22 starke Geldbedürfnis des Reiches ihre Durchführung in letzter Stunde verhindert. Der Weltkrieg und die Steuerlast, die er im Gefolge hat, wird wohl die Industrie auf lange hinaus der Hoffnung be rauben, die Steuerermäßigung für Zucker verwirklicht zu sehen. Uni so wünschenswerter ist die Erhaltung einer ausreichenden Zucker- ausfuhrmöglichkeit für die Zeit nach dem Kriege. Bei den großen Vorteilen, die der Rübenbau unserer Boden kultur und unserer Viehhaltung bringt, muß Deutschland bestrebt sein, seinen Rübenbau nach dem Kriege noch weiter als vordem aus zudehnen. Rohzucker- wie Sicdereigewerbe können nur dann wirt schaftlich arbeiten, wenn die Fabriken ihre Betriebseinrichtungen mit Anspannung aller Kräfte voll ausnützen. Geschieht dies, so müssen wir wieder mit einer Ausfuhr des Erzeugungsüberschusses rechnen. Ein solcher wird zwar angesichts der gesunkenen Weltvorräte und der auch noch einige Jahre nach Friedensschluß bleibenden Anbau- erschwerungen sich erst langsam wieder einstellen, so sehr auch die baldige Aufnahme der Zuckeraussuhr schon zur Verbesserung unserer Währung zu wünschen wäre. Ohne starke Ausfuhr könnten Zucker industrie und Rübenbau auf lange hinaus nicht bestehen. Haupt- absatzgebiet für unsere Ausfuhr war bisher der englische Markt. Die Ausfuhr nach dort betrug in den letzten Jahren: 1900/10 5 522 620 dz — 69,5 % der Gesamtzuckerciusfuhr 1910/11 6 588 210 „ — 58,4 % 1911/12 1,277 170 „ = 43,1 % „ 1912/13 6219 580 „ = 54,4 % „ In England hat der deutsche Zucker den starken Wettbewerb aller Zuckerausfuhrländer zu bestehen gehabt. Das hat zu ganz eigentümlichen Gebilden der Steuertechnik und der Handelspolitik gerade für Zucker geführt, wodurch die Lage der deutschen Zucker industrie aufs engste berührt worden ist. Mit der Ausdehnung und Entwicklung der Zuckerindustrie wurden die staatlichen Einnahmen aus den Zuckerzöllen geringer. Zum Teil zum Ausgleich dieses Aus falls, zum Teil wegen der Auffassung als Luxusverbrauchsgut wurden Rüben und Zucker mehr und mehr als Steucrobjekte herangezogen. Die Art der Steuergesetzgebung führte ganz von selbst zur Gewährung von Prämien, die später eine kurze Zeit auch offen gezahlt wurden. Die auch in anderen Rübenzucker erzeugenden Ländern eingerissene Prämienwirtschaft brachte allmählich immer unzuträglicher werdende Zustände auf dem Zuckermarkte mit sich. Die jahrelangen ans Ab schaffung der kontinentalen Zuckerprämien gerichteten Bemühungen Englands brachten im Jahre 1902 die Regierungen fast aller Rüben-