37 Muß man denn immer auf das berühmte Gleichnis von Menenius Agrippa über den Streik der Glieder gegen den Magen zurückgreifen, um der Arbeit sowohl wie dem Kapital vor Augen zu führen, wie sehr beide aufeinander angewiesen sind und wie schwer sie ein ander und sich selbst durch gegenseitigen Kampf schädigen ? Arbeit ist im Produktionsprozeß ohne Kapital ebenso unfrucht bar wie Kapital ohne Arbeit. Da heißt es, eine Basis zum Zu sammenwirken finden, aber nicht eine Basis zum gegenseitigen Kampf, und wenn der Sozialismus das Kapital als ursprünglich vorausgetane Arbeit anerkennt, so sollte er die Folgerung ziehen, daß auch gegenwärtig die Arbeit Kapital für die Zukunft bildet, das nach meinem Wirtschaftssystem, wie es sich gerechterweise entwickeln muß, künftig auf Kapital und Arbeit verteilt wird. Ich sehe bei beiderseitigem guten Willen keine Unmöglichkeit in der Überbrückung der gegenseitigen Interessen. Der Aufstieg der Arbeiterschaft aus dem Dienstverhältnis zu einem Ge nossenschaftsverhältnis scheint mir der gegebene Weg, auf dem die Interessen zusammengeführt werden können und, in gleiche Richtung gebracht, die Entwicklung der Wirtschaft in sich ent halten. Wie glaubt man auch sich gegen diese Entwicklung, die doch von selbst gegeben ist, und sich mit elementarer Kraft durchringt, auf die Dauer widersetzen zu können. Die Gewinnbeteiligung des arbeitenden Menschen ist nicht mehr aufzuhalten, seitdem prak tische Versuche zu Erfolgen geführt haben, und für sie ist auch bereits in der Gewinnbeteiligung der englischen Berg arbeiter an den Erträgen der Industrie ein unmittelbares Vor bild gegeben, nur daß das Schema der englischen Gewinnbeteiligung auf Grund eines festen Zahlenverhältnisses und nur für einen Industriezweig, den Bergbau, durchgeführt ist. Das Prinzip hat indessen gesiegt, nicht als Polge einer Arbeiterforderung, sondern einer weisen Voraussicht der englischen Regierung, die dem eng lischen Wirtschaftsfrieden reiche Früchte tragen wird. Schema tisch eingesetzte Zahlen können indessen nienals der Ausdruck eines vollkommenen und einheitlichen Wirtschaftssystems werden, und dieses Moment hat dazu geführt, daß die bisherigen Ansätze zur Lösung in Deutschland sich nicht in wünschenswerter Weise entwickelt haben. Sehr mit Recht hat Abbe, der Begründer der Zeiß-Stiftung in Jena, erklärt, daß eine Verbesserung der Lage des abhängigen Arbeiters ohne den gleichzeitigen Versuch einer Hebung seiner Rechtslage nur eine täuschende Dekoration ist. Durch