47 lande eine Goldmark mit 15 Papiermark bewertet. Selbstverständ lich kann die Regierung die Entwicklung nicht weiter nur gewähren lassen. Die Kosten müssen aufgebracht werden und müssen einst weilen daher genommen werden, wo überhaupt Werte vorhanden sind. Da die Regierung sich noch auf kein Mittel geeinigt hat, die Produktivität der deutschen Wirtschaft im allgemeinen zu erhöhen, so halte ich für den gesündesten Weg eine vorläufige weit gehende einstweilige Inanspruchnahme der deutschen Sachwerte als Reichsdarlehn. Man kann sich noch immer dann nach ruhiger Überlegung darüber schlüssig werden, inwieweit die Sachwerte steuermäßig vom Reiche beansprucht werden sollen. Die erste Notwendigkeit, Deckung zu schaffen für die Zahlungen, die unmittel bar bevorstehen, würde immerhin auch durch die darlehnsweise Inanspruchnahme der Sachwerte, die ohne Bedenken einstweilen auch zinslos erfolgen könnte, erfüllt. Man soll die Möglichkeit nicht leicht von der Hand weisen, zu nächst einmal die deutsche Wirtschaft auf ein normaleres Geleise zu bringen, ehe man aus ihr die außerordentlichen Er träge herausziehen kann. Die Milhardenforderungen verlieren ihre Schrecken, die sie heute haben, sobald eine Papiermark sich dem früheren Goldwert wieder erheblich angenähert hat. Die Annä herung der deutschen Preise an die Weltmarktpreise darf infolge dessen nicht durch enorme Preiserhöhungen in Deutschland vor genommen werden, sondern muß durch Erhöhung der deut schen Valuta versucht werden, und wenn der Optimismus der Regierung so weit reicht, mit der entwerteten Mark die Reparationen abzuleisten, so kann man es nicht verstehen, daß man in der Er höhung der deutschen Valuta eine Unmöglichkeit erblicken will. Die Inanspruchnahme der Gold- und Wertgegenstände in deut schem Privatbesitz als Mittel zur Erhöhung der Valuta wäre in vollstem Maße zu rechtfertigen, ihre Inanspruchnahme für unmittel bare Zahlungen an die Entente würde ohnehin auf den heftigsten Widerspruch der Besitzer dieser Werte stoßen müssen und zu nichts anderem führen, als zu einem riesigen Versuch, den Staat durch Hinterziehung und Verbergung dieser Werte zu betrügen. Gegen eine außerordentliche Erhöhung der Steuern kann man schwer etwas einwenden, da in erster Linie die Notwendigkeiten erfüllt werden müssen, wenn das Reich nicht in die schwersten politischen Wirren gestürzt werden soll. Wenn die kommende Steuerflut aber nur dazu führt, immer stärker entwertetes Papiergeld in die Reichskassen zu fördern, dann hat sie ihren Zweck verfehlt.