erheblich unter Herstellungswert verkäuflichem Zucker muß, wenn seitens der Regierung keine Hilfeleistung erfolgt, für Industrie und Handel zu einer Krisis führen. England hat seinen vorläufigen Bedarf in Kuba und hauptsächlich in Java gedeckt und wird von Januar ab große Quanten neuen Kuba-Zuckers zur Verfügung haben, so daß es von den neutralen Ländern, hauptsächlich Holland, nur noch solchen Zucker hereinläßt, der von einer amtlichen Be scheinigung begleitet ist, daß der Zucker nicht aus deutscher oder österreichischer Rohware hergestellt ist. Ein Verkauf »ach Amerika, der nur dann in Frage käme, wenn Amerika seine Bestände voll ständig aufgezehrt hätte, ist zwecklos, da der Verladung infolge des Krieges unüberwindliche technische Schwierigkeiten entgegenstehen. Holland, Italien, Dänemark, Schweden sind selbst Exportländer für Zucker." Für die Zuckerindustrie schien diese Lage tatsächlich gefährlich, denn sie besaß die großen alten Bestände und mußte für Unter bringung der bevorstehenden Ernte sorgen. Sie stand vor der Frage: Was soll ans der Ernte 1914 und aus dem Rübenanbau 1915 werden? — Die Ausfuhr war plötzlich vernichtet, Schiffe, mit deren Beladung man halb fertig war, mußten wieder entladen werden. Die Käufer des Zuckers neuer Ernte hatten durch Aushebung der Zeitbörse plötzlich und ohne es zu wollen eine ungeheure Gefahr auf ihre Schultern zu nehmen, gegen die jede Deckung und Versicherung unmöglich war. Was sollte aus diesen Käufern werden, wenn unter dem Druck der Bestände bei geschlossener Ausfuhr der Wertstand des Zuckers sich senkte? Der Untergang blühender, mühsam aufgebauter Geschäfte und Vermögen war unvermeidlich. Der Hamburger Handel litt am meisten darunter, mehr als der Magdeburger, der viel an Raffinerien abgibt. Deshalb ging zuerst von Hamburg eine Bewegung auf Aufhebung aller Zuckervorverkäufe aus. Die Sache wäre leicht zu machen gewesen, wenn nicht damit die berechtigten Interessen der Rohzuckerfabriken und der Weißzuckerverbraucher ge schädigt worden wären. Die ersteren hielten ihre Käufer fest unv wollten in der schweren Zeit nicht auch noch die Sorge um den Zucker auf sich nehmen, den sie schon verkauft hatten. Die letzteren sowohl aus dem Handel als aus der Fertigiudustrie (Marmeladen-, Schoko laden- und Keksfabriken) hatten sich zu einem bestimmten Preis den Bedarf gesichert, daraufhin zum Teil ihre Erzeugnisse weiterverkauft, so daß sie nicht aufs ungewisse hin auf ihre Rechte verzichten konnten. Um die Ausfuhr tobte ein heftiger Kampf der Meinungen. Die Vertreter der Zuckerindustrie stießen mit ihren Ausfuhrbestrebungen auf starken Widerstand und aus Mißtrauen, weil man sie als Ver-