Einleitung. Der Weltkrieg und die Friedensschlüsse haben eine Lage geschaffen, der alles ratlos gegenübersteht. Nicht nur, daß wir uns mitten in den schwersten wirtschaft lichen und sozialen Krisen befinden — auch politischer Zünd stoff ist allerorts in Menge angehäuft. Die Zukunft sieht keineswegs friedlich aus. Die Ursachen dieser Weltlage sind vielgestaltig. Letzten Endes aber scheinen sie mir auf eine Grundursache zurüekzu- führen, die bisher nicht genügend gewürdigt wurde; Die Über völkerung. Die oberflächliche Betrachtungsweise, welche die Schuld am Weltkrieg einer oder der anderen Macht zuschieben und diese einseitig dafür zur Verantwortung ziehen will, findet nur mehr dort Glauben, wo sie als Voraussetzung für die Politik gebraucht wird. Unbeeinflußt Denkende haben längst eingesehen, daß die jahrzehntelange Spannung, die dem Weltkriege voranging und schließlich in ihm zur Explosion kam, tiefer wurzelte. Die landläufigste Ansicht ist heute, daß die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands die Eifersucht Englands erregt habe und dies die Kriegsursache war. Wirklich hatten Großbritannien und das Deutsche Reich eine überaus dichte Bevölkerung, deren Zahl von Jahr zu Jahr in einem derartigen Maße wuchs, daß die eigene Heimat zu eng wurde. Während aber England in seinem fast ein Viertel der festen Erdoberfläche umfassenden Kolonialbesitze die Möglichkeit dieser Ausdehnung bereits besaß, wollte sieh Deutschland den nötigen Landwehr, Übervölkertes Land. ' 1