Weiter  werden  unterschieden:  Unterhalts-,  Anstands-  und  Luxusbedürfnisse, ­
  leibliche  und  geistige  Bedürfnisse,  individuelle  Bedürfnisse  und  Gemein» ­
  oder  Kollektivbedürfnisse,  ferner  nach  ihrem  Ursprünge:  angeborene ­
  und  erworbene  Bedürfnisse.
Die  in  gewissen  Grundzügen  überall  ähnlichen  Bedürfnisse  entwickeln
sich  verschieden,  je  nach  den  klimatischen  Verhältnissen  —  Unterschied  der
Kleidung,  Ernährung  und  Wohnung  in  Tropenländern  und  in  Ländern
der  gemäßigten  oder  kalten  Zone  —,  nach  den  Fortschritten  der  Technik,
nach  der  Gesellschaftsverfassung  usw.,  daher  die  große  Verschiedenheit  der
Bedürfnisse  zu  verschiedenen  Zeiten.  Die  Bedürfnisse  werden  dringender
und  zahlreicher  mit  steigender  Kultur,  „die  Ansprüche  des  Lebens  wachsen".
Vieles,  was  früher  als  ein  großer  Luxus  galt,  ist  heute  allgemeines  Bedürfnis, ­
  ist  zur  Gewohnheit  geworden  (Kaffee,  Tee,  Fleisch).  Man  denke  ferner
z.  B.  an  die  wenig  abwechslungsreichen  Mahlzeiten  der  vornehmen
Griechen  zu  Homers  Zeiten  und  vergleiche  damit  die  „Diners"  vor  Kriegsausbruch. ­
  Während  Vergnügungsreisen  vor  einem  Menschenalter  noch
ein  Luxus  der  Reichen  waren,  fühlen  sich  heute  sonst  anspruchslose  Leute
beinahe  unglücklich,  wenn  sie  nicht  jedes  Jahr  einige  Wochen  an  die  See,
ins  Gebirge  oder  in  die  Großstadt  fahren  können.  Aber  auch  umgekehrt:
Der  unglückliche  Krieg  und  seine  wirtschaftlichen  Folgen  (Teuerung)  haben
dazu  geführt,  daß  manches,  was  uns  früher  hinsichtlich  der  Nahrungsund
  Kleidungsmittel  als  selbstverständlich  erschien,  heute  als  Luxus  gilt!
Bei  Völkern,  die  auf  einer  höheren  Kulturstufe  stehen,  ist  der  einzelne
nicht  nur  bestrebt,  die  Bedürfnisse  des  Augenblicks  zu  befriedigen,  sondern
er  wird  auch  durch  Sparen,  durch  Abschluß  von  Versicherungen  und  auf
andere  Arten  für  die  Zukunft  Sorge  tragen.
Die  Gesamtheit  der  zur  Befriedigung  der  leiblichen  und  geistigen  Bedürfnisse ­
  eines  einzelnen  oder  einer  Mehrheit  (Volk)  notwendigen  Güter
nennt  man  B  e  d  a  r  f,  die  Menge  der  zu  einem  bestimmten  Zeitpunkt  vorhandenen, ­
  zur  Befriedigung  der  Bedürfnisse  dienenden  Güter  Vorrat.
Den  psychischen  (inneren)  und  den  wirtschaftlichen  Bedürfnissen  entsprechen ­
  die  inneren  und  die  äußeren  Güter.
Die  äußeren  Güter  wieder  sind,  je  nachdem  ihre  Erlangung  dem,
der  sie  begehrt,  Arbeit  (Opfer)  kostet  oder  nicht,  freie  (naturfreie)  oder
wirtschaftliche  Güter.

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