Es  war  also  hier  eine  für  alle  asiatischen  Plätze  gleichmäßige ­
  Bewegung  vorhanden,  die  sich  nach  dem  deutschenglischen ­
  Wechselkurs  zu  richten  schien.
Eine  unter  Hinweis  auf  diese  Beobachtung  an  die
Deutsch-Asiatische  Bank  gerichtete  Frage  ergab  dann,  daß
es  sich  nur  um  eine  Umrechnung  handelte.  Trotzdem  ist
auch  die  Mark-Notiz  in  den  anliegenden  Diagrammen  beibehalten ­
  worden,  da  es  sich  um  die  an  sich  interessante
        <pb n="21" />
        17

Darstellung  eines  Wechselkurs-Dreiecks  handelt  und  da  ferner ­
  die  tatsächlich  drüben  in  Geltung  gewesenen  Kurse
kaum  viel  anders  gelautet  haben  (siehe  Teil  II,  7).
Die  für  die  Untersuchung  in  Frage  kommenden  Silbernotierungen ­
  sowie  der  Londoner  Privatdiskont  für  die  Jahre
1907—1910  wurden  gleichfalls  der  Berliner  Börsenzeitung
entnommen.  Außerdem  wurden  für  das  Jahr  1910  die  Notizen ­
  der  Hamburger  Nachrichten,  also  die  Kurse  der  Hongkong ­
  &amp;amp;  Shanghai  Banking  Corporation,  zur  Kontrolle  der
Notierungen  der  Deutsch-Asiatischen  Bank  und  zur  Untersuchung ­
  der  langen  Sichten  herangezogen.
Es  wurden  mithin  untersucht  die  Kurse  für  telegraphische ­
  Auszahlungen  (telegraphic  transfer,  abgekürzt  t.  t.)  in
London  von  Shanghai,  Hongkong,  Singapur,  Kalkutta  und
Yokohama  für  die  Jahre  1907—1910,  ferner  die  langen
Sichten  dieser  Plätze  für  das  Jahr  1910,  das  Verhältnis  der
t,  t,  Notiz  in  Kalkutta  zu  derjenigen  in  Bombay,  das  Verhältnis ­
  der  Kurse  der  Deutsch-Asiatischen  Bank  zu  den
Kursen  der  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking  Corporation,
gleichfalls  im  Jahre  1910,  und  die  Mark-Notizen.  Nicht
untersucht  wurde  die  nur  von  der  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai
Banking  Corporation  veröffentlichte  t.  t.  Notiz  von  Manila.
Bei  den  unter  den  langen  Sichten  der  Kölnischen  Zeitung ­
  seit  kurzer  Zeit  aufgeführten  weiteren  asiatischen
Plätzen  handelt  es  sich  nicht  um  besondere  Notizen,  vielmehr ­
  sind  zu  den  eigentlichen  Kursplätzen  noch  die  Plätze
hinzugefügt,  für  die  die  Kurse  ebenfalls  Geltung  haben
könnten,  also  zu  Yokohama  noch  Kobe,  zu  Singapur  noch
Penang,  Malacca,  Ipoh,  Kuala  Lumpur  und  Johore,  zu  Kalkutta ­
  noch  Bombay,  Madras,  Colombo  und  Rangoon.  Hinsichtlich ­
  der  zwar  selbständigen,  aber  erst  seit  Februar  1911
erscheinenden  langen  Notiz  von  Tientsin  dürfte  es  sich  um
ähnliche  Verhältnisse  wie  zwischen  Hongkong  und  Shanghai
handeln,  wovon  noch  die  Rede  sein  wird.  Im  übrigen  sind
diese  langen  Sichten  der  Kölnischen  Zeitung  keinesfalls
Originalkurse  aus  Asien,  sondern,  wie  auch  die  langen  Sichten ­
  der  Times,  offenbar  Offerten  einer  Bank.
Die  Zeitungsnotizen  beschränken  sich,  mit  Ausnahme
der  auch  sonst  ausführlicheren  langen  Sichten  in  der  Kölni-Mahlberg,
  Asiatische  Wechselkurse.  2
        <pb n="22" />
        18

sehen  Zeitung,  auf  die  Wiedergabe  des  pence-  bezw.  Mark-Betrages,
  ohne  die  asiatische  Währungseinheit,  die  bei  der
hier  vorliegenden  indirekten  Notierungsmethode  streng  genommen ­
  den  Preis  darstellt,  zu  nennen.  Beim  Lesen  sind
die  Notizen  wie  folgt  zu  ergänzen:

T.  T,  Kursevom  20,  August  1911.
Schanghai  2  sh  4 s / 8  d  =  M,  2,42  =  1  Schanghai  Tael,
Hongkong  1  sh  9 3 / g  d  =  M.  l,82 1 / 2  =  1  Hongkong  Dollar,
Singapur  2  sh  47x6  d  =  M,  2,39 1 / 2  =  1  Straits  Dollar,
Kalkutta  1  sh  4  d  =  M.  LSö 1 ^  =  1  Rupie,
Yokohama  2  sh  3 / g  d  =  M,  2,08  =  1  Yen,
Die  Notizen  bedeuten,  daß  für  die  bare  Hingabe  einer
asiatischen  Einheit  an  dem  betreffenden  asiatischen  Platze
die  telegraphische  Auszahlung  eines  entsprechenden  Schilling-Betrages ­
  in  London  bezw.  Mark-Betrages  in  Deutschland ­
  erkauft  wird.
Da  telegraphische  Auszahlung  in  London  und  Barzahlung ­
  in  Asien  hinsichtlich  der  Fälligkeit  als  gleich  zu  bewerten ­
  sind,  so  läßt  sich  die  indirekte  Notiz  ohne  weiteres
als  direkte  Notiz  benutzen;  man  kann  also  sagen:  1  Hongkong ­
  $  notiert  l/9 3 / g ,  sodaß  keine  Umdeutung  erforderlich
ist  und  man  die  in  den  hiesigen  Zeitungen  mitgeteilten  Kurse
so  lesen  kann,  als  ob  es  sich  um  in  London  oder  Deutschland ­
  getätigte  Notierungen  auf  die  asiatischen  Plätze  handele. ­
  Trotzdem  diese  Form  geläufiger  und  anschaulicher
ist,  wird  es  aber  im  folgenden  daneben  sehr  oft  notwendig
sein,  die  t,  t.  Kurse  indirekt  und  von  Asien  her  als  Ausgangspunkt ­
  zu  betrachten.
Die  indirekte  Methode  der  Wechselkursnotierung,  auch
Warennotiz  (da  man  für  die  inländische  Einheit  viel  oder
wenig  ausländisches  Geld  erhält),  oder  Notiz  mit  der  festen
Valuta  im  Inland  genannt 1 ),  hat  das  Besondere,  daß  ein
Billigerwerden  des  Wechselkurses  in  einem  Steigen  der
Kurszahl  und  eine  Verteuerung  in  einem  Sinken  der  Notiz
zum  Ausdruck  kommt,  indem  man  z,  B.  für  1  Tael  mehr
bezw,  weniger  Shillinge  und  Pence  erhält.  Sieht  man  eine
der  asiatischen  Notizen  von  Europa  aus  an,  so  bedeutet  ein
1)  Siehe  auch  Manisch,  Die  Lehre  von  der  Technik  des  Handels, ­
  Rothschilds  Taschenbuch  S,  784.
        <pb n="23" />
        19

Steigen  des  Shilling-  oder  Mark-Betrages  dagegen  ein
Teurerwerden  des  Wechselkurses;  man  muß  mehr  Mark
aufwenden,  um  1  $  zu  erhalten.  Eine  Kursbewegung  von
2/4 3 / 16  auf  2/4 1 / g  für  Singapur  hat  somit  in  diesem  Zusammenhang ­
  zwei  entgegengesetzte  Bedeutungen:  von  hier  aus,
für  England  also,  ist  der  Kurs  um  1 / 18  d  günstiger,  für  Singapur ­
  Vied  ungünstiger  geworden.  Es  entspricht  hier  die  Art
der  Notierung  bereits  den  tatsächlichen  allgemeinwirtschaftlichen ­
  Verhältnissen,  da  bekanntlich  ein  für  das  Inland
günstiger  Wechselkurs  für  das  Ausland  in  gleichem  Maße
ungünstig  ist.  Man  kommt  auf  diese  Weise  mit  einer  einfachen ­
  Gleichung  aus,  während  bei  beiderseitiger  direkter
oder  beiderseitiger  indirekter  Notiz  die  Wechselkurse  hüben
und  drüben  nur  durch  eine  Proportion x )  zu  vergleichen
sind.
Die  Möglichkeit,  indirekte  Kurse  ohne  Umrechnung  als
direkte  Kurse  zu  lesen,  gilt  aber  nur  für  die  t,  t,  Notizen,
deren  Wert  sich  ohne  Zinsen  versteht,  und  nicht  für  die
langen  Sichten,  Zunächst  ist  die  Kurszahl  der  langen  Sichten ­
  stets  höher  als  diejenige  für  t,  t.,  da  man  bei  dem  Ankauf ­
  einer  90  Tage  Sicht-Tratte  auf  Deutschland  für  bare
Hingabe  einer  asiatischen  Einheit,  etwa  eines  Dollars,  wegen
des  Zinsverlustes  mehr  Mark  erhalten  muß,  als  wenn  man
telegraphische  Auszahlung,  eine  sofort  fällige  Forderung
erstände.  Da  bei  direkter  Notiz  aus  denselben  Gründen  der
lange  Kurs  niedriger  als  der  kurze  ist,  so  ergibt  sich  daraus,
daß  die  langen  asiatischen  Sichten  nicht  einfach  als  direkte
Notiz  in  der  Richtung  von  hier  nach  drüben  gelesen  werden
können,  vielmehr  müßte  rund  gerechnet  eine  in  Deutschland
erfolgende  direkte  Notierung  von  langer  Sicht  auf  Yokohama ­
  um  denselben  Betrag  niedriger  sein  als  t.  t,,  wie  er  in
Japan  höher  als  t.  t,  ist.
Will  man  sich  die  Kursbewegung  einer  langen  indirekten ­
  Notiz  nach  direkter  Methode  vorstellen,  etwa  zum  Vergleich ­
  mit  einer  anderen  direkten  Notierung,  so  muß  dies
in  der  Art  eines  Spiegelbildes,  etwa  nach  folgendem
Schema,  geschehen:
1)  Mahlberg,  Der  Kurs  des  Frankenwechsels,  Zeitschrift  f.  handelswissenschaftl.
  Forschung,  Bd.  III,  S,  405,
        <pb n="24" />
        —  20  —

O
o
Juli  13
o
Hierbei  ist  der  Einfachheit  halber  angenommen,  daß  die
5  t.  t.  Notizen  unverändert  geblieben  sind.
Im  asiatischen  Wechselgeschäft  lautet  die  hauptsächliche ­
  Einteilung  der  Kurse  nicht  kurze  und  lange  Sichten,
wie  das  in  Europa  die  Regel  ist,  sondern  Verkaufkurse  und
Kaufkurse,  oder,  nach  der  englischen  Ausdrucksweise,  selling ­
  rates  und  buying  rates.  Tatsächlich  ist  dies  aber  annähernd ­
  dieselbe  Einteilung,  da  bei  den  Verkaufssätzen
Auszahlung,  also  kurze  Sicht  die  wichtigste  Notiz  ist  und
Kaufkurse  fast  nur  für  lange  Sichten  notiert  werden.  Auch
im  europäischen  Verkehr  kennt  man  neben  dem  Durchschnittskurs ­
  Brief-  und  Geldkurse,  die  aber  dann  beide  für
kurze  und  für  lange  Sichten  festgestellt  werden,  während
man  in  Asien  für  t,  t.  nur  den  Briefkurs  und  für  lange  Sichten ­
  nur  Geldkurse  regelmäßig  notiert.  Das  hat  den  Nachteil, ­
  daß  man  beide  Sichten  nicht  ohne  weiteres  vergleichen
kann,  der  Abstand  der  veröffentlichten  Notizen  ist  im  Verhältnis ­
  zur  Zinsdifferenz  zu  groß.  Von  Bedeutung  ist  dieser ­
  Umstand,  wenn  man  die  absolute  Höhe  der  Zinsdifferenz ­
  beobachten  will,  während  ihre  relative  Gestaltung
dadurch  nicht  beeinträchtigt  wird,  da  der  Fehler  dauernd
und  durchschnittlich  in  gleichem  Umfange  bestehen  bleibt.
Sehr  beachtenswert  ist  dagegen  bei  dem  Mangel  jeder
Gegennotiz  in  Europa  die  Eigenschaft  der  Auszahlungskurse ­
  als  relativ  hohe  Verkaufkurse  und  der  langen  Sichten ­
  als  relativ  niedrige  Ankaufkurse  dann,  wenn  man  auf
Grund  der  asiatischen  Notizen  in  Europa  Geschäfte  in  asiatischen ­
  Wechseln  macht.  Eine  t.  t,  Notiz  von  M.  2,24  in
Schanghai  ist  als  Verkaufkurs  (Briefkurs)  zu  teuer,  da  die
Schanghaier  Banken  einen  Ankauf  von  t.  t.  nur  zu  einem
billigeren  Satze  vornehmen  würden.  Nimmt  man  den  Aufschlag ­
  mit  1  Pfg,  an,  so  könnte  ein  gedachter  Durchschnittskurs ­
  auf  2,24 1 / 2  M.  lauten,  da  bei  der  indirekten  Notiz  ein

-O  o—
14.  15.

16.

indirekte  lange  Sicht,
kurze  Sicht  [t.  t.]
direkte  lange  Sicht,
        <pb n="25" />
        21

Billigerwerden  eine  Erhöhung  der  Kursziffer  bedeutet.
Kauft  man  in  Hamburg  zu  dem  veröffentlichten  Satze  von
M,  2,24  Tael-Auszahlung  auf  Schanghai,  so  kauft  man  relativ ­
  billig,  jedenfalls  günstiger,  als  wenn  der  Gläubiger  in
Schanghai  seine  Forderung  auf  Hamburg  als  Mark-Auszahlung ­
  drüben  verkaufte.  Verkauft  man  dagegen  eine  Tael-Auszahlung
  auf  Schanghai  in  Hamburg  zur  Notiz,  so  fährt
man  relativ  schlecht.  Genau  dasselbe  Verhältnis  waltet  bei
den  langen  Sichten  ob,  die  als  Ankaufsraten  relativ  zu
niedrig  sind,  wie  sich  aus  folgendem  Beispiel,  bei  dem  die
Differenzen  zwischen  wirklicher  Notiz  und  gedachter  Durchschnittsnotiz ­
  mit  1 / 18  d  angenommen  ist,  ergibt.
Hongkong  auf  London.
4  Mte.  Sicht  .  l/9 13 /i«  [Ankaufkurs]
|  1/9 18 /i 6  Durchschnittskurs  teurer  I
t-  t  1/976
|  1/9  Durchschnittskurs  =  Via  teurer  |
4  Mte,  Sicht  in  London
direkt  notiert  l/8 15 /xe  [Ankaufkurs],
Wer  also  in  London  lange  Dollarwechsel  auf  Hongkong ­
  kauft,  bezahlt  relativ  wenig,  wer  verkauft,  erhält
wenig,  sodaß  damit  sowohl  hinsichtlich  der  t.  t.  Kurse  wie
der  langen  Sichten  bei  Zugrundelegung  der  asiatischen  Notizen ­
  in  Europa  stets  der  Ankauf  der  günstigere  Weg  ist.
Man  steht  sich  demnach  auch  hier  —  aber  nur  von  Europa
aus  —  wie  bei  den  europäischen  Wechselkursen,  was  die
einmal  festgestellten  und  veröffentlichten  Notizen  angeht,
beim  Remittieren  besser  als  beim  Trassieren 2 ).  Das  entspricht ­
  durchaus  den  wirtschaftlichen  Zuständen,  da  im
Verkehr  mit  dem  Osten  in  noch  viel  stärkerem  Maße  trassiert ­
  wird,  als  es  schon  bei  anderen  internationalen  Beziehungen ­
  üblich  ist.
Parallel  zu  der  Einteilung  der  asiatischen  Kurse  in
Kauf-  und  Verkaufraten  läuft  eine  Einteilung  in  Bank-Paper
  (Bank-Bills)  und  Private-Paper  (Private-Bills),  also
1)  In  Hongkong  nimmt  man  1/8  d  als  Marge  zwischen  An-  und
Verkaufsraten  an.
2)  Mahlt»  erg,  Der  Kurs  des  Frankenwechsels,  Zeitschr.  f.  handelswiss.
  Forschung.  Bd,  3,  S.  406.
        <pb n="26" />
        ytij&amp;amp;H

-  22  -
Bankwechsel  und  Warenwechsel,  wobei  erstere  das  hauptsächliche ­
  Material  für  Verkaufsraten,  letztere  für  Ankaufsraten ­
  bilden.  Die  Einteilung  wird  aber  nicht  immer  streng
durchgeführt,  vielfach  werden  für  Bank-  und  Warenwechsel
An-  und  Verkaufkurse  notiert.
Das  wichtigste  Objekt  der  Bank-Paper-  und  Verkaufraten-Gruppe
  ist  die  telegraphische  Auszahlung,  telegraphic
transfer,  die  modernste  Form  der  Verfügung  über  Auslandsguthaben, ­
  Die  t.  t.  Notiz  bildet  das  Rückgrat  der  vielgestaltigen ­
  asiatischen  Sichten.  Sie  ist  dazu  vor  allen  anderen ­
  Sichten  befähigt,  da  ihr  wegen  der  Einheitlichkeit
und  gleichmäßig  guten  Qualität  der  zugrunde  liegenden
Geschäftsabschlüsse  —  Gegenstand  der  Preisfestsetzung
sind  telegraphische  Überweisungen  asiatischer  Banken  an
Banken  in  Europa  und  Nord-Amerika  —  und  der  durch
keine  Zinsberechnung  behelligten,  bequemen  technischen
Handhabung  am  meisten  Marktcharakter  zusteht.  Hierzu
kommt  als  für  die  Preisbildung  besonders  bedeutsam  der
Umstand,  daß  Auszahlung  für  die  Banken  das  wichtigste
Mittel  ist,  um  über  freie  Beträge  in  Europa  zu  verfügen,
daß  also  die  „Spitzen",  die  sich  aus  dem  Devisenkonto  der
einzelnen  Bank  ergeben,  für  Angebot  und  Nachfrage  nach
t.  t.  wesentlich  entscheidend  sind,  und  somit  hier  die  letzte
Saldierung  stattfindet.
Dem  gegenüber  sind  die  vereinzelten  Ankaufnotizen
für  t,  t,  von  geringerer  Bedeutung.
Von  der  technischen  Seite  der  telegraphischen  Auszahlungen ­
  ist  zu  sagen,  daß  die  Kosten  der  Überweisung
zu  Lasten  der  Kommittenten  gehen  und  daß  der  Größe  der
Abschnitte  nach  beiden  Seiten  kein  Limit  gesetzt  ist,  was
auch  von  den  anderen  Sichten  gilt.
Zur  Gruppe  der  Verkaufkurse  bezw,  Bankwechsel  gehören ­
  auch  die  in  Bezug  auf  Marktfähigkeit  der  Auszahlung ­
  ähnlichen  Sichtwechsel  auf  Banken  in  Europa,  Amerika ­
  usw.,  Bank  bills  on  demand  genannt.  Ein  wichtiger
Zweck  dieser  Notiz  ist,  die  von  Europa  usw.  einlangenden,
in  europäischer  Währung  mit  dem  Vermerk  „Zahlbar  zum
Ziehungskurse  der  X-Bank  auf  Hamburg"  ausgestellten
Wechsel  mit  den  dortigen  Importeuren  in  Landeswährung
        <pb n="27" />
        23

abzurechnen,  Da  es  sich  dabei  um  Verkaulskurse  handelt,
ist  der  Umrechnungssatz,  den  der  Importeur  bezahlen  muß,
an  sich  bereits  hoch.  Man  wird  aber  weiter  nicht  fehlgehen,
wenn  man  annimmt,  daß  er  außerdem  noch  hoch  ist,  denn
da  alle  Banken  in  diesem  Falle  gleichmäßig  an  einem  hohen
Kurse  für  Bank  bills  on  demand  ein  Interesse  haben,  mag
bei  dem  Fehlen  jeder  offiziellen  Preisfestsetzung  oder
Preisveröffentlichung  leicht  der  freie  Wettbewerb  an  Wirksamkeit ­
  verlieren.  Kontrollieren  läßt  sich  das  von  hier  aus
nicht,  da  diese  Notizen  nicht  hierher  gelangen,  doch  scheint
folgendes  für  diese  Annahme  zu  sprechen.  In  einer  Fragebeantwortung ­
  von  drüben  wird  nämlich  gesagt,  daß  die
Preisdifferenz  zwischen  t.  t.  und  Sichtwechseln  der  Banken
wohl  meist  nach  dem  Londoner  Banksatz  sich  richte,  während ­
  nach  derselben  Quelle  die  Preisdifferenz  zwischen
kurzen  und  langen  Warenwechseln,  also  bei  schlechterem
Wechselmaterial,  sich  nach  dem  Londoner  Privatsatz
richte.
Den  Notizen  für  t.  t.  und  Bank  on  demand  gegenüber
kommen  die  zur  selben  Gruppe  gehörenden  Kurse  für  3  und
4  M/S.  Bankwechsel  weniger  in  Frage;  als  ausgesprochenes
Zahlungsmittel,  wie  t.  t.  und  on  demand,  sind  sie  nicht  zu
gebrauchen  und  als  Anlagepapiere  sind  die  dokumentierten
Warenwechsel  rentabler.  Langes  Bankpapier  wird  daher
wenig  abgegeben,  zumal  Londoner  Akzeptkommission  und
unter  Umständen,  so  in  Indien,  noch  ein  besonderer  Wechselstempel ­
  darauf  ruht.  Diese  Spesen  müssen  natürlich  im
Kurse  berücksichtigt  werden.
Die  andere  Hauptgruppe  sind  die  Ankaufraten,  die
sich  auch  dadurch  charakterisieren,  daß  es  sich  grundsätzlich ­
  um  lange  Sichten  und  um  Warenwechsel  (Private  Paper) ­
  handelt.  Es  wurde  bereits  erwähnt,  daß  die  gelegentlich ­
  notierten  Ankaufsraten  für  Bankwechsel  oder  für  kurze
Sichten  geringere  Bedeutung  haben.  Die  zu  der  zweiten
Hauptgruppe  gehörigen  Sichten  sind  ebenso  vielgestaltig  wie
die  Qualität  der  hierbei  umgesetzten  Wechsel,  Es  handelt
sich  um  die  Entnahmen  der  asiatischen  Exporteure  auf
Europa  etc,  (hauptsächlich  London),  die  von  diesen  an  die
Banken  verkauft  werden.  Man  unterscheidet  dabei  drei
        <pb n="28" />
        24

Klassen,  und  zwar  erstens  Wechsel,  die  gegen  Bankkredit
gezogen  sind,  kurz  Credits  genannt,  zweitens  Ziehungen
auf  Banken,  Bankiers  oder  auch  Warenhändler,  bei  denen
die  Verschiffungsdokumente  gegen  Akzept  ausgeliefert  werden, ­
  Documents  against  acceptance  oder  kurz  D/A  genannt,
und  drittens  Abgaben  auf  Kaufleute,  bei  denen  die  Dokumente ­
  gegen  Zahlung  ausgeliefert  werden,  Documents
against  payement  oder  kurz  D/P  genannt.  Vielfach  unterscheidet ­
  man  nur  die  beiden  letzten  Arten,  faßt  also  Credits ­
  und  D/A  zusammen;  auch  sonst  ist  die  Notiz  für  Credits ­
  und  D/A  häufig  gleich  hoch.  Die  Wechsel  mit  der  Vorschrift ­
  Dokumente  gegen  Zahlung,  die  D/P  Tratten,  haben
in  längerer  Sicht  einen  Unterwert  gegenüber  D/A,  da  sie
als  in  London  nicht  diskontierbar  bis  zur  Bezahlung  im
Portefeuille  der  Banken  bleiben  müssen  und  vielfach  die
Vorschrift  Dokumente  nur  gegen  Zahlung  durch  eine  geringere ­
  Qualität  der  Wechsel  bedingt  sein  wird 1 ).  Die
Preiseinbuße  gegenüber  D/A  schwankt;  in  Kalkutta  beträgt
sie  bei  3  und  4  Monate  Sicht  1 / 32  d,  für  6  Mts.-S.  1 / ie  d,
während  man  in  Yokohama  1 j i — 1 / 2 °/ 0  rechnet.  Kürzere
D/P  Wechsel  als  3  Mte,-S,  werden  dagegen  meist  zur  entsprechenden ­
  Rate  der  D/A  Wechsel  genommen.  Das  Normalpapier ­
  ist  die  D/A  Tratte.
Im  übrigen  ist  das  Trattenmaterial  aller  drei  Klassen
in  keiner  Weise  einheitlich.  Das  gilt  namentlich  von  der
inneren  Qualität  der  Wechsel,  sodaß  die  Preisbildung  sich
nicht  auf  vertretbaren  Papieren  aufbaut.  Die  Banken  reservieren ­
  sich,  wenn  sie  Wechsel  kaufen,  nur  das  Recht,
ihnen  nicht  zusagende  Stücke,  d,  h,  solche,  deren  Bezogener
nicht  paßt,  bei  der  Lieferung  zurückzuweisen,  während  auf
der  anderen  Seite  natürlich  zu  beachten  ist,  daß  die  veröffentlichten ­
  Notizen  keine  offiziellen  Kurse,  sondern
eigentlich  Offerten  sind,  deren  Höhe  von  Fall  zu  Fall  der
besonderen  Güte  einzelner  Wechsel  angepaßt  werden  kann.
Der  Größe  der  Abschnitte  ist  hier  noch  weniger  eine  Grenze

1)  So  die  allgemeine  Ansicht;  es  ist  aber  darauf  hinzuweisen,  daß
die  Zahlungsbedingungen  im  überseeischen  Großverkehr  meistens  durch
die  Usancen  der  betreffenden  Branche  bestimmt  werden.
        <pb n="29" />
        25

gesetzt,  vielmehr  handelt  es  sich  im  Gegensatz  zu  einer
börsenmäßigen  Preisbildung  als  Regel  um  krumme  Beträge,
so  wie  sie  fallen.  Auch  die  für  die  Kurse  geltenden  Sichten ­
  werden  nicht  streng  eingehalten;  falls  andere  als  die
beim  Geschäftsabschluß  vereinbarten  oder  offiziell  notierten ­
  Sichten  geliefert  werden,  wird  ein  besonderer  Kurs
zwischen  den  Beteiligten  festgesetzt,  jedoch  sind  längere
Papiere  als  6  Monate  Sicht  nicht  lieferbar.
Die  Zahl  der  Sichten  ist  außerordentlich  groß,  was  den
Marktcharakter  der  Umsätze  noch  mehr  einengt.  Notiert
werden  nur  Sichtwechsel  bezw.  Nach-Sicht-Wechsel,  und
zwar  einfache  Sicht,  30,  60,  90  Tage  und  3,  4  und  6  Monate
Sicht,  Wechsel  mit  vollständig  begrenzter  Laufzeit  kommen ­
  nicht  in  Frage,  Alle  Sichten  werden  für  London  stets
notiert,  während  für  andere  Plätze  bezw,  Länder  in  der
Regel  neben  Verkaufsätzen  für  t,  t.  und  Bank  on  demand
nur  ein  Kaufkurs  4  Mte.-S,,  für  Singapore  und  Kalkutta
3  Mte,-S,  veröffentlicht  wird.  Dem  entsprechen  die  von  der
Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking  Corporation  ausgehenden
hiesigen  Zeitungsnotizen,  während  die  langen  Kurse  der
Kölnischen  Zeitung,  die  anscheinend  einer  anderen  Quelle
als  die  t,  t.  Notizen  desselben  Blattes  entstammen,  den  Eindruck ­
  von  in  Hamburg  hergestellten  Kursen  machen,  da  sie
für  alle  asiatischen  Plätze  gleichmäßig  auf  90  T/S  basiert
sind.  Als  Offerten  einer  bestimmten  Bank  wären  diese  Notizen ­
  sehr  dankenswert,  nur  müßte  die  Bank  dabei  genannt
werden,  während  die  vorliegende  Art  der  Veröffentlichung
die  Form  eines  objektiven  Kursberichtes  hat.  Die  langen
Sichten  der  Times  sind  ähnlich  zu  bewerten.
Bei  der  Berechnung  der  Sichten  bedient  man  sich  an
allen  asiatischen  Plätzen  der  englischen  Methode,  man
rechnet  das  Jahr  zu  365  Tagen  und  die  Monate  nach  dem
Kalender.  Endlich  unterscheidet  man  in  Asien  Ready-(Kassa)
  Kurse  für  effektive  Lieferung,  mitunter  auch  Lieferung ­
  innerhalb  eines  Monats,  und  Forward-  (Termin)
Kurse  für  Abschlüsse  auf  Zeit,  etwa  „Credits  und  D/Acceptance
  6  Mte,-S.  1  Mt,  Forward“  oder  2  oder  3  Mte,  Forward. ­
  Forward-rates  sind  in  der  Regel  eine  Kleinigkeit
billiger  als  effektive  Lieferung;  nach  einer  Mitteilung  von
        <pb n="30" />
        26

drüben  bewirken  Geldversteifungen  in  London  mitunter  ein
Steigen  der  Forward-  über  die  Ready-Sätze.  Nach  Europa
gelangen  die  Forward-Sätze  nicht,  außerdem  werden  sie
vielfach  nicht  offiziell  bekannt  gegeben  und  haben  noch
mehr  die  Eigenschaft  der  Einzelvereinbarung 1 ),
Zur  gemeinsamen  Charakteristik  der  asiatischen  Wechselkurse ­
  gehört  die  im  Verhältnis  zum  Pariwert  außerordentliche ­
  Größe  der  üblichen  Kurszu-  und  Abschläge,
Während  im  europäischen,  etwa  dem  deutschen,  Verkehr
in  der  Regel  die  Preise  für  100  Währungseinheiten  mit
Preisstufen  von  5  Pfg,  gelten,  lauten  die  Notizen  in  Asien
auf  nur  eine  Währungseinheit,  die  Stufen  dagegen  auf  x / lß
bis  1 / 32  d  oder  x / 2 — x / 4  Pfg,  Dabei  handelt  es  sich  nicht
etwa  um  große  Einheiten  wie  das  Pfund  Sterling;  die
größte  Einheit  ist  der  Schanghai-Tael,  also  2—3  M,  Bei
der  Berliner  Notiz  für  100  Frs.-Scheck  Paris  machen  5  Pfg,
0,6°/ 00 ,  der  neuerdings  auftretende  Zu-  bezw,  Abschlag  von
2*/ 2  Pfg,  nur  0,3°/ 00  aus.  Für  die  asiatischen  Kurse  stellen
sich  diese  Sätze  wie  folgt:

Sterling-Kleinste


Preisstufe

0/00  der

Mark-Kleinste


Preisstufe

0/00  der

Parität

in  Pence

Parität

Paritat

in  Pfennig

Parität

Schanghai x )

2/6

Vre'

2,1

2,50

V«  '

1,0

Hongkong  x j

m

Vre

2,9

1,83

Vr

1.4

Singapore

2/4

Vre

2,2

2,38

1 U

1,1

Kalkutta

1/4

V  32

2,5

1,36

Vr

1,8

Yokohama

2/0,58

Vre

2,5

2,09

Vr

1,2

Für  sich  genommen  sind  Preisstufen  von  1 j Z2  penny
gewiß  klein,  die  nächst  kleinere  Einteilung  von  x / 64  d  läßt
sich  kaum  noch  übersehen,  aber  im  Verhältnis  zur  Höhe  des
ganzen  Preises  handelt  es  sich,  an  modernen  Verhältnissen
gemessen,  um  sehr  grobe  Skalen,  grob  auch  deshalb,  weil
das  wertvollste  Gut,  nämlich  Geld,  und  ferner  nicht  nur
einer  oder  der  andere  Abschluß,  sondern  der  ganze  Umsatz
eines  Tages  danach  abgeschätzt  wird.  Es  kann  keinem
Zweifel  unterliegen.daß  die  Feinheit  der  Preisbildung  hierdurch ­
  beeinträchtigt  wird  und  zunächst  privatwirtschaft-  1  2
1)  Siehe  auch  die  Rückseite  des  Kurszettels  von  Hongkong.
2)  Wegen  der  schwankenden  Silberparität  ist  hier  ein  rundes  Pari
gewählt.
        <pb n="31" />
        —  27  —
lieber  Nachteil  die  Folge  ist.  Die  meisten  von  drüben  auf
diese  Frage  erteilten  Antworten  bestreiten  einen  Nachteil,
man  hält  vielmehr,  „angesichts  der  ganz  anderen  Geschäfte,
solche  minimalen  Unterschiede  wie  in  Deutschland  nicht
für  denkbar".  Wie  aber  allgemein  der  extensive  Charakter
des  asiatischen  Geschäfts  immer  mehr  nachläßt  und  die
exotischen  Gewinnzuschläge  aufgehört  haben,  so  wird  auch
hier  auf  die  Dauer  eine  Änderung  eintreten  müssen,  was
sich  aus  folgender  Antwort  aus  Kalkutta  ableiten  läßt;  „Die
hiesigen  Kurszu  resp.  -abschläge  betragen  für  die  Rupie
1 / 32  d  =  1 / 6 °/ 0  des  resp,  Gegenwerts  in  anderen  Währungen,
Da  die  Differenz  allgemein  streng  eingehalten  wird  und
jeder  Beteiligte  damit  kalkuliert,  so  kann  diese  im  Verhältnis ­
  zum  Wert  groß  erscheinende  Differenz  kaum  als
störend  für  die  genaue  Preisbildung  bezeichnet  werden,  obgleich ­
  zugegeben  werden  muß,  daß  bei  der  heutigen  scharfen ­
  Konkurrenz  der  die  Arbitrage  betreibenden  Banken
Kurswechselgeschäfte  nur  unter  Konzessionen  möglich  sind
und  dadurch  häufig  1 / 32  d  zugestanden  werden  muß,  was  oft
den  Gewinn  aus  solchen  Kurswechselgeschäften  illusorisch
macht,  da  es  sich  ja  bei  dem  Nachlaß  von  1 / 32  d,  wie  oben
angegeben,  gleich  um  1 / B °/ 0  handelt,“
Es  ist  auch  nicht  ausgeschlossen,  daß  die  nach  hiesigen
Verhältnissen  großen  Kursschwankungen  Asiens  —  siehe
Diagramme  —  zu  einem  Teil  wenigstens  durch  die  zu
wenig  feinen  Preisstufen  bedingt  sind.  Wenn  der  Frankenkurs ­
  in  Berlin  und  der  Pfund-Sterlingkurs  in  Yokohama
auf  Pari  stehen  und  auf  beiden  Plätzen  kurssenkende  Momente ­
  von  verhältnismäßig  gleicher  Stärke  auftreten  —
etwa  ausreichend  um  den  Pariser  Kurs  um  eine  Stufe  herabzusetzen ­
  —  so  ist  nicht  anzunehmen,  daß  in  Yokohama  der
Kurs  wegen  der  größeren  Preisstufe  stehen  bleibt,  vielmehr
wird  auch  hier  der  sinkenden  Tendenz  durch  den  geringst
möglichen  Abschlag  Rechnung  getragen  werden.  Wiederholt ­
  sich  dasselbe  am  folgenden  Tage,  so  beträgt  das  Agio
der  Währung  in  Japan  bereits  5°/ 00 ,  in  Berlin  erst  1,2  oder
gar  nur  0,6% 0 .  Exakt  beweisen  läßt  sich  das  natürlich  nicht,
aber  ganz  unwahrscheinlich  dürfte  der  behauptete  Mangel
nicht  sein;  den  darin  liegenden  allgemeinwirtschaftlichen
Nachteil  spürt  natürlich  auch  der  Einzelne,
        <pb n="32" />
        28

Im  übrigen  ergibt  sich  aus  der  mitgeteilten  Tabelle,
daß  die  Markpreise  zwar  feiner  eingeteilt  sind  als  die
pence-Sätze,  was  mit  dem  Unterschied  in  den  Größen  der
kleinsten  Einheiten  zusammenhängt,  daß  aber  auch  sie  noch
das  Doppelte  bis  Dreifache  deutscher  Sätze  betragen.
3.  Die  angewandte  Diagrammtechnik.
Der  Kursdarstellung  durch  Diagramme  wurde  bei  der
vorliegenden  Arbeit  besondere  Beachtung  hinsichtlich  der
Größenverhältnisse  zugewandt.  Während  man  bei  den
meisten  statistischen  Diagrammen,  etwa  bei  graphischen
Darstellungen  von  Produktionsziffern,  verlangen  muß,  daß
das  Verhältnis  zwischen  Linienführung  und  Diagrammhöhe
gleich  ist  dem  Verhältnis  zwischen  Ziffernbewegung  und
Gesamtproduktionsgröße,  und  daß  neben  der  Bewegung
auch  die  absolute  Höhe  sichtbar  wird,  kann  man  diesen
Grundsatz  auf  die  Darstellung  von  Wechselkursen  nicht  anwenden, ­
  Einmal  steht  nämlich  nicht  so  sehr  das  Verhältnis ­
  einer  Schwankung  zur  ganzen  Höhe  des  Kurses  im
Vordergründe,  als  vielmehr  die  Abweichung  der  Kurse  von
der  Parität,  wobei  der  Unterschied,  ob  ein  Pari  einen  hohen,
das  andere  einen  geringeren  Wert  hat,  zurücktritt;  es  ist
hier  die  Bewegung  als  solche  das  Wichtigere,  Auf  der  anderen ­
  Seite  würde  wegen  der  außerordentlichen  Kleinheit
der  Preisstufen  —  im  Durchschnitt  nicht  mehr  als  1% 0  des
Gesamtwertes  —  ein  Diagramm,  das  z.  B.  beim  Frankenkurs ­
  auf  der  Grundlinie  mit  0  Mark  beginnen  sollte,  in
Buchgröße  kaum  eine  Bewegung  zeigen.  Man  muß  deshalb
die  Bewegungen  vergrößert  darstellen,  wobei  das  Maß  der
Vergrößerung  bisher  willkürlich  nach  der  Größe  der  Quadrierung ­
  oder  des  verfügbaren  Raumes  etc,  gewählt
wurde  Man  kann  hier  die  notwendige  Willkür  dadurch
1)  So  sind  z.  B.  die  jedes  Jahr  von  der  Deutschen  Überseeischen
Bank,  Berlin,  veröffentlichten  „5  vergleichenden  Tabellen  der  Bewegung
der  Wechselkurse"  in  folgenden  verschiedenen  Maßstäben  gezeichnet;
1  °/oo  des  Durchschnittskurses  1911  wurde  dargestellt
für  Bolivien  durch  0,34  m/m  Diagrammhöhe
für  Rio  de  Janeiro  durch  0,62  m/m  Diagrammhöhe
„  Buenos  Aires  „  7,28  „  „
„  Valparaiso  „  0,18  „  „
„  Barcelona  „  0,30  „  „
Bei  solchen  Unterschieden  kann  man  nicht  mehr  von  vergleichend
sprechen,  die  Diagramme  ergeben  ein  falsches  Bild.
        <pb n="33" />
        29

mindern,  daß  man  stets  bei  allen  Kursdarstellungen  genau
das  gleiche  Maß  von  Vergrößerung  anwendet.  Damit  erreicht ­
  man,  daß  solche  Kursdarstellungen  ohne  weiteres
vergleichbar  sind.  Bei  der  vorliegenden  Arbeit  ist  mit  dieser ­
  Methode  der  Anfang  gemacht  worden,  indem  nicht  nur
die  Kurse  aller  behandelten  Plätze  im  selben  Maßstab  (eine
Kursbewegung  von  beispielsweise  5°/ 00  wird  beim  einen  wie
beim  anderen  durch  einen  gleichgroßen  Millimeterabstand
vom  Pari  dargestellt),  gezeichnet  sind,  sondern  außerdem
der  Maßstab  derselbe  ist,  der  bei  der  früherenUntersuchung
des  Frankenkurses  ’)  angewandt  wurde.  Da  auch  S  c  h  male ­
  n  b  a  c  h  1  2 )  für  den  englischen  Kurs  annähernd  gleiche
Größenverhältnisse  —  seine  Vergrößerung  ist  um  1 / 5  stärker ­
  —  angewandt  hat,  so  sind  die  Kölner  privatwirtschaftlichen
  Wechselkursuntersuchungen  in  diesem  Punkte  einheitlich. ­

Es  ist  damit  dasselbe  erreicht,  was  Schär 3 )  durch
seine  „Reduzierung  verschiedener  Wechselkurse  auf  10  000
Geldeinheiten"  bezweckte,  nämlich  Wechselkurse  gewissermaßen ­
  gleichnamig  und  unabhängig  von  den  verschiedenen
Münzparitäten  vergleichbar  zu  machen.  Schär  erreichte
dies,  indem  er  die  Wechselkursbewegungen  in  lOOOOstel
Abweichung  von  der  Parität  umwandelte,•  für  die  Wahl  der
Teilung  durch  10  000  war  dabei  kein  innerer  Grund,  sondern ­
  nur  das  Moment  einer  ganz  runden  und  feinen  Teilung
maßgebend.  In  einer  Besprechung  des  Buches  wies  bereits
damals  Schmalenbach 4 )  darauf  hin,  daß  man  in  Kursdiagrammen ­
  durch  entsprechende  Raster  den  gleichen  Erfolg ­
  herbeiführen  könne.

1)  Mahlberg,  Der  Kurs  des  Frankenwechsels,  Zeitschrift  f.  handelsw.
  Forschung,  Bd,  III,  S.  397.
2)  Schmalenbach,  Der  Kurs  des  Pfund-Sterling-Wechsels,  ebenda ­
  Bd.  I,  S.  241.
3)  Schär,  Zahlungsbilanz  und  Diskont,  Berlin  1908.
4)  Zeitschrift  f.  handelsw,  Forschung,  Buchbesprechungen,  Bd,  III,
Seite  118.
        <pb n="34" />
        30

Der  Maßstab  der  in  der  vorliegenden  Arbeit  gewählten
Vergrößerungen  leitet  sich,  wie  bereits  gesagt,  von  früher
angefertigten  Frankenkursdiagrammen  her.  Damals  wurden ­
  bei  dem  deutsch-französischen  Pari,  100  frs,  =  81  M,
jeder  Pfennig  Kursveränderung  durch  einen  Millimeter
Höhe  dargestellt.  Der  Maßstab  ist  also  1  mm  pro  Vsioo  der
Parität,  Schwierigkeiten  ergaben  sich  dadurch,  daß  die
mehr  oder  minder  krummen  Preisstufen  P/ie'Vsa  d,  V 4  Pfg.)
nie  genau  in  SlOOstel  vom  Pari  verwandelt  werden  konnten
und  auf  der  anderen  Seite  unter  1  mm  Höhe  praktisch  sich
nicht  zeichnen  läßt.  Es  traten  dann  entsprechende  Korrekturen ­
  ein;  betrug  der  Fehler  z,  B,  */ 8  mm,  so  wurde  bei  der
achten  Stufe  1  mm  mehr  oder  weniger  genommen.
Hält  man  die  Diagramme  der  asiatischen  Kurse  neben
diejenigen  des  Pfund-Sterling-  und  Frankenkurses  —  die
wichtigsten  europäischen  Wechselkurse  also  —  so  genügt
nunmehr  ein  Blick,  um  z,  B.  den  gänzlich  anderen  Charakter
der  ersteren  Gruppe  erkennen  zu  lassen,  weil  die  Linien
jetzt  ohne  weiteres  verglichen  werden  können.  Unbedingt
notwendig  war  die  Einheitlichkeit  der  Kursvergrößerung
bei  der  Zusammenfassung  des  englischen  und  des  deutschen ­
  Kurses  der  einzelnen  Plätze  in  einem  Diagramm,
Sie  erfolgte  ebenfalls  nach  dem  Maßstab  Vsioo  =  1  mm -  Ist
danach  der  Kalkutta-Kurs  auf  London  4°/ 00  von  der  Parität
entfernt  und  derjenige  auf  Deutschland  gleichfalls  4°/ 00 ,  so
fallen  die  Linien  im  Diagramm  zusammen.  Das  bedeutet,
daß  der  zugrunde  liegende  deutsch-englische  Umrechnungskurs ­
  auf  Pari  stehen  muß.  Entfernen  sich  die  beiden  Kurslinien ­
  um  5  mm  von  einander,  so  hat  sich  auch  der  für  die
Umrechnung  angewandte  deutsch-englische  Kurs  um  6 / 8100
von  der  Parität  entfernt.  Handelte  es  sich  daher  bei  den
gezeichneten  deutsch-asiatischen  Kursen  um  Original-  und
nicht,  wie  es  der  Fall  ist,  um  in  Berlin  umgerechnete  Notizen, ­
  so  würde  man  von  dem  Kursdreieck  Kalkutta-London, ­
  Kalkutta-Deutschland,  London-Berlin  den  dritten  Kurs
London-Berlin  mit  dem  Zirkel  von  dem  Diagramm  abgreifen ­
  können.  Bildlich  ausgedrückt  heißt  das:  Wenn  man
in  den  Diagrammen  von  Kalkutta  die  Londoner  oder  die
deutsche  Kurslinie  als  gerade  Linie  und  unter  Wahrung  der
        <pb n="35" />
        —  31  -
jeweiligen  Abstände  von  der  zweiten  Linie  straff  anziehen
könnte,  so  würde  die  ihre  Bewegung  behaltende  Linie  einen
deutsch-englischen  Wechselkurs,  die  angezogene  die  Paritätslinie ­
  ergeben.  Wie  sich  dieser  zum  tatsächlich  zwischen
Berlin  und  London  vorhanden  gewesenen  Kurse  stellt,
wird  später  zu  behandeln  sein.  Einstweilen  sei  nur  darauf
hingewiesen,  daß  eine  exakte  Beobachtung  der  auf  Seite  16
angegebenen  Erscheinung  nur  mittels  des  benützten  einheitlichen ­
  Maßstabes  möglich  war.
Bei  der  gewählten  Methode  fallen  natürlich  die  Preisstufen ­
  der  englischen  regelmäßig  nicht  mit  denjenigen  der
deutschen  Sichten  zusammen;  auch  die  Paritäten  befinden
sich  meistens  nicht  auf  einer  Preisstufe,  Letzteres  trifft
nur  zu  für  die  englischen  Paritäten  von  Kalkutta  und  Singapur ­
  und  die  deutsche  von  Yokohama.
Besondere  Schwierigkeiten  ergaben  sich  bei  der  graphischen ­
  Darstellung  der  Wechselkurse  von  Hongkong  und
Schanghai,  da  diese  nicht  auf  Goldparität  gestellt,  sondern
als  Silberkurse  an  die  Schwankungen  des  Silberpreises  gebunden ­
  sind  und  dadurch  gegenüber  Goldvaluten  ein
schwankendes  Pari  haben.  Mit  den  Wechselkursen  der
beiden  Plätze  war  also  der  Silberpreis,  und  zwar  der  Londoner, ­
  zu  vergleichen  und  Kurse  wie  Silberpreise  als  einheitliche ­
  Größen  in  ein  Diagramm  zu  bringen.  Der  Hongkonger
  Dollarkurs  wie  der  Taelkurs  Schanghais  beziehen
sich  je  auf  ein  bestimmtes  Gewicht  Silber,  das  natürlich
verschieden  ist  von  dem  der  Silberpreis-Notiz  zugrunde
liegenden.  Letztere  versteht  sich  in  pence  für  eine  Unze
Standard-Silber,  Der  Wechselkurs  sagt  also  in  diesem
Falle,  wieviel  der  Feinsilbergehalt  der  Münzgewichtseinheit
Hongkongs  oder  Schanghais  in  Goldgeld  (£  bezw,  Jl]
wert  ist;  die  Silbernotiz  gibt  den  Preis  für  eine  Unze  Standard-Silber ­
  in  £  bezw,  pence  an.  Sieht  man  von  der  verschiedenen ­
  Feinheit  ab,  so  kommt  man  zu  vergleichbaren
Zahlen,  indem  man  entweder  den  pence-Preis  pro  Unze  in
einen  solchen  pro  asiatische  Münzgewichtseinheit  umwandelt, ­
  oder  indem  man  den  auf  dem  Silbergehalt  der  Münzgewichtseinheit ­
  basierenden  Wechselkurs  in  einen  Kurs
pro  Unze  Silber  umrechnet.  Gewählt  wurde,  als  das  Näher ­
        <pb n="36" />
        32

liegende,  der  erste  Weg:  Die  Londoner  Silberpreise  der
Jahre  1907—1910  wurden  durch  Kettensätze  unter  gleichzeitiger ­
  Anwendung  von  Tabellen  in  pence-Preise  pro  Feinsilbergehalt ­
  des  Hongkong-Dollars  und  des  Schanghai-Taels
reduziert.  Hätten  die  Wechselkurse  der  beiden  Plätze  nun
stets  dem  Wert  ihres  Silbergehalts  zur  Londoner  Notiz  entsprochen, ­
  so  wären  sie  dauernd  mit  den  umgerechneten
Silberpreisen  zusammengefallen,  sie  hätten  dauernd  auf
Münzparität  gestanden.  Da  sich  der  Londoner  Silberpreis
ändert,  ist  diese  Parität  eine  schwankende;  die  dadurch
hervorgerufene  Bewegung  der  Wechselkurse  verläuft  parallel ­
  zum  Silberpreis,  Daneben  machen  diese  Wechselkurse
aber  eine  zweite  Bewegung,  die  eigentliche  Wechselkursbewegung, ­
  durch,  die  sich  als  ein  Schwanken  um  die  Paritätslinie ­
  darstellt  und  bewirkt,  daß  Wechselkurs  und  umgerechneter ­
  Silberpreis  meistens  nicht  zusammenfallen.  Der
Wechselkurs  vonHongkong  und  Schanghai  windet  sich  vielmehr ­
  in  eigenen  Kurven  um  den  selbst  in  der  Bewegung
befindlichen  Silberpreis,  wie  dies  die  Diagramme  der  Silberpreisreduktionen ­
  und  der  t,  t,  Notizen  deutlich  machen.
An  sich  lassen  sich  die  Linien  der  t,  t,  Notiz  wie  die
der  umgerechneten  Silberpreise  nach  derselben  Zahlenleiste
lesen,  da  aber  die  letztere  Linie  nicht  nur  Reduktion  des
Silberpreises  ist,  sondern  gleichzeitig  den  Verlauf  des  Londoner ­
  Silberpreises  regelrecht  und  ohne  Einschränkung  darstellt, ­
  ist  eine  weitere,  die  Nominal-Preisstufen  des  Londoner ­
  Silberpreises  angebende  Zahlenleiste  zur  Kontrolle
hinzugefügt.
Durch  das  Gebundensein  der  Silber  t.  t.  Notizen  an  den
Silberpreis  und  durch  die  großen  Schwankungen  des  Silberwerts, ­
  die  in  dem  untersuchten  Zeitraum  rund  25  Prozent
betragen  und  daher  zu  Wechselkursschwankungen  von  Promille-Größe ­
  in  keinem  Verhältnis  stehen,  war  es  bei  diesen
Kursen  nicht  möglich,  den  Vergrößerungsmaßstab  von
Vsioo  Parität  pro  mm  anzuwenden.  Die  Diagramme  müßten ­
  nämlich  dann  ca.  3  bezw,  4  Meter  hoch  sein.  Sie
wurden  deshalb  zunächst  so  groß  gezeichnet,  daß  sich  alle
Einteilungen  bequem  machen  ließen,  und  nachher  durch
Photographieren  derartig  verkleinert,  daß  sie  in  der  vor ­
        <pb n="37" />
        33

liegenden  Form  nach  Umfang  und  Verhältnis  von  Preisstufe
zu  Parität  rund  1 / 20  der  anderen  Diagramme  betragen.
Bei  einem  Vergleich  muß  man  sich  demnach  alle  Abmessungen ­
  20  mal  so  groß  vorstellen.  Das  gilt  namentlich
für  die  Abweichungen  der  t,  t.  Notizen  vom  Silberpreis,
während  eine  gedachte  Vergrößerung  der  auf  den  Silberpreis ­
  zurückzuführenden  Schwankungen  deutlich  werden
läßt,  welch  ein  ungeheuerliches  Ding  eine  Silberwährung
heute  ist.  Braucht  man  für  den  Frankenkurs  ein  Diagramm
von  10  cm  Höhe,  um  obere  und  untere  Goldpunkte,  die  normalen ­
  Schwankungsgrenzen  also,  darin  unterbringen  zu
können,  so  müßte  ein  im  gleichen  Maßstab  hergestelltes
Diagramm  des  Hongkonger  Kurses  für  1907—1910  3,60  m
Höhe  aufweisen.
Über  die  Größenverhältnisse  der  Abweichungen  der
t.  t,  Notizen  vom  Silberpreis,  also  der  eigentlichen
Wechselkurse  von  Hongkong  und  Schanghai,  die  mit  der
Silberbasis  als  gerader  Linie  in  Diagramm  Nr,  21—24
nochmals  besonders  dargestellt  sind,  wird  später  gesprochen
werden.
Die  größten  Schwierigkeiten  bot  die  Einfügung  der
Mark  t,  t,  Notiz  in  die  Diagramme  von  Hongkong;  bei
Schanghai  wurde  die  Marknotiz  weggelassen,  da  aus  deren
Darstellung  Neues  nicht  zu  erwarten  war.  Für  Hongkong
handelte  es  sich  darum,  die  Markkurse  im  selben  Größenverhältnis ­
  wie  die  pence-  und  reduzierte  Silbernotiz  zu
zeichnen,  da  auch  der  Markkurs  von  dem  Londoner,  in
pence  notierten  Silberpreis,  nicht  aber  von  dem  in  diesem
Zusammenhang  bedeutungslosen  Hamburger  Silberpreis  x )
abhängig  ist.  Zweitens  war  die  Linie  der  Marknotiz  so  in
das  Diagramm  hinein  zu  bringen,  daß  ihr  Verlauf  in  richtigem ­
  Verhältnis  zu  den  beiden  anderen  Linien  stand.  Zu
dem  Zwecke  wurde  die  obere  und  die  untere  Stufe  der  auf
sh/d  lautenden  Zahlenleiste  mittels  der  deutsch-englischen
Parität  in  Mark  verwandelt  und  der  dazwischen  liegende
Raum  in  soviel  1 / 4  Pfg,-Abschnitte  (=  kleinste  Preisstufe

1)  Nach  übereinstimmenden  Angaben  von  drüben  kommt  die
Hamburger  Silbernotiz  für  die  asiatischen  Silberkurse  nicht  in  Betracht. ­

Mahlberg,  Asiatische  Wechselkurse.  3
        <pb n="38" />
        34

der  Marknotiz)  eingeteilt,  wie  die  Differenz  zwischen  dem
umgerechneten  oberen  und  unteren  Markbetrag  umfaßte, ­
  Dadurch  ist  Folgendes  erreicht:
Will  man  die  Höhe  der  Hongkonger  Notiz  für  Mark-Auszahlung
  und  ihren  Abstand  vom  Silberpreis  untersuchen, ­
  so  ist  das  in  einem  konkreten  Falle  ohne  weiteres
möglich;  man  kennt  den  t,  t.  Kurs  und  den  Silberpreis  in
London,  und  man  weiß  ferner,  welchen  deutsch-englischen
Wechselkurs  man  für  die  Umrechnung  des  Londoner  Silberpreises ­
  in  Mark  benutzen  kann.  Man  reduziert  also  den
Silberpreis  auf  Dollar-Silbergewicht,  rechnet  diesen  Betrag
in  Mark  um  und  kann  dann  vergleichen.  Für  eine  allgemein ­
  gültige  Untersuchung  wie  die  vorliegende  ist  dieser
Weg  nicht  gangbar,  da  man  nicht  weiß,  welcher  deutschenglische ­
  Wechselkurs  angemessen  ist.  Vielleicht  ist  das
der  tatsächlich  notierte  Scheckkurs,  vielleicht  aber  auch
irgend  ein  anderer  gar  nicht  notierter  Wechselkurs,  ähnlich
wie  kurze  und  lange  deutsche  Sicht  in  Paris  um  einen  Zinsfuß ­
  auseinander  sind,  der  in  dieser  Höhe  nirgends  notiert
wird 1 ).  Man  könnte  sich  nun  helfen,  indem  man  zur  Umrechnung ­
  den  Berliner  Scheckkurs  auf  London  nähme.  Das
würde  natürlich  nicht  genau,  verbot  sich  aber  vor  allem
wegen  der  damit  verbundenen  ungeheuerlichen  Arbeit,  da
mit  der  fixen  Zahl,  die  dem  Verhältnis  zwischen  einer  Unze
Standard-Silber  und  dem  Feinsilbergehalt  des  Hongkong-Dollars
  entspricht,  für  jeden  Tag  der  untersuchten  4  Jahre
der  schwankende  Silberpreis  und  der  gleichfalls  schwankende ­
  Berliner  Scheckkurs  hätte  verrechnet  werden  müssen
und  die  Benutzung  von  Tabellen  ausgeschlossen  gewesen
wäre.
Da  bot  sich  in  dem  Goldgehalt  der  zu  vergleichenden
Beträge  ein  gemeinsamer  Maßstab,  um  Mark  t.  t.  mit  Londoner ­
  reduziertem  Silberpreis  und  auch  mit  pence  t,  t.  —
da  die  beiden  letzteren  bereits  vereinheitlicht  sind  —  zu
vergleichen,  da  man  das  Goldgewicht  beispielsweise  von
1/9  reduzierter  Silberpreis,  1/10  t.  t.  London  und  M.  L87 1 /,,
t.  t.  Deutschland  kennt.  Es  ließen  sich  also  die  Kurse  im
1)  Mahlberg,  Der  Kurs  des  Frankenwechsels,  Zeitschrift  für
handelswissensch.  Forschung,  Bd.  III,  Seite  413  ff.
        <pb n="39" />
        35

Verhältnis  ihres  Gehalts  an  Feingold  in  ein  Diagramm
bringen.  Da  die  beiden  ersten  Kurse  bereits  zusammen
passend  gezeichnet  waren,  mußte  nur  noch  der  Markkurs
im  Verhältnis  des  Goldgehalts  dazu  gebracht  werden.  Da
ferner  der  Goldgehalt  sich  in  der  Parität  ausdrückt,  entspricht ­
  z,  B.  einem  t.  t.  Kurs  von  1/10  ein  Mark  t,  t.  Kurs
von  rund  1,87 1 / 4 ,  und  beim  Zeichnen  war  es  nur  nötig,  den
Kurs  von  M.  da  einzusetzen,  wo  1/10  seinen  Platz
hat.  Praktisch  wurde  das,  wie  bereits  gesagt,  durch  Umrechnen ­
  der  Zahlenleiste  zur  deutsch-englischen  Parität
durchgeführt.  Somit  haben  die  3  Kurslinien  einen  einheitlichen ­
  Maßstab.
Zunächst  hat  das  für  die  pence  t,  t.  und  die  Mark  t,  t,
Notiz  den  Vorteil,  daß  man  ihr  Verhalten  zu  einander  beobachten ­
  kann.  Das  Bild,  das  sich  dabei  ergibt,  entspricht
—  abgesehen  von  dem  Gebundensein  an  den  schwankenden
Silberpreis  —  dem  beobachteten  Verlauf  des  deutschen  zum
englischen  Kurse  an  den  anderen  Plätzen  Asiens,  d.  h.  die
beiden  Kurse  schwanken  zueinander,  entsprechend  der
Croßrate  Berlin-London,  Steht  also  in  Yokohama  der  deutsche ­
  Kurs  über,  unter  oder  auf  dem  englischen,  dann  ist  es
auch  so  in  Hongkong.  Natürlich  kann  es  nicht  anders  sein,
da  es  sich  um  Berliner  Umrechnungen  handelt.
Hier  muß  nun,  um  die  Wirkung  der  angewandten  Diagrammtechnik ­
  ganz  darzustellen,  vorweg  genommen  werden, ­
  daß  der  Verlauf  der  Originalkurse  zueinander,  wie  sie
draußen  auf  England  und  Deutschland  in  Geltung  waren,
nicht  viel  anders  gewesen  sein  kann,  als  der  Verlauf  der  in
Berlin  durch  Umrechnung  gewonnenen  Kurse,  und  daß  die
pence-  und  Marknotiz  nur  um  den  deutsch-englischen
Wechselkurs  verschieden  sein  können,  FürHongkong  könnte
man  demnach  durch  Abgreifen  mit  dem  Zirkel  den  im  Vorstehenden ­
  entbehrten  angemessenen  deutsch-englischen ­
  Wechselkurs  gewinnen,  mit  ihm  den  auf  Dollar-Gewicht ­
  reduzierten  Londoner  Silberpreis  in  Mark  umwandeln
und  diese  Mark-Parität  des  Hongkong-Dollars  ebenfalls
organisch  in  das  Diagramm  einfügen.  Die  pence-Paritätslinie
  (reduzierter  Silberpreis)  und  diese  neue  Mark-Paritätslinie ­
  würden  dann  untereinander  genau  in  derselben
        <pb n="40" />
        Weise  verlaufen,  wie  die  gezeichneten  pence  t.t.undMarht.t.
Linien  des  Diagramms.  Steht  z.  B.  Markauszahlung  5% 0
über  pence-Auszahlung,  so  bedeutet  das,  daß  der  deutschenglische ­
  Wechselkurs  ebenfalls  5% 0  über  Pari  steht;  rechnet ­
  man  zu  diesem  Kurse  den  Londoner  Silberpreis  in  Mark
um,  so  ergibt  sich  für  das  Hongkonger  Mark-Pari  ein  Markbetrag, ­
  der  nach  Goldgehalt  größer  ist  als  das  zugehörige
Hongkonger  Pfund  Sterling-Pari;  das  Mehr  an  Goldgehalt
beträgt  5°/ 00 ,  Somit  würde  sich  eine  in  das  Diagramm  einzufügende ­
  Linie  der  Hongkonger  Mark-Parität  in  derselben
Weise  um  die  englische  Silberpari-Linie  schlängeln,  wie  sich
die  Mark  t.  t.  Notiz  um  die  pence  t.  t.  Notiz  windet.
Nimmt  man  folgendes  Kursbeispiel:
Reduzierter  Londoner  Silberpreis  (Hongkong
pence-Pari)  1/8
pence  t,  t.  Kurs  1/8 13 /i 8
Mark  t.  t.  Kurs  l,77 3 / 4 ,
so  stehen  diese  Kurse  im  Diagramm  etwa  in  der  Weise  übereinander, ­
  wie  in  dem  nachstehenden  Schema  diejenigen
Punkte,  neben  denen  ein  einfach  unterstrichener  Kurs
sich  befindet.

sh/d  Mark  *)
(1/8  7 /s)  '  1,77  V*  t.  t.  Deutschland

t.  t.  London  l/8 13 /io

(177  V.)

(l/S'/ia)  (i  1,70 3 /i  berechnete  Parität  Hongkong-Deutschland ­

Parität  Honkong-London  1/8  n  (1,70  Vi)
Die  Skala  für  sh  und  d  ist  die  gegebene  Ausgangslinie;
M.  l,77 3 / 4  ergibt  zur  Parität  gerechnet  l/8 7 / g  und  ist  dort
eingezeichnet,  wo  die  englische  Skala  l/8 7 / 8  anzeigt.  Bei
1/8 1s /ib  —  1,77 s / 4  ist  1  £  =  M.  20,49,  rund  gerechnet;  der
in  diesem  Falle  angemessene  deutsch-englische  Kurs  ist
also  20,49  und  ergibt,  angewandt  auf  die  Hongkong-London-Parität
  von  1/8,  eine  Hongkong-Mark-Parität  von  M.  l,70 3 / 4 .
Würde  man  die  letztere  Zahl  unabhängig  von  der  hier  angewandten ­
  Methode,  etwa  durch  Umrechnen  von  1/8  zum

1)  Die  Umrechnungen  lauten  auf  runde  Beträge.
        <pb n="41" />
        37

Berlin-Londoner  Tageskurs  von  20,49  gewonnen  haben,  und
man  wollte  nun  1/8  und  M.  l,70 3 / 4  in  ein  Diagramm  bringen,
so  müßten  sie  so  zueinander  gezeichnet  werden,  wie  dies
oben  geschehen  ist,  d.  h.  im  Verhältnis  des  Goldgehalts  der
beiden  Beträge,  Da  ferner  Mark-  und  pence-Skala  bereits
in  diesem  Verhältnis  zueinander  stehen,  so  würde  der
Markt,  t,  Kurs  von  l,77 3 / 4  an  die  Stelle  kommen,  wo  er
oben  bereits  angedeutet  ist.  Somit  ist  durch  die  Zeichnung
der  Kurse  nach  Goldgehalt  nicht  nur  eine  einheitliche  Vergleichsbasis ­
  geschaffen,  sondern  der  Mark  t,  t.  Kurs  verläuft ­
  im  Diagramm  an  der  Stelle,  wo  er  tatsächlich  verlaufen ­
  muß.  Die  fehlende  Linie  der  Hongkonger  Mark-Parität
  läßt  sich  dazu  aus  der  Bewegung  der  beiden  t.  t,
Kurse  ablesen.
Aus  dem  obigen  Schema  ergibt  sich  weiterhin,  daß  die
t,  t,  Kurse  stets  gleichweit  von  ihren  zugehörigen
Paritäten  {1/8 13 / 16  ./.  1/8  entspricht  M.  l,77 3 / 4  ./.  1,70 3 /J  entfernt ­
  sind,  In  anderer  Formulierung  heißt  das,  daß  der
Wertunterschied  der  Wechselkurse  zum  Silberpreis  für  alle
Wechselkurse  eines  Silberplatzes  bezw.  Silberlandes  einheitlich ­
  und  nicht  etwa  —  wie  man  anzunehmen  versucht  sein
könnte  —  länderweise  verschieden  ist.  Führt  man  nämlich
die  Abweichungen  der  t.  t,  Kurse  von  der  Silberparität  auf
dieselben  Ursachen,  die  den  Verlauf  gewöhnlicher  Goldwechselkurse ­
  bedingen,  zurück,  sieht  man  also  den  Umfang
der  Abweichungen  nach  oben  und  unten  als  den  eigentlichen ­
  Wechselkurs  an,  so  müßten  hier  wie  dort  die  Abweichungen ­
  vom  Pari  länderweise  verschieden  sein.  Daß
dies  für  Silberwechselkurse  nicht  möglich  ist,  letztere  vielmehr ­
  dem  gesamten  Auslande  gegenüber  in  dieser  Beziehung ­
  nur  einen  Wechselkurs  haben,  beruht  auf  der  Wirksamkeit ­
  des  noch  zu  begründenden  Satzes:  Je  zwei  Wechselkurse ­
  eines  Platzes  (Berlin  auf  St.  Petersburg  und  Berlin ­
  auf  Stockholm)  können  immer  nur  um  den  Kursunterschied ­
  zwischen  den  bezogenen  Plätzen  (St.  Petersburg  auf
Stockholm)  differieren.
        <pb n="42" />
        38

II.  Die  asiatischen  Wechselkurse.
1.  Der  indische  Wechselkurs.
Die  Währung  *)  des  Kaiserreichs  Britisch-Indien  ist  ein
eigentümliches  Gebilde,  Sie  ist  weder  Gold-  noch  Silbernoch
  Doppelwährung  im  üblichen  Sinne,  sondern  ein  System, ­
  das  einzelne  Züge  aller  drei  Währungen  in  sich  vereinigt, ­
  im  übrigen  aber  in  seinem  Aufbau  der  Wirtschaftsverfassung ­
  Indiens  kongruent  ist.  Die  Geldeinheit  ist  bereits ­
  seit  1835  die  silberne  Rupie  (Rp.)  =  16  Annas  =  12
Pie  oder  4  Pesas  1  2 ),  Die  Rupie  wiegt  180  Troygrains  =
11,664  g  bei  einer  Feinheit  von  11/12,  Sie  ist  das  eigentliche
Umlaufsmittel  Indiens  und  für  die  Eingeborenen  mit  ihrem,
an  europäischenVerhältnissen  gemessen,  niedrigen  Standard
of  life  das  „große 11  Geld;  die  kleinste,  technisch  noch  umlaufsfähige ­
  Goldmünze  wäre  in  diesem  Sinne  noch  zu  groß.  Die
daneben  in  geringem  Umfange  vorhandenen  alten  indischen
Goldmünzen  (Mohur  of  Bombay,  Gewicht  11,6638  g,  Feingehalt ­
  0,920,  Stücke  von  1,  1 j 2  und  J / 4  Mohur),  dienen  nicht
dem  Umlauf,  sondern  Thesaurierungs-  und  Schmuckbedürfnissen, ­
  Ihr  ursprünglicher  Wert  war  15  Rp.,  was  bei  dem
gleichen  Feingewicht  der  Rupien  einer  Wertrelation  des
Silbers  zum  Golde  von  1:15  entsprach.  Dem  Zustand,  daß
heute  noch  wie  stets  die  Rupie,  also  eine  bestimmte  Menge
Silbers,  nicht  nur  Umlaufsmittel,  sondern  für  die  Masse  der
indischen  Bevölkerung  auch  tatsächlich  der  Maßstab  aller
Werte  ist,  wird  dadurch  Rechnung  getragen,  daß  die  Rupie
unbeschränkt  gesetzliches  Zahlungsmittel  ist.  Zur  reinen
Silberwährung  fehlt  das  Merkmal  der  freien  Ausprägung,
die  im  Jahre  1893  mit  der  Maßgabe  aufgehoben  wurde,  daß
die  Münze  in  Bombay  und  Kalkutta  Silberrupien  nur  noch
gegen  Einlieferung  von  Gold,  und  zwar  pro  Rupie  7,53344
1)  Ausführliches  über  die  indische  Währung  —  das  Schulbeispiel
für  Währungsprobleme  —  siehe  die  bekannten  nationalökonomischen
Sonderschriften  von  Arnold,  Heyn,  Bothe,  namentlich  aber  Singer
Motive  der  indischen  Geldreform,  ferner  die  erwähnten  Arbeiten  von
Schmalenbach,  Sonndorfer  und  die  Angaben  in  S  w  o  -
b  o  d  a.
2)  Für  größere  Geldbeträge  hat  man;  1  Croce  =  4  Arel  =  100  Lac
=  10  000  000  Rupien.
        <pb n="43" />
        39

grains  troy  =  0,4882  gr  Feingold,  verausgabte.  Während
bis  dahin  der  Goldwert  der  Rupie  mit  dem  Silberpreis  sich
bewegte,  oder  genauer,  der  Rupienkurs  um  die  Goldparität
herum  und  mit  ihr  geschwankt  hatte,  wurde  durch  die  Dekretierung
  von  7,53344  grains  troy  Gold  =  1  Rupie  für  den
ausländischen  Zahlungsverkehr  Indiens  ein  fester  Punkt
nach  oben,  ein  Kursmaximum  geschaffen,  denn  diese  Geldmenge ­
  entspricht  dem  Goldgehalt  von  1 / 1B  £  ,  also  16  d.
Wer  für  16  d  Gold  einlieferte,  mußte  dafür  1  Rp,  oder  für
je  1  £  Sterling  15  Rp,  erhalten,  gleichgültig,  wie  hoch  der
Silberpreis  stand.  Die  Goldparität  der  Rupie  war  somit
auf  16  d  festgesetzt.  Die  Lage  war  im  Durchschnitt  des
Jahres  1893  folgende:
Silberpreis  d  35,375
Silberwert  der  Rupie  in  d  13,15
Rupienkurs  in  d  14,82
Um  das  gewählte  Pari  von  16  d  zu  erreichen,  mußte  der
Rupienkurs  sich  völlig  von  seinem  Silberwert  loslösen,  entsprechend ­
  steigen  und  sich  auf  ungefähr  diesem  Punkte
halten.  Der  Kursverlauf  während  der  Reformperiode  war
nach  den  Ziffern  von  Schmalenbach 1 )  folgender:
Im  Jahresdurchschnitt  1893  1894  1895  1896  1897  1898
Silherpreis  d  35  a / 8  28 16 /io  29  7 /s  30  S U  27  °/ 16  26  15 /, e
Silberwert  der  Rupie  in  d  13,15  10,75  11,10  11,43  10,24  9,99
Rupienkurs  in  d  14,82  13,31  13,31  15,4P)  15 sl /s 2 ! )  16 l / s! , 3 )
Am  25,  Juni  1893,  dem  Tage  des  Inkrafttretens  des
Währungsgesetzes,  hatte  der  Rupienkurs  bereits  die  Parität
von  16  d  erreicht,  da  die  Spekulation  das  mutmaßliche  Steigen ­
  des  Kurses  vorweggenommen  hatte.  Schon  im  folgenden ­
  Monat  begann  der  Kurs  indessen  wieder  zu  fallen,  und
endgültig  erreicht  wurde  die  Parität  erst  1897,  Durch  das
Währungsgesetz  vom  15.  September  1899  wurde  der  englische ­
  Sovereign  zum  legal  tender,,  zum  gesetzlichen  Zahlungsmittel ­
  erklärt,  der  Silber-Rupie  aber  die  volle  Zahlkraft ­
  belassen,  während  bereits  1897  die  freie  Ausprägung
von  Gold  eingeführt  worden  war.  Das  indische  Silbergeld
ist  so  mit  dem  englischen  Goldgelde  zu  einer  Einheit  gell ­
  a.  a.  O,
2)  Ultimo  Februar  1898.
3)  Am  Jahresende  1896,
        <pb n="44" />
        40

worden,  die  sich  durch  die  Rupie  dem  Wirtschaftsleben  der
Eingeborenen,  mit  dem  Sovereign  dem  europäisch  organisierten ­
  Großhandel  anpaßt  und  das  Silberland  Indien  mit
der  Goldwelt  organisch  verbindet.
Erwägt  man,  auf  welche  Weise  es  möglich  war,  den
Wert  der  Rupie  von  ihrem  Silbergehalt  loszulösen  und  ihn
willkürlich  auf  16  d  zu  normieren,  so  ist  inländischer  und
ausländischer  Zahlungsverkehr  scharf  auseinander  zu  halten, ­
  Nach  innen  konnte  die  indische  Regierung  einen  beliebigen ­
  Wert  dekretieren,  es  bedurfte  dazu,  um  mit
Knapp 1 )  zu  reden,  nur  des  rekurrenten  Anschlusses,  der
neue  Wert  muß  zum  alten  durch  Regierungsanordnung  ins
Verhältnis  gesetzt  werden.  Da  zudem  die  Regierung  an  dem
Umlaufswert  der  Rupie  in  Indien  selbst  nichts  änderte,  so
bestanden  nach  innen  keine  Schwierigkeiten,  Diese  lagen
vielmehr  darin,  den  Auslandswert  der  Rupie,  den  Wechselkurs ­
  auf  London  also,  auf  16  d  zu  bringen.  Hätte  Indien
umgekehrt  für  sich  die  Pflicht  anerkannt,  für  15  Rp,  1  £
Gold  herzugeben,  so  hatte  man  es  mit  einer  glatt  sich  durchsetzenden ­
  Goldwährung  zu  tun.  Das  geschah  aber  nicht.
Die  Meinung  ging  nun  dahin,  man  könne  durch  Einengung
des  Umlaufs  von  Rupienstücken  deren  Auslandswert  bis
auf  die  gewählte  Parität  steigern,  eine  Kontraktion  des
Münzen  Umlaufs  sollte  den  Wert  der  Auslands  forder
  u  n  g  e  n  entsprechend  ändern,  Singer *  2 )  hat  überzeugend ­
  nachgewiesen,  daß  der  wirkliche  Verlauf  der  Dinge
während  der  Reformperiode  ein  anderer  war  und  daß  —
mit  dem  Ausdruck  Knapps  —  pantopolische  Momente,  die
Gesamtheit  der  allgemein  den  Wechselkurs  bestimmenden
Faktoren  es  waren,  die  das  endgültige  Erreichen  der  neuen
Parität  bedingt  haben.
Noch  höher  steigen  kann  der  Kurs  nur  um  die  Goldbeschaffungskosten, ­
  Auf  der  anderen  Seite  kann  er  heute
praktisch  auch  nicht  mehr  ins  Ungemessene,  etwa  wieder
auf  den  Silberwert  fallen,  da  die  indische  Regierung  zwar

t)  Knapp,  Staatliche  Theorie  des  Geldes,  Leipzig  (Duncker
u,  Humblot),  1905,
2)  Singer,  Die  Motive  der  indischen  Geldreform,  Straßburg
(Karl  J.  Trübner),  1910.
        <pb n="45" />
        41

nicht  die  absolute  Einlösbarkeit  von  Rupien  in  Gold  anerkennt, ­
  die  Einlösbarkeit  aber  tatsächlich  durch  verschiedene ­
  Maßnahmen  sicher  gestellt  hat  und  zudem  die  Entwicklung ­
  des  Geldumlaufs  in  der  gleichen  Richtung  vor  sich
gegangen  ist.  Näheres  hierüber  wird  unten  bei  der  Besprechung ­
  der  indischen  Goldpunkte  anzuführen  sein.
Durch  die  Bewertung  des  Sovereign  zu  15  Rupien  entspricht ­
  dieser  dem  alten  Werte  des  Mohurs.  Außerdem
weist  Singer  auf  eine  weitere  rechnerische  Beziehung  hin;
da  der  Sovereign  gleich  15  Rp,  zu  je  16  Anna’s  gilt,  so  entspricht ­
  die  Anna  als  240ster  Teil  des  Sovereigns  vollständig
dem  englischen  Penny.
Geht  man  bei  der  Betrachtung  der  indischen  Währung
nicht  von  ihrer  historischen  Entwicklung,  sondern  von  ihrem
heutigen  Zustande  aus,  so  stellt  sie  sich  wesentlich  einfacher ­
  dar.  Sie  unterscheidet  sich  von  der  Währung
Deutschlands  zunächst  äußerlich  dadurch,  daß  die  Rupien
indischer  und  die  Goldmünzen  englischer  Prägung  1 )  sind,
und  theoretisch  durch  die  volle  Zahlkraft  von  Gold  und
Silber,  Weiter  hat  die  Rupie  einen  relativ  größeren  Silbergehalt ­
  als  die  deutschen  Münzen,  ihr  Unterwert  ist  geringer,
wie  sich  aus  folgenden  Zahlen  ergibt.
1  Rp  =  16  d  =  Jl  1,37.
Silberwert  von  1  Rp=0,8233&amp;lt;/#  1  Bei  einem  Silberpreis
„  „  ^1,37=0,5269  „  /  von  26  d.
Steigt  der  Silberpreis  stark,  so  wird  infolgedessen  der  Silberwert ­
  der  Rupie  eher  den  Nominalwert  erreichen  als  etwa
die  Mark;  dieser  Punkt  liegt  nach  einer  Berechnung  von
Schmalenbach 2 )  bei  einem  Silberpreis  von  42 B / 16  d,
ein  Preis,  der  seit  1891  nicht  entfernt  mehr  erreicht  worden
ist.  Endlich  unterscheiden  sich  die  indischen  von  deutschen
Verhältnissen  durch  den  relativ  größeren  Silberumlauf.
Der  Goldimportpunkt  für  Indien  unterscheidet  sich
nicht  von  den  Verhältnissen  anderer  Goldländer;  der  Kurs
der  Rupie  muß  um  mehr  als  die  Versendungskosten  über
1)  Nach  A.  Lansburgh,  „Eine  währungspolitische  Lektion",
Aprilheft  der  „Bank"  1910  -  (zitiert  bei  Singer  S.  41)  finden  seit  1906
Sovereign-Prägungen  auch  in  den  indischen  Münzen  statt.
2)  a,  a.  O.
        <pb n="46" />
        42

(„über",  wegen  der  indirekten  Notierung)  die  Parität  von
1/4  steigen,  um  eine  Remittierung  von  Gold  lohnend  zu
machen.  Diese  Kosten  *)  beziffern  sich  heute  für  Gold  (und
Silber)  von  London  nach  Kalkutta  auf
Fracht  V2  %  =  °&amp;gt; 50  °/o
Versicherung  3 / 4  % 0  =  0,075  „
Kurtage  Vs  °/o  =  0,125  „
Nebenspesen  =  0,05  „
0,75  0/0,
und  zwar  für  Barrengold  und  für  Sovereigns,  da  letztere  ln
Indien  kurant  sind  und  ein  Verlust  für  Fehlgewicht  nicht  zu
berücksichtigen  ist.  Hierzu  muß  für  die  lange  Reisedauer
je  nach  Zinsfuß  ein  Zinsverlust  von  im  Durchschnitt  1 / 4  °/ 0
gerechnet  werden.
Der  indische  Goldexportpunkt  ist  insofern  anders,  als
die  indische  Regierung,  wie  schon  erwähnt,  zwar  verpflichtet ­
  ist,  gegen  Einlieferung  von  Gold  Rupien  herzugeben,
aber  eine  umgekehrte  Pflicht,  gegen  Rupien,  also  gegen  das
Uralaufsmittel  des  Landes,  Gold  oder  Sovereigns  zu  liefern,
nicht  besteht.  Bei  dem  ursprünglich  im  Verkehr  befindlichen
geringen  Geldvorrat  Indiens  glaubte  man  befürchten  zu
müssen,  daß  deshalb  bei  entsprechender  Gestaltung  der  indischen ­
  Zahlungsbilanz  der  Wechselkurs  bis  auf  den  Silberwert ­
  fallen  könne.  Die  Entwicklung  der  Dinge  und  die  tatsächlich ­
  verfolgte  Währungspolitik  der  indischen  Regierung
haben  diese  Befürchtung  ausgeräumt,  Der  Geldvorrat  im
Verkehr  nimmt  dauernd  zu,  und  die  Regierung,  die  aus  währungs-
  und  ebenso  gewichtigen  finanzpolitischen  Gründen
an  der  Aufrechterhaltung  der  Parität  interessiert  ist,  gibt
freiwillig  2 )  Gold  zum  Parikurse,  also  1/4,  her  und  außerdem
in  Pfund  zahlbare  Tratten  auf  London  —  sie  hält  dort  eine
in  englischen  Konsols  angelegte  sogenannte  Goldreserve  —
zum  Kurse  von  ca.  l/3 7 / s -  Daneben  hat  die  indische  Regierung ­
  nach  Singer  bei  der  Bank  von  England  ein  depositum
reguläre  von.  Gold  als  Deckung  für  die  in  Indien  ausgegebenen ­
  Kassenscheine  und  ferner  in  Indien  selbst  eine  Goldreserve ­
  von  5  Mill,  £.
1)  Die  Angaben  von  Swoboda  sind  zu  niedrig,
2)  Paul  George,  Die  Bewegung  des  Silberpreises  seit  1873,
Jena  (Fischer)  1908,  S.  65.
        <pb n="47" />
        43

Im  geschäftlichen  Verkehr  gelten  als  Goldpunkte  von
und  nach  England  die  Kurse  l/4 1 / 8  und  l/3 T / 8 ,  dagegen  sind
Sovereigns-Importe  nach  Indien  von  anderen  Ländern,  z.  B,
von  Australien  mit  seinen  günstigeren  Zahlungsbedingungen,
schon  bei  einem  Kurse  von  1/4 1 / 16 ,  von  Ägypten  bei  einem
Kurse'von  l/4 3 / S2  an  möglich  und  üblich.  Da  das  ägyptische
Gold  auch  von  London  kommt,  so  ergibt  sich  die  eigenartige
wirtschaftliche  Erscheinung,  daß  die  Transportkosten  durch
das  Anhalten  des  Goldstromes  an  einer  Zwischen  Station  für
Indien  verbilligt  werden.
Zum  Vergleiche  seien  in  Deutschland  mögliche  Goldexportpunkte ­
  für  Frankreich  und  England  hier  beigefügt,
Berlin-London  M  20,498  ,/.  Parität  =  3.3773°/ 00  der  Parität
Berlin-Paris  „  81.35  ./.  „  =  4,3209°/ oo  „  „
Indien-London  1 j a  d  von  1/4  =  7.8125°/ 00  „  „
Singer  kommt  mit  einem  Schwingungsspielraum  von
l,55°/ 0  für  die  indische  Währung  zu  dem  gleichen  Satze,
Die  deutsche  Rupien-Parität  ergibt  sich  aus  dem  Sterling-Wert ­
  der  Rupie:
1  Rupie  =  (1  £  :  15)  =  [Jl  20,42946  :  15)  =  M  1,36196.
Da  ein  Edelmetallverkehr  zwischen  Deutschland  und
Indien  nicht  üblich  ist,  kennt  man  auch  keine  bestimmten
Goldpunkte;  man  kann  sie  natürlich  an  Hand  der  genannten
Angaben  berechnen.  Im  übrigen  bezieht  Indien  sein  Barrengold ­
  fast  gleichmäßig  von  London  und  Australien,  während
Barrensilber  zum  weitaus  größten  Teil  von  London  kommt 1 ).

1)  Die  Verteilung  der  Herkunft  zeigt  folgende  Tabelle:
Indiens  Goldbewegung.

Einfuhr  in  1000  £

1905/06

1906/07

1907/08

1908/09

1909/10

England

4016

5457

5879

3335

7642

Österreich-Ungarn

6

3

2

1

24

Frankreich

11

26

24

4

1017

Ägypten

405

192

1658

99

4691

Kapkolonie  und  Natal

36

716

100

89

62

Aden

145

136

138

99

181

Asiatische  Türkei  u,  Arabien  405

342

489

370

341

Ceylon

29

60

16

62

52

China  einschließl,  Hongkong

556

528

680

529

581

Straits  Settlements  (

10

624

104

19

141

Australien

4209

4289

4735

978

1948

Einfuhr  im  Ganzen

9833

12356

13835

5603

16687

Ausfuhr  im  Ganzen

9527

2452

2257

2699

2234

davon  nach  England

8363

2013

2201

2406

2190
        <pb n="48" />
        44

Die  große  Rolle,  die  die  Silbereinfuhr  und  Ausfuhr  in
Indien  spielt,  ist  heute  anders  anzusehen  als  vor  der  Währungsreform. ­
  Bis  dahin  war  der  Silberverkehr  Indiens  der
Edelmetallbewegung  des  Landes  im  üblichen,  auf  dem  Stand
der  Zahlungsbilanz  abzielenden  Sinne  zuzurechnen,  da  Silber ­
  frei  ausprägbares  Währungsmetall  war.  Heute  ist  der
Silberverkehr  eigentlich  der  Warenbewegung  anzugliedern,
da  in  den  internationalen  Beziehungen  Indiens  —  abgesehen
von  China  —  Silber  nur  noch  eine  Ware,  nicht  mehr  unmittelbares ­
  Zahlungsmittel  ist,  Der  Bedarf  an  Silber  ist
zwar  kaum  geringer  geworden,  aber  es  wird  nur  noch  als
Ware  von  der  Regierung  für  Münzzwecke 1 ),  seitens  der
indischen  Bazare  zu  Luxuszwecken  importiert,  wenn  es  auch
noch  immer  vor  gewöhnlichem  Kaufmannsgut  Hochwertigkeit, ­
  große  Wertbeständigkeit,  schnelle  Realisierbarkeit  usw,
voraus  hat  und  deshalb  die  sogenannte  Zahlungsbilanz
schnell  und  nachdrücklich  verschieben  kann.  Auch  der  Umstand, ­
  daß  die  Träger  der  indischen  Edelmetalltransaktionen ­
  noch  immer  ausschließlich  Banken  sind  und  nicht  der
reguläre  Handel,  hat  keine  grundsätzliche  Bedeutung  mehr.
Zwar  sind  es  Banken,  die  u  n  m  i  11  e  1  b  a  r  in  Besitz  der
durch  Silberverschiffungen  entstehenden  internationalen
Forderungen  kommen;  die  Banken  können  Silber  versenden
oder  sich  senden  lassen,  um  Wechselforderungen  auszugleichen, ­
  —  wenn  sonst  die  Umstände  es  erlauben,  etwa  die
Silberpreise  in  London  und  in  Indien  nicht  paritätisch  sind.
Aber  hierzu  wäre  dann  auch  der  Handel  in  der  Lage,  und  der
Umweg,  den  die  entstehende  Auslandsforderung  zu  machen
hätte,  ehe  sie  an  eine  Bank  käme,  ist  nicht  von  grundsätzlicher ­
  Bedeutung  und  dazu  heute  sehr  klein.  Die  erwähnten ­
  Eigenschaften  des  Silbers,  vor  allem  dessen  internationale ­
  Vertretbarkeit  und  die  ausgedehnten  Beziehungen
zum  nahen  China  ermöglichen  es  den  indischen  Banken,
1)  Von  der  indischen  Regierung  wurden  in  den  Jahren  1896—1910
an  Silbermünzen  in  Verkehr  gebracht:
Jahr  1896  1897  1898  1899  1900  1901  1902  1903  1904  1905  1906
Milk  Rp  10,5  19,7  58,2  55,6  92,0  194,1  113,1  185,8  208,3  161,4  200,5
Jahr  1907  1908  1909  1910
Milk  Rp  260,9  185,6  44,1  37,2,
Statistical  Abstract  for  the  colonies,  1911.
        <pb n="49" />
        45

ihre  historische  Rolle  weiter  zu  führen.  Im  übrigen  ist  der
Zu-  und  Abfluß  des  Silbers  in  Indien  nicht  mehr  Ausdruck
der  Zahlungsbilanz,  sondern  wird  von  anderen  Gründen  bedingt, ­
  Daran  ändert  auch  nichts  der  Umstand,  daß  die
Indier  Silberbarren  nicht  nur  zu  Ornamenten  und  sonstigem
Schmuck  verwenden,  sondern  auch  zur  Vermögensanlage
benutzen,  denn  die  umgekehrte  Transaktion  der  Umwandlung ­
  der  Barren  in  Geld  stellt  sich  nur  noch  als  Verkauf  von
Metallmengen  dar.  Im  Verkehr  mit  dem  Silberlande  China
ist  die  Sache  etwas  anderes,  ohne  jedoch  das  Bild  grundsätzlich ­
  zu  ändern,  denn  auch  England  z,  B.  verschifft  Silber ­
  nach  China,  ohne  daß  man  diesen  Export  anders  als
eine  Warentransaktion  ansieht.
Über  Art  und  Umfang  des  indischen  Silberbedarfs  und
die  sogenannte  Thesaurierung  läßt  sich  ein  Berichtdes
Handelssachverständigen  beim  Generalkonsulat  Bombay
näher  aus;  „Den  Gegenwert,  welchen  der  Bauer  für  seine
Landesprodukte  in  klingender  Münze  sich  auszahlen  läßt,
benutzt  er  nicht  etwa  zur  Verbesserung  seiner  Lebenshaltung, ­
  wie  z,  B,  für  den  Bau  einer  besseren  Hütte,  zur  Anschaffung ­
  besserer  Kleidungsstücke  etc.  oder  noch  viel  weniger ­
  zur  Verzinsung  durch  Anlage  in  Sparkassen  und  dergleichen, ­
  sondern  er  behält  im  allgemeinen  das  Geld  in  Münzen ­
  bei  sich  oder  behängt  damit  in  Gestalt  von  Schmucksachen ­
  seine  Frau  und  seine  Kinder,  Der  bislang  dem  Handel ­
  auf  diese  Weise  entzogene  Wert  ist  verschiedentlich  auf
300  Millionen  Pfund  geschätzt  worden.  Man  behauptet  sogar, ­
  daß  die  jährlich  dem  Verkehr  entnommenen  Summen
sich  auf  11  Millionen  Pfund  belaufen  sollen.  Dieser  Betrag
dürfte  in  früheren  Jahren,  als  die  Zustände  des  Landes
noch  unsicherer  waren,  erreicht  worden  sein,  doch  ist  kaum
anzunehmen,  daß  derartige  Summen  noch  jetzt  sozusagen
vergraben  und  versteckt  werden,  und  viele  Zeichen  sprechen
dafür,  daß  auch  der  indische  Sparer  sich  immer  mehr  dazu
versteht,  seinen  Reichtum  in  den  Postsparkassen  zu  hinterlegen ­
  oder  auch  in  guten  mündelsicheren  Papieren,  auch
selbst  in  Industriebetrieben  wie  z,  B,  Baumwollfaktoreien,
Kohlenzechen  usw,  zur  Verzinsung  anzulegen.  Fernerhin

1)  Deutsches  Handelsarchiv,  1909,  II,  Teil,  Seite  303.
        <pb n="50" />
        ist  zu  erwähnen,  daß  der  durchschnittliche  Überschuß  der
Einfuhr  über  die  Ausfuhr  der  Edelmetalle  während  der
letzten  5  Jahre  den  Betrag  von  ungefähr  21  Millionen
Pfund  erreichte,  sodaß  mehr  als  die  Hälfte  dieser  Summe
absorbiert  werden  müßte,“
Den  Silberbedarf  Indiens  macht  sich  die  Regierung
durch  Belegung  der  Einfuhr  mit  einem  Silberzoll  nutzbar,
der  im  März  1910  von  5%  des  Wertes  auf  4  Annas  pro
Unze  erhöht  worden  ist;  bei  dem  damaligen  Silberpreis  entspricht ­
  das  einem  Zoll  von  17%  des  Wertes  1 ),
Ein  besonderes  Gepräge  verleiht  dem  internationalen
Zahlungsverkehr  Indiens  der  Umstand,  daß  die  indische
Regierung  mit  großen  Überweisungen  an  ihm  beteiligt  ist.
Indien  hat  alljährlich  in  London  für  Zinsen 1  2 ),  Tilgungsraten ­
  und  Pensionen  für  die  zahlreichen  britisch-indischen
Beamten  die  sogenannten  home  charges,  etwa  17  Mill.  £  3 )
zu  zahlen.
Volkswirtschaftlich  wird  dieser  Betrag  natürlich  durch
den  indischen  Ausfuhrüberschuß  gedeckt,  finanztechnisch
kann  die  Abdeckung  auf  den  zwei  Wegen  geschehen,  die
jeder  Privatwirtschaft  zur  Verfügung  stehen;  die  indische
Regierung  kann  remittieren,  d.  h,  den  dortigen  Exporteuren
oder  den  dahinter  stehenden  Banken  ihre  Londoner  Überschüsse ­
  abkaufen  und  dem  Indian  Council  in  London  überweisen ­
  lassen,  oder  sie  kann  von  London  aus  auf  die  indischen ­
  Staatskassen  trassieren  und  diese  Abgaben  in  London
verkaufen.  Gewählt  wird  der  letzte  Weg,
Der  Indian  Council  in  London  läßt 4 )  durch  die  Bank
von  England  regelmäßig  im  offenen  Geldmarkt  auf  Rupien
lautende  Wechsel,  sogenannte  council  drafts,  oder  Kabelüberweisungen ­
  auf  die  Schatzämter  in  Kalkutta,  Bombay
oder  Madras,  je  nachdem  welcher  Zahlungsort  verlangt
wird,  verkaufen.  Früher  stellte  die  Bank  von  England  die
Council  drafts  nur  jeden  Mittwoch  zum  Verkauf;  es  ist
1)  Über  die  Bedeutung  der  Maßregel  siehe  auch  Volkswirtschaftliche ­
  Chronik  1910  S.  200.
2)  Nach  Schilling,  London  als  Anleihemarkt  der  englischen
Kolonien  (Münchener  Volksw,  Studien  110/1911),  belief  sich  Indiens
Anleiheschuld  1908  auf  rund  250  Mill,  £.
3)  Nach  dem  deutschen  Handelsarchiv  betragen  die  home
charges  25,75  Mill.  £  jährlich,
4)  Nach  S  w  o  b  o  d  a  ,  Arbitrage,
        <pb n="51" />
        47

jedoch  üblich  geworden,  daß  sie  sie  auch  Donnerstags  mit
einem  geringen  Aufschlag  gegen  den  Preis  vom  Tage  vorher
abgibt.  Die  Bank  macht  jeweils  im  Geldmarktbericht  der
Zeitungen  bekannt,  wie  der  Mindestpreis  ist,  welche  Beträge
zum  Verkauf  kommen  und  wieviel  verkauft  w r urde,  (Siehe
auch  den  Kurszettel  von  Kalkutta),  An  den  übrigen  Tagen
finden  ebenfalls  Verkäufe,  sogenannte  Extra-Allotements
statt,  aber  nur,  wenn  der  gebotene  Kurs  genehm  ist J ),
Es  ist  klar,  daß  ein  solcher  großer  Verkäufer  auch  eine
entsprechend  bedeutsame  Rolle  am  englisch-indischen
Devisenmarkt  spielt,  aber  diese  Rolle  unterscheidet  sich
nicht  grundsätzlich  von  den  Verhältnissen,  die  bei  einem
privaten  Händler  obwalten  würden;  auch  wird  per  Saldo  der
Rhythmus  des  indischen  Wechselkurses  nicht  gestört,  da
der  Forderungsbestand  hüben  und  drüben  gegeben  ist,
gleichviel  in  welchen  Händen  er  sich  befindet.  Nur  der
Umstand,  daß  der  Inhaber  so  großer  indischer  Forderungen
eine  staatliche  Verwaltung  und  nicht  eine  ausschließlich
von  dem  „Gewinnstreben“  beherrschte  Privatwirtschaft  ist,
bedeutet  einen  Unterschied,  Der  Indian  Council  ist  durch
größere  Öffentlichkeit,  Regelmäßigkeit  der  fälligen  Zahlungen ­
  und  nicht  zuletzt  durch  die  mehr  oder  weniger  schematische ­
  Handhabung  nicht  so  frei  in  seinen  Abgaben,  wie
dies  eine  Bank  sein  würde,  die  im  Besitz  so  großer  Posten
den  Kurs  nach  Gutdünken  in  gewissem  Umfange  werfen
oder  steigern,  etwa  aus  Anlaß  eines  höheren  indischen
Zinssatzes  zeitweise  nicht  am  Markt  sein  könnte.  Am
meisten  fällt  hier  die  größere  Öffentlichkeit  der  Abgaben
ins  Gewicht;  der  ganze  Jahresbedarf  ist  im  voraus  durch
das  Budget  festgelegt,  man  weiß,  wieviel  bereits  verkauft
ist,  wieviel  noch  im  ganzen  und  wieviel  noch  zum  nächsten
Termin  zum  Verkauf  kommt.  Bei  der  Beurteilung  der
preisbildenden  Wirkung  der  Council  drafts  sind  daher  zwei
Momente  zu  beachten,  der  hohe  Betrag  —  es  handelt  sich
bei  17  Mill,£  um  rund  8  %  des  gesamten  indischen  Außenhandels ­
  2 )  oder  um  rund  die  Hälfte  des  seit  Havenstein  verdoppelten ­
  Devisen-Umsatzes  der  Reichsbank  —  und  die
vorherige  Abschätzungsmöglichkeit,
li)  Die  Frankfurter  Zeitung  berichtet  regelmäßig  über  die  Allotements
  von  Council  Bills,
2)  Singer  schätzt  den  Betrag  der  Council  Bills  sogar  auf
aller  ungebetenen  indischen  Wechsel.
        <pb n="52" />
        Die  allgemeine  Wirkung  der  Council  drafts  auf  den
Wechselkurs  ist  gegen  Indien  und  seine  währungspolitischen ­
  Interessen,  Im  übrigen  bilden  der  Verkauf  der  Regierungstratten ­
  in  London  und  der  eigentliche  Devisenhandel ­
  in  Indien  einen  einheitlichen  Markt,
Der  Erfahrungssatz,  daß  sonst  Remittieren  günstiger
ist  als  Trassieren,  legt  die  Frage  nahe,  ob  nicht  auch  die
indische  Regierung  besser  fahren  würde,  wenn  sie  in  Indien
als  Käufer  für  Tratten  oder  Kabelüberweisungen  aufträte.
Der  Satz  selbst,  der  nur  für  bereits  festgesetzte  Kurse  und
nicht  für  A  rbitragen  während  der  Börsenpreisbildung
Gültigkeit  hat,  läßt  sich  hier  wegen  der  vorherigen  Limitierung ­
  nicht  anwenden.  Für  den  Modus  des  Trassierens
spricht  äußerlich  gesehen,  die  Eigenschaft  Londons  als  der
große  Geldmarkt,  „an  dem  ohne  Schwierigkeit  jede  Summe
untergebracht  werden  kann".  Aus  dem  nachfolgenden
Schema  ergibt  sich,  daß  bei  Remittierung  weder  darin
noch  in  der  Größe,  Organisation  oder  Finanzierung  des  indischen ­
  Geldmarktes  eine  Änderung  eintreten  müßte.

-&amp;lt;illllilllllllimillima  Weg  des  Geldes

-&amp;lt;♦♦♦♦♦♦♦♦♦■  Weg  der  Tratte  ^  Preisbildung  der  Tratte
&amp;lt;  ■  Weg  der  Rimesse

O  Preisbildung  der  Rimesse.
        <pb n="53" />
        %

Formular  1.  No.  1.  Mission  Row,  Calcutta.
PIGOTT,  CHAPMAN  &amp;amp;  CO.’S  EXCHANGE  REPORT  FOR  MAIL  OE  21ST  SEPIEMPER  1911.

F.
15™  Sept.
iqi  1

S,
16™  Sept.

M.
18™  Sept,

T,
19™  Sept.

W.
20™  Sepk.

JH.
21ST  Sept.

s.  d.

s.  d.

«,  d.

s.  d.

s.  c/.

Opening  Rate
s.  d.

On  London.  Bank  Bills,  4  M/S

1-4  Vs

1-4  Vs

P4  Vs

1-4  Vs

1-4*8

1-4  Vs

11  ^  1,  •••

1.4  »/„

1-4  %S

P4  3 / 3 s

1‘4  Vs2

1-4  V32

1-4  % 2

„  Demand

1-4  Vis

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Credits  &amp;amp;  D/Acceptance  6  M/S  ...

P4  %«

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Documents  for  Payement  Ct  '/ 32 nd  higher  for  3  &amp;amp;  4  M/S  ...
«VisUi  „  „  6
On  France,  Private  Bills  6  M/S.  D,  A....

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1.71  V*

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On.  France,  Bank  Bills  on  Demand

1-67

1-67

1  67

1-67

1-67

1  67

On  Germany,  Private  Bills,  3  M/S  D,  A.

P39  1/4

1-39  l /s

1-39  V*

1-39  */«

1-39  Vs

1-39  */s

On  Germany.  Bank  Bills,  on  Demand

1-36

1-36

1.36

1.36

1-36

1-36

On  Hongkong.  Private  Bills  30  D/S

Rs.  132  p  100$

Rs.l32‘Mp  100$

Rs.  132  p  100$

Rs.l31 3 Mp  100$

Rs.l31 3 Mp  100$

Rs.l31 3 Mp  100$

On  Shanghai.

Rs.  175  V*

Rs  176  l U

Rs.  175  %

Rs.  175  V&amp;lt;

Rs,  175  */ 4

Rs.  175  */ 4

Mauritius.  Private  Bills  60  D/S

2  %  Dis,

2  o/ 0  Dis.

2  %  Dis.

2  %  Dis,

2  %  Dis.

2  %  Dis.

Melbourne.  60  D/s  1
Natal.  3  M/S  |

1-4  u /ie

P4  “/„

l-4 u /.e

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1'4 TT /ia

1-4 2

On  Bombay,  Bank  Bills  T.  T.

Par.

Par

Par,

Par.

Par.

Par,

„  60  D/S

99

99

99

99

99

99

Govt.  Securities,  3%  %

Rs  95-8-0

Rs  95-8-0

Rs.  95-8-0

Rs.  95-8-0

Rs.  95-7-0

Rs.  95-7-0

Enfaced  Rupee  Paper.  3*/s  %

£  64-0-0

£  64-0-0

£  63-17-6

£  63-17-6

£  63-17-6

£  63-17-6

Bank  of  Bengal,  Minimum

4%

40/0

4%

4°  0

4  0  0

4%

QUOTATIONS  FROM  LONDON.
Bank  Bills,  30  D/S.  on  Calcutta

P3-V.6

l-3i5/. 6

1-3  13  , 6

1-3  15 /io

1-3  * 3 /,6

1.3  *5/,„

Silver,  per  oz  in  London.

24 3 /inrf.

24%  d.

24  Vie  d.

24  3 /.od.

24  a /,6  d.

24  %  d.

„  „  „  America

52 3 /sc.

52  '/sc.

52  %  c.

52  3 /s  c.

52  8 /g  c.

52  */s

Paris  on  London

2520

25.16

25.16  */s

25-18

25  19

25-19  */s

New  York  on  London

4  86

4-86 1 /,

4.86  V»

4  86  V*

4-86  */t

4  86  V 8

Bank  of  England  rate  of  Discount.

3  %

3  ®/ 0

3  %

3  %

3  %

3  %

Rate  in  open  Market  for  3  M/S.

3*/ 8  %

3'/s  %

3 s /i«%

3  6  0/0

3  */•«  °/o

3  s / 4  %

6

3%  °/o

3%°/o

3%  %

35  s  %

3 3 /4°/o

3  ’/s  %

ßank  of  France,

3  °/o

3  %

3  %

3  %

3  «/«

3  o/ 0

Deutsche  Reichs-Bank.

4  0/0

4  °/o

4  %

5  %

5  °/o

5  %

Couacil  Dralls  of  4th  September  1911
Bills  Rs.  47,30,000  Tenderers  at  l"4*/ 3 2  Received  7%  Average  16  03
T.  T.  „  12,70,000  „  „  1-4Vi 6  „  7%  ,.  1607
Total  Rs.  60,00,000
Extra  allotments  for  week  ending  20th  September  1911.
Nil.

Council  Drafts  of  21st  September  1911.
~  büü
Calcutta
Bombay
Madras
T.  T.

Allotted  Rs.  45,70,000  i  Tenderers  at  l.d'/ig

10,80,000
1,60,000

,  Received  93°/o
'  Average  16,06

Calcutta
Bombay
Madras

Allotted  Rs,

|  Tenderers  at  1.4 3 / 32
&amp;gt;  Received  93%
1,90,000  ’  Averags  16,09

Total  Rs.  60,00,000

Extra  allotments  of  21st  September  1911.
Rs.  30,000  O.  D,  at  l'4 3 / 3 2  Calcutta.
Next  week  Rs.  60  les.

w  ö

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H

CN

Ol

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T-H

Ol

01

Amount  of  Council  drafts  budgeted  for_19i  1-1912

Ü

£  17,158,300

Amount  of  Council  Drafts  drawn  from  Ist  April  1911  to  date  11,638,397*  =  Rs.  18,38,67,500
Do.  do.  do.  same  date  to  22nd  September  1910  £  10,712,409  =  Rs.  16,04,77,200
Balance  to  be  drawn  £  5,519,903  l'4 3 / 8 2  =  Rs.  8,23,15,872
Do.  do.  per  week  £  204,440  1’4 3 / 3 i  =  Rs.  30,48,736
Amount  of  Govt.  Demand  Drafts  drawn  by  the  Comptroller
General  upon  the  Secretary  of  State.  London,  from  Ist  April  to  2oth
September  1911.
Amount  of  Govt.  Demand  Drafts  drawn  by  the  Comptroller
General  upon  the  Secretary  of  State.  London,  on  21st  September  1911,

£  Nil,

£  Nil.

SPECIES  ShIPMENT—  of  9th  September  1911.
Silver  to  Calcutta  £  30,000
Gold  to  do.  £
Silver  to  Bombay  £  280,000
Gold  to  do.  £  50,000

a  1*4Vi6

Silver  Rs.  46,31,906
Gold  „  7,47,081

Total  Silver  shipped  from  London,  from  Ist  April  1911  to  date
Do.  Gold  do.  do.  do.  do.

Rs.  3,64,66.117
„  4,54,85,784

Total  Silver  shipped  from  London.  Ist  April  up  to  22nd  September  1910  ...  Rs.  3,52,60,611
Do.  Gold  do.  do.  do.  do,  do.  ...  4,71,44,929

■  GENERAL  summary.
lednesday  Evemng^he20t^eptemb^J9JL—The^mai\iet  ^has  been  very  firm  a l[  the  wee k  with  a  fair  amount  of  bills  offering  both  for  near  and  forward.  There  is  not  much  mquiry
I^ay  M ° rnin S'  the  2Ist  September  1911.-Market  onens  firm,'"Bank  of  Bengal  rate  remains  unchanged  at  4%.
Of  this  sum  £  1,333  300  has  been  placed  to  the  account  of  the  Currency  Reserve  for  Investment  in  Consols,
        <pb n="54" />
        49

Während  der  Weg  der  Tratte  umgekehrt  verläuft  wie
derjenige  der  Rimesse,  bleibt  der  Weg  der  effektiven  Zahlung ­
  für  beide  Methoden  bestehen,  nämlich  die  indischen ­
  Staatskassen  zahlen  den  Betrag  an  private  Unternehmungen ­
  in  Indien,  und  in  England  sind  es  wiederum
private  Unternehmungen,  die  den  Betrag  an  den  Indian
Council  zurückführen.  Das  für  die  indischen  Staatszahlungen ­
  notwendige  Kapital  muß  sich  demnach  in  beiden  Fällen
in  Indien  und  in  London  befinden,  es  ist  nicht  so,  als  ob
man  es  dem  „großen  Geldmarkt"  London  als  einem  unergründlichen ­
  Reservoir  entnähme.  Wichtig  für  die  Entscheidung ­
  der  Frage  sind  dagegen  die  Spesen,  die  in  beiden
Fällen  der  indischen  Regierung  entstehen.
Zur  Untersuchung  des  indischen  Wechselkurses  sind
die  Notizen  von  Kalkutta  herangezogen  worden;  der
nachstehend  wiedergegebene  ausführliche  Kurszettel  einer
dortigen  Maklerfirma  (Formular  1)  zeigt  ein  anschauliches
Bild  des  indischen  Devisenverkehrs,
Als  Preisstufen  sind  üblich  V 32  d  und  */ 4  Pfennig.  Die
Kurse  von  Kalkutta  und  Bombay  differieren  höchstens  um
eine  Preisstufe,  also  um  1 / 32  d.  Über  die  Frage,  welcher  der
beiden  Plätze  der  tonangebende  sei,  wird  berichtet:  „Obgleich ­
  Kalkutta  der  etwas  größere  Geldmarkt  und  meist
der  tonangebende  Platz  ist,  gibt  Bombay  bei  der  Preisbildung ­
  doch  manchmal  den  Ausschlag,  z.  B.  im  Mai,  Juni
und  Juli,  wenn  die  Exportzeit  für  Saaten  und  Weizen  ist,
da  das  Exportgeschäft  in  Kalkutta  dann  dort  kleiner  als
dasjenige  in  Bombay  ist".  Aus  den  zur  Verfügung  stehenden ­
  t.  t.  Notizen  der  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking  Corporation ­
  für  Kalkutta  und  Bombay  ergibt  sich,  daß  die
Notierung  in  Kalkutta  im  Jahre  1910  sich  bei  300  Notierungstagen ­
  rund  50  mal  änderte.  In  Bombay  änderte  sich
die  Notiz  zwar  nicht  ganz  so  oft,  rund  45  mal,  dafür  waren
aber  unter  den  50  Änderungen  Kalkuttas  28,  die  1—4,  sogar
bis  zu  9  Tagen  vorher  bereits  in  Bombay  eingetreten  waren,
während  es  sich  bei  den  anderen  Fällen  meistens  um
gleichzeitige  Änderungen  handelte.  Da  aber  der  Unterschied ­
  niemals  mehr  als  1 / 32  d  betrug,  wird  die  Untersuchung
dadurch  nicht  beeinträchtigt.  Der  Devisenumsatz  in
Kalkutta,  der  in  außergewöhnlichen  Fällen  %  Mill.  £  pro
Mahlberg,  Asiatische  Wechselkurse.  4
        <pb n="55" />
        50

Tag  und  mehr  betragen  kann,  wird  im  Durchschnitt  auf
75000  £  täglich  geschätzt;  der  Anteil  an  Markwechseln
dürfte  dabei  kaum  1  %  ausmachen-In
  den  Diagrammen  1—4  ist  der  Verlauf  der  t.  t,  Notiz
für  London  und  deren  Umrechnung  in  Mark  für  die  Jahre
1907—1910  nach  den  Veröffentlichungen  der  Deutsch-Asiatischen
  Bank  dargestellt. 1 )  Zu  beachten  bleibt,  daß  die
Kurse  vom  Standpunkte  Indiens  aus  wegen  der  indirekten
Notiz  umgekehrt  zu  lesen  sind;  so  wie  sie  dastehen,  sieht
ihr  Verlauf  von  England  bezw,  Deutschland  her  aus  und
zwar  bei  direkter  Notierungsweise.  Von  letzterem  Standpunkte ­
  sollen  der  Übersichtlichkeit  halber  die  folgenden
Ausführungen  gelten.
Das  Jahr  1907  eröffnete  im  ersten  Viertel  mit  einem
Kurs  von  l/4 5 / 32 —1  /4 1 / s ,  das  ist  über  bezw.  auf  englischem
Goldexportpunkt;  von  April  bis  September  fiel  der  Kurs  —
mit  einer  Unterbrechung  im  Mai,  Juni  —  andauernd  bis  auf
l/3 31 / 32 .  Nach  einer  kurzen  Erhöhung  Ende  September  fiel
er  im  November  rapide  bis  auf  den  unerhörten  Satz  von
l/3 23 / 32 ,  d,  i,  eine  Entfernung  vom  Pari,  die  das  Doppelte
der  Goldverschiffungskosten  von  Indien  nach  England  ausmacht, ­
  Dieser  Satz  dauerte  nur  wenige  Tage,  Ende  November ­
  bis  Ende  Dezember  stieg  der  Kurs  wieder  auf
1/3  15 /i 6 .  Wesentlich  ruhiger  war  der  Verlauf  1908,  indem
der  Kurs  dauernd  unter  Pari  und  meistens  auf  der  für
England  günstigen,  für  Indien  ungünstigen  Goldgrenze
blieb  oder  diese  überschritt.  Im  einzelnen  war  der  Verlauf
dieser:  erstes  Vierteljahr  hoher  Kursstand,  von  da  ab
Fallen  der  Notiz  mit  geringer  Steigerung  im  April,  Tiefpunkt ­
  im  3,  Quartal,  kurze  Erhöhung  im  September,  dann
abermaliges  Fallen  und  zum  Jahresschluß  Steigen  des
Kurses.  Auch  in  den  ersten  drei  Quartalen  von  1909  war
der  Kurs  noch  unter  Pari,  also  für  England  günstig,  für
Indien  ungünstig,  wenn  auch  nicht  mehr  so  stark  wie  1908;
im  letzten  Quartal  steigt  die  Notiz  schnell  und  bleibt  hoch
bis  zum  Jahresende,  Die  Einzelbewegungen  erscheinen
gegen  die  Vorjahre  etwas  verschoben,  vorhanden  ist  die
1)  Bei  allen  Diagrammen  ist  zu  beachten,  daß  es  sich  um  tägliche
Notierung  handelt;  infolgedessen  sind  die  Diagramme  der  asiatischen
Kurse  doppelt  so  breit  wie  die  früher  erwähnten  Frankenkurs-Diagramme,
die  nur  3  Notizen  pro  Woche  enthalten.
        <pb n="56" />
        51

Steigerung  im  Mai—Juni,  der  Tiefstand  im  3,  Quartal,  die
Steigerung  im  September—Oktober  und  zum  Jahresende.
Die  scharfe  Spitze  im  Oktober,  die  einen  Kurs  von  l/4 8 / 16
und  Ji  l,38 3 / 4  darstellt,beruht  wohl  auf  einer  irrtümlichen
Veröffentlichung,  die  richtigen  Kurse  waren  an  dem  Tage
in  Kalkutta  1/4 1 / 10  und  M.  1,36 1 / 2 ,  Das  Jahr  1910  endlich
zeigt  im  Durchschnitt  wieder  einen  Verlauf  über  Pari  und
für  Indien  günstig,  so  daß  die  im  Herbst  1907  beginnende
Baisse,  bezw.  für  Indien  Hausse,  1910  ihr  Ende  erreicht.
Das  Jahr  1910  kann  hinsichtlich  der  absoluten  Kurshöhe  als
normal  angesehen  werden,  es  entspricht  etwa  der  Kurshöhe
1905  und  1906.  An  einzelnen  Zügen  ergeben  sich;  Hoher
Stand  im  ersten  Viertel,  Abschwächung  April,  Mai,  Ansteigen ­
  im  Juni,  relativer  Tiefstand  im  Juli,  August,  Steigerung ­
  im  Herbst.  Die  in  den  anderen  Jahren  sich  zeigende
Aufwärtsbewegung  zum  Jahresende  tritt  nicht  so  scharf  hervor.
Die  tatsächlichen  Schwankungsgrenzen  der  4  Jahre  sind;
höchster  Kurs  niedrigster  Kurs
sh.  d  Ji  sh.  d  4

1907  1/4  5/32  1,38i/ 4  ./.  1/3  23/32  l,34 J /4
1908  1/3  31/32  1,36 1 / 4  1/3  27/32  l,34»/ s
1909  1/4  1/8  1,371/2  1/3  27/32  l,34«/ 4
1910  1/4  3/16./.  l,37i/ 2  1/3  29/32  1,35»/ 4
Diese  Kurse  wiederholten  sich  mehrfach  mit  Ausnahme  der
mit  dem  Zeichen  ,/.  versehenen.  Die  Jahresdurchschnitte
der  Kurse  stellten  sich  ungefähr  auf:

1907  1908  1909  1910
I/41/32  l/3 7 /s  I/3S1/32  1/41/32
Über  die  Wirtschaftslage  Indiens  in  den  untersuchten
Jahren  sei  nach  den  Konsularberichten  des  Deutschen  Handels-Archivs ­
  1907—1911  folgendes  erwähnt:
Noch  1906  war  die  allgemeine  Lage  günstig;  Geld  stellte  sich
sehr  teuer,  im  Jahresdurchschnitt  auf  7,8  °/ n ,  im  Dezember  1906  sogar
auf  9  °/ 0 ,  Mit  1907  trat  ein  Umschwung  ein.  Zwar  erreichte  der
Außenhandel  noch  eine  Rekordziffer,  aber  dennoch  lag  das  Geschäft ­
  sehr  ungünstig.  Der  schlechte  Ausfall  der  Regenzeit  in  Nordund
  Zentralindien  ließ  große  Mengen  Waren,  die  in  Erwartung  eines
guten  Monsums  bezogen  worden  waren,  unverkauft,  und  in  der  eingeborenen ­
  Händlerschaft  kam  es  zu  zahlreichen  Zahlungseinstellungen. ­
  Auch  für  die  Ausfuhr  trat  im  Herbst  ein  starker  Rückgang  ein.
Die  schlechten  Ernten  hatten  in  weiten  Teilen  Indiens  eine  Hungersnot ­
  hervorgerufen,  und  zudem  wirkte  der  plötzliche  Rückschlag  auf
        <pb n="57" />
        52

dem  Weltmarkt  ungünstig  ein.  Bemerkenswert  ist  eine  starke  Geldnachfragc
  gegen  Jahresende  bis  Februar  1908,  die  sich  bei  der  Finanzierung ­
  der  Baumwollernte  ergab.
Die  Ereignisse  von  1907  kamen  erst  1908  durchdringend  zum
Ausdruck.  Die  etwas  bessere  Ernte  konnte  den  Ausfall  des  Vorjahres
nicht  ausgleichen,  während  gleichzeitig  die  europäische  Nachfrage  für
wichtige  indische  Produkte  unzureichend  blieb.  Auf  die  Einfuhr
drückten  die  noch  aus  1907  vorhandenen  und  zu  hohen  Preisen  hereingenommenen ­
  großen  Vorräte,  Nebenumstände  verschärften  die  Lage.
So  herrschte  eine  nach  dem  Glauben  der  Hindus  besonders  ungünstige
Konstellation  der  Gestirne,  es  unterbleiben  daher  sämtliche  Hochzeiten, ­
  die  einzige  Gelegenheit,  bei  denen  der  sonst  genügsame  und
sparsame  Hindu  sich  zu  größeren  Ausgaben  versteht.  Gegen  Jahresende ­
  wurde  der  Handel  eine  Zeit  lang  lahm  gelegt  durch  einen  Streit
zwischen  Importeuren  und  einheimischen  Händlern  über  die  Abfassung ­
  und  die  Bedingungen  der  Indents.  Endlich  machte  sich  die  Agitation ­
  zu  Gunsten  heimischer  Fabrikate,  die  sogenannte  Swadeshi-Bewegung,
  störend  bemerkbar.
Bezeichnend  für  die  allgemeine  Lage  in  1908  sind  die
folgenden  Ausführungen  des  deutschen  Handelssachverständigen ­
  in  Bombay:  „Die  indische  Regierung  konnte
1908/09  (April-März)  nicht  in  der  üblichen  Weise  mit  Council ­
  drafts  regulieren,  da  die  Ausfuhr  beträchtlich  zurückgegangen ­
  war.  Hätte  der  Staatssekretär  von  Indien  in  London ­
  den  Versuch  gemacht,  seine  ganzen  Forderungen  auf
Indien  von  London  aus  zu  trassieren,  so  würde  der  Wechselkurs ­
  sofort  beträchtlich  heruntergegangen  sein.  Um  das  zu
verhüten,  wurde  trotz  heftiger  Einsprüche  der  Banken  und
Handeltreibenden  Gold  aus  Indien  seitens  der  Regierung
remittiert.  Der  hierdurch  dem  indischen  Handel  entzogene
Betrag  belief  sich  auf  3  607  000  Rp.  Die  Goldausfuhr  hätte
vermieden  werden  können,  wenn  den  Wünschen  der  indischen ­
  Interessenten  Rechnung  getragen  worden  wäre,  ein
Teil  der  indischen  Goldreserve  statt  in  London  in  Gold  in
Indien  selbst  zu  halten."  Wie  das  Diagramm  ausweist,  hielt
sich  der  Kurs  trotz  dieser  Maßregel  den  größten  Teil  des
Jahres  auf  und  sogar  unter  (indirekte  Notiz!)  dem  indischen
Goldexportpunkt,  sodaß  die  Einsprüche  gegen  die  indische
Regierung  als  nicht  durchschlagend  angesehen  werden  können. ­
  Ohne  diese  Maßregel  wären  die  Kurse  noch  ungünstiger ­
  und  der  Goldexport  für  jedermann  rentabel  gewesen,
während  so  die  Regierung  den  Goldabfluß  begrenzen  konnte.
Der  Forderung,  die  Goldreserve  teilweise  in  Indien  zu  halti
        <pb n="58" />
        ten,  ist  in  diesem  Zusammenhang  ebenfalls  zu  widersprechen,
denn  dann  hätte  der  größere  indische  Goldvorrat  bei  Unterbleiben ­
  der  Regierungsrimesse  lediglich  einen  absolut  größeren ­
  Goldabfluß  ermöglicht.  Die  relative  Bedeutung  des
Goldexports  wäre  dabei  vielleicht  geringer  gewesen.
Das  Jahr  1909  war  für  Indien  günstiger;  die  besonders  reiche
Ernte  konnte  im  Ausland  zu  wesentlich  gestiegenen  Preisen  untergebracht ­
  werden,  sodaß  die  Ausfuhr  Rekordziffern  ergab.  Die  Einfuhr ­
  blieb  jedoch  noch  hinter  1908  zurück,  ohne  daß  besondere
Gründe  hierfür  festgestellt  werden  konnten.
Auch  in  diesem  Jahr  griff  die  indische  Regierung  in  die
Wechselkursgestaltung  ein,  indem  sie  in  der  Zeit  vom  2.-9.
September,  als  der  Kurs  den  Goldexportpunkt  erreichte,
bezw.  überschritt,  auf  dem  indischen  Markt  als  Verkäufer ­
  für  Sterling-Tratten  (im  ganzen  156  000  £),  also
ihrer  sonstigen  Zahlungsrichtung  entgegengesetzt,  auftrat*),
Da  erfahrungsgemäß  —  sogar  im  Jahre  1907  —  der  Wechselkurs ­
  im  letzten  Jahresviertel  sich  stets  für  Indien  günstiger ­
  stellt,  konnte  sich  der  Staatssekretär  später  wieder  eindecken, ­
  Daß  diese  Operation  einer  Goldverschiffung  vorzuziehen ­
  ist,  ist  selbstverständlich.
Aus  dem  Wirtschaftsbericht  1910  ist  Nachstehendes  zu
erwähnen:
Die  Witterungsverhältnisse  waren  im  allgemeinen  günstig,  Regen
fiel  reichlich  und  regelmäßig  über  den  ganzen  Kontinent,  sodaß  die
Ernten  wiederum  ausgiebig  ausfieleh.  Als  natürliche  Folge  der  vorzüglichen ­
  landwirtschaftlichen  Lage  nahm  der  Ausfuhr-  wie  der  Einfuhrhandel ­
  einen  weiteren  Aufschwung;  die  Plazierungsmöglichkeiten
waren  ebenfalls  günstig  und  somit  konnte  die  ersehnte  Besserung
endlich  eintreten.
Die  Ziffern  des  indischen  Außenhandels  sind  für
bis  1910  folgende:
Indiens  Außenhandel
Einfuhr  nach  Indien
Gesamteinfuhr
davon  aus
England
1)  Nach  Angaben  eines  von  der  Firma  Page  u.  Gwyther,  Discount
u,  Exchange  Brokers,  Gracechurch  Street  17,  London  E.  C,,  veröffentlichten ­
  Diagramms  über  Indian  Council  Bills;  ein  Exemplar  des  Diagramms ­
  befindet  sich  im  Archiv  der  Cölner  Hochschulen,

zur

S  e  e  i  n

MUL

1907

1908

1909

1618

1788

1515

1105

1166

1000
        <pb n="59" />
        54

Deutschland

58

52

49

42

Australien

83

90

35

46

davon

Silber  für  Private

87

121

142

124

„  „  die  Regierung

173

94

1

0,8

Gold  für  Private

185

207

84

250

,,  „  die  Regierung

0,6

0,2

0,0

0,1

Ausfuhr  aus  Indien  im  ganzen

1827

1829

1595

1943

davon  nach

England

510

491

405

527

Deutschland

198

203

156

179

Ver,  St.  von  Nord-Amerika

158

136

132

143

China  mit  Hongkong  1 )

191

155

192

194

davon

Silber  für  Private

20

21

23

30

,,  „  die  Regierung

0,0

0,0

0,0

0,0

Gold  1  2 )  für  Private

37

34

37

33

Gold  für  die  Regierung

—

—

3,6

0,0

Die  Einfuhr  Indiens  verhielt  sich

in  den  untersuchten

Jahren  zur  Ausfuhr:

1907

1908

1909

1910

wie  100  zu  113

102

107

121

Vergleicht  man  damit  die  Jahresdurchschnittskurse  von
S.  51,  so  wird  eine  gewisse  Übereinstimmung  zwischen  Kursniveau ­
  und  allgemeiner  Wirtschafts-  bezw.  Außenhandelslage, ­
  die  sich  bereits  aus  den  angeführten  Berichten  ergab,
auch  zahlenmäßig  deutlich.
Von  nennenswerten  Investierungen  europäischen  Kapitals ­
  ist  in  den  vier  Jahren  nicht  zu  berichten.
An  Zinssätzen  wird  in  Indien  nur  die  Rate  der  Bank
of  Bengal,  die  als  Staatsbank  angesehen  wird,  offiziell  notiert, ­
  während  die  in  den  Zeitungen  veröffentlichten  Zins1) ­
  Die  Wechselkurse  für  die  Exporte  nach  China  werden  nicht
in  Indien  gesichert,  sondern  in  China,  ähnlich  wie  von  Europa  nach
dem  Osten  durch  die  Kursklausel  in  der  Tratte.
2)  Hierin  ist  die  indische  Eigenproduktion  von  Gold  (1908/09
31,5  Mill,  Rp.)  enthalten,  die  regelmäßig  von  den  indischen  Bergwerken ­
  nach  London  zur  Feststellung  des  wirklichen  Goldgehalts  gesandt ­
  wird;  ein  gleicher  Betrag  ist  auch  bei  der  Einfuhr  zu  berücksichtigen. ­
  (Deutsches  Handelsarchiv,  Berichte  aus  Bombay  1910.)
        <pb n="60" />
        55

raten  für  tägliches  Geld  und  Depositen  auf  kurze  Kündigung ­
  meist  nur  ungefähr  den  Satz,  zu  dem  Geldgeschäfte
abgeschlossen  wurden,  angeben.  Einen  Privatsatz  im  Sinne
des  Londoner  oder  Berliner  Privatdiskonts  kennt  man  in
Indien  nicht;  bei  Wechseldiskontierungen  wird  der  Zins  zwischen ­
  den  Beteiligten  von  Fall  zu  Fall  festgesetzt,  offizielle
Notierungen  werden  darüber  nicht  veröffentlicht.  Immerhin ­
  nimmt  man  drüben  an,  daß  Platzwechsel  meist  zu  1%
unter  der  Rate  der  Bank  of  Bengal  gehandelt  werden,  die
sich  im  Jahresdurchschnitt  wie  folgt  stellte:
Bank  of  Bengal  1907  1908  1909  1910
Durchschnittlich  6,105°/ 0  5,83°/ 0  5,243°/ 0  5,326°/ 0
abzüglich  l°/ 0  5,105%'  4,83%  4,243%  T,326%
Londoner  Marktsatz  4,  53%  2,31  %  2,  31%  3,  18%
Kalkutta  über  LondoiTo,575%  2,52%  1,933%  U46%
t.t.  London/Kalkutta  l/4% 2  1/3%  1/3 31 /s2  l/4%2
Die  Höhe  der  Zinsspannung  Kalkutta-London  bewegt
sich  zwar  in  einem  ganz  ähnlichen  Rhythmus  wie  die  Jahresdurchschnitte ­
  der  t,  t,  Notiz,  aber  dennoch  sind  beide  Bewegungen ­
  als  durchaus  gegensätzlich  anzusehen,  da  höherer
indischer  Geldstand  indische  Forderungen  auf  London  im
Werte  mindert,  während  z.  B,  1/3%  für  1908  ein  hoher
Wechselkurs  ist,  (Sieht  man  die  t.  t.  Notiz  als  direkte  Notierung ­
  Englands  auf  Indien  an,  so  macht  der  höhere  Zins
Indiens  indische  Wechsel  wertvoller,  während  die  t,  t,  Notiz
einen  namhaften  Preisfall  zeigt.)  Das  Kursniveau  im  g  a  nz
  e  n  kann  daher  nicht  von  der  Zinsspannung  bestimmt  sein,
der  ähnliche  Rhythmus  beruht  vielmehr  darauf,  daß  durch
die  allgemeine  Weltkonjunktur  der  indische  Wechselkurs
und  der  englische  Marktdiskont  beeinflußt  wurden,  während ­
  der  indische  Banksatz  im  Jahresdurchschnitt  ziemlich
unverändert  blieb,  sodaß  die  Spannung  der  beiden  letzteren
lediglich  die  Bewegung  des  englischen  Satzes  deutlich  werden ­
  läßt.  Einer  ähnlichen  Täuschung  könnte  man  sich  hingeben, ­
  wenn  man  die  später  folgenden  Linien  des  Londoner
Silberpreises  mit  der  Kalkutta  t.  t,  Notierung  vergleicht.
Hier  zeigt  sich  auf  lange  Strecken  eine  so  ausgesprochene
Parallelität,  daß  man  glauben  könnte,  Silberpreis  und  indischer ­
  Wechselkurs  bedingten  einander,  Indien  sei  also  noch
        <pb n="61" />
        56

immer  im  Banne  des  Silbers,  während  auch  hier  die  Weltkonjunktur ­
  für  beide  die  Ursache  ist.
Wie  im  einzelnen  Wechselkurs  und  britisch-indische
Zinsspannung  sich  zueinander  verhalten,  zeigt  Diagramm
Nr.  1—4,  wobei  unter  Platzdiskont  in  Kalkutta  der  um  1  °/ 0
verminderte  Satz  der  Bank  von  Bengalen  zu  verstehen  ist.
Die  gestrichelte  Linie  zeigt  an,  wieviel  Prozent  der  letztere
Satz  über  (-f)  oder  unter  (—)  dem  Londoner  Marktdiskont
sich  jeweilig  befand.  Bei  dem  Verlauf  der  Kurve  sind  zwei
Bewegungen  zu  unterscheiden,  und  zwar  die  von  Änderungen ­
  des  Londoner  und  die  von  Änderungen  des  indischen
Diskonts  ausgehenden  Bewegungen.  Da  der  indische  Satz
als  Banksatz  sich  stets  nur  um  ganze  Prozente  geändert  hat,
zeigt  die  Kurve  an  diesen  Stellen  ein  senkrechtes  Fallen
oder  Steigen  um  rund  1  °/ 0 ,  während  jedes  Schwanken  der
Kurve  um  kleinere  Beträge  von  London  ausgeht.
Der  Verlauf  der  Zinsdifferenz-Linie  zum  Wechselkurs
bestätigt  im  wesentlichen  das  Ergebnis  der  Jahresdurchschnitte; ­
  nur  für  1907  könnte  man  von  einem  in  etwa  gleichmäßigen ­
  Verlauf  für  längere  Zeit  sprechen,  während  die
anderen  Jahre  im  ganzen  einen  fast  gegensätzlichen  Verlauf ­
  zeigen.  Auch  der  Zusammenhang  bei  den  Linien  auf
kurze  Strecken,  der  sich  z.  B,  bei  dem  deutsch-französischen ­
  Wechselkurs  noch  sehr  deutlich  und  regelmäßig  zeigt,
ist  hier  nur  schwach  ausgeprägt.  Die  von  London  ausgehenden ­
  Veränderungen  wirken  fast  gar  nicht  auf  den  Kurs
—  Ausnahme  1907  —,  und  auch  die  prozentweisen  indischen ­
  Zinsänderungen  setzen  sich  vielfach  nicht  durch.
Äußerlich  betrachtet  erscheint  bereits  die  Schwerfälligkeit
der  indischen  Wechselkursnotiz  und  des  —  im  Gegensatz
zum  Londoner  —  tägliche  Schwankungen  nicht  berücksichtigenden ­
  indischen  Diskonts  einer  engeren  Anpassung  hinderlich ­
  zu  sein.  Das  heißt  nichts  anderes,  als  daß  die  Geldmarktverhältnisse ­
  in  Indien  lange  nicht  so  scharf  organisiert
sind  wie  in  London,  daß  so  feine  Wertunterschiede,  wie  sie
in  Europa  geläufig  sind,  drüben  noch  nicht  die  Regel  bilden
und  daß  sich  vielmehr  die  Preisbildung  in  groben,  nur  ganz
starke  Einflüsse  berücksichtigenden  Bahnen  bewegt.  Vielleicht ­
  liegt  darin  schon  eine  Erklärung  für  die  geringe  Ein-
        <pb n="62" />
        57

Wirkung  der  Zinsdifferenz  auf  den  Wechselkurs  *).  Daß  das
Jahr  1907  sich  in  diesem  Sinne  als  Ausnahme  darstellt,
spricht  ebenfalls  für  die  Annahme,  denn  1907  stand  überall
die  Gestaltung  der  Geldverhältnisse  weitaus  im  Vordergründe. ­
  Im  übrigen  darf  man  aus  der  geringen  Parallelität
von  Wechselkurs  und  Zinsdifferenz  folgern,  daß  für  Indien
der  Außenhandel  hauptsächlich  den  Wechselkurs  bestimmt
und  die  Gestaltung  der  Zinsverhältnisse  an  Bedeutung  zurücktritt. ­
  Das  paßt  zu  dem  agrarischen  Charakter  des  Landes, ­
  zu  seiner  Handelsorganisation  und  zu  den  drüben  als
üblich  angesehenen  Schwankungen  des  Wechselkurses.  Man
berichtet  hierüber:  „Die  hiesigen  Wechselkurse  auf  Europa
zeigen  meist  periodische  Schwankungen;  dieselben  sind  gewöhnlich, ­
  d.  h,  in  normalen  Jahren,  Dezember-Februar,
wenn  die  große  Burma-Reisernte  und  die  Baumwollernte  in
den  westlichen  Provinzen  in  vollem  Schwünge  sind,  am
höchsten,  schwächen  sich  im  März-April,  wenn  diese  Ernten
vorüber  sind,  meist  etwas  ab,  steigen  Ende  April-Juni  wieder, ­
  wenn  der  Export  in  Saaten  und  Weizen  stattfindet,
erreichen  im  Juli  und  Anfang  August,  da  dann  in  fast  ganz
Indien  das  Exportgeschäft  ruht,  ihr  niedrigstes  Niveau  und
steigen  Mitte  August  wieder  aus  Anlaß  der  Jutesaison.‘‘
Da  sich  diese  Schwankungen  ebenfalls  aus  den  Diagrammen ­
  ablesen  lassen,  ist  man  berechtigt,  auch  für  praktisch-geschäftliche ­
  Zwecke  mit  ihnen  zu  rechnen.  Von  dem
Einfluß  der  Diskontsätze  ist  zu  behalten,  daß  vielfach  die
Diskontänderungen  der  Bank  von  Bengalen  den  Wechselkurs ­
  mit  sich  ziehen,  während  die  Londoner  Änderungen  in
der  Regel  wirkungslos  bleiben,  und  daß  zudem  teurer  Geldstand ­
  in  Europa  mit  starker  Geldnachfrage  in  Indien  und
umgekehrt  auch  die  Zeiten  des  leichtesten  Geldstandes
hüben  und  drüben  zusammen  fallen.

1)  Herr  Professor  W  a  1  b,  Cöln,  weist  mich  darauf  hin,  daß  bei
diesen  Verhältnissen  die  Anlagemöglichkeiten  für  ausländisches  Kapital ­
  besonders  zu  beachten  sind;  es  fehle  hier  die  Einrichtung  der
Privatdiskonten.
        <pb n="63" />
        58

2.  Der  Wechselkurs  von  Singapur.
Die  britische  Kronkolonie  Straits  Settlements  (Straßensiedlungen), ­
  39  509  qkm  groß  mit  612  000  chinesisch-malayischen
  Einwohnern 1 ),  besteht  aus  den  Gebieten  Singapur,
Malakka,  Penang  und  Wellesley;  als  natürliches  Hinterland
kommen  hierzu  die  ebenfalls  unter  britischer  Herrschaft
stehenden  Vereinigten  Malayenstaaten  mit  88  000  qkm  und
830  000  Einwohnern.  Die  Hauptstadt  der  Straits,  Singapur,
auf  der  gleichnamigen,  dem  südlichsten  Ende  der  Halbinsel
Malakka  vorgelagerten  Insel  mit  184  000  Bewohnern  verdankt ­
  ihre  Stellung  als  erster  Markt  im  malayischen  Archipel ­
  einer  auch  für  den  fremden  Handel  liberalen  Handelspolitik ­
  der  Regierung,  vor  allem  aber  der  natürlichen  Lage.
Etwa  gleichweit  von  Ceylon  und  Hongkong  und  von  Kalkutta ­
  und  Australien  entfernt,  schließt  Singapur  den  Eingang ­
  zum  chinesischen  Meer;  ein  Kreis  mit  dem  Mittelpunkt
Singapur  und  einem  Radius  von  1000  englischen  Meilen
schneidet  oder  schließt  ein:  Siam,  Borneo,  die  Philippinen,
Cochinchina,  die  holländischen  Besitzungen  in  Java,  Sumatra ­
  und  den  malayischen  Archipel.  Singapur  ist  daher  zu
einem  großen  Stapelplatz  für  einen  wichtigen  Teil  des
Ostens  geworden,  nach  dem  die  Erzeugnisse  dieser  Länder
zusammenfließen  und  von  dem  aus  die  europäischen  Waren
verteilt  werden,  Vielfach  ist  dieser  Verkehr  noch  reiner
Tauschhandel,  der  von  indischen,  arabischen  und  chinesischen ­
  Händlern  betrieben  wird.  So  besteht  z,  B.  zwischen
Singapur  und  seinem  größten  Abnehmer  europäischer  Manufakturwaren ­
  Siam  —  Siam  bezieht  rund  70%  seines  Imports
von  Singapur  und  gibt  dafür  namentlich  Reis  —  fast  ausschließlich ­
  chinesischer  Tauschhandel  großen  Stils.  Der
Handel  mit  Europa,  Amerika  undAustralien  wird  vonEuropäem
  beherrscht,  während  der  Verkehr  mit  Indien  und
China  in  den  Händen  von  Indiern  und  Chinesen  ruht.
Allerdings  hat  die  Stellung  Singapurs  als  Umschlagsplatz
I)  Nach  „Zur  Handelsorganisation  in  den  Straits-Settlements  und
den  Vereinigten  Malayenstaaten",  Berichte  über  Handel  und  Industrie, ­
  Bd.  XI,  1908,  Heft  9,  ebenso  Bd.  X,  1907,  Heft  10,  und  Heinrich ­
  XXXII.,  Prinz  Reuß  j.  L.:  „Die  Vereinigten  Malayenstaaten",
in  Schmollers  Jahrbuch  1910.
        <pb n="64" />
        59

durch  den  immer  größer  werdenden  direkten  Verkehr  bereits ­
  gelitten,  doch  bietet  sich  eine  gleichwerte  Entschädigung ­
  durch  die  stark  fortschreitende  wirtschaftliche  Erschließung ­
  des  Hinterlandes,  namentlich  der  Malayen-Staaten.
Die  Straits-Settlements  hatten  ursprünglich  wie  alle
Länder  des  Ostens  eine  reine  Silberwährung  x ),  die  in  der
Weise  geregelt  war,  daß  durch  Ordre  in  Council  vom  2,  2.
1895  der  mexikanische  Silberdollar,  der  britische  und  der
alte  Hongkong-Dollar  als  legal  tender  erklärt  worden
waren.  Seit  dem  22,  November  1906  ist  das  Pfund-Sterling ­
  gesetzliches  Zahlungsmittel,  zu  dem  das  eigentliche
Umlaufsmittel,  der  Straits  Settlements  Dollar,  mit  unbeschränkter ­
  Zahlkraft  in  eine  feste  Relation  gebracht  wurde,
so  daß  die  Regelung  ähnlich  wie  in  Indien  ist.  Da  die  englische ­
  Regierung  aus  den  Erfahrungen  in  Indien  gelernt
hatte,  so  gestaltete  sich  die  Durchführung  des  Anschlusses
der  Straits  an  die  Goldwelt  wesentlich  einfacher;  allerdings
ist  dies  auch  wohl  auf  die  kleineren  Verhältnisse  zurückzuführen. ­
  Man  schuf  zunächst  eine  eigene  Münze,  den  erwähnten ­
  Straits  Settlements  Dollar,  der  dem  britischen
Dollar  ähnlich  ist,  und  verordnete  am  24,  August  1904,  daß
innerhalb  8  Tagen  die  bisherigen  Münzen  gegen  den  neuen
Dollar  umgetauscht  sein  müßten  und  daß  danach  nur  noch
der  neue  Dollar  Zahlungskraft  besitze.  Zwei  Jahre  später
wurde  durch  eine  Ordre  in  Council  (22.10,06)  der  Sovereign
zu  dem  Satze  von  7  £=60  Straits  Dollar  =  2/4  per  $  als  gesetzliches ­
  Zahlungsmittel  erklärt  unter  Aufrechterhaltung
letzterer  Eigenschaft  für  den  Dollar  und  am  1,  August  1907
der  Umlauf  aller  fremden  Münzen  verboten.  Der  Straits
Dollar  ist  800  fein  und  wiegt  20,28  g;  dasselbe  gilt  für  die
halben  Dollarstücke,  während  durch  Gesetz  vom  4,  Dezember ­
  1909  der  Feingehalt  der  Scheidemünzen  zu  20,10,
5,1,  x / 2  und  J / 4  Cent,  auf  600  verringert  wurde.

1)  Über  die  Währungsgeschichte  der  Straits  siehe  ausführlicher
Sonndorfer,  Währungsreformen  in  Ostasien  und  Ostafrika,  Zeitschrift ­
  für  Handelswissenschaft  und  Handelspraxis,  1910,  Heft  10,
ferner  die  genauen  Angaben  in  Statistical  abstract  of  the  colonies,
1911,  Abschnitt  5,  und  Die  Währung  in  den  Straits-Settlements,  Kolonialpolitische ­
  Studie  von  *  ,  *  in  Schmollers  Jahrbuch.  1912,  II.
        <pb n="65" />
        60

Über  die  Wirkung  der  Währungsreform  schreibt  der
Kaiserliche  Generalkonsul  in  Singapur  am  25,  Juni  1908
(Nachrichten  für  Handel  und  Industrie  1908Nr,  107):  „Auch
die  Festsetzung  des  Goldwertes  der  Dollars  auf  2  sh.  4  d
im  Jahre  1906  hat  ungünstige  Wirkungen  nach  sich
gezogen.  Die  nächste  Folge  des  hohen  Dollarkurses  war
eine  erhebliche  Verteuerung  der  Lebenshaltung  und  eine
Erhöhung  der  Produktionskosten  aller  Rohprodukte.  Trotz
des  höheren  Goldwertes  des  Dollars  trat  keine  Reduzierung
der  Löhne  ein;  vielmehr  konnten  die  Kulis  bei  den  hohen
Zinn-  und  Kautschukpreisen  sogar  noch  Lohnerhöhungen
durchsetzen,  während  die  Weltmarktpreise  sich  nach  der  in
den  Straits  festgesetzten  hohen  Währung  richteten.  Würde
bei  den  heutigen  geringen  Preisen  (Juni  1908)  der  Wechselkurs ­
  niedrig  stehen,  so  würde  die  Krisis  nicht  so  schwer
auf  der  Kolonie  lasten.  Noch  in  anderer  Hinsicht  hat  sich
der  hohe  Dollarkurs  als  verderblich  erwiesen,  indem  die
Chinesen  zu  Kursspekulationen  auf  chinesische  Plätze  verleitet ­
  wurden,  die  früher  nicht  in  ihrer  Sphäre  lagen  und
zu  denen  lediglich  der  feste  hohe  Dollarkurs  die  Handhabe ­
  bot.  Vor  der  Festsetzung  des  Dollarkurses  standen
die  Notierungen  in  Singapure  mit  denen  in  China  ungefähr
gleich,  so  daß  Kursspekulationen  beinahe  ausgeschlossen
waren.  Wenn  gleichwohl  Kurstransaktionen  schon  seit
vielen  Jahren  auf  China  gemacht  wurden,  so  waren  sie
lediglich  auf  Warenbezügen  von  und  nach  China  basiert,
teils  dienten  sie  zur  Überweisung  der  von  den  zahlreichen
in  den  Vereinigten  Malayenstaaten  und  in  Niederländisch-Indien
  lebenden  Kulis  gemachten  Ersparnisse  in  die  Heimat, ­
  Der  feste  hohe  Dollar  brachte  größere  Kursschwankungen ­
  zwischen  Singapur  und  China  mit  sich,  die  von  den
Chinesen  zu  umfangreichen  Kursspekulationen  benutzt  wurden, ­
  Als  Ende  vorigen  Jahres  (1907)  Silber  im  Preise  fiel,
wurden  ganz  enorme  Summen  aufs  Spiel  gesetzt.  Die
Hoffnung  auf  baldige  Erholung  der  Silberpreise  verwirklichte ­
  sich  nicht,  vielmehr  fiel  das  Metall  infolge  der  amerikanischen ­
  Krisis  und  der  indischen  Hungersnot  um  fast
25°/ 0 ,  so  daß  Millionen  verloren  wurden.  Dann  hatte  auch
die  Regierung  vorübergehend,  um  die  durch  den  niedrigen
Silberpreis  bedrohte  Währung  zu  stützen,  durch  Zurück-
        <pb n="66" />
        61

Ziehung  ihrer  Überschüsse  von  den  Banken  die  Geldknappheit ­
  vermehrt."
Während  die  hier  geschilderte  Wirkung  der  Reform
nur  von  vorübergehender  Dauer  ist  und  sich  allmählich
ausgleicht  oder  ausgeglichen  hat,  brachte  die  Einführung
der  Standard  Währung  den  endgültigen  wirtschaftlichen
Nachteil,  daß  der  Kolonie  dadurch  der  Zahlungsverkehr
zwischen  Siam,  Sumatra  und  dem  holländischen  Archipel
auf  der  einen  Seite  und  Europa,  praktisch  London,  auf  der
Gegenseite  verloren  gegangen  ist.  Der  Wechselkurs  Singapurs ­
  auf  London  ist  heute  nur  noch  der  Ausdruck  für  die
Zahlungsverpflichtungen  der  Straits  Settlements  und  der
Vereinigten  Malayenstaaten  im  Verkehr  mit  Europa,
Im  übrigen  hat  sich  jedoch  die  Einführung  der  neuen
Währung  glatt  vollzogen,  und  das  Ziel,  Aufrichtung  einer
festen  Goldparität  von  2/4  =  1  $,  ist  im  erstrebten  Umfange
erreicht  worden,  wie  sich  aus  den  Diagrammen  5—8,  die
grade  mit  dem  Jahr  1907  beginnen,  ergibt:  Der  Kurs
schwankte  in  den  untersuchten  Jahren,  abgesehen  von  der
Krisis  in  1907  und  Anfang  1908  nur  innerhalb  der  Goldpunkte; ­
  die  Herabsetzung  des  Dollarfeingehalts  am  11,  Februar ­
  1907  blieb  auf  den  Wechselkurs  ohne  Einfluß,
Gleichzeitig  mit  der  Einführung  der  Sterling-Währung
wurden  die  „Currency  Commissioners"  ermächtigt,  Noten
zu  verausgaben  gegen  telegraphische  Auszahlung  von  Gold
in  London  zu  Gunsten  der  Kronagenten,  Über  den  Umfang
der  Notenausgabe  überhaupt  wie  über  den  Betrag  solcher
Überweisungen,  die  in  London  zinstragend  angelegt  sind,
unterrichten  folgende  Zahlen:
Notenumlauf  Ende  Juni  1911  $  35  648  960.—
Deckung  bar  Gold  £  1285195.9,—  „  11  015960.97
Deckung  Silbercoins  (legal  tender)  „  11  377  559.98
Deckung  Gold  Stocks  Kaufwert  14,08  Mill  $„  11  955  870.86
Kurswert  30/6.
Während  die  Ausgabe  von  Noten  in  den  Straits  gegen
Geldüberweisung  in  London  mehr  den  Sinn  hat,  die  Straits-Noten
  in  den  Verkehr  zu  bringen,  sind  die  Currency  Commissioners ­
  nach  einer  Mitteilung  des  Handelsarchivs  1908
II.  Teil  auch  zur  umgekehrten,  auf  den  Schutz  der  Währung
abzielenden  Transaktion  berechtigt,  d,  h.  sie  können,  wenn
        <pb n="67" />
        62

der  Wechselkurs  sich  entsprechend  ungünstig  gestaltet,
Auszahlungen  auf  London  verkaufen,  also  praktisch  Goldzahlung ­
  in  England  gegen  Silberwährungsgeld  in  den
Straits.  Die  Straitsregierung  hat  im  Oktober  1907  von
dieser  Ermächtigung  Gebrauch  gemacht.  Ein  bestimmter
Kurs,  bei  dem  die  Maßregel  eintreten  müßte,  ist  nicht  festgesetzt. ­

Die  deutsche  Parität  des  Straits  Settlements  Dollars  läßt
sich  nur  auf  dem  Wege  über  den  Sovereign  gewinnen,  und
zwar,  da  60  $  =  7  £,  durch  die  Rechnung.
7  .  20,42946
60
sodaß  1  $  =  Ji  2,383437  ist.  Die  Goldverschiffungspunkte
zwischen  Deutschland  und  Singapur  werden  theoretisch
bestimmt  durch  die  Versendungskosten  zuzüglich  Beschaffungs-
  bezw.  Verwertungskosten  von  Pfund-Sterling,  jedoch
sind  Edelmetalltransaktionen  weder  mit  Deutschland  noch
mit  England  verkehrsüblich,  „da  die  Regierung  es  vorziehe,
unter  Abzug  von  3 / 16  d  für  Verschiffungskosten  Gold
in  London  in  Empfang  zu  nehmen“.  Da  3 / 16  d  zirka
6,78°/ 00  der  Parität  ausmacht,  so  entspricht  der  Satz  ungefähr ­
  den  Kosten  für  das  etwas  weiter  liegende  Kalkutta
mit  7,81°/oo-  Durch  diese  Gepflogenheit  der  Regierung,  die,
wie  erwähnt,  als  Gegenwert  Noten  hergibt,  wird  der  Goldimportpunkt ­
  für  die  Straits  auf  2/4 3 / 16  festgelegt.  Einen  bestimmten ­
  Goldexportpunkt  kennt  man  nicht,  man  wird  ihn
jedoch  ebenfalls  3 / 16  d  von  der  Parität  entfernt,  also  bei  _
2/3 13 / 16  suchen  dürfen,  da  die  Spesen  in  der  umgekehrten
Richtung  kaum  andere  sind.  Nach  Ausweis  des  Diagramms
hat  sich  denn  auch  der  Kurs,  abgesehen  von  der  Herbstkrisis ­
  1907  und  den  folgenden  Monaten  nie  unter  ?/3 13 / 10
bewegt.  Nach  der  neuesten  Veröffentlichung  über  die
Straitswährung*)  soll  die  Straitsregierung  gegebenenfalls
Silber  zum  Satze  von  2/3 1  11 / 16  in  Singapur  aufnehmen  gegen
Auszahlung  von  Gold  in  London,  Im  Oktober  1907  ist  dies
tatsächlich  geschehen.

1)  Die  Währung  in  den  Straits-Settlements,  Kolonialpolitische  Studie ­
  von  *  ,  *,  Schraoller’s  Jahrbuch,  1912,  II.
        <pb n="68" />
        63

Die  Edelmetallbewegung

stellte

sich  in

den

Jahren

1907—1910  wie  folgt:

Millionen  £

1907

1908

1909

1910

Einfuhr  Gold  in  Barren

0,7

0,4

0,5

0,8

„  gemünzt

0,5

0,2

0,4

0,9

Davon  aus  England

0,4

0,0

0,0

0,1

Einfuhr  Silber  in  Barren

0,0

0,0

0,0

0,0

„  gemünzt

2,0

1,7

0,5

0,4

Davon  aus  England

1,0

0,6

0,0

0,0

Ausfuhr  Gold  in  Barren

0,3

0,3

0,3

0,2

„  gemünzt

0,2

0,3

0,2

0,2

Davon  nach  England

0,2

0,3

0,1

0,1

Ausfuhr  Silber  in  Barren

—

—

—

0,0

„  gemünzt

2,2

0,7

1,2

1,6

Davon  nach  England

1,0

0,0

0,0

0,0

Danach  ist  namentlich  die  Ausfuhr  von  Goldmünzen
von  geringer  Bedeutung,  während  diejenige  von  Silbermünzen ­
  mit  der  Währungsreform  zusammenhängt.
Von  der  Organisation  des  Singapurer  Fremdwechselmarkts
  ist  zu  sagen,  daß  sie  außerordentlich  wenig  ausgestaltet ­
  ist  und  daß  von  den  behandelten  asiatischen
Plätzen  das  Geschäft  in  Singapur  am  meisten  privaten  Charakter ­
  trägt,  was  namentlich  hinsichtlich  der  Qualität  des
Wechselmaterials  gilt.  Die  Umsätze  in  Devisen  bauen  sich
fast  ausschließlich  auf  dem  effectiven  Bedarf  des  Warenhandels ­
  auf,  „Firmen,  bei  denen  man  vermutet,  daß  sie
Zinsunterschiede  ausnützen  wollen,  verweigert  man  in
solchen  Fällen  Rimessen  auf  Kredit“,  und  regelrechte
Wechselarbitragen  sind  nicht  üblich.  Die  bereits  erwähnten ­
  Arbitragen  der  Chinesen  mit  Hongkong  und  Schanghai
haben  seit  dem  Silbersturz  in  1907  fast  aufgehört;  auch  hier
beruht  heute  das  Geschäft  lediglich  auf  dem  effektiven
Bedarf.  Dazu  paßt  die  außerordentliche  Größe  der  Preisstufen, ­
  die  mit  Vie  d  rund  2°/ 00  der  Parität  ausmachen  und
in  keiner  Weise  als  zu  groß  empfunden  werden,  Singapur
ist  eben  in  erster  Linie  Warenhandelsplatz,  die  Gelegenheit
        <pb n="69" />
        zu  Kapitalanlagen  ist  am  Orte  selbst  wie  in  seinem  Hinterlande ­
  nur  gering,  so  daß  ein  eigentlicher  Kapitalverkehr
größeren  Umfanges  nicht  existiert,  und  z.  B,  Kapitalüberweisungen, ­
  die  1910  zur  Anlage  von  Kautschukplantagen
von  London  aus  erfolgten,  den  Wechselkurs  fast  während
des  ganzen  Jahres  auf  dem  Satze  von  2/4 1 / 8 ,  also  dicht  am
Goldimportpunkt  festhielten.  Der  Wechselkurs  bildet  sich
hauptsächlich  durch  die  Umsätze  in  3  Monatsaccept,  der
Verkehr  in  t.  t.  ist  geringer  als  an  den  anderen  Plätzen.
Ein  durch  Angebot  und  Nachfrage  hervorgerufener  direkter
Kurs  auf  Deutschland  existiert  ebenfalls  nicht;  er  wird
vielmehr  nur  auf  Grund  einer  Croßrate  berechnet.  Ähnlich
ist  es  mit  den  anderen  europäischen  Wechselkursen,  sodaß
aus  der  langen  Liste  des  nachstehenden  Kurszettels  (Form,
2)  nur  die  Londoner  Notizen  größere  Bedeutung  beanspruchen ­
  können.
An  periodischen  Erscheinungen  des  Kursverlaufs  ist
aus  den  Diagrammen  nicht  viel  herauszulesen,  da  von  den
untersuchten  vier  Jahren  1907  und  1910  ausscheiden,  1907,
weil  es  das  erste  Jahr  der  neuen  Währung  und  das  Jahr
der  Herstkrisis  ist,  1910  wegen  der  erwähnten  Störung
durch  Kapitalinvestierungen,  Die  einzige  drüben  bekannte
periodische  Kursschwankung  —  Steigen  der  Notiz  (also
Billigerwerden)  in  der  ersten  Hälfte  des  zweiten  Semesters
auf  die  verschiedenen  Ernten  hin  —  läßt  sich  Jedoch  auch
im  Diagramm  nachweisen.  Außerdem  kennt  man  noch  eine
Belebung  des  Importgeschäfts  nach  dem  chinesischen  Neujahr, ­
  also  etwa  Februar—März,  die  in  den  untersuchten
Kursen  aber  nicht  zum  Ausdruck  kommt.  Der  Verlauf  des
allgemeinen  Kursniveaus  der  einzelnen  Jahre  wird  wieder
durch  die  Zeichnung  deutlich;  Normaler  Verlauf  bis  Herbst
1907,  dann  scharfer  Umschwung,  der  sich  in  das  Jahr  1908
fortsetzt,  letztes  Quartal  1908  leichte  Besserung,  die  in  1909
wieder  zu  günstigen  Kursen  führte;  auch  1910,  trotz  der  Beharrung ­
  auf  einen  Punkt,  günstiger  Kurs.  Die  ungefähren
Durchschnittskurse  waren
im  Jahre  1907  1908  1909  1910
für  t.  t.  2/4  2/3 13 /ie  2/3 31 / 82  2/4»/g
,.  3  m/s  2/41/2  2/4 3 / le  2/4 3 / 8  2/4»/ a
        <pb n="70" />
        65

Mahlberg,  Asiatische  Wechselkurse.

5

Formular  2.

AD1S  &amp;amp;  EZEKIEL.
BROKERS.

SINGAPORE.
RATES  OF  EXCHANGE.
18‘h  August  1911.
Selling  Rates.

London  4  m/s
Do.  3  „
Do.  60  d/s
Do.  30  „
Do,  demand
Do.  T.T.
Lyons  demand
Marseilles  demand
Paris  demand
Hamburg  „
New  York  „
Batavia  „
Sourabaya  „
Samarang  ,,
Penang  „
Calcutta  „
Bombay  „
Rangoon  „
Madras  „
Colombo  „
Hongkong  „
Saigon  ,,
Manila  „
Bangkok  „
Shanghai  „
Yokohama  „
Melbourne  „
Sydney  „
Amoy  „
Bar  Silver  in  London.

Hongkong  Bank.

N,  T.  Society,

2-4  »/ 16

2-411/32

2-49/32

2-41/4

2-4 7 / 3 2

2-4 8 / 32

2-43/32

2-4ä/3 2

2-43/32

2941/2

2941/s

2381/a

2381/a

56 s / 8

1401/a

140 6 / 8

I4OV4

1401/i,

i/ 8 °/ 0  pm

1 /4°/o  P‘n

1743/4

1743/4

1741/2

1748/ 8

1741/2

174  s/ 8

22 7 /s°/o  dis

22 7 / 8 °/o  „

115

115

64 7 / 8

65

981/t

1143/4

1143/4

2-43/32

2-43/32

23i/s°/ 0  dis

24

24
        <pb n="71" />
        Die  Kursgrenzen  stellten  sich  wie  folgt:
Kurs  für  t,  t,  höchster  niedrigster
1907  2/4 3 / 16  2/3 5 / 8
1908  2/3 15 / 18  2/3 b / 8
1909  2/4 1 / 8  2/3 13 / 18
1910  2/4 1 / 8  2/4 1 / 16
Die  in  1909  und  1910  vorkommenden  extremen  Kurse
sind  Veröffentlichungsfehler,  Hingewiesen  sei  noch  darauf,
daß  die  den  asiatischen  Wechselkursen  allgemein  anhaftende ­
  Stetigkeit  bei  Singapur  besonders  stark  hervortritt.
Die  Außenhandelsziffern  *)  der  Kolonie  sind  diese:

Einfuhr  Mill.

1907

1908

1909

1910

Insgesamt

40,9

36,9

36,6

42,5

Davon  aus  England

5,8

4,4

3,9

4,6

Britisch-Indien

4,9

4,0

4,0

6,5

Ver,  Malayen-Staaten

8,7

8,2

7,8

8,3

Deutschland

0,7

0,6

0,5

0,6

Ausfuhr  insgesamt
davon  nach

35,6

31,9

32,8

37,8

England

8,8

7,6

7,5

10,2

Britisch-Indien

2,1

1,9

2,0

1,9

Verein.  Malayen-Staaten

4,9

5,0

4,7

5,0

Deutschland

0,8

0,7

1,0

1,6

Einfuhr  z,  Ausfuhr  wie  100  zu  87

86

89

89

Die  allgemeine  Wirtschaftslage  in  den  Straits  Settlements ­
  gestaltete  sich  nach  den  deutschen  Konsulatsberichten ­
  wie  folgt:
Das  Jahr  1907  nahm  für  die  Straits-Settlements  und  ihr  Hinterland, ­

  die  Vereinigten  Malayenstaaten,  einen  ungünstigen  Abschluß,
wenngleich  die  Außenhandelsstatistik  höhere  Ziffern  aufwies.  Es
begann  mit  einem  überfüllten  Markt  in  Einfuhrwaren.  Hierzu  kamen
schädigende  Wirkungen  der  Währungsreform,  die  im  letzten  Quartal
durch  den  unheilvollen  Ausgang  wilder  Spekulationen  in  Kursverträgen ­
  auf  China  und  in  Zinn 2 )  auf  Europa  äußerst  verschärft  wurden.
Die  Folge  war  die  Zahlungseinstellung  von  über  30  Firmen  und  ein  1  2

1)  Die  amtliche  Statistik  ist  nicht  zuverlässig,  da  die  Waren  nicht
nach  Herkunft  aufgenommen  werden,  sondern  dem  Lande  des  Platzes
zugezählt  werden,  wo  sie  zum  ersten  Mal  ein-  bezw.  ausgeladen  werden, ­
  Handelsarchiv  1910,  II.
2)  Die  Straitshäfen  liefern  über  60°/ o  des  Weltzinnkonsums;  Zinn
fiel  damals  von  £  197.—.—  per  ton  auf  122.—.—  in  wenigen  Monaten
        <pb n="72" />
        67

Losschlagen  großer  Warenvorräte  zu  Schleuderpreisen.  Der  Im  letzten ­
  Quartal  einsetzende  Preissturz  von  Zinn  und  Kautschuk,  der  ein
überwiegen  der  Einfuhr  über  die  Ausfuhr  herbeiführtc,  wirkte  im
Verein  mit  den  hohen  Geldsätzen  in  Europa  auf  den  Wechselkurs,
Hierzu  kam  der  niedrige  Silberpreis,  die  Ungewißheit  über  die  Absichten ­
  der  niederländisch-indischen  Regierung  mit  Bezug  auf  die  in
Sumatra  in  großen  Beträgen  in  Umlauf  befindlichen  Straits-Dollars
und  schließlich  die  in  Singapur  selbst  infolge  der  Auszahlung  des
Kaufpreises  für  eine  große  Dockanlage  in  Umlauf  gesetzten  Geldbeträge, ­

Im  Oktober  1907  sah  sich  die  Regierung  veranlaßt,  helfend ­
  einzuspringen,  indem  sie  telegraphische  Überweisungen
auf  London  zu  2/3 3 / 4  ausgab,  die  später  auf  2/3 11 / 16  herabgesetzt ­
  wurden;  außerdem  gab  sie  Gold  gegen  Silber  her.
So  kam  es,  daß  gegen  Ende  des  Jahres  die  Banken
487  000  £  in  Überweisungen  und  335  000  £  in  Gold  aufgenommen ­
  hatten.  Die  dadurch  herbeigeführte  Verminderung
des  Umlaufs  besserte  den  Kurs  gegen  Ende  des  Jahres  um
ein  geringes.  Im  ganzen  ließ  der  Handel  in  den  Straits  im
ersten  Vierteljahr  1908  gegen  den  gleichen  Zeitraum  1907
um  12,4  Mill,  $  nach.  Der  Singapurer  Aktienmarkt  zeigte
den  gleichen  Niedergang.  Am  27.  Juni  1907  war  der  Durchschnittskurs ­
  für  die  26  dort  notierten  Zinn-Minen  12,43  $
pro  Aktie,  am  25,  Juni  1908  6,70  $.
Auch  das  Jahr  1908  war  wirtschaftlich  außergewöhnlich  ungünstig. ­
  Niedrigere  Produktenpreise,  Verlust  von  Frachten,  verminderte
Kaufkraft  und  große  Vorräte  von  Einfuhrwaren  ließen  ein  Geschäft
nicht  aufkommen.  Erst  das  Jahr  1909  brachte  dann  für  die  Kolonie
die  Besserung,  Der  Produktenhandel  gestaltete  sich  bei  guten  Preisen ­
  lebhaft  und  war  nur  zeitweise  etwas  eingeschränkt  durch  mangelnde ­
  Tonnage  für  „schmutzige  Frachten' 1 ,  wie  Kopra,  Gambir,  Jelutong-Öl.
  Auch  die  Lage  des  Einfuhrmarktes  war  gesund,  und  die  Umsätze ­
  in  „rough  goods",  namentlich  Bedarf  für  Kautschukplantagen
und  in  „piece  goods"  zeigten  einen  großen  Aufschwung.  Dazu  kam
Kapitalzufluß  zur  Anlage  zahlreicher  Kautschukplantagen.
Für  1910  liegen  Berichte  nicht  vor;  ein  Zusammenhang
mit  dem  Wechselkurs  wäre  daraus  auch  nicht  zu  erwarten,
da  durch  die  erwähnten  Kapitalinvestierungen  der  Kurs  fast
das  ganze  Jahr  hindurch  auf  der  gleichen  Höhe  gehalten
wurde.
Im  großen  und  ganzen  stimmen  diese  Berichte  mit  dem
allgemeinen  Kursniveau,  wie  es  auf  Seite  64  dargestellt
        <pb n="73" />
        68

wurde,  überein,  während  die  Außenhandelsziffern  kein
deutliches  Bild  geben.
Wie  wenig  in  Singapur  der  Kapitalverkehr  ausgebildet
ist,  geht  daraus  hervor,  daß  irgendwelche  Zinssätze  nicht
notiert,  sondern  von  Fall  zu  Fall  je  nach  der  Güte  des  Geldnehmers ­
  —  nicht  nach  der  Größe  des  Vorrats  —  festgesetzt
werden.  Als  allgemein  gültigen  Satz  kennt  man  nur  den
„Zinsfuß  für  tägliche  Überziehungen  erstklassiger  Firmen",
für  den  aber  seit  Jahren  Schwankungen  nicht  zu  verzeichnen
waren,  der  vielmehr  in  der  hier  untersuchten  Zeit  unverändert ­
  5%  betragen  hat.  „Und  zwar  hielt  sich  der  Satz  auf
5°/ 0 ,  selbst  wenn  London  höher  war,  nur  wurden  keine
Transfers  gemacht,  bei  denen  eine  Zinsgewinn-Absicht  vermutet ­
  wurde.“  Das  schließt  natürlich  nicht  aus,  daß  das
Verhalten  der  Banken  selbst  im  Devisenmarkt  von  der  Zinsentwicklung ­
  beeinflußt  worden  ist  und  der  Wechselkurs
dennoch  durch  die  Zinsdifferenz  bedingt  wurde;  jedoch  zeigen ­
  sowohl  die  Jahresdurchschnitte  wie  das  Diagramm  im
einzelnen,  daß  die  Geldmarktorganisation  zu  primitiv  ist,
um  derartig  feine  Faktoren  zu  berücksichtigen.  Der  Jahresdurchschnitt ­
  des  Londoner  Privatdiskonts  stand  unter  5°/ 0

im  Jahre

1907

1908

1909

1910

um  %

0,47

2,69

2,69

1,82

Durchschnittskurs

1.1,  2/4

2/3 13 /i 6

2/331/32

2/4i/ 8

Eine  kleine  Diskontdifferenz  fällt  also  mit  einer  großen
Kurszahl  und  eine  große  Differenz  mit  einer  kleinen  Kurszahl ­
  zusammen,  während  es  umgekehrt  sein  müßte,  wenn
der  Zinsfußgestaltung  ein  Einfluß  zukäme.  Von  dem  Rhythmus ­
  der  beiden  Zahlenreihen  ist  dasselbe  zu  sagen  wie  bei
Indien;  die  Gleichartigkeit  ist  bei  beiden  Ausdruck  der
Weltkonjunktur.  Die  gestrichelte  Diskontdifferenz-Linie  im
Diagramm  ist  nichts  anderes  als  der  umgekehrte  Londoner
Marktdiskont;  1%  in  London  entspricht  +4°/ 0  imDiagramm,
5°/ 0  fällt  auf  -|  0°/ 0  und  6°/ 0  in  London  auf  —1°/ 0 ,  Ein
nennenswerter  Zusammenhang  zwischen  Zins  und  Wechselkurs ­
  findet  sich  nur  im  Flerbst  1907,  wo  eben  die  Diskontverhältnisse ­
  kein  feiner,  sondern  der  alles  beherrschende
Faktor  waren.
Als  Zeit  regelmäßigen  Geldmangels  gilt  in  Singapur
        <pb n="74" />
        69

der  Herbst  mit  seinen  verschiedenen  Ernten;  außerdem  sind
übergroße  Nachfragen  nach  Zinn,  die  natürlich  jederzeit  eintreten
  können,  meistens  mit  Geldknappheit  verbunden.

3,  Der  Japanische  Wechselkurs.
Japan  hat  seit  1897  Goldwährung 1 ),  jedoch  sind  die
von  der  Nippon  Ginko  {Nationalbank)  ausgegebenen  Banknoten ­
  das  eigentliche  Zahlungsmittel.  Münzeinheit  ist  der
Gold-Yen 1  2 )  ä  100  Sen  ä  10  Rin  =  0,75  g  Feingold,  Geprägt ­
  werden  Goldstücke  zu  20,  10  und  5  Yen,  während
1  Yen-Stücke  auch  nicht  in  Silber  geprägt  werden,  sodaß
auf  5  Yen  als  nächst  kleinere  Münze  das  silberne  50  Sen-Stück
  folgt.  Eine  genaue  Wiedergabe  des  japanischen
Münzgesetzes  unter  Berücksichtigung  der  Änderungen  von
1906  und  1907  findet  sich  im  Deutschen  Handelsarchiv
1909,  I,  Seite  752.
Als  Paritäten  ergeben  sich  aus  dem  Goldgehalt  folgende;
1  Yen  =  2,0925  Ji
1  „  =  2  sh  0,58  d.
Als  Preisstufen  sind  bei  der  Devisennotierung  1 / 4  Pfg,
und  1 / 16  penny  üblich,  das  ist  1,2  bezw.  2,5°/ 00  der  Parität.
Als  Goldpunkt  gegenüber  England  gelten  die  Kurse  2/0 B / 16
für  Exporte  und  2/0 11 / 16  für  Importe,  doch  handelt  es  sich
dabei  lediglich  um  theoretische  Angaben,  da  Goldverschiffungen ­
  fast  stets  nur  im  Verkehr  mit  den  näherliegenden
Vereinigten  Staaten  von  Nord-Amerika  stattfinden.  Die  Spesen ­
  eines  —  in  keiner  Weise  üblichen  —  Goldexports  von
Yokohama  nach  Berlin  schätzt  man  auf  ca.  1 / 2 °/ 0 ,  während
in  umgekehrter  Richtung  überhaupt  keine  Angaben  zu
machen  sind.
Die  japanische  Regierung  sucht  durch  die  teilweise  zu
diesem  Zwecke  gegründete  Yokohama  Speziebank  regelmäßig ­
  den  Wechselkurs,  namentlich  aber  die  Goldbewegung
1)  Sonndorfer,  Die  Währungsreformen  in  Ostasien  und
Ostafrika,  Zeitschrift  für  Handelswissenschaft  und  Handelspraxis  1910,
Heft  10.
2)  Yen  =  runde  Scheibe,  vergl,  Kussäka,  Das  japanische  Geldwesen, ­
  Berlin  1890.
        <pb n="75" />
        70

zu  regulieren.  Nach  dem  zwar  nicht  objektiven,  aber  als
staatliche  Propagandaleistung  hervorragenden  „Finanziellen
und  wirtschaftlichen  Jahrbuch  von  Japan"  5 )  verfolgt  die
Speziebank  als  Hauptzweck  die  Förderung  des  auswärtigen ­
  Handels.  Sie  gilt  als  Regierungsorgan,  ihre  Form  ist
die  einer  Aktiengesellschaft  mit  einem  Kapital  von  24  Mill.
Yen  (50,2  Mill.  M).  Von  der  Regierung  wird  sie  namentlich ­
  dadurch  begünstigt,  daß  ihr  die  Bank  von  Japan  (Nippon
Ginko)  auf  Verlangen  ausländische  Wechsel  bis  zum  Betrage ­
  von  20  Mill,  Yen  (41,8  Mill.  Ji]  gegen  eine  Zinsrate
von  2%  rediskontieren  muß.  Der  Betrieb  der  Bank  umfaßt
folgende  Geschäfte:  Ausländischer  Wechselverkehr,  heimischer ­
  Wechsel  verkehr,  Vorschüsse,  Inkasso,  Depositen,
Geldwechselgeschäfte,  An-  undVerkauf  von  Staatspapieren,
Edelmetallen  und  Sorten,  „Auch  kann  sie  mit  Angelegenheiten, ­
  die  sich  auf  ausländische  Anleihen  beziehen,  und  mit
der  Verwaltung  öffentlicher  Gelder  im  internationalen  Verkehr ­
  betraut  werden."  Diese  letztere  Aufgabe,  „mit  der  sie
betraut  werden  kann",  in  Verbindung  mit  dem  Auslandswechselgeschäft ­
  geben  der  Bank  die  Mittel  an  die  Hand,
auf  die  Wechselkurse  des  Landes  regulierend  einzuwirken.
Einzelheiten  über  diese  Tätigkeit  der  Yokohama  Speziebank ­
  ergeben  sich  aus  folgendem  Bericht 1  2 )  des  Kaiserl,
deutschen  Generalkonsulats  in  Yokohama  für  das  Jahr
1907:  „Als  die  hohen  europäischen  Kabeltransferskurse  auf
New-York  die  Gefährdung  der  europäischen  Goldbestände
anzeigten  und  die  Rate  der  Bank  von  England  in  der  Zeit
vom  30.  Oktober  bis  zum  7.  November  dreimal,  zuletzt  auf
7°/ 0  erhöht  wurde,  waren  an  sich  auch  für  Japan  die  Bedingungen ­
  für  einen  starken  Goldabfluß  nach  Amerika  gegeben, ­
  wie  er  hier  schon  einmal,  kurz  vor  dem  Beginn  und
in  der  ersten  Zeit  des  Krieges  mit  Rußland,  vorgekommen
war.  Die  fremden  Banken,  die  sich  auf  die  Seidensaison
eingerichtet  und  dafür  Kurskontrakte  geschlossen  hatten,
sahen  sich  durch  das  plötzliche  Stocken  des  Seidengeschäftes ­
  in  die  Lage  gebracht,  für  die  in  Europa  dringend  ver1) ­

  Das  Buch  erscheint  in  den  wichtigeren  Kultursprachen  und
wird  von  der  japanischen  Regierung  in  großem  Umlange  verbreitet,
2)  Deutsches  Handels-Archiv,  1909,  II,  Teil,  Seite  853,
        <pb n="76" />
        71

langte  Deckung  in  anderer  Weise  als  durch  Seidenverschiffungen ­
  zu  sorgen,  und  da  in  der  ersten  Zeit  der  Krisis  in
Amerika  dort  ein  Agio  auf  Gold  bezahlt  wurde,  so  boten
sich  den  Banken  als  bestes  Mittel  Goldverschiffungen  nach
den  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika.  Tatsächlich
machten  die  fremden  Banken  auch  Anstalten  dazu,  wirklich ­
  verschifft  aber  wurde  nur  sehr  wenig,  und  zwar  deshalb,
weil  die  Yokohama  Speziebank  den  fremden  Banken  zu  Vorzugsraten ­
  Kabeltransfers  auf  London  verkaufte.  Damit  entfiel ­
  das  Motiv  zu  Goldverschiffungen  aus  Japan  nach  Amerika, ­
  Wohl  wurde  dadurch  das  japanische  Guthaben  in
London  bedeutend  geschwächt,  indessen  wurde  dieser  Ab-.gang
  reichlich  dadurch  aufgewogen,  daß  Rußland  am  23.
November,  zu  sehr  gelegener  Zeit  für  Japan,  in  London  mit
4,8  Mill.  Livre  Sterling  die  Entschädigung  für  den  Unterhalt
der  russischen  Kriegsgefangenen  zahlte,"
Daß  auch  sonst  die  japanische  Regierung  Anteil  an  der
Gestaltung  der  Wechselkurse  nimmt,  zeigt  die  von  dem  japanischen ­
  Finanzminister  aufgestellte  „Zahlungsbilanz"  Japans ­
  für  das  Jahr  1906  1 ),  die  die  nicht  durch  den  Warenhandel ­
  entstehenden  internationalen  Schuldverhältnisse  Japans ­
  zu  erfassen  sucht  und  als  Aktiva  und  Passiva  zahlenmäßig ­
  einander  gegenüberstellt.  Zweifelhaft  in  ihrer  Bedeutung ­
  sind  bei  dieser  Aufstellung  die  Posten,  die  sich  auf
Kapitalinvestierungen  beziehen,  während  die  Bilanz  selbst
wegen  des  der  japanischen  Regierung  zur  Verfügung  stehenden ­
  Apparats  als  Versuch  beachtenswert  ist.  Praktische
Ergebnisse  sind  natürlich  aus  solchen  Aufstellungen  nicht
zu  gewinnen,  der  Versuch  ist  denn  auch  nicht  wiederholt
worden.
Die  Wechselpreisbildung  vollzieht  sich  in  Yokohama;
eine  Börse  oder  sonst  eine  offizielle  Einrichtung  besteht
auch  hier  nicht.  Die  Art  des  Verkehrs  ergibt  sich  aus  dem
beifolgenden  Kurszettel  (Form,  3)  1  2 ),

1)  Siehe  Deutsches  Handelsarchiv,  1909,  II,  S.  849.
2)  Ein  Kurszettel  der  Firma  Bennett,  Daniel  u.  Co,,  Yokohama,
notiert  am  selben  Tage  außerdem:  Switzerland  private  4  m/s  261 1 /s,
Australia  private  30  d/s  2/1.
        <pb n="77" />
        72

Engert,  de  Cuers  &amp;amp;  Brady,
DAILY  QUOTATIONS.

BANK  PAPER.

PRIVATE  PAPER

London.  T.  T,

2/-%

2/-%

On  Jemand

2/- 3 / 8 -%6

2/- 9 /i6  Crs.

30  d/s

2/- 7 /l6

2/-%

60  d/s.

2/-V.

2/-%

90  d/s

2/- 9 /l6

2/-U/16  «

4  m/s

2/- 9 /l6

2/-%

6  m/s.

2/- 1B /iu  „

France.—T.  T

2.56

On  Jemand

2.56%

2.58

4  m/s

2.61

Germany.—T.  T

2.07

£09%

On  demand  .......

2.07%

4  m/s

...

2.12

America,—T.  T

49%

On  demand

49%

50

4  m/s,

„.

51

India.  T.T

1.52

30  d/s

...

i  .54-1.54%

Hongkong.—  On  demand.  .  .

89

10  d/s.  .  .  ,

...

87

Shanghai.—On  demand  ,  .  .

841/4

86%

10  d/s

...

Silver  in  London  ,  ,  ,  .  July  1—24%  ;  July  3—24 5 / 18
London  on  Yokohama,  60  days  2/-Paris
  on  London  .  25.29
Berlin  on  London  20.44
New  York  on  London  4,86%
Bank  of  England  ;—Rate  of  discount  ,  ,  .  •  •  3  per  Cent.
Bank  of  France  ;—Rate  of  discount  ......  3  per  Cent.
Bank  of  Germany  :—Rate  of  discount  4  per  cent.
Market  rate  ,  .  London  ;  3  m,  2%%  4  m.  2 3 /e°/o—hm-  3 1 / 8 °/ 0
Market  rate  .  Paris:  2  m,  2 1 /s°/o
Market  rate  Berlin  :  4  m,  3%°/ 0
Hongkong—T.  T  July  3—1  /9 1 /2
Shanghai—T.  T  July  3—2/4%
Consols  79%
5  per  cent.  Japanese  Loan  £104%
Nr.  72.  TELEPHONE  No,  3377,

Yokohama,  July  4th,  9.30  a.m,,  1911.
        <pb n="78" />
        73

Aus  den  Diagrammen  Nr,  9—12  ergibt  sich  als  Besonderheit ­
  der  japanischen  t.  t.  Notiz  auf  London  eine
außerordentlich  große  Stabilität  des  Kurses,  der  Monate
hindurch,  eigentlich  sogar  —  mit  Ausnahme  1909  —  während ­
  der  ganzen  untersuchten  Periode  ungefähr  auf  der
gleichen  Höhe  sich  gehalten  hat.  Der  Kurs  änderte  sich  in
der  Regel  jedes  Jahr  nur  wenige  mal  um  höchstens  eine
Preisstufe  und  bewegte  sich  im  übrigen  in  der  Nähe  des
Goldexportpunktes,  Man  erklärt  diese  Erscheinung  drüben
wie  folgt:  „Der  t,  t.  Kurs  richtet  sich  im  allgemeinen  nach
der  Warenbewegung  und  hält  sich,  da  meist  mit  größerem
Import  zu  rechnen  ist,  nahe  am  Goldexportpunkt,  Die  Yokohama ­
  Speziebank  als  Regierungsorgan  sorgt  dafür,  daß  dieser ­
  nicht  überschritten  wird,  um  Goldexporte  zu  verhüten,
sodaß  sich  daraus  die  Stabilität  des  Kurses  zum  Teil  erklärt.“ ­
  Da  auch  die  Ziffern  der  folgenden  Zusammenstellung ­
  für  diese  Annahme  sprechen,  so  wird  man  diese  Erklärung ­
  als  richtig  ansehen  dürfen,  zumal  unter  solchen  Umständen ­
  jeder  Einfluß  der  Zinsverhältnisse  ausgeschlossen
erscheint.
Der  Wechselkurs  (t.  t.)  in  Yokohama  auf  London  war

im  Jahre

1907

1908

1909

1910

höchster  Kurs

2/0 7 / l6

2/OVi,

2/OS/s

2/0 3 /g

niedrigster  Kurs
durchschnittlicher  Kurs  in

2/0 3 /s

2/0 3 / 8

2/0 3 /g

2/0 5 /i 6

pence
Die  Parität  2/0,58  =100
gesetzt,  so  ergeben  diese

24,406

24,406

24,513

24,365

Durchschnitte
Die  Gesamt-Einfuhr  nach
Japan  verhielt  sich  zur

99,283

99,283

99,719

99,117

Ausfuhr  wie  100  zu
Die  Einfuhr  von  England
nach  Japan  verhielt  sich
zur  Ausfuhr  nach  Eng87 ­



87

105

99

land  wie  100  zu
Saldo  der  Gold-  u.  Silber-Einfuhr
  (  +  )  und  Aus19 ­



23

31

27

fuhr  {—)  Milk  Yen
Wechseldiskont  in  Japan
über  d.  Londoner  Markt—10,5 ­



+  13,7

+73,0

-7,5

diskont  in  °/ 0

2,08

4,99

4,06

1,99
        <pb n="79" />
        74

Mit  Ausnahme  der  Diskontdifferenz  stimmen  innerhalb
der  einzelnen  Jahre  die  Ziffern  in  ihrer  Bewegung  ungefähr ­
  überein;  das  gilt  namentlich  für  1909  mit  seinen,  von
den  anderen  Jahren  abweichenden  Kursen.
Daß  die  Diskontdifferenz  als  der  beweglichste  Faktor
keinen  Zusammenhang  mit  einem  fast  wagerecht  verlaufenden ­
  Wechselkurs  haben  kann,  liegt  auf  der  Hand,  und  selbst
im  Herbst  1909,  wo  man  aus  der  größeren  Beweglichkeit  des
Wechselkurses  auf  Diskonteinflüsse  schließen  könnte,  würde
sich  die  Zinslinie  umgekehrt  bewegen  wie  die  Kurslinie,  Von
einer  Einfügung  der  Zinslinien  in  die  Diagramme  ist  daher
abgesehen  worden.  Im  übrigen  wird  in  Japan  kein  irgendwie ­
  gearteter  Marktzins  notiert,  als  Basis  dienen  die  Sätze
der  Bank  von  Japan,  die  für  die  Jahre  1907—1910  hierunter ­
  folgen.  Ein  Privatdiskont,  von  dem  die  deutschen
Konsulatsberichte  1908  sprechen,  besteht  nicht.

R

a  t  e  n  der

Bank  von

Japan.

1907

Vorschuß

Vorschuß

WechselConto-Über- ­



  Regierungsbonds ­


gegen  andere
Bonds

diskont

zichung

1/1—

-3/12

6.57%

6.935%

6.57%

7.665%

4/12--31/12



7.30%

8.03%

7.30%

8.395%

1908

1/1—

31/12

7.30%

8.03  %

7.30  %

8.395%

1909

1/1  -

-3/5

7.30%

8-03  %

7.30  %

8.395%

4/5—

12/8

6.57%

7.30%

6.57  %

7.655%

13/8--31/12



5.84%

6.57%

5.84%

6.935%

1910

1/1--10/1



5.84%

6.57%

5.84%

6.935%

n/i--6/5



5.11%

5.84%

5.11%

6.205%

7/5--31/12



4.745%

5.11%

4.745%

5.475%

Die  krummen  Beträge  dieser  Sätze  sind  dadurch  zu
erklären,  daß  der  Zins  nicht  in  Prozenten,  sondern  in  Sen
pro  100  Yen  täglich  ausgedrückt  wird;  z,  B.  entspricht  die
Ziffer  3,44  als  Angabe  des  Zinsfußes  einem  Jahreszins  von
12,556%  (Handelsarchiv  Sept.  1908  II),
Die  Bewegung  der  Edelmetalle  (roh  und  gemünzt)  für
Japan  war  folgende  (Zahlen  in  Mill.  Yen):
        <pb n="80" />
        75

Export  aus  Japan  (Gold  u.

1907

1908

1909

1910

Silber  zusammen)

—18,8

—3,8

—6,6

—25,2

darunter  Silber

0,0

0,1

0,1

2.6

Gold  nach  China  u.  Hongkong

18,3

3,1

6,4

17,0

dgl.  nach  Großbritannien

0,0

—

—

6,0

dgl,  nach  Vereinigte  Staaten
Import  nach  Japan  (Gold

0,4
U,

0,4

—

—

Silber  zusammen)

+8,3

+  17,5

+79,6

+  17,7

darunter  Silber

1,3

0,6

0,8

0,2

Gold  aus  China

1,5

1,9

4,1

0,4

„  „  Korea

5,4

4,9

6,4

10,8

„  „  Großbritannien

—

2.9

0,0

„  „  Vereinigte  Staaten

—

54,1

6,3

„  „  Australien

—

6,8

14,2

Die  allgemeine  Wirtschaftslage  Japans  in  der  Zeit  von
1907—1910  gestaltete  sich  nach  den  Berichten  des  „Finanziellen ­
  und  wirtschaftlichen  Jahrbuchs  von  Japan“  wie  folgt:

„Das  Wirtschaftsleben  in  1907  stand  unter  dem  Zeichen  des  Börsen-Rückschlags
  1 )  auf  die  Gründerperiode,  die  nach  dem  Kriege  plötzlich ­
  im  ganzen  Lande  eingesetzt  hatte.  Trotz  der  auf  dem  Geldmärkte
herrschenden  Flauheit  konnte  die  landwirtschaftliche  Bevölkerung
dank  der  günstigen  Seiden-  und  Reisernte  eine  Zunahme  ihrer  Einkünfte ­
  verzeichnen,  Der  auswärtige  Handel  machte  anfangs  Fortschritte, ­
  aber  mit  dem  September  begannen  die  Silberpreise  zu  fallen
und  Japans  Handel  mit  China  erfuhr  dadurch  einen  schweren  Schlag.
Die  Kupferausfuhr  geriet  wegen  sinkender  Preise  in  Stockung  und
hierzu  kam  noch  die  amerikanische  Panik,  die  Japans  Seidenausfuhr
nach  Nordamerika  beträchtlich  zurückgehen  ließ.
Die  wirtschaftliche  Lage  zu  Beginn  des  Jahres  1908  zeigte  noch
keine  merkliche  Besserung,  Die  Preise  für  Silber  und  Kupfer  hielten
ihre  gedrückte  Tendenz  bei  und  der  immer  größer  werdende  Überschuß ­
  der  Einfuhr  ließ  die  Vorräte  an  Rohseide,  Baumwollgarn,  Textilwaren ­
  und  allen  anderen  Gütern  anwachsen,  Namentlich  der  Handel ­
  mit  China,  der  im  März-April  am  schwersten  daniederlag,  zeigte
das  ganze  Jahr  hindurch  eine  große  Flauheit 1  2 ),  Auch  der  Ausfuhrhandel ­
  mit  den  Vereinigten  Staaten  konnte  sich  noch  nicht  erholen.
Das  Jahr  1909  brachte  einen  ungemein  flauen  Geldmarkt,  sodaß

1)  Nach  einem  Bericht  des  Kaiserl.  Konsulats  in  Kobe  (Nachrichten ­
  für  Handel  und  Industrie,  1908,  Nr,  94)  betrugen  die  Börsenumsätze ­
  in  Tokio  114,3  Milk  Yen  im  Jahre  1906,  während  sie  in  den
vorhergehenden  10  Jahren  sich  um  etwa  20  Mill.  Yen  bewegt  hatten.
2)  Das  ist  zurückzuführen  auf  den  im  März  1908  beginnenden
Boykott  japanischer  Waren  in  China,  der  das  ganze  Jahr  anhielt.
Deutsches  Handelsarchiv,  1910,  II„  Seite  ,273.
        <pb n="81" />
        76

die  Banken  vielfach  keine  Verwendung  für  ihre  flüssigen  Fonds  hatten, ­
  Im  Gegensatz  dazu  stand  der  Außenhandel;  die  Ausfuhr  übertraf ­
  die  Einfuhr  um  18,9  Mill,  Yen  (M,  39,6  Mül.),  Das  Anwachsen  des
Exports  beruhte  namentlich  auf  dem  Wiedererwachen  des  Handels
mit  China  und  einem  lebhaften  Absatz  von  Rohseide,  Die  Abnahme
des  Imports  hing  zusammen  mit  der  Lähmung  der  inländischen  Produktion, ­
  zu  der  dann  dank  der  guten  Reisernte  eine  Verminderung
des  Reisimports  kam.
Die  Wirtschaftslage  des  Jahres  1910  wird  dahin  gekennzeichnet,
daß  bei  leichtem  Geldstande  Handel  und  Industrie  sich  von  der
Stockung  erholen  konnten.  Geld  war  dauernd  so  stark  angeboten,
daß  die  Regierung  begann,  fünfprozentige  Anleihen  in  vierprozentige
zu  konvertieren.  Der  Verkehr  auf  den  Staatsbahnen  nahm  rapide  zu,
und  in  neuen  Unternehmungen  wurden  nicht  weniger  als  487  Mill.
Yen,  d.  i.  über  eine  Milliarde  Mark,  angelegt,“
Als  Resultat  der  Untersuchung  ist  festzuhalten  die
überaus  große  Stetigkeit  des  japanischen  Wechselkurses,
seine  für  Europa  meistens  günstige  Stellung  und  seine  Abhängigkeit ­
  von  der  Gestaltung  des  Außenhandels.  Letzterer
zeigt  für  die  Einfuhr  keine  periodischen  Schwankungen,
während  die  Ausfuhr  im  Herbst  ihren  Höhepunkt  erreicht,
was  auch  in  den  Diagrammen  durch  ein  geringes  Ansteigen
der  Linien,  also  Günstigerwerden  für  Japan,  zum  Ausdruck
kommt.

4.  Der  Silberhandcl.
Mit  Rücksicht  auf  die  im  nächsten  Abschnitt  erfolgende
Behandlung  der  Silber-Wechselkurse  Chinas  ist  es  angebracht, ­
  zunächst  mit  einigen  Ziffern  Aufbau  und  Bedeutung
des  Silberhandels  darzulegen  und  kurz  auf  die  Preisbildung
des  Metalles  einzugehen.  Auch  die  hervorragende  Stellung,
die  Indien  in  diesem  Verkehr  inne  hat,  macht  eine  solche
Untersuchung  erwünscht.
Es  sei  ausgegangen  von  der  Welt-Silbergewinnung,  die
dem  Gewichte  nach  seit  Beginn  des  Jahrhunderts  rund  das
Neunfache  der  Goldgewinnung  jährlich  ausmacht.  Umfang
und  Verteilung  der  Produktion  zeigt  folgende  Tabelle,  die
nach  den  Angaben  des  Statistischen  Jahrbuches  für  das
Deutsche  Reich  und  der  Metallgesellschaft  in  Frankfurt
a,  M.  zusammengestellt  ist.
        <pb n="82" />
        77

nung,  der  Welt
in  1000  kg
Produktionszunahme ­
  gegenüber ­
  1901  in  o/o
Preisänderung
gegenüber  1901
in  O/o
Durchschnittspreis ­
  in  London
in  pence,  per
Standard  Unze
Gesamtwert  der
Pi  oduktion  in
Milk  Mark

We

1  t  S  i

Iber

g  e  w

Innung,

1901

1902

1903

1904

1905

1906

1907

1908

1909

1910

5464

5783

5647

5503

5625

5650

6113

6603

6570

6774

—

5,8

3,3

0,7

2,9

3,4

11,8

20,8

20,2

23,9

-11,3

-9,0

-3,0

+2,2

+13,2

+  11,0

-10,6

-12,7

-8,8

27 3 /ie

24%

24 3 /„

26%

27%

30Vs

30 s / 16

24%:

233/4^73,299

436

362

380

400

434

469

511

457

461

490

Zu  diesem  neugewonnenen  Silber  sind  die  nicht  abschätzbaren ­
  alten  Vorräte  hinzuzurechnen,  die  zum  Teil
immer  wieder  in  den  Verkehr  kommen,  während  umfangreiche, ­
  jährlich  steigende  Mengen  in  der  Industrie  endgültig ­
  verbraucht  werden,  und  ein  gleichfalls  beträchtlicher
Teil  dauernd  oder  doch  für  längere  Jahre  in  Indien  verschwindet. ­
  Außerdem  befindet  sich  in  London  stets  ein
großer  Stock  von  Barrensilber,
Es  ist  nun  nicht  leicht,  einen  Überblick  darüber  zu  gewinnen, ­
  wo  diese  Silbermengen  bleiben.  Einen  Anhalt  bietet
eine  Zusammenstellung  der  Metallgesellschaft  in  Frankfurt ­
  a,  M,  in  ihrem  Bericht  für  das  Jahr  1910.  Die  wichtigste ­
  Stellung  im  Silberhandel  nehmen  danach  ein  die  Vereinigten ­
  Staaten  von  Nord-Amerika  und  Mexiko  als  Erzeugungsländer, ­
  England  als  Land  des  Zwischenhandels  und
Indien  als  Verbrauchsland,  während  Chinas  Verhältnis  von
Einfuhr  zu  Ausfuhr  wechselt.  Diesen  Ländern  gegenüber
ist  die  Beteiligung  der  anderen  Staaten  am  Silberhandel  von
geringer  Bedeutung,  Im  Durchschnitt  der  Jahre  1904—1908
beträgt  allein  die  Ausfuhr  Englands  an  Silber  15,3  Milk  £;
das  macht  rund  2 / s  der  Weltproduktion  in  dieser  Zeit  aus.
Aus  Amerika  stammten  davon  10,7  Milk  £.  Auf  der  anderen ­
  Seite  ergibt  sich  die  Bedeutung  Indiens  aus  den  Ziffern ­
  auf  Seite  54,  aus  denen  hervorgeht,  daß  der  indische
Verbrauch  einen  wesentlichen  Teil  der  jährlichen  Silberproduktion ­
  ausmacht.

1)  M.  per  kg  fein.
        <pb n="83" />
        78

Diesen  Verhältnissen  entsprechend  ist  denn  auch  der
Silberhandel  organisiert.  Der  internationale  Mittelpunkt,
der  sichtbare  Ausdruck  des  Welt-Silberhandels,  ist  London,
das  überall  Silber  kauft  und  verkauft;  daneben  steht  mit
Bombay,  nach  Stern  ')  der  bedeutendste  Silbermarkt  der
Welt,  und  Kalkutta  Indien  als  größter  Effektiv-Käufer  und
Schanghai  als  Vertreter  des  chinesischen  Silbergeschäfts.
Als  Repräsentant  des  wichtigsten  Erzeugungsgebietes  ist
der  New-Yorker  Silbermarkt  anzusehen.  Die  anderen  Plätze,
an  denen  Silber  notiert  wird,  sind  von  geringerer  Bedeutung, ­
  so  Paris,  Amsterdam,  Hamburg,  Yokohama  usw.  Hervorzuheben ­
  ist,  daß  Hamburg  namentlich  die  Silbergeschäfte
Rußlands  in  London  ausführt.  Wie  bereits  früher  erwähnt
und  wie  auch  aus  den  Ziffern  hervorgeht,  kauft  Indien  vornehmlich ­
  in  London;  China  bezieht  sein  Barrensilber  über
San  Franzisko,  gelegentlich  —  wenn  dessen  Parität  unter
der  Londoner  ist  —  auch  von  Indien,  während  das  Silber, ;
das  für  chinesische  Rechnung  effektiv  von  London  herausgesandt ­
  wird,  vielfach  nach  Bombay  dirigiert  wird,  also  in
ähnlicher  Weise  Station  macht  wie  das  englische  Gold  in
Ägypten,
Die  Organisation  des  effektiven  Silberhandels  ist  gleichzeitig ­
  Träger  eines  außerordentlich  umfangreichen  Termingeschäftes ­
  in  Silber,  nur  daß  in  dieser  Beziehung  die  Bedeutung ­
  Londons  als  Zentrum  des  Silberverkehrs  noch  überragender ­
  hervortritt.  Die  Londoner  Bullion-Brokers  sind  die
Gegenkontrahenten  für  die  Silberspekulation  der  ganzen
Welt,  namentlich  aber  für  die  Termingeschäfte  Asiens,  wo
das  Silber  das  wichtigste  Spekulationsobjekt  darstelit.  Zu
dieser  Rolle  gelangt  das  Silber  in  Asien  aus  mehreren
Gründen.  Einmal  hat  Silber  in  weiten  Gebieten  Asiens
Geldqualität,  während  es  im  internationalen  Verkehr  eine
Handelsware  darstellt,  die  einen  schwankenden  Goldpreis
besitzt.  Für  Länder  mit  Silberwährung,  also  für  China,
wird  dadurch  der  Wechselkurs,  der  für  sich  genommen  und
ohne  diese  Komplizierung  bereits  ein  ergiebiges  Objekt  für
Spekulationen  aller  Art  ist,  noch  dazu  mit  den  Schwankungen ­
  des  Silberpreises  verbunden.  Auf  der  anderen  Seite

1)  Rob,  Stern,  Die  Arbitrage,  2,  Aufl.,  Leipzig  1911.
        <pb n="84" />
        79  —!

sind  diese  Schwankungen  dauernd  groß  und  das  Silber  ist
als  Handelsobjekt  so  geartet,  daß  ungefähr  alles,  was  sich
irgendwo  in  der  Welt  auf  wirtschaftlichem  oder  auch  politischem ­
  Gebiete  ereignet,  als  Grund  für  eine  zu  erwartende
Preisveränderung  sich  ausschlachten  läßt.  Hierzu  kommt,
um  das  Silber  zum  Spekulationsobjekt  par  excellence  zu
machen,  die  bekannte  starke  Hinneigung  aller  Asiaten,  namentlich ­
  aber  der  Chinesen,  zum  Börsenspiel.
Weiter  ist  zu  bedenken,  daß  in  China  Silbertermindeckungen ­
  in  großem  Umfange  für  den  Warenhandel  zur
wirtschaftlichen  Notwendigkeit  werden,  um  das  Wechselkursrisiko ­
  auszuschalten.  Wenn  beispielsweise  ein  Importeur ­
  in  China  auf  heutiger  Preisbasis  Waren  in  Europa  bestellt, ­
  so  kann  er  sich  bis  zur  Fälligkeit  des  Betrages  leicht
einer  Kursveränderung  von  10°/ o  gegenüber  sehen,  die  er  als
vorsichtiger  Kaufmann  durch  ein  Gegengeschäft  in  Silber
für  sich  wirkungslos  machen  muß,  Auch  hier  verursacht
eine  persönliche  Eigenschaft  der  Chinesen  eine  größere  Ausdehnung ­
  des  Silberterminhandels,  wie  sich  aus  folgenden
typischen  Ausführungen  im  Geschäftsbericht  der  Hongkong
&amp;amp;  Shanghai  Banking  Co,  ergibt:  „  .  .  .  Die  Chinesen  haben
wiederum  ihre  kaufmännische  Tüchtigkeit  bewährt,  indem
sie  zum  größten  Teil  bei  Bestellung  ihrer  Waren  zugleich
den  Wechselkurs  kontrahierten  und  sich  hierdurch  gegen
Verluste  aus  dem  Rückgang  des  Silberpreises  gesichert
haben.“  Für  China  steht  somit  das  Termingeschäft  im
Vordergründe,  während  für  Indien  seit  seiner  Währungsreform ­
  die  effektive  Lieferung  das  Wichtigere  ist.
In  der  deutschen  Handelspresse  findet  der  Silberhandel
nur  geringe  Berücksichtigung;  man  beschränkt  sich  in  der
Regel  auf  die  tägliche  Mitteilung  des  Silberpreises  von  London, ­
  New-York  und  Hamburg,  während  von  andern  Plätzen
nichts  berichtet  wird.  Hierzu  kommen,  so  z.  B.  in  der  Kölnischen ­
  Zeitung,  in  den  Berichten  vom  Londoner  Geldmarkt
gelegentlich  Mitteilungen  über  die  Gestaltung  des  Silbermarktes
  in  London,  Die  Preisnotizen  verstehen  sich  für
London  in  d  per  Standard  Unze,  für  New-York  in  Cents  für
1  Unze  fein  und  für  Hamburg  in  Mark  per  kg  fein  Silber.
Zur  Darstellung  der  Technik'des  Silberhandels  in  Lon ­
        <pb n="85" />
        80

don  seien  hier  die  Angaben  von  Stern 1 )  über  Silberarbitragen ­
  verwendet  und  ergänzt.  Von  den  Londoner  Bullion-Brokers
  (BarrenMakler),  die  namentlich  mit  den  im  Osten
operierenden  Banken  und  mit  Firmen  auf  dem  Kontinent
arbeiten,  werden  die  Silberkurse  täglich  offiziell  festgesetzt,
und  zwar  für  sogenanntes  Bar-Silber,  gewöhnlich  Standard-Silber
  genannt,  und  für  fein  Silber.  Für  beide  Arten  wird
ein  Kassakurs  (für  Lieferungen  innerhalb  7,  zum  Teil  innerhalb ­
  10  Tagen)  und  ein  Zeitkurs  (für  Lieferungen  innerhalb
zwei  Monaten  „Forward  delivery")  notiert.  Die  Notizen  für
Standard  Silber  sind  die  wichtigsten,  sie  lauten  etwa  2  d
billiger  als  die  Notizen  für  fein  Silber,  Terminsilber  ist
fast  immer  teurer  als  Kassasilber;  der  Preisunterschied,  in
dem  man  eine  Art  von  Zins  sehen  kann,  schwankt  zwischen
1 / 16 —d.  Die  Silberbarren  haben  die  Form  von  Prismen,
wiegen  zwischen  900  und  1200  Unzen  (28—37  kg)  und  sind
995—999  Tausendteile  fein.  Jeder  Barren  ist  von  einer
eine  viertel  Unze  wiegenden  Probe  und  einem  Probier-(Wardier)schein
  begleitet;  dem  Barren  selbst  sind  Gewicht,
Feinheit  und  Firma  des  Probierers  auf  gedruckt.  Die  Spesen
des  letzteren  betragen  12/6  pro  kg  für  das  Schmelzen  und
1/6  pro  Barren  für  Porto,
Für  die  Preisbildung  ist  der  Zeitunterschied  zwischen
London  und  Asien,  dem  größten  Abnehmer,  wichtig;  Bombay ­
  ist  London  um  5  Stunden,  Schanghai  um  8  Stunden
voraus,  so  daß  deren  Telegramme,  die  Silberpreis  und
Wechselkurs  melden,  schon  um  10  Uhr  morgens  in  London
sind  und  einen  Anhaltspunkt  für  die  Preisgestaltung  im
Osten  bieten.  Wegen  derselben  Zeitdifferenz  können  sich
nämlich  die  asiatischen  Notizen  nur  nach  dem  Londoner
Preis  des  vorhergehenden  Tages  richten,  während  London
den  Vorteil  hat,  zu  sehen,  wie  weit  dies  geschehen  ist.  Man
hat  einen  kleinen  Anhaltspunkt  an  den  Kursen,  wie  sie
morgens  vom  Osten  und  von  Indien  kommen;  sind  die  Notierungen ­
  draußen  z.  B.  höher,  so  erwartet  man  auch  in

1)  Stern  a,  a.  O.,  Arbitrage  in  Silber.  Siehe  ferner  Koch,  Der
Londoner  Goldverkehr,  Münchener  Volkswirtschaft!,  Studien  (73.
Stück),  dessen  ausführliche  handelstechnischen  Angaben  vielfach  auch
für  den  Silberverkehr  zutreffen.
        <pb n="86" />
        81

London  kein  Fallen  des  Preises.  Bis  zur  Fixierung  des
Kurses  um  2  Uhr  Nachmittags  gelangen  jedoch  regelmäßig
noch  zahlreiche  Kauf-  bezw,  Verkaufsaufträge  von  China
und  Indien  an  den  Markt,  die  auf  die  Preisfeststellung
natürlich  einwirken.
Von  den  Spesen,  mit  denen  bei  Silberverschiffungen  zu
rechnen  ist,  beträgt  die  Fracht  nach  Indien  und  China  1 I 2 °I 0
auf  den  Wert,  während  für  Versicherung  bestimmte  Ziffern
nicht  zu  geben  sind,  da  diese  je  nach  den  mit  den  Versicherungsgesellschaften ­
  getroffenen  Vereinbarungen  schwanken, ­
  Die  Courtage  beträgt  im  allgemeinen  1 / 8 °/ 0  und  nicht,
wie  Stern  angibt,  1%,  sie  wird  nur  auf  Kaufaufträge  gerechnet. ­
  Hierzu  kommen  noch  kleinere  Spesen  wie  Stempel
für  die  „bill  of  lading",  „port  of  London  duties"  und  Kleinigkeiten, ­
  die  den  kontinentalen  Kunden  meistens  nicht
berechnet  werden,  während  man  annimmt,  daß  letztere
diese  Spesen  ihrerseits  dennoch  in  Rechnung  stellen.  Die
Fracht  für  von  London  nach  Hamburg  zu  verschiffendes
Silber  wird  mit  1/3  pro  £  100.-—  Wert  berechnet;  bei  Verschiffungen ­
  über  10000  £  ermäßigt  sich  die  Fracht  auf  1/—
(Stern  gibt  1 / 6 °/ 00  für  Fracht  und  Verzinsung  an).  Endlich
ist  auch  der  Zinsverlust  zu  berücksichtigen,  der  je  nach
Zinsfuß  und  Reisedauer  verschieden  groß  ist.  Als  Versendungszeit ­
  rechnet  man  gewöhnlich  von  London  nach
Singapur,  Kalkutta  3—4  Wochen,  nach  Hongkong,  Schanghai, ­
  Yokohama  5—6  Wochen.
Die  normale  Verschiffungsgelegenheit  bietet  sich  wöchentlich ­
  einmal  durch  die  Dampfer  der  Peninsular  &amp;amp;  Oriental
Steamship  Company;  ebenso  gut  könnten  auch  die  via
Southampton  auslaufenden  Dampfer  des  Norddeutschen
Lloyds  benutzt  werden.
Neben  den  Londoner  Umsätzen  in  Barrensilber  hat  das
Geschäft  in  mexikanischen  Dollars,  seit  deren  Umlaufsgebiet ­
  auf  den  chinesischen  Kleinverkehr  beschränkt  ist,
so  gut  wie  keine  Bedeutung  mehr;  dagegen  sind  vielfach
reine  Differenzgeschäfte  in  t.  t.  Mexican  Dollar  von
Europa  aus  üblich.  Die  mexikanischen  Dollars  werden  nach
Gewicht  gehandelt,  die  Notiz  versteht  sich  in  pence  per
Unze  fein  und  ist  in  der  Regel  nur  nominell.
Die  nachfolgenden  Kursberidhte  von  zwei  Londoner
Mahlberg,  Asiatische  Wechselkurse.  6
        <pb n="87" />
        82

Maklerfirmen  mögen  die  vorstehenden  Angaben  ergänzen,
(Formular  4—5)  1 ),
Telegraphie  Address.  Formular  4.
“ATTACOM".  LONDON.
LONDON  Ist  SEPTEMBER  1911.
sd
Bar  Gold  17/9  p.  Oz.  Std.  Bar  Silver  24 3 /ig  p.  Oz.  Std.l__925
Do.  Parting  „  „  „  Do.  2  mths  Forwd24 6 / 16  „  ,,  (  fine
Bank  Rate  3%.
Gentlemen,
Further  good  rains  in  India  have  caused  a  distinctly  harder  tone
to  prevail  in  the  Silver  Market,  and  although  the  effect  on  prices  has
been  very  small  so  far,  to-day’s  quotation,  24 3 /j e d.  is  */s  d.  higher  than
when  we  wrote  last  week,  and  is  the  highest  quoted  for  nearly  a
month.
Surprise  has  been  expressed  in  some  quarters  that  quotations
have  failed  to  respond  more  sharply  to  the  much  improved  crop  prospects.
  It  must  be  remembered  however  that  when  the  reports  were
most  unfavourable,  the  fall  in  quotations  was  small,  because  many
operators  realised  that  there  was  still  time  for  the  Situation  to  be  saved.
  It  is  also  an  undoubted  fact  that  the  large  stock  both  here  and
in  Bombay  discourages  fresh  purchases  for  a  rise  unless  operators  can
see  their  way  very  clearly,
With  China  a  fairly  constant  buyer,  and  no  encouragement  to
bears,  there  seems  ground  for  anticipating  some  further  slight  improvement
  in  quotations.
GOLD:  —
There  is  no  Continental  demand  for  Bar  Gold  and  the  requireraents
  of  India  are  very  small  so  practically  the  whole  of  this  week's
arrival  is  being  taken  to  the  Bank  of  England  where  £  764,000  in  Bars
and  Coin  has  been  received.  Düring  the  week  £  730,000  in  Sovereigns
has  been  withdrawn  for  South  America  and  £200,000  for  Constanlinoplc.
We  are,  Gentlemen,
Your  obedient  servants,
Mocatta  &amp;amp;  Goldsmid.
7,  Throgmorton  Avenue,
E.  C.
1)  Vergleiche  auch  die  Zirkulare  von  Pixley  u.  Abeil  und  von
Sharps  &amp;amp;  Wilkins  im  Archiv  der  Cölner  Hochschulen.
        <pb n="88" />
        83

Telegraphie  Adress—
“SHARPS,  LONDON,“
Registered  for  Transmission  Abroad.

Formular  5.

Jiliarps  Sc  pfilfems’  ^üulltou  |Jrice  Current.

September  Isf,  1911,

Bar  Silver

24 3 /'xe  p.  oz.  Standard

Bar  Silver,  Delivery  2  monihs

24  ®/ le

Fine  Silver  ,  .

26Vs  P-  oz.

Fine  Silver,  Delivery  2  monihs

26V4

Mexican  Eagle  Dollars  .  .  .

24»/ u

Nominal,

South  American  Dollars  .  .  .

23 3 /xe

Five  Franc  Pieces

3/1  P/i  p,  5  francs

Nominal.

Bar  Gold

77/9  p.  oz.  Standard

Japanese  Yens  ,

76/4  p.  oz.

Nominal.

American  Eagles

76/4

»1

French  Gold  Coin

76/4

11

German  20  Marks  .  ...  .

76/4

M

Russian  Imperials

76/4

11

Brazilian  Gold  Coin  ....

77/6

11

Mexican  20  Dollars  ....

73/7

11

Chilian  $5  Pieces

77/8

11

Turkish  Sovereigns

77/9

11

Spanish  Doubloons

73/6

11

South  American  Doubloons  .  .

73/5

«

Quicksilver  ....  per  Bottle

£9  1
Discount  3per  cent  j

Bank  Rate  of  Discount  3  per  Cent.
SHARPS  &amp;amp;  WILKINS,
0n&amp;gt;orn  Broker«,
19  Great  Winchester  Street,
s  LONDON.
        <pb n="89" />
        84

Über  den  indischen  Silberhandel  und  dessen  Spesen
wurden  in  einem  früheren  Abschnitt  bereits  die  wichtigsten
Angaben  gemacht.  Gehandelt  wird  Silber  in  Bombay,  neben
dem  Kalkutta  an  Bedeutung  zurücktritt,  sowohl  per  Kassa
als  per  Liquidation  zu  bestimmten  Terminen,  die  für  das
ganze  Jahr  im  Voraus  festgesetzt  sind.  Der  Preis  versteht
sich  in  Rupien  pro  100  Tola.  1  Tola  zu  12  Masha  zu  8  Ruttee
zu  4  dhan  ist  gleich  0,375  englische  Troy  Unzen  oder  gleich
180  Troy  grains  oder  gleich  11,6678g  (Swoboda),  Zu  beachten ­
  ist  bei  dem  indischen  Silbergeschäft  der  Importzoll
von  4  Annas  pro  Unze,
In  China  ruht  das  Silbergeschäft,  wie  auch  in  Indien,  in
den  Händen  der  Banken;  der  reguläre  Warenhandel  beteiligt ­
  sich  an  dem  effektiven  Geschäft  nicht,  sondern  schließt
nur  zur  Wechselkurssicherung  Silberdifferenzgeschäfte  ab.
Die  Banken  ihrerseits  pflegen  Silber  „zur  Abdeckung  ihrer
Goldvaluten-Engagements“  zu  importieren,  wobei  das  von
San  Franzisko  kommende  Silber  meistens  an  die  Kanton-Münze
  geht,  während  die  Londoner  Zufuhren  vielfach  nur
bis  Bombay  gelangen.  Über  den  Zusammenhang  zwischen
Wechselkurs  und  Silberbewegung  kann  erst  später  gesprochen ­
  werden.  Der  wichtigste  chinesische  Markt  für  Silber ­
  ist  Schanghai.  Das  vom  Ausland  in  Barren  bezogene
Silber  wird  nach  Kanton-Taels  (37,57  g  =  1,208  Troyoz)  gewogen ­
  und  in  Schanghai-Kurant-Taels  für  100  Kanton-Gewicht-Taels
  notiert,  während  im  kleineren  Verkehr  das  Silber ­
  nach  Chouping-Taels  (36,65  g  =  1,178  Troyoz)  gewogen
wird.  Eine  Notiz  des  Großhandels  lautet  z.  B.  so:  „Shanghai ­
  price  of  silver  Bars  (weight  Tis,  100  [Canton]  199  touch)
Tis,  111,20,“  Gehandelt  wird  Silber  in  Schanghai  ebenfalls
per  Kassa  und  per  zwei  Monate  Lieferung.  An  Spesen  auf
Silbergeschäfte  mit  London  rechnet  man  in  Schanghai  mit
B / g °/o,  in  Hongkong  mit  3 / 4 —  1%.
Hinsichtlich  des  bekannten  Silberverkehrs,  der  in  China
selbst  stattfindet,  sowie  des  interessanten  Münzprüfungsund ­
  Umrechnungswesens  sei  auf  die  ausführlichen  Angaben
in  Swoboda  „Die  Arbitrage“  verwiesen.
Für  die  Preisentwicklung  des  Silbers  ist  der  Londoner
Kassakurs  für  Standard-Silber  der  maßgebende  Ausdruck,
        <pb n="90" />
        85

Auf  Seite  39  und  77  finden  sich  die  Jahresdurchschnittssätze
seit  1893  und  in  den  später  folgenden  Wechselkursdiagrammen
  von  Hongkong  und  Schanghai  graphische  Darstellungen ­
  des  Silberpreises  in  den  Jahren  1907—1910.  Aus
beiden  Angaben  ist  die  Kursentwicklung  hinreichend  zu  ersehen. ­
  Für  die  hier  behandelte  Periode  ist  namentlich  der
große  Preisfall  im  Herbst  1907  von  rund  24 1 / 2 °/ 0 ,  zu  beachten.
Als  wichtigste  Preisfaktoren  sieht  man  in  London  die
von  Indien,  China  und  Amerika  erfolgenden  Abgaben  und
Ankäufe  bezw.  deren  vielgestaltige  Ursachen  an.  Namentlich ­
  wirken  der  Ausfall  der  Ernten  und  die  Regenentwicklung ­
  in  Indien  auf  die  Stimmung  des  Londoner  Marktes  ein.
So  wird  z.  B.  der  erwähnte  große  Preissturz  im  Jahre  1907
in  allen  vorliegenden  Berichten  übereinstimmend  auf  die
schlechte  Regenzeit,  Mißernten  und  Hungersnot  in  vielen
Distrikten  Indiens  zurückgeführt;  dadurch  sei  die  indische
Regierung  zur  Einstellung  ihrer  Silberankäufe  zu  Münzzwecken ­
  veranlaßt  worden  und  auch  sonst  habe  sich  der
Silberimport  automatisch  verringert.  Dem  ist  in  solcher  Ausschließlichkeit ­
  nicht  beizustimmen.  Der  indische  Import  hat
zwar  nachgelassen,  aber  in  größerem  Umfange  erst  von  1909
an.  Außerdem  ergibt,  sich  aus  den  Münzausgabeziffern  auf
Seite  44,  daß  das  Jahr  1907  einen  Rekord  in  der  Ausgabe
von  Rupien  aufstellt  f261  Mill.  Rp.  gegen  180—200  Milk  in
den  Vorjahren),  und  daß  auch  in  1908  mit  168  Mill,  Rp,  ein
sehr  hoher  Betrag  in  LImlauf  gebracht  wurde.  Erst  1909
werden  die  Ziffern  sehr  klein;  dazu  paßt  das  Nachlassen  der
Importe  für  Regierungsrechnung  in  diesem  Jahre.
Der  wichtigste  Grund  jedoch  gegen  die  Annahme,  daß
der  indische  Bedarf  die  Preisgestaltung  von  1907  bedingt
habe,  ist  in  der  fast  parallelen  Entwicklung  des  Silberpreises
zu  den  Preisen  anderer  Metalle  zu  sehen.  Aus  einem  gedruckt ­
  vorliegenden  umfangreichen  Preisdiagramm  der  Metallfirma ­
  Vivian,  Younger  &amp;amp;  Bond,  London,  Leadenhallstr.

1)  Die  Linie  stellt  zwar  die  Reduktionen  der  Londoner  Silber-Preise
  auf  das  Feinsilbergewicht  des  Hongkonger  Dollars  bezw.
Schanghai-Taels  dar,  also  zwei  Münzparitäten  zum  Londoner  Kurs,
doch  würde  eine  einfache  Zeichnung  des  Londoner  Silberpreises  genau ­
  so  verlaufen,  da  es  sich  stets  um  dieselbe  Reduktion  handelt.
        <pb n="91" />
        86

27,  Baltic  House,  von  dem  sich  ein  Exemplar  im  Archiv  der
Kölner  Hochschulen  befindet,  ist  die  Preisentwicklung  von
Silber,  Zinn,  Blei,  Kupfer  und  Eisen  während  der  Jahre
1893—1909  ersichtlich.  Darin  zeigen  die  Preiskurven  für
Blei,  Kupfer  und  Silber  eine  außerordentlich  starke  Parallelität, ­
  während  die  Linie  für  Eisen  flacher,  diejenige  für  Zinn
in  ihren  Bewegungen  schärfer  betont  verlaufen,  im  übrigen
aber  auch  noch  eine  weitgehende  Gleichmäßigkeit  aufweisen.
Und  zwar  zeigt  sich  dieser  nahezu  parallele  Verlauf  der
verschiedenen  Metalle  sowohl  bei  kleineren  Schwankungen
wie  vor  allem  bei  Preisänderungen,  die  sich  im  Laufe  längerer ­
  Perioden  vollzogen  haben.  Gerade  der  große  Preissturz ­
  im  Jahre  1907  findet  sich  nicht  nur  für  Silber,  sondern
ebenso  stark  oder  noch  stärker  für  Blei,  Zinn,  Kupfer  und
Eisen,  nur  daß  bei  den  beiden  letzten  Metallen  die  Baisse
schon  einige  Monate  vorher  einsetzte.
Im  ganzen  geben  die  Bewegungen  dieser  Preise  den
Verlauf  der  Weltkonjunktur  wieder;  auf  den  Höhepunkt  zu
Beginn  des  Jahrhunderts  folgt  der  Abfall,  von  1903  an  die
neue  Aufwärtsbewegung,  bis  1907  die  letzte  Depression  einsetzte. ­
  Seit  1898  —  das  ist  das  Jahr,  in  dem  in  Indien  der
Relationskurs  von  16  d  erreicht  wurde  —  erscheint  der  Silberpreis ­
  fest  in  das  Auf  und  Ab  der  Konjunkturbewegung
eingespannt,  während  er  von  1893—1898  zwar  eine  Eigenbewegung ­
  zeigt,  aber  dennoch,  wenn  auch  schwächer,  von
den  Schwankungen  der  anderen  Metalle  beeinflußt  zu  sein
scheint.  Diese  Eigenbewegung  zeigt  sich  zunächst  in  einem
dauernden  Preisfall  von  54 1 / 2  d  im  Jahre  1891  auf  27 1 / 2  im
Jahre  1894  als  Rückschlag  der  auf  die  Sherman-Bill  folgenden ­
  Spekulation;  gleichzeitig  weisen  aber  auch  die  vier  anderen ­
  Metalle  einen  ebenso  lange  dauernden  Rückgang  auf.
Von  Herbst  1896  bis  September  1897  fiel  der  Silberpreis
unabhängig  von  anderen  Preisen  stark,  um  im  nächsten  Monat ­
  bereits  das  Meiste  wieder  aufzuholen;  diese  Eigenbewegung ­
  dürfte  auf  die  indische  Währungsreform  zurückzuführen ­
  sein.  Am  16.  September  1897  wurden  die  indischen
Münzstätten  für  die  freie  Ausprägung  von  Gold  geöffnet,
und  damit  war  allen  Hoffnungen  auf  ein  Fiasko  der  Reform
der  Boden  entzogen.  Da  außerdem  ein  Vergleich  mit  den
        <pb n="92" />
        87

Diskontsätzen  ergibt,  daß  hohe  Silberpreise  mit  hohem  Zins,
niedrige  Silberpreise  mit  niedrigem  Zins  im  allgemeinen  zusammenfallen, ­
  so  wird  man  sagen  können,  daß  für  die  Höhe
des  Silberpreises  je  länger  um  so  mehr  die  allgemeine  Wirtschaftslage ­
  und  nicht  allein  die  Verhältnisse  in  Indien  oder
China  entscheidend  sind;  sind  diese  und  jene  ungünstig,  wie
das  1907  der  Fall  war,  so  verstärken  sie  sich  natürlich  gegenseitig. ­
  Auch  die  auf  Seite  77  aufgeführten  Weltproduktionsziffern ­
  sprechen  nach  Zu-  und  Abnahme  für  die  hier
vertretene  Auffassung.  Der  Meinung  Singers 1 ),  daß  der
Silberpreis  durch  die  Wechselkurse  der  Silberländer  und
nicht  umgekehrt  deren  Wechselkurs  durch  den  Silberpreis
bestimmt  werde,  kann  heute  nicht  mehr  beigetreten  werden.
Der  Vollständigkeit  halber  sei  auf  die  jährlichen  Berichte ­
  der  Volkswirtschaftlichen  Chronik  über  den  Silbermarkt ­
  verwiesen.

Rechnet  man,  alles  in  Jahresdurchschnitten,  den  Londoner ­
  Silberpreis  zum  Sichtkurs  Berlin-London  um  und  vergleicht ­
  damit  die  Hamburger  Silbernotiz,  so  ergibt  sich  folgendes ­
  Bild;

Jahresdurchschnitt ­


1900  1901  1902  1903  1904  1905  1906  1907  1908  1909

Silber  in  London  28&amp;gt;/ 4  24*/ M  24,09  24 1  2  3 / 4  26%  27,84  30%  30 3 /j 6  24%  24 3 / 4
Berlin  auf  „  20,46  20,41  20,45  20,42  20,41  20,44  20,46  20,47  20,42  20,44
Umrechnung  8)  M  83,69  80,36  71,33  73,18  78,02  82,40  91,47  89,48  72,15  70,29
Silber  in  Han.bg  .,  83,37  80,16  71,—  73,03  77,81  82,26  91,34  89,42  71,95  70,01
Differenz  jß  0l 32  0,20  0,33  045  021  044  043  0^06  0,20  0,28

Die  Größe  der  Differenz,  um  die  Silber  in  Hamburg
dauernd  billiger  ist  als  in  London,  nimmt  ungefähr  den  umgekehrten ­
  Verlauf  wie  der  Silberpreis  und  der  Londoner
Diskont.  Bei  der  im  Statistischen  Jahrbuch  für  das  Deutsche
Reich  angestellten  Preisvergleichung  scheint  der  Londoner
Silberpreis  stets  nur  zu  20,40,  also  niemals  zur  Parität,
umgerechnet  zu  sein,  während  die  Ziffer  für  1907  nicht  stimmen ­
  kann,  da  sie  einen  Wechselkurs  von  20,76  ergäbe.
1)  Singer  a.  a.  O.
2)  Umgerechnet  nach  der  Stern'sehen  Fixzahl  0,1448  X  Silberpreis ­
  X  Deckungskurs.  \
        <pb n="93" />
        88

5,  Die  Wechselkurse  von  Hongkong  und  Schanghai.
Die  Republik  China  umfaßt  noch  immer  ungefähr  alle
Stufen  wirtschaftlicher  Entwicklung,  was  in  ganz  besonderem ­
  Maße  von  den  Währungsverhältnissen  1 )  des  Riesenreiches ­
  gilt.  Man  kann  nicht  einfach  sagen,  China  besitzt
Silber-  oder  Kupferwährung,  man  kann  überhaupt  nicht  von
einer  einheitlichen  Währungsform  sprechen,  vielmehr  laufen
Kupfergeld  und  Silbermengen  nebeneinander  her,  ohne
durch  ein  anderes  System  als  das  schwankende  Verhältnis
des  Metallwertes  miteinander  verbunden  zu  sein.
Weiterhin  sind  auf  der  einen  Seite  die  gebräuchlichen
Mengeneinheiten  des  Silbers  von  Ort  zu  Ort  nach  Menge
und  Feinheit  verschieden,  bedürfen  also  bereits  für  sich  einer
Wertrelation  im  Verkehr  zwischen  zwei  Orten,  Auf  der  anderen ­
  Seite  ist  für  das  geprägte  Kupfergeld  das  gleiche  der
Fall;  die  vielen,  örtlich  verschiedenen  Käsch-Arien  (kleinste
Kupfermünze)  stehen  ebenfalls  in  bestimmtem  Verhältnis
zueinander,  nur  tritt  hier  erschwerend  hinzu,  daß  ausgedehnte ­
  Fälschungen  und  minderwertige  Prägungen  für  die
einzelne  Münze  ein  Disagio  bedingen,  das  wiederum  für  jede
Käsch-Art  womöglich  noch  innerhalb  derselben  Art  verschieden ­
  ist,  wenn  es  sich  etwa  um  zweierlei  Ausprägungen
handelt.  Um  den  Wert  eines  Käsch  in  A,  gegenüber  dem
Wert  eines  Käsch  in  B.  nach  dem  Maßstabe  unseres  Goldgeldes ­
  zu  bestimmen,  bedürfte  es  infolgedessen  einer  langen
Reihe  von  Proportionen.  Außerdem  werden  seitens  der
Münzausgabestellen  vielfach  durch  eine  künstlich  herbeigeführte ­
  Geldkontraktion  die  Werte  abermals  geändert.
(Letzteres  geschieht  durch  die  Mandarinen,  um  unterwertiges ­
  Geld  in  den  Verkehr  zu  pressen.)
Ferner  existiert  in  weiten  Gebieten  Chinas  noch  reiner
Tauschverkehr,  während  gleichzeitig  zwischen  diesem  und
der  Kupferwährung  die  mannigfaltigsten  Übergänge  bestehen. ­
  Ein  Bild  des  Tauschverkehrs  ergibt  sich  aus  folgen1) ­
  Über  die  Währungsverhältnisse  Chinas  siehe  besonders  Sonndorfer,
  Swoboda  und  Frankfurter  Zeitung  1911  Nr,  221,  F.  W.
Hack,  Bank-  und  Geldwesen  in  China.
        <pb n="94" />
        89

dem  Bericht x )  des  Dolmetscheraspiranten  Tigges  beim  deutschen ­
  Konsulat  in  Kanton  über  die  Geldverhältnisse  in
Woutschou,  einer  Stadt  von  60—80  000  Einwohnern  an  der
Mündung  des  Fuflusses  in  den  Westfluß,  die  den  Ruf  hat,
der  Haupthandelsplatz  und  der  reichste  Ort  der  Provinz
Kuangsi  zu  sein.  ,,In  Woutschou  sind  hauptsächlich  Kantoner
  20  Centstücke  und  Hongkonger  10  Centstücke  im  Umlauf; ­
  Silberdollars  und  Notengeld  sind  wenig  bekannt.  Im
Binnenland  ist  Bargeld  selten;  die  Landleute  pflegen  gegen
ihre  Bodenerzeugnisse  Waren  —  hauptsächlich  Baumwollwaren
  —■  eänzutauschen;  der  Geldverkehr  zwischen  Woutschou ­
  und  Kanton-Hongkong  wird  durch  chinesische  Bankiers ­
  in  Futschan  und  Kanton  vermittelt,"  Nach  derselben
Quelle  ist  die  Stadt  Woutschou  das  natürliche  Zentrum  des
Handelsverkehrs  für  Kuangsi,  Kueitschou  und  das  nordöstliche ­
  Yünnan,  ein  Gebiet,  das  etwa  der  Bodenfläche  des
Deutschen  Reiches  gleich  kommt;  alle  nach  Kanton  und
Hongkong  führenden  Handelsstraßen  dieser  großen  Landflächen ­
  vereinigen  sich  in  Woutschou.
Gegenüber  diesen  Verwicklungen,  mit  denen  der  kleine
Binnengeldverkehr  Chinas  zu  rechnen  hat,  erscheint  der
Silbergroßverkehr  der  Hafenstädte  als  relativ  einfach  gestaltet, ­
  Bei  ihm  handelt  es  sich  um  drei  Schwierigkeiten,  die
jedoch  von  dem  Chinesen  nicht  als  solche  empfunden  werden, ­
  da  ihm  die  erforderliche  Technik  geläufig  ist  und  sich
aus  den  Schwierigkeiten  für  ihn  dauernd  Gewinngelegenheiten ­
  ergeben.  Die  erste  Schwierigkeit  besteht  darin,  einen
bestimmten  Betrag  in  der  entsprechenden  Menge  Silbers
auszuzahlen:  der  Betrag  muß  gewogen  werden,  sofern  man
sich  nicht  mit  ausländischen  Silbermünzen  behilft,  die  dann
aber  nur  als  feststehende,  bereits  bequem  abgeteilte  Mengen
Silbers  gelten.  Letzteres  geht  soweit,  daß  man  die  Münzen
zerbricht,  um  einen  entsprechendenTeilbetrag  zu  bekommen,
und  daß  vielfach  die  Münzen  nicht  auf  ihre  Prägung  hin  genommen ­
  werden,  sondern  stückweise  einer  Nachprüfung
unterliegen,  wobei  Gewicht  und  Feinheit  von  den  chinesischen ­
  Probierern  darauf  vermerkt  werden.  Die  Münzen  werden ­
  „geschopt“.  Die  Europäer  untereinander  nehmen  natür-1)
  Bericht  über  Handel  und  Industrie,  Bd.  14,  Heft  6,  Mai  1910.
        <pb n="95" />
        I

lieh  die  Münzen  lediglich  auf  die  Prägung  hin,  und  dem  folgen ­
  auch  die  Chinesen  da,  wo  der  Umlauf  größeren  Umfang
besitzt,  also  in  den  Hafenstädten,
Handelt  es  sich  um  interlokalen  Verkehr,  so  tritt  zu  der
Schwierigkeit  des  Abwägens  die  Umrechnung  der  örtlichen
Gewichtseinheit  in  die  des  fremden  Platzes  nach  Menge  und
Feinheit;  soll  das  Silber  außerdem  an  dem  fremden  Platze
tatsächlich  umlaufen,  so  muß  es  umgeschmolzen  werden,  um
als  Umlaufsstück  der  dort  üblichen  Menge  und  Feinheit  zu
entsprechen.  Hack  führt  das  zähe  Festhalten  der  Chinesen
an  diesen  Unbequemlichkeiten  des  Barrengeldes  zurück  auf
die  große  Zahl  derer,  die  dabei  verdienen,  und  auf  die  jedem
Barrengeld  innewohnende  Unmöglichkeit  einer  obrigkeitlichen ­
  Geldverschlechterung.
Die  dritte  und  unangenehmste  Schwierigkeit  ergibt  sich
im  Verkehr  Chinas  mit  dem  Auslande  durch  die  Verbindung
des  chinesischen  Silberumlaufs  mit  dem  internationalen
Goldgelde,  also  durch  den  Wechselkurs,  Das  Störende  dabei ­
  sind  nicht  die  Schwierigkeiten  der  Kurstechnik  oder  die
Häufigkeit  der  Kursänderungen  —  diese  Schwierigkeiten
sind  hier  kaum  größer  als  bei  jeder  anderen  Währung  —,
sondern  die  Größe  der  auftretenden  Schwankungen,  die  die
Preisgestaltung  aller  Waren  durch  ein  außerhalb  der  Sache
liegendes  Moment  beeinträchtigen.  Wer  heute  von  Europa
Waren  kauft,  muß  gewärtigen,  daß  es  seinem  Nachbar  morgen ­
  möglich  sein  kann,  ihn  durch  einen  inzwischen  um  10°/ o
gestiegenen  Silberpreis  um  ebenso  viele  Prozente  zu  unterbieten, ­
  ohne  daß  der  Weltpreis  der  Ware  sich  geändert  hat
oder  die  Verhältnisse  des  betreffenden  chinesischen  Marktes
sich  verschoben  haben.  Umgekehrt  kann  der  Exporteur  theoretisch ­
  um  den  Betrag  jedes  Silberfalles  unter  Weltpreis
offerieren  oder  über  chinesischem  Marktpreis  einkaufen.  Das
Maß  und  die  Schnelligkeit,  mit  der  Silberschwankungen  in
den  Preisen  anderer  Waren  zur  Wirkung  kommen,  ist  jedoch
je  nach  der  Richtung  verschieden:  ehe  ein  Silberfall  in  den
Preisen  der  Exportwaren  am  chinesischen  Produktionsorte, ­
  also  im  Innern,  wirksam  wird,  dauert  länger  und  setzt
sich  in  geringerem  Maße  durch  als  die  Wirkung  einer  Silberpreissteigerung ­
  auf  den  Importhandel.  Letzterer  wird  da ­
        <pb n="96" />
        91

zu  auch  von  jedem  Sinken  des  Silberkurses  empfindlich
getroffen,  da  die  Warenverkaufspreise  im  Innern  niemals
im  selben  Maße  steigen  1 ),
An  dieser  größten  Schwierigkeit  des  chinesischen  Geldwesens, ­
  von  der  namentlich  der  europäisch-amerikanische
Fremdhandel  getroffen  wird,  wird  durch  die  geplante  Währungsreform ­
  nichts  geändert  werden,  da  nur  eine  einheitliche
Silberwährung  eingeführt  werden  soll.  Allerdings  wäre  die
Einführung  eines  wirklichen  Einheitsgeldes  bereits  ein
großer  Fortschritt  für  China  gegenüber  den  heutigen  chaotischen ­
  Zuständen,  und  zudem  muß  man  sich  in  China  zunächst ­
  einmal  an  ein  regelrechtes  Geldsystem  gewöhnt
haben,  ehe  man  daran  denken  kann,  den  weiteren  Schritt
zu  tun  und  die  umlaufenden  Münzen  gegenüber  dem  Golde
unterwertig  zu  prägen.  An  einer  für  den  kleineren  Verkehr ­
  handlichen  Goldmünze  wird  es  alsdann  nicht  fehlen,
wie  der  von  Schmalenbach 1  2 )  bereits  1904  gemachte
Vorschlag  dartut,  Goldmünzen  von  nur  250  fein  und  etwa
der  Größe  des  50Pfg,-Stückes  mit  einem  Goldwert  von
2,04  cM  auszuprägen.
Auf  die  Einzelheiten  der  geplanten  Reform  und  die  zu
ihrer  Durchführung  in  Aussicht  genommene  Anleihe  braucht
hier  nicht  eingegangen  zu  werden.
Im  einzelnen  ist  der  Kupfer-Käsch  als  der  tausendste
Teil  des  Silber-Taels,  der  chinesischen  Unze,  eigentlich
auch  nur  Gewichtsgeld.  Die  zu  Grunde  liegende  Gewichtseinteilung ­
  ist  folgende,  wobei  die  chinesischen  Bezeichnungen ­
  in  Klammern  zugesetzt  sind;
1  Tael  (Liang)  =  10  Mace  oder  Mehs,
1  Mace  (Tsien)  =  10  Candareen  oder  Kandorin,
1  Candareen  (Fen)  =  10  Li  (Käsch).
Die  Benennungen  der  höheren  Gewichte  lauten:
16  Tael  =  1  Catty  (Tsin),
100  Catty  =  1  Picul  (Tan),
1)  Siehe  hierüber  besonders  Helfferich,  Außenhandel  und
Valutaschwankungen,  Conrads  Jahrbuch  XXI,  2  und  von  Kries,
Seezollverwaltung  und  Handelsstaiistik  in  China,  Probleme  der  Weltwirtschaft, ­
  Schriften  des  Instituts  für  Seeverkehr  und  Weltwirtschaft
in  Kiel,  Jena  1913,
2)  a.  a.  O,  s
        <pb n="97" />
        92

Während  nun  die  Dezimaleinteilung  gleichmäßig  durchgeführt ­
  ist,  ist  das  Gewicht  eines  Taels  fast  überall  verschieden, ­
  so  daß  man  über  100,  nach  anderen  sogar  mehrere  100
Arten  kennt,  deren  wichtigste  der  Kanton-,  der  Haikuan-(für
  das  Seezollamt)  und  der  Schanghai-Tael  sind.  In  ähnlicher ­
  Weise  sind,  wie  bereits  erwähnt,  die  Käscharten  örtlich ­
  verschieden;  die  Wertrelation  zwischen  den  einzelnen
Käscharten  und  zwischen  Käsch  und  Silber  pflegt  täglich  in
den  Städten  durch  die  chinesische  Bankiergilde  festgestellt
zu  werden.  Für  den  in  dieser  Arbeit  zu  berücksichtigenden
internationalen  Verkehr  kommen  die  Relationen  nicht  in
Betracht;  ebenso  interessiert  in  dem  hier  gezogenen  Rahmen
die  Bewertung  der  Silbertaels  untereinander  nur  insoweit,
als  es  sich  um  die  Feststellung  handelt,  ob  diese  Bewertung
nur  eine  Umrechnung  oder  eine  wechselkursartige  Preisbildung ­
  darstellt.  Es  kann  daher  wegen  weiterer  Einzelheiten ­
  auf  die  Handbücher  (besonders  S  w  o  b  o  d  a)  und
die  Literatur  verwiesen  werden.
Hinzuzufügen  bleibt  nur  noch,  was  neben  den  schuhähnlichen ­
  Barren  an  Münzen  geschont  oder  als  Münze
schlechthin  umläuft.  Es  sind  dies  Silberdollars  der  Münze
zu  Kanton  und  der  Münze  zu  Wouschang,  beide  mit  Unterteilungen ­
  von  20,10  und  5  Centstücken,  der  berühmte  Mexicandollar,
  der  stets  geschont  wird,  weiter  britische  Hongkong- ­
  und  alte  Straits  Dollars,  und  endlich  in  geringerem
Umfange  Yen-Stücke  und  französische  Tonkindollars.  Dazu
kommen  mit  wachsender  Bedeutung  die  von  den  chinesischen ­
  und  fremden  Banken  ausgegebenen  Noten;  die  Noten
der  ersteren  sind  durch  die  zwar  nicht  formelle,  tatsächlich
aber  doch  solidarische  Bürgschaft  der  Bankgilden  so  gut  wie
gedeckt,  während  die  Noten  der  Fremdbanken  —  wie  einmal ­
  der  Geschäftsbericht  der  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking
Corporation  sagt,  —  Dollar  für  Dollar  bar  gedeckt  sind.
Diese  Noten  bedingen  vielfach  wegen  ihrer  bequemen  Handhabung ­
  ein  Agio,
Nach  „The  China  Year-Book  1912"  wird  der  Geldumlauf ­
  Chinas  für  1911  wie  folgt  geschätzt:
Ausländische  Dollars  Dollars  114  Mill,
Silberscheidemünzen  (20,  10,5  Cents)  „  1500  „
        <pb n="98" />
        93

kupferne  10-Käschstücke  Taels  100  Mill.
chinesische  Dollars  Dollars  43  ,,
Die  international  wichtigen  Wechselkurse  Chinas  sind
diejenigen  von  Hongkong  und  Schanghai,  wozu  in  neuerer
Zeit  Tientsin  getreten  ist.  Davon  ist  Hongkong  *)  englische
Besitzung,  der  Geldumlauf  besteht  zur  Hauptsache  aus  britischen ­
  Hongkong-Dollars,  die  in  der  Münze  von  Bombay
geprägt  werden.  Die  politische  Trennung  bedeutet  jedoch
hier  keine  wirtschaftliche,  und  Hongkong  ist  in  diesem  Zusammenhang ­
  als  ein  Teil  Chinas  anzusehen.  Was  die  Stellung ­
  Hongkongs  und  Schanghais  im  Zahlungsverkehr  Chinas
mit  dem  Auslande  angeht,  so  wird  von  drüben  berichtet,  daß
Schanghai  den  Zahlungsverkehr  von  ganz  China  vermittle,
während  Hongkong  auf  seinen  eigenen  beschränkt  sei.
Wörtlich  ist  das  richtig.  Da  aber  Hongkong  den  Handelsverkehr ­
  Südchinas  ausschließlich  beherrscht,  so  fällt  auch
dessen  Zahlungsverkehr  ihm  und  nicht  Schanghai  zu,
Schanghai  ist  vielmehr  das  Verkehrszentrum  für  das  mittlere
China,  die  Jangtsze-Ebene  und  für  Gebiete  noch  weiter
nördlich.  Außerdem  wird  in  einem  Bericht  des  Deutschen
Handelsarchivs  1908/H  Hongkong  als  Mittelpunkt  des  Geldverkehrs ­
  für  das  südliche  China  bezeichnet.
In  Schanghai  wird  der  Wechselkurs  London  auf  der  Basis
des  Schanghai-Taels  notiert.  Die  Münz-Parität  gegenüber
dem  englischen  Goldgelde  ergibt  sich  aus  folgender  Kette:

J  =  1  Shanghai  Tael  I
111,4  =100  Haikwan  Tael
1  =  584,85  grains  fein  Silber
222  fein  =  240  Standard
480  =  1  Q2  |
=  (Silberpreis  in  London.)

Das  Umrandete  ergibt  als  „fixe  Zahl“  1,182432,  mit  der
der  jeweilige  Silberpreis  zu  multiplizieren  ist.  So  ergibt
z.  B,  ein  Silberpreis  von  22  d  umgerechnet  26  1 / 100  bezw.
2  sh  2 1 / 100  d,  25  d  =  29 BO / 100  d,  28  d  =  33 11 / 10 «  d  etc.
1)  Insel  Hongkong  mit  der  Stadt  Viktoria.
        <pb n="99" />
        94

Die  vorstehende,  von  Manisch 1 )  übernommene  Kette
wurde  bei  den  vorliegenden  Untersuchungen  benutzt,  während ­
  in  Schanghai  die  nachstehende  Umrechnung,  die  jedoch
zur  selben  Fixzahl  führt,  üblich  ist.
?  d  =  1  Schanghai  Tael
111,20  =  100  Kanton-Taels
82,7815  =  100  troy  oz,
100  =  100,9  pence  charges
100  =  107,8829  oz.  Standard
1  —  Silberpreis  London
feste  Zahl  =  1,182  X  Silberpreis.
In  Hongkong  notiert  man  den  Wechselkurs  auf  London
pro  1  Hongkong-Dollar,  dessen  Parität  wie  folgt  zu  berechnen ­
  ist:
J|  =  1  Hongk.  Dollar
t  24,26112  graram  fein 2 )
=  1  oz  fein
=  40  oz  Standard  Silber
J  =  Silberpreis  in  London

?  d

1
31,1035
37
1

Das  Resultat  der  umrandeten  Ziffern  ergibt  die  feste
Zahl  0,843257,  mit  der  der  jeweilige  Silberpreis  zu  multiplizieren ­
  ist.
Der  Kurs  auf  Deutschland  wird  in  Schanghai  und
Hongkong  durch  Umrechnen  des  englischen  Kurses  zur  Rate
Berlin-London,  die  täglich  von  London  gekabelt  wird,  ermittelt; ­
  eine  selbständige  Preisbildung  für  deutsche  Wechsel ­
  findet  also  nicht  statt.  Die  deutsche  und  auch  jede
andere  Parität  ist  nur  auf  dem  Umwege  über  die  englische ­
  zu  ermitteln;  ausführliches  darüber  wurde  bereits  auf
Seite  33  ff,  gesagt.  Im  übrigen  vollzieht  sich  der  Devisenverkehr ­
  im  wesentlichen  in  der  früher  geschilderten,  in  Asien
allgemein  üblichen  Form,  Weitere  Einzelheiten  sind  aus  den
nachstehenden  Kurszetteln  (Formular  6—7)  ersichtlich.  Der
1)  Hanisch,  Die  Lehre  von  der  Technik  des  Handels,  Rothschilds ­
  Taschenbuch  1911,  Seite  796,
2)  Entstanden  aus  26,9568  gramm  rauh,  da  900/1000
minus  2,69568

24,26112  fein.
        <pb n="100" />
        95

S

in  dem  Kurszettel  von  Maitland  &amp;amp;  Fearon  angegebene  Satz
für  Native  Interest  {Eingeborenenzins)  ist  ein  Jahresprozentsatz, ­
  während  Native  Interest  gewöhnlich  in  mace  und  candareen
  für  1000  Tael  und  für  den  Tag  festgesetzt  werden,
Mittels  der  angegebenen  Fixzahlen  wurden  die  Londoner ­
  Silberpreise  der  Jahre  1907  bis  1910  für  Hongkong  und
Schanghai  reduziert,  in  den  Diagrammen  Nr,  13  bis  16  und
17  bis  20  als  Münzpari  eingetragen  und  die  entsprechenden
t,  t  .Notizen  dazu  gesetzt.  Dabei  war  zu  beachten,  daß  wegen
des  Zeitunterschiedes  zur  t,  t,  Notiz  jedesmal  der  reduzierte
Silberpreis  des  vorhergehenden  Tages  gehörte.  (Näheres
über  die  Diagramme  siehe  Kapitel  I,  3.)
Die  Diagramme  zeigen,  wie  die  beiden  chinesischen
Wechselkurse  mit  dem  Silberpreis  verlaufen,  wie  also  die
wichtigste  Bewegung  dieser  Wechselkurse  durch  den  Silberpreis ­
  verursacht  wird.  Ein  steigender  Silberpreis  bedeutet
eine  Steigerung  des  Wechselkursbetrages,  d,  h.  für  China
einen  fallenden  Wechselkurs,  für  Europa  auf  China  einen
steigenden,  während  ein  Fallen  des  Silberpreises  die  Wechselkurse ­
  Chinas  „ungünstig“  gestaltet.  Als  zweite  Bewegung
treten  hierzu  die  Abweichungen  der  t.  t.  Kurse  von  dem
Silberpreis,  die  Abweichungen  also  von  der  Parität,  die
durch  die  selbst  schwankende  Linie  des  Silberpreises  gebildet ­
  wird.  In  der  Literatur  hat  man  bisher  diesen  Abweichungen ­
  der  chinesischen  Wechselkurse  von  dem  Silberpari  keine
größere  Beachtung  geschenkt  und,  bewogen  durch  die  absolute ­
  Kleinheit  der  Differenzen  —  Bruchteile  eines  Penny  —
die  Schwankungen  um  das  Münzpari  als  bedeutungslos,  von
gelegentlicher  starker  Nachfrage  oder  dringendem  Angebot
verursacht  angesehen.  Aus  den  früheren  Angaben  der
Größenverhältnisse  der  Diagramme  und  aus  Diagramm  Nr.
21—24  geht  hervor,  daß  es  sich  bei  den  Abweichungen  von
der  Parität  jedoch  um  Schwankungen  handelt,  die  ein  Vielfaches ­
  der  im  europäischen  Verkehr  zwischen ­
  oberen  und  unteren  Goldpunkten  möglichen
Schwankungen  ausmachen.
        <pb n="101" />
        Mahlberg.  Asiatische  Wechselkurse.

1911—No,  35

Formular  Nr,  6,

No.  25,  Szechuen  Road,
Shanghai.

MAITLAND  and  FEARON’S
Exchange  Circular  for  week  ending  Wednesday,  August  30th,  1911,
Exchange:—Düring  the  week,  the  London  price  of  Silver  for  early  delivery  has  moved  between  24‘/ic  d.  and  247g  d,,  the
quotation  for  two  months  forward  delivery  has  however  remained  steady  at  24 3 / 16  d,  throughout  the  week.  Our
local  rates  of  exchange  have  remained  at  2/47ad,  for  T/T  on  London.  Exchange  Settlements  have  been  on  a  small
scale  and  the  market  generally  has  been  easy  for  early  delivery  and  steady  forward.  At  the  dose  a  steady  feeling
prevails,  ‘‘Deliveries”  in  connection  wilh  Imports  are  poor,  this  however  may  be  accounted  for  by  the  stormy
weather  we  have  experienced.  The  local  stock  of  Sycee  and  Bar  Silver  Stands  at  about  Tis  28,000,000,

Thursday

Friday

Saturday

Monday

Tuesday

Wednesdey

August  24th

August  25th

August  26th

August  28th

August  29th

August  30th

Bank  s  selling  rates.

opening  closing

opening  closing

opening  closing

opening  closing

opening  closing

Qpening  closing

T/T.  on  London  ...

2/4»/ 16

2/4 1 / 2

2/41/,

2/4i/ 2

2/4 1 /,

2/4 1 /,

D/Dfts,  „

2/4 8 /g

l/4 9 /l6

2/4 9 /ie

2/49/is

2/4 9 /ie

2/4 9 / ls

4  m/s.

2/4 3 / 4

2/411/16

2/4ii/ 16

l/4 n /l8

2/4ii/ 16

2/4»/,.

T/T.  on  India  ...

178

1773/4

1773/4

1773/4

1773/4

1773/4

T/T.  on  France

300V2

300

300

300

300

300

T/T.  on  Germany  ...  ...  ...  ...  ...

2437,

243

243

243

243

243

T/T.  on  New  York  ...  ...

57  Vs

573/4  •

573/4

.  573/4

573/4

573/4

T/T.  on  Hongkong  ...

75 3 /4

753/4

753/4

753/4

753/4

753/4

T/T.  on  Japan

85  V,

85 6 /s

85 5 /g

84 6 /g

85 8 /g

85 5 /g

T/T.  on  Batavia

1433/g

143

143

\  143

143

143

Formular  Nr,  6,

Bank’s  buying  rates.
4  m/s  Bills  on  London
Credit«,  &amp;amp;  D/A
6  m/s  ,,  „  „
4  m/s  Bills  on  London,  D/P
6  m/s  ,,  ,,  „
4  m/s  Bills  on  France
Credits.  D/A.  or  D/P
4  m/s  „  „  Germany
4  m/s  „  „  New  York  ...

}

2/5Vi6

2/5

-
2/5

2/5

2/5

2/5

2/5 5 /ie

2/5V4

2/5  V4

2/57,

2/574

2/574

...

2/53/ 16

2/5‘/g

2/5/ig

2/51/g

2/51/g

2/57s

2/5Vi6

2/53/ 8

2/53/g

2/53/ 8

2/53/g

2/53/g

}

305V,

305

305

305

305

305

248V,

248

248

248

248

248

593/4

59 6 /g

59 5 /g

59»/„

59 6 /g

595/g

Bullion.
*  London  Price  of  Bar  Silver  per  oz.  (English
Standard  925  touch)  ...  Pence
Shanghai  Price  of  Gold  Bars  (weight  Tis.  10
(Chauping)  98  touch)
do,  Silver  Bars  (weight  Tis.  100  (Canton)
999  touch)  ...  ...
„do.  Mexican  Dollar  per  $  100  ...  ...
Money
Native  Bank  Rate  of  Interest  (Call  money)  ...
*  Closing  Price  in  London  for  Previous  day.

Aug.  24th

Aug.  25th

Aug.  26th

Aug.  28th

Aug,  29th

Aug.  30th

247s
Tis,  408 1 »
Tis.  in 20
Tis.  75.2
17,7o

247s
Tis.  408 60
Tis.  Hl 2 «
Tis.  75.1375
17»%

247is
Tis.  408 40
Tis.  11120
Tis.  75,1625
1%

247s
Tis.  408 25
Tis.  111®
Tis.  75.1375
2%

247,6
Tis.  408 75
Tis,  lll 20
Tis.  75,15
l‘/,%

247s
Tis.  408 85
Tis.  lll 20
Tis.  75,1375
2%

Bank  of  England  rate  of  discount

3%

London  on

Paris

T/T

25.26

Bank  of  France  „  „

3%

London  on

Germany

T/T

20.4874

Bank  of  Germany  ,,  „

3%

New  York

on  London

T/T

4.867,6

London  open  Market  rate  of  Discount  3  m/s.

27g%

Bombay  on

London

T/T

1/47«

„  „  4  m/s.

3 3 /g°/o

Hongkong

on  London

T/T

l/9Vie

,.  „  6  m/s.

37.6%

Yokohama

on  London

T/T

2/03/8-7.6

N.  G.  MAITLAND,
R.  I.  FEARON,
Exchange  and  Ballion  Brokers
Telephone  No,  2077,
        <pb n="102" />
        98

Vorderseite,  Formular  7,
OPENING
EXCHANGE  QUOTATIONS.

HONGKONG,  SATURDAY,  26th  AUGUST,  1911.
SELLING.

T/T  l/9 7 / 16
Demand  1/9%
30  d/s  1/9 8 /i 6
60  d/s  l/9 9 /i6
4  m/s  1/9%
T/T.  Shanghai  75%
T/T.  Singapote  76%
T/T.  Japan  87%
T/T.  India  133%
Demand  India  134
T/T.  San  Franzisco  and  New  York  43 3 / a
T/T.  Java  107%
T/T.  Marks  183
T/T,  Francs  225%

BUYING.
4  m/s,  L/C,  .  1/9%
4  m/s.  D/P  1/10
6  m/s.  L/C.  1/10
30  d/s.  Sydney  and  Melbourne  1/10%
„  San  Francisco  and  New  York  .......  44%
4  m/s.  Marks
4  m/s.  Francs  2.30  .
6  m/s  2 '32
30  d/s.  on  India
Bar  Silver  24% 6
Bank  of  England  Rate  2%

With  the  Compliments  of
A,  &amp;amp;  S.  Hancock,  Stewart  Bros.,
Th.  Christian!,  Lay  ton  &amp;amp;  Co.,
0.  von  der  Heyde,  A.  W.  Schellhass,
        <pb n="103" />
        BANK'S  SELLING:  —

Sterling  T.T.

BANK'S  BUYING:

Sterling  Credits  4  m/s.  .  .
Francs  4  m/s.  ,  .
26/8/11.

August

August

TO  JüLY  1912  (4  MONTHS  RUNNING.)

September

OCTOBER

November

December

Rückseite,  Formular  7.
        <pb n="104" />
        100

Die  Abweichungen  erfolgen  nach  oben  und  unten;  in
ihnen  ist  der  eigentliche  Wechselkurs  im  üblichen  Sinne,
„der  Ausdruck  der  Zahlungsbilanz“,  zu  sehen.  Steht  der  t.  t.
Kurs  unter  dem  Silberpari,  so  handelt  es  sich  um  einen
hohen,  für  China  ungünstigen  Wechselkurs,  steht  die  t,  t,
Notiz  über  der  Silberlinie,  so  hat  China  für  seine  Zahlungen
nach  London  weniger  aufzuwenden.  Von  London  aus  gesehen ­
  verhält  sich  die  Sache  umgekehrt,  die  Diagramme  sind
in  diesem  Falle  so  zu  lesen,  wie  sie  gezeichnet  sind;  über
Pari  hoher  Kurs,  unter  Pari  billiger  Kurs,
Für  China  kann  sich  demnach  der  Wechselkurs  zu
gleicher  Zeit  auf  zwei  Wegen  günstig  oder  ungünstig  gestalten: ­
  der  Kurs  kann  mit  dem  Silberpreis  steigen  oder  fallen
und  kann  ferner  gleichzeitig  von  der  Parität  sich  entfernen.
Beide  Bewegungen  können  großen  Umfang  annehmen.  Gehen
sie  in  derselben  Richtung,  so  stärken  sie  sich  gewissermaßen
gegenseitig,  während  umgekehrt  eine  Abschwächung  eintritt,
wenn  die  beiden  Bewegungen  gegeneinander  verlaufen.  Das
deutlichste  Beispiel  für  eine  solche  Abschwächung  bietet
der  große  Silberfall  in  1907,  Die  vorher  weit  unter  Pari
verlaufende  Linie  des  t,  t,  Kurses  Schanghai  bewegt  sich
mit  fortschreitendem  Silberfall  immer  mehr  zur  Parität  hin,
sie  bremst,  wenn  man  so  sagen  darf,  mildert  also  durch  ihre
Eigenbewegung  den  aus  dem  Silberpreis  sich  ergebenden
Wechselkurs,
Als  eine  Eigenbewegung  der  t.  t,  Notizen  ist  es  auch
anzusehen,  wenn  sie  bei  steigendem  oder  fallendem  Silberpreis ­
  selbst  stehen  bleiben,  da  sich  auch  dann  ihr  Abstand
von  der  Parität  ändert  und  diese  Abstandsänderung,  als
Linie  gezeichnet,  eine  umgekehrt  zum  Silberkurs  verlaufende
Bewegung  ergibt.  Mit  anderen  Worten  gesagt,  heißt  das,
daß  sehr  oft  die  t,  t.  Notiz  ihren  eigenen  Weg  geht,  steigt,
fällt  oder  stehen  bleibt,  gewissermaßen  ohne  sich  um  den
Verlauf  des  Silberpreises  zu  kümmern.  Sieht  man  den  Verlauf ­
  des  Silberpreises  als  das  Absolute,  die  Abweichungen
der  t.  t,  Notizen  als  das  Relative  an,  so  liegt  in  diesem  Sichnicht-kümmern
  eine  eigenwillige  Bewegung  des  Wechselkurses, ­
  Da  aber  die  absolute  Kurshöhe  der  t,  t.  Notiz
das  Entscheidende  ist,  so  ist  eine  solche  zum  Silberpreis
        <pb n="105" />
        101

gegensätzliche  Eigenbewegung  nur  als  Ausdruck  der  Silberschwankung ­
  zu  werten.
Diese  Neigung  zur  Stetigkeit  und  Beständigkeit  zeigen
beide  t.  t.  Notizen  häufig  und  in  gleichem  Maße,  die  auf
eine  geprägte  Münze  basierte  Notiz  in  Hongkong  hat  darin
kaum  etwas  vor  der  Notiz  Schanghais  voraus,  die  nur  die
Bewertung  eines  Gewichtes  Silbers  darstellt.  Sieht  man  in
der  Eigenbewegung  der  t.  t.  Notizen  den  „Ausdruck  der
Zahlungsbilanz“,  so  bedeutet  jede  als  Reaktion  auf  Silberpreisänderungen ­
  erfolgende  Eigenbewegung  eine  Verdunklung ­
  der  Kursgestaltung.
Vergleicht  man  die  Stellung  der  Hongkonger  Notiz  zum
Silberpreis  mit  derjenigen  der  Schanghaier  Notiz,  so  ergibt
sich  ein  wichtiger  Unterschied  zwischen  beiden.  In  Hongkong ­
  steht  die  t.  t,  Notiz,  am  Silberpreis  gemessen,  dauernd
beträchtlich  höher  als  in  Schanghai,  der  Wechselkurs  ist
mithin  in  Hongkong  dauernd  günstiger  und  billiger  als  in
Schanghai,  oder  mit  anderen  Worten,  der  in  Hongkong  die
Basis  bildende  Dollar  erfreut  sich  eines  Agios,  Um  100
Pfund  London  zu  erstellen,  bedarf  man  relativ  mehr  ungemünzten
  Schanghai-Silbers,  als  man  nach  dem  Silbergehalt
Hongkong-Dollar  aufzuwenden  hat;  von  London  aus  als
direkte  Notiz  gesehen,  ist  die  Dollarbewertung  relativ  höher
als  die  Taelbewertung,  die  geprägte  Münze  wird  bevorzugt.
Wenn  demgegenüber  Sonndorfer  von  einem  3—5°/ 0 igen
Diskont  spricht,  den  der  Hongkong-Dollar  bedinge,  so  ist
dabei  vielleicht  die  indirekte  Notierungsweise  übersehen
worden,  die  ein  Agio  durch  eine  niedrige  Kursziffer  ausdrückt. ­

Um  den  Verlauf  der  beiden  t.  t,  Kurse  zur  Silberparität
genauer  übersehen  und  vergleichen  zu  können,  wurden  die
Abweichungen  von  der  Parität  nach  oben  und  unten  in
lOOstel  Pence  ermittelt  und  im  Diagramm  Nr.  21—24  auf
eine  gerade  Linie  bezogen;  die  Silberparitätslinie  wurde  also
für  beide  Wechselkurse  zur  geraden  Linie  straff  angezogen.
Das  sich  dabei  ergebende  Bild  zeigt  den  eigentlichen  chinesischen ­
  Wechselkurs,  den  Ausdruck  der  Zahlungsbilanz  in
den  Abweichungen  von  der  Parität,  Erst  jetzt  lassen  sich
die  beiden  Kurse  untereinander  und  mit  den  anderen  asia-
        <pb n="106" />
        mmmc

102

tischen  Wechselkursen  vergleichen.  Hierbei  war  aus  technischen ­
  Gründen  nicht  zu  vermeiden,  daß  die  Kurse  von
Hongkong  und  Schanghai  sowohl  untereinander  wie  gegenüber ­
  den  anderen  asiatischen  Kursen  in  verschiedenem
Maßstab  gezeichnet  wurden.  Nach  dem  Verhältnis  der  auf
Seite  93/94  berechneten  Paritätsfixzahlen  (1,182:0,843)  hätte
man,  um  für  Hongkong  wie  für  Schanghai  denselben  Maßstab ­
  zu  erhalten,  für  jedes  Vioo  d  Abweichung  von  der
Parität  für  Schanghai  1  mm,  für  Hongkong  0,7  mm  Höhe
nehmen  müssen;  statt  dessen  wurde  in  Diagramm  21—24  für
beide  Plätze  1  mm  genommen,  sodaß  man  sich  die  Kurven
von  Schanghai  etwas  flacher  vorstellen  muß.  Störend  ist
der  Unterschied  kaum.
Eine  Beziehung  des  Diagramm-Maßstabes  auf  die  Darstellungen ­
  der  anderen  asiatischen  Kurse  ist  schwieriger,
da  sich  mit  dem  stark  schwankenden  Silberpreis  die  Basis
der  Verhältnisse  ändert.  Das  gilt  namentlich  für  den  Preisfall ­
  in  1907.  Der  Kürze  halber  seien  nur  die  Jahre  1908
bis  1910  berücksichtigt  und  als  ganz  runder  Durchschnittswert ­
  ein  Silberpreis  von  24 1 / 2  d  =  28,97  d  Parität  Schanghai
und  20,65  d  für  Hongkong  angenommen.  Im  Maßstab  von
1  mm  Höhe  pro  1 / 8100  der  Parität  ergibt  das  für  1 / 100 stel  d
Abweichung  von  der  Parität  für  Schanghai  2,8  mm,  für
Hongkong  3,9  mm,  während  in  beiden  Fällen  nur  1  mm  genommen ­
  wurde.  Bei  einem  Vergleich  mit  den  übrigen  asiatischen ­
  Wechselkursen  muß  man  sich  also  die  Abweichungskurven ­
  von  Hongkong  und  Schanghai  (Diagramm  Nr,  21—24)
um  dies  Maß  vergrößert  denken.
Aus  dem  bisher  Gesagten  ergibt  sich,  daß  man  beim
Lesen  der  Diagramme  Nr,  21—24  stets  auch  die  Diagramme
Nr.  13—20  gleichzeitig  berücksichtigen  muß,  um  den  Charakter ­
  einer  Schwankung  kennen  zu  lernen.  Es  ist  jedesmal
festzustellen,  wieweit  es  sich  um  Eigenbewegungen  des
Wechselkurses  und  wieweit  um  solche  Änderungen  im
Paritätsabstand  handelt,  die  auf  ein  Schwanken  des  Silberpreises, ­
  auf  eine  Änderung  der  Parität  selbst  zurückzuführen ­
  sind,  Ganz  allgemein  kann  gesagt  werden,  daß  alle
scharfen  Spitzen  und  extremen  Bewegungen  in  Diagramm
Nr,  21—24  regelmäßig  durch  eine  Veränderung  der  Parität,
des  Silberpreises,  entstanden  sind.
        <pb n="107" />
        103

Der  Hauptbewegung  der  chinesischen  Wechselkurse
braucht  im  einzelnen  hier  nicht  nachgegangen  zu  werden,  da
es  sich  dabei  um  den  Verlauf  des  Silberpreises  handelt,  die
Bewegung  mithin  nicht  das  ist,  was  man  unter  Wechselkurs
eigentlich  versteht.  Die  sonst  auf  den  Wechselkurs  einwirkenden ­
  Faktoren,  wie  Zins,  Gestaltung  des  Zahlungsverkehrs ­
  usw.  stehen  zu  dieser  größten  Bewegung  in  keiner
Beziehung.  Wichtig  ist  jedoch  der  erwähnte  Zusammenhang
des  Silberpreises  mit  der  Weltkonjunktur  und  deren  allgemeiner ­
  Preis-  und  Zinsentwicklung.
Aus  den  Diagrammen  Nr.  21—24  ergibt  sich  ein  Zusammenhang ­
  zwischen  der  Bewegung  der  Paritätsabweichung ­
  und  der  des  Silberpreises,  und  zwar  ist  die  eine  Bewegung ­
  das  genaue  Spiegelbild  der  anderen.  Geht  die
Silberlinie  hinauf,  so  fällt  die  Linie  der  Paritätsabweichung
und  umgekehrt,  Hält  man  die  Diagramme  der  letzteren
(Diagramm  Nr.  21-—24)  mit  dem  Kopf  nach  unten  und  mit
der  Schrift  gegen  das  Licht,  so  verlaufen  die  durchscheinenden ­
  Linien  parallel  zum  Silberpreis,  Die  Parallelität  besteht
bei  allen  Schwankungen  innerhalb  kleinerer  Zeitabschnitte,
etwa  innerhalb  der  einzelnen  Monate;  nur  ganz  geringe
Ausnahmen  zeigen  sich  hier,  so  für  den  März  1907.  Für
Schwankungen  innerhalb  größerer  Fristen,  etwa  eines  Quartals, ­
  ist  der  Zusammenhang  ebenfalls  gegeben,  jedoch  schon
etwas  abgeschwächter;  so  zeigt  namentlich  das  2.  Quartal
der  Jahre  1907  und  1908  eine  weitergehende  Abweichung.
Es  ist  klar,  daß  große  Stellungsänderungen  des  Silberpreises, ­
  die  sich  im  Laufe  einer  längeren  Zeitspanne  vollziehen, ­
  nicht  von  einer  entsprechenden  Änderung  in  der
Paritätsstellung  begleitet  sein  können,  denn  der  Abweichung
der  Wechselkurse  von  der  Parität  sind  Grenzen  gezogen,
dem  Silberpreis  nicht.
Diese  augenscheinliche  Parallelität  kann  nicht  Zufall
sein,  man  wird  eine  Gesetzmäßigkeit  darin  sehen  dürfen,
die  dahin  zu  formulieren  ist,  daß-  der  Wechselkurs  das  Bestreben ­
  hat,  sich  von  den  Bewegungen  des  Silberpreises  frei
zu  halten,  indem  er  entweder  den  Bewegungen  gar  nicht
folgt,  also  stehen  bleibt  (die  früher  erwähnte  Stetigkeit),
oder  indem  er  der  Silberbewegung,  wenn  er  sich  ihr  nicht
        <pb n="108" />
        104

entziehen  kann,  wenigstens  nur  zögernd  folgt  (die  Bewegung
also  bremst).  Die  Erscheinung  läßt  sich  gewissermaßen  als
natürliche  Reaktion  des  Wechselkurses  gegenüber  den
Schwankungen  des  Silberpreises  ansprechen.  Vergegenwärtigt ­
  man  sich,  was  diese  Neigung  des  Wechselkurses  für
die  am  chinesischen  Fremdhandel  Beteiligten  bedeutet,  so
ergibt  sich,  daß  deren  Interesse  an  möglichster  Stetigkeit
des  Wechselkurses  durch  die  tatsächliche  Gestaltung  gewahrt ­
  wird.  Sucht  man  nach  Erklärungen  für  die  Erscheinung, ­
  so  wird  man  sie  nur  in  wirtschaftlichen  Vorgängen
suchen  dürfen,  die  sich  auf  ganz  breiter  Basis  vollziehen,
während  denkbare  Einzelmaßnahmen  einer  oder  auch  aller
Banken,  etwa  zu  dem  Zwecke,  dem  Warenhandel  einen  stetigen ­
  Kurs  zu  verschaffen,  nicht  jahrelang  eine  solch
weitgehende  Wirkung  auszuüben  vermögen.
Die  Erklärung  ist  in  den  Kursspekulationen  zu  sehen,
die  in  der  Umwandlung  von  Silberguthaben  in  Goldguthaben
und  umgekehrt  zum  Tageswechselkurs  bestehen  und  die
entsprechend  der  Meinung  über  den  künftigen  Verlauf  des
Silberpreises  vorgenommen  werden.  Solche  Geschäfte  finden ­
  in  großem  Umfange  und  regelmäßig  statt.  „Stillhalter"
sind  die  Fremdbanken,  die  sich  ihrerseits  durch  entsprechende ­
  Silbertermingeschäfte  in  London  glattstellen  und
grundsätzlich  keine  ungedeckten  Silberpositionen  unterhalten. ­
  Die  Wirkung  der  Spekulation  ist  bei  diesen  Geschäften
stets  dem  Verlauf  des  Silberpreises  entgegengesetzt,  sodaß
sich  so  der  spiegelbildartige  Charakter  der  Erscheinung  erklärt. ­
  Ein  Hinweis  auf  die  Kurswirkung  dieser  Geschäfte
findet  sich  auch  bei  D  u  b  o  i  s  *),  der  für  Silberwechselkurse

1)  Joseph  Dubois,  L'Empire  de  l'Argent.  Etüde  sur  la  Chine
financiere,  Paris  (Guilmoto)  1906,  Seite  5;  „Un  autre  element  de  determination
  du  change,  en  dehors  du  cours  marchand  du  metal  et  de
la  cote  du  papier,  est  fourni  par  ce  qu'on  peut  appeller  la  ,tendance‘.
Les  banquiers  europeens  se  montrent,  en  effet,  plus  ou  moins  empresses
  ou  plus  ou  moins  reserves  ä  l'egard  des  especes  chinoises
selon  qu'ils  croient  prevoir  une  hausse  ou  une  baisse  prochaine  du
metal  argent.  Cet  element  pour  ainsi  dire  ,psychologique’  n'influe,
en  fait,  que  sur  la  cote  change  proprement  dite  ä  laquelle  il  s'incorpore,
  le  tael  brut  restant  immuable  fixe  ä  la  valeur  commerciale  du
        <pb n="109" />
        105

i

drei  Elemente  aufzählt:  den  Silberpreis,  die  Zahlungsbilanz
und  ,,la  tendance“,  die  Meinung  von  dem  Fallen  oder  Steigen ­
  des  Silberpreises.  Die  Wirkung  der  Spekulation  wird
aber  nicht  nur,  wie  D  u  b  o  i  s  meint,  durch  Umsätze  in  bar
(especes  chinoises)  ausgelöst,  sondern  in  weit  stärkerem
Maße  durch  die  nur  buchmäßigen  Umwandlungen  der  einen
Währung  in  die  andere.
Schließt  man  sich  der  D  u  b  o  i  s  ’  sehen  Unterscheidung
von  drei  Elementen  der  Silberwechselkurse  an,  so  zeigen
die  Diagramme,  daß  neben  dem  Silberpreis  und  der  Meinung ­
  über  dessen  künftigen  Verlauf  für  das  eigentliche
Wechselkurselement,  die  Forderungen  und  Schulden  Chinas
im  internationalen  Verkehr,  nicht  viel  Einfluß  übrig  bleibt,
da  die  t,  t.  Kurse  fast  völlig  im  Bann  der  beiden  ersten  Faktoren ­
  zu  stehen  scheinen.  Daß  Zahlungsbilanzeinflüsse  doch
vorhanden  sind,  ergibt  sich  aus  den  später  folgenden  Ziffern ­
  des  chinesischen  Außenhandels.
Wie  stark  im  übrigen  die  Wirkung  der  Kursspekulationen ­
  sein  kann,  zeigt  die  auffallendste  Erscheinung  der  Diagramme, ­
  die  große  Stellungsänderung  der  t.  t.  Notizen  nach
dem  Silberpreisfall  im  Herbst  1907.  Bis  zu  diesem  Zeitpunkt ­
  schwankt  die  Hongkong-Dollar-Linie  dauernd  um
ihre  Münzparität.  Mit  dem  Einsetzen  des  Silberfalles  vergrößert ­
  sich  jedoch  ihre  Abweichung  nach  oben,  sodaß  die
Differenz  zu  Beginn  1908  fast  einen  ganzen  Penny  ausmacht
und  bis  zum  Schluß  der  untersuchten  Periode  bestehen
bleibt.  Für  Schanghai  ist  das  Bild  so;  Im  Jahre  1907,  bis
zum  Silberpreisfall,  steht  der  t.  t,  Kurs  stets  stark  unter  der
Silberparität;  von  dem  Preisfall  ab  steigt  der  Kurs  dagegen
bis  zur  und  über  die  Silberparität;  von  Ende  1907  an  bewegt
er  sich  so,  wie  man  es  theoretisch  erwarten  sollte.
Die  Erscheinung  ist  für  beide  Kurse  einheitlich:  sie
stehen  seit  Ende  1907  relativ  höher  als  vorher  im  Verhältnis ­
  zum  Silberpreis.  Faßt  man  die  gezeichneten  Linien  als
metal.  II  s'ensuit  que  l'ecart  existant  entre  le  prix  du  tael  argent  et
le  prix  du  tael  de  banque,  ecart  constitue  düne  pari,  par  la  demande
et  l'offre  en  papier,  et  de  l'autre,  par  la  ,tendance 1 ,  est  interprete  par
les  commercants  d'Extreme-Orient  comme  un  tres  serieux  indice  des
prix  futurs  du  metal."
        <pb n="110" />
        106

Darstellung  von  Bewegungen  auf,  so  kann  man,  wie  bereits
erwähnt,  den  Verlauf  der  Wechselkurslinien  als  einen
Bremsvorgang  ansehen;  die  t,  t,  Linien  versuchen  sich  gewissermaßen ­
  der  allzuscharfen  Bewegung  der  Silberlinie  zu
entziehen.  Der  Vergleich  ist  berechtigt,  denn  das  wirtschaftliche ­
  Ergebnis  der  Kursgestaltung  in  jener  Zeit  besteht
in  einer  Abschwächung  des  Silberfalls  in  den  Wechselkursen ­
  oder  durch  die  Wechselkurse.
Irgend  eine  besondere  Erklärung  dieser  auffallenden
Erscheinung  konnte  von  den  befragten,  sachlich  zuständigen
Stellen  in  Schanghai,  Hongkong,  Amsterdam,  London  und
Berlin  nicht  gegeben  werden,  man  führt  sie  vielmehr  lediglich ­
  auf  die  Formel  von  Angebot  und  Nachfrage  zurück.
Dazu  paßt,  daß  maßgebende  Bankberichte  von  drüben  übereinstimmend ­
  erwähnen,  der  Silberpreis  sei  um  24 1 / 2 °/ 0  gefallen ­
  und  „dementsprechend  habe  sich  auch  der  Wechselkurs ­
  am  Jahresende  um  21  °/ n  niedriger  gestellt“.  Während
aber  die  Berichte  nach  Erklärungen  für  den  Silberrückgang
suchen,  scheint  man  die  3 1 / ? °/ 0 "Änderung  in  der  Paritätsstellung ­
  der  Wechselkurse  nicht  als  anormale  Entwicklung
anzusehen,  trotzdem  die  3 1 / 2 °/ 0  soviel  bedeuten  wie  eine  Verschiebung ­
  der  Frankenparität  von  Ji  81.—  auf  Jl  83,84  oder
M  78,16.
Wenn  man  will,  kann  man  für  die  außerordentlich
starke  Paritätsverschiebung  auch  noch  folgenden  Grund  mit
heranziehen.  Von  Europa  aus  gesehen,  bedeutet  der  Silberfall ­
  in  1907  eine  rund  25°/ 0  betragende  Entwertung  des  in
China  investierten  europäischen  Kapitals.  Wer  mit  seinem
Gel  de  hieran  beteiligt  war,  und  in  der  Lage  sind  alle  chinesischen ­
  Fremdbanken,  hatte  natürlich  ein  Interesse  daran,
das  Fallen  des  Wechselkurses,  soweit  es  irgend  ging,  zu  verhindern; ­
  die  Möglichkeit  für  ein  derartiges  Eingreifen  ergibt
sich  aus  der  Organisation  der  chinesischen  Wechselmärkte,
Die  Verschiebung  in  der  Paritätsstellung  der  Wechselkurse ­
  von  1907  dürfte  damit  in  ihrer  Ursache  erklärt  sein,
nicht  aber  auch  das  exorbitant  hohe  Maß  der  Verschiebung,
das  die  bei  Metallverschiffungen  entstehenden  Spesen  um
ein  Vielfaches  überschreitet.  Da  ist  zu  beachten,  daß  die
Paritätsstellung  der  Wechselkurse,  so  wie  sie  nach  dem
        <pb n="111" />
        —  107

Formul;

Datum  d.
M  »1

höchsten  Süberpreises
niedrigsten  ,,

Silberpreis ­
  in
London

-m  T3
lg  g
'SH
&amp;lt;ö  cd
a  J3
n  «ao
s  G

inghai  1.1.
diesen  Tagen
in  d

Shanghai^tiji
unter  (—)
über  (  “f*)
Silberparität

^  c/3

t/5  a

■f  d

—  d

1893

4,  Mai

38 13 /i 6  d

45,87

46,38

0,51

30,  Dezember

31 5 /g

37,37

37,37

0,0

0,0

1894

19,  Januar

31 ls /is

37,61

37,75

0,14

3.  März

27

31,93

31,88

0,05

1895

12,  Oktober

31 5 /ie

37,03

36,88

0,15

17,  Januar

27 3 / 16

32,15

32,37

0,22

1896

12,  März

31 7 /ie

37,18

37,06

0,12

14,  Oktober

29' A ji

35,18

34,63

0.55

1897

4.  Januar

2918/ 16

35,25

35,12

0,13

2,  September

23 3 / 4

28,08

27,25

0,83

1898

19,  Dezember
4.  März

27  »/„
25

32,59
29,56

32,82
29,37

0,23

0,19

1899

18.  Dezember

27 5 /ie

32,30

33,06

0,76

5,  Oktober

26 6 / 8

31,48

31,-0,48



1900

24,  Oktober

30 3 /ie

35,62

35,25

0,37

9.  Februar

27 5 / 16

32,30

32,—

0,30

1901

3,  Januar

29 9 /i 6

34,96

34,50

0,46

3,  Dezember

25 1 /ie

29,63

29,-0,63



1902

4,  Januar

261/s

30,89

30,50

0,39

28.  November

21 11 /ie

25,64

25,50

0,14

1903

20,  Oktober

28i/a

33,70

31,50

2,20

23.  Januar

2111/ie

25,64

25,75

0,11

1904

31,  Dezember

28 9 /iß

33,77

33,13

0,64

12.  April

24 6 /g

29,12

27,88

1,24

1905

29.  November

30 5 / 16

35,85

35,25

0,60

7*  April

25 7 /i 6

30,08

30,25

0,17

1906

19,  November
12,  März

33i/a
29

39,16
34,29

37,88
33,63

1,28
0,66
        <pb n="112" />
        108

Silber  stürz  sich  ausgebildet  hat,  theoretisch  als  normal  anzusehen ­
  ist,  während  sie  vorher  als  ungewöhnlich  gelten
muß.  Von  1908  ab  schwankt  der  Schanghai-Tael-Kurs  in
mäßigen,  noch  näher  zu  untersuchenden  Grenzen  um  seine
Parität,  während  der  ein  Agio  bedingende  Dollar-Kurs
Hongkongs  um  dieses  Agio  über  dem  Silberpari,  im  übrigen
aber  wie  der  Tael  -Kurs  schwankt.  Bis  Herbst  1907  standen
beide  Kurse  dagegen  weit  unter  Parität,  auch  der  im  Diagramm ­
  sich  um  die  Silberlinie  windende  Dollarkurs  wegen
seines  Agios.  Zur  Untersuchung  der  Paritätsstellung  der
chinesischen  Wechselkurse  während  eines  längeren  Zeitraumes ­
  stehen  nur  die  höchsten  und  niedrigsten  Silberpreise
und  die  dazu  gehörigen  t,  t.  Kurse  Schanghais  zur  Verfügung. ­
  Durch  Reduzierung  der  Silberpreise  wurde  die  Differenz ­
  zwischen  Parität  und  t.  t.  Kurs  am  Tage  des  höchsten
und  des  niedrigsten  Silberpreises  in  lOOstel  pence  ermittelt
und  als  Plus  oder  Minus  in  der  vorstehenden  Tabelle  (Formular ­
  8)  eingetragen.
Wenn  es  sich  auch  bei  diesen  Ziffern  jedesmal  um  die
Silberpreisextreme  der  einzelnen  Jahre  handelt  und  hierbei, ­
  wie  ausgeführt  wurde,  durch  das  Beharrungsvermögen
des  1.1.  Kurses  leicht  und  häufig  eine  Verdunklung  der  Paritäfsstellung
  eintritt,  so  ist  dennoch  aus  der  Tabelle  zu  entnehmen, ­
  daß  eine  so  große  Verschiebung  in  der  Paritätsstellung, ­
  wie  sie  1907  stattfand,  nichts  Ungewöhnliches  ist.
Um  genau  das  Vorsichgehen  solcher  Verschiebungen  untersuchen ­
  zu  können,  müßte  man  für  längere  Jahre  die  genauen ­
  Jahresdurchschnitte  der  t,  t,  Kurse  haben  und  mit
den  Durchschnittssilberpreisen  vergleichen  1 ),
Das  aus  den  Diagrammen  sich  ergebende  Streben  des
Wechselkurses,  sich  den  Schwankungen  des  Silberpreises
zu  entziehen,  bringt  auch  Licht  in  die  nationalökonomische
Frage  des  Einflusses  von  Valuta-Schwankungen  auf  den
Außenhandel,  Während  nach  Helfferich  langsam  sich
vollziehende  Schwankungen,  selbst  sehr  großen  Umfanges,
keine  Beeinflussung  des  Außenhandels  herbeizuführen  ver-1)

  Die  Durchschnittskurse  des  Haikuan-Taels  sind  für  eine  derartige ­
  Untersuchung  nicht  brauchbar;  siehe  auch  von  Kries  a.  a,  0.
S.  111.
        <pb n="113" />
        109  —

mögen,  ist  bei  plötzlich  einsetzenden  scharfen  Steigerungen
oder  Rückgängen  der  Valuta  eine  Einwirkung  auf  den
Außenhandel  denkbar.  Ein  Silberfall  kann  in  diesem  Sinne
namentlich  Importeinschränkungen,  also  Verminderung  der
Wechselnachfrage  nach  sich  ziehen,  während  eine  Vermehrung ­
  des  Wechselangebots  von  der  Seite  des  Exports  her
weniger  durch  eine  Vermehrung  der  doch  unabhängig  davon
gegebenen  Exportquantitäten  verursacht  wird,  als  vielmehr
dadurch,  daß  der  Ertrag  in  Landessilber  relativ  vergrößert
wird.  Tatsächlich  brachte  der  Herbst  1907  erhebliche  Importeinschränkungen, ­
  während  die  theoretisch  zu  erwartende ­
  Besserstellung  des  Exports  dadurch  aufgehoben
wurde,  daß  im  Zusammenhang  mit  der  Weltkrisis  die  chinesischen ­
  Exportartikel  Preiseinbußen  erlitten,  die  über  die
Valutaschwankung  hinausgingen.  Auch  in  der  Folge  gestaltete ­
  sich  das  Importgeschäft  so  schlecht,  daß  —  wie  es
in  einem  Berichte  heißt  —  in  diesem  Jahre  große  Mengen
Silber  von  London  nach  China  importiert  werden  mußten.
Auf  der  anderen  Seite  aber  dehnte  sich  das  Exportgeschäft
von  Jahr  zu  Jahr  aus,  sowohl  nach  der  Menge  der  Waren,
als  der  Zahl  der  Artikel,
Die  Verhältnisse  des  Jahres  1907  sprechen  also,  abgesehen ­
  von  der  Bedeutung  der  außergewöhnlichen  Paritätsverschiebung, ­
  nicht  gegen  Helfferich,  es  darf  aber  nicht
übersehen  werden,  daß  der  Preisfall  dieses  Jahres  einer  der
größten  war,  die  das  Silber  bisher  erlitten  hat.  Bei  weniger
krassen  Preisveränderungen  wird  man  aber  nunmehr  sagen
dürfen,  daß  durch  die  Silberspekulationen  die  Preisbildung
des  regulären  Warenhandels  vor  allzu  plötzlichen  Silberschwankungen ­
  im  gewissen  Umfange  geschützt  ist.
Zu  erwähnen  bleibt,  daß  die  große  Paritätsabweichung
im  Juli  1910  nach  den  Diagrammen  gleichfalls  als  Reaktion
auf  die  Silberbewegung  anzusehen  ist,  trotzdem  in  diesem
Monat  eine  tiefgehende  Finanzkrisis  in  Schanghai  eingetreten ­
  war;  anscheinend  hat  man  damals  am  Londoner  Silbermarkt ­
  die  Wirkung  der  Krisis  überschätzt.
Die  höchsten  und  niedrigsten  t.  t,  Kurse  in  den  untersuchten ­
  Jahren  stellten  sich  auf:
        <pb n="114" />
        -  110  —

1907

1908

1909

1910

höchster

2/3+i 6

1/H+

1/9+

1/10+

niedrigster

1/9+

1/8

1/8+8

1/8+8

Hongkong

Differenz

■/6 13 /l6

-/3y 4

-/1%

-/2+

in  %  vom

höchsten  Kurs

24,9%

13,9%

5,7%

9.6%

höchster

3/1

2/7

2/5%

2/6 n /i 6

niedrigster

2/5%

2/2+

2/3%

2/3%

Shanghai

Differenz

-/?%

-/4 5 /

-12

-/3+a

in  %  vom

höchsten  Kurs

19,6%

14,9%

6,6%

10,3%

An  Jahresdurchschnittskursen

waren

nur  diejenigen

von  Hongkong  zu  beschaffen;  diese  lauten:

1907

1908

1909

1910

t,  t,  Jahresdurchschnitt

r  2/1%

1/9+

1/9

1/9+6

Prozentualer  Rückgang

gegenüber  1907

—

16,0%

18,5%

16,3%

1.1.  Jahresdurchschnitt  in

pence  umgewandelt

_  25,75

21,63

21.—

21,56  d

Münzparität  z.  durchschnittl.
Londoner  Silberpreis  25,45  20,55  20,03  20,92  „
t,  t,  über  Silberparität  +0,30  +1,08  +0,97  +0,64  d
Die  Durchschnittskurse  für  Schanghai  mußten  aus  dem
vorhandenen  Zahlenmaterial  berechnet  werden.  Ausgegangen ­
  wurde  dabei  von  dem  Abstand  der  beiden  Paritäts-Abweichungslinien ­
  in  Diagramm  Nr,  21—24  von  einander,  weil
dieser  Abstand  und  weniger  der  Jahresdurchschnitt  Schanghais ­
  von  besonderem  Interesse  ist,  die  Berechnung  sich  einfacher ­
  gestaltete  und,  als  wichtigster  Grund,  das  häufige
Fehlen  namentlich  extremer  Kurse  für  die  Feststellung  des
Abstandes  geringere  Bedeutung  hat.
Im  Jahresdurchschnitt  betrug  der  Abstand  der  beiden
Paritäts-Abweichungslinien  in  Diagrammen  Nr,  21—24:
1907  1908  1909  1910
in  Millimeter  102  110  105  96
Davon  bedeutet  jedes  Millimeter  über  der  wagerechten  Paritätslinie ­
  0,01  d  Abweichung  von  der  Hongkong-Parität,
jedes  Millimeter  unter  der  Linie  0,01  d  Abweichung  von  der
        <pb n="115" />
        111

Schanghai-Parität,  Beide  Werte  sind  untereinander  verschieden ­
  und  der  Millimeterabstand  muß  zerlegt  werden.
Nach  der  Tabelle  auf  Seite  110  stand  der  t,  t,  Kurs  in  Hongkong ­
  über  der  Parität  um

1907

1908

1909

1910

Pence  bezw.  Dezimeter

0,30

1,08

0,97

0,64  d

Gesamter  Dezimeter  (Pence)-Abstand


1,02

1,10

1,05

0,96  d

Mithin  Schanghai  unter  Parität
Dezimeter  bezw.  Pence  0,72  0,02  0,08  0,32  d
Abgezogen  von  der  Münzparität
Schanghai  z.  Londoner  Silberpreis ­
  35,70  28,82  28,08  29,34  d
Jahresdurchschnitt  t.  t,  in
Schanghai  34,98  28,80  28,00  29,02  d
oder  2/10 49 / 50  2/4 4 / 5  2/4  2/5V 5 o  d
Um  das  Agio  der  Hongkong-Dollar-Notiz  in  Prozenten
auszurechnen,  wurden  folgende  Proportionen  aufgestellt
und  die  Ergebnisse  auf  Prozente  gebracht:
I.
|  Shanghai-  i  i  Hongkong-Shanghai-
  1  _  (Hongkong-  t  __  &amp;lt;  1,182  0,843
Parität  |  '  I  Parität  j  I  Fixzahl  I  I  Fixzahl
T~
Die  Multiplikation  der  inneren  Glieder  ist  gleich  derjenigen ­
  der  äußeren,  während  die  Gleichheit  bei  Einsetzung
der  Jahresdurchschnitts-  t.  t.  Kurse  nicht  vorhanden  ist;

II

t,  t.  in  1  I  t,  t.  in  I
Shanghai  I  '  (Hongkong]

1,182  :  0,843

III.

Auf  die  Zahlen  von  1910  angewandt  ergibt  das  z.  B,:
I  =  24,72
Paritäten  d  29,34  :  20,92  =  1,182  ;  0,843
I  =  24,72
II  —  25,48
1.1,  Durchschnitte  d  29,02  ;  21,56  =  1,182  ;  0,843
III  =  24,46
        <pb n="116" />
        —  112

Setzt  man  I  =  100%,  so  ergeben  sich  folgende  Sätze:

II.
I.
in.

[Umgewandelterl
iShanghai-Kurs  )

25,48  =  103,03%
24,73  =  100,-  „
24,46  =  98,91  „

IV,  Differenz
=  4,12%

Die  relative  Mehrbewertung  der  Hongkonger  t,  t.  Notiz,
das  „Agio  des  Hongkong-Dollars“,  beträgt  demnach  für  1910
4,12%  im  Durchschnitt.  Zu  annähernd  denselben  Ziffern
kommt  man,  wenn  man  ohne  Umwandlung  die  Silberparität
=  100%  setzt  und  die  Abweichung  der  Durchschnitts  t.  t.-Kurse
  dann  darauf  bezieht.
Im  übrigen  kann  man  nunmehr  auch  die  Münzparität
des  Hongkong-Dollars  um  das  Agio  verschieben,  um  damit
zu  einer  richtigen  Beurteilung  des  Kurses  zu  kommen.  So
wie  der  Kurs  in  den  Diagrammen,  namentlich  in  Diagramm
Nr,  21—24,  sich  zeigt,  macht  er  den  Eindruck,  als  ob  er
außerordentlich  und  dauernd  günstig  für  Hongkong  in  den
letzten  Jahren  gestanden,  „das  Angebot  von  Forderungen
auf  London  bei  weitem  die  Nachfrage  überstiegen  hätte“.
Verschiebt  man  dagegen  die  wagerechte  Paritätslinie  um  das
Agio,  für  1910  z.  B.  um  4,12%  von  d  20,92  (Parität)  =  d0,86
(Bezeichnung  hierfür:  V)  oder  im  Diagramm  um  86  mm  nach
oben,  so  ist  das  Bild  wesentlich  anders.  Die  Hongkong-Parität ­
  lautet  nunmehr  für  1910:
theoretische  Parität  d  20,92
+  Agio  „  —,86

wirkliche  Parität
,/.  1.1.  Durchschnitt
1.1.  unter  Parität

d  21,78  (Bezeichnung  hierfür  VI)
„  21,56
d  —,22,  also  ähnlich  wie  in  Shanghai.

Wichtig  ist  eine  solche  Berechnung  zur  Bestimmung  der
Silberimport-  bezw.  Exportpunktc,
Für  die  untersuchten  Jahre  stellen  sich  diese  Zahlen
wie  folgt;
        <pb n="117" />
        113

1907

1908

1909

1910

II,  Umgewandelter  Hongkong

t.  t.  Durchschnitt

30,44

25,57

24,82

25,48

I,  Gleichnam.  Silberparität

30,09

24,30

23,67

24,73

III,  Umgewandelter  Schanghai

  t,  t.  Durchschnitt

29,49

24,28

23,60

24,46

IV.  Agio  der  Hongkong-Notiz

3,15  %

5,30%

5,15%

4,12  %

V,  Paritätslinie  1.  Hongkong

zu  erhöhen  um

80  m/m

109  m  /

m  103  m/r

m  86  m/m

VI.  Hongkong  Parität

+  Agio

26,25

21,64

21,06

21,78  d

,/.  t.  t.  Durchschnitt

25,75

21,63

21,—

21,56,,

t,  t.  Hongkong  unter
Parität  0,50  0,01
Letztere  Zahlen  sind  mit  denjenigen

0,06  0,22  d
von  Schanghai  auf

Seite  111  zu  vergleichen;  als  Prozente  auf  die  Silberparitäten ­
  bezogen,  sind  beide  gleich.
Nach  den  Durchschnittskursen  für  telegraphische  Auszahlung ­
  auf  London  waren  in  den  Jahren
1907  1908  1909  1910
100  Hongkong-Dollar  =  73,61  75,10  75.—  74,26
Schanghai-Tael  gegenüber  71,30  nach  dem  Silbergehalt 1 ).
Auch  hierbei  tritt  die  Überbewertung  des  Dollars,  gewissermaßen ­
  sein  Faponwert,  in  die  Erscheinung.  Im  übrigen  stellen ­
  die  Ziffern  die  „Croßrate“  Hongkong-Schanghai  dar,  die
in  den  früher  wiedergegebenen  Kurszetteln  beider  Plätze
als  t,  t.  Kurs  aufgeführt  wird;  Schanghai  notiert  den  Kurs
direkt,  Hongkong  indirekt.
Sieht  man  die  Ziffern  als  Wertverhältnis  zwischen  gemünztem ­
  und  ungemünztem  Silber  an,  so  liegt  es  nahe,  den
Kurs  des  mexikanischen  Dollars  damit  zu  vergleichen.  Durch
freundliches  Entgegenkommen  einer  Kölner  Firma  stehen
die  Schanghaier  Taelnotizen  für  100  mex.  Dollar  seit  Ende
1907  zur  Verfügung.  Es  wurden  danach  hier  die  Jahresdurchschnitte ­
  berechnet,  die  sich  wie  folgt  stellen;
1)  Berechnet  man  die  prozentuale  Abweichung  nach  dem  Silbergehalt, ­
  so  ergibt  sich  ungefähr  dasselbe  Agio  wie  als  Wert  IV,  ermittelt ­
  wurde;  die  Abweichung  betrug
1907  1908  1909  1910
3,24%  5,33»/o  5,19%  4,15%
8

Mahlberg,  Asiatische  Wechselkurse.
        <pb n="118" />
        114

1910
74,48  Schanghai-Tael

1908  1909
100  mexic.  I  =  73,90  74,47
gegenüber  71,65
nach  dem  Silbergehalt,  der  Parität J )  also.
Der  Überwert  gegenüber  der  Parität  betrug
1908  1909  1910
3,14%  3,93  °/ 0  3,95%

Die  höchsten  und  niedrigsten  Kurse  waren:
höchster  niedrigster  Kurs

1907  (1/8—31/12)  76,7  72,—
1908  75,7  73,—
1909  76,6  73,1
1910  76,4  73,1

Der  höchste  erreichte  Kurs  von  76,7  im  Dezember  1907
bedeutet  ein  Agio  von  7,05%  und  erreicht  damit  die  von
Schmalenbach  berechneten  Beschaffungskosten  von
rund  7%  bei  einem  Silberpreis  von  25  d.  Nach  einer  Mitteilung ­
  von  berufener  holländischer  Seite  hat  das  effektive
Mexican-Dollar-Importgeschäft  in  den  letzten  5—6  Jahren
fast  ganz  nachgelassen.
Der  Verlauf  des  Mexican-Dollar-Kurses  zeigt  periodische ­
  Schwankungen 1  2  * ).  Der  Kurs  fällt  zu  Anfang  des  Jahres ­
  bis  etwa  Ende  Februar,  steigt  dann  bis  Ende  Mai,  um
nach  einer  abermaligen  Abschwächung  von  Juli-August  ab
bis  zum  Jahresende  sich  wieder  zu  befestigen.  Der  November-Dezember ­
  zeigt  den  höchsten  Stand.  Diese  Bewegung
des  Dollarkurses  verläuft  ähnlich  wie  der  Zinsfuß  (native
interest)  in  Schanghai,  sodaß  hohe  Zinssätze  von  hohen
Dollarkursen,  niedriger  Zins  von  niedrigen  Kursen  begleitet

1)  Die  Parität  ergibt  sich  aus  der  Kette  von  Schmalenbach
(a.  a.  O.)  :
?  Schanghai  Tael  =  100  mex,  $
1  =  27  g  rauh
1000  =  902  7 I„  g  fein
0,0648  =  1  grain
584,85  =  1  Haikuan  Tael
100  =  111,4  Schanghai  Tael,
71,65  Schanghai  Tael  =  100  mex.  $.
2)  Beobachtet  in  Diagrammen  derselben  Quelle  wie  die  Kurse
von  August  1907  bis  Juni  1912.
        <pb n="119" />
        115

sind  und  damit  zwei  Wirkungen  von  Änderungen  in  der  Kapitalnachfrage ­
  in  Erscheinung  treten:  Änderung  des  Kapitalwertes ­
  (Zins)  und  des  Zahlungsmittelwertes  (Dollarkurs),
Für  den  Verkehr  bedeutet  das,  daß  in  Zeiten  teuren  Geldes
die  starke  Nachfrage  zweimal  bezahlt  werden  muß,  einmal
als  erhöhter  Zins  und  weiter  als  erhöhter  Preis  für  die  Hergabe ­
  gemünzter  Zahlungsmittel,  In  Zeiten  großer  Geldfülle ­
  liegen  die  Verhältnisse  nicht  einfach  umgekehrt,  etwa
so,  daß  eine  Art  von  Deport  berechnet  wird,  sondern  der
niedrigste  Dollarkurs  steht  noch  immer  beträchtlich  über
Parität,  und  unter  den  häufig  notierten  Zinssatz  „nil“,  d.  h,
ohne  Zinsvergütung,  kann  füglich  nicht  gegangen  werden.
Hier  seien  die  im  wesentlichen  zutreffenden  Ausführungen ­
  Swobodas  über  den  mexikanischen  Dollar  hinzugefügt: ­
  „Das  Wertverhältnis  des  Dollars  zum  Tael  schwankt
in  den  Grenzen  von  71  bis  78  Schanghai-Taels  für  100  mex.
$,  Gewöhnlich  gelten  in  Schanghai:
100  $  =  74  Schanghai-Taels,
also  1  „  =  74  Kandareens,
Der  Preis  fällt  in  der  stillen  Geschäftszeit  und  steigt,
wenn  der  örtliche  Bedarf  wieder  größere  Nachfrage  herbeiführt ­
  und  auch  fast  regelmäßig  zu  der  Zeit,  wenn  die  Seidenausfuhr ­
  beginnt,  weil  diese  Münzen  zu  dem  Einkauf  von
Seide  in  den  südlichen  Provinzen  verwandt  werden.“
Vergleicht  man  nunmehr  die  Jahresdurchschnitte  des
mexikanischen  Dollars  mit  denjenigen  der  berechneten  Croßrate ­
  Hongkong-Schanghai  und  ferner  die  beiderseitigen  Agiosätze ­
  miteinander,  so  ergibt  sich,  daß  zwischen  beiden  eine
Übereinstimmung  nicht  besteht.  Die  ersteren  Ziffern  sind
Sortenkurse,  die  mit  der  Gestaltung  des  internationalen
Zahlungsverkehrs  Chinas  nichts  zu  tun  haben,  sondern  anderen, ­
  lokalen  Einflüssen  unterliegen,  während  die  Ziffern
der  Hongkong-Dollar-Notiz  eine  Croßrate  darstellen.
Nach  dem  Eindruck,  den  die  Diagramme  Nr,  21—24
hervorrufen,  verlaufen  die  t,  t,  Notizen  in  Hongkong  und
Schanghai  parallel,  die  Croßrate  müßte  also  gleich  bleiben,
während  die  Jahresdurchschnitte  eine  Verschiebung  zeigen,
die  1907  besonders  groß  war.  Diese  gegensätzliche  Erscheinung, ­
  augenscheinliche  Parallelität  der  Linien  bei  gleich ­
        <pb n="120" />
        116

zeitiger  Verschiebung  der  Jahresdurchschnitte,  ist  nicht  etwa
auf  den  verschiedenen  Maßstab  zurückzuführen;  eine  vorgenommene ­
  diagrammatische  Untersuchung  der  Millimeterabstände ­
  von  t.  t.  Hongkong  und  t.  t.  Schanghai  nach  Monatsdurchschnitten ­
  ergab  vielmehr,  daß  die  Parallelität  noch
stärker  sein  würde,  wenn  beide  Linien  im  gleichen  Maßstab
gezeichnet  wären.  Die  trotzdem  vorhandene  Verschiebung
im  Jahresdurchschnitt  dürfte  auf  die  Änderungen  im  Silberwert ­
  und  in  der  Paritätsstellung  der  t.  t.  Kurse  zurückzuführen ­
  sein  und  sich  nur  allmählich  vollziehen.  Jedenfalls  ist
man  aber  berechtigt,  zu  sagen,  daß  die  t.  t.  Kurse  von  Hongkong ­
  und  Schanghai  auf  London  paritätisch,  Hongkong  und
Schanghai  also  trotz  der  politischen  Grenzen  als  ein  Wirtschaftsgebiet ­
  anzusehen  sind.  Dieser  Meinung  ist  man  auch
drüben  mit  der  Einschränkung,  daß  gelegentlich  Störungen
in  der  Parität  eintreten  können.
Nach  S  w  o  b  o  d  a  (13.  Auflage)  rechnet  man  in  Hongkong ­
  selbst  den  Dollar  als  Münze  gleich  72  Hongkong-Taels.
Die  Edelmetall-Import-  bezw.  Exportpunkte  sind  bei
Silberwechselkursen  grundsätzlich  nicht  anders  anzusehen,
als  bei  Goldwechseln.  Der  Stand  der  Wechselkurse  wird
dann  Edelmetallbewegungen  verursachen  können,  wenn  sich
die  Kurse  um  mehr  als  den  Betrag  der  Spesen  von  der  Parität ­
  entfernen.  Daß  dabei  die  Silberparität  selbst  schwankt,
hat  keine  weitere  Bedeutung,  als  daß  mit  ihr  der  ausmachende ­
  Betrag  der  Spesen  und  damit  die  Entfernung  der
„Silberpunkte“  von  der  Parität  gleichfalls  dauernd  schwankt.
Als  Prozentsatz  der  Parität  schwanken  die  Spesen  natürlich
nicht  mit  dem  Silberpreis,  Ein  Unterschied  nicht  grundsätzlicher ­
  Art  gegenüber  europäischen  Goldwechselverhältnissen
liegt  in  folgendem  Umstande,  Wenn  schon  hinsichtlich  der
viel  gleichmäßigeren  und  einheitlicheren  Verhältnisse  europäischer ­
  Devisenmärkte  Schmalenbach 1 )  mit  Recht
darauf  hinweisen  konnte,  daß  es  keinen  bestimmten  Goldpunkt ­
  gäbe,  daß  vielmehr  die  Spesen  je  nach  den  Verhältnissen ­
  des  Arbitrageurs  verschieden  seien  und  daß  man
deshalb  richtiger  von  möglichen  Goldpunkten  reden  müßte,
so  gilt  dies  für  die  chinesischen  Silberkurse  in  weit  stärke-1)
  Schmalenbach,  Der  Kurs  des  Pfund  Sterling  Wechsels,  Zeitschrift ­
  f.  handelsw,  Forschung  Bd.  I.
        <pb n="121" />
        117

rem  Maße,  Hier  ist  die  Einheitlichkeit  der  Geschäftsbeziehungen ­
  und  Geschäftsbedingungen  innerhalb  der  beteiligten
Banken  nicht  entfernt  so  groß,  wie  dies  innerhalb  der  am
europäischen  Devisenhandel  beteiligten  Kreise  der  Fall  ist,
erstens  weil  allgemein  die  Organisation  des  Verkehrs  in
Europa  vollkommener  ist  und  zweitens  in  Europa  das  börsenmäßige ­
  Devisengeschäft  nur  auf  große,  erste  Firmen  beschränkt ­
  ist,  während  man  in  Ostasien  auf  der  ganzen  Linie,
vom  kleinsten  Geldwechsler  bis  zur  größten  Bank  unmittelbar ­
  am  eigentlichen  Devisenmarkt  beteiligt  ist.  Wesentlich
ist  das  z,  B,  für  die  Frage  der  möglichen  Gewinnhöhe,  die
ihr  Aussehen  ändert,  je  nachdem  man  sie  mit  an  exotische
Gewinne  gewöhnten  Augen  ansieht  oder  sie  mit  europäischen ­
  Maßstäben  —  Steigerung  des  ausmachenden  Betrages
durch  Einsetzen  großer  Summen  —  mißt.  Damit  hängt  zusammen, ­
  daß  anscheinend  für  China  das  theoretische  Wirtschaftsgesetz: ­
  „Überschreitung  der  Metallpunkte  hat  Metallbewegungen ­
  zur  Folge“,  des  zwingenden  Charakters  in  weit
stärkerem  Maße  entbehrt,  als  dies  bereits  für  europäische
Verhältnisse  gilt.  In  der  Regel  werden  in  China  Silbertransaktionen ­
  nicht  gemacht,  weil  die  Kurse  es  erlauben,
sondern  erst  dann,  wenn  außerdem  der  Stand  der  Goldvaluten-Engagements
  der  einzelnen  Bank  dies  wünschenswert ­
  erscheinen  läßt.  Die  nachstehenden  Angaben  sind  demnach ­
  noch  mehr  als  europäische  Goldpunkte  als  Durchschnittsmöglichkeiten ­
  einer  einzelnen  Bank  anzusehen.  Im
übrigen  spricht  man  drüben  nicht  von  Silberpunkten,  sondern ­
  bezeichnenderweise  von  dem  Handelspreis  für  Silber
und  meint  damit  den  Londoner  Silberpreis  plus/minus  Transportspesen. ­

In  Schanghai  rechnet  man  mit  ca.  B / 8 °/ 0  für  sämtliche
Spesen,  dazu  „komme  die  gewöhnliche  Marge  zwischen  Anund
  Verkauf  im  t.  t.  Kurs  von  1 / 8  d".  Diese  Sätze  gelten
nach  beiden  Richtungen,  für  Importe  und  Exporte.  Die  Parität ­
  stellte  sich  in  Schanghai  auf
1907  1908  1909  1910
Münzparität  35,70  28,82  28,08  29,34
•A  (V/o+Vs  d)  0,35  0,31  0,30  0,31
Silberexportpunkt  35,35  28,51  27,78  29,03
t.  t.  Durchschnittskurs  34,98  28,80  28,—  29,02
        <pb n="122" />
        118

Somit  überschritt  der  t.  t.  Kurs  1907  im  Durchschnitt
den  Silberexportpunkt  um  rund  1%,  stand  1910  auf  diesem
Punkt,  während  in  den  beiden  anderen  Jahren  diese  Grenze
nicht  erreicht  wurde.  In  den  Diagrammen  ist  die  Silberexport-Linie
  30—35  mm  unter  Parität  zu  denken,  wobei  zu
beachten  ist,  daß  sie  in  Wirklichkeit  wegen  des  veränderlichen ­
  ausmachenden  Betrages  von  Tag  zu  Tag  schwanken
müßte.
Für  Hongkong  ist  die  Stellung  der  Silberpunkte  dadurch ­
  etwas  anders,  daß  der  Dollar  ein  beträchtliches  Agio
genießt,  welches  einen  Export  überhaupt  ausschließt.  Dagegen ­
  würde,  wenn  sich  etwa  in  London  Hongkong-Dollars
in  beliebiger  Menge  zum  Silberwert  beschaffen  ließen,
die  Differenz  zwischen  den  Importspesen  und  dem  Agio
immer  einen  Nutzen  von  mehreren  Prozent  erlauben.  In
London  sind  aber  Hongkong-Dollars,  wenn  überhaupt,  dann
nur  zum  Kurswerte  zu  haben,  sodaß  es  nur  der  englischen
Kolonialregierung,  die  die  Geldmünze  in  Bombay  schlagen
läßt,  möglich  ist,  das  Agio  auszunützen;  dafür  fallen  ihr  aber
die  Prägekosten  und  sonstige  Spesen  zur  Last.  Da,  wie  auf
Seite  113  ff,  ausgeführt  wurde,  das  Agio  in  der  Taelbewertung
  des  Dollars  ebenfalls  zum  Ausdruck  kommt,  so  ist  es
auch  auf  dem  Umwege  über  Barrentransporte  nicht  möglich,
das  Agio  auszunützen.  Im  übrigen  folgt  aus  diesen  Verhältnissen, ­
  daß  für  Silbertransaktionen  nur  Barrensilber  in
Frage  kommt.  Zur  Bestimmung  der  Silberpunkte  kann  man
dabei  nicht  von  der  Münzparität  des  Dollars  allein  ausgehen, ­
  sondern  man  muß  dessen  Taelbewertung  oder  das
Agio  mit  berücksichtigen.  Bei  einem  Silberexport  nach  London ­
  ist  unter  Zugrundelegung  der  Durchschnittsziffern  von
1910  folgendes  zu  erwägen;
100  $  =  74,26  Schanghai  Taels
1  Sch.Tael  bei  24,81  d  Silberpr.=29,34d  Silberwert  in  London
29.34  X  74.26  =2178,78  d  Ertrag  in  London
abzüglich  1%  Spesen  =  21,78,,
Hongkong  1.1,  21,56  d  =  1  $,  mithin  2157,—  d  =?
2157  :  21,56  =  100.04  $.
Mithin  Verdienst  auf  100  Dollars  4  Cent.  Anschaulicher
wird  die  Stellung  der  Silberpunkte,  wenn  man  von  der  um
        <pb n="123" />
        119

das  Agio  erhöhten  Parität,  dem  an  früherer  Stelle  als  VI  bezeichnten ­
  Werte  ausgeht.  Von  ihm  sind  die  Spesen  abzusetzen ­
  und  das  Ergebnis  mit  dem  t.  t.  Kurs  zu  vergleichen.

Erhöhte  Hongkong-Parität  1910  21,78  d
Minus  1%  Spesen  0,22  d
ergibt  21,56  d
t.  t.  im  Durchschnitt  1910  21,56  d

Unter  Annahme  dieses  Spesensatzes  stand  demnach  der
Hongkong  t,  t.  Kurs  im  Jahre  1910  durchschnittlich  auf  dem
Silberexportpunkt.  Das  Mehr  von  4  Cent  auf  100  Dollars
der  ersten  Berechnung  kommt  hier,  wo  es  sich  nur  um  1  Dollar ­
  handelt,  nicht  zum  Ausdruck.
Für  die  untersuchten  Jahre  stellen  sich  diese  Ziffern  auf:
1907  1908  1909  1910
erhöhte  Hongkong-Parität  26,25  21,64  21,06  21,78  d
./.  1%  Spesen  0,26  0,22  0,21  0,22„
„Silberexportpunkt“  25,99  21,42  20,85  21,56,-,
t.  t,  Durchschnittskurs  25,75  21,63  21,—  21,56,,
Münzpari  des  $  25,45  20,55  20,03  20,92,,
Nach  Angaben  von  drüben  betragen  die  Spesen  auf  Silbergeschäfte ­
  3 / 4 -—1  %■
Äußerlich  betrachtet  scheint  der  t.  t.  Kurs  von  Hongkong ­
  den  Silber-Importpunkt  um  ein  Mehrfaches  zu  überschreiten, ­
  während  er  sich  tatsächlich  in  der  Nähe  des  Exportpunktes ­
  bewegt.  Im  Diagramm  Nr,  21—24  wird  das
deutlich,  wenn  man  sich  die  Paritätslinie  Hongkongs  für
jedes  Jahr  um  das  entsprechende  Maß  in  die  Höhe  gehoben
denkt,  in  dem  man  etwa  einen  Faden  darüber  legt.
Im  übrigen  ergibt  sich  aus  den  obigen  Ziffern,  daß  die
Stellung  des  Hongkonger  t.  t,  Kurses  zum  Silberexportpunkt
die  gleiche  war,  wie  in  Schanghai,  Vielleicht  werden  die
Silberpunkte  allgemein  dadurch  verschoben,  daß  das  nach
London  gesandte  Silber  per  Lieferung  und  nicht  per  Cassa
in  London  verkauft  wird.  Der  dauernd  bestehende  Mehrwert ­
  des  Terminsilbers  von  1 / 16 — 1 / 4  d  würde  die  Spesen  entsprechend ­
  ermäßigen.
Außerdem  läßt  sich  der  Zweck  der  chinesischen  Silbertransaktionen ­
  auch  durch  die  Versendung  von  Gold  erreichen; ­
  tatsächlich  finden  dauernd  Goldverschiffungen
        <pb n="124" />
        120

statt.  Die  Export-  bezw.  Importpunkte  für  Gold  fallen  ungefähr ­
  mit  denjenigen  für  Silber  zusammen,  da  letztere  den
Abstand  der  Kurse  vom  Goldwert  der  Geldeinheit,  also  auch
den  Kursabstand  von  dem  Wert  einer  entsprechenden  Geldmenge ­
  angeben,  und  da  ferner  die  Spesen  für  Goldtransporte ­
  nicht  wesentlich  anders  sind.
Zur  Beurteilung  der  Wirtschaftslage  in  China  während
der  Jahre  1907—1910  sei  den  bereits  an  anderer  Stelle  über
die  allgemeine  Wirtschaftslage  im  Osten  gemachten  Ausführungen ­
  folgendes  ’)  hinzugefügt.
Schon  1906,  also  vor  Beginn  der  behandelten  Periode,  sind
mancherlei  ungünstige  Ereignisse  zu  verzeichnen.  Die  Silberpreisbewegung ­
  vollzog  sich  in  außerordentlichen  und  rasch  wiederkehrenden ­
  Schwankungen,  deren  größte  129s  °/o  betrug.  In  Hongkong  wurde
anfangs  das.  Geschäft  durch  die  im  Süden  Chinas  durch  eine  Mißernte ­
  des  Hauptnahrungsmittels  Reis  verursachte  Hungersnot  gelähmt; ­
  im  September  brachte  ein  Taifun  dem  Handel  starken  Abbruch, ­
  indem  große  Mengen  beschädigter  Güter  auf  dem  Auktionswege ­
  den  Markt  für  längere  Zeit  verdarben.  Weiterhin  brachten
umfangreiche  Kontrakte  auf  Garn  und  Baumwollwaren,  die  auf
niedriger  Silberbasis  abgeschlossen  waren  und  dazu  einem  flauen
Markt  begegneten,  viele  chinesische  Händler  zu  Fall,  Endlich
drückte  in  immer  stärkerem  Maße  die  jede  Grenze  überschreitende
Prägung  von  Kupferkäsch  und  Silberaushilfmünzen  seitens  der  chinesichen
  Provinzialregierungen  auf  den  gesamten  Markt,  während  der
Geldmangel  in  Europa  mit  einem  ausnahmsweise  leichten  Geldstand
in  China  zusammenfiel.
Das  Jahr  1907  ist  als  eins  der  denkwürdigsten  in  der  wirtschaftlichen ­
  Entwicklung  zu  bezeichnen.  Es  begann  mit  bedeutenden
Lagerbeständen,  die  schwer  Absatz  fanden.  Dazu  kamen  der  unerwartet ­
  und  plötzlich  einsetzende  Silbersturz  von  rund  25  °/o  und  die
Weltkrisis.  Unter  dem  ersteren  Ereignis  litt  namentlich  der  Import,
während  gleichzeitig  der  Export  durch  die  stockende  Kaufkraft  der
amerikanischen  und  europäischen  Märkte  beeinträchtigt  wurde.  Für
die  bedeutendsten  Exportartikel  Chinas,  wie  Seide,  Wolle,  Kuhhäute
und  Ziegenfelle  ergaben  sich  Preisrückgänge  bis  zu  40  °/o,  also  mehr,
als  der  in  Einzelfällen  denkbare  Gewinn  aus  dem  Silberrückgang.
Das  Jahr  1908  stand  unter  den  Einwirkungen  des  Vorjahres.  Das
Geschäft  litt  unter  Zahlungseinstellungen,  einer  mehr  als  unbefriedigenden ­
  Lage  des  Seidenmarktes  und  Krediteinschränkungen  im
Norden  Chinas.  Die  weiter  fortgesetzte  Ausgabe  ungeheurer  Mengen
unterwertiger  Kupfermünzen  und  die  Ausgabe  erheblicher  Papiergeldbeträge ­
  ohne  entsprechende  Barreserve  seitens  der  chinesischen
Banken  erhöhten  die  Schwierigkeiten.  Im  Gegensatz  dazu  stand  die
1)  Nach  den  Geschäftsberichten  der  Hongkong  and  Schanghai
Banking  Corporation  und  denjenigen  der  Deutsch-Asiatischen  Bank,
        <pb n="125" />
        121

fortschreitende  günstige  Entwicklung  des  Exportgeschäfts,  dessen
Anwachsen  die  Einnahmen  der  chinesischen  Seezoll-Verwaltung  von
33,8  Millionen  Haikuan  Tael  auf  34,8  Millionen  steigerten.
Auch  im  folgenden  Jahre  1909  setzte  sich  die  Zunahme  der
chinesischen  Ausfuhr  fort;  namentlich  machten  sich  neue  Ausfuhrartikel ­
  bemerkbar,  wie  Erdnüsse  von  Tsingtau,  Soya-Bohnen  von  der
Mandschurei,  während  der  Umsatz  in  anderen  Artikeln,  z,  B,  Saaten
von  Hankow  immer  größeren  Umsatz  annahm.  Das  Importgeschäft
zeigte  dagegen  noch  keine  durchgreifende  Besserung;  für  einzelne
Märkte  hatte  sich  zwar  die  Lage  günstiger  gestaltet,  die  Vorräte  in
Manufakturwaren  hatten  etwas  normaleren  Umfang  angenommen,
aber  auf  anderen  Gebieten  stagnierte  das  Geschäft  noch  immer.
Das  Jahr  1910  brachte  endlich  auch  dem  chinesichen  Importgeschäft ­
  günstigere  Bedingungen,  Die  großen  Warenvorräte  waren
soweit  reduziert,  daß  der  Bestand  sich  in  einzelnen  Artikeln  niedriger
als  seit  8  Jahren  stellte.  Die  allgemeine  Erholung  verzögerte  sich
etwas  durch  eine  Finanzkrisis,  die  im  August  auf  dem  chinesischen
Geldmarkt  in  Schanghai  einsetzte.  Anscheinend  auf  die  damalige
ungewöhnliche  Preissteigerung  für  Rohgummi  hatte  eine  wilde  Spekulation ­
  in  Gummi-Aktien  eingesetzt,  die  weite,  mit  dem  Wesen  derartiger ­
  Unternehmungen  nicht  vertraute  Kreise  ergriff.  Durch  den
Zusammenbruch  dieser  Spekulation  wurden  umfangreiche,  gegen
Gummi-Aktien  geleistete  Vorschüsse  notleidend,  eine  Anzahl  der
native-Banken  geriet  in  Zahlungsschwierigkeiten  und  der  Zahlungsverkehr ­
  kam  ins  Stocken,  Sofort  wurden  seitens  der  chinesischen
Behörden,  der  chinesischen  Bankgilde  und  der  Handelskammer  die
Hilfe  der  Fremdbanken  angerufen.  Letztere  stellten  dem  Toatai  von
Schanghai  insgesamt  6,5  Millionen  Schanghai-Taels  zur  Verfügung,
gegen  die,  von  der  Peckinger  Zentral-Regierung  genehmigt,  zinstragende ­
  Obligationen  zur  Ausgabe  gelangten,  so  daß  das  Schlimmste
abgewendet  wurde.  (Im  Diagramm  deutet  die  starke  Abbiegung  der
Kurslinien  im  August  1910  auf  diese  lokale  Krisis  hin;  zu  beachten
ist,  daß  es  sich  dabei  aber  um  eine  Veränderung  der  Parität  handelt.)
Das  Exportgeschäft  wurde  durch  gute  Ernten  in  seiner  aufsteigenden
Entwicklung  weiter  gestärkt.
Die  Lage  während  der  untersuchten  Jahre  läßt  sich  dahin ­
  zusammenfassen,  daß  durch  den  jähen  Umschwung  in
1907  die  bereits  seit  1905  latent  vorhandene  Depression  voll
zum  Durchbruch  kam,  1908  und  1909  weiter  wirksam  blieb
und  erst  1910  gesunderen  Verhältnissen  Platz  machte.  Dem
entspricht  in  etwa  die  Paritätsstellung  der  Wechselkurse.
Die  außerordentlich  günstige  und  gleichmäßig  fortschreitende ­
  Entwicklung  des  Exports  entspricht  ebenfalls  der  Gestaltung ­
  der  Wechselkurse,  sodaß  Import  und  Export  parallel ­
  auf  die  Kurse  wirkten.
        <pb n="126" />
        122

Der  Außenhandel  Chinas  von  1907—1910  geht  aus  der
nachstehenden  Tabelle  hervor,  wobei  zu  bemerken  ist,  daß
Hongkong  entsprechend  seiner  politischen  Stellung  in  der
Statistik  als  Ausland  angesehen  wird.  Wirtschaftlich  ist  es
als  ein  Teil  Chinas  zu  betrachten;  der  chinesische  Verkehr
nach  und  von  Hongkong  ist  demnach  auf  die  anderen  in  der
Tabelle  genannten  Länder  im  wesentlichen  zu  verteilen.
Mangels  einer  amtlichen  Statistik  war  der  Eigenverkehr
Hongkongs  nicht  festzustellen 1 ).

Chinas  Außenhandel  in  Millionen
Haikuan-Tael 2 ),

Einfuhr  abzügl.  Wiederausfuhr

1907

1908

1909

1910

Von

Hongkong

154

148

148

167

Großbritannien

77

71

68

71

Deutschland

16

14

15

21

Japan

55

50

58

74

Britisch-Indien

32

30

40

43

Verein.  Staaten  von  Nordamerika

35

41

32

24

Gesamt-Netto-Einfuhr

416

395

418

463

Gesamt-Ausfuhr

264

277

339

381

Davon  nach

Hongkong

92

92

97

109

Großbritannien

12

13

20

19

Deutschland

6

7

8

13

Japan

39

37

52

62

Verein.  Staaten  von  Nordamerika

27

24

32

32

Frankreich

31

32

39

39

Rußland  und  Russisch-Asien

16

30

40

45

1)  Über  die  Mängel  der  chinesischen  Statistik  siehe  ausführlich
Schumacher,  Die  chinesischen  Vertragshäfen,  ihre  wirtschaftliche ­
  Stellung  und  Bedeutung,  Conrads  Jahrbücher,  III.  Folge,
16,  Band,  1898,  Seite  745  f.  Ferner  von  Kries,  a.  a.  0,
2)  Nach  Returns  of  trade  and  trade  reports  of  the  Inspectorate
General  of  customs  1910,  Schanghai  1911.
        <pb n="127" />
        123

Danach  verhielt  sich  Gesamteinfuhr  zur  Gesamtausfuhr
1907  1908  1909  1910
wie  100  zu  63  70  81  82
Schanghai  t,  t,  unter  Parität  0,72  d  0,02  d  0,08  d  0,32  d
Über  die  Edelmetallbewegung  geben  folgende  Ziffern
Auskunft,

Gold  und  Silber  zusammen.

Mill.  Haikuan-Tael

1907

1908

1909

1910

Gesamt-Einfuhr

15

22

32

48

Gesamt-Ausfuhr

44

45

32

27

Mehr-Ausfuhr  —  1
Mehr-Einfuhr  -f-  /

—29

—23

+  0

+21

Der  Anteil,  den  England  an  diesem  Verkehr  hat,  stellt
sich  nach  Statistical  abstract  of  United  Kingdom  wie  folgt;
bei  einem  Vergleich  sind  die  Beträge  nach  den  unten  angegebenen ­
  Werten  des  Haikuan-Taels  umzurechnen:
E  d  e  1  m  e  t  a  11  v  e  r  k  e  h  r  Chinas  mit  England
in  1000  £.
1907  1908  1909  1910
Goldeinfuhr  v,  England  —  —  0,0  1
Silbereinfuhr  v.  „  559  822  3133  1349
Goldausfuhr  n,  ,,  50  2  88  —
Silberausfuhr  n,  „  377  —  —  18
Wert  des  Haikuan-Tael  3/3  2/8  2/7  3 /, 6  2/8 5 /, 6
Die  Ziffern  des  Silberverkehrs  mit  England  stimmen  in
ihrer  Bewegung  nach  der  Ausfuhr  in  etwa  mit  der  Bewegung
in  der  Paritätsstellung  der  Wechselkurse  überein.  Zu  beachten ­
  sind  daneben  die  großen  Importe  von  England,  die
vor  sich  gegangen  sind,  ohne  daß  die  Wechselkurse  entsprechend ­
  über  Pari  gestanden  und  ohne  daß  die  Importspesen ­
  aus  der  Wechselkursdifferenz  hätten  gedeckt  werden
können.  Nach  „The  China  Year-Book  1912“  *)  verteilte  sich
die  chinesische  Edelmetallbewegung  auf  folgende  Länder:

1)  The  China  Year-Book  1912  von  H,  T.  Montague  Bel!,  B,  A,
und  H.  G.  W,  Woodhead,  M.  J,  I.,  London,  George  Rontledge  &amp;amp;  Sons.
        <pb n="128" />
        T

Chinas  Edelmetalibewegung  1907—1910  in  1000  Haiknan  Tael,

1907

1908

1909

1910

Import  von

Gold

Silber

Gold

Silber

Gold

Silber

Gold

Silber

Europa

1  144

392

4063

10  313

14  799

Amerika

79

157

37

2691

—

4  335

—

4  868

Indien

—

34

—

—

—

1  388

—

4  772

Hongkong  und  Makao  .  ,  .  ,
Japan  einschl,  Korea  und  For-43



5  989

143

12  583

94

13  441

202

17  974

mosa

6  992

451

1  335

504

876

1  033

3  358

1469

Total-Import

8  274

7  070

1  514

20  117

1014

30  864

3  559

44  599

„  Export  ,

5  824

38  278

33  032

32  381

7  835

24  024

4  536

22  804

davon  nach

Europa  ,

4  740

3  027

11  246

1  962

5  531

1  413

4  154

138

Amerika

—

0

4

60

—

50

—

117

Indien

21

10  479

0,8

1  005

—

1  676

—

5  149

Straits  Settlements

—

220

25

343

—

607

—

8

Hongkong  und  Makao  .  .  .  ,
Japan  einschl.  Korea  und  For-299



23  863

374

26  427

187

20  770

55

16  801

mosa  ,  .  ,

757

541

981

1  844

2  291

320

326

192

124
        <pb n="129" />
        125

Zur  Untersuchung  der  Frage,  inwieweit  Zinseinflüsse
auf  die  chinesischen  Wechselkurse  eingewirkt  haben,  stehen
nur  die  erwähnten  native  interest-Sätze  vom  April  1908  an
zur  Verfügung,  die  von  einer  deutschen  Firma  in  Schanghai
durch  vielfältige,  dankenswerte  Vermittlung  beschafft  werden ­
  konnten.  Bei  dem  Mangel  jeglicher  Statistik  —  „weil
zu  unwesentlich“  —  waren  weitere  Ziffern  trotz  vieler  Mühe
nicht  zu  erlangen.  Zu  den  native  interest  ist  zu  bemerken,
daß  sie  nur  für  den  Verkehr  zwischen  den  Chinesen  und  den
chinesischen  Banken  in  Frage  kommen,  daß  sie  trotz  der
Veröffentlichung  keine  bindende  Wirkung  haben,  und  daß
vielmehr  die  chinesischen  Banken  gewöhnlich  mehr  als  veröffentlicht ­
  zuzüglich  einer  hohen  Kommission  berechnen.
Für  den  hier  verfolgten  Zweck  dürften  die  Ziffern  trotzdem
ausreichen,  da  es  dabei  weniger  auf  die  absolute  Höhe  als
auf  die  Bewegung  der  Sätze  ankommt  und  diese  durch  die
Fehlermöglichkeiten,  weil  dauernd  vorhanden,  nicht  verdunkelt ­
  wird.  Auch  von  den  für  den  Verkehr  der  Fremden
untereinander  geltenden  Sätzen  dürften  sich  die  native
interest  hinsichtlich  ihrer  Bewegung  nicht  wesentlich  unterscheiden, ­
  denn  wenn  nach  Schumacher 1 )  die  Chinesen
es  verstehen,  auf  die  europäischen  Wechselkurse  einen  maßgebenden ­
  Einfluß  auszuüben,  so  wird  dies  bei  der  Zinsgestaltung ­
  noch  stärker  der  Fall  sein.
Die  von  drüben  in  mace  und  candareen  pro  1000  Tael
und  einen  Tag  gemachten  Angaben  wurden  für  jeden  Tag
in  Prozente  pro  Jahr  umgerechnet,  die  Differenz  gegenüber
dem  Londoner  Marktsatz  des  betreffenden  Tages  ermittelt
und  als  über  (  +  )  bezw.  unter  (—)  London  in  die  Diagramme
eingetragen,
Die  Jahresdurchschnittsberechnung  der  chinesischen
Sätze  ergibt  für  die  Jahre  1907  1908  1909  1910
native  interest  in  Schanghai  -—-  4,75%  3,63%  4,38%
Gegenüber  London  4,53%_  2,31  %  2,31%  3,18%
Schanghai  über  London  —  +2,44%  +1,32%  +1,20%
Schanghai  t,  t.  unter  Parität  0,72  d  0,02  d  0,08  d  0,32  d
1)  Schumacher,  Die  Organisation  des  Fremdhandels  in
China,  S,  271:  ‘Selbst  auf  die  Wechselkurse  mit  Europa  und  Amerika
hat  die  chinesische  Kaufmannschaft  —  wie  mir  ein  maßgebender
Geschäftsmann  Schanghais  versicherte  —  zum  mindesten  ebenso  viel
Einfluß  wie  die  fremde.’
        <pb n="130" />
        126

Dabei  ist  zu  bemerken,  daß  1908  zu  hoch  erscheint,  weil
das  meistens  billige  Sätze  aufweisende  erste  Quartal  in  der
Durchschnittsberechnung  fehlt;  die  Differenz  von  2,44%  ist
demnach  in  Wirklichkeit  vermutlich  kleiner.  1907  dürfte
die  Differenz  Schanghai  über  London  nur  klein  gewesen  sein,
denn  im  Gegensatz  zu  dem  hohen  Londoner  Durchschnittszins ­
  von  4,53%  ist  in  keinem  vorliegenden  Bericht  von  besonders ­
  teurem  Gelde  in  China  die  Rede,  1906  war  sogar
das  Gegenteil  der  Fall.  Schließt  man  sich  dem  an,  so  erscheint ­
  eine  geringe  Übereinstimmung  zwischen  Paristellung
des  Wechselkurses  und  Zinsdifferenz  gegeben.  Auch  im
einzelnen  kann  man  aus  dem  Diagramm  einen  gleichmäßigen
Verlauf  von  Wechselkurs  und  Zinsdifferenz  herauslesen,
aber  nur  für  so  kurze  Strecken,  daß  man  nicht  sagen  darf,
die  beiden  Linien  seien  grundsätzlich  von  einander  abhängig.
Periodisch  auftretende  Wechselkursschwankungen  sind
in  China  nicht  bekannt;  auch  aus  den  Diagrammen  läßt  sich
nichts  derartiges  herauslesen.  Als  regelmäßig  wiederkehrende ­
  Operation  kennt  man  nur  die  Finanzierung  der  Seidenund
  Tee-Ernte,  ohne  daß  dies  in  den  Wechselkursen  auf
Europa  seinen  Ausdruck  fände.

6,  Der  Unterschied  zwischen  Mark-  und  pence-Notiz
in  Asien.
Wie  früher  ausgeführt,  sind  die  in  den  Diagrammen  gezeichneten ­
  t,  t.  Kurse  der  verschiedenen  asiatischen  Plätze
auf  Deutschland  keine  Originale,  sondern  Umrechnungen,
die  durch  Behandlung  der  pence-t.  t.  Notizen  mit  einer
Croßrate  in  Berlin  entstanden  sind.  Dabei  ist  anscheinend
ein  Kurs  benutzt  worden,  der  sich  etwas  höher  als  der  Berliner ­
  Scheckkurs  auf  London  stellt.  In  der  Regel  sind  die
pence-t.  t,-Kurse  aller  fünf  asiatischen  Plätze  zum  gleichen
Satze  umgerechnet  worden,  nur  ganz  vereinzelt  zeigen  die
Diagramme,  daß  ein  Platz  anders  behandelt  worden  ist.  Da
nun  an  keinem  Platze  Asiens  eine  auf  Angebot  und  Nachfrage ­
  gestellte  Preisbildung  für  Markwechsel  vor  sich  geht,
vielmehr  überall  deren  Wert  durch  Umrechnung  der  pence-Notiz
  zum  deutsch-englischen  Wechselkurs  festgestellt  wird,
        <pb n="131" />
        127

so  dürften  die  tatsächlich  drüben  in  Geltung  gewesenen
Markkurse  nicht  viel  anders  gelautet  haben,  als  die  Diagramme ­
  zeigen.  Vielleicht  hat  dauernd  eine  gleichbleibende
Differenz  dadurch  bestanden,  daß  man  drüben  stets  einen
höheren  oder  niedrigeren  Satz  als  in  Berlin  angewandt  hat.
Auch  insofern  waren  die  Kurse  vielleicht  anders,  als  nicht
anzunehmen  ist,  daß  man  den  pence-t.  t.-Satz  Monate  hindurch ­
  auf  derselben  Preisstufe  stehen  ließ  und  den  viel  geringere ­
  Bedeutung  besitzenden  Mark-t,  t.-Satz  fast  täglich
änderte,  wie  das  in  Berlin  entsprechend  dem  deutsch-englischen ­
  Wechselkurse  geschehen  ist.
Diese  Verhältnisse,  die  Deutschland  ziemlich  zu  vernachlässigen ­
  scheinen,  drängen  die  Frage  auf,  wie  wohl  die
Mark-Notiz  ausgefallen  sein  würde,  wenn  eine  wirkliche
Preisbildung  für  Mark-Wechsel  vor  sich  gegangen  wäre.  So
wie  die  Dinge  bis  jetzt  liegen,  kann  man  die  Mark-Notiz
überhaupt  nicht  als  Wechselkurs  im  gewöhnlichen  Sinne  ansprechen; ­
  es  ist  gewissermaßen  ein  Verrechnungspreis,  der
sich  aber  nach  außerhalb  der  Sache  liegendenVerhältnissen,
nach  den  Zahlungsbilanzen  England/Asien  und  England/
Deutschland  richtet,  dem  Verhältnis  Asien/Deutschland  anscheinend ­
  also  nicht  gerecht  wird.  Das  kann  für  den
deutsch-asiatischen  Zahlungsverkehr  allgemein  ausgedrückt
günstig,  ungünstig  oder  gleichgültig  sein,  günstig,  wenn  z.  B,
pence-t,  t.  und  Berlin-London  in  der  Nähe  der  Parität  stehen
und  gleichzeitig  das  Forderungsverhältnis  zwischen  Deutschland ­
  und  Asien  einen  extremen  Kurs  bedingen  würde,  ungünstig ­
  im  umgekehrten  Falle  und  gleichgültig,  wenn  nirgends ­
  Extreme  vorliegen.
An  dieser  Stelle  muß  nun  auf  ein  Ergebnis  der  Wechselkursuntersuchung
  von  Schär 1 )  eingegangen  werden,  das
durch  die  Technik  der  hier  beigefügten  Diagramme  besonders ­
  deutlich  geworden  ist.  Schär  hat  die  Wechselkurse
einer  Reihe  von  Plätzen,  wie  schon  früher  erwähnt,  gleichnamig ­
  und  dadurch  unmittelbar  vergleichbar  gemacht  und
kommt  durch  eine  Untersuchung  der  Ziffern  zu  folgendem
Ergebnis:  „Hieraus  ergibt  sich  die  hochinteressante  Tatsache,
daß  die  internationalen  Wechselkurse  sich  im  Gleichgewicht
1)  Schär,  Zahlungsbilanz  und  Diskont,  Berlin  o,  J,  (Sept,  1908).
        <pb n="132" />
        128

befinden;  denn  sobald  dieses  Gleichgewicht  gestört  ist,  hat
die  Arbitrage  eine  lohnende  Operation,  die  erst  aufhört,
wenn  das  Gleichgewicht  wieder  hergestellt  ist“  Mit  anderen
Worten  und  auf  die  Plätze  Berlin-London-Paris  angewandt
heißt  das,  daß  —  abgesehen  von  Spesen  —  es  gleich  ist,  ob
man  von  Berlin  nach  London  bezw,  Paris  direkt  oder  auf
dem  Umwege  über  Paris  bezw.  London  zahlt,  direkt  wie  indirekt ­
  muß  derselbe  Markbetrag  aufgewandt  werden.  Steht
z.  B.  der  Frankenkurs  in  Berlin  hoch,  der  Pfundkurs  niedrig,
so  liegt  die  Korrektur  in  der  Croßrate  London-Paris.  Das
gilt  nicht  nur  für  einzelne  Tage,  sondern  dauernd,  wie  die
Schär’schen  Kurszusammenstellungen  zeigen.  Nach  der
Tabelle  auf  S.  64  des  Schär’schen  Buches  stellen  sich  die
Wechselkurse  der  verschiedenen  Länder  im  Durchschnitt
des  Jahres  1907  so,  daß  es  bis  auf  0,0001—0,0002  der  Parität ­
  gleichgültig  ist,  ob  man  nach  irgend  einem  Platze  direkt
oder  über  einen  oder 1 )  mehrere,  anscheinend  billigere  Plätze
bezahlt.
Wie  bereits  früher  (S.  37)  geschehen,  kann  man  das  Ergebnis ­
  der  Untersuchung  von  Schär  folgendermaßen  formulieren: ­
  „Je  zwei  Wechselkurse  eines  Platzes  können  nur  um  den
Kursunterschied  zwischen  den  bezogenen  Plätzen  differieren.“ ­
  Der  Satz  gilt,  wie  auch  der  Satz  von  der  Parität  der
Gegenkurse  1  2 ),  nur  für  bereits  festgestellte  Kurse  und  enthebt ­
  den  Warenhandel,  dem  nur  diese  Kurse  zur  Verfügung
stehen,  von  jeder  Arbitragerechnung.  Während  der  Börsenpreisbildung ­
  sind  natürlich  für  die  unmittelbar  Beteiligten
Zweiplatz-  und  Mehrplatzarbitragen  möglich.  Die  Börsenarbitrage ­
  greift  aber  nicht,  wie  Schär  sagt,  ein,  um  ein  gestörtes ­
  Gleichgewicht  wieder  herzustellen,  sondern  sie  sorgt
dauernd  dafür,  daß  bei  der  Notierung  das  Gleichgewicht
vorhanden  ist.
Wendet  man  das  Ergebnis  auf  den  deutsch-asiatischen
Zahlungsverkehr  an,  so  würde,  wenn  eine  wirkliche  Preisbildung ­
  für  Mark-Wechsel  stattgefunden  hätte,  die  Mark-1)
  Zu  ähnlichem  Ergebnisse  kommt  Schmidt,  Die  Wechselkurse ­
  Argentiniens,  Zeitschr,  f,  Handelswissenschaft  und  Handelspraxis, ­
  1909.
2)  Mahlberg,  Der  Kurs  des  Frankenwechsels,  Zeitschr,  f,
Handelswissenschaftl.  Forschung,  Bd,  III,
        <pb n="133" />
        129  —

t.  t.-Notiz,  der  direkte  Weg  also,  stets  soviel  gekostet  haben,
wie  der  indirekte  Weg  von  Asien  über  London  nach  Berlin,
Ob  der  indirekte  Weg  und  damit  auch  die  Mark-Notiz  sich
dann  so  gestaltet  haben  würde,  wie  die  Diagramme  ausweisen,
  ist  damit  natürlich  nicht  gesagt.  Wahrscheinlich  ist
jedoch,  daß  sich  die  Kursverhältnisse  nicht  wesentlich  geändert ­
  haben  würden,  denn  der  Anteil  der  Mark-Wechsel
am  Zahlungsverkehr  Asiens  dürfte  zu  klein  sein,  um  die
pence-Notiz  und  noch  viel  weniger  den  Scheckkurs  Berlin-London
  stark  von  ihren  Bahnen  abzulenken,  und  das  wäre
nötig,  um  andere  Mark-Kurse  möglich  zu  machen.  In  Kalkutta ­
  wird  der  Anteil  der  Markwechsel  auf  1%  der  Pfundwechsel ­
  geschätzt;  weitere  Angaben  konnten  nirgends  gemacht ­
  werden,  einen  Anhalt  bieten  in  beschränktem  Maße
die  Außenhandelsziffern,
Die  deutsch-asiatischen  Wechselkurse  würden  somit
stets  im  Einklang  mit  dem  Berlin-Londoner  Scheckkurs  und
den  asiatischen  pence-Notizen  stehen;  günstige  wie  ungünstige ­
  Entwicklungen  auf  einer  der  beiden  Strecken  des  indirekten ­
  Weges  würde  auf  den  direkten  Weg  gleichfalls  einwirken ­
  und  umgekehrt.  Kämen  dazu  etwa  noch  Paris  oder
New-York  als  in  Asien  selbständig  notierte  Plätze,  so  hätte
deren  Kursgestaltung  dieselbe  Wirkung,  bezw,  die  Entwicklung ­
  der  Kurse  müßte  sich  außerdem  auch  noch  nach  diesen
Plätzen  richten.  Jeder  deutsche  Wechselkurs  wird  also  von
allem  Günstigen  undUngünstigen  aller  deutschen  Kurse  und
von  den  besonderen  Verhältnissen  des  bezogenen  Platzes
beeinflußt,  wobei  für  letzteren  dasselbe  gilt.  Damit  kommt
man  zu  dem  Begriff  des  Einheitswechselkurses  für  jede
Volkswirtschaft,  den  manche  Nationalökonomen  schon  länger ­
  als  gegeben  erachten  1 j.  Der  Begriff  sagt,  daß  jeder  bei
seinen  internationalen  Beziehungen  soviel  erhält  oder  bezahlen ­
  muß,  wie  nach  dem  Stande  der  gesamten  „Zahlungsbilanz“ ­
  des  eigenen  Landes  und  dem  Einheitskurs  des
anderen  Landes  angemessen  ist;  extreme  Verhältnisse  nach
einer  Einzelrichtung  können  sich  nicht  oder  nur  sehr  abgeschwächt ­
  durchsetzen.  Das  Verdienst  für  diese  Wirtschaftsorganisation ­
  gebührt  der  Börsenarbitrage,
1)  So  W  i  e  d  e  n  f  e  1  d  in  seinen  Vorlesungen  an  der  Handels-Hochschule
  Cöln,
Mahlberg,  Asiatische  Wechselkurse.  9
        <pb n="134" />
        130  —

Der  Einheitswechselkurs  läßt  sich  weder  berechnen  noch
sonst  darstellen;  das  von  Schär  gezogene  arithmetische
Mittel  der  wichtigeren  deutschen  Wechselkurse  reicht  nicht
aus,  wie  gerade  das  hier  behandelte  Beispiel  zeigt.
Dagegen  lassen  die  Silberwechselkurse  eine  Art  Einheitskurs ­
  deutlich  werden.  Wie  auf  S.  36  festgestellt  wurde,  ist
der  Abstand  der  verschiedenen  t.  t.  Notizen  von  der  zugehörigen ­
  Parität  stets  gleich;  die  pence-t.  t,  Notiz  steht
dauernd  so  weit  von  der  pence-Silberparität  wie  die  Markt,
  t,  Notiz  von  der  Mark-Silberparität,  während  absolut  genommen ­
  die  beiden  t.  t.  Notizen  um  die  Croßrate  auseinanderfallen, ­
  Würde  der  relative  Paritätsabstand  nicht  gleich
und  in  derselben  Richtung  sein,  etwa  pence-(-l  d  und  Mark
—  12  Pfg,,  so  hätte  die  Arbitrage  eine  bequeme  Gewinnmöglichkeit. ­
  In  dem  für  alle  Länder  gleich  großen  Abstand  der
Wechselkurse  eines  Silberlandes  von  den  entsprechenden
Paritäten  kann  man  also  eine  Art  von  Einheitskurs  sehen.
Wie  im  übrigen  der  Einfluß  von  Diskontdifferenzen  sich
in  das  System  des  Einheitskurses  einpaßt,  müßte  noch  näher
untersucht  werden,
7.  Die  kurz-lang-Spannung  im  asiatischen  Verkehr.
Bei  einer  Untersuchung  der  asiatischen  Wechselkurse
interessiert  auch  der  Verlauf  der  langen  Sichten,  wobei  es
hauptsächlich  auf  deren  Abstand  von  den  kurzen  Sichten
ankommt.  Für  eine  Untersuchung  dieses  Verhältnisses
waren  die  Kurse  der  Deutsch-Asiatischen  Bank  nicht
brauchbar,  da  lange  Sichten  von  ihr  nicht  veröffentlicht
werden.  Es  wurden  deshalb  hier  die  Kurse  der  Hongkong
&amp;amp;  Shanghai  Banking  Corporation  für  das  Jahr  1910  herangezogen ­
 1 ),  und  zwar  sowohl  in  langer  wie  in  kurzer  Sicht,
um  in  beiden  Fällen  Kurse  derselben  Bank  zu  haben.  Im
einzelnen  handelte  es  sich  dabei  um  folgende  Sichten:
Singapur  t.  t,  und  3  Monate  Sicht
Yokohama  t.  t,  und  4  „  ,,
Hongkong  t.  t.  und  4  „  „
Schanghai  t.  t.  und  4  „  „

1)  Quelle;  Hamburger  Nachrichten  und  Hamburger  Correspondent,
Jahrgang  1910,
        <pb n="135" />
        131

Für  Indien  finden  sich  auch  hier  nur  die  t.  t.  Kurse  von
Bombay  und  Kalkutta.
Da  die  t.  t,  Kurse  Verkaufsraten,  die  Sichtkurse  dagegen
Ankaufsraten  sind,  so  enthält  der  Unterschied  zwischen
beiden  Sichten  nicht  nur  die  Zinsvergütung  für  die  spätere
Fälligkeit  der  langen  Sichten,  sondern  es  liegt  darin  die  bereits ­
  erwähnte  Marge  zwischen  Ankaufs-  und  Verkaufskursen. ­
  Die  Marge  wird  gewöhnlich  mit  rund  %  d  angenommen; ­
  sie  wurde  bei  der  Berechnung  nicht  ausgeschaltet,
sodaß  die  errechneten  Sätze  sämtlich  zu  hoch  sind.
Der  Fehler  beträgt  in  runden  Zahlen  für  Singapur  l,4°/ 0 ,
Yokohama  1,3%,  Hongkong  l,4°/ 0  und  Schanghai  1,1%.
Die  Differenz  zwischen  t.  t.  und  3  bezw.  4  M/S,  wurde
in  der  Weise  in  Jahresprozente  umgewandelt,  daß  bei  den
beiden  ersten  Plätzen  die  Parität,  bei  den  chinesischen
Plätzen  der  Jahresdurchschnittskurs  als  Kapital  angesetzt
wurde.  Das  Jahr  ist  dabei  nach  englischer  Methode  zu  365
Tagen  gerechnet.  Als  Posttage  zur  Berechnung  der  langen
Sichten  sind  üblich  *):  Singapur  23,  Yokohama  16,  Hongkong
30,  Schanghai  20  und  Kalkutta  20  Tage.
Die  hierbei  gewonnenen  Jahresprozentsätze  wurden  mit
dem  Londoner  Marktdiskont  und  den  Zinssätzen  verglichen,
die  von  den  einzelnen  asiatischen  Plätzen  beschafft  werden
konnten.  Dies  sind  der  Wechseldiskont  der  Bank  von  Japan,
der  Satz  für  tägliche  Überziehungen  erstklassiger  Firmen  in
Singapur  und  die  erwähnten  native  interest  in  Schanghai.
Von  Hongkong  war  kein  Zinssatz  zu  beschaffen.  Der  Verlauf ­
  der  umgerechneten  Differenz  kurz-lang  sowie  der  verschiedenen ­
  Zinssätze  ergibt  sich  aus  Diagramm  Nr.  25—28.
Beim  Lesen  des  Diagramms  ist  zu  beachten,  daß  die  Diffe-  1  2

1)  Zum  Vergleiche  seien  hier  die  Laufzeiten  für  Briefe  von
Berlin  nach  dem  Osten  aus  der  amtlichen  Leittabelle  für  August
1912  angegeben.  Die  Laufzeit  beträgt  nach;
30—33  Tage  Io,  ,
26—30  „  (  Suezkanal
26—28  „  über  Amerika
13—17  "  )  Suezkanal
1)  Abfahrt  der  Züge  ab  Berlin:  Montags,  Dienstags,  Donnerstags,  Samstags.
2)  Kürzeste  Beförderungsdauer,

Schanghai  13—14  Tage  1
Hongkong  18—20  „  '
Yokohama  14  „  2 )
Singapur
Kalkutta

via
f  Sibirien l )
        <pb n="136" />
        132

renz  kurz-lang  um  das  oben  angegebene  Maß  zu  vermindern ­
  ist.
Das  Ergebnis  des  Diagramms  ist  folgendes:  Die  kurzlang-Differenzen
  der  verschiedenen  Plätze  zeigen  eine  weitgehende ­
  Gleichmäßigkeit  sowohl  hinsichtlich  ihrer  Höhe  wie
ihrer  Bewegung.  Das  Aufhören  der  Übereinstimmung  für
kurze  Zeiträume  an  einem  oder  dem  anderen  Platze  stellt
sich  als  eine  Ausnahme  dar,  die  sich  am  stärksten  bei  den
Silberkursen  bemerkbar  macht  und  für  letztere  auf  die  häufigeren, ­
  durch  die  Silberpreisbewegung  hervorgerufenenVeränderungen
  dieser  Kurse  zurückzuführen  sein  dürfte.  Da
sämtliche  Kurse  von  der  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking
Corporation  herrühren,  so  kann  man  aus  der  Gleichmäßigkeit ­
  der  Spannung  schließen,  daß  die  Bank  bei  der  Berechnung ­
  oder  Preisfestsetzung  der  langen  Sichten  für  alle  in
Betracht  kommenden  asiatischen  Plätze  denselben  Satz  als
Grundlage  benutzt  bezw,  von  ihren  Filialen  benutzen  läßt.
Die  gemeinschaftliche  Grundlage  dürfte,  schon  aus  betriebstechnischen ­
  Gründen,  in  dem  Londoner  Marktdiskont  gegeben ­
  sein,  der,  wie  aus  den  verschiedenen  Kurszetteln  hervorgeht, ­
  täglich  nach  dem  Osten  gelangt.  Hinzuzutreten
scheinen  als  mitbestimmend  die  Geldverhältnisse  an  den
einzelnen  Plätzen,  während  für  sich  allein  weder  der  Londoner ­
  noch  die  betreffenden  asiatischen  Sätze  ausschlaggebend ­
  sind.  Im  allgemeinen  ist  man  drüben  der  Ansicht,
daß  der  Wertunterschied  zwischen  t.  t,  und  Sichtwechseln
nach  dem  Londoner  bezw.  Berliner  oder  Pariser  Privatdiskont
  zu  bemessen  sei,  ohne  daß  jedoch  dieser  Maßstab  genau
angewandt  werde;  jede  Bank  folge  darin  ihrer  eigenen  Ansicht ­
  über  die  Gestaltung  des  Diskontmarktes,  Bei  der  Vorherrschaft ­
  der  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking  Corporation
wird  sich  vermutlich  diese  eigene  Ansicht  nicht  sehr  weit
von  den  in  dem  Diagramm  wiedergegebenen  Sätzen  der  genannten ­
  Bank  entfernen.
In  runden  Ziffern  handelt  es  sich  dabei  um  einen  Zinsfuß, ­
  der  zwischen  4—5°/ 0 ,  bezw,  nach  Abrechnung  der  erwähnten ­
  Marge  zwischen  3—4°/ n  schwankte.  Demgegenüber ­
  betrug  im  Jahresdurchschnitt  der
Londoner  Marktsatz  3,18°/ 0
Bank  von  England  3,72°/ 0
        <pb n="137" />
        133

Berliner  Privatdiskont  3,54°/ 0
Reichsbankdiskont  4,35%
Bank  von  .Japan  5,17%
Singapur  f,  Überziehungen  5,0  %
Native  Interest  Schanghai  4,38%

Wenngleich  es  nicht  angeht,  für  die  asiatischen  kurzlang-Spannungen
  irgend  eine  Gesetzmäßigkeit  herauszufinden, ­
  weil,  wie  schon  früher  gesagt,  die  Preisbildung  der  langen ­
  Wechsel  am  meisten  des  Marktcharakters  entbehrt  und
damit  noch  stärker  als  die  der  telegraphischen  Auszahlung
der  Willkür  unterworfen  ist,  so  steht  doch  soviel  fest,  daß
auch  hier  nicht  der  „ausländische“  Diskontsatz  mechanisch
als  Maßstab  gebraucht  wird.  Sieht  man  die  hier  untersuchten ­
  Kurse  als  einseitige  Preisfestsetzungen  einer  Bank  an,
die  sich  lediglich  nach  ihren  privatwirtschaftlichen  Interessen ­
  richtet,  so  ist  es  klar,  daß  diese  Bank  den  „ausländischen“ ­
  Satz  nur  dann  anwendet,  wenn  er  ihr  Rechnung  läßt
und  die  eigenen  Geldbestände  dazu  passen.  Daß  es  allgemeinwirtschaftlich
  nicht  viel  anders  ist,  ergab  sich  in  gewissem ­
  Umfange  bereits  früher  aus  der  Untersuchung  des
Frankenkurses  *),  doch  bedarf  das  damalige  Ergebnis  der
Richtigstellung.  In  dieser  Untersuchung  war  angeführt  worden, ­
  daß  lange  Pariser  Sicht  in  Berlin  um  den  französischen
Privat  diskont  zuzüglich  der  Zinsspannung  zwischen  Deutschland ­
  und  Frankreich  billiger  sei  als  kurz  Paris,  daß  also
nicht  stets  der  ausländische  Privatsatz  maßgebend  sei,  sondern. ­
  der  inländische  dann,  wenn  der  inländische  Satz  der
höhere  sei.  Die  Zweifel,  die  Schmalenbach  damals
in  einer  Anmerkung  geltend  machte,  stellen  sich  als  berechtigt ­
  heraus,  da  der  Satz  nur  bedingte  Gültigkeit  hat,  und
zwar  dann  aufhört,  wirksam  zu  sein,  wenn  der  Wechselkurs
an  sich  niedrig  ist.
Ein  Beispiel  mag  dies  näher  erläutern.  Wenn  Paris
3%,  Berlin  4%  für  Diskonten  rechnet,  dann  wird  man  in
Berlin  geneigt  sein,  bei  Geldbeschaffungen  Ziehungen  auf
Pariser  Freunde  zu  dem  nur  um  3%  p,  a,  vom  kurzen  Kurs
entfernten  Satze  zu  begeben,  anstatt  für  deutsche  Wechsel

1)  M  a  h  1  b  e  r  g  a.  a.  O,
        <pb n="138" />
        134

einen  Abzug  von  4°/ 0  p,  a.  zu  erleiden 1 ).  Das  vergrößerte
Angebot  langer  Wechsel  wird  deren  Kurs  solange  drücken,
bis  die  kurz-lang-Spannung  dem  deutschen  Privatsatz  entspricht, ­
  Da  für  diese  Valuten  bei  Verfall  Deckung  zu  beschaffen ­
  ist,  so  werden  solche  Geschäfte  —  abgesehen  von
allen  Spesen  und  von  Termineindeckungsmöglichkeiten  —
nur  dann  Rechnung  lassen,  wenn  bis  zur  Fälligkeit  der  kurze
Kurs  sich  entweder  auf  derselben  Höhe  gehalten  hat  oder
gefallen  ist,  da  ein  Kursaufgeld  den  Gewinn  aufwiegen  oder
gar  überschreiten  kann.  Mithin  wird  man  bei  niedrigem
Wechselkurs,  der  ein  baldiges  Steigen  wahrscheinlich  macht,
auf  derartige  Geschäfte  verzichten,  der  geschilderte  Einfluß
auf  den  langen  Kurs  tritt  nicht  ein,  die  kurz-lang-Spannung
richtet  sich  nach  dem  ausländischen  Diskont.
Für  diese  Fassung  des  Satzes  kann  das  Diagramm 1  2 )
des  Frankenkurses  der  Jahre  1904—1907  nunmehr  als  ein
voller  Beweis  gelten.  Bei  hohem  Kursstand  zeigt  die  Abweichung ­
  der  Berliner  kurz-lang-Spannung  vom  französischen ­
  Privatdiskont  deutlich  den  Zusammenhang  mit  der
deutsch-französischen  Zinsdifferenz,  mit  dem  höheren  deutschen ­
  Privatdiskont  also.  Sobald  der  französische  Wechselkurs ­
  dagegen  niedrig  steht,  hört  der  Zusammenhang  sogleich
auf.  Letzteres  zeigt  sich  am  deutlichsten  in  der  zweiten
Hälfte  des  Jahres  1904,  wo  der  Frankenkurs  selbst  fast
dauernd  in  der  Nähe  der  Parität  sich  bewegte.  Trotz  eines
höheren  deutschen  Diskonts  folgt  die  kurz-lang-Spannung
dennoch  dem  Pariser  Satz,  —
Man  kann  das  Ergebnis  so  formulieren;  „Die  Differenz
zwischen  kurzer  und  langer  Sicht  richtet  sich  nach  dem  ausländischen ­
  Privatdiskont;  ist  der  inländische  Privatdiskont
mindestens  um  das  Valutarisiko  höher,  so  richtet  sich  die
Differenz  nach  dem  inländischen  Diskontsatz.“  Unter  Benutzung ­
  der  von  Suntych 3 )  aufgestellten  Formeln  läßt
sich  das  Valutarisiko  hierbei  auf
1)  Über  Umfang  und  Technik  dieser  und  ähnlicher  Geschäfte
siehe  Suntych,  Technik  der  Wechselpensionen,  Zeitschr.  f,  handelswissenschaftl,
  Forschung,  Bd,VI,,  und  Prion,  Das  deutsche  Wechseldiskontgeschäft, ­
  Schmollers  Forschungen  Heft  127.
2)  Ebenda  S.  410,  Diagramm  II.
3)  a,  a.  O
        <pb n="139" />
        135  —

400

Go—Sch,

beziffern,
Go
Sch
P

wobei,  dreimonatliche  Laufzeit  vorausgesetzt,
=  oberer  Goldpunkt,
=  Scheckkurs  bei  Begebung  des  langen  Wechsels,
=  Parität

ist.

Sobald  also  der  inländische  Privatsatz  um  400

Go—Sch.
P

höher  steht  als  der  ausländische,  hört  letzterer  auf,  die
Spannung  kurz-lang  zu  bestimmen.
Hinsichtlich  des  asiatischen  Verkehrs  bleiben  noch  die
Wechselzinsverhältnisse  in  der  umgekehrten  Richtung  für
Ziehungen  von  Europa  nach  Asien  zu  erörtern.
Man  rechnet  von  hier  nach  drüben  mit  ganz  runden
Zinssätzen,  die  in  längeren  Zeitabschnitten  von  den  europäischen ­
  Filialen  der  Überseebanken  durch  Zirkular  der
Kundschaft  mitgeteilt  werden,  wobei  die  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai ­
  Banking  Corporation  ausschlaggebend  ist.  Im  allgemeinen ­
  beträgt  der  Satz  6%;  benutzt  wird  er  im  geschäftlichen
Verkehr  in  der  früher  erwähnten  Zinsklausel  der  europäischen ­
  Tratten  auf  den  Osten.  Der  Zinssatz,  beruhend  auf
Übereinkommen  der  am  östlichen  Verkehr  beteiligten  Banken ­
  und  hauptsächlich  den  Intentionen  der  Hongkong  &amp;amp;
Shanghai  Banking  Corporation  entsprechend,  kann  keinen
besonderen  Anspruch  auf  Angemessenheit  erheben,  besonders ­
  da  er  für  verschiedene  asiatische  Plätze  gilt  und  dazu
nicht  häufig  genug  festgesetzt  wird,  jedoch  dürfte  für  den
regulären  Warenhandel  ein  solch  summarisches  Verfahren
vollauf  genügen.  Für  größere  Geschäfte  nach  dem  Osten
gibt  der  Satz  eine  schlechte  Kalkulationsbasis  ab.  Vielleicht
läßt  sich  praktisch  eine  bessere  finden,  indem  man  vom
jeweiligen  Londoner  Marktsatz  ausgeht  und  für  die  einzelnen ­
  Plätze  einen  entsprechenden  Zuschlag  berechnet,  dessen
Höhe  sich  in  etwa  aus  den  hier  gegebenen  Diagrammen
schätzen  läßt.
        <pb n="140" />
        136

III.  Schlußbemerkungen,
Der  allgemeine  Charakter  der  untersuchten  asiatischen
Wechselkurse  läßt  sich  dahin  zusammenfassen,  daß  von  den
sonst  auf  die  Wechselkurse  Wirkung  ausübenden  Faktoren
die  internationale  Zinsdifferenz  an  Einfluß  wesentlich  eingeschränkter ­
  erscheint,  als  man  dies  bei  europäischen  Kursen ­
  gewohnt  ist,  und  daß  statt  dessen  das  Verhältnis  von
Import  zu  Export  bei  der  Kursgestaltung  im  Vordergrund
steht.  Daraus  darf  man  schließen,  daß  hier  die  kreditwirtschaftliche ­
  Verflechtung  auch  relativ  geringer  und  daher  das
Drängen  nach  tatsächlicher  Ausgleichung  der  internationalen ­
  Schuldverhältnisse  stärker  ist  als  etwa  im  deutsch-engenglischen ­
  Verkehr,  der,  wie  die  Untersuchungen  S  c  h  m  alenbachs
 1 )  dargetan  haben,  die  Forderungen  hüben  und
drüben  so  sehr  nach  dem  Zins  bewertet,  daß  Wechselkurs
und  Zinsdifferenzlinie  fast  parallel  verlaufen.  Zu  dem  Drängen ­
  nach  tatsächlicher  Ausgleichung  paßt  auch  der  größere
Anteil,  den  die  Edelmetallbewegung  vom  Gesamtverkehr
Asiens  ausmacht.  Hierher  gehört  auch  der  Umstand,  daß
die  Banken,  die  den  Kurs  machen,  ganz  regelmäßig  hüben
und  drüben  mit  eigenen  Niederlassungen  vertreten  sind;  an
sich  müßte  daraus  eine  relativ  stärkere  Berücksichtigung
von  Zinsdifferenzen  folgen,  aber  es  scheint,  daß  durch  das
Prinzip  des  Selbstgenügens  das  Drängen  nach  tatsächlicher
Ausgleichung  verstärkt  wird.
Eine  andere  gemeinsame  Besonderheit  der  asiatischen
Kurse  ist  darin  zu  sehen,  daß  vielfach  die  freie  Preisbildung
beeinträchtigt  erscheint.  In  Indien,  den  Straits  und  in  Japan
sind  es  die  Regierungen,  die  in  dieser  oder  jener  Weise  auf
den  Kurs  einwirken,  auf  der  ganzen  Linie  aber  wirken  die
aus  der  Kleinheit  und  der  völlig  privaten  Organisation  des
Wechselmarktes  folgenden  Mängel,  die  das  richtige  Funktionieren ­
  der  Preisbildung  gefährden.  Namentlich  sagt  man
der  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking  Corporation  nach,  daß
sie  in  der  Lage  sei,  die  Kurse  ihrem  Interesse  entsprechend
zu  beeinflussen,  und  daß  sie  von  dieser  Möglichkeit  auch
1)  Schmalenbach,  Der  Kurs  des  Pfund  Sterling  Wechsels,
Zeitschr,  f.  Handelswissenschaftl,  Forschung,  Bd.  1,
        <pb n="141" />
        137

ausgiebigen  Gebrauch  mache.  Die  Mittel  zu  entscheidendem
Eingreifen  auf  dem  Wechselmarkt  stehen  der  Bank  neben
ihrem  Kapital  von  15  Mill.  $  und  ihrem  Reservefonds  von
31  Mill,  $  in  dem  Notenrecht  und  den  fremden  Geldern  zur
Verfügung,  die  sich  nach  der  Bilanz  vom  30.  Juni  1911  auf
156  Mill,  $  Kreditoren  in  laufender  Rechnung  und  116  Mill.
$  feste  Depositen,  beides  Gold-  und  Silberkonten  zusammengerechnet, ­
  beliefen.  Die  Deutsch-Asiatische  Bank  kann  demgegenüber ­
  nur  7 x / 2  Mill,  Schanghai-Taels  Kapital,  U/ 2  Mill,
Taels  Reserven  und  rund  40  Mill,  Taels  Kreditoren  für  1910
aufführen.
Eine  Untersuchung  darüber,  ob  etwa  die  Kurse  der  beiden ­
  genannten  Banken  größere  Verschiedenheiten  aufweisen,
  führte  zu  folgendem  Ergebnis:  Die  sämtlichen  1.1,Kurse
des  Jahres  1910  stimmten  im  großen  und  ganzen  überein,
Differenzen  bestanden  in

Kalkutta
Hongkong
Schanghai
Yokohama
Singapur

an  einzelnen  Tagen  von

1/32  d
1/16  „
1/16—3/16  c
1/16  d
1/32—1/8  d.

Dagegen  ergab  sich  für  die  Deutsch-Asiatische  Bank  im
Gegensatz  zur  Hongkong  &amp;amp;  Shanghai  Banking  Corporation,
daß  die  von  der  ersteren  herrührenden  Kursnotizen  sehr
häufig,  mitunter  mehrere  Tage  in  der  Berliner  Börsenzeitung
fehlten,  und  zwar  vielfach  gerade  dann,  wenn  in  der  Zwischenzeit ­
  größere  Kursveränderungen  vor  sich  gegangen
waren.
Als  für  unsere  nationalen  Wirtschaftsinteressen  wichtige ­
  Erscheinung  ist  endlich  das  außerordentliche  Überwiegen ­
  der  englischen  Valuta  zu  beachten,  neben  der  sich
die  Markwährung  und  der  direkte  deutsch-asiatische  Zahlungsverkehr ­
  im  asiatischen  Geschäft  noch  sehr  stark,  jedenfalls ­
  stärker  im  Hintertreffen  befindet,  als  es  das  Verhältnis
der  Warenumsätze  angemessen  erscheinen  läßt.  Das  mag
man  bedauern,  ohne  jedoch  hierin  durch  irgendeine  bewußt
vorgenommene  Maßnahme  auf  einmal  eine  Änderung  herbeiführen ­
  zu  können.  Der  Errichtung  eines,  bei  der  mangelhaf-
        <pb n="142" />
        —  138  —
ten  Preisbildung  vielleicht  sehr  nützlichen  Marktes  asiatischer ­
  Wechsel  in  Deutschland  steht  nach  Ansicht  von  Beteiligten ­
  namentlich  der  Umstand  entgegen,  daß  „ein  börsenmäßiger ­
  Verkehr  in  asiatischen  Wechseln  deshalb  nicht  in
Frage  kommt,  weil  der  Wechselverkehr  nach  und  von  dem
Osten  auf  der  Basis  von  Warenverschiffungen  erfolgt,  deren
Gegenwert  von  der  Zahlung  des  Wechsels  bis  zu  seiner  Einlösung ­
  in  den  Händen  der  betreffenden  Bank  verbleibt“.
        <pb n="143" />
        A.  MARCUS  &amp;amp;  E.  WEBERS  VERLAG  BONN

Moderne  Wirtschaftsgestaltungen
Veröffentlichungen  des  Kölner  Museums  für  Handel  und  Industrie
herausgegeben  von  Dr.  Kurt  Wiedenfeld
Prof,  der  Staatswissenschaften  an  der  Handelshochschule  Köln.

HEFT  I
Das  rheinisch-westfälische  Kohlensyndikat
von
Prof.  Dr.  Kurt  Wiedenfeld
Textband  und  Beilagenheft  zusammen  7.50  M.
Die  Beschäftigung  mit  der  Wiedenfeld'schen  Arbeit  kann  ganz  besonders ­
  denjenigen  nur  dringend  angeraten  werden,  die  an  der  Regelung  wirtschaftlicher ­
  Fragen  nach  irgend  einer  Richtung  beteiligt  sind.
Marine-Rundschau  Januar  1913.
So  darf  es  als  ein  Verdienst  um  unsere  Wirtschaftsgeschichte  und
unsere  Wirtschaftspolitik  bezeichnet  werden,  wenn  uns  in  klarer  und  bündiger
Form  eine  Darstellung  von  den  Kämpfen  dieses  Organismus  gegeben  wird,
wie  es  durch  Kurt  Wiedenfeld  in  seinem  neu  erschienenen  Werke  geschehen  ist.
Zeitung  des  Vereins  deutscher  Eisenbahnverwaltungen  15.2.13.
Das  mit  zahlreichen  Tabellen  ausgestattete  und  klar  geschriebene  Buch
darf  wohl  als  die  bisher  beste  wissenschaftliche  Arbeit  über  das  volkswirtschaftlich ­
  so  bedeutsame  deutsche  Syndikat  gelten.
Frankfurter  Zeitung  15.  5.  1913.
Die  wissenschaftlich  durchgeführte  Arbeit  wird,  trotzdem  sie  einen  in
der  letzten  Zeit  mehrfach  behandelten  Gegenstand  betrifft,  in  den  Kreisen
aller,  die  sich  für  volkswirtschaftliche  Fragen  interessieren,  um  so  willkommener ­
  aufgenommen  werden,  als  die  schwebende  Frage  der  Erneuerung  des
Rheinisch-westfälischen  Kohlensyndikats  mehr  und  mehr  auch  die  Allgemeinheit ­
  zu  beschäftigen  beginnt  und  dabei  jeder  die  Bedeutung  des  Syndikats  beleuchtende ­
  Beitrag,  zumal  aus  berufener  Feder  nur  dankbar  begrüßen  kann.
Zeitschrift  für  das  Berg-,  Hütten-  S  alinen-W  es  en
im  Preußischen  Staate.  Heft  3,  Band  60.
Ein  besonderer  Band  von  Karten  und  zeichnerischen  Darstellungen  veranschaulicht ­
  noch  die  verschiedenen  Entwicklungsvorgänge,  die  in  der  nationalökonomischen ­
  Literatur  bisher  noch  nicht  in  der  Schärfe  und  Reinheit
herausgearbeitet  worden  sind,  wie  dies  Wiedenfeld  gelungen  ist.
Kölnische  Zeitung  4.  10.  12.
HEFT  II
Die  Ruhrhäfen,  ihre  Industrie  und  ihr  Handel
Von  Dipl.-Handelslehrer  JOH.  KEMPKENS.
Mit  Diagrammen  und  einem  großen  Hafen-  und  Industrieplan.
Preis  5.60  Mk.
        <pb n="144" />
        A.  MARCUS  UND  E.  WEBERS  VERLAG  BONN

Das  preußische  Gewerkschaftsrecht
unter  Berücksichtigung  der  übrigen  deutschen  Berggesetze,

kommentiert  von
Wilhelm  Westhoff,
Rechtsanwalt  in  Dortmund,
in  zweiter  Auflage  bearbeitet  von
Fritz  Bennhold,
Geheimer  Bergrat  und  Vortragender  Rat  im  Ministerium  für  Handel  und  Gewerbe.
1912.  In  Leinen  gebunden  7  Mark.

Allgemeines  Berggesetz
für  die  preußischen  Staaten.
Von  Dr,  jur.  H.  Brassert.
Zweite  Auflage  bearbeitet  von
Dr.  jur,  Hans  Gottschalk,
Rechtsanwalt  in  Dortmund.
Der  jetzt  vorliegende  Teil  des  Gesamtwerkes  kann  einzeln  nicht
erworben  werden.  Seine  Abnahme  verpflichtet  vielmehr  auch  zum
Kauf  des  im  Herbst  1913  erschienenen  zweiten  Teils.  Preis  des  vollständigen ­
  broschierten  Exemplares  22  Mark.  Nach  Ausgabe  des
zweiten  Teiles  kosten  in  Halbfranz  gebundene  vollständige  Exemplare
24  Mark  50  Pf.

Das  preußische  Wassergesetz
auf  Grund  der  Verhandlungen  des  Landtags  erläutert
von
Dr,  Hans  Gottschalk,
Rechtsanwalt  in  Dortmund.
24  Bogen.  Preis  gebunden  7  Mark,
        <pb n="145" />
        Hongkong.

m.L  n

Schanghai.
        <pb n="146" />
        Abweichungen  der  chinesischen  Wechselkurse  vom  Londoner  Silberpreis
        <pb n="147" />
        Dr.  WALTER  MAHLBERG
Professor  der  Privatwirtsehaftslehro  an  der  Handels-Hoclisckalö  Mönchen
Bilanztechnik  und  Bewertung
bei  schwankender  Währung
(Betriebs-  und  Finanz  wirtschaftliche  Forschungen.  Herausgegeben  von
Prof.  Dr.  F.  Schmidt.  Heft  10.)  VIII  und  67  Reiten.  Geheftet  M.  12.—
Die  Untersuchung  wendet  sich  an  fachmännisch  geschulte  Leser  aüs  der  Bilanzpraxis. ­
  Sie  Tersucht,  eine  Berechnungs-  und  Bewertungstechnik  aufzustellen,  wie
sie  rein  betriebswirtschaftlich,  zunächst  ohne  Rücksicht  auf  andere  Einflüsse
etwa  juristischer,  steuerlicher  oder  volkswirtschaftlicher  Art,  sich  gestaltet.
Der  Zweck  der  Buchhaltung
IV  und  26  Seiten.  Geheftet  M.  4.—-„Der
  Verfasser  bringt  Zweck  und  Organisation  der  doppelten  Buchhaltung
in  ein  neues,  sicherlich  geistreiches  System.  Für  den  Lehrer  der  Handelswissenschaften ­
  darf  die  Darstellung,  namentlich  in  Verbindung  mit  Schmalenbachs
dynamischer  Bilanzlehre  genossen,  erhöhtes  Interesse  mit  liecht  beanspruchen.“
Mitteilung  d.  Verb.  bayr.  Lehrer  für  Haudelswissenschaften,  München.
Dr.F.  SCHMIDT
ordentl.  Professor  an  der  Universität  Frankfurt  a.  M.
Band  I:
Der  nationale  Zahlungsverkehr.  2.  erweiterte  Auflage.
VIII  und  240  Seiten.  Gebunden  M.  22.—
„Der  Verfasser  hat  mit  hervorragender  Fachkenntnis  und  Gründlichkeit
die  im  Deutschen  Reiche  herausgebildeten  Zahlungsmöglichkeiten  wissenschaftlich ­
  untersucht,  auf  deren  Schäden  hingewieseu  und  zur  Beseitigung
derselben  geeignete  Vorschläge  gemacht.“  JurUtisohes  Literatur«  att,
Band  II:
Internationaler  Zahlungsverkehr  u.W  echselkurse
X  und  406  Seiten.  Gebunden  M.  20.—*
„Dieses  Buch  zeigt,  von  unten  aufbauend,  dem  Praktiker  die  theoretischen
Zusammenhänge,  dem  Theoretiker  die  Verfahrensweisen  der  Praxis  und  gelangt
auf  diesem  Wege  schließlich  zu  Beweisen  für  die  vertretenen  Ansichten,  die  an
Lückenlosigkeit  das  Ergebnis  der  bisherigen  Forschungen  ttbertreffen.“
Bankbeainten-Zeituag.
„Will  man  schließlich  eie  Gesamtnrteil  über  das  Schmidtsche  Werk  abgeben,
so  möchte  ich  es  als  das  beste  und  umfassendste  der  bisher  vorliegenden  einschlägigen ­
  AVerke  bezeichnen,“  Zeitschrift  für  Handelawilsenschaft  tmd  Handelspraxis.
*)  Hierzu  30*/ o  Verlags-Teuerungs-Aufschlag.
6.  A.  GLOECKNER,  VERLAGSBUCHHANDLUNG  IN  LEIPZIG
        <pb n="148" />
        57

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ansdifferenz  auf  den  Wechselkurs  1 ).  Daß  das
h  in  diesem  Sinne  als  Ausnahme  darstellt,
ills  für  die  Annahme,  denn  1907  stand  überall
ig  der  Geldverhältnisse  weitaus  im  Vorderihrigen
  darf  man  aus  der  geringen  Parallelität
:urs  und  Zinsdifferenz  folgern,  daß  für  Indien
adel  hauptsächlich  den  Wechselkurs  bestimmt
dtung  der  Zinsverhältnisse  an  Bedeutung  zus
  paßt  zu  dem  agrarischen  Charakter  des  Lan-Handelsorganisation
  und  zu  den  drüben  als
henen  Schwankungen  des  Wechselkurses.  Man
über:  „Die  hiesigen  Wechselkurse  auf  Europa
periodische  Schwankungen;  dieselben  sind  gell. ­
  in  normalen  Jahren,  Dezember-Februar,
Je  Burma-Reisernte  und  die  Baumwollernte  in
m  Provinzen  in  vollem  Schwünge  sind,  am
vächen  sich  im  März-April,  wenn  diese  Ernten
meist  etwas  ab,  steigen  Ende  April-Juni  wiesr
  Export  in  Saaten  und  Weizen  stattfindet,
Juli  und  Anfang  August,  da  dann  in  fast  ganz
Aportgeschäft  ruht,  ihr  niedrigstes  Niveau  und
August  wieder  aus  Anlaß  der  Jutesaison."
diese  Schwankungen  ebenfalls  aus  den  Dia-:sen
  lassen,  ist  man  berechtigt,  auch  für  prakliche
  Zwecke  mit  ihnen  zu  rechnen.  Von  dem
Hskontsätze  ist  zu  behalten,  daß  vielfach  die
angen  der  Bank  von  Bengalen  den  Wechselziehen, ­
  während  die  Londoner  Änderungen  in
kungslos  bleiben,  und  daß  zudem  teurer  Geld-&amp;gt;pa
  mit  starker  Geldnachfrage  in  Indien  und
i  Lieh  die  Zeiten  des  leichtesten  Geldstandes
üben  zusammen  fallen.

fessor  W  a  1  b,  Cöln,  weist  mich  darauf  hin,  daß  bei
ssen  die  Anlagemöglichkeiten  für  ausländisches  Kapi-^u
  beachten  sind;  es  fehle  hier  die  Einrichtung  der
        <pb n="149" />
        ﻿
        <pb n="150" />
        ﻿
        <pb n="151" />
        ﻿
        <pb n="152" />
        ﻿
        <pb n="153" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
