54 Schlußbetrachtung Was speziell Europa anbelangt, macht sich die Zerschlagung zweier großer Reiche — Rußlands und Österreich-Ungarns — politisch und wirtschaftlich in schwerster Weise fühlbar. Während vor dem Krieg ein deutlicher Zug zu großzügiger Weltwirtschaft herrschte, der den Zusammenschluß mehrerer kleiner in wenige große Wirtschaftsgebiete vorbereiten wollte, haben die Friedensverträge Europa balkanisiert und damit dem Wirtschaftsverkehr jene tausend Schranken wieder auferlegt, die vergangene Epochen mit Mühe beseitigt hatten. Wir haben im Lauf unserer Betrachtungen oft genug darauf hingewiesen, daß die Übervölkerungsgebiete zu wenig Natur produkte, vor allem Nahrungsmittel, erzeugen, um davon leben zu können. Sie brauchen Zuschub aus weniger dicht besiedelten Gegenden und geben dafür ihre Industrieprodukte in Tausch. Dem Notstand der Gegenwart könnte also nur durch Einrichtungen ab geholfen werden, die diesen Austausch der Produkte erleichtern. Es müßte also die Handels- und Verkehrsfreiheit wenn möglich in einem noch viel ausgedehnteren Maße, als sie vor dem Kriege bestand, wieder hergestellt werden. Derzeit hat die Erde noch genügend Produkte aller Art, um dem Mangel der Übervölkerungsgebiete durch die Überschüsse der dünn bevölkerten abzuhelfen. Immer aber wird der Verkehr zwischen fremden Ländern gewissen Beschränkungen unterworfen sein. Völlig ungehindert vollzieht sich der Austausch der Produkte von Industrieländern gegen jene benachbarter Agrarländer nur dann, wenn sie einem einzigen Wirtschaftsgebiet angehören. Was wir daher speziell in Mitteleuropa brauchen, ist die Bildung großer Wirtschaftsverbände, in denen sowohl Industrie ais Agrarländer, vertreten sein müssen, an Stelle der durch die Friedens Verträge geschaffenen lebensunfähigen Zwergstaaten. Für das zerschlagene Österreich-Ungarn, das ein solches Wirtschaftsgebiet war, wird früher oder später in irgendeiner Form Ersatz geschaffen werden müssen. Das wäre vielleicht der erste Schritt. Für die fernere Zu kunft wird es freilich auch damit noch nicht abgetan sein. Schon heute denken manche viel weiter. So faßte der Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika auf der Brüsseler Konferenz