Innere Kolonisation 4L mit 17'2% reßpektive 21'8%- Aus diesen Ziffern springt recht deutlich in die Angen, daß Europa längst aufgehört hat, sich selbst zu genügen. Das wissen wir freilich alle, aber wir würdigen die Folgen dieser Tatsache zu wenig. Meist waren wir vor dem Kriege stolz darauf, in wie hohem Maße sich der europäische Außenhandel entwickelt hat; daß wir aber damit auch von Übersee abhängig sind, ist uns erst durch den Welt krieg so recht zum Bewußtsein gekommen. Was diesmal den Mittelmächten passiert ist — daß sie zugrunde gehen mußten, weil ihnen die auswärtige Zufuhr abgeschnitten war —, kann bei einer anderen Kräftekonstellation das näehstemal andere Staaten treffen; ja es kann, wenn vielleicht in Zukunft einmal Europa als Ganzes um seine Weltgeltung ringen muß, für den ganzen Erdteil zum Verhängnis werden. Professor Schullern sagte deshalb schon im Dezember 1915 in seiner Einleitung zu Jurascheks geographisch-statistischen Tabellen; »Es sei auch der Gedanke nicht ganz außer acht ge lassen, daß der Krieg möglicherweise Verschiebungen in den Binnenwanderungen, in der Berufsgruppierung usw. zeitigen wird. Darin würde aber ein Umstand von um so größerer Wichtigkeit liegen, als man gerade aus dem Kriege hat lernen können, wie sehr das Produktions- vor dem Verkehrs-, vor allem aber vor dem Geldproblem an Bedeutung voraussteht; nicht die Geld- beschaffungs-, wohl aber die Produktionsfrage hat für den Krieg (dessen Ausgang damals noch unbekannt war) eine allererste Be deutung. Damit aber rückt das Agrarproblem wieder aus dem Winkel, in dem es so lange Zeit irrigerweise gehalten worden ist, in den Vordergrund des Interesses: nicht Industrialisierung um jeden Preis und auf Kosten der Eigenerzeugung an Lebens mitteln, sondern die den gegebenen Verhältnissen und Bedürf nissen jeweils am besten angepaßte Verteilung und die lücken lose Verwertung aller produktiven Kräfte im Staatsgebiete muß das Ziel einer weitaussehenden Volkswirtschaftspolitik sein.« Nur ein Staat, dem es gelingt, auf seinem eigenen Gebiet alles Lebensnotwendige, vor allem aber die Nahrungsmittel selbst zu erzeugen, steht bei kriegerischen Verwicklungen auf festen Füßen. Auch ein solcher kann aber einer raschen Vermehrung seiner Bevölkerung, die er vor allem aus militärischen Gründen