Die Malthuslehre 36 haben wir diese Grenze mit etwa 100 Einwohnern pro Kultur quadratkilometer angenommen. Als Ursache des sozialen Elends zeigt sich also, ganz nach Malthus, einerseits die örtliche Übervölkerung. Anderseits aber müssen wir den Mangel einer ausgleichenden internationalen Organisation als die zweite Ursache erkennen, der abzuhelfen aber wohl unendlich schwer ist. Zum mindesten scheint die heutige Menschheit trotz mancher Ansätze noch nicht reif dazu. Wenn sich aber der Malthus-Satz für übervölkerte Gebiete bisher als richtig erwiesen hat, kann man nichtsdestoweniger die Frage aufwerfen, ob dies bei gesteigerter Kultur auch immer so bleiben müsse. Damaschke, »Die Bodenreform«, sagt darüber: Was Malthus dazu führt, sein Bevölkerungsgesetz als so fest begründet anzu sehen, ist seine Anschauung vom »Gesetz der Produktion auf Land« oder, wie es auch genannt wird, dem »Gesetz der ab nehmenden Erträge«. Nach ihm wird überall der beste Boden zuerst in Angriff genommen. Die Kultur des minder guten Bodens, zu dem die Menschen später greifen müssen, erfordere mehr Kapital und Arbeit, und doch müsse »im Verhältnis, wie die Kultur sich ausdehnt, die Zunahme der früheren Durehschnitts- produktion allmählich und regelmäßig abnehmen«. Der Ertrag einer Fläche sei nicht nur endlich beschränkt, sondern es müsse auch jede Steigerung des Ertrages durch Aufwendung von ver hältnismäßig mehr Arbeit und Kapital erkauft werden. Dieses Gesetz der Produktion auf Land ist wohl richtig — unter einer Bedingung; Arbeit und Kapital werden stets in unveränderter Weise angewandt. Sobald aber die Arbeit- und Kapitalverwen- wendung eine andere wird, tritt dadurch eine Tendenz in Wirk samkeit, die der Tendenz der sinkenden Erträge widerstreitet. Das spricht Malthus selbst einmal im 10. Kapitel des III. Buches aus; »Ein verbessertes Kultursystem kann beim Ge brauch besserer Geräte eine lange Zeit die Tendenz einer aus gedehnten Kultur und einer großen Kapitalzunahme, geringere Verhältniserträge zu liefern, mehr als aufwiegen.« Er ist aber diesem Gedanken nicht nachgegangen und hat nament lich nicht erwogen, ob eine Wechselbeziehung zwischen der Ver mehrung der Bevölkerung und der Verbesserung des Knltursystems 3*