34 Die Malthusichre Man wird bei der Beurteilung solcher Vorschläge nicht außer acht lassen dürfen, daß sie gerade bei jenem Teil der Bevölke rung unwirksam sind, von denen die eigentliche Volksvermehrung ausgeht. Wie .dem auch sei — jedenfalls gilt, daß, während diese und andere Folgerungen, die Malthus für die praktische Politik aus seiner Lehre gezogen hat, zweifelhaft sein mögen, die Haupt züge der Malthusschen Bevölkerungslehre mit den nötigen Ver besserungen, wie sie Psychologie und Statistik an die Hand geben, auch heute ziemlich allgemein anerkannt sind. Daß sich die Bevölkerung Europas rascher vermehrt hat, als die Lebensmittelerzeugung des Weltteils , znnahm, haben wir be reits besprochen. Vom Standpunkte Europas ist also der Malthüs- Satz richtig, und wir haben allen Grund, zu glauben, daß er bei weiterer Bevölkerungszunahme sich immer zutreffender erweisen werde. Auch für China, Indien und Japan stimmt er, also, kurz gesagt, für alle Ubervölkerungsgebiete. Wenn wir aber die Totalität der Erde ins Auge fassen, die eben noch nicht übervölkert ist, dann sahen wir bereits, daß ihr heu tiger Bevölkerungszustand die Menge der erzeugten Lebensmittel nicht überschreitet. Sonst hätten wir längst die Anzeichen einer Welthungersnot merken müssen, während doch der Zufluß aus anderen Erdteilen nach Europa ein überaus reichlicher war, so lange es nicht von der finanziellen Kalamität der Nachkriegszeit erfaßt war. Die Hungersnöte in China und Indien erklären sich durch mangelhafte Zivilisation, insbesondere mangelhaften Ver kehr und mangelnde Kaufkraft. Wenn diese Faktoren behoben wären, würde es keinem Zweifel unterliegen, daß deren Notstand durch Zuschub von außen behebbar wäre. Wenn eine internationale Organisation bestände, die dafür sorgt, daß solchen Äbgangsgebieten das Nötige geliefert werde, könnte die Erde ihre heutige und eine noch viel größere Be- völkernngszahl ertragen. Allerdings gilt dies, wie wir auf Seite 10 besprachen, nur mehr für einige Jahrhunderte. Denn für dicht bevölkerte Gebiete hat sich der Malthus-Satz, daß die Bevölkerung rascher zunimmt als die Nahrungsmittel, wahr erwiesen. Es gibt also eine Grenze, über die die Bevölkerung nicht wachsen darf, ohne Mangel zu leiden. Bei dem heutigen Kulturgrade Europas