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        <title>Das Minenwesen in Argentinien</title>
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            <forname>Rudolf</forname>
            <surname>Hauthal</surname>
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            <idno>1014451132</idno>
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        Veröffentlichungen
des
Deutsch-Argentinischen  Centralverbandes
zur  Förderung  wirtschaftlicher  Interessen.
Heft  6.  ff

Das  Minenwesen
in  Argentinien.
Von
Prof.  Dr.  R.  Hauthal.

Mit  9  Abbildungen.

Berlin  1912.
Süd-  und  Mittel-Amerika-Verlag  G.  m.  b.  H.
Berlin  SW.  11,  Bernburger  Straße  30.
        <pb n="2" />
        Mit  stetig  wachsender  Wucht  macht  sich  Argentinien
auf  dem  Weltmärkte  fühlbar.  Vor  wenig  Jahrzehnten
noch  nur  von  Wenigen  gekannt,  ist  jetzt  der  Name
Argentinien  in  Aller  Munde  als  das  LandderZukunft.
Und  mit  Recht.  Seine  natürlichen  Verhältnisse:  die
geographische  Lage  am  Atlantischen  Ozean,  dem  Herzen
der  Welt,  mit  lang  sich  erstreckender  Küste  und  guten
Häfen;  seine  orographische  Gliederung:  im  Osten  weit
sich  dehnende  fruchtbare  Ebene,  im  Westen  die  gewaltigen
Hochgebirge  der  Kordillere,  die  mit  ihren  Schnee-  und
Eisfeldern  mächtige,  unerschöpfliche  Wasserreservoire
für  die  am  Fuße  sich  erstreckenden  trockeneren  Gefilde
bergen;  seine  Längserstreckung  von  Nord  nach  Süd  vom
23.  0  is.  B.  bis  zum  56.  0  s.  B.,  die  ihm  die  Produkte
aller  Zonen  gewährleistet,  seine  gesunden,  namentlich  im
mittleren  Gebiet  Argentiniens,  vorzüglichen  klimatischen
Verhältnisse  —  Buenos  Aires  ist  eine  der  gesündesten
Städte  der  Erde  —  sind  die  gegebenen  unveränderlichen
Faktoren,  bilden  die  feststehende  Grundlage  des  wirtschaftlichen ­
  Aufschwungs.  Sie  sind  aber  zugleich  auch
die  Gewähr,  daß  diese  wirtschaftliche  Blüte  nicht  eine
vorübergehende,  sondern  eine  dauernd  sich  steigernde
ist.  Ist  doch  das  Land  beinah  6  mal  größer  als  Deutschland ­
  und  sind  doch  von  den  100  Millionen  Hektar,  die
für  Ackerbau  tauglich  sind,  bis  jetzt  nur  20  Millionen
Hektar  unter  den  Pflug  genommen,  —  im  Verhältnis  zu
seiner  jetzt  etwa  7  Millionen  Einwohner  betragenden
Bevölkerung,  allerdings  schon  eine  recht  bedeutende
(etwa  i/ 3  Deutschlands),  im  Verhältnis  zur  Größe  des
Landes  aber  sehr  kleine  Fläche.  Wie  emsig  der  Teil
der  7  Millionen  Einwohner,  der  sich  dem  Landbau  widmet,
arbeitet,  beweist  einerseits  das  Verhältnis  der  geringen
        <pb n="3" />
        4

Zahl  der  Arbeiter  zu  der  Ausdehnung  der  bebauten  Fläche,
andererseits  aber  auch  die  rapid  wachsende  Ausfuhr
der  Landesprodukte,  deren  Wert  jetzt  über  2  Milliarden
Mark  beträgt.  Eins  nur  erregt  dem  aufmerksamen  Betrachter ­
  der  Ausfuhrstatistik  die  Aufmerksamkeit:  —  daß
neben  den  Produkten  der  Viehzucht,  des  Ackerbaus  und
der  auf  dieser  Grundlage  sich  entwickelnden  Industrie,
wie  gefrornes  Fleisch,  Molkereiprodukte  etc.,  die  Produkte ­
  des  Bergbaues  eine  verhältnismäßig  außerordentlich
bescheidene  Rolle  spielen,  sich  auch  eine  nennenswerte
Zunahme  in  der  Ausfuhr  nicht  feststellen  läßt.  Der  ohnegleichen ­
  dastehende  wirtschaftliche  Aufschwung  des
Landes,  der  auch  nordamerikanische  Verhältnisse  weit
überflügelt,  erstreckt  sich  nicht  auf  das  Minenwesen.
Woran  liegt  das?  Das  Nächstliegende,  woran  bei  der
Beantwortung  dieser  Fragen  wohl  als  selbstverständlich
gedacht  wird,  ist  wohl  das,  die  Ursache  des  Darniederliegens
  des  Bergbaues  darin  zu  sehen,  daß  überhaupt  die
natürlichen  Grundlagen  des  Bergbaues  nur  schwache  sind,  \
daß  mineralische  Bodenschätze  nur  in  geringem  Maße
vorhanden  sind.  Diese  Antwort  deckt  sich  aber  nicht
mit  den  tatsächlichen  Verhältnissen.  Wir  müssen  uns
da  vergegenwärtigen,  daß  nach  allen  bisherigen  Erfahrungen ­
  die  Erzlagerstätten  in  ganz  vorwiegender  Anzahl ­
  vornehmlich  auf  die  Gebirge  der  Erde  beschränkt
sind.  Ein  Blick  auf  die  Karte  zeigt  uns  nun,  daß  Argentinien ­
  von  Chile  im  Westen  begrenzt  wird  durch  ein
gewaltiges  Gebirgssystem,  das  sich  über  30  Breitengrade
von  Nord  nach  Süd  erstreckt,  und  dann  sehen  wir  weiter,
daß  diesem  Gebirgssystem  im  nördlichen  Argentinien  nach
Osten  mehrere  Parallelzüge  vorgelagert  sind,  die  sich
gleichfalls  zu  bedeutender  Höhe  erheben.  Das  Famatinagebirge
  erreicht  eine  Höhe  von  über  6000  m.  Die
gebirgigen  Teile  nehmen  also  eine  gewaltige  Ausdehnung
ein.  Und  vergegenwärtigen  wir  uns  nun  weiter,  daß  bis
in  die  Mitte  der  neunziger  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts
hinein  die  Kordillere  eigentlich  noch  so  gut  wie  unerforscht
war,  daß  erst  die  Arbeiten  der  Grenzkommission  hier
mit  einer  Erforschung  den  Anfang  gemacht  haben,  und
        <pb n="4" />
        5

daß  erst  seit  kaum  6  Jahren  eine  systematische  geologische
Erforschung  des  Landes  eingesetzt  hat,  so  dürfen  wir  uns
nicht  wundern,  daß  aus  vielen  Gebieten  des  argentinischen
Gebirgslandes  keine  Kunde  von  Erzlagerstätten  bekannt ­
  ist.  Aber  aus  den  erforschten  Teilen  sind  eine
große  Menge  von  Minen  bekannt.  Am  besten  Aufschluß
geben  uns  da  die  Veröffentlichungen  des  unter  der  Leitung
des  Direktors  Hermitte  sich  gut  entwickelnden  Minendepartements, ­
  der  Division  de  Minas  y  Geologia,  die  Ab-Stausee

  und  elektrische  Kraftanlage  in  der  Sierra  de  Cordoba.
teilung  des  Ackerbau-Ministeriums,  welche  als  Zentralstelle ­
  des  gesamten  Minenwesens  Argentiniens  angesehen
werden  kann,  und  wo  über  die  angemeldeten  und  im  Betrieb ­
  befindlichen  Minen  genaue  Daten  zu  erkunden  sind.
Es  vergeht  kaum  ein  Tag,  an  dem  nicht  eine  Konzession  auf
neue  Minen  nachgesucht  wird.  Wenn  auch  ein  großer
Teil  der  angemeldeten  Minen  niemals  in  Angriff  genommen ­
  wird,  so  zeigen  uns  die  Zahlen  doch,  daß  das
Rohmaterial  für  den  Minenbetrieb,  daß  Erzgänge  in  genügend ­
  großer  Zahl  vorhanden  sind.  Welche  Ursachen
        <pb n="5" />
        6

sind  denn  nun  aber  vorhanden,  die  den  Aufschwung  im
Minenwesen  verhindern?
Vor  allen  Dingen  müssen  wir  uns  bei  der  Beantwortung ­
  dieser  Frage  vergegenwärtigen,  daß  wir  es  in
Argentinien  mit  ganz  andern  räumlichen  Verhältnissen
zu  tun  haben,  als  in  Deutschland.  Schon  oben  habe
ich  auf  die  Größe  Argentiniens  hingewiesen  —  ein  sehr
bedeutender  Teil  des  Landes,  vor  allen  Dingen  des  hier
in  Betracht  kommenden  Gebirges,  ist  noch  nicht  erschlossen ­
  -  unerforscht,  weil  zu  abgelegen,  zu  schwer
erreichbar.  Die  Entfernungen  sind  zu  groß.  Es  gibt
ja  jetzt  schon  über  30  000  km  Eisenbahn  im  Betriebe.
Aber  nur  wenige  Linien  erreichen  die  Kordillere,  die
meisten  Bahnen  konzentrieren  sich,  gemäß  dem  Gange
der  Erschließung  des  Landes,  in  den  östlichen  Niederungen
des  mittleren  Argentiniens,  wo  Ackerbau  und  Viehzucht
blühen.  Die  weiten  Entfernungen  und  der  Mangel  an
Verkehrsmitteln  (Eisenbahnen),  sind  eine  der  Hauptursachen, ­
  welche  den  Aufschwung  des  argentinischen  Minen-  \
wesens  verzögern.  Gerade  für  die  Verwertung  der  mineralischen ­
  Bodenschätze  sind  ja  leichte  Erreichbarkeit  und
gute  billige  Transportverhältnisse  die  notwendigsten  Lebensbedingungen. ­
  Wie  schwierig  in  dieser  Beziehung
die  Verhältnisse  in  Argentinien  sind,  will  ich  nur  an  einem
Beispiele  erläutern.  In  der  Gobernacion  Neuquen  befinden
sich  in  der  Kordillere  viele  Goldadern  und  Goldseifen,  deren
Ausbeutung  immer  und  immer  wieder  versucht  wird.
Bisher  mit  negativem  Erfolg.  Die  Erklärung,  daß  diese
durchaus  nicht  armen  Goldseifen  bisher  keine  befriedigenden ­
  Resultate  ergeben  haben,  liegt  darin,  daß  die
Transportverhältnisse  außerordentlich  schwierig  sind.  Die
Fracht  einer  Tonne  Ware  von  Buenos-Aires  bis  zu  diesen
Minen  kostet  700  Mk.,  das  ist  natürlich  viel  zu  viel,  denn
nicht  alle  Produkte  sind  so  kostbar,  daß  sie  die  hohen  Frachtkosten ­
  von  0,70  Mk.  pro  Kilo  ertragen  können.  Ein  anderer
Umstand,  der  auch  nicht  günstig  auf  die  Entwicklung
des  Minenwesens  einwirkt  oder  besser  eingewirkt  hat,  ist
der,  daß  die  weitaus  größte  Mehrzahl  der  Minen  viel
zu  voreilig  in  Betrieb  genommen  wurden  und  werden.
        <pb n="6" />
        7

Man  hat  es  verschmäht,  von  gewissenhaften,  kompetenten
Personen  neu  entdeckte  Erzlagerstätten  gründlich  untersuchen ­
  zu  lassen.  Mit  dem  in  vieler  Beziehung  für  die
Entwicklung  eines  neuen  Landes  ja  günstigen  Optimismus
hat  man,  sowie  ein  Erzgang  entdeckt  war,  oft  auch  ohne
genügendes,  ja  ohne  jegliches  Kapital,  die  Ausbeute  begonnen. ­
  In  vielen  Fällen  mußte  dieselbe  dann  nach  kurzem
Betrieb  wieder  eingestellt  werden,  da  sich  herausgestellt
hat,  daß  zu  wenig  und  minderwertiges  Erz  vorhanden  war,

Mlna  Concordia,  Provinz  Salta.

oder  weil  die  geringen  Mittel  erschöpft  waren.  Daher  die
unverhältnismäßig  große  Zahl  von  aufgelassenen  Minen.
Zur  Entschuldigung  der  voreiligen  Optimisten  muß
angeführt  werden,  daß  leider  mit  dem  Vertrauen  der
Auftraggeber  sehr  viel  Mißbrauch  getrieben  wurde.  Viele
Gutachten  waren  und  sind  auch  leider  heute  noch  vielmehr ­
  wirkliche  Gutachten,  als  unparteiische  Beurteilungen ­
  der  Minen.  Die  Minen  werden  oft  als  gut  und  als
abbauwürdig  dargestellt,  auch  wenn  sie  es  nicht  sind.
Wohl  in  den  meisten  Fällen  deshalb,  weil  die  Gutachter
sich  sagen,  ja  warum  soll  ich  bei  einer  schlechten  Mine
die  Wahrheit  sagen  und  abraten.  In  den  meisten  Fällen
        <pb n="7" />
        glauben  ja  die  Auftraggeber  einem  abratenden  Gutachten
doch  nicht,  und  gehen  nun  erst  recht  an  die  Ausbeutung
der  Minen.  Und  doch  viel,  sehr  viel  Geld  wäre  nicht
verloren  worden,  wenn  die  Gutachten  gewissenhaft  ausgestellt ­
  und  befolgt  worden  wären.  Ein  klassisches  Beispiel ­
  sind  die  berüchtigten  Goldseifen  des  Rio  San  Juan
de  Oro  bei  Tupiza,  allerdings  in  Bolivien,  aber  sehr
nahe  der  argentinischen  Nordgrenze,  und  die  Verhältnisse ­
  sind  die  gleichen  —  mutatis  mutandis.  Und  dann  —
es  war  argentinisches  Geld,  was  da  verloren  wurde.  Die
Gutachten  waren,  wenn  auch  nicht  gerade  ungünstig,
doch  so,  daß  es  geraten  gewesen  wäre,  nur  mit
einer  gewissen  Vorsicht  an  die  Ausbeutung  heranzugehen.
Aber  da  wurde  gleich  die  Ausbeutung  in  allergrößtem
Maßstabe  in  Angriff  genommen.  Vier  große  Baggermaschinen ­
  wurden  unter  ungeheuren  Kosten  per  Maultiere ­
  und  per  Karren  auf  den  schwierigen  Wegen  von
Buenos-Aires  aus  hinaufgeschafft  -—  und  als  nun  die
Bagger  zu  arbeiten  anfingen,  da  war  entweder  viel  zu
wenig  Gold  da  oder  überhaupt  keins,  so  daß  schon  nach
ganz  kurzer  Zeit  der  Betrieb  eingestellt  werden  mußte,
und  die  Gesellschaft  sich  auflöste.  Die  4  Bagger  liegen
da  oben  und  sind  für  den,  der  sie  haben  will,  für
ein  Spottgeld  zu  kaufen.  Ähnliche  Vorkommnisse,  die
sich  leider  auch  in  Argentinien  wiederholten,  übten  natürlich ­
  ihre  Wirkung  aus.  Das  Kapital  wurde  mißtrauisch
und  zog  und  zieht  sich  immer  mehr  vom  Minenwesen
zurück.
Wie  man  oft  ohne  genügende  gründliche  Voruntersuchung ­
  an  die  Ausbeutung  einer  Erzader  heranging,  so
in  vielen  Fällen  auch  ohne  genügendes  Kapital.  Man
wollte  eben  ohne  Anlagekapital  möglichst  rasch  —  möglichst ­
  viel  aus  der  Mine  herausholen.  Da  war  dann  allerdings ­
  oft  das  geringe  Kapital  verbraucht,  ehe  überhaupt
ein  regelrechter  Abbau  beginnen  konnte,  wenn  überhaupt
von  einem  regelrechten  Abbau  geredet  werden  kann.
In  den  meisten  Fällen  war  es  wildester  Raubbau  in  verwegenstem ­
  Sinne  des  Wortes,  an  dessen  üblen,  weil  für
den  später  einsetzenden  regelrechten  Betrieb  sehr  kost ­
        <pb n="8" />
        9

spieligen,  Folgen  wirklich  gute  Minen  jetzt  noch  zu  leiden
haben  (s.  z.  B.  im  Famatinagebiet).
Ein  fernerer  Übelstand,  der,  wie  es  scheint,  leider
auch  in  den  natürlichen  Verhältnissen  begründet  ist,  ist  der,
daß  es  in  den  hauptsächlichsten  Minengebieten  Argentiniens ­
  an  Brennmaterial  fehlt.  Gerade  in  den  minenreichsten ­
  Gegenden  des  nördlichen  Argentinien  sind  die
wenigen  Wälder,  welche  vorhanden  waren,  verbraucht,
die  so  eifrig  gesuchte  Steinkohle  ist  in  abbauwürdiger
Menge  bisher  nicht  gefunden,  so  daß  die  Erze  nicht
verhüttet  werden  können.  Das  ist  ein  sehr  großer  Übelstand, ­
  denn  die  Erze  müssen  in  roh  aufbereitetem  Zustande ­
  nach  Europa  verschickt  werden,  wodurch  sich  die
Kosten  des  Rohmaterials  bedeutend  verteuern.  Selbst  so
anerkannt  gute  Minen,  wie  z.  B.  diejenigen  von  Paramillo
  de  Uspallata  in  der  Provinz  Mendoza,  welche,
so  lange  Holz  vorhanden  war,  mit  gutem  Erfolge  betrieben
wurden,  sind  jetzt,  da  das  Brennmaterial  erschöpft  ist,
zum  Erliegen  gekommen.  Wenn  schon  auf  Minen,  die
wie  die  letztgenannten,  verhältnismäßig  nahe  bei  einer
Eisenbahn  liegen,  das  Fehlen  von  Brennmaterial  einen
so  verhängnisvollen  Einfluß  hat,  so  ist  es  leicht  einzusehen, ­
  daß  Minen,  die  weit  von  der  Eisenbahn  entfernt,
weit  im  Innern  des  Gebirges  liegen,  noch  viel  schwerer
unter  dem  eben  erwähnten  Mangel  zu  leiden  haben,  und
es  wird  verständlich,  daß  bei  dem  Minenwesen  Argentiniens ­
  von  einem  Aufschwünge  eigentlich  nicht  geredet
werden  kann.  Tröstlich  ist  dabei,  daß,  wie  wir  gesehen,
manche  der  hemmend  auf  die  Entwicklung  des  Minenwesens
einwirkenden  Übelstände  derartig  sind,  daß  sie  beseitigt
werden  können,  und  gerade  hier  muß  ich  es  mit  Genugtuung ­
  hervorheben,  daß  die  argentinische  Regierung  mit
Eifer  und  Erfolg  bestrebt  ist,  hier  Besserung  zu  schaffen.
Seit  etwa  8  Jahren,  seit  dem  der  Mineningenieur  Herrmitte
die  Leitung  des  Minenwesens  übernommen  hat  und
überall  da  reinigend  und  sanierend  eingreift,  wo  es  sich
um  Verhältnisse  handelt,  die  auf  dem  Verwaltungswege
gebessert  werden  können,  ist  ein  bedeutender  Umschwung
zum  Bessern  bemerkbar  geworden.  Die  natürlichen  Ver ­
        <pb n="9" />
        10

hältnisse  zu  ändern,  muß  ja  dem  Laufe  der  Entwickelung
des  Landes  überlassen  bleiben,  und  auch  da  ist  ja  eine
Besserung  in  mancher  Beziehung  schon  jetzt  zu  merken,
so  z.  B.  auf  dem  Gebiete  der  Transportmittel.  Die
Eisenbahnen  rücken  von  den  östlichen  Ebenen  immer
näher  an  die  im  Westen  gelegenen  Minenberge  heran
und  ersetzen  und  verdrängen  so  den  langsamen  Transport
auf  Maultiersrücken.
Diese  allgemeinen  Erwägungen  mögen  genügen,  die
allgemeine  Lage  des  Minenwesens  in  Argentinien  kurz

Mina  Capillitas,  Provinz  Catamarca.
zu  skizzieren.  Es  wird  nun  von  Interesse  sein,  hieran  anknüpfehd
  eine  mehr  geographische  Übersicht  der  Verteilung ­
  und  Verbreitung  der  Erzlagerstätten  im  Gebiete
der  argentinischen  Republik  zu  geben.  Werfen  wir  einen
Blick  auf  die  vom  Argentinischen  Bergamt  veröffentlichte
Karte,  so  fällt  uns  sofort  auf,  daß  die  weitaus  größte
Mehrzahl  der  Minen  sich  im  nördlichen  und  mittleren
Argentinien  befinden.  Das  mag  ja  wohl  zum  Teil  mit
Recht  darauf  zurückzuführen  sein,  daß  das  südliche  Argentinien ­
  viel  weniger  erforscht  ist  als  der  Norden,  und  zum
anderen  Teile  auf  die  orographische  Gliederung  Argen ­
        <pb n="10" />
        11

tiniens.  Das  nördliche  Argentinien  ist  viel  gebirgsreicher
als  das  südliche,  wo  die  östlichen  Ebenen  ganz  bedeutend ­
  überwiegen.  Aber  meines  Erachtens  nach  müssen
wir  in  der  petrographischen  Zusammensetzung  der  Gebirge ­
  die  Hauptursache  dieses  Verhaltens,  daß  nämlich
die  Minen  im  Süden  weniger  zahlreich  sind  als  im  Norden,
sehen.  Im  Norden  haben  wir  ganz  vorwiegend  paläozoische ­
  Gesteine,  die  von  mannigfachem  Eruptivgestein,
namentlich  von  Andesiten  und  Trachyten  etc.  durchbrochen ­
  werden.  Gerade  die  letzteren  Gesteine  nehmen
im  Norden  einen  ganz  hervorragenden  Anteil  an  der
Gebirgsbildung,  und  gerade  diese  jüngeren  Eruptivgesteine ­
  sind  es  ja,  die  sich  überall  als  die  besten  Erz-Caclieuta,

  Provinz  Mendoza,  Petroleumvorkommen.
bringer  erwiesen  haben.  Ein  Blick  auf  das  nördlich  benachbarte, ­
  so  minenreiche  Bolivien  mag  hier  als  beweisendes ­
  Beispiel  dienen.
Im  südlichen  Argentinien  haben  wir  ganz  andere
Verhältnisse.  Die  Sedimentgesteine,  welche  hier  gebirgsbildend
  auftreten,  sind  meistens  jüngeren  Datums
(vorwiegend  der  Kreideformation  angehörend),  während
die  Eruptivgesteine  (soweit  die  Forschungen  bis  jetzt
Aufschluß  geben)  zum  größten  Teile  granitischer  Natur
sind,  die  in  der  patagonischen  Kordillere  in  der  Form
der  geologisch  so  sehr  interessanten  Lakolithe  eine  große
Rolle  spielen.  Leider  haben  sie  sich  ja  auch  sonst  auf
der  Erde  nicht  sonderlich  günstig  als  Erzbringer  erwiesen. ­

Wenn  ich  jetzt  dazu  übergehe,  einen  Überblick  über
        <pb n="11" />
        12

die  geographische  Verbreitung  der  Minen  zu  geben,  so
möchte  ich  die  eigentlichen  Erze  trennen  von  den  anderen
nutzbaren  Mineralien,  wie  Kohle,  Petroleum,  Marmor  etc.
Beginnen  wir  mit  dem  Golde,  dem  Metalle,  „nach
dem  alles  drängt  und  an  dem  alles  hängt“.  Es  ist,  um  es
gleich  vorweg  zu  nehmen,  eigentlich  überall  in  Argentinien
vorhanden,  im  Norden  wie  im  Süden,  in  der  Ebene  wie  im
Gebirge,  und  es  scheint  so  eine  Ausnahme  von  der
oben  aufgestellten  Regel  zu  bilden,  daß  die  Erzlagerstätten ­
  auf  den  gebirgigen  Teil  des  Landes  beschränkt
sind.  Aber  doch  nur  scheinbar.  Die  ursprünglichen  Lagerstätten ­
  des  Goldes  befinden  sich,  wie  die  der  anderen
Metalle,  in  den  Gebirgen,  und  wie  die  anderen  Erze,  so
wird  auch  das  Gold  durch  die  ununterbrochene  Arbeit
des  Wassers  aus  dem  Gebirge  in  die  Ebene  transportiert,
aber  das  Gold  zersetzt  sich  nicht,  es  geht  keine  Verbindungen ­
  mit  den  Elementen  der  Luft  oder  des  Wassers
ein,  während  die  anderen  Metalle  und  Erze  dieses  tun,
das  heißt,  sie  zersetzen  sich  und  verschwinden  so  all-'
mählich  im  Laufe  des  Transportes.  So  finden  wir,
daß  das  Gold  sich  in  den  Kiesen  und  Gerollen  erhalten
hat  und  die  sogenannten  Goldseifen  bildet.  In  Argentinien
finden  wir  diese  Goldseifen  sowohl  im  Norden  am  Fuße
der  Gebirge,  so  bei  Rinconada,  Ajedrez  und  Cochinoco
auf  dem  Zipfel  der  Bolivianischen  Hochebene,  der  in
das  nördliche  Argentinien  hineinragt;  ferner  am  Fuße
des  minenreichen  Famatinagebirges  und  an  vielen  anderen
Orten  mehr.  Namentlich  aber  in  den  fluvio-glacialen
Ablagerungen,  die  in  gewaltiger  Ausdehnung,  sowohl  in
den  Gebirgstälern  des  mittleren  und  südlichen  Argentiniens ­
  sich  finden,  als  auch  namentlich  am  Fuße  der
patagonischen  und  feuerländischen  Kordillere  in  mächtiger
Ausdehnung  vorhanden  sind.
Es  würde  zuweit  führen,  alle  Ort.e,  an  denen  Gold
gewaschen  wird,  hier  aufzuführen.  Viele  dieser  Goldwäschereien ­
  führen  ja  nur  ein  vorübergehendes  Dasein.
Weiter  bekannt  geworden  sind  die  Wäschereien  in  der
Gobernacion  Neuquen  am  oberen  Rio-Neuquen.  Es  sind
die  Minenbezirke  Milla  Michi-Co  y  Malal  Caballo,  wo
        <pb n="12" />
        13

sowohl  Goldseifen  als  auch  goldhaltige  Quarzgänge  bearbeitet ­
  werden.  Aber  gerade  hier,  wo  es  sich  um  verhältnismäßig ­
  reiche  Erzlagerstätten  handelt,  machen  sich
die  oben  erwähnten  Schwierigkeiten  in  Bezug  auf  die  Transportverhältnisse ­
  sehr  ungünstig  geltend.  Die  Transportkosten ­
  von  Buenos  Aires  bis  zu  den  in  der  Kordillere
gelegenen  Minen  belaufen  sich  pro  Kilo  auf  70  Pfg.  Das

Petroleumbohrturm  in  Comodoro  Rlvadavla.

ist  ein  Übelstand  (es  muß  alles,  was  zum  Betriebe  der
Minen  und  zum  Lebensunterhalt  der  Arbeiter  gehört,
hinaufgeschafft  werden),  der  sehr  hemmend  auf  die  Entwickelung ­
  einwirkt.  Auch  hier  wird  in  späteren  Jahren
nur  mit  dem  Näherkommen  der  Eisenbahn  der  sicher
kommende  Aufschwung  eintreten.  Die  Goldseifen  haben
eine  sehr  große  horizontale  Verbreitung  und  erstrecken
sich  weit  außerhalb  des  Gebirges  bis  an  die  Küste  des
Atlantischen  Ozeans.  Natürlich  befindet  sich  das  Gold
        <pb n="13" />
        14

hier  in  sekundärer  Lagerstätte;  die  primären  Lagerstätten
des  Goldes  sind  im  Gebirge.  Es  sind  das  sowohl  goldführende ­
  Quarzgänge,  in  denen  das  Gold  meistens  mit
Eisenkies  vergesellschaftet  ist,  als  auch  Erzgänge,  in  denen
Kupfer,  Blei,  Arsen  und  andere  Metallverbindungen  Gold
führen.  Sehr  interessant  ist  in  dem  letzteren  Falle  der  Umstand, ­
  daß  diese  Erze  oft  vollständig  mit  einem  Überzüge
von  Gold  umgeben  sind.  So  namentlich  in  den  nördlichen
Minendistrikten  von  Capillitas  am  Anconquija,  Atajo,
namentlich  aber  in  dem  alten  minenreichen  Gebirgsstock
Famatina,  wo  in  dem  Grubenbezirke  „Mejicana“,  besonders ­
  die  Mine  Upulongos  durch  ihren  Goldgehalt
(250  gr  pro  Tonne)  seit  Alters  her  berühmt  ist.  Es  mag  auffallend ­
  erscheinen,  daß  das  gangartige  Vorkommen  des
Goldes  und  der  goldhaltigen  Erze  im  Norden  im  Gebiete
der  paläozoischen  Gesteine  weit  häufiger  ist  als  im  Süden,
wo,  wie  ich  schon  in  der  Einleitung  erwähnte,  das  Erzvorkommen ­
  überhaupt  zurücktritt.  Wenn  auch  nach  allen
bisherigen  Erfahrungen  in  Südamerika  die  Erze  an  gewisse
Eruptivgesteine  gebunden  sind,  die  im  Norden  häufiger
auftreten  als  im  Süden,  so  steht  doch  zu  erwarten,  daß  bei
fortschreitender  besserer  Kenntnis  der  südlichen  Gebirge
sich  auch  hier  noch  weitere  Erzlagerstätten  finden  werden,
deren  Ausbeute  freilich  erst  viel  später  in  Angriff  genommen ­
  werden  kann,  wenn  bessere  Transportmittel  vorhanden ­
  sein  werden.
Silber.  Ein  anderes  Edelmetall,  das  Silber,  ist  in
Argentinien  auch  recht  häufig  vorhanden.  Wenn  auch
die  horizontale  Verbreitung  der  Silberlagerstätten  gegenüber ­
  denen  des  Goldes  bei  weitem  naturgemäß  zurücktritt,
da  wegen  der  leichten  Zersetzung  des  Silbers  Silberseifen
nicht  Vorkommen.  Das  Silber  wird  nur  in  den  Erzgängen
gewonnen,  teils  kommt  es  da  in  gediegenem  Zustande,
zum  größeren  Teil  aber  mit  anderen  Metallen  verbunden,
namentlich  Blei,  vor.  Das  Vorkommen  der  silberhaltigen
Gänge,  seien  es  nun  Kupfer-  oder  Bleierze,  häuft  sich
wieder  im  Gebiete  der  paläozoischen  Gesteine  im  Norden.
So  in  der  Grube  Concordia  bei  San  Antonio  de  los  Cobres
im  Territorium  de  Los  Andes.  Auch  in  den  Provinzen
        <pb n="14" />
        15

Jujuy,  La  Rioja,  Catamarca,  Cordoba,  San  Juan  (La  Huerta,
Marayes,  La  Cortadera,  Tontalgebirge  etc.).  Am  bekanntesten ­
  sind  wohl  die  Silberlagerstätten  des  Famatinagebirges
  in  der  Provinz  La  Rioja,  so  namentlich  der
Grubenbezirk  Tigre,  wo  neben  anderen  Silbererzen
namentlich  das  Rotgültigerz  sehr  häufig  vorkommt.
Nicht  weniger  berühmt  sind  die  Silbergruben  in  dem
Bezirke  Paramillo  de  Uspallata  in  der  Provinz  Mendoza,
  die,  schon  früh  in  Ausbeutung  genommen,

Salzgewinnung-  auf  dem  Hochplateau,  Provinz  Jujuy.

jetzt  zum  Erliegen  gekommen  sind,  da  es  an  Brennmaterial ­
  fehlt,  um  die  Erze  an  Ort  und  Stelle  zu
verhütten.  Auch  weiter  im  Süden,  sowohl  im  südlichen ­
  Teile  Mendozas  als  auch  im  Territorium  Neuquen
sind  Silbererzgänge  (namentlich  Bleiglanz)  bekannt  geworden, ­
  während  aus  den  patagonischen  Kordilleren
eigentlich  nöch  keine  sichere  Kunde  von  derartigen  Erzgängen ­
  vorliegt.  Es  ist  aber  sehr  wahrscheinlich,  daß
auch  hier  Silbererze  vorhanden  sind,  da  die  allerdings
schon  zum  größten  Teile  verschwundenen  Ureinwohner
(Tehuelchen)  reichen  Silberschmuck  besaßen  und  die
        <pb n="15" />
        16

Silberschmiede  (Plateros)  bei  ihnen  eine  große  Kunstfertigkeit ­
  erlangt  hatten.
Kupfer.  Weit  verbreitet  ist  auch  das  Kupfer.  Aber
auch  bei  diesem  Metalle  tritt  sofort  wieder  der  Umstand
hervor,  daß  die  Kupfererzlagerstätten  fast  ausschließlich
auf  das  nördliche  Argentinien  beschränkt  sind.  Gediegenes
Kupfer  ist  selten  und  wohl  meines  Wissens  in  größerer
Menge  bisher  nicht  gefunden.  Hauptsächlich  findet  sich

Kohlenmine  am  Südabhang  des  Cerro  Pelado,  Me  doza.
gediegenes  Kupfer  in  den  östlich  vom  Parana  gelegenen
Provinzen  Corrientes  und  Misiones,  wo  es  wie  in  Paraguay ­
  an  Melaphyr  gebunden  ist.  Aber  das  Vorkommen
ist  so  sporadisch,  daß  ein  eigentlicher  Abbau  wohl  niemals ­
  stattgefunden  hat.  Reiche  Kupfererze,  die  auch  seit
Alters  her  abgebaut  werden,  bilden  dagegen  den  eigentlichen ­
  Grundstock  des  Bergbaues  in  den  nördlichen  Provinzen ­
  Argentiniens,  Salta,  Catamarca,  La  Rioja,  San  Juan
und  Mendoza,  und  erstrecken  sich  bis  in  Neuquen  hinein,
während  sich  auch  hier  wieder,  wie  bei  den  anderen  Erzen,
        <pb n="16" />
        17

die  Erscheinung  geltend  macht,  daß  in  der  patagonischen
Kordillere  bisher  nur  sehr  wenig  Kupfererze  bekannt  geworden ­
  sind,  über  deren  Ausbeutungswürdigkeit  nichts
verlautet.  Wenn  ich  einige  der  bekannteren  Erzgruben
erwähnen  soll,  so  möchte  ich  da  die  auch  schon
weiter  oben  genannten  Minenbezirke  von  San  Antonio
de  los  Cobres  (Andes),  Capillitas  (Catamarca),  Chacabuco
  (Salta),  Famatina  (La  Rioja),  besonders  aber  noch
Las  Choicas  (Mendoza)  nennen.  Während  aus  Patagonien ­
  noch  keine  Kupfererze  bekannt  geworden  sind,
sind  in  neuerer  Zeit  von  den  Inseln,  die  im  Westen  und
Süden  des  patagonischen  Festlandes  liegen,  mehrere
Kupfererzvorkommen,  namentlich  Chalcopyrit,  bekannt  geworden; ­
  ihre  Abbauwürdigkeit  bedarf  der  näheren  Untersuchung, ­
  doch  haben  sie  den  Vorteil,  daß  sie  verhältnismäßig ­
  leicht  vom  Meere  aus  zu  erreichen  sind.
Blei.  Etwas  weniger  häufig  als  Kupfererze  findet
sich  Bleierz,  aber  immerhin  in  sehr  großer  Verbreitung.
Nach  unserer  bisherigen  Kenntnis  tritt  das  Vorkommen
von  Bleierzen  im  Norden  gegenüber  den  Kupfererzen
zurück,  überwiegt  dagegen  in  der  mittleren  Kordillere,
um  dann  im  Süden  in  Patagonien  nur  noch  sporadisch
aufzutreten.  Aus  den  andinen  Provinzen  San  Juan,
Mendoza  und  Neuquen  sind  bisher  die  hauptsächlichsten
Bleivorkommen  bekannt  geworden.  So  namentlich  bei
Las  Tolas  und  Talcanco  sowie  Castanoviejo  in  San  Juan,
besonders  aber  in  den  Minendistrikten  Paramillo  de
Uspallata,  dessen  Minen  ich  schon  weiter  oben  beim  Silber
erwähnt  habe,  wie  ja  überhaupt  die  Bleiglanzgänge  stets
einen  wechselnden,  mehr  oder  minder  großen  Silbergehalt
enthalten.
Eisen.  Von  diesem,  zwar  nicht  kostbarsten,  wohl
aber  wichtigsten  Metall,  sind  bisher  nur  Vorkommen  bekannt ­
  geworden,  die  zu  einem  Abbau  nicht  Anlaß  gegeben ­
  haben.  Ich  selbst  habe  an  verschiedenen  Stellen
sowohl  im  Norden  in  der  Puna  de  Atacama,  als  auch
in  der  Provinz  Mendoza  (nördlich  von  Uspallata  und
bei  Loncoche)  Eisenerze  angetroffen,  dieselben  sind  von
guter  Qualität,  ob  sie  aber  in  abbauwürdiger  Menge
        <pb n="17" />
        vorhanden,  konnte  ich  bei  dem  Mangel  an  Zeit  nicht
konstatieren.  Auch  über  die  Lager  von  Roteisenstein,
die  im  Misiones-Territorium  in  jüngster  Zeit  aufgefunden ­
  sein  sollen,  ist  mir  weder  in  Bezug  auf  Qualität,
noch  Abbauwürdigkeit  Näheres  bekannt  geworden.
Aber  nach  allem,  was  ich  selber  gesehen  und  von  anderen
Personen  gehört,  bin  ich  der  Ansicht,  daß  sowohl  im
Norden  als  wie  im  mittleren  Argentinien  abbauwürdige
Eisenerzlager  vorhanden  sind.
Von  anderen  Metallen  möchte  ich  nur  noch  die  folgenden ­
  erwähnen,  von  denen  Erzgänge  nicht  nur  angemeldet,
sondern  auch  in  Abbau  genommen  sind,  wenn  auch  der
letztere  zum  Teil  wieder  zum  Erliegen  gekommen  ist.
Antimon.  Von  diesem  Metall  sind  Erzgänge  bekannt ­
  von  San  Antonio  de  los  Cobres,  von  Higuera  (Cordoba), ­
  sowie  namentlich  von  Chumbicha  (Catamarca).
Zinn.  Von  diesem  Metall,  das  in  Bolivien  so  außerordentlich ­
  häufig  ist,  und  dessen  Seifen  und  Erzgänge  dort
zu  einem  großartigen  Bergbau  Veranlassung  gegeben
haben,  ist  eigentümlicherweise  bisher  in  Argentinien  meines
Wissens  nur  ein  Vorkommen,  das  von  Massan  in  der  Provinz ­
  La  Rioja  bekannt  geworden,  hier  treten  Quarzgänge
mit  Zinnstein  in  Granit  auf.  Der  Abbau  scheint  sich
aber  nicht  zu  lohnen,  da  er  vor  einigen  Jahren  wohl  begonnen, ­
  aber  nach  kurzer  Zeit  wieder  eingestellt  wurde.
Andere  Zinnerzvorkommen  sind  mir  nicht  bekannt,  doch
ist  es  mir  sehr  wahrscheinlich,  daß  in  denjenigen  Gebieten ­
  Argentiniens,  die  an  Bolivien  angrenzen,  Zinnlagerstätten ­
  noch  gefunden  werden.
Wolfram.  Von  diesem,  für  die  Stahlfabrikation
so  wichtigen  Erz  sind  ja  schon  seit  längerer  Zeit  Vorkommen ­
  in  den  Provinzen  Cordoba  und  San  Luis  bekannt.
Der  Wolframit  tritt  dort  in  Quarzgängen  mit  hellem
Glimmer  nesterweise  auf,  so  daß  wohl  der  Abbau  etwas
kostspielig  wird,  aber  doch  lohnend  bleibt.  Die  Deutsche
Gesellschaft  Hansa  betreibt  eine  Wolframmine  „Los  Condores“
  in  San  Luis  schon  seit  längerer  Zeit.
Selen.  Von  diesem  seltenen  Metall  ist  vor  allen  Dingen
das  Vorkommen  am  Berge  Umango  in  der  Provinz  La  Rioja
        <pb n="18" />
        19

bekannt  geworden.  Der  selenhaltige  Umangit  (Kupfererz)
tritt  hier  in  ziemlich  mächtigen  Gängen  auf,  die  früher
mit  großem  Erfolge  abgebaut  wurden,  jetzt  aber  zum
Erliegen  gekommen  sind.  Doch  dürfte  auch  hier,  da  das
Vorkommen  sich  noch  weiter  auszudehnen  scheint,  sich
später  einmal  ein  blühender  Bergbau  entwickeln.  Das
andere  Vorkommen  des  Selens,  als  Cacheutit  in  Cacheuta
bei  Mendoza  ist  wissenschaftlich  sehr  interessant,  aber
bergmännisch  ganz  ohne  Bedeutung.
Vanadium.  Zum  Schluß  dieser  kurzen  Übersicht
über  die  wichtigeren  Erze  möchte  ich  noch  das  Vanadium

Minen  in  der  Cordillere  von  S.  Rafael,  Mendoza.
erwähnen,  welches  allerdings  sehr  spärlich  in  den  Provinzen ­
  Cordoba  und  San  Luis  mit  anderen  Erzen,  z.  B.
Bleiglanz,  auftritt,  wichtiger  scheint  mir  das  Vorkommen
von  Vanadium  in  dem  zur  Gruppe  des  Albertit  gehörenden
Rafaelit  zu  sein,  welcher  im  Süden  der  Provinz  Mendoza
etwa  zwei  Tagereisen  westlich  von  San  Rafael  als  unregelmäßige ­
  Spaltenausfüllung  auftritt  und  früher  als
Brennmaterial  gewonnen  wurde.  Übrigens  ist  das  Vorkommen ­
  des  Rafaelites  im  Süden  der  Provinz  Mendoza
weit  verbreitet,  so  am  mittleren  Rio  Diamante,  bei
Loncoche  etc.
Diese  kurze  Übersicht  möge  genügen.  Ich  wollte
damit  nur  zeigen,  daß  die  argentinische  Republik
        <pb n="19" />
        20

keineswegs  arm  an  Erzlagerstätten  ist.  Im  Gegenteil, ­
  von  den  Metallen  Gold,  Silber,  Kupfer  und
Blei  sind  zahlreiche  Vorkommen  bisher  schon  gefunden ­
  und  in  Abbau  genommen  worden,  wo  hochprozentige ­
  Erze  vorhanden  sind.  Wer  nähere  Einzelheiten
über  das  Vorkommen  der  Erze  der  argentinischen  Republik ­
  wissen  will,  möge  die  mit  großem  Fleiße  von
Herrn  Doktor  Stappenbeck  zusammengestellte  „Übersicht ­
  über  die  nutzbaren  Lagerstätten  Argentiniens  und  der
Magelhaens  Länder“  (Zeitschrift  für  praktische  Geologie,
achtzehnter  Jahrgang,  1910,  Heft  2)  in  die  Hand  nehmen.
Er  wird  da  nicht  nur  alle  bisher  bekannten  Daten,  sondern
auch  am  Schlüsse  ein  in  sehr  dankenswerter  Weise  zusammengestelltes ­
  Verzeichnis  der  wichtigsten  Minenliteratur ­
  finden.  Nur  kurz  möchte  ich  nun  noch  auf  das  Vorkommen ­
  von  Steinkohle,  Petroleum,  Kalk,  Marmor ­
  und  anderen  wichtigen  Mineralien  hinweisen.  Das
wichtigste  Mineral  ist  namentlich  für  die  industrielle  Entwickelung ­
  die  Steinkohle.  Leider  müssen  wir  bekennen,
daß  trotz  aller  Bemühungen  und  Ermuntern  der  Regierung ­
  (seit  Jahrzehnten  schon  ist  ein  Preis  von
100  000  Mk.  für  den  ausgesetzt,  der  Steinkohle  in  guter
Qualität  und  abbauwürdiger  Menge  findet)  bisher  ein  abbauwürdiges ­
  Flöz  noch  nicht  gefunden  worden  ist.  Der
Umstand,  daß  dieser  Preis  noch  nicht  vergeben  ist,  beweist ­
  wohl  am  besten,  wie  es  um  alle  die  Angaben  bestellt ­
  ist,  die  da  von  dem  Auffinden  guter  mächtiger  Steinkohlenflöze ­
  wußten  und  wissen.  Und  doch,  wie  sehr
auch  bisher  alle  Hoffnungen,  Steinkohle  zu  finden,  zu
Wasser  geworden  sind,  wieviel  Geld  auch  immer  und
immer  wieder  im  versuchten  Abbau  verloren  worden  ist
(ich  möchte  hier  nur  an  die  unermüdlichen  Bemühungen
des  Doktors  Jose  Salas  in  Mendoza  erinnern)  —  nach  meiner
festen  Überzeugung  wird  sich  doch  einmal  am  Ostfuße
der  Kordillere  in  den  Provinzen  San  Juan  oder  Mendoza
ein  abbauwürdiges  Steinkohlenlager  auffinden.  Ist  doch
dort  die  unserer  europäischen  Steinkohlenformation  entsprechende ­
  Schichtfolge  auf  weite  Erstreckung  entwickelt,
und  durch  die  Fossilführung  (Pflanzenreste)  als  Steinkohlen ­
        <pb n="20" />
        21

formation  erwiesen.  Daß  bei  der  Wichtigkeit  der  Steinkohle ­
  alle  möglichen  anderen  Materialien  als  Steinkohle
denunziert  werden,  ist  nur  natürlich.  Ist  es  mir  doch
selber  oft  passiert,  daß  mir  Turmalin,  ja  selbst  schwarzer
Obsidian  als  Steinkohle  vorgezeigt  wurden.  Etwas
anderes  ist  es  mit  dem  Rafaelit,  aus  der  Gruppe  des
Albertits,  der  an  zahlreichen  Stellen  im  Süden  der  Provinz ­
  Mendoza  im  östlichen  Teile  der  Kordillere,  sowie
auch  im  Neuquen  bei  Chosmalal  teils  als  Spaltenausfüllung, ­
  teils  aber  auch,  so  am  oberen  Rio  Diamante
am  linken  Ufer  schichtartig  in  rotem  Sandstein  vorkommt. ­
  Alle  Versuche  haben  ergeben,  daß  das  ein
ganz  ausgezeichnetes  Brennmaterial  ist,  dessen  Gehalt  an
Vanadium  es  noch  um  so  wertvoller  macht.  Der  Abbau,
den  seiner  Zeit  Herr  Dr.  Salas  unter  großen  Kosten  in
der  östlichen  Kordillere  von  San  Rafael  betrieb,  ist
wieder  zum  Erliegen  gekommen.  Doch  glaube  ich,  daß
auch  für  den  Rafaelit  einmal  die  Zeit  der  erfolgreichen  Verwertung ­
  kommen  wird.  Auch  Braunkohle  ist  wiederholt ­
  im  südlichen  Argentinien  in  größeren  Flözen  nachgewiesen ­
  worden.  So  bei  San  Julian,  namentlich  aber  bei
Punta  Arenas  und  bei  Skyring  Water,  an  beiden  Punkten,
besonders  an  den  ersteren,  wird  die  Braunkohle  gewonnen. ­
  Es  ist  mehr  als  wahrscheinlich,  daß  in  den
mächtigen  Tertiärschichten,  die  östlich  von  der  Kordillere
in  Patagonien  sich  ausdehnen,  noch  weitere  Braunkohlenflöze ­
  in  abbauwürdiger  Menge  sich  finden  werden.
Petroleum.  Schon  seit  langem  war  das  Vorkommen ­
  von  Petroleum  sowohl  in  Jujuy  als  auch  in  Cacheuta
  bei  Mendoza  bekannt.  Aber  die  wiederholt  unternommenen ­
  Versuche,  so  namentlich  in  Cacheuta  und  Jujuy
eine  dauernde  Gewinnung  des  Petroleums  zu  erzielen,
mußten  aufgegeben  werden,  da  die  Lagerstätten  sich  zu
rasch  erschöpften.  Übrigens  sind  auch  von  vielen  anderen
Stellen  sowohl  im  Norden  als  namentlich  am  Ostfuß ­
  der  mittleren  Kordillere  Erdölvorkommen,  oft  mit
Asphalt  vergesellschaftet,  in  den  oberen  Schichten  der
Kreide  und  dem  Untertertiär  bekannt,  bisher  aber  nicht  zur
Ausbeutung  gekommen.  Wohl  aber  ist  das  der  Fall  bei
        <pb n="21" />
        22

dem  vor  einigen  Jahren  in  Comodoro  Rivadavia  am
Atlantischen  Ozean  bei  Bohrungen  nach  Wasser  entdeckten
Erdölvorkommen,  das  seit  jener  Zeit  mit  wachsendem
Erfolge  ausgebeutet  wird.  Es  ist  sehr  wahrscheinlich,
daß  in  dem  patagonischen  Tertiär  noch  weitere  Erdölvorkommen ­
  aufgefunden  werden.  1909  wurden  über
3  Millionen  Kubikmeter  gewonnen.
Borax.  Von  diesem  technisch  wichtigen  Mineral
sind  im  Norden  der  Republik  in  den  Salaren  auf  dem
Hochplateau  mächtige  Lagerstätten  in  Form  von  Boro-Minen

  der  „La  Mejicana“  im  Famatinagebirge,  La  Rioja,

natrocalcit  bekannt.  Die  gewaltigen  Salare,  die  sich  in
jener  an  Vulkanen  so  reichen  Gegend,  in  den  großen
Depressionen,  die  sich  oft  über  100  km  erstrecken,  vorfinden, ­
  bergen  unter  der  oberflächlichen  Steinsalzschicht,
die  auch  für  die  Bewohner  der  an  Salz  so  armen  Täler  am
Fuß  des  Hochplateaus  gewonnen  wird,  in  einer  Tiefe
von  1—2  m  mächtige,  mehr  oder  minder  reine  Lager  von
Boronatrocalcit.  Herr  Dr.  Fritz  Reichert  hat  diese
Lagerstätten  eingehend  studiert,  und  ich  möchte  diejenigen
von  Ihnen,  die  sich  dafür  interessieren,  auf  seine  fleißige
in  den  Anales  del  Ministerio  de  Agricultura  in  Buenos
        <pb n="22" />
        23

Aires  11,  II,  1907  erschienene  Arbeit  verweisen,  oder  auch
auf  seine  deutsche  Arbeit:  die  argentinischen  Borkalklager, ­
  Chemiker-Zeitung  1906,  Nr.  15.  Wiederholte  Versuche, ­
  diese  wertvollen  Bodenschätze  zu  heben,  sind  trotz
großer  Kosten  wegen  der  in  jenen  Gegenden  besonders
schwierigen  Transportverhältnisse  bisher  gescheitert.
Meines  Wissens  hat  nur  die  zwei  Stunden  westlich  von
Jujuy  arbeitende  belgische  Gesellschaft  den  Betrieb  bisher ­
  erfolgreich  aufrechterhalten.  Auch  hier  wird  mit
besseren  Transportmitteln  der  Zukunft,  namentlich  mit
dem  Ausbau  der  Eisenbahn,  ein  Aufschwung  ebenso  sicher
später  einsetzen,  wie  bei  den  gleichfalls  auf  dem  Hochplateau ­
  vorhandenen  gewaltigen  Lagern  von  reinem
Schwefel,  die  namentlich  im  westlichen  Teile  des
Plateaus,  so  am  Vulkan  Cerro  Azufre  südlich  vom
Llullaillüco,  vorhanden  sind.
Wenn  ich  nun  zum  Schlüsse  meiner  Ausführung  noch
andere  technisch  wichtige  Mineralien  kurz  erwähnen  soll,
so  möchte  ich  vor  allen  Dingen  auf  die  zahlreichen  Marmorund
  Kalksteinlager  hinweisen,  die  namentlich  in  den  älteren
Gebirgen  der  Provinzen  Cordoba,  San  Luis,  San  Juan,
Mendoza  und  Buenos  Aires  in  zahlreichen  Steinbrüchen
ausgebeutet  und  sowohl  zu  Bausteinen,  Grabsteinen  und
anderen  dekorativen  Zwecken  dienenden  Steinen  verwandt, ­
  als  auch  zur  Gewinnung  von  Kalk  in  den  zahlreichen, ­
  nach  neuesten  Systemen  angelegten  Kalköfen  gebrannt ­
  werden.  Ganz  besonders  aber  möchte  ich  hier  die
Aufmerksamkeit  auf  das  Vorkommen  eines  grünen
Marmors,  Onyx  genannt,  lenken,  der  wegen  seiner
großen  dekorativen  Wirkung  Berühmtheit  erlangt  hat.
Von  diesem  prachtvollen  dekorativen  Steine  sind  bisher
zwei  Lagerstätten  bekannt  geworden,  in  der  Provinz  San
Luis  bei  La  Torna  und  in  der  Provinz  Mendoza  bei  San
Rafael;  an  beiden  Orten  ist  das  Gestein  wahrscheinlich  in
jungtertiärer  Zeit  als  Absatz  von  kohlensauren  Kalk  in
Lösung  führenden  Quellen  zur  Ablagerung  gekommen.
Dieser  grüne  Marmor,  sowie  der  mit  ihm  zugleich  vorkommende ­
  sehr  schöne  graue,  mit  bronzefarbenen
Schnüren  durchzogene  Aragonit  bilden  einen  wertvollen
        <pb n="23" />
        24

Handelsartikel.  Damit  möchte  ich  die  Aufzählung  der
technisch  nutzbaren  Mineralien  beschließen.
Das,  was  ich  in  dieser  kurzen  Übersicht  angeführt
habe,  sind  nur  diejenigen  Minen,  die  bekannter  geworden ­
  sind,  weil  sie  längere  Zeit  schon  im  Betriebe
sind.  Es  würde  viel  zuweit  führen,  alle  Minen,  die
vorübergehend  einige  Monate  oder  jahrelang  hindurch
bearbeitet  sind,  aufzuzählen.  Wer  von  Ihnen  sich  näher
für  das  Minenwesen  interessiert,  findet  ja  in  den  Veröffentlichungen ­
  des  Minendepartements  alle  Minen  verzeichnet, ­
  und  zwar  nicht  nur  diejenigen,  die  im  Betriebe
sind  oder  in  Betrieb  genommen  worden  sind,  sondern
auch  alle  diejenigen,  die  angemeldet  sind  und  die  aus
irgendeinem  Grunde,  gewöhnlich  aus  Mangel  an  jeglichem ­
  Betriebskapital,  nicht  in  Betrieb  genommen  worden
sind.  Wir  haben  gesehen,  daß  das  Darniederliegen  des
Bergbaues  in  Argentinien  nicht  auf  Mangel  an  Erzlagerstätten ­
  zurückzuführen  ist;  die  sind,  und  zwar  in
hochprozentigen  Erzen,  in  großer  Fülle  vorhanden. ­
  Wir  haben  ferner  gesehen,  daß  sich  aus  der
Fülle  der  Minen  mehrere  Minendistrikte  als  besonders
reich  hervorheben  lassen,  so  namentlich  in  der  Provinz
Salta  San  Antonio  de  los  Cobres,  in  der  Provinz
La  Rioja  vor  allen  Dingen  das  seit  Alters  her  berühmte
Famatinagebirge,  wohl  der  reichste  Gebirgsstock
Argentiniens,  dessen  Hauptminen,  der  Bezirk  La  Mejicana,
  vor  etwa  12  Jahren  von  einer  englischen  Gesellschaft ­
  vollständig  angekauft  wurden,  die  auch  sofort  eine
Drahtseilbahn  von  den  höchstgelegenen  Minen  bis  an
die  am  Ostfuß  gelegene  Eisenbahnstation  „Famatina“
angelegt  hat.  Die  Bedeutung  der  Famatinaminen  ist
schon  daraus  ersichtlich,  daß  rings  um  den  Fuß  der  Famatina ­
  große  Hüttenwerke  angelegt  sind,  die  leider  jetzt
zum  allergrößten  Teile  außer  Betrieb  gekommen  sind,  da
auch  hier  das  vorhandene  Brennmaterial  aufgebraucht  ist.
In  den  Provinzen  Catamarca  und  San  Juan  verteilen  sich
die  Minenbezirke  auf  das  ganze  Gebiet  der  Kordillere,
während  in  der  Provinz  Mendoza  das  Hauptminengebiet
in  der  Vorkordillere,  und  zwar  in  Paramillo  de  Uspallata,
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        25

gelegen  ist.  Auch  hier  haben  wir  wieder  dieselbe  Erscheinung, ­
  daß  es  lediglich  der  Mangel  an  Brennmaterial
ist,  welcher  die  an  und  für  sich  reichen  Minen  seit
kurzem  zum  Erliegen  gebracht  hat.
Im  großen  Ganzen  erhellt  aus  dem,  was  bisher  von
argentinischen  Erzlagerstätten  bekannt  ist,  daß  sich  im
Norden  namentlich  Kupfererze  finden,  während  im
mittleren  Argentinien  namentlich  Bleierze,
welche  silberhaltig  sind,  überwiegen,  wohingegen  G  o  ld  ,
sowohl  im  gediegenen  Zustande,  als  auch  mit  andern
Metallen  verbunden,  über  das  ganze  Gebiet  sich
verteilt.  Weitere  Studien,  die  ja  nun  von  Seiten
des  Minendepartements  energisch  betrieben  werden,
werden  auch  hier  noch  interessante  Resultate  erbringen, ­
  ebenso  wie  auch  auf  dem  Gebiete  der
Beschaffenheit  der  Erzgänge  selber,  die,  soviel  ist  jetzt
schon  bekannt,  nicht  unwesentliche  Abweichungen  von
den  europäischen  Typen  zeigen.  Im  allgemeinen  haben
wir  gesehen,  daß  diejenigen  Schwierigkeiten,  die  dem
Aufschwünge  des  Bergbaues  entgegenstehen,  überwindbar ­
  sind,  da  sie  in  Verhältnissen  begründet  sind,
die  im  Laufe  der  Entwicklung  umgestaltet,  d.  h.
verbessert  werden  können,  so  namentlich  die  Transportverhältnisse. ­
  Dem  Aufschwung  des  Bergbaues  hinderlich
sind  namentlich  die  weiten  Entfernungen;  auch  der
Umstand  darf  nicht  unerwähnt  bleiben,  daß  bei  der  bisher ­
  vorhandenen  geringen  Zahl  von  Bergarbeitern  die
Arbeitslöhne  außerordentlich  hoch  sind,  ja  zum  Teil
herrscht  oft  auch  Mangel  an  Arbeitern,  alles  Umstände,
welche  die  Produktion  ganz  erheblich  verteuern,  so  sehr,
daß,  wie  die  Erfahrung  gezeigt  hat,  bisher  nur  ganz  besonders ­
  günstig  gelegene  und  reiche  Minen  mit  Erfolg
ausgebeutet  werden  können.  Damit  aber  auch  die  Produkte ­
  der  ärmeren  Minen,  deren  Erze  weite  Transporte
nicht  vertragen,  verwertet  werden  können,  ist  wohl  der
Gedanke  einer  ernsten  Erwägung  wert,  eine  große
zentrale  Hüttenanlage  zu  schaffen,  vielleicht  in  der  Provinz ­
  San  Luis  oder  auch  an  einem  günstig  gelegenen
Hafen  am  Parana,  wo  dann  alle  Erze,  auch  diejenigen,
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        welche  wenig  Gehalt  haben,  in  gewinnbringender  Weise
verhüttet  werden  können.  Das  ist  ein  Gedanke,  der
schon  vor  Jahrzehnten  auftauchte,  und  der  nicht  nur
wegen  der  Verringerung  der  Transportkosten  der  Erze,
sondern  auch  in  anderer  Beziehung,  namentlich  zur  Herstellung ­
  verschiedener  Erzmischungen  gleich  an  Ort  und
Stelle,  sehr  viele  Vorteile  bietet,  vor  allem  den,  daß  das
Brennmaterial  (Steinkohlen)  ja  verhältnismäßig  billig  dorthin ­
  geschafft  werden  kann.  Solange  wenigstens  müßte
die  Kohle  von  Europa  bezogen  werden,  als  in  Argentinien
keine  abbauwürdige  Steinkohle  gefunden  worden  ist.  Und
da  möchte  ich  mich  auch  an  dieser  Stelle  noch  dahin
äußern,  daß  die  Wahrscheinlichkeit,  abbauwürdige  Kohle
zu  finden,  nach  allen  bisherigen  Beobachtungen  trotz
aller  bisherigen  Mißerfolge  doch  vorhanden  ist.  Und
dann  —  sollte  wider  Erwarten  das  Auffinden  eines  abbauwürdigen ­
  Kohlenflözes  sich  noch  verzögern,  so  ist  ja
Argentinien  in  der  glücklichen  Lage,  über  eine  gewaltige
Masse  „weißer  Kohle“  zu  verfügen,  ln  den  Gebirgen  des
Landes  sind  noch  ungezählte  Wasserkräfte  vorhanden,
deren  Benutzung  nur  in  allerkleinstem  Maßstabe,  so  z.  B.
in  der  Sierra  de  Cordoba,  in  Angriff  genommen  ist.  Die
Anwendung  der  Elektrizität  auf  dem  Gebiete  der  Aufbereitung ­
  und  Verhüttung  der  Erze  ist  ja  erst  im  Anfang  begriffen. ­
  Aber  auch  hier  werden  im  Laufe  der  Jahre
sich  die  Methoden  immer  mehr  vervollkommnen,  so  daß
auch  von  dieser  Seite  her  dem  Minenbetriebe  Argentiniens
eine  zum  Aufblühen  führende  Unterstützung  erstehen  wird.
Aber  noch  eins:  Wir  dürfen  nie  vergessen,  daß  Argentinien ­
  noch  ein  junges  Land  ist,  wo  gerade  auf  dem
Minengebiete  die  wildesten  Spekulationen  einen  fruchtbaren ­
  Boden  finden.  Und  gerade  dieser  Umstand  muß
bei  der  Beurteilung  des  Darniederliegens  des  Minenwesens ­
  Argentiniens  sehr  in  Rechnung  gezogen  werden.
Aber  auch  da  sind  sichere  Anzeichen  der  Besserung  vorhanden. ­
  Die  schon  oben  erwähnte,  unter  Hermittes  zielbewußter ­
  Leitung  einsetzende  Tätigkeit  der  Direktion  de
Minas  y  Geologia  (Minendepartement)  richtet  vor  allen
Dingen  ihr  Augenmerk  darauf,  daß  die  im  großen  Ganzen
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        Druck:  Berliner  Buch-  und  Kunstdruckerei,  G.  m.  b.  H.,  Berlin  SW.  48  —  Zossen.

recht  guten  Bestimmungen  des  Minengesetzes  auch  wirklich ­
  befolgt  werden,  was  früher  leider  nicht  immer  der
Fall  war.  Darin  liegt  wohl  eine  Hauptgewähr,  daß  es
im  Minenwesen  Argentiniens  besser  wird  und  aufwärts
gehen  muß,  weil  nur  bei  einer  geordneten  Verwaltung  das
Vertrauen  des  so  notwendigen  Kapitals  sich  ihm  wieder  zuwendet. ­
  Und  bei  den  ja  im  allgemeinen  so  günstigen
natürlichen  Bedingungen  ist  es  mir  nicht  zweifelhaft,  daß
bald  auch  im  Minenwesen  Argentiniens  ein  dauernder,
festbegründeter  Aufschwung  sich  geltend  machen  wird
per  aspera  ad  astral
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        Image  Engineering  Scan  Reference  Chart  TE263

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erwiesen.  Daß  bei  der  Wichtigkeit  der  Steinmöglichen ­
  anderen  Materialien  als  Steinkohle
werden,  ist  nur  natürlich.  Ist  es  mir  doch
passiert,  daß  mir  Turmalin,  ja  selbst  schwarzer
als  Steinkohle  vorgezeigt  wurden.  Etwas
t  es  mit  dem  Rafaelit,  aus  der  Gruppe  des
der  an  zahlreichen  Stellen  im  Süden  der  Proloza
  im  östlichen  Teile  der  Kordillere,  sowie
Neuquen  bei  Chosmalal  teils  als  Spaltenaus-:ils
  aber  auch,  so  am  oberen  Rio  Diamante
Ufer  schichtartig  in  rotem  Sandstein  vor-Alle
  Versuche  haben  ergeben,  daß  das  ein
ezeichnetes  Brennmaterial  ist,  dessen  Gehalt  an
es  noch  um  so  wertvoller  macht.  Der  Abbau,
Zeit  Herr  Dr.  Salas  unter  großen  Kosten  in
ren  Kordillere  von  San  Rafael  betrieb,  ist
n  Erliegen  gekommen.  Doch  glaube  ich,  daß
m  Rafaelit  einmal  die  Zeit  der  erfolgreichen  Verammen
  wird.  Auch  Braunkohle  ist  wiederilichen
  Argentinien  in  größeren  Flözen  nachge--.rden.
  So  bei  San  Julian,  namentlich  aber  bei
las  und  bei  Skyring  Water,  an  beiden  Punkten,
an  den  ersteren,  wird  die  Braunkohle  ge-^
  Es  ist  mehr  als  wahrscheinlich,  daß  in  den
Tertiärschichten,  die  östlich  von  der  Kordillere
lien  sich  ausdehnen,  noch  weitere  Braunin
  abbauwürdiger  Menge  sich  finden  werden,
ileum.  Schon  seit  langem  war  das  Vor-?n
  Petroleum  sowohl  in  Jujuy  als  auch  in  Ca-Mendoza
  bekannt.  Aber  die  wiederholt  unter-Versuche,
  so  namentlich  in  Cacheuta  und  Jujuy
nde  Gewinnung  des  Petroleums  zu  erzielen,
Jgegeben  werden,  da  die  Lagerstätten  sich  zu
äpften.  Übrigens  sind  auch  von  vielen  anderen
vohl  im  Norden  als  namentlich  am  Ostittleren
  Kordillere  Erdölvorkommen,  oft  mit
-rgesellschaftet,  in  den  oberen  Schichten  der
;  dem  Untertertiär  bekannt,  bisher  aber  nicht  zur
:  '  gekommen.  Wohl  aber  ist  das  der  Fall  bei
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