Individuums,  im  strengen  Sinne  des  Wortes  kommt  daher  kaum  vor,
sondern  nur  Kollektiv-  oder  G  e  m  e  i  n  w  i  r  t  s  ch  a  f  t,  d.  h.  eine  auf
Rechnung  mehrerer  Personen  geführte  Wirtschaft.
In  den  Anfängen  der  Gesellschaft  sehen  wir  ihre  einfachste  Form:
Menschen,  die  durch  Blutsbande  verknüpft  sind,  unterstützen  sich  gruppenweise ­
  wirtschaftlich.  Heute  finden  wir  diese  Familiengemeinschaft  als
Grundlage  der  Produktion  fast  nur  noch  beim  bäuerlichen  Landwirtschaftsbetriebe ­
  und  in  der  Hausindustrie.  Aus  der  selbstgenügsamen
Haus-  und  Familienwirtschaft,  und  neben  ihr,  entwickelte  sich
im  Lauf  der  Zeit  die  S  t  a  m  m  e  s  -  und  die  Gemeindewirtschaft.
Die  Mehrzahl  der  Familien  fabrizieren  zwar  noch,  was  sie  benötigen,
aber  es  entsteht  doch  schon  ein  Tauschverkehr.  Solange  all  diese  Wirtschaften ­
  von  einem  einzelnen  Willen  geleitet  werden,  bezeichnet  man  sie
als  Einzelwirtschaften  im  weiteren  Sinne,  oder  Privatwirtschaften. ­
  Durch  den  Tauschverkehr  greisen  die  Einzelwirtschaften  auf  die
mannigfachste  Art  ineinander  ein;  die  Existenz  einer  jeden  ist  von  der
einer  anderen  abhängig.  Jahrhundertelang,  sagt  Fradsric-Bastiat,
müßte  heute  jemand  arbeiten,  wollte  er  s  e  l  b  st  herstellen,  was  er  an
einem  Tage  genießt.  I  h  e  r  i  n  g  (Der  Zweck  im  Recht)  führt  vor  Augen,
was  mit  dem  Groschen,  für  den  man  sich  eine  Zeitung  kaufte,  alles  bezahlt
wird:  der  Unternehmer  der  Zeitung,  der  Drucker  mit  seinen  Leuten,  der
Papierfabrikant,  das  ganze  Redaktionspersonal,  die  Korrespondenten,  die
Depeschen,  die  Post,  der  Kolporteur  usw.  „Die  Schätze  des  Krösus  würden
nicht  ausgereicht  haben,  ihm  eine  Tasse  Kaffee  und  ein  Zeitungsblatt  zu
verschaffen,  wenn  er  alle  zu  diesem  Zwecke  nötigen  Operationen  individuell
für  sich  hätte  vornehmen  lassen  wollen;  ein  Armer  wird  heute  für  wenige
Groschen  von  mehr  Menschen  bedient  als  ein  Krösus,  wenn  er  seine  ganze
Schatzkamnier  hätte  ausleeren  wollen."
Wenn  die  Einzelwirtschaften  durch  eine  bestimmte  soziale  Ordnung
miteinander  verknüpft  sind,  sprechen  wir  vyn  Volkswirtschaft.  Volkswirtschaft ­
  nennen  wir  also  die  Gesamtheit  aller  in  einem  unlöslichen
Zusammenhang  stehenden,  zeitlich  und.  räumlich  vereinten  Einzelwirtschaften ­
  eines  bestimmten  Wirtschaftsgebietes,  eines  Volkes,  eines  Staates,
d.  h.  einer  Vereinigung  von  Angehörigen  der  gleichen  Rasse  und  Sprache,
die  e  i  n  e  Kultur,  e  i  n  Recht  haben  und  durch  andere  außerwirtschaftliche
Momente  miteinander  verknüpft  sind.  Ein  einheitlicher  Wirt-