97 wirtschaftlichen Erzeugnisse überhaupt und im Rahmen des gesamten Ernährungsproblems. Eine solche Darstellung muß aus mannig fachen Gründen späteren Friedenszeiten vorbehalten bleiben. Ein kurzer Rückblick auf die Ausführungen in den voraus gehenden Kapiteln läßt als Ursachen der gegenwärtigen Zucker knappheit erkennen: 1. die natürlichen Schwierigkeiten des Zuckerrübenanbaues und der Zuckererzeugung als Folge des Kriegszustandes, 2. die Einschränkung der Anbaufläche im Betriebsjahre 1615/16 durch gesetzliche Maßnahmen, 3. die Verwendung von Zuckerrüben und Zucker zu anderen Zwecken als der Verbrauchszuckererzeugung und der mensch lichen Ernährung, und 4. die Verschiebung innerhalb der einzelnen Bedarfsgruppen. Die Übernahme der Zuckerwirtschaft durch die Reichszuckerstelle konnte die einmal bestehende Zuckerknappheit nicht beseitigen. Aufgabe der Reichszuckerstelle war es vielmehr, die vorhandenen Bestände mit dem Bedarf in Einklang zu bringen und den Zucker dahin zu leiten, wo er aus militärischen oder aus ernährungswirtschaftlichen Gründen am dringendsten benötigt ist. Während im letzten Halb jahre des Wirtschaftsjahres 1915/16 die Zuweisungen an gewerbliche Betriebe und zur häuslichen Obstverwertung erheblichen Ein schränkungen unterworfen werden mußten, ermöglichte die vorsichtige Bewirtschaftung im Wirtschaftsjahre 1916/17 eine reichlichere Frei gabe von Zucker an gewerbliche Betriebe, vorzugsweise zur Herstellung von Aufstrichmitteln, und die Freigabe von 180 Millionen Pfund Zucker zur häuslichen Ob st Verwertung. Von den meisten Kommunalverbänden wird zur Zeit eine Monatskopf menge von 750 g an die Bevölkerung verteilt und der ihnen hiernach verbleibende Rest für besondere Zwecke, meistens für die häusliche Obstverwertung, ausgespart. Diese Monatskopsmenge entspricht der Menge, die in den meisten kriegführenden und neutralen europäischen Staaten der Bevölkerung zur Verfügung steht. Tat sächlich ist der gesamte Zuckcrverbrauch in Deutschland seit Kriegs- bcginn höher, als er in Friedenszeiten war; während im Jahre 1913/14 der durchschnittliche Verbrauch auf den Kopf der Bevölkerung nach Maßgabe der zum steuerpflichtigen Jnlandsvcrbrauche abge lassenen Mengen 18,9 kg Verbrauchszucker betrug, dürfte er jetzt ungefähr 1 1 / 2 kg mehr, also rund 20,5 kg Verbrauchszucker be tragen. Wenn trotzdem die der Bevölkerung zum unmittelbaren Verbrauche zugewiesenen Arengen ziemlich knapp bemessen werden