17 Wenn unter ben westlichen Vororten mehr Orte mit verhaltnismahig germgerer Klassenfrequenz vorhanden find, so beweist bas wenig. Die Klassenfrequenz mutz hier im Rahmen bes geltenben Schulsystems geringer fetn, Weil eben nicht mehr Kinber vorhanben smb. Das ist aber nur vor- ubergehenb. Die Belegung wirb aber unbebingt starker feirt, sobalb bie Kinberzahl wach st. Grunewalb hat bei 239 Kinbern 34, Dahlem bei 100 Kinbern 33 in einer Klasse. Mit bemselben Recht konnte aber Neukolln bie Gemeinbe Berlin-Heinersborf mit 900 Einwohnern, 121 Schul- kinbern nnb einer Klassenfreqnenz von 30 (bie geringste in ganz Groh Berlin) zu ben besonbers leistungsfahigen Gemeinben zahlen. Fur bie Klassenfrequenz in einem grohen Teil anberer preuhischer Grohstabte steht bie Statistik bei Silbergleit, Prenhens Stabte, Berlin 1908, znr Verfugung. Sie betrifft bas Jahr 1906, kann aber, ba es sich nur um bas Verhaltnis ber Stabte zneinanber, nicht um bie absolnten Zahlen hanbelt, sehr wohl be- nntzt werben. Neukolln hatte bamals 58 Kinber im Klassenburchschnitt. 38 von ben 110 aufgefuhrten Stabten hatten eine grohere Frequenz, 7 stanben Neukolln gleich, so bah sich bie Frequenz ber Klassen in Neukolln burchaus aus einer mittleren Linie bewegt*). Was bie Aufwenbungen fur ein Schulkinb betrifft, so kaun (wenn seststeht, stir welchen Normalsatz ein Kinb orbnungsmahig beschult werben kaun) aus einer besonbers g e r i n g e n Kopfquote vielleicht gefolgert werben, bah bie Gemeinben nicht geuugenb Mittel zur orbeutlichen Ausgestaltung ihres Schulwesens besitzen. Sicherlich smb aber bie Aufwenbungen, wenn man bie Zahlen ber Neukollner Statistik zugrunbe legt, im Verhaltnis zu ben Aufwenbungen Berlins nnb ber westlichen Vororte burchaus normal nnb geben keinen Anlah zu ber Vermutung, bah unzulassig aus Kosten ber Kinber gespart werbe nnb gespart werben muffe, wobei bemerkt wirb, bah bie Berechnung ber Berliner Kopfquote beswegen so niebrig ist, Weil Neukolln zwar bei alien ben Gemeinben, bie ihre Schulen aus Anleihemitteln bauen (vergl. Tabelle Anhaug II e), bie Zinsen nnb Tilgungsraten bet Anleihen, auch soweit es sich um bie Beschaffung bes Grunb uub Bobens hanbelt, unter bie Ausgaben setzen, wahrenb beispielsweise in Berlin nnb Charlottenburg bie aus laufenben Mitteln gebeckten Aufwenbungen fur ben Grunb unb Boben unb bie Bau- kosten nicht berechnet stub. Die absolnten Aufwenbungen stir bie Volksschulen betrugen banach in Berlin fur 1913: 37114 950 M (wahrenb Neukolln fur 1911: 25 307 902 Ji berechnet), in Charlottenburg uach ber Berech nung Neukollns (fur 1911) 3 244 075 M, bei richtiger Berechnung (1913) 4 540 378 M. Neukolln berechnet einen Durchschnitt von 108,7i fur Groh Berlin anschei- nenb als Normalsatz unb will, inbem es ben burchschnittlichen Aufwanb ber ostlichen Bororte mit 88,«s hiermit vergleicht, ben Anfchein erwecken, bah bie ostlichen Vororte im allgememen zu wenig aufwenben konnen, unb insbe- sonbere, bah bie Gemeinbe Neukolln mit 74,os noch weit unter biesem Durch schnitt steht. Die Festsetzung eines Normalsatzes mit Hilfe ber Durchschnittsberechnung fur bie Gemeinben Groh Berlins ist aber falsch. Um zu berechnen, ob eine Gemeinbe mit geringeren Kraften hinter bem Normalen zuruckbleibt, kann nicht mit in Berechnung gezogen werben, was bie wohlhabenben Gemeinben teilweise frei- willig, teilweise gezwungen burch bie Verhciltnisse (Grunbstuckspreise usw.) leisten mussen. Die Aufwenbungen ber Gemeinben auf ben Kopf bes Schulers in ben anberen Gemeinben Prenhens sinb benn auch bebeutenb geringer. Aus ber ber Petition ber groheren preuhischen Lanbgemeinben beigegebenen Statistik ergibt sich, bah von ben groheren Lanbgemeinben keine auch nur annahernb an bie Aufwenbungen fiir ben Kopf eines Schulers in ben Ber liner Vororten heranreicht. Die Durchschnittsaufwenbung betragt in ben nicht zu Groh Berlin gehorigen 70 Orten 45,«s M; Griesheim in Hessen-Nassau mit 69, Thale am Harz mit 66,so unb Bohwinkel, ein Ort mit charakte- ristischem Vorortgeprage mit 66,i« M, uberragen bei weitem. Die ein- zelnen Betrage smb aus ber Seite 20/21 befinblichen Aufstellung zu ersehen (Spalte 2). Auch hinsichtlich ber L e h r e r b e s o l b u n g ist bie Klage ber Vororte, bah sie es Berlin nicht gleich tun konnten, unberechtigt. Vergleicht man bie zu Gebote stehenben Zahlen sur 1910, so ergibt sich, bah bie Gehalter im Rahmen ber gegeuwartigen Verhaltnisse angemessen smb. Die Angemessenheit laht sich wieber nur burch Gegenuberstellung ber Zahlen in anberen Stabten prufen. Das Vorliegen einer wirtschaftlichen Einheit erforbert bie Gleichheit ber Ortszulagen nicht (vgl. S. 12 Anm.). Die Neukollner unb Lichtenberger Ortszulagen (600 M in 31 Jahren unb 750 M in 31 Jahren) liegen burch aus auf gleicher Basis mit anberen Grohstabten, wie aus ber llebersicht im Stat. Jahrbuch beutscher Stabte, XIX S. 400, zu ersehen ist (vgl. bort Dort- munb, Duisburg (400 M in 22 Jahren), Kiel 570 M in 22 Jahren, Konigs- berg 450 M in 28 Jahren, Magbeburg 550 M in 28 Jahren, Stettin 400 M in 25 Jahren). Gegenwartig erreichm in Neukolln bie Ortszulagen in 31 Jahren 750 M, in Lichtenberg in 31 Jahren 900 Ji. Uebrigens smb auch bie B e a m t e n g e h a l t e r in Groh Berlin nicht einheitlich georbnet, ohne bah sich erhebliche Mihstanbe gezeigt haben. *) Vergl. fiir das Jahr 1910 die Angaben ilber die Durchschnittsfrequenz der Klassen im Statist. Jahrbuch deutscher Stabte XIX S. 730, die — bei etwas anberen Zahlen — das gleiche Ergebnis erkennen laht (Neukolln ist hier schon auf 53,so gesunken.)