schaftlicher  Wille,  der  den  ganzen  Organismus  leitet,  wie  der
Wirtschaftende  bei  der  Privatwirtschaft  oder  die  Regierung  (Parlament,  Monarch ­
  usw.)  bei  der  Staatswirtschaft,  existiert  in  der  Volkswirtschaft  nicht
ohne  weiteres.  Wohl  aber  gibt  es  in  der  Volkswirtschaft  Gesetze,  die
allerdings  nicht  von  den  Menschen  gemacht  und  erlassen  sind,  sich  aber
aus  innerer  Notwendigkeit  ergeben.  Aus  der  gegenseitigen  Abhängigkeit
und  Jnteressenverknüpfung  der  Sonderwirtschaften  entsteht  eine  Interessengemeinschaft ­
  und  ein  Zusammenwirken  der  Einzelwirtschaften  zur
Deckung  des  Gesamtbedarfs  des  Volkes.  Wie  man  unter  Wirtschaft
die  Tätigkeit  versteht,  die  auf  Güterbeschaffung  und  Deckung  des  Bedarfs
für  einen  einzelnen,  eine  Familie,  ein  Unternehmen  usw.  gerichtet  ist,
so  unter  Volkswirtschaft  die  Tätigkeit  eines  Volkes  zur  Deckung
seiner  Bedürfnisse.  Aufgabe  der  Volkswirtschaft  ist  es,  das  materielle
Güterleben  eines  Volkes  nach  Möglichkeit  zu  fördern.  Kollidiert  das
Einzelinteresse  der  Privatwirtschaften  mit  dem  Gesamtinteresse  der  Volkswirtschaft, ­
  d.  h.  erscheint  etwas,  vom  Standpunkt  der  einzelnen  Privatwirtschaft ­
  betrachtet,  vorteilhaft,  ist  dies  aber  vom  Standpunkte  der  Volkswirtschaft
  schädlich  für  die  Gesamtheit,  so  ist  es  Aufgabe  des  Staates,  als
des  Wächters  der  öffentlichen  Interessen,  einzugreifen  und  zu  verhüten,  daß
einige  wenige  sich  auf  Kosten  der  Gesamtheit  bereichern.  Im  Interesse
eines  Pächters  liegt  es  z.  B.,  das  von  ihm  nur  auf  einige  Jahre  gepachtete
Land  so  zu  bebauen,  daß  es  ihm  möglichst  hohe  Erträge  bei  möglichst  geringem ­
  Aufwands  abwirft.  Das  Wohl  der  Gesamtheit  hingegen  erheischt
es,  daß  kein  Raubbau  getrieben  wird,  sondern  daß  dem  Acker  durch  Dung
und  rationelle  Bebauung  die  entzogenen  Stosse  wieder  zurückgegeben  werden, ­
  damit  er  dauernd  ertragsfähig  bleibt.  Der  Staat  besitzt  Gewalt  über
die  Widerstrebenden  (Staatsgewalt)  und  verfügt  auch  über  Mittel,  sie
auszuüben  (Staatsvermögen).  Falsche  Wirtschaftspolitik  kann  eine  Nation
auf  schiefe  Bahnen  lenken  und  sie  um  Milliarden  schädigen.
Mit  dem  Fortschreiten  der  Kultur  geht  Hand  in  Hand  eine  größere
wechselseitige  Abhängigkeit  der  einzelnen  Individuen  und  der  gesellschaftlichen ­
  Gebilde.  Einer  muß  dem  anderen  aushelfen.  Nicht  nur  das  einzelne ­
  Individuum,  sondern  auch  eine  ganze  Volkswirtschaft  wird  von  einer
größeren  Gesamtheit  abhängig.  Der  internationale  Warenaustausch
(Welthandel)  vor  allem  bringt  die  einzelnen  Volkswirtschaften  in  ein
gegenseitiges  Abhängigkeitsverhältnis,  führt  zu  einer  internationalen  Ar-4

