~ 57 angesichts der unsicheren Lage das Wagnis großer Bestände mch f sich nehmen. Anderseits erschwerte auch der Umschwung m en Zahlungsbedingungen, der Übergang vom Kredit zur Barzahlung, dem Handel die Aufnahme größerer Warenmengen. Der. Handel lebte gewissermaßen von der Hand in den Mund. Geringfügige Störungen in der Fabrikation und Erschwerungen im Verkehr konnten in ein zelnen Orten zeitweise Zuckerknappheit hervorrufen. Die Ersetzung der zum Heeresdienste einberufenen geschulten Kräfte der Fabriken durch ungeschulte Hilfskräfte, vielfach auch der Mangel an einzelnen Materialien und an Gespannen verzögerte in den Siedereien die Ver brauchszuckererzeugung. Truppenverschiebungen und Anfuhr von Kriegsmaterial an die Front nahmen den größten Teil des rollenden Materials und der Verkehrslinien in Anspruch und verhinderten bie' rechtzeitige Zufuhr von Zucker nach einzelnen Teilen des Reiches oft auf längere Zeitdauer. Der steigende Zuckerbedarf zur Herstellung von Süßigkeiten und Aufstrichmitteln nahm gerade in dieser Zeit große Zuckermengen in Anspruch, die dadurch dem Handel und dem unmittelbaren Verbrauche entzogen wurden. Die Folgen der gegen Ende April sich zeigenden Unruhe auf dem Zuckermarkte waren gesteigerte Nachfrage von seiten der Verbraucher und des Handels und ein Anziehen der Groß- und Kleinhandelspreise. Die Entwicklung der Preise und besonders die sprunghafte Steigerung seit April zeigt die umstehende Tabelle, die Jakobs unter Benutzung amtlichen Materials und eigener Ermittlungen erstellt hat. Daß der Rückgang der Zuckcrrüben-Anbaufläche die Erwartungen derer übertreffen würde, die ihn mit allen Mitteln fördern zu müssen geglaubt hatten, stand damals schon ziemlich fest; man hatte also mit einer wesentlich geringeren Erzeugung im nächsten Bctriebsjahre zu rechnen. Die gesteigerte Nachfrage nach Zucker infolge der mannig faltigen Verwendungsartcn, die steigenden Preise und der mit Be stimmtheit zu erwartende Rückgang in der Erzeugung eröffneten für das Betricbsjahr 1915/16 günstige Aussichten auf Verwertung des Zuckers zu besser lohnenden Preisen, als sie im laufenden Betriebsjahre möglich gewesen war. An Stelle des bisherigen Bestrebens nach einer schnelleren Verwertung der Bestände trat bei Fabriken und beim Handel das Bestreben der Sammlung und Erhaltung großer Bestände zur günstigen Verwertung im neuen Betriebsjahre. Diesen veränderten Umständen hatte die Reichsregierung bei der Regelung des Zuckerverkehrs im Zeitabschnitt vom Mai bis November 1915 Rechnung zu tragen. Die von ihr in diesem Zeit raume getroffenen Maßnahmen erstreckten sich danach auf eine Er höhung des zum steuerpflichtigen Jnlandsverbrauche abzulassenden