Das Städtewosen 25 Selbst berühmte Städte wie Nürnberg und Straßburg zählten im 15. Jahrhundert nicht mehr als 20.000 bis 25.000 Einwohner. London hatte Ende des 17. Jahrhunderts nur eine halbe Million. In ganz England gab es damals nur noch zwei Städte mit je 30.000 und vier mit je 10.000 Menschen. Mit dem Aufblühen der Technik und des Verkehrswesens trat ein Umschwung ein. Die Stadtbevölkerung wuchs nun weit rascher als die bäuer liche, und zwar nicht infolge des Geburtenüberschusses, der z. B. nach dem dreißigjährigen Durchschnitt in den Städten Preußens nur 1'05% betrug, während er auf dem Lande P42% erreichte, sondern in erster Linie durch Zuzug vom flachen Lande. Das angenehme Leben in den Städten, die vielfältigen Ver dienstmöglichkeiten, die dort bestehen, wohl auch die größere Sicherheit, lockten die Landbevölkerung herbei. Es entstand so eine bis in die Zeit des Weltkrieges anhaltende »Landflucht«, die es mit sieh brachte, daß sieh in den Städten viel arbeitsloses und unzufriedenes 'Proletariat anhäufte, während gleichzeitig auf dem Lande Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitern herrschte, so daß vielenorts die Bestellung der Felder und das Einbringen der Ernte nur durch ausländische Saisonarbeiter ermöglicht wurde. Diese Erscheinungen mögen durch einige Ziffern beleuchtet werden. In Frankreich betrug die städtische Bevölkerung im Jahre 1872; 31 - 06%; 1886:35’95; 1901; 36 22% der Gesamtbevölkerung. In Deutschland zählte sie: im Jahre 1871: 36T% : 1880: 41-4; 1890: 47'0; 1900: 54-3; 1910: 6D0; 1917: 7P3%. Das frühere Österreich hatte: im Jahre 1845; 22%; 1890; 45; 1900: 47'6; 1917: 69% städtische Bevölkerung. An größeren Städten (über 10.000 Einwohner) bestanden: In Deutschland: Im Jahre Städte Millionen Einwohnern 1880 176 mit zusammen 6 1890 205 » » 8-3 1900 245 » > > 11-3 1905 263 » » 133 1910 282 > » 15-3