43 besondere als Viehfutter Verwendung finden und damit eine rationelle Viehhaltung ermöglichen." *) 4. Andere Vorschläge gingen wieder dahin, die überschüssige Zuckermenge vorläufig vollständig aus dem Verkehr zu ziehen und die in ihr festgelegten Vermögenswerte durch eine Erleichterung der Beleihung durch die Darlehnskassen flüssig zu machen. Die damit notwendigerweise verbundene Aufhebung der Lieserungsverträge für Zucker neuer Ernte wurde in dieser Tragweite sowohl aus den Kreisen der Industrie, wie des Handels und der Verbraucher als eine un erwünschte Folge erklärt und abgelehnt. Der Vorschlag eines hervor ragenden Zuckerfachmannes, das Reich solle in die sämtlichen Ver träge des Handels eintreten, fand' damals — leider — keine Be achtung. Für eine derartige großzügige Lösung kriegswirtschaftlicher Probleme war die Zeit eben noch nicht reif. Die Reichsregierung nahm in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vom 4. Oktober 1614 zu der Frage wie folgt Stellung: „Die deutsche Zuckerindustrie wird durch den Krieg in zweifacher Weise berührt. Einmal sind ihr durch das Ausfuhrverbot die Wege nach dem Auslande abgeschnitten oder mindestens gebindert, sodann tritt ihre Aufgabe, der Versorgung des heimischen Nahrungs- und Futtermittelmarkts zu dienen, während des Krieges und für die nächste Zeit nach dem Kriege besonders in den Vordergrund. Alle Staaten sind zur Zeit eifrig bestrebt, ihre Nahrungsmittel vorräte sich nicht nur zu erhalten, sondern nach Möglichkeit zu ver mehren. Aus diesem Grunde wurde auch in Deutschland für Zucker alsbald nach Ausbruch des Krieges ein Ausfuhrverbot erlassen. Dies war um so notwendiger, als die deutsche Zuckerausfuhr regelmäßig zu nahezu acht Zehnteln nach England geht und es vor allen Dingen verhindert werden mußte, daß wir unsere Feinde mit einem wichtigen Nahrungsmittel von Deutschland aus versorgten. Das Ausfuhr verbot hat seinen Zweck, dre Engländer wirtschaftlich zu schädigen, auch durchaus erreicht. In England sind die Zuckerpreise bis auf das Doppelte gestiegen, was bei dem hohen Zuckerverbrauche der englischen Bevölkerung schwer ins Gewicht fällt. Auf der anderen Seite erwuchsen aus dem Ausfuhrverbote für unsere inländischen Zuckerinteressenten naturgemäß Schwierigkeiten. Aus der alten Rübenverarbeitung haben wir im Jnlande noch ziem lich erhebliche Vorräte aus Lager, und die neue Rübenverarbeitung mit einer im Durchschnitt recht guten Zuckerrübenernte steht vor der *) Helfferich, Deutschlands Volkswohlstand 1888 bis 1913, Seite 56.