Die Bevölkervmgsverhältnisse der Erde 21 Der Krieg hat diese Entwicklung ins Stocken gebracht. In den Bulletins der »Studiengesellschaft für soziale Folgen des Weltkrieges in Kopenhagen« werden die Mensehenverluste durch den Krieg, worunter die Summe der Kriegstoten, der Plusdiffe renz an Todesfällen unter der Zivilbevölkerung und der Minus differenz an Geburten zu verstehen ist, für ganz Europa mit 35 Millionen angegeben. Die größte Einwohnerzahl dürfte der Welt teil im Jahre 1915 mit schätzungsweise 470 Millionen gehabt haben. Gegenwärtig dürfte man der Wirklichkeit nahekommen, wenn man 449 Millionen rechnet. Derzeit haben nahezu alle am Kriege beteiligt gewesenen europäischen Staaten eine passive Bevölkerungsbilanz. Die stärksten Sterbeüberschüsse zeigten 1918 Frankreich (15°/oo) und Deutschland (1B% 0 ). Auch die Sukzessionsstaaten des Zarenreiches und der Österreichisch-ungarischen Monarchie zeigen hohe Bevölkerungsabgänge. Weitaus günstiger steht es diesbezüglich in England und Italien. Diese Stockung der Be völkerungszunahme dürfte infolge Fortdauer der Sterbetiber- schüsse und hoher Auswanderungsziffern noch einige Jahre an- halten. Gegenwärtig wächst die Bevölkerung nur in den wenigen nicht am Krieg beteiligt gewesenen Staaten, und zwar im ver schiedenen Maße. Dieser Rückschlag ist aber keineswegs so hoch einzuschätzen, daß er das Bild, das wir uns bisher von den Bevölkerungsver hältnissen Europas gemacht haben, wesentlich ändern würde. Ein ständiger Rückgang wäre nur zu erwarten, wenn die Lebensverhältnisse andauernd so schlecht bleiben würden, als sie in den ersten Nachkriegsjahren waren. Dies würde aber einen allgemeinen Kulturverfall Europas zur Voraussetzung haben. Wer an die Wiederkehr normaler Zeiten glaubt — und es sprechen doch viele Anzeichen dafür —, muß auch annehmen, daß die Bevölkerungszunahme in nicht zu ferner Zeit wieder beginnt. Dafür spricht auch die geschichtliche Analogie. JDenn vom Jahre 1800 bis 1835 nahm Europa trotz der Napoleonischen Kriege von 181 auf 245 Millionen Einwohner zu. Setzen wir aber sogar voraus, daß Europa im jetzigen De zennium keine Zunahme erfährt, also bis 1930 auf der heutigen