14 Boden des Ganzen und für das Ganze in größtmöglichster Frei heit zur größtmöglichen Entfaltung der sozialen Energien zu ge langen. Das allgemeine Prinzip der Arbeit des Einzelnen im eigenen notwendigen Interesse aber für das Ganze und im Rahmen des Ganzen führt zur Gleichrichtung aller Kräfte in der Volks wirtschaft, auch zur Interessengemeinschaft zwischen Kapital und Arbeit. Der Sozialindividualismus baut also von unten auf, alle Kräfte in der gleichen Richtung zu dem gleichen Ziele führend, naturnotwendig aus dem Eigen interesse heraus. Der Sozialindividualismus ist keine Theorie, sondern Wirklichkeit. Er gründet sich auf die bestehende, historisch gewordene Rechtsordnung, und seine wirtschaftliche Durch führung verlangt keine Umstellungen, sondern nur die gerechte Wertung der in der Wirtschaft tätigen Kräfte. Der Sozialindivi dualismus ist die Ersetzung der sozialen Ungerechtigkeit in der Wirtschaft durch allgemeine soziale Gerechtigkeit. Er ist die selbstverständliche Lösung, sobald der Arbeit ihrem Werte und ihrem Rechte nach Gleichheit mit dem Kapital zugesprochen wird. Die Gleichberechtigung, die als das Symbol der neuen Zeit gilt, begründet und bedingt in der Wirtschaft den Sozialindividua lismus. Dem entspricht die praktische Lösung. Die Gleichberech tigung von Kapital und Arbeit ist so zu verstehen, daß dem arbeitenden Menschen sein bisher vorenthaltenes Recht gegeben wird. Arbeit war bisher eine Ware, die man kaufen konnte. Wenn man sie gekauft hatte, ging es den Arbeitenden nichts an, was der Käufer damit machte. Mit Lohn oder Gehalt wurde er abgefunden, der Dienstvertrag begrenzte seine Rechte dahin, daß er die Arbeit gab und den Preis dafür erhielt. Der Kampf um ein menschenwürdiges Dasein führte zum Schutz der arbeitenden Persönlichkeit. Die sozialen Rechte aber, die dem Arbeiter ver liehen werden, bildeten nur einen Schutz für seine Persönlichkeit, und erst das Betriebsrätegesetz schuf ein Recht des Arbeiters im Betriebe, in dem früher der Unternehmer nach seinem Willen frei geschaltet hatte. Die Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit setzt die Arbeit als Wert in die Volkswirtschaft ein, der nicht mehr käuflich ist, sondern mit dem sich das Kapital assoziieren muß, wenn es ihn gewinnen will. Die Arbeitskraft wird dadurch gewissermaßen kapitalisiert. Von dem Gesamtkapital, das die Arbeitskraft eines Menschenlebens darstellt, setzt der arbeitende Mensch einen gewissen Teilbetrag ein, der durch die