56 Daß für diese Zwecke größere Zuckermengen dem unmittelbaren Ver brauche entzogen worden wären, ist nicht bekannt geworden. Im Ausfuhrgeschäft bildete Zucker ein wertvolles Kom- pcnsationsobjckt im Verkehr mit den nordischen Staaten und der Schweiz. Die von der Reichsregierung kontrollierte Ausfuhr hielt sich jedoch in normalen Grenzen. Die vielseitige Verwendung, die Zucker im Betriebsjahre 1914/15 gefunden hat, hatte bis zum Ende des Betriebsjahres die Bestände erheblich vermindert. Von den 4 000 000 dz Beständen am 1. September 1914 und der Gesamt erzeugung des laufenden Betriebsjahrcs im Betrage von über 25 000 000 dz verblieben am 31. August 1915 in den Zuckerfabriken und amtlichen Niederlagen rund 6 000 000 dz Rohwert und im Hamburger Freihafen rund 300 000 dz Rohwert. Hierbei wäre freilich zu berücksichtigen, daß die im freien Verkehr befindlichen Ver brauchszuckermengen wohl erheblich größer waren als am gleichen Zeitpunkte des Vorjahres. Die gesetzliche Regelung des Verkehrs mit Brotgetreide und Mehl und die damit verbundene Rationierung hatten die Bevölkerung im Frühjahr 1916 auf die reichlichere Verwendung anderer Lebens mittel hingewiesen. Der Rückgang der Erzeugung und die beginnende Beschränkung der Einfuhr der freien Lebensmittel führten nunmehr bei verstärkter Nachfrage zu einer erheblichen Steigerung aller Preise, die durch die Aussicht auf eine lange Dauer des Krieges noch weitere Kräftigung erfuhr. Zucker war im Überfluß vorhanden; die Preise im Groß- und Kleinhandel waren zwar etwas der steigenden Tendenz gefolgt, waren aber im allgemeinen noch als normal zu bezeichnen gewesen. Da kam die Zeit, in der von allen möglichen berufenen und unberufenen Seiten auf die Möglichkeit eines stärkeren Verbrauches von Zucker hingewiesen wurde; Zucker zur Streckung von Brot, mehr Zucker zu Süßigkeiten und zu Backwaren aller Art, Zucker zu Auf strichmitteln als Ersatz von Fetten, Zucker ins Feld als Liebesgabe, kurz Zucker für alles. Aus jeder Bahnfahrt wurde man durch An schläge in den Wagen darüber belehrt, daß der gute Deutsche mehr Zucker essen müßte. Schon im April 1915 kam es zu überraschenden örtlichen Stockungen in der Zuckerversorgung. Die Gründe hierfür waren mannigfacher Natur; sie sind teils in der veränderten Lage zu suchen, in der sich der Handel befand, teils liegen sie in den Schwierigkeiten der Fabrikation. Der Handel pflegte in Friedens zeiten feinen Bedarf meistens frühzeitig auf lange Zeit hinaus zu decken. Einerseits ließ nun die beschränkte Freigabe von Zucker zum steuerpflichtigen Jnlandsvcrbrauche größere Deckungskäufe in der Regel nicht zu, und wo sie möglich gewesen wären, wollte der Handel